1914Februar.4.KaiserlichDeutsches Konsulat.Erzerum, den 16. Februar 1914.Heute besuchte mich der hiesige armenische Bischof Msg. Beadetian, um mir anläßlich der Annahme der Reformen[28]im Namen seiner Gemeinde zu danken für die hartnäckige Verteidigung des Reformprojekts durch die Kaiserliche Regierung, der zum großen Teil das Zustandekommen des so lang ersehnten Reformwerkes zu verdanken sei. Weder in der Stadt noch im Wilajet Erzerum liege zurzeit Grund zu Klagen vor, abgesehen von Differenzen im Kaza Narwan, wo ein Tscherkessenstamm den Besitz der Armenier beschlagnahmt habe. Doch habe der Wali bereits Untersuchung und Abhilfe zugesagt. — Die hiesige islamische Bevölkerung hat die Nachricht der Annahme der Reformen ohne irgendwelche feindseligen Kundgebungen aufgenommen und dürfte auch nichts unternehmen, um die Durchführung derselben zu stören. Nach Ansicht des Bischofs seien die Armenier jetzt völlig ausgesöhnt und fühlen sich als treue Ottomanen. Die hiesigen Armenier seien sich voll bewußt, daß die Kaiserliche Regierung mit Wohlwollen und Interesse ihr Schicksal verfolge und seien mir dankbar, daß ich dies bei verschiedenen Anlässen zum Ausdruck gebracht hätte.Anders.Seiner Hochwohlgeboren dem Kaiserlichen GeschäftsträgerHerrn Botschaftsrat von Mutius.
1914
Februar.
4.
KaiserlichDeutsches Konsulat.
Erzerum, den 16. Februar 1914.
Heute besuchte mich der hiesige armenische Bischof Msg. Beadetian, um mir anläßlich der Annahme der Reformen[28]im Namen seiner Gemeinde zu danken für die hartnäckige Verteidigung des Reformprojekts durch die Kaiserliche Regierung, der zum großen Teil das Zustandekommen des so lang ersehnten Reformwerkes zu verdanken sei. Weder in der Stadt noch im Wilajet Erzerum liege zurzeit Grund zu Klagen vor, abgesehen von Differenzen im Kaza Narwan, wo ein Tscherkessenstamm den Besitz der Armenier beschlagnahmt habe. Doch habe der Wali bereits Untersuchung und Abhilfe zugesagt. — Die hiesige islamische Bevölkerung hat die Nachricht der Annahme der Reformen ohne irgendwelche feindseligen Kundgebungen aufgenommen und dürfte auch nichts unternehmen, um die Durchführung derselben zu stören. Nach Ansicht des Bischofs seien die Armenier jetzt völlig ausgesöhnt und fühlen sich als treue Ottomanen. Die hiesigen Armenier seien sich voll bewußt, daß die Kaiserliche Regierung mit Wohlwollen und Interesse ihr Schicksal verfolge und seien mir dankbar, daß ich dies bei verschiedenen Anlässen zum Ausdruck gebracht hätte.
Anders.
Seiner Hochwohlgeboren dem Kaiserlichen GeschäftsträgerHerrn Botschaftsrat von Mutius.