Arno Holz
Wie deine grüngoldnen Augen funkeln,Wald, du mosiger Träumer!Wie deine Gedanken dunkeln,Einsiedel, schwer von Leben,Saftseufzender Tagesversäumer!Über der Wipfel Hin- und WiederschwebenWie's Atem holt und voller wogt und braustUnd weiter zieht –und stille wird –und saust.Über der Wipfel Hin- und WiederschwebenHoch droben steht ein ernster Ton,Dem lauschten tausend Jahre schonUnd werden tausend Jahre lauschen …Und immer dieses starke, donnerdunkle Rauschen.
Wie deine grüngoldnen Augen funkeln,Wald, du mosiger Träumer!Wie deine Gedanken dunkeln,Einsiedel, schwer von Leben,Saftseufzender Tagesversäumer!
Über der Wipfel Hin- und WiederschwebenWie's Atem holt und voller wogt und braustUnd weiter zieht –und stille wird –und saust.
Über der Wipfel Hin- und WiederschwebenHoch droben steht ein ernster Ton,Dem lauschten tausend Jahre schonUnd werden tausend Jahre lauschen …Und immer dieses starke, donnerdunkle Rauschen.
Deine Himmel sind mir viel zu süß:Gib mir, mit freier Brust zu ragen,Mit dir die Welten zu ertragen,Wo du bist!
Deine Himmel sind mir viel zu süß:Gib mir, mit freier Brust zu ragen,Mit dir die Welten zu ertragen,Wo du bist!
Seele meines Weibes, wie zartes Silber bist du.Zwei flinke Fittiche weißer MöwenDeine beiden Füße.Und dir im lieben Blute aufSteigt ein blauer HauchUnd sind die Dinge darinAlle ein Wunder.
Seele meines Weibes, wie zartes Silber bist du.Zwei flinke Fittiche weißer MöwenDeine beiden Füße.Und dir im lieben Blute aufSteigt ein blauer HauchUnd sind die Dinge darinAlle ein Wunder.
EntgegengeschmiedetAuf schroffem FelsDen Pfeilen der Sonne,Dem Hagelgeprassel,Trotz' ich, Olympier, dir.Der wiederwachsenden LeberZuckende FibernHackt mir des Geiers BißAus klaffender Wunde.Ein Wimmern, glaubtest,Olympier, du,Würden die rauschenden WindeIns hochaufhorchendeOhr dir tragen?Nicht reut mich der Mensch,Der Leben und Feuer mir dankt,Nicht fleh' ich Entfeßlung von dir.Jahrhunderte will ichFelsentrotzig durchdauern,Jahrtausende,Wenn dir die Lust nicht schwindet,Wenn der Trotzende nichtZu glücklich dir scheint.
EntgegengeschmiedetAuf schroffem FelsDen Pfeilen der Sonne,Dem Hagelgeprassel,Trotz' ich, Olympier, dir.Der wiederwachsenden LeberZuckende FibernHackt mir des Geiers BißAus klaffender Wunde.
Ein Wimmern, glaubtest,Olympier, du,Würden die rauschenden WindeIns hochaufhorchendeOhr dir tragen?Nicht reut mich der Mensch,Der Leben und Feuer mir dankt,Nicht fleh' ich Entfeßlung von dir.
Jahrhunderte will ichFelsentrotzig durchdauern,Jahrtausende,Wenn dir die Lust nicht schwindet,Wenn der Trotzende nichtZu glücklich dir scheint.
Sieh da droben die Rosen! Ein glüher Jubel!Die Wangen der NachtIn Scharlach und Purpurpracht.Nun ist da droben Hochzeit:Die Königskinder des Himmelreiches.Strenge Augen erster Schönheit,Frieden frierend,Wie vor kämpfend heißen RosenWundern an den schweren Schmuck goldspielender Brokate,Des Samtes tiefenweiches Blut,Gebettet in des Schnees nachtgeflammte,Flockenzarte Wärme: den hehren Hermelin.Die Kränze nehmen sie von herben Scheiteln abUnd heben Bechertau an ihres LebensRötlich reine Kelche,Und verwundenDie VerklärungSaftigherber Früchte.Des strengen Lagers scheue Falten warten ..Wie entsetzlich ist Schönheit! ..Wie eine Siegesfahne hältDer HimmelDes Lebens leuchtendrote Brunst mit aller seiner Adlermacht.Der Sieger sinkt.Die Nacht fällt in den Wein.
Sieh da droben die Rosen! Ein glüher Jubel!Die Wangen der NachtIn Scharlach und Purpurpracht.
Nun ist da droben Hochzeit:Die Königskinder des Himmelreiches.
Strenge Augen erster Schönheit,Frieden frierend,Wie vor kämpfend heißen RosenWundern an den schweren Schmuck goldspielender Brokate,Des Samtes tiefenweiches Blut,Gebettet in des Schnees nachtgeflammte,Flockenzarte Wärme: den hehren Hermelin.
Die Kränze nehmen sie von herben Scheiteln abUnd heben Bechertau an ihres LebensRötlich reine Kelche,Und verwundenDie VerklärungSaftigherber Früchte.
Des strengen Lagers scheue Falten warten ..
Wie entsetzlich ist Schönheit! ..
Wie eine Siegesfahne hältDer HimmelDes Lebens leuchtendrote Brunst mit aller seiner Adlermacht.Der Sieger sinkt.Die Nacht fällt in den Wein.
Selige Grüße.Bläulicher Flieder.Ist das ein Grüßen!Wirbelnde LiederWehen herüber, –Stürben lieber.Seligsein – und das heißt büßen.
Selige Grüße.
Bläulicher Flieder.Ist das ein Grüßen!Wirbelnde LiederWehen herüber, –Stürben lieber.Seligsein – und das heißt büßen.
Geboren am 1. Februar 1874 in Wien. – Gesammelte Gedichte 1907.
Es läuft der FrühlingswindDurch kahle Alleen,Seltsame Dinge sindIn seinem Wehn.Er hat sich gewiegt,Wo Weinen war,Und hat sich geschmiegtIn zerrüttetes Haar.Er schüttelte niederAkazienblütenUnd kühlte die Glieder,Die atmend glühten,Lippen im LachenHat er berührt,Die weichen und wachenFluren durchspürt,Er glitt durch die FlöteAls schluchzender Schrei,An dämmernder RöteFlog er vorbei,Er flog mit SchweigenDurch flüsternde ZimmerUnd löschte mit NeigenDer Ampel Schimmer.Es läuft der FrühlingswindDurch kahle Alleen,Seltsame Dinge sindIn seinem Wehn.Durch die glattenKahlen AlleenTreibt sein WehenBlasse SchattenUnd den Duft,Den er gebracht,Von wo er gekommenSeit gestern nacht.
Es läuft der FrühlingswindDurch kahle Alleen,Seltsame Dinge sindIn seinem Wehn.
Er hat sich gewiegt,Wo Weinen war,Und hat sich geschmiegtIn zerrüttetes Haar.
Er schüttelte niederAkazienblütenUnd kühlte die Glieder,Die atmend glühten,
Lippen im LachenHat er berührt,Die weichen und wachenFluren durchspürt,
Er glitt durch die FlöteAls schluchzender Schrei,An dämmernder RöteFlog er vorbei,
Er flog mit SchweigenDurch flüsternde ZimmerUnd löschte mit NeigenDer Ampel Schimmer.
Es läuft der FrühlingswindDurch kahle Alleen,Seltsame Dinge sindIn seinem Wehn.
Durch die glattenKahlen AlleenTreibt sein WehenBlasse Schatten
Und den Duft,Den er gebracht,Von wo er gekommenSeit gestern nacht.
Sie trug den Becher in der Hand,Ihr Kinn und Mund glich seinem Rand.So leicht und sicher war ihr Gang,Kein Tropfen aus dem Becher sprang.So leicht und fest war seine Hand:Er saß auf einem jungen Pferde,Und mit nachlässiger GebärdeErzwang er, daß es zitternd stand.Jedoch, wenn er aus ihrer HandDen leichten Becher nehmen sollte,So war es beiden allzu schwer:Denn beide bebten sie so sehr,Daß keine Hand die andre fandUnd dunkler Wein am Boden rollte.
Sie trug den Becher in der Hand,Ihr Kinn und Mund glich seinem Rand.So leicht und sicher war ihr Gang,Kein Tropfen aus dem Becher sprang.
So leicht und fest war seine Hand:Er saß auf einem jungen Pferde,Und mit nachlässiger GebärdeErzwang er, daß es zitternd stand.
Jedoch, wenn er aus ihrer HandDen leichten Becher nehmen sollte,So war es beiden allzu schwer:Denn beide bebten sie so sehr,Daß keine Hand die andre fandUnd dunkler Wein am Boden rollte.
Und Kinder wachsen auf mit tiefen Augen,Die von nichts wissen, wachsen auf und sterben,Und alle Menschen gehen ihrer Wege.Und süße Früchte werden aus den herbenUnd fallen nachts wie tote Vögel niederUnd liegen wenig Tage und verderben.Und immer weht der Wind, und immer wiederVernehmen wir und reden viele WorteUnd spüren Lust und Müdigkeit der Glieder.Und Straßen laufen durch das Gras, und OrteSind da und dort, voll Fackeln, Bäumen, TeichenUnd drohende, und totenhaft verdorrte …Wozu sind diese aufgebaut? und gleichenEinander nie? und sind unzählig viele?Was wechselt Lachen, Weinen und Erbleichen?Was frommt das alles uns und diese Spiele,Die wir doch groß und ewig einsam sindUnd wandernd nimmer suchen irgend Ziele?Was frommt's, dergleichen viel gesehen haben?Und dennoch sagt der viel, der „Abend“ sagt,Ein Wort, daraus Tiefsinn und Trauer rinntWie schwerer Honig aus den hohlen Waben.
Und Kinder wachsen auf mit tiefen Augen,Die von nichts wissen, wachsen auf und sterben,Und alle Menschen gehen ihrer Wege.
Und süße Früchte werden aus den herbenUnd fallen nachts wie tote Vögel niederUnd liegen wenig Tage und verderben.
Und immer weht der Wind, und immer wiederVernehmen wir und reden viele WorteUnd spüren Lust und Müdigkeit der Glieder.
Und Straßen laufen durch das Gras, und OrteSind da und dort, voll Fackeln, Bäumen, TeichenUnd drohende, und totenhaft verdorrte …
Wozu sind diese aufgebaut? und gleichenEinander nie? und sind unzählig viele?Was wechselt Lachen, Weinen und Erbleichen?
Was frommt das alles uns und diese Spiele,Die wir doch groß und ewig einsam sindUnd wandernd nimmer suchen irgend Ziele?
Was frommt's, dergleichen viel gesehen haben?Und dennoch sagt der viel, der „Abend“ sagt,Ein Wort, daraus Tiefsinn und Trauer rinnt
Wie schwerer Honig aus den hohlen Waben.
Manche freilich müssen drunten sterben,Wo die schweren Ruder der Schiffe streifen,Andre wohnen bei dem Steuer droben,Kennen Vogelflug und die Länder der Sterne.Manche liegen immer mit schweren GliedernBei den Wurzeln des verworrenen Lebens,Andern sind die Stühle gerichtetBei den Sibyllen, den Königinnen,Und da sitzen sie wie zu Hause,Leichten Hauptes und leichter Hände.Doch ein Schatten fällt von jenen LebenIn die anderen Leben hinüber,Und die leichten sind an die schwerenWie an Luft und Erde gebunden:Ganz vergessener Völker MüdigkeitenKann ich nicht abtun von meinen Lidern,Noch weghalten von der erschrockenen SeeleStummes Niederfallen ferner Sterne.Viele Geschicke weben neben dem meinen,Durcheinander spielt sie alle das Dasein,Und mein Teil ist mehr als dieses LebensSchlanke Flamme oder schmale Leier.
Manche freilich müssen drunten sterben,Wo die schweren Ruder der Schiffe streifen,Andre wohnen bei dem Steuer droben,Kennen Vogelflug und die Länder der Sterne.
Manche liegen immer mit schweren GliedernBei den Wurzeln des verworrenen Lebens,Andern sind die Stühle gerichtetBei den Sibyllen, den Königinnen,Und da sitzen sie wie zu Hause,Leichten Hauptes und leichter Hände.
Doch ein Schatten fällt von jenen LebenIn die anderen Leben hinüber,Und die leichten sind an die schwerenWie an Luft und Erde gebunden:
Ganz vergessener Völker MüdigkeitenKann ich nicht abtun von meinen Lidern,Noch weghalten von der erschrockenen SeeleStummes Niederfallen ferner Sterne.
Viele Geschicke weben neben dem meinen,Durcheinander spielt sie alle das Dasein,Und mein Teil ist mehr als dieses LebensSchlanke Flamme oder schmale Leier.
Noch spür' ich ihren Atem auf den Wangen:Wie kann das sein, daß diese nahen TageFort sind, für immer fort, und ganz vergangen?Dies ist ein Ding, das keiner voll aussinnt,Und viel zu grauenvoll, als daß man klage:Daß alles gleitet und vorüberrinntUnd daß mein eignes Ich, durch nichts gehemmt,Herüberglitt aus einem kleinen Kind,Mir wie ein Hund unheimlich stumm und fremd.Dann: daß ich auch vor hundert Jahren war,Und meine Ahnen, die im Totenhemd,Mit mir verwandt sind wie mein eignes Haar.So eins mit mir als wie mein eignes Haar.
Noch spür' ich ihren Atem auf den Wangen:Wie kann das sein, daß diese nahen TageFort sind, für immer fort, und ganz vergangen?
Dies ist ein Ding, das keiner voll aussinnt,Und viel zu grauenvoll, als daß man klage:Daß alles gleitet und vorüberrinnt
Und daß mein eignes Ich, durch nichts gehemmt,Herüberglitt aus einem kleinen Kind,Mir wie ein Hund unheimlich stumm und fremd.
Dann: daß ich auch vor hundert Jahren war,Und meine Ahnen, die im Totenhemd,Mit mir verwandt sind wie mein eignes Haar.
So eins mit mir als wie mein eignes Haar.
Mit silbergrauem Dufte war das TalDer Dämmerung erfüllt, wie wenn der MondDurch Wolken sickert. Doch es war nicht Nacht.Mit silbergrauem Duft des dunkeln TalesVerschwammen meine dämmernden Gedanken,Und still versank ich in dem webendenDurchsicht'gen Meere und verließ das Leben.Wie wunderbare Blumen waren da,Mit Kelchen dunkelglühend! Pflanzendickicht,Durch das ein gelbrot Licht wie von TopasenIn warmen Strömen drang und glomm. Das GanzeWar angefüllt mit einem tiefen SchwellenSchwermütiger Musik. Und dieses wußt' ich,Obgleich ich's nicht begreife, doch ich wußt' es:Das ist der Tod. Der ist Musik geworden,Gewaltig sehnend, süß und dunkelglühend,Verwandt der tiefsten Schwermut.Aber seltsam!Ein namenloses Heimweh weinte lautlosIn meiner Seele nach dem Leben, weinte,Wie einer weint, wenn er auf großem SeeschiffMit gelben Riesensegeln gegen AbendAuf dunkelblauem Wasser an der Stadt,Der Vaterstadt vorüberfährt. Da sieht erDie Gassen, hört die Brunnen rauschen, riechtDen Duft der Fliederbüsche, sieht sich selberEin Kind am Ufer stehn, mit Kindesaugen,Die ängstlich sind und weinen wollen, siehtDurchs offne Fenster Licht in seinem Zimmer –Das große Seeschiff aber trägt ihn weiter,Auf dunkelblauem Wasser lautlos gleitendMit gelben, fremdgeformten Riesensegeln.
Mit silbergrauem Dufte war das TalDer Dämmerung erfüllt, wie wenn der MondDurch Wolken sickert. Doch es war nicht Nacht.Mit silbergrauem Duft des dunkeln TalesVerschwammen meine dämmernden Gedanken,Und still versank ich in dem webendenDurchsicht'gen Meere und verließ das Leben.Wie wunderbare Blumen waren da,Mit Kelchen dunkelglühend! Pflanzendickicht,Durch das ein gelbrot Licht wie von TopasenIn warmen Strömen drang und glomm. Das GanzeWar angefüllt mit einem tiefen SchwellenSchwermütiger Musik. Und dieses wußt' ich,Obgleich ich's nicht begreife, doch ich wußt' es:Das ist der Tod. Der ist Musik geworden,Gewaltig sehnend, süß und dunkelglühend,Verwandt der tiefsten Schwermut.Aber seltsam!Ein namenloses Heimweh weinte lautlosIn meiner Seele nach dem Leben, weinte,Wie einer weint, wenn er auf großem SeeschiffMit gelben Riesensegeln gegen AbendAuf dunkelblauem Wasser an der Stadt,Der Vaterstadt vorüberfährt. Da sieht erDie Gassen, hört die Brunnen rauschen, riechtDen Duft der Fliederbüsche, sieht sich selberEin Kind am Ufer stehn, mit Kindesaugen,Die ängstlich sind und weinen wollen, siehtDurchs offne Fenster Licht in seinem Zimmer –Das große Seeschiff aber trägt ihn weiter,Auf dunkelblauem Wasser lautlos gleitendMit gelben, fremdgeformten Riesensegeln.
Dein Antlitz war mit Träumen ganz beladen.Ich schwieg und sah dich an mit stummem Beben.Wie stieg das auf! daß ich mich einmal schonIn frühern Nächten völlig hingegebenDem Mond und dem zuviel geliebten Tal,Wo auf den leeren Hängen auseinanderDie magern Bäume standen und dazwischenDie niedern kleinen Nebelwolken gingenUnd durch die Stille hin die immer frischenUnd immer fremden silberweißen WasserDer Fluß hinrauschen ließ, wie stieg das auf!Wie stieg das auf! Denn allen diesen DingenUnd ihrer Schönheit, die unfruchtbar war,Hingab ich mich in großer Sehnsucht ganz,Wie jetzt für das Anschaun von deinem HaarUnd zwischen deinen Lidern diesen Glanz!
Dein Antlitz war mit Träumen ganz beladen.Ich schwieg und sah dich an mit stummem Beben.Wie stieg das auf! daß ich mich einmal schonIn frühern Nächten völlig hingegebenDem Mond und dem zuviel geliebten Tal,Wo auf den leeren Hängen auseinanderDie magern Bäume standen und dazwischenDie niedern kleinen Nebelwolken gingenUnd durch die Stille hin die immer frischenUnd immer fremden silberweißen WasserDer Fluß hinrauschen ließ, wie stieg das auf!
Wie stieg das auf! Denn allen diesen DingenUnd ihrer Schönheit, die unfruchtbar war,Hingab ich mich in großer Sehnsucht ganz,Wie jetzt für das Anschaun von deinem HaarUnd zwischen deinen Lidern diesen Glanz!
Wir sind aus solchem Zeug, wie das zu Träumen,Und Träume schlagen so die Augen aufWie kleine Kinder unter Kirschenbäumen,Aus deren Krone den blaßgoldnen LaufDer Vollmond anhebt durch die große Nacht... Nicht anders tauchen unsre Träume auf,Sind da und leben, wie ein Kind, das lacht,Nicht minder groß im Auf- und NiederschwebenAls Vollmond, aus Baumkronen aufgewacht.Das Innerste ist offen ihrem Weben,Wie Geisterhände in versperrtem RaumSind sie in uns und haben immer Leben.Und drei sind eins: ein Mensch, ein Ding, ein Traum.
Wir sind aus solchem Zeug, wie das zu Träumen,Und Träume schlagen so die Augen aufWie kleine Kinder unter Kirschenbäumen,
Aus deren Krone den blaßgoldnen LaufDer Vollmond anhebt durch die große Nacht... Nicht anders tauchen unsre Träume auf,
Sind da und leben, wie ein Kind, das lacht,Nicht minder groß im Auf- und NiederschwebenAls Vollmond, aus Baumkronen aufgewacht.
Das Innerste ist offen ihrem Weben,Wie Geisterhände in versperrtem RaumSind sie in uns und haben immer Leben.
Und drei sind eins: ein Mensch, ein Ding, ein Traum.
Die Gärtner legten ihre Beete frei,Und viele Bettler waren überall,Mit schwarzverbundnen Augen und mit Krücken,Doch auch mit Harfen und den neuen Blumen,Dem starken Duft der schwachen Frühlingsblumen.Die nackten Bäume ließen alles frei:Man sah den Fluß hinab und sah den MarktUnd viele Kinder spielen längs den Teichen.Durch diese Landschaft ging er langsam hinUnd fühlte ihre Macht und wußte, daßAuf ihn die Weltgeschicke sich bezogen.Auf jene fremden Kinder ging er zuUnd war bereit, an unbekannter SchwelleEin neues Leben dienend hinzubringen.Ihm fiel nicht ein, den Reichtum seiner Seele,Die frühern Wege und ErinnerungVerschlungner Finger und getauschter SeelenFür mehr als nichtigen Besitz zu achten.Der Duft der Blumen redete ihm nurVon fremder Schönheit, und die neue LuftNahm er stillatmend ein, doch ohne Sehnsucht:Nur daß er dienen durfte, freute ihn.
Die Gärtner legten ihre Beete frei,Und viele Bettler waren überall,Mit schwarzverbundnen Augen und mit Krücken,Doch auch mit Harfen und den neuen Blumen,Dem starken Duft der schwachen Frühlingsblumen.
Die nackten Bäume ließen alles frei:Man sah den Fluß hinab und sah den MarktUnd viele Kinder spielen längs den Teichen.Durch diese Landschaft ging er langsam hinUnd fühlte ihre Macht und wußte, daßAuf ihn die Weltgeschicke sich bezogen.
Auf jene fremden Kinder ging er zuUnd war bereit, an unbekannter SchwelleEin neues Leben dienend hinzubringen.Ihm fiel nicht ein, den Reichtum seiner Seele,Die frühern Wege und ErinnerungVerschlungner Finger und getauschter SeelenFür mehr als nichtigen Besitz zu achten.Der Duft der Blumen redete ihm nurVon fremder Schönheit, und die neue LuftNahm er stillatmend ein, doch ohne Sehnsucht:Nur daß er dienen durfte, freute ihn.
Gianinospricht:Mir war, als ginge durch die blaue Nacht,Die atmende, ein rätselhaftes Rufen.Und nirgends war ein Schlaf in der Natur.Mit Atemholen tief und feuchten Lippen,So lag sie, horchend in das große Dunkel,Und lauschte auf geheimer Dinge Spur.Und sickernd, rieselnd kam das SterngefunkelHernieder auf die weiche, wache Flur.Und alle Früchte schweren Blutes schwollenIm gelben Mond und seinem Glanz, dem vollen,Und alle Brunnen glänzten seinem Ziehn,Und es erwachten schwere Harmonien.Und wo die Wolkenschatten hastig glitten,War wie ein Laut von weichen, nackten Tritten …Leis stand ich auf – ich war an dich geschmiegt –Da schwebte durch die Nacht ein süßes Tönen,Als hörte man die Flöte leise stöhnen,Die in der Hand aus Marmor sinnend wiegtDer Faun, der da im schwarzen Lorbeer steht,Gleich nebenan, beim Nachtviolenbeet.Ich sah ihn stehen still und marmorn leuchten;Und um ihn her im silbrig Blauen, Feuchten,Wo sich die offenen Granaten wiegen,Da sah ich deutlich viele Bienen fliegen,Und viele saugen, auf das Rot gesunken,Von nächt'gem Duft und reifem Safte trunken.Und wie des Dunkels leiser AtemzugDen Duft des Gartens um die Stirn mir trug,Da schien es mir wie das VorüberschweifenVon einem weichen, wogenden GewandUnd die Berührung einer warmen Hand.In weißen, seidig weißen MondesstreifenWar liebestoller Mücken dichter Tanz,Und auf dem Teiche lag ein weicher GlanzUnd plätscherte und blinkte auf und nieder.Ich weiß es heut nicht, ob's die Schwäne waren,Ob badender Najaden weiße Glieder,Und wie ein süßer Duft von FrauenhaarenVermischte sich dem Duft der Aloe …Und was da war, ist mir in eins verflossen:In eine überstarke, schwere Pracht,Die Sinne stumm und Worte sinnlos macht.
Gianinospricht:
Mir war, als ginge durch die blaue Nacht,Die atmende, ein rätselhaftes Rufen.Und nirgends war ein Schlaf in der Natur.Mit Atemholen tief und feuchten Lippen,So lag sie, horchend in das große Dunkel,Und lauschte auf geheimer Dinge Spur.Und sickernd, rieselnd kam das SterngefunkelHernieder auf die weiche, wache Flur.Und alle Früchte schweren Blutes schwollenIm gelben Mond und seinem Glanz, dem vollen,Und alle Brunnen glänzten seinem Ziehn,Und es erwachten schwere Harmonien.Und wo die Wolkenschatten hastig glitten,War wie ein Laut von weichen, nackten Tritten …Leis stand ich auf – ich war an dich geschmiegt –Da schwebte durch die Nacht ein süßes Tönen,Als hörte man die Flöte leise stöhnen,Die in der Hand aus Marmor sinnend wiegtDer Faun, der da im schwarzen Lorbeer steht,Gleich nebenan, beim Nachtviolenbeet.Ich sah ihn stehen still und marmorn leuchten;Und um ihn her im silbrig Blauen, Feuchten,Wo sich die offenen Granaten wiegen,Da sah ich deutlich viele Bienen fliegen,Und viele saugen, auf das Rot gesunken,Von nächt'gem Duft und reifem Safte trunken.Und wie des Dunkels leiser AtemzugDen Duft des Gartens um die Stirn mir trug,Da schien es mir wie das VorüberschweifenVon einem weichen, wogenden GewandUnd die Berührung einer warmen Hand.In weißen, seidig weißen MondesstreifenWar liebestoller Mücken dichter Tanz,Und auf dem Teiche lag ein weicher GlanzUnd plätscherte und blinkte auf und nieder.Ich weiß es heut nicht, ob's die Schwäne waren,Ob badender Najaden weiße Glieder,Und wie ein süßer Duft von FrauenhaarenVermischte sich dem Duft der Aloe …Und was da war, ist mir in eins verflossen:In eine überstarke, schwere Pracht,Die Sinne stumm und Worte sinnlos macht.
DerBaronspricht:Ich will hier Feste geben. Schaff mir Löwen,Die Blumensträuße aus dem Rachen werfen!Vergoldete Delphine stell vors Tor,Die roten Wein ins grüne Wasser spein!Nicht drei, nicht fünf, zehn Diener nimm mir aufUnd schaff Livreen. An den Treppen sollenDrei Gondeln hängen voller MusikantenIn meinen Farben.Ich will den Kampanile um und umIn Rosen und Narzissen wickeln. DrobenAuf seiner höchsten Spitze sollen FlammenVon Sandelholz, genährt mit Rosenöl,Den Leib der Nacht mit Riesenarmen fassen.Ich mach' aus dem Kanal ein fließend Feuer,Streu so viel Blumen aus, daß alle TaubenBetäubt am Boden flattern, so viel Fackeln,Daß sich die Fische angstvoll in den GrundDes Meeres bohren, daß Europa sichMit ihren nackten Nymphen aufgescheuchtIn einem dunkleren Gemach verstecktUnd daß ihr Stier geblendet laut aufbrüllt!Mach Dichterträume wahr, stampf aus dem GrabDen Veronese und den Aretin,Spann Greise vor, bau eine PyramideAus Leibern junger Mädchen, welche singen!Die Pferde von Sankt Markus sollen wiehernUnd ihre ehrnen Nüstern blähn vor Lust!Die oben liegen in den bleiernen KammernUnd ihre Nägel bohren in die Wand,Die sollen innehalten und schon meinen,Der Jüngste Tag ist da, und daß die EngelMit rosenen Händen und dem wilden DuftDer Schwingen niederstürzend jetzt das DachVon Blei hinweg, herein den Himmel reißen! …* * *Derselbespricht:O hättest du gelernt wie ich zu leben,Dir wäre wohl.Ich achte diese Welt nach ihrem Wert,Ein Ding, auf das ich mich mit sieben SinnenSo lange werfen soll, als Tag' und NächteMich wie ein ächzend Fahrzeug noch ertragen.Leben! Gefangen liegen, schon den TrittDes Henkers schlürfen hörn im MorgengrauenUnd sich zusammenziehen wie ein Igel,Gesträubt vor Angst und starrend noch von Leben!Dann wieder frei sein! atmen! wie ein SchwammDie Welt einsaugen, über Berge hin!Die Städte drunten, funkeln wie die Augen!Die Segel draußen, vollgebläht wie Brüste!Die weißen Arme! Die von Schluchzen dunklenVerführten Kehlen! Dann die HerzoginnenIm Spitzenbette weinen lassen undDen dumpfen Weg zur Magd, du glaubst mir nicht?Ich sage dir, es gibt nichts LustigresAls hier im Zimmer auf und nieder gehn,Sich Wein einschenken, essen, schlafen, küssenUnd draußen an der Tür den wilden AtemVoneinemgehen hören odereiner,Die lauert und in der geballten FaustDen Tod hält, deinen oder ihren Tod! …
DerBaronspricht:
Ich will hier Feste geben. Schaff mir Löwen,Die Blumensträuße aus dem Rachen werfen!Vergoldete Delphine stell vors Tor,Die roten Wein ins grüne Wasser spein!Nicht drei, nicht fünf, zehn Diener nimm mir aufUnd schaff Livreen. An den Treppen sollenDrei Gondeln hängen voller MusikantenIn meinen Farben.Ich will den Kampanile um und umIn Rosen und Narzissen wickeln. DrobenAuf seiner höchsten Spitze sollen FlammenVon Sandelholz, genährt mit Rosenöl,Den Leib der Nacht mit Riesenarmen fassen.Ich mach' aus dem Kanal ein fließend Feuer,Streu so viel Blumen aus, daß alle TaubenBetäubt am Boden flattern, so viel Fackeln,Daß sich die Fische angstvoll in den GrundDes Meeres bohren, daß Europa sichMit ihren nackten Nymphen aufgescheuchtIn einem dunkleren Gemach verstecktUnd daß ihr Stier geblendet laut aufbrüllt!Mach Dichterträume wahr, stampf aus dem GrabDen Veronese und den Aretin,Spann Greise vor, bau eine PyramideAus Leibern junger Mädchen, welche singen!Die Pferde von Sankt Markus sollen wiehernUnd ihre ehrnen Nüstern blähn vor Lust!Die oben liegen in den bleiernen KammernUnd ihre Nägel bohren in die Wand,Die sollen innehalten und schon meinen,Der Jüngste Tag ist da, und daß die EngelMit rosenen Händen und dem wilden DuftDer Schwingen niederstürzend jetzt das DachVon Blei hinweg, herein den Himmel reißen! …
* * *
Derselbespricht:
O hättest du gelernt wie ich zu leben,Dir wäre wohl.Ich achte diese Welt nach ihrem Wert,Ein Ding, auf das ich mich mit sieben SinnenSo lange werfen soll, als Tag' und NächteMich wie ein ächzend Fahrzeug noch ertragen.Leben! Gefangen liegen, schon den TrittDes Henkers schlürfen hörn im MorgengrauenUnd sich zusammenziehen wie ein Igel,Gesträubt vor Angst und starrend noch von Leben!Dann wieder frei sein! atmen! wie ein SchwammDie Welt einsaugen, über Berge hin!Die Städte drunten, funkeln wie die Augen!Die Segel draußen, vollgebläht wie Brüste!Die weißen Arme! Die von Schluchzen dunklenVerführten Kehlen! Dann die HerzoginnenIm Spitzenbette weinen lassen undDen dumpfen Weg zur Magd, du glaubst mir nicht?
Ich sage dir, es gibt nichts LustigresAls hier im Zimmer auf und nieder gehn,Sich Wein einschenken, essen, schlafen, küssenUnd draußen an der Tür den wilden AtemVoneinemgehen hören odereiner,Die lauert und in der geballten FaustDen Tod hält, deinen oder ihren Tod! …
Geboren am 26. April 1863 zu Rastenburg in Ostpreußen. Lebt seit 1875 in Berlin. – Buch der Zeit 1885. Phantasus I und II 1898 und 1899. Große „Insel“-Ausgabe 1916. Des berühmbten Schäffers Dafnis sälbst verfärtigte, sämbtliche Freß- Sauffund Venus-Lieder benebst angehänckten Auffrichtigen und Reuemächtigen Buß-Thränen 1904. Das ausgewählte Werk 1919.
Sein Freund, der Türmer, war noch wach,wie Silber gleißte das Rathausdach,und drüber stand der Mond.Er wußte kaum, wie schwer er litt,doch schlug ihm das Herz bei jedem Schritt,und das Ränzel drückte ihn.Die Gasse war so lang, so lang,und dazu noch die Stimme, die über ihm sang:Wann's Mailüfterl weht!Jetzt bog sich ein Fliederstrauch über den Zaun,und die Mutter Gottes, aus Stein gehaun,stand weiß vor dem Domportal.Hier stand er eine Weile stillund hörte, wie eine Dohle schrillhoch oben ums Turmkreuz pfiff.Dann löschte links in dem kleinen Hausder Löwenwirt seine Lichter aus,und die Domuhr schlug langsam zehn.Die Brunnen rauschten wie im Traum,die Nachtigall schlug im Lindenbaum,und alles war wie sonst!Da riß er die Rose sich aus dem Rockund stieß sie ins Pflaster mit seinem Stock,daß die Funken stoben, und ging.Das Lämpchen flackerte rot überm Tor,und der Wald, in den sich sein Weg verlor,stand schwarz im Mondlicht da.Er schritt und schritt, ein Käuzchen schrie,die Farren reichten ihm bis übers Knie,und der Sankt-Jakobs-Quell plätscherte …Erst droben auf dem Heiligensteinfiel ihm noch einmal alles ein,als der Weg um die Buche bog.Die Blätter rauschten, er stand und standund sah hinunter unverwandt,wo die Dächer funkelten!Dort stand der Garten und dort das Haus,und jetzt war das aus, und jetzt war das aus,und – die Dächer funkelten!Sein Herz schlug wild, sein Herz schlug nicht fromm:Wann i komm, wann i komm, wann i wiederkomm!Doch er kam nie wieder.
Sein Freund, der Türmer, war noch wach,wie Silber gleißte das Rathausdach,und drüber stand der Mond.
Er wußte kaum, wie schwer er litt,doch schlug ihm das Herz bei jedem Schritt,und das Ränzel drückte ihn.
Die Gasse war so lang, so lang,und dazu noch die Stimme, die über ihm sang:Wann's Mailüfterl weht!
Jetzt bog sich ein Fliederstrauch über den Zaun,und die Mutter Gottes, aus Stein gehaun,stand weiß vor dem Domportal.
Hier stand er eine Weile stillund hörte, wie eine Dohle schrillhoch oben ums Turmkreuz pfiff.
Dann löschte links in dem kleinen Hausder Löwenwirt seine Lichter aus,und die Domuhr schlug langsam zehn.
Die Brunnen rauschten wie im Traum,die Nachtigall schlug im Lindenbaum,und alles war wie sonst!
Da riß er die Rose sich aus dem Rockund stieß sie ins Pflaster mit seinem Stock,daß die Funken stoben, und ging.
Das Lämpchen flackerte rot überm Tor,und der Wald, in den sich sein Weg verlor,stand schwarz im Mondlicht da.
Er schritt und schritt, ein Käuzchen schrie,die Farren reichten ihm bis übers Knie,und der Sankt-Jakobs-Quell plätscherte …
Erst droben auf dem Heiligensteinfiel ihm noch einmal alles ein,als der Weg um die Buche bog.
Die Blätter rauschten, er stand und standund sah hinunter unverwandt,wo die Dächer funkelten!
Dort stand der Garten und dort das Haus,und jetzt war das aus, und jetzt war das aus,und – die Dächer funkelten!
Sein Herz schlug wild, sein Herz schlug nicht fromm:Wann i komm, wann i komm, wann i wiederkomm!Doch er kam nie wieder.
Ricarda Ceconi-Huch
Ninon heißt sie. Ihre Mutterhandelt nachts mit Apfelsinenan der Weidendammer Brücke.Doch sie selbst ist Kammerkätzchen.Stöckelschühchen. Sehr kokett.Sehr kokett sitzt auch ihr Häubchen,das auf ihrem krausen Köpfchenweiß und niedlich balanciert.Doch der kleine Marmorschlingel,der dem Spiegel visavisgrad vor einem Makartstrauß hockt,läßt sich dadurch nicht verblüffen.Immer, wenn ihr Pfauenwedelihn frühmorgens abstäubt, lacht er.Ja, die Stutzuhr kann sogardeutlich hören, was er sagt:„Tu mir den Gefallen, Kind, undkokettiere nicht so viel!Ninon nennt die gnädige Frau dich?Geh, du heißt ja gar nicht so!Martha heißt du. Dein Papawar der gnädige Herr von Dingsda.Vor drei Wochen in Neuyorkstarb er als Konditorlehrling.Deine Mutter lebt. Sie schielt,hinkt und schnupft. Im übrigenhandelt sie mit Apfelsinenan der Weidendammer Brücke.“
Ninon heißt sie. Ihre Mutterhandelt nachts mit Apfelsinenan der Weidendammer Brücke.Doch sie selbst ist Kammerkätzchen.
Stöckelschühchen. Sehr kokett.Sehr kokett sitzt auch ihr Häubchen,das auf ihrem krausen Köpfchenweiß und niedlich balanciert.
Doch der kleine Marmorschlingel,der dem Spiegel visavisgrad vor einem Makartstrauß hockt,läßt sich dadurch nicht verblüffen.
Immer, wenn ihr Pfauenwedelihn frühmorgens abstäubt, lacht er.Ja, die Stutzuhr kann sogardeutlich hören, was er sagt:
„Tu mir den Gefallen, Kind, undkokettiere nicht so viel!Ninon nennt die gnädige Frau dich?Geh, du heißt ja gar nicht so!
Martha heißt du. Dein Papawar der gnädige Herr von Dingsda.Vor drei Wochen in Neuyorkstarb er als Konditorlehrling.
Deine Mutter lebt. Sie schielt,hinkt und schnupft. Im übrigenhandelt sie mit Apfelsinenan der Weidendammer Brücke.“
Ihr Dach stieß fast bis an die Sterne,vom Hof her stampfte die Fabrik.Es war die richtige Mietskasernemit Flur- und Leiermannsmusik!Im Keller nistete die Ratte,Parterre gab's Branntwein, Grog und Bier,und bis ins fünfte Stockwerk hattedas Vorstadtelend sein Quartier.Dort saß er nachts vor seinem Lichte– duck nieder, nieder, wilder Hohn! –und fieberte und schrieb Gedichte,ein Träumer, ein verlorner Sohn!Sein Stübchen konnte grade fassenein Tischchen und ein schmales Bett;er war so arm und so verlassen,wie jener Gott aus Nazareth!Doch pfiff auch dreist die feile Dirne,die Welt, ihn aus: Er ist verrückt! –ihm hatte leuchtend auf die Stirneder Genius seinen Kuß gedrückt!Und wenn, vom holden Wahnsinn trunken,er zitternd Vers an Vers gereiht,dann schien auf ewig ihm versunkendie Welt und ihre Nüchternheit.In Fetzen hing ihm seine Bluse,sein Nachbar lieh ihm trocknes Brot,er aber stammelte: O Muse!und wußte nichts von seiner Not.Er saß nur still vor seinem Lichte,allnächtlich, wenn der Tag entflohn,und fieberte und schrieb Gedichte,ein Träumer, ein verlorner Sohn!* * *Die Nacht liegt in den letzten Zügen,der Regen tropft, der Nebel spinnt …O, daß die Märchen immer lügen,die Märchen, die die Jugend sinnt!Wie lieblich hat sich einst getrunkender Hoffnung goldner Feuerwein!Und jetzt? Erbarmungslos versunkenin dieses Elend der Spelunken –O Sonnenschein! O Sonnenschein!Nur einmal, einmal noch im Traumelaßt mich hinaus, o Gott, hinaus!Denn süß rauscht's nachts im Lindenbaumevor meines Vaters Försterhaus.Der Mond lugt golden um den Giebel,der Vater träumt von Mars-la-Tour,lieb Mütterchen studiert die Bibel,ihr Nestling koloriert die Fibel,und leise, leise tickt die Uhr.O goldne Lenznacht der Jasminen,o wär ich niemals dir entrückt!Das ewige Rädern der Maschinenhat mir das Hirn zerpflückt, zerstückt!Einst schlich ich aus dem Haus der Väternachts in die Welt mich, wie ein Dieb,und heut – drei kurze Jährchen später! –wie ein geschlagener Missetäter,schluchz ich: Vergib, o Gott, vergib!Wozu dein armes Hirn zerwühlen?Du grübelst, und die Weltlust lacht!Denn von Gedanken, von Gefühlenhat noch kein Mensch sich satt gemacht!Ja, recht hat, o du süße Mutter,dein Spruch, vor dem's mir stets gegraust:Was soll uns Shakespeare, Kant und Luther?Dem Elend dünkt ein Stückchen Buttererhabner als der ganze Faust!
Ihr Dach stieß fast bis an die Sterne,vom Hof her stampfte die Fabrik.Es war die richtige Mietskasernemit Flur- und Leiermannsmusik!Im Keller nistete die Ratte,Parterre gab's Branntwein, Grog und Bier,und bis ins fünfte Stockwerk hattedas Vorstadtelend sein Quartier.
Dort saß er nachts vor seinem Lichte– duck nieder, nieder, wilder Hohn! –und fieberte und schrieb Gedichte,ein Träumer, ein verlorner Sohn!Sein Stübchen konnte grade fassenein Tischchen und ein schmales Bett;er war so arm und so verlassen,wie jener Gott aus Nazareth!
Doch pfiff auch dreist die feile Dirne,die Welt, ihn aus: Er ist verrückt! –ihm hatte leuchtend auf die Stirneder Genius seinen Kuß gedrückt!Und wenn, vom holden Wahnsinn trunken,er zitternd Vers an Vers gereiht,dann schien auf ewig ihm versunkendie Welt und ihre Nüchternheit.
In Fetzen hing ihm seine Bluse,sein Nachbar lieh ihm trocknes Brot,er aber stammelte: O Muse!und wußte nichts von seiner Not.Er saß nur still vor seinem Lichte,allnächtlich, wenn der Tag entflohn,und fieberte und schrieb Gedichte,ein Träumer, ein verlorner Sohn!
* * *
Die Nacht liegt in den letzten Zügen,der Regen tropft, der Nebel spinnt …O, daß die Märchen immer lügen,die Märchen, die die Jugend sinnt!Wie lieblich hat sich einst getrunkender Hoffnung goldner Feuerwein!Und jetzt? Erbarmungslos versunkenin dieses Elend der Spelunken –O Sonnenschein! O Sonnenschein!
Nur einmal, einmal noch im Traumelaßt mich hinaus, o Gott, hinaus!Denn süß rauscht's nachts im Lindenbaumevor meines Vaters Försterhaus.Der Mond lugt golden um den Giebel,der Vater träumt von Mars-la-Tour,lieb Mütterchen studiert die Bibel,ihr Nestling koloriert die Fibel,und leise, leise tickt die Uhr.
O goldne Lenznacht der Jasminen,o wär ich niemals dir entrückt!Das ewige Rädern der Maschinenhat mir das Hirn zerpflückt, zerstückt!Einst schlich ich aus dem Haus der Väternachts in die Welt mich, wie ein Dieb,und heut – drei kurze Jährchen später! –wie ein geschlagener Missetäter,schluchz ich: Vergib, o Gott, vergib!
Wozu dein armes Hirn zerwühlen?Du grübelst, und die Weltlust lacht!Denn von Gedanken, von Gefühlenhat noch kein Mensch sich satt gemacht!Ja, recht hat, o du süße Mutter,dein Spruch, vor dem's mir stets gegraust:Was soll uns Shakespeare, Kant und Luther?Dem Elend dünkt ein Stückchen Buttererhabner als der ganze Faust!
Vor meinem Fenstersingt ein Vogel.Still hör ich zu; mein Herz vergeht.Er singt,was ich als Kind … so ganz besaßund dann – vergessen!
Vor meinem Fenstersingt ein Vogel.
Still hör ich zu; mein Herz vergeht.
Er singt,was ich als Kind … so ganz besaßund dann – vergessen!
Rote Rosenwinden sich um meine düstre Lanze.Durch weiße Lilienwälderschnaubt mein Hengst.Aus grünen Seeen,Schilf im Haar,tauchen schlanke, schleierlose Jungfraun.Ich reite wie aus Erz.Immer,dicht vor mir,fliegt der Vogel Phönixund singt.
Rote Rosenwinden sich um meine düstre Lanze.
Durch weiße Lilienwälderschnaubt mein Hengst.
Aus grünen Seeen,Schilf im Haar,tauchen schlanke, schleierlose Jungfraun.
Ich reite wie aus Erz.
Immer,dicht vor mir,fliegt der Vogel Phönixund singt.
In einem Garten, unter dunklen Bäumen,erwarten wirdie Frühlingsnacht.Nochglänzt kein Stern.Die Büsche schweigen.Plötzlich,aus einem Fenster,leise,getragen, schwellend,die tiefen, klaren, reinen, lichten,glutend golddurchwirktenTöneeiner Geige.Der Goldregen blinkt,der Flieder duftet,in unseren Herzen – geht der Mond auf!
In einem Garten, unter dunklen Bäumen,erwarten wirdie Frühlingsnacht.Nochglänzt kein Stern.
Die Büsche schweigen.
Plötzlich,aus einem Fenster,leise,getragen, schwellend,die tiefen, klaren, reinen, lichten,glutend golddurchwirktenTöneeiner Geige.
Der Goldregen blinkt,der Flieder duftet,in unseren Herzen – geht der Mond auf!
Aus weißen Wolken,schwebend, schweigend, strahlend ins blitzende Blau hochsteigend,schimmernd, flimmernd, baut sich ein Schloß!Spiegelnde Seeen, selige Wiesen,singende Brunnen aus tiefstem Smaragd!In seinen hohen, gleißenden, glitzernden Hallenwohnendie alten Götter!Noch immer,abends,wenn die Sonne purpurn sinkt,glühn seine Gärten;vor ihren Wundern bebt mein Herzund lange … steh ich.Sehnsüchtig!Dann naht die Nacht,die Luft verlischt,wie zitterndes Silber blinkt das Meer,und über die ganze Welt hinwebt ein Duft … wie von Rosen!
Aus weißen Wolken,schwebend, schweigend, strahlend ins blitzende Blau hochsteigend,schimmernd, flimmernd, baut sich ein Schloß!
Spiegelnde Seeen, selige Wiesen,singende Brunnen aus tiefstem Smaragd!
In seinen hohen, gleißenden, glitzernden Hallenwohnendie alten Götter!
Noch immer,abends,wenn die Sonne purpurn sinkt,glühn seine Gärten;vor ihren Wundern bebt mein Herzund lange … steh ich.
Sehnsüchtig!
Dann naht die Nacht,die Luft verlischt,wie zitterndes Silber blinkt das Meer,und über die ganze Welt hinwebt ein Duft … wie von Rosen!
Geboren am 18. Juli 1864 in Braunschweig, studierte in Zürich und wurde dort 1891 als eine der ersten Frauen zumDr. phil.promoviert. – Gedichte 1891. Neue Gedichte 1907.
Um bei dir zu sein,Trüg' ich Not und Fährde,Ließ' ich Freund und HausUnd die Fülle der Erde.Mich verlangt nach dir,Wie die Flut nach dem Strande,Wie die Schwalbe im HerbstNach dem südlichen Lande.Wie den Alpsohn heim,Wenn er denkt, nachts alleine,An die Berge voll SchneeIm Mondenscheine.
Um bei dir zu sein,Trüg' ich Not und Fährde,Ließ' ich Freund und HausUnd die Fülle der Erde.
Mich verlangt nach dir,Wie die Flut nach dem Strande,Wie die Schwalbe im HerbstNach dem südlichen Lande.
Wie den Alpsohn heim,Wenn er denkt, nachts alleine,An die Berge voll SchneeIm Mondenscheine.
Ganz mit Frühling und Sonnenstrahl,Klang und duftendem BlütengußMein verlangendes Herz einmalFüll mir, seliger Überfluß!Gib mir ewiger Jugend Glanz,Gib mir ewigen Lebens Kraft,Gib im flüchtigen StundentanzEwig wirkende Leidenschaft!Aus dem Meere des Wissens laßSatt mich trinken in tiefem Zug!Gib von Liebe und gib von HaßMeiner Seele einmal genug.Gib, daß Tau der Erfüllung mirIn die Schale des Herzens fließt,Bis sie, selber verschwendend, ihrÜberschäumendes Glück ergießt!
Ganz mit Frühling und Sonnenstrahl,Klang und duftendem BlütengußMein verlangendes Herz einmalFüll mir, seliger Überfluß!
Gib mir ewiger Jugend Glanz,Gib mir ewigen Lebens Kraft,Gib im flüchtigen StundentanzEwig wirkende Leidenschaft!
Aus dem Meere des Wissens laßSatt mich trinken in tiefem Zug!Gib von Liebe und gib von HaßMeiner Seele einmal genug.
Gib, daß Tau der Erfüllung mirIn die Schale des Herzens fließt,Bis sie, selber verschwendend, ihrÜberschäumendes Glück ergießt!
Seit du mir ferne bist,Hab' ich nur Leid,Weiß ich, was Sehnsucht istUnd freudenlose Zeit.Ich hab' an dich gedachtOhn' UnterlaßUnd weine jede NachtNach dir mein Kissen naß.Und schließt mein Auge zuDes Schlafes Band,So wähn' ich, das tust duMit deiner weichen Hand.
Seit du mir ferne bist,Hab' ich nur Leid,Weiß ich, was Sehnsucht istUnd freudenlose Zeit.
Ich hab' an dich gedachtOhn' UnterlaßUnd weine jede NachtNach dir mein Kissen naß.
Und schließt mein Auge zuDes Schlafes Band,So wähn' ich, das tust duMit deiner weichen Hand.
Hör mich, Mutter, höre mich in deinem dunkeln Grabe,Sage mir, wo ich Verirrter meine Heimat habe.Wenn ich schlafe unter deinem Trauerweidenbaume,Zeige mir das Land, das süße Vaterland, im Traume.Laß mich meine Sterne sehen, eine milde SonneDurch das Meer des Himmels segeln, junger Saaten Wonne,Und die Wasser jubelnd hoch von meinen Bergen stieben!Meine Brüder, meine Schwestern zeig mir, die mich lieben.Wär' der Weg auch noch so weit, ich will ihn gerne gehen;Wär' er noch so hoch und steil, ich will ihn gern bestehen.Denn ich mag nicht, mag nicht länger in der Fremde weilen,Ich bin krank im Herzen, nur die Heimat kann mich heilen.Käm' ich auch als Bettler zu der vielgeliebten Stelle,Legen will ich mich auf meines Vaterhauses Schwelle;Küsse werden, Tränen auf die alten Steine brennen,Die mich besser als die Menschen in der Fremde kennen.– „Kind, dein Vaterland ist ferne, und der Weg ist weiter,Als die Erde weit ist, und die Nacht ist dein Begleiter.An der Pforte wird die Ewigkeit dich still begrüßenUnd die Wanderschuh' dir lösen von den wunden Füßen.“ –
Hör mich, Mutter, höre mich in deinem dunkeln Grabe,Sage mir, wo ich Verirrter meine Heimat habe.Wenn ich schlafe unter deinem Trauerweidenbaume,Zeige mir das Land, das süße Vaterland, im Traume.Laß mich meine Sterne sehen, eine milde SonneDurch das Meer des Himmels segeln, junger Saaten Wonne,Und die Wasser jubelnd hoch von meinen Bergen stieben!Meine Brüder, meine Schwestern zeig mir, die mich lieben.Wär' der Weg auch noch so weit, ich will ihn gerne gehen;Wär' er noch so hoch und steil, ich will ihn gern bestehen.Denn ich mag nicht, mag nicht länger in der Fremde weilen,Ich bin krank im Herzen, nur die Heimat kann mich heilen.Käm' ich auch als Bettler zu der vielgeliebten Stelle,Legen will ich mich auf meines Vaterhauses Schwelle;Küsse werden, Tränen auf die alten Steine brennen,Die mich besser als die Menschen in der Fremde kennen.– „Kind, dein Vaterland ist ferne, und der Weg ist weiter,Als die Erde weit ist, und die Nacht ist dein Begleiter.An der Pforte wird die Ewigkeit dich still begrüßenUnd die Wanderschuh' dir lösen von den wunden Füßen.“ –