Detlev von LiliencronNach einer künstlerischen Photographie von Rudolf Dührkoop, Hamburg
Max Dauthendey
Richard Dehmel
Hugo von Hofmannsthal
Arno HolzPhotographie A. Binder, Berlin W 15
Ricarda Ceconi-Huch
Else Lasker-SchülerAtelier Lisi Jessen, Charlottenburg, Bismarckstraße 3
Alfred Mombert
Rainer Maria RilkeNach einer Bronzebüste von Fritz Huf (Museum zu Winterthur, Schweiz)
Franz WerfelNach einer künstlerischen Photographie des Ateliers d'Ora, Wien I, Wipplingerstr. 26
Geboren am 9. März 1859 zu Wien, wo er den größten Teil seines Lebens verbrachte und am 8. Januar 1919 starb.
Ich sah dich den Amseln zärtlich Futter streuen –Ich sah dich deinen alten Vater sanft betreuen –Ich sah dich in einem Buche heilige Stellen anstreichen,Ich sah dich in Gesellschaft unadeliger Menschen erbleichen.Ich sah dich deine idealen Füße ungeniert nackt zeigen,Ich sah dich wie eine Fürstin dich edel-stolz verneigen.Ich sah dich mit deinem geliebten Papagei wie mit einem Freunde sprechen,Ich sah dich mit einem Manne wegen eines geringen Taktfehlers für ewig brechen – – –.Ich sah dich an Himbeerduft dich berauschen,Ich sah dich der Stille eines Sommerabends lauschen.Ich sah dich an dem Alltag wachsen, lernen,Ich sah dich traurig stehn vor trüben Gaslaternen.Ich sah dich dein Leben spinnen wie die Spinne ihr mysteriöses Gewebe – – –Ich schlich mich abseits, um dich nicht zu stören.Ich werde dich aber lieben, solang ich lebe!
Ich sah dich den Amseln zärtlich Futter streuen –Ich sah dich deinen alten Vater sanft betreuen –Ich sah dich in einem Buche heilige Stellen anstreichen,Ich sah dich in Gesellschaft unadeliger Menschen erbleichen.Ich sah dich deine idealen Füße ungeniert nackt zeigen,Ich sah dich wie eine Fürstin dich edel-stolz verneigen.Ich sah dich mit deinem geliebten Papagei wie mit einem Freunde sprechen,Ich sah dich mit einem Manne wegen eines geringen Taktfehlers für ewig brechen – – –.Ich sah dich an Himbeerduft dich berauschen,Ich sah dich der Stille eines Sommerabends lauschen.Ich sah dich an dem Alltag wachsen, lernen,Ich sah dich traurig stehn vor trüben Gaslaternen.Ich sah dich dein Leben spinnen wie die Spinne ihr mysteriöses Gewebe – – –Ich schlich mich abseits, um dich nicht zu stören.Ich werde dich aber lieben, solang ich lebe!
Mir bangt um dich, Anna – – –.Weshalb mir bang ist, weiß ich nicht,Ich weiß nur, daß mir bang ist.Mir ist bang!Wie einer Mutter bang ist ohne Grund,Noch sind sie alle munter und gesund – – –!Und wie dem Schiffer bang ist, bange, bange,Während die anderen noch langeDen wolkenlosen Himmel blöd betrachtenUnd den Warner ob seiner Weisheit nur verachten.Mir bangt, wie einem bangt,Der Kinder auf dem Meer-Sand-Hügel spielen siehtUnd weiß, daß nun die Flut vom Land sie abtrennt – flieht!Mir bangt, wie einem bangt,Der weiß, er wird gehenkt um sieben Uhr früh.So, so bangt mir um dich – – –Du bistmein Leben, es bangt mir ummich;Du aber, du gehst deinen Weg von mir,Nicht bangt vor meinem bangen Bangen dir,Dem neuen Schicksal treibst du jach entgegen – – –Und perlt mein Todesschweiß auf deinen Pfad hernieder,Nimmst du's als Tau auf neuen Morgenwegen!
Mir bangt um dich, Anna – – –.Weshalb mir bang ist, weiß ich nicht,Ich weiß nur, daß mir bang ist.Mir ist bang!Wie einer Mutter bang ist ohne Grund,Noch sind sie alle munter und gesund – – –!Und wie dem Schiffer bang ist, bange, bange,Während die anderen noch langeDen wolkenlosen Himmel blöd betrachtenUnd den Warner ob seiner Weisheit nur verachten.Mir bangt, wie einem bangt,Der Kinder auf dem Meer-Sand-Hügel spielen siehtUnd weiß, daß nun die Flut vom Land sie abtrennt – flieht!
Mir bangt, wie einem bangt,Der weiß, er wird gehenkt um sieben Uhr früh.So, so bangt mir um dich – – –Du bistmein Leben, es bangt mir ummich;Du aber, du gehst deinen Weg von mir,Nicht bangt vor meinem bangen Bangen dir,Dem neuen Schicksal treibst du jach entgegen – – –Und perlt mein Todesschweiß auf deinen Pfad hernieder,Nimmst du's als Tau auf neuen Morgenwegen!
Die da nicht kommen an deinen Tisch,Die sindklügerals ich!Die schützen sich!Ich aber, gleich der Motte im Lichte,Mache meinen Selbsterhaltungstrieb zunichte!Ich will lieber in Licht und Hitze sterben,Als gesichert um Anna oder Grete werben!Die da nicht kommen an deinen Tisch,Die sinddümmerals ich!Sie schützen sich!
Die da nicht kommen an deinen Tisch,Die sindklügerals ich!Die schützen sich!Ich aber, gleich der Motte im Lichte,Mache meinen Selbsterhaltungstrieb zunichte!Ich will lieber in Licht und Hitze sterben,Als gesichert um Anna oder Grete werben!Die da nicht kommen an deinen Tisch,Die sinddümmerals ich!Sie schützen sich!
Was kann ich für dich tun?!?Ich kann auf dem Spaziergang deinen Mantel tragen –Ich kann dich, wie du gestern schliefest, fragen – –.Ich kann, wenn man dir widerspricht, mit meinem Blicke sagen:„Du hast recht, nur du!“Ich kann, wenn du nicht da bist, bedrückt und kränklich sein – – – –Ich kann vor Glück erbeben, trittst du ein – –.Ich kann mein Opernglas dir leihen im TheaterUnd Komplimente über seine Tochter machen deinem Vater.Ich kann dir süße Mandarinen bringen.Und manche kleine Aufmerksamkeit wird mir gelingen.Mein Herz jedoch wird unerbittlich fragen, ohne zu ruhn:„Was kann ich für sie tun?!?“
Was kann ich für dich tun?!?Ich kann auf dem Spaziergang deinen Mantel tragen –Ich kann dich, wie du gestern schliefest, fragen – –.Ich kann, wenn man dir widerspricht, mit meinem Blicke sagen:„Du hast recht, nur du!“Ich kann, wenn du nicht da bist, bedrückt und kränklich sein – – – –Ich kann vor Glück erbeben, trittst du ein – –.Ich kann mein Opernglas dir leihen im TheaterUnd Komplimente über seine Tochter machen deinem Vater.Ich kann dir süße Mandarinen bringen.Und manche kleine Aufmerksamkeit wird mir gelingen.Mein Herz jedoch wird unerbittlich fragen, ohne zu ruhn:„Was kann ich für sie tun?!?“
Geboren am 7. März 1864 zu Berlin, wurde Schauspieler und gab, vielfach unter Pseudonymen, mehr als zwanzig Gedichtbücher heraus. Er ist in Berlin verstorben.
Sie fanden ihn – von düstrer FalteDurchfurcht die hohe Denkerstirn –,Schlaff hing die Hand, die marmorkalte,Verloht die heilige Glut im Hirn;Die Augen waren sanft geschlossen –Ein Lächeln spielte um den Mund –Als hätt' er jede Huld genossenUnd jedes Rätsel wär' ihm kund …
Sie fanden ihn – von düstrer FalteDurchfurcht die hohe Denkerstirn –,Schlaff hing die Hand, die marmorkalte,Verloht die heilige Glut im Hirn;
Die Augen waren sanft geschlossen –Ein Lächeln spielte um den Mund –Als hätt' er jede Huld genossenUnd jedes Rätsel wär' ihm kund …
Und sie herzten sichUnd küßten sichLange;Endlich schliefen sie ein.Lächelnd träumten sieArm in Arm,Bis rauhDer Morgen kam.
Und sie herzten sichUnd küßten sichLange;Endlich schliefen sie ein.Lächelnd träumten sieArm in Arm,Bis rauhDer Morgen kam.
Meiner Jugend Träume,Wo seid ihr hin?Ihr himmlischen Räume,Wie fern ich euch bin!Draußen grünen die Bäume,Flur in Blüte steht –Meine Lieder sind Schäume,Die der Wind verweht …
Meiner Jugend Träume,Wo seid ihr hin?Ihr himmlischen Räume,Wie fern ich euch bin!
Draußen grünen die Bäume,Flur in Blüte steht –Meine Lieder sind Schäume,Die der Wind verweht …
Geboren am 30. September 1869 zu Elberfeld, lebte als Schriftsteller in Berlin, fiel in Frankreich im Sommer 1916. – Gott und die Träume 1901.
Das ist das Furchtbare,Daß ich oft glaube,Ich trüge deine Augen und deine Haare.Daß meine Hände dann hilflos suchenGanz wie die deinenUnd meine Lippen mich so verfluchenUnd weinen.Jeden Abend überkommst du mich so.Zwei ganz gleiche TotenvögelFliegen dann über den Kirchhof.
Das ist das Furchtbare,Daß ich oft glaube,Ich trüge deine Augen und deine Haare.Daß meine Hände dann hilflos suchenGanz wie die deinenUnd meine Lippen mich so verfluchenUnd weinen.
Jeden Abend überkommst du mich so.
Zwei ganz gleiche TotenvögelFliegen dann über den Kirchhof.
Deine Nächte klagen in meine Tage,Durch mein Träumen rieselt das Blut deiner Füße.O ich will dir forttrinken alle Tränen,Ich will dich tragen unter meine Wipfel.Meine Wipfel sind kühl und voll FriedenUnd baden sich hoch in tiefen Wassern.Himmelstiefen tropfen zu uns hernieder,Aus ewigen Meeren, durch heilige Wipfel.Schlummre du tief in meinen Armen!Meine Augen sind stahlharte Engel; die wachenÜber deinen Frieden.
Deine Nächte klagen in meine Tage,Durch mein Träumen rieselt das Blut deiner Füße.O ich will dir forttrinken alle Tränen,Ich will dich tragen unter meine Wipfel.
Meine Wipfel sind kühl und voll FriedenUnd baden sich hoch in tiefen Wassern.Himmelstiefen tropfen zu uns hernieder,Aus ewigen Meeren, durch heilige Wipfel.
Schlummre du tief in meinen Armen!Meine Augen sind stahlharte Engel; die wachenÜber deinen Frieden.
Deine Augen leuchten vor Dunkel,Und ein spinnendes WeinenDeiner schwarzen HaareÜber das Leinen.O dein blasses Gesicht,Und wie deine schmalen HändeÜber die Kissen suchen –:Rührendes StammelnEines sprießenden Liedes,Das blühen möchte.Meine Seele sucht mit dir.
Deine Augen leuchten vor Dunkel,Und ein spinnendes WeinenDeiner schwarzen HaareÜber das Leinen.O dein blasses Gesicht,Und wie deine schmalen HändeÜber die Kissen suchen –:Rührendes StammelnEines sprießenden Liedes,Das blühen möchte.
Meine Seele sucht mit dir.
Wenn die Rosen des Morgens aufstaunen,Möchte ich zu dir kommen!Ich brächte deiner Stirne kühlen TauUnd deinen Lippen Lachen.In meinen Nächten schreckt mich deine Einsamkeit;Schmiege dich tief in die Flügel meiner Seele;Dunkel rauschten sie über die Meere,Bis sie zu dir sich fanden.
Wenn die Rosen des Morgens aufstaunen,Möchte ich zu dir kommen!Ich brächte deiner Stirne kühlen TauUnd deinen Lippen Lachen.
In meinen Nächten schreckt mich deine Einsamkeit;Schmiege dich tief in die Flügel meiner Seele;Dunkel rauschten sie über die Meere,Bis sie zu dir sich fanden.
Wenn die Nacht von dannen geht,Wollen wir uns aus dunkeln SchalenUnser Blut reichen.Ein Auge wollen wir sein und eine Seele,Schauernd über der TälerBrennend klaren Kelchen.Siehst du den Morgenwind? Er trägtSchwebendes Leben von Büschen zu Büschen,Halm zu Halm.Sei du mein! –
Wenn die Nacht von dannen geht,Wollen wir uns aus dunkeln SchalenUnser Blut reichen.
Ein Auge wollen wir sein und eine Seele,Schauernd über der TälerBrennend klaren Kelchen.
Siehst du den Morgenwind? Er trägtSchwebendes Leben von Büschen zu Büschen,Halm zu Halm.Sei du mein! –
Nun schweig und fühle, wie die Schatten wehn;Aus tiefen Himmeln bunte Flammen sinken,Und schwarze Wolken felsenzackig stehnUm blanke Dächer, die wie Seen blinken.Und suche meine Seele nicht; die liegtIn jenem Baum, weit hinterm Sonnenfeuer,Der sich im Weltall zwischen Sternen wiegt.
Nun schweig und fühle, wie die Schatten wehn;Aus tiefen Himmeln bunte Flammen sinken,Und schwarze Wolken felsenzackig stehnUm blanke Dächer, die wie Seen blinken.Und suche meine Seele nicht; die liegtIn jenem Baum, weit hinterm Sonnenfeuer,Der sich im Weltall zwischen Sternen wiegt.
Länder und Seen durchschwommenBrünstig allen Fernen.Wittre nun in den NächtenNach Ländern über Sternen.Als ich ein Kind war,Glänzte so weit mein Teich,Hinter jedem WipfelGrünte ein Zukunftsreich.Stützt zu Berg mich, Söhne,Dicht in meine Nähe,Daß ich noch einmalDie kleine Erde sehe.
Länder und Seen durchschwommenBrünstig allen Fernen.Wittre nun in den NächtenNach Ländern über Sternen.
Als ich ein Kind war,Glänzte so weit mein Teich,Hinter jedem WipfelGrünte ein Zukunftsreich.
Stützt zu Berg mich, Söhne,Dicht in meine Nähe,Daß ich noch einmalDie kleine Erde sehe.
Geboren am 22 Mai 1891 zu München. – Verfall und Triumph 1914. An Europa 1916. Päan gegen die Zeit 1918. Das Neue Gedicht 1918. Gedichte für ein Volk 1919. Gedichte um Lotte 1919. Um Gott 1920.
Unsere Leiber zerfallen,Graben uns singend ein:Berauschte Abende wir,Nachtsturm- und meerverscharrt.Heißes Blut vertrocknet,Eitergeschwür verrinnt.Mund Ohr Auge verhülletSchlaf Traum Erde der Wind.Gelblich träger WürmerEnggewundener Gang.Pochen rollender Stürme.Wimpern, blutrot lang.… „Bin ich zerbröckelnde Mauer,Säule am Wegrand, die schweigt?Oder Baum der TrauerÜber dem Abgrund, geneigt?“ …Süßer Geruch der Verwesung,Raum, Haus, Haupt erfüllend.Blumen, flatternde Gräser,Vögel, Lieder quillend.„Ja –, verfaulter Stamm…“Schimmel. Geächz. Gestöhn.Unter wimmelnder Himmel FluchtFurchtbarer Laut ertönt:Pauke. Tube Gedröhn.Donner. Wildflammiges Licht.Zimbel. Schlagender Ton.Trommelgeschrill. Das zerbricht. –Der ich mich dir, weite Welt,Hingab, leicht vertrauend,Sieh, der arme Leib verfällt,Doch mein Geist die Heimat schaut.Nacht, dein Schlummer tröstet mich,Mund ruht tief und Arm.Heller Tag, du lösest michAuf in Unruh ganz und Harm.Daß ich keinen Ausweg finde,Ach, so weh zerteilt!Blende bald, bald blind und Binde.Daß kein Kuß mich heilt!Daß ich keinen Ausweg finde,Trag wohl ich nur Schuld:Wildstrom, Blut und Feuerwind,Schande, Ungeduld.Tag, du herbe Bitternis!Nacht, gib Traum und Rat!Kot Verzerrung Schnitt und Riß –Kühle Lagerstatt …Alles muß noch ferne sein,Fern, o fern von mir –Blüh empor im Sternenschein,Heimat, über mir!Einmal werde ich am Wege stehn,Versonnen, im Anschaun einer großen Stadt.Umronnen von goldener Winde Wehn.Licht fällt durch der Wolken Flucht matt.Verzückte Gestalten, in Weiß gehüllt …Meine Hände rührenAn Himmel, golderfüllt,Sich öffnend gleich Wundertüren.Wiesen, Wälder ziehen herauf.Gewässer sich wälzen. Brücken.Gewölbe. Endloser Ströme Lauf.Grauer Gebirge Rücken.Rotes Gedonner entsetzlich schwillt.Drachen, Erde speiend.Aufgerissener Rachen, die Sonne brüllt.Empörung. Lachen. Geschrei.Verfinsterung. Erde- und Blutgeschmack.Knäuel. Gemetzel weit …… „Wann erscheinest du, ewiger Tag?Oder hat es noch Zeit?Wann ertönest du, schallendes Horn,Schrei du der Meerflut schwer?Aus Dickicht, Moorgrund, Grab und DornRufend die Schläfer her?“ …
Unsere Leiber zerfallen,Graben uns singend ein:Berauschte Abende wir,Nachtsturm- und meerverscharrt.Heißes Blut vertrocknet,Eitergeschwür verrinnt.Mund Ohr Auge verhülletSchlaf Traum Erde der Wind.
Gelblich träger WürmerEnggewundener Gang.Pochen rollender Stürme.Wimpern, blutrot lang.… „Bin ich zerbröckelnde Mauer,Säule am Wegrand, die schweigt?Oder Baum der TrauerÜber dem Abgrund, geneigt?“ …Süßer Geruch der Verwesung,Raum, Haus, Haupt erfüllend.Blumen, flatternde Gräser,Vögel, Lieder quillend.
„Ja –, verfaulter Stamm…“Schimmel. Geächz. Gestöhn.Unter wimmelnder Himmel FluchtFurchtbarer Laut ertönt:Pauke. Tube Gedröhn.Donner. Wildflammiges Licht.Zimbel. Schlagender Ton.Trommelgeschrill. Das zerbricht. –
Der ich mich dir, weite Welt,Hingab, leicht vertrauend,Sieh, der arme Leib verfällt,Doch mein Geist die Heimat schaut.Nacht, dein Schlummer tröstet mich,Mund ruht tief und Arm.Heller Tag, du lösest michAuf in Unruh ganz und Harm.
Daß ich keinen Ausweg finde,Ach, so weh zerteilt!Blende bald, bald blind und Binde.Daß kein Kuß mich heilt!Daß ich keinen Ausweg finde,Trag wohl ich nur Schuld:Wildstrom, Blut und Feuerwind,Schande, Ungeduld.
Tag, du herbe Bitternis!Nacht, gib Traum und Rat!Kot Verzerrung Schnitt und Riß –Kühle Lagerstatt …Alles muß noch ferne sein,Fern, o fern von mir –Blüh empor im Sternenschein,Heimat, über mir!
Einmal werde ich am Wege stehn,Versonnen, im Anschaun einer großen Stadt.Umronnen von goldener Winde Wehn.Licht fällt durch der Wolken Flucht matt.Verzückte Gestalten, in Weiß gehüllt …Meine Hände rührenAn Himmel, golderfüllt,Sich öffnend gleich Wundertüren.
Wiesen, Wälder ziehen herauf.Gewässer sich wälzen. Brücken.Gewölbe. Endloser Ströme Lauf.Grauer Gebirge Rücken.Rotes Gedonner entsetzlich schwillt.Drachen, Erde speiend.Aufgerissener Rachen, die Sonne brüllt.Empörung. Lachen. Geschrei.
Verfinsterung. Erde- und Blutgeschmack.Knäuel. Gemetzel weit …… „Wann erscheinest du, ewiger Tag?Oder hat es noch Zeit?Wann ertönest du, schallendes Horn,Schrei du der Meerflut schwer?Aus Dickicht, Moorgrund, Grab und DornRufend die Schläfer her?“ …
Er schwirrte nächtens durch der großen Städte Flucht. Das traf ihn schwer.Auf hohlen Plätzen tosten Glitzer-Feste.Staubwirbel bliesen ihn durch grünen Abendhimmel flaches Meer.Er hockte heulend nachts auf Kuppeln brennender Paläste.Und seine Straße warf sich steil empor und schraubteSich hoch hinaus bis an vergilbten Mondes Zackenrand,Wo bog sie um und sprang zum Abendstern, der schnaubte,Spie Feuer, riß rückwärts sie, daß stöhnend sie sich niederwand.Er schlug: die Augen grün, Schaum dick ums Maul,Auf heißes Pflaster. Säule ward sein Schrei!Ganz leise sang ein Droschkengaul –Und weiße Schleier wehten dicht vorbei.Es stürzten Türme groß und Mauern drob zusammen.Auf allen Dächern tosten Flammen laut.Die Dome knieten nieder. Berge schwammenZur Stadt herein, von Regenbogen kreuzweis überbaut.Da fuhr ein greller Strahl durch sein Gehirn.Es gellte. Möwenschwärme schreckten auf.Blütenwälder weiß begruben ihn.
Er schwirrte nächtens durch der großen Städte Flucht. Das traf ihn schwer.Auf hohlen Plätzen tosten Glitzer-Feste.Staubwirbel bliesen ihn durch grünen Abendhimmel flaches Meer.Er hockte heulend nachts auf Kuppeln brennender Paläste.
Und seine Straße warf sich steil empor und schraubteSich hoch hinaus bis an vergilbten Mondes Zackenrand,Wo bog sie um und sprang zum Abendstern, der schnaubte,Spie Feuer, riß rückwärts sie, daß stöhnend sie sich niederwand.
Er schlug: die Augen grün, Schaum dick ums Maul,Auf heißes Pflaster. Säule ward sein Schrei!Ganz leise sang ein Droschkengaul –Und weiße Schleier wehten dicht vorbei.
Es stürzten Türme groß und Mauern drob zusammen.Auf allen Dächern tosten Flammen laut.Die Dome knieten nieder. Berge schwammenZur Stadt herein, von Regenbogen kreuzweis überbaut.
Da fuhr ein greller Strahl durch sein Gehirn.Es gellte. Möwenschwärme schreckten auf.Blütenwälder weiß begruben ihn.
Beginn der Klänge zwischen dir und mir!Uralte Sänge, die mich heiß verfluten –Gewühl der Zeiten, die mich weiß zerbluten –Geläute. Schweigen zwischen mir und dir.O Gräber, Gärten zwischen mir und dir!Gespannt die Tänzer unsichtbar auf Seilen –Traum-Silber-Pflüge, die Eisschollen teilen –Die Boten eilen zwischen dir und mir.Erbrochene Schlachten. Bunte Völkerwelten.Die Roten Felsen über Agadir.Gesprengte Wälder. Heller Tod der Helden …O dunkle Sprachen zwischen mir und dir.Und sah die Meere durch die Himmel fließen.Besternte Menschen viel auf Plätzen dicht.Fluch deiner Finsternis: verkohlte Wiesen.Die Flöte ruft. Es reift dein Angesicht.Und sähe Mägde aus dem Brunnen schöpfenKrug milden Trankes … und das blöde TierLeckt unvertrieben Honig aus den Töpfen …O Fest! O Stunde zwischen dir und mir!Dann jagte ich auf unergriffenem Schiffe.Denn schroffer Sturm verlöschte jede Spur.Und durchs Gezisch und durchs Gestrüpp der Riffe …Und in den Händen eine Muschel nur:Zerschellt. Genebel. Schädel. Fäulnis. Und die FeuchteGefleckter Sümpfe. Räudiger Rachen Gier – –Ich aber fühlte: Duft und Pracht und Leuchte!O Nacht des Bundes zwischen dir und mir.
Beginn der Klänge zwischen dir und mir!Uralte Sänge, die mich heiß verfluten –Gewühl der Zeiten, die mich weiß zerbluten –Geläute. Schweigen zwischen mir und dir.
O Gräber, Gärten zwischen mir und dir!Gespannt die Tänzer unsichtbar auf Seilen –Traum-Silber-Pflüge, die Eisschollen teilen –Die Boten eilen zwischen dir und mir.
Erbrochene Schlachten. Bunte Völkerwelten.Die Roten Felsen über Agadir.Gesprengte Wälder. Heller Tod der Helden …O dunkle Sprachen zwischen mir und dir.
Und sah die Meere durch die Himmel fließen.Besternte Menschen viel auf Plätzen dicht.Fluch deiner Finsternis: verkohlte Wiesen.Die Flöte ruft. Es reift dein Angesicht.
Und sähe Mägde aus dem Brunnen schöpfenKrug milden Trankes … und das blöde TierLeckt unvertrieben Honig aus den Töpfen …O Fest! O Stunde zwischen dir und mir!
Dann jagte ich auf unergriffenem Schiffe.Denn schroffer Sturm verlöschte jede Spur.Und durchs Gezisch und durchs Gestrüpp der Riffe …Und in den Händen eine Muschel nur:
Zerschellt. Genebel. Schädel. Fäulnis. Und die FeuchteGefleckter Sümpfe. Räudiger Rachen Gier – –Ich aber fühlte: Duft und Pracht und Leuchte!O Nacht des Bundes zwischen dir und mir.
Geboren am 9. Januar 1876 zu Dessau in Anhalt. – Die stillen Inseln, Die Feste der Jugend, Saitenspiel, Lieder an eine Kunstreiterin.
Mond, alte Blumen und das Lied der Lerche, –Sie saß am offenen Fenster, ganz verwirrt,Der Glanz auf ihren Händen war der GlanzDes Mondes nicht: er kam aus jungen AugenFernher, und Glockenklang und WiesennebelUnd alte Blumen und das Lied der Lerche,Das alles war in ihm, sie fühlt' es wohl.Da lachte sie, verwirrt aufbrausend, undSie war so reich! und nun hob sie die HandLeis auf und küßte sie: die ganze Lust,Die ganze Qual, das Leben, alles, alles.
Mond, alte Blumen und das Lied der Lerche, –Sie saß am offenen Fenster, ganz verwirrt,Der Glanz auf ihren Händen war der GlanzDes Mondes nicht: er kam aus jungen AugenFernher, und Glockenklang und WiesennebelUnd alte Blumen und das Lied der Lerche,Das alles war in ihm, sie fühlt' es wohl.Da lachte sie, verwirrt aufbrausend, undSie war so reich! und nun hob sie die HandLeis auf und küßte sie: die ganze Lust,Die ganze Qual, das Leben, alles, alles.
Du kamst, erregt vom Sonnenuntergange,Die Dünen glänzten durch die Abendluft.Du rührtest mit dem Schritt der TänzerinDie gelbe Erde an. Ich saß im Garten,Und glühnden Herzens fühlt' ich wie du kamst!Du kamst! Du kamst! Du tratest in die PforteUnd rissest eine Rose vom GesträuchUnd küßtest sie und warfst sie in die WindeUnd flogst an meine Brust und riefest: Sonne!Und braun und göttlich glänzten deine Schultern,Und herber Duft des Meeres hing an dir.
Du kamst, erregt vom Sonnenuntergange,Die Dünen glänzten durch die Abendluft.Du rührtest mit dem Schritt der TänzerinDie gelbe Erde an. Ich saß im Garten,Und glühnden Herzens fühlt' ich wie du kamst!
Du kamst! Du kamst! Du tratest in die PforteUnd rissest eine Rose vom GesträuchUnd küßtest sie und warfst sie in die WindeUnd flogst an meine Brust und riefest: Sonne!Und braun und göttlich glänzten deine Schultern,Und herber Duft des Meeres hing an dir.
Wie eine Blume, drüberhin der Lenz-Wind geht; wie eine Tänzerin, die rastendDas Echo noch des Rhythmus in sich fühlt,Der sie entzückte, und ihm ohne WillenNachgibt: so hockst du vor mir im Gemach,Und Duft der Hengste schwebt noch um dein HaarUnd in den Augen noch der Glanz der Lichter,Und deine Hand fährt über meine Knie,Liebkosend, träumend, so als streife sieAn eine Welt, mit der sie nichts verbindet,Und die ihr fern ist wie das Einst und Nie.
Wie eine Blume, drüberhin der Lenz-Wind geht; wie eine Tänzerin, die rastendDas Echo noch des Rhythmus in sich fühlt,Der sie entzückte, und ihm ohne WillenNachgibt: so hockst du vor mir im Gemach,Und Duft der Hengste schwebt noch um dein HaarUnd in den Augen noch der Glanz der Lichter,Und deine Hand fährt über meine Knie,Liebkosend, träumend, so als streife sieAn eine Welt, mit der sie nichts verbindet,Und die ihr fern ist wie das Einst und Nie.
Du bist der schönsteGedanke des Frühlings.Du bist der süßeste Hauch,Der am Abend mich anweht.Du bist die wilde VerzweiflungAller, die dich lieben.Ach, du hast in finstere NachtAuch mich gehüllt.Wer bist du?Du bist der süßeste Hauch,Der am Abend mich anweht.
Du bist der schönsteGedanke des Frühlings.
Du bist der süßeste Hauch,Der am Abend mich anweht.
Du bist die wilde VerzweiflungAller, die dich lieben.
Ach, du hast in finstere NachtAuch mich gehüllt.
Wer bist du?
Du bist der süßeste Hauch,Der am Abend mich anweht.
Deine feinen HändeGreifen den Atem der Rosen, die dich lieben.An deinen feinen BrüstenHängt der Abend in Glanz und Demut.Aus deinen verdunkelten AugenWeht Kühle mich an.Die Kühle deines Herzens weht mich anAus deinen Augen bei Abend.
Deine feinen HändeGreifen den Atem der Rosen, die dich lieben.
An deinen feinen BrüstenHängt der Abend in Glanz und Demut.
Aus deinen verdunkelten AugenWeht Kühle mich an.
Die Kühle deines Herzens weht mich anAus deinen Augen bei Abend.
Wir wehen durch die Lüfte,Grau wie Regen weht,Zart wie Düfte der Blumen,Bang wie der Flöte Lied.Wehen mit Eile, sinkenNieder in einem Feld,Abend hüllt kühl uns ein,Nacht ist so märchenschön.Manche erheben wiederIhre Flügel, wehenWeiter, düstere WolkenOder Gerüche der Flur.Andere bleiben liegenIn den Hainen und Gärten,Werden Erde und Halme,Spielend im Frühlingshauch.Hörst du ein Seufzen im Abend?Und ein Lachen im Wind.Wer da wehte vorüberAch – und wohin? wohin?
Wir wehen durch die Lüfte,Grau wie Regen weht,Zart wie Düfte der Blumen,Bang wie der Flöte Lied.
Wehen mit Eile, sinkenNieder in einem Feld,Abend hüllt kühl uns ein,Nacht ist so märchenschön.
Manche erheben wiederIhre Flügel, wehenWeiter, düstere WolkenOder Gerüche der Flur.
Andere bleiben liegenIn den Hainen und Gärten,Werden Erde und Halme,Spielend im Frühlingshauch.
Hörst du ein Seufzen im Abend?Und ein Lachen im Wind.Wer da wehte vorüberAch – und wohin? wohin?
Im Schimmer des Mondes standest aufrecht du,Erzitternd gleich dem jungen Laub der Birken.Du hobst den Arm, du dehntest die Brust, du standstAuf den verwilderten Gärten, ein TraumgebildDer Lenznacht, lockend, schwankend, verführerisch –Bis daß der Nebel stieg von den Wiesen herUnd du auslöschtest, so wie ein Lied auslöscht,Und rings lag öde, schmachtende Finsternis,Und Weinen war im Gezweig, und alle BlumenRiefen nach dir, o Mondenhauch!
Im Schimmer des Mondes standest aufrecht du,Erzitternd gleich dem jungen Laub der Birken.Du hobst den Arm, du dehntest die Brust, du standstAuf den verwilderten Gärten, ein TraumgebildDer Lenznacht, lockend, schwankend, verführerisch –Bis daß der Nebel stieg von den Wiesen herUnd du auslöschtest, so wie ein Lied auslöscht,Und rings lag öde, schmachtende Finsternis,Und Weinen war im Gezweig, und alle BlumenRiefen nach dir, o Mondenhauch!
Traumhaft hinschlendern, ach, um kein WohinBesorgt sein, das Woher ist schon vergessen,Ein Gruß den Mädchen mit den edlen Busen,Ein Gruß dem Wein, den Blumen und dem Mond,Ein stiller Gruß den Kranken und Zerwühlten,Hinschlendern, traumhaft, Licht einatmen, lauschenDen Wolken und dem Winde und dem Meer,Und schlafen, schlafen … Und in lindem TraumeEntgleitet alles, und die schönste StundeWird aschfahl, wenn sie auch aus Rosen kam.
Traumhaft hinschlendern, ach, um kein WohinBesorgt sein, das Woher ist schon vergessen,Ein Gruß den Mädchen mit den edlen Busen,Ein Gruß dem Wein, den Blumen und dem Mond,Ein stiller Gruß den Kranken und Zerwühlten,Hinschlendern, traumhaft, Licht einatmen, lauschenDen Wolken und dem Winde und dem Meer,Und schlafen, schlafen … Und in lindem TraumeEntgleitet alles, und die schönste StundeWird aschfahl, wenn sie auch aus Rosen kam.
Mond und Liebe und dannEin Schluck Wein ab und anUnd dann –Herz, warum so trübe?Und dannMond und dann WeinUnd Liebe, – herbsttrübeVerrinnt das Sein.Aber manchmal aufglühtEin berauschender Funken,Dann taumeln wir trunken,Bis der Funken versprüht.Dann das alte Lied:Mond und Liebe und dannEin Schluck Wein ab und an.
Mond und Liebe und dannEin Schluck Wein ab und anUnd dann –Herz, warum so trübe?
Und dannMond und dann WeinUnd Liebe, – herbsttrübeVerrinnt das Sein.
Aber manchmal aufglühtEin berauschender Funken,Dann taumeln wir trunken,Bis der Funken versprüht.
Dann das alte Lied:
Mond und Liebe und dannEin Schluck Wein ab und an.
Geboren am 28. Juni 1865 zu Grünberg in Schlesien, absolvierte das Gymnasium in Wurzen, besuchte die Universitäten Zürich, Leipzig, Berlin, München, war Redakteur der „Neuen deutschen Rundschau“, des „Pan“ und der „Insel“ und lebte zuletzt in Dresden, wo er am 1. Februar 1910 starb. – Erlebte Gedichte 1892. Nemt, Frouwe, disen Kranz 1894. Irrgarten der Liebe 1901. Das seidene Buch 1903. Maultrommel und Flöte 1907.
Es ist ein Reihen geschlungen,Ein Reihen auf dem grünen Plan,Und ist ein Lied gesungen,Das hebt mit Sehnen an,Mit Sehnen, also süße,Daß Weinen sich mit Lachen paart:Hebt, hebt im Tanz die FüßeAuf lenzeliche Art!
Es ist ein Reihen geschlungen,Ein Reihen auf dem grünen Plan,Und ist ein Lied gesungen,Das hebt mit Sehnen an,
Mit Sehnen, also süße,Daß Weinen sich mit Lachen paart:Hebt, hebt im Tanz die FüßeAuf lenzeliche Art!
Max Dauthendey
Nicht im Schlafe hab' ich das geträumt,Hell am Tage sah ich's schön vor mir:Eine Wiese voller Margeriten;Tief ein weißes Haus in grünen Büschen;Götterbilder leuchten aus dem Laube.Und ich geh' mit Einer, die mich lieb hat,Ruhigen Gemütes in die KühleDieses weißen Hauses, in den Frieden,Der voll Schönheit wartet, daß wir kommen.
Nicht im Schlafe hab' ich das geträumt,Hell am Tage sah ich's schön vor mir:Eine Wiese voller Margeriten;Tief ein weißes Haus in grünen Büschen;Götterbilder leuchten aus dem Laube.Und ich geh' mit Einer, die mich lieb hat,Ruhigen Gemütes in die KühleDieses weißen Hauses, in den Frieden,Der voll Schönheit wartet, daß wir kommen.
Ich fühle keinen Schmerz und bin doch krank;Mir ist die Kraft genommen, ich bin leer.Ich lebe ab, so wie ein Rad abläuft,Das von der Feder, die es trieb und hielt,Gelöst ward. – Ach, sie pflegen mich so lieb,Und dennoch weiß ich's, balde ist's vorbei.Und bin nicht traurig. Ruhe wird mein Teil.Ich werde ruhig blühn in leichtem Wind,Wie meine Blumen, die im Garten sind.
Ich fühle keinen Schmerz und bin doch krank;Mir ist die Kraft genommen, ich bin leer.Ich lebe ab, so wie ein Rad abläuft,Das von der Feder, die es trieb und hielt,Gelöst ward. – Ach, sie pflegen mich so lieb,Und dennoch weiß ich's, balde ist's vorbei.Und bin nicht traurig. Ruhe wird mein Teil.Ich werde ruhig blühn in leichtem Wind,Wie meine Blumen, die im Garten sind.
Moosgrün aus Samt ein Band im blonden Haar.Ein Färblein rosarot dazwischen war,Das ganze Kind war ganze sechzehn Jahr,Und es war Mai.So kam's, daß uns mit Strahlen flitterfeinUmfädelte der sanfte Sonnenschein;Die Knospe sprang, ach Gott, es war im Mai'n.Die Knospe sprang.Ich hätte gern in Treuen sie gehegt,Ich hätte gern sie mir ans Herz gelegt,Da hat ein Wind sie wirbelnd weggefegt.Wem blüht sie nun?
Moosgrün aus Samt ein Band im blonden Haar.Ein Färblein rosarot dazwischen war,Das ganze Kind war ganze sechzehn Jahr,Und es war Mai.
So kam's, daß uns mit Strahlen flitterfeinUmfädelte der sanfte Sonnenschein;Die Knospe sprang, ach Gott, es war im Mai'n.Die Knospe sprang.
Ich hätte gern in Treuen sie gehegt,Ich hätte gern sie mir ans Herz gelegt,Da hat ein Wind sie wirbelnd weggefegt.Wem blüht sie nun?
Fräulein GigerletteLud mich ein zum Tee,Ihre ToiletteWar gestimmt auf Schnee;Ganz wie PierretteWar sie angetan.Selbst ein Mönch, ich wette,Sähe GigerletteWohlgefällig an.War ein rotes Zimmer,Drin sie mich empfing,Gelber KerzenschimmerIn dem Raume hing.Und sie war wie immerLeben und Esprit.Nie vergess' ich's, nimmer:Weinrot war das Zimmer,Blütenweiß war sie.Und im Trab mit VierenFuhren wir zu zweitIn das Land spazieren,Das heißt Heiterkeit.Daß wir nicht verlierenZügel, Ziel und Lauf,Saß bei dem KutschierenMit den heißen VierenAmor hinten auf.
Fräulein GigerletteLud mich ein zum Tee,Ihre ToiletteWar gestimmt auf Schnee;Ganz wie PierretteWar sie angetan.Selbst ein Mönch, ich wette,Sähe GigerletteWohlgefällig an.
War ein rotes Zimmer,Drin sie mich empfing,Gelber KerzenschimmerIn dem Raume hing.Und sie war wie immerLeben und Esprit.Nie vergess' ich's, nimmer:Weinrot war das Zimmer,Blütenweiß war sie.
Und im Trab mit VierenFuhren wir zu zweitIn das Land spazieren,Das heißt Heiterkeit.Daß wir nicht verlierenZügel, Ziel und Lauf,Saß bei dem KutschierenMit den heißen VierenAmor hinten auf.
Weite Wiesen im Dämmergrau!Die Sonne verglomm, die Sterne ziehn:Nun geh' ich zu der schönsten Frau,Weit über Wiesen im Dämmergrau,Tief in den Busch von Jasmin.Durch Dämmergrau in der Liebe Land;Ich gehe nicht schnell, ich eile nicht;Mich zieht ein weiches, samtenes BandDurch Dämmergrau in der Liebe Land,In ein blaues, mildes Licht.
Weite Wiesen im Dämmergrau!Die Sonne verglomm, die Sterne ziehn:Nun geh' ich zu der schönsten Frau,Weit über Wiesen im Dämmergrau,Tief in den Busch von Jasmin.
Durch Dämmergrau in der Liebe Land;Ich gehe nicht schnell, ich eile nicht;Mich zieht ein weiches, samtenes BandDurch Dämmergrau in der Liebe Land,In ein blaues, mildes Licht.
Ein Bett, ein Stuhl, ein Tisch, ein Schrank,Und mittendrin ein Mädel schlank,Meine lustige, liebe Jeannette.Braune Augen hat sie, wunderbar,In wilden Ringeln hellbraunes Haar,Kirschroter Lippen ein schwellend Paar, –Jeannette! Jeannette!Am Fensterbrett ein Efeu steht,Durchs grüne Geranke die Liebe späht,Meine lustige, liebe Jeannette.Türe auf! Da liegt mir am Halse das Kind.Alleine wir beiden, es singt der WindDas Lied von zweien, die selig sind, –Jeannette! Jeannette!
Ein Bett, ein Stuhl, ein Tisch, ein Schrank,Und mittendrin ein Mädel schlank,Meine lustige, liebe Jeannette.Braune Augen hat sie, wunderbar,In wilden Ringeln hellbraunes Haar,Kirschroter Lippen ein schwellend Paar, –Jeannette! Jeannette!
Am Fensterbrett ein Efeu steht,Durchs grüne Geranke die Liebe späht,Meine lustige, liebe Jeannette.Türe auf! Da liegt mir am Halse das Kind.Alleine wir beiden, es singt der WindDas Lied von zweien, die selig sind, –Jeannette! Jeannette!
Aus dem RosenstockeVom Grabe des ChristEine schwarze LauteGebauet ist;Der wurden grüne RebenZu SaitenGegeben.O wehe du, wie selig sang,So erossüß, so jesusbang,Die schwarze Rosenlaute.Ich hörte sie singenIn mailichter Nacht,Da bin ich zur LiebeIn Schmerzen erwacht,Da wurde meinem LebenDie SehnsuchtGegeben.O wehe du, wie selig sang,So jesussüß, so erosbang,Die schwarze Rosenlaute.
Aus dem RosenstockeVom Grabe des ChristEine schwarze LauteGebauet ist;Der wurden grüne RebenZu SaitenGegeben.O wehe du, wie selig sang,So erossüß, so jesusbang,Die schwarze Rosenlaute.
Ich hörte sie singenIn mailichter Nacht,Da bin ich zur LiebeIn Schmerzen erwacht,Da wurde meinem LebenDie SehnsuchtGegeben.O wehe du, wie selig sang,So jesussüß, so erosbang,Die schwarze Rosenlaute.
Oft in der stillen Nacht,Wenn zag der Atem gehtUnd sichelblank der MondAm schwarzen Himmel steht,Wenn alles ruhig istUnd kein Begehren schreit,Führt meine Seele michIn Kindeslande weit.Dann seh' ich, wie ich schrittUnfest mit Füßen klein,Und seh' mein Kindesaug'Und seh' die Hände mein,Und höre meinen Mund,Wie lauter klar er sprach,Und senke meinen KopfUnd denk' mein Leben nach:Bist du, bist du allwegGegangen also rein,Wie du gegangen bistAuf Kindesfüßen klein?Hast du, hast du allwegGesprochen also klar,Wie einsten deines MundsLautleise Stimme war?Sahst du, sahst du allwegSo klar ins AngesichtDer Sonne, wie dereinstDer Kindesaugen Licht?Ich blicke, Sichel, aufZu deiner weißen Pracht;Tief, tief bin ich betrübtOft in der stillen Nacht.
Oft in der stillen Nacht,Wenn zag der Atem gehtUnd sichelblank der MondAm schwarzen Himmel steht,
Wenn alles ruhig istUnd kein Begehren schreit,Führt meine Seele michIn Kindeslande weit.
Dann seh' ich, wie ich schrittUnfest mit Füßen klein,Und seh' mein Kindesaug'Und seh' die Hände mein,
Und höre meinen Mund,Wie lauter klar er sprach,Und senke meinen KopfUnd denk' mein Leben nach:
Bist du, bist du allwegGegangen also rein,Wie du gegangen bistAuf Kindesfüßen klein?
Hast du, hast du allwegGesprochen also klar,Wie einsten deines MundsLautleise Stimme war?
Sahst du, sahst du allwegSo klar ins AngesichtDer Sonne, wie dereinstDer Kindesaugen Licht?
Ich blicke, Sichel, aufZu deiner weißen Pracht;Tief, tief bin ich betrübtOft in der stillen Nacht.
Geboren am 23. Januar 1874 zu Friedrichshafen am Bodensee. – Erde 1896. Neue Lieder 1902. Der Wanderer und der Weg 1908.
Das rote Weinlaub hängt von Sonne voll,Ich trete ohne Schmerz in deinen Garten,Nach langer Zeit. Auf dieser Holzbank schwollEinst unser junges Sehnen, und wir starrtenIn manche blaue Nacht. Nun bist du totDrei bunte Jahre. Die Kastanien fallen.Nun ist mir, fühle ich ihr braunes Rot,Es müßten deine leichten Tritte hallen.Noch fließt der alte Tropfsteinquell so klar,Und mächtig drückt mich eine süße Schwere,Als ob der irre Duft von deinem HaarNoch irgendwo in diesen Büschen wäre.
Das rote Weinlaub hängt von Sonne voll,Ich trete ohne Schmerz in deinen Garten,Nach langer Zeit. Auf dieser Holzbank schwollEinst unser junges Sehnen, und wir starrtenIn manche blaue Nacht. Nun bist du totDrei bunte Jahre. Die Kastanien fallen.Nun ist mir, fühle ich ihr braunes Rot,Es müßten deine leichten Tritte hallen.Noch fließt der alte Tropfsteinquell so klar,Und mächtig drückt mich eine süße Schwere,Als ob der irre Duft von deinem HaarNoch irgendwo in diesen Büschen wäre.
Meine Mutter sangÜber meine Wiege,Bis zu Flur und StiegeFlog der süße Klang.Meine Mutter wandGarn im Sonnenscheine,Und sie hatte eineZarte weiße Hand.Mutter war sehr schön,Hör' ich alle sagen,Und ich will nicht klagen,Daß ich's nicht gesehn.
Meine Mutter sangÜber meine Wiege,Bis zu Flur und StiegeFlog der süße Klang.
Meine Mutter wandGarn im Sonnenscheine,Und sie hatte eineZarte weiße Hand.
Mutter war sehr schön,Hör' ich alle sagen,Und ich will nicht klagen,Daß ich's nicht gesehn.