1916Januar.225.Telegramm.(KaiserlichesKonsulat Aleppo.)Aleppo, den 3. Januar 1916.An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.Antwort auf Telegramm vom 31. Dezember.In Aintab waren nach den Verschickungen vor einigen Monaten noch 7 bis 8000 Armenier geblieben. Von diesen sind jetzt 5 bis 6000 ohne Unterschied der Konfession teils schon verschickt, teils in Verschickung begriffen; der Befehl hierzu ist anscheinend von militärischer Seite ergangen wahrscheinlich unter dem falschen Vorwand der Anteilnahme am Widerstand der Stadt Urfa. Jetzt ist auch die letzte protestantische Kirche in Aintab geschlossen.Rößler.KaiserlichDeutsche Botschaft.Notiz.Die Meldung wurde Halil Bey mitgeteilt. Er erklärt die Nachricht für unrichtig. Es seien nur einige an der Bahn angesiedelte Armenier aus militärischen Gründen weiter geschickt worden.Neurath.226.KaiserlichDeutsches Konsulat.Aleppo, den 3. Januar 1916.Euerer Exzellenz überreiche ich gehorsamst in der Anlage die folgenden Nachrichten zur Armenierverschickung:1. Abschrift eines Berichtes des Diakons Künzler aus Urfa über die dortigen Vorgänge seit Anfang August bis Anfang Dezember. Der Bericht wiederholt zwar zum Teil schon Bekanntes, verdient aber doch eine Wiedergabe. Insbesondere ist daraus zu entnehmen, daß gegen 600 Armenier bereits abgeschlachtet waren, ehe die Kämpfe Anfang Oktober begannen, nämlich 100 in der Stadt, ungefähr 100 eines Arbeiterbataillonsim Norden der Stadt, und 400 eines Arbeiterbataillons im Süden der Stadt, abgesehen von den bereits vorher Verschickten und auf dem Wege nach Diarbekr Ermordeten. Neu ist auch, was er über das Geschick der Stadt nach ihrer militärischen Niederzwingung berichtet.2. Ein deutscher Ingenieur, der während der entscheidenden Ereignisse wochenlang in Ras-ul-Ain und Tell-Abiad für den Bau der Bagdadbahn beschäftigt war und dessen Glaubwürdigkeit die allerbeste ist, gab erschütternde Berichte, die einen Einblick in die bewußte und gewollte Vernichtung der Verschickten durch türkische Regierungsorgane gewährten. Die von den Armeniern immer wieder vorgebrachte Erzählung, daß die Züge der Verbannten absichtlich kreuz und quer geführt worden sind, um sie „zu Tode zu wandern“ fand an einem Beispiel ihre Bestätigung. Ein Trupp Verschickter aus Urfa hat folgenden Weg zurücklegen müssen:Von Urfa nach Tell-Abiad,„ Tell-Abiad nach Rakka,„ Rakka nach Tell-Abiad,„ Tell-Abiad nach Rakka.Die Strecke von Tell-Abiad nach Rakka beträgt in der Luftlinie rund 90 km.3. Die schon öfter gemeldete und soeben wieder bestätigte Tatsache, daß Regierungsorgane die Bevölkerung zur Vertilgung der Armenier aufgefordert und ermutigt haben, kann dahin eingeschränkt werden, daß Djemal Pascha, der Höchstkommandierende der 4. Armee, persönlich die Vernichtung der Armenier nicht gewollt hat. Sein Wille hat sie nicht aufzuhalten vermocht, aber es ist eine Erleichterung, in dem grauenhaften Bilde auch einmal einen versöhnlichen Zug entdecken zu können. Das Sammellager der Armenier in Islahije ist 6 Wochen lang, trotz der Verteidigung durch deutsche Ingenieure, der Gegenstand zahlreicher Raubüberfälle durch Kurden gewesen, bei denen Frauen und Kinder abgeschlachtet wurden. Als Djemal Pascha durchkam und ihm darüber Vortrag gehalten wurde, stellte er seine 12 Leibgendarmen zur Verfügung, die sehr energisch gegen die Kurden vorgingen und einige gefangen einbrachten. Diese sind dann gehängt worden. Wenn die Zustände im Bereich der 4. Armee, obwohl sie schlimm genug sind, doch nicht an diejenigen im Bereiche der 3. Armee heranreichen, so wird neben den durch die geographische und politische Lage sowie durch den verschiedenen Stand der Verkehrswege bedingten Unterschieden auch der Einfluß Djemal Paschas in Anschlag zu bringen sein[118].4. Während ich früher wiederholt berichtet habe, daß Leichen der Armenier unbeerdigt geblieben sind und den Raubtieren zum Opfer fielen, kann nach neuerdings mir erstatteten mündlichen Berichten kein Zweifel mehr sein, daß auch noch lebende Armenier, die im Krankheits- und Erschöpfungszustande im Freien lagerten und um die sich niemand kümmerte, von Hunden angefressen worden sind.Es liegt dafür das Zeugnis eines älteren deutschen Ingenieurs von unbedingter Zuverlässigkeit vor, der, in Arab-Punar stationiert, die Strecke zwischen dort und Harab-Nass unter sich hatte. Die Beobachtung ist sowohl von ihm selbst, wie von seinen eingeborenen Angestellten gemacht worden. Sein Name steht auf Erfordern zur Verfügung.Der Leichengeruch auf der Straße zwischen diesen beiden Stationen war derartig stark, daß er sich mehrfach das Gesicht verbunden hat, wenn er sie zu Pferde zurückzulegen hatte.Gleichen Bericht lasse ich dem Herrn Reichskanzler zugehen.Rößler.Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen BotschafterHerrn Grafen Wolff-Metternich, Hochgeboren.Anlage 1.Deutsche Missionsklinik Urfa.Urfa, den 5. Dezember 1915.Ich nehme an, daß Sie über die meisten hiesigen Vorgänge seit August richtig unterrichtet sind. Dennoch möchte ich hier etwas wiederholen. Vielleicht, daß darunter doch noch etwas ist, was Sie nicht wissen.Anfang August Ankunft zweier Beys von Diarbekir. Gleich darauf begann der Todestransport der schon lange gefangen gehaltenen Armenier, darunter auch unser Apotheker Abraham. Am 15. August beginnt neue Suche nach jungen Armeniern, behufs angeblichen Soldatendienstes. Am 19. August wurde bei einer Hausdurchsuchung aus dem Hinterhalt ein Polizist niedergeschossen, nachmittags 3 Uhr. Die übrigen Polizisten springen weg ins muslimische Quartier und melden es der Obrigkeit. Die beiden Beys von Diarbekr gaben Orders zu einem Massakre. Bis zum Abend fielen ca. 100 Armenier. Anderen Tags werden ungefähr 100 Armenier des Arbeiterbataillons eineinehalbe Stunde nördlich von Urfa abgeschlachtet. Anderen Tags 400 eines im Süden arbeitenden Arbeiterbataillons. Seit dem 19. August Stille, aber die Armenier bleiben in ihren Häusern. Am 29. September suchte die Polizei nach jungen Armeniern, welche nachts zuvor aus einem Hause Schüsse abgaben. Hierbei wurde wieder auf sie geschossen. Wer fliehen konnte, floh. Auf dem Markte befindliche Armenier wurden abgeschlachtet, doch hatten sich seit dem 19. August nur einzelne auf den Markt herausgewagt. Schon am Abend war das armenische Viertel für Muhammedaner nicht mehr zugänglich. Dann begann die Belagerung des armenischen Stadtviertels, welche ja für die Armenier schlecht enden mußte. Am 16. Oktober die Internierung der meist unbeteiligten Armenier, besonders Frauen und Kinder. Die Männer, die sich übergeben hatten, wurden abgeschlachtet, auch einige gehängt. Die Frauen und Kinder nach und nach in den Süden verschickt. Die Suche nach dem Rest der Armenier, welche sich nicht ergaben, sondern sich in Brunnen und Verstecken verborgen hatten, dauerte noch recht lange, bis Mitte November.Anfänglich ließ man an der Revolution unbeteiligte Bäcker am Leben und in ihren Läden arbeiten, aber am 20. November entfernte man auch diese, indem man sie auf den Weg schickte und sie dann draußen abschlachtete.Ein paar Armenier, die das zweifelhafte Metier hatten, den Türken die Wege zu den Verstecken zu zeigen, durften mit ihren Familien in Urfa bleiben. Auch Apotheker Karekin kann bleiben, aber jetzt werden diese Leute halb und halb gezwungen, Muslim zu werden. Unserem Apotheker wurde es heute nahegelegt, wenn er bleiben wolle, wenigstens einen muslimischen Namen anzunehmen. Wahrscheinlich wird auch unserem Arzt diese Sache nahegelegt.Das an dem Aufstand völlig unbeteiligte einzige christliche Dorf Garmudj ist letzte Woche auch verschickt worden! Sehr traurig!Oft denke ich, wenn nur jemand von uns nach Rakka, Der-es-Zor usw. gehen könnte, um dem Rest Überlebender der Verschickten beizustehen.[119]Allein ich bin sicher, die Regierung würde eine Hilfe unsererseits nicht zulassen. So müssen wir denn das Volk einfach untergehen lassen.Jakob Kuenzler.An den Kaiserlich Deutschen Konsul Herrn Rößler in Aleppo.Anlage 2.Publication aux Vilayets.Malgré les ordres et communiqués que j’ai donnés pour que la population arménienne expédiée en différents endroits ne soit soumise à aucune oppression et mauvais traitement, j’apprends des faits regrettables qui se sont produits.Ci-dessous quelques détails que j’ai reçus jusqu’à présent à ce sujet:1. Une oppression a été faite pendant la recherche d’armes et un certain nombre d’arméniens ont dû acheter des armes à des prix très élevés de leurs voisins turcs et circassiens pour les livrer au gouvernement.Un certain nombre de leurs chevaux et de leurs effets de valeur ont été volés.Sous prétexte qu’ils seront rationés en route ils ont été laissés sans pain et sans eau.Ils ont subi de la part des fonctionnaires chargés de les accompagner un traitement sévère et inutile tel que d’insultes et des voies de faits.Pendant leurs étapes ils ont dû se suffir des 25–30 Drames de pain et une solde de 25 paras par jour.Les employés et professeurs des écoles et orphelinats arméniens ont subi le même traitement que la population indigène au lieu d’être renvoyés dans leurs provinces. On ne laissa même pas à certains d’entre eux le temps de prendre leurs effets. A Gueben des femmes ont été convoquées au moment où elles faisaient leurs lessives et dûrent se mettre en route pieds-nus et sans avoir pu emporter les linges qu’elles avaient lavés.Certains pères de familles ont été expédiés à des endroits séparément de leurs femmes et enfants. Et par manque de moyens de transport, certaines femmes ont dû se débarasser de leurs enfants comme d’une charge inutile et les ont laissés au bord d’une route ou au revers d’une haie et même certaines entre elles essayèrent de les vendre.La permission de faire venir leurs bêtes qui se trouvaient à quelque distance de leurs lieux d’habitation leur a été refusée.De pareils traitements portent atteinte à notre honneur national et forment une tâche au nom de l’Ottomanisme. J’attire donc l’attention des autorités compétentes à ce sujet.2. Enquêtes sévères doivent être faites immédiatement au sujet de tous ces évènements et les fauteurs de troubles seront punis pour cette fois de réprimande. Tous ceux qui commettraient des actes pareils seront considérés par moi comme des Ottomans indignes de ce nom et livrés à la cour martiale sous inculpation de traîtrise de la Patrie.3. Avant le déplacement de la population arménienne un délai fixe leur sera donné et au moment de l’expulsion, ceux qui auront des voitures et des chevaux en profiteront pour leur voyage. Le Gouvernement procurera des moyens nécessaires de transport pour les autres.4. Les malades resteront jusqu’à leur guérison, à l’endroit où ils se trouvent.5. La population sera expédiée avec une escorte de gendarmerie et aisément. Une solde de 50 Paras aux adultes et aux hommes et de 30 Paras aux enfants sera donnée s’ils sont indigents.6. Les gendarmes et les employés faisant partie de leur escorte sont responsables de leur vie, de leurs biens et de leur honneur.7. Aux endroits où ils seront établis tout leur nécessaire sera assuré et tous seront sous la protection et affection du Gouvernement.Je m’assurerai de l’exécution absolue de ces ordres par l’inspection de mes officiers en qui j’ai toute confiance. Nul ne sera informé de leurs enquêtes et suivant leurs rapports tous peuvent être assurés que je punirai de la façon la plus rigoureuse ceux qui agiront contre ces ordres.Djemal Pascha.227.(KaiserlichesKonsulat Aleppo.)Telegramm.Aleppo, den 10. Januar 1916.An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.Aus Aintab stammende Armenier, die schon 3 oder 4 Jahre hier wohnhaft sind, erhielten die Aufforderung, Aleppo binnen einer Woche zu verlassen.Es gibt Anzeichen dafür, daß auch die in Aleppo ansässigen Armenier verschickt werden sollen. Es scheint zu diesem Zwecke von der Behörde eine Liste aufgestellt zu werden. Von Bab erfolgen Weiterverschickungen, die in Widerspruch zu dem stehen, was Djemal Pascha in Konstantinopel durchgesetzt hatte.Rößler.228.Kaiserliche Botschaft.Pera, den 20. Januar 1916.Telegramm.An Deutsches Konsulat, Aleppo.Auf Telegramm vom 10. Januar.Die Pforte erklärt, daß Verschickung der Armenier aus Aleppo nicht beabsichtigt sei.Metternich.229.(KaiserlichesKonsulat Aleppo.)Telegramm.Aleppo, den 12. Januar 1916.An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.Neuerdings werden 3000 armenische Witwen, die früher von Aleppo nach Killis gesandt und dort verhältnismäßig gut aufgehoben waren, nach Der-es-Zor verschickt, wobei die meisten zugrunde gehen. Könnte nicht erreicht werden, daß wenigstens der jetzt noch verbliebene Rest dort belassen wird?Rößler.Bei Halil zur Sprache gebracht. Er wollte Talaat Bey informieren.20.1.1916. Neurath.230.KaiserlichDeutsche Botschaft.Pera, den 24. Januar 1916.Auf den Erlaß vom 12. Dezember v. J.[120]Der hiesige Minister des Äußern, Halil Bey, hat auf meine Vorstellungen hin auf das entschiedenste bestritten, daß zwangsweise Bekehrungen der Armenier zum Islam in nennenswertem Umfange versucht worden seien. Bei den vorgekommenen Fällen von Übergriffen unterer Beamter seien die Betreffenden bestraft worden.Die Versicherungen des Ministers stehen in Widerspruch mit den übereinstimmenden Berichten, die der Kaiserlichen Botschaft wiederholt über diese Frage aus verschiedenen Lokalitäten und aus von einander unabhängigen Quellen zugegangen sind.Aus den eingehenden Angaben des Vizekonsuls Kuckhoff in Samsun, die von anderer Seite bestätigt wurden, ist zu schließen, daß namentlich in den Distrikten am Schwarzen Meer die Islamisierung der Armenier — teils durch Überredung, teils durch Drohungen — in größerem Umfange durchgeführt worden ist.Allerdings haben anderwärts, wo zahlreiche Armenier aus eigenem Antriebe, um der Verbannung und Vermögenskonfiskation zu entgehen, sich zum Übertritt zum Islam entschlossen, die Behörden diese Bewegung nicht begünstigt und die Übergetretenen trotzdem verschickt. Anscheinend befürchtet man, daß durch weitere Massenübertritte der eigentliche Zweck der Armenieraustreibungen, die völlige Unschädlichmachung der armenischen Bevölkerung, vereitelt werden könnte.Seitdem ist ein anderer weniger auffälliger Weg eingeschlagen worden.So berichtet der Konsul Büge in Adana im Oktober v. J., daß der Leiter des dortigen türkischen Waisenhauses den christlichen Zöglingen eröffnet habe, daß in einem osmanischen Waisenhause die christliche Religion keinen Platz hätte; wer nicht zum Islam übertrete, müsse das Haus verlassen. Daraufhin verließen die christlichen Kinder das Haus mit Ausnahme von 14 Knaben, die vermutlich inzwischen zum Islam übergetreten sind.Ferner teilte der armenische Patriarch Mitte Dezember hierher mit, daß man in Anatolien begonnen habe, die weiblichen Mitglieder der verschickten armenischen Familien, deren männliche Mitglieder umgekommen oder verschollen sind, gruppenweise auf muhammedanische Dörfer zu verteilen, um sie dem Islam zuzuführen; auch habe das Kriegsministerium angeordnet, daß sämtliche im Heeresdienste befindlichen Armenier Muhammedaner werden und schon jetzt muhammedanische Namen erhalten sollten,während die eigentlichen Formalitäten (Beschneidung) mit Rücksicht auf den Kriegszustand für später vorbehalten werden.Endlich wird behauptet, daß auch hier in der Hauptstadt von Türken vielfach auf Armenier eingewirkt werde, damit sie zum Islam übertreten; doch ist die Zahl der Übergetretenen im Verhältnis zur Gesamtzahl der hiesigen armenischen Bevölkerung nur geringfügig. Angeblich haben bis jetzt nur einige 20 Armenier den Islam angenommen, darunter namentlich solche, die in Anatolien begütert sind und durch den Übertritt ihr Vermögen zu retten suchen.Metternich.Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.231.KaiserlichDeutsches Konsulat.Aleppo, den 26. Januar 1916.Zur Frage der Verschickung der Armenier aus Aleppo habe ich aus Anlaß eines Einzelfalles von einem Polizeikommissar folgendes erfahren:Es sind Befehle gegeben, jeden Armenier auszuweisen, der nicht ein in Aleppo selbst ausgestelltes „Teskere Nufus“ (Heimatschein) besitzt, und zwar ohne Rücksicht auf die Zeit, die er etwa schon in Aleppo zugebracht hat. Nur ein solches gilt als Nachweis, daß der Inhaber nicht zu den Verschickten gehört.Ist also ein Armenier z. B. vor 10 Jahren aus einer anderen türkischen Stadt nach Aleppo übergesiedelt und besitzt er ein Teskere Nufus aus jener anderen Stadt, ohne indessen Veranlassung gehabt zu haben, dieses Papier gegen ein hiesiges umzutauschen, so ist er der Verschickung verfallen.Mit diesem Befehl hat die Regierung eine Waffe in der Hand, die Mehrzahl der hiesigen Armenier auszuweisen. Nur die hier Geborenen sind sicher, und auch diese nur, soweit sie bei der Regierung eingetragen sind, was bekanntlich bei den ottomanischen Untertanen nicht durchweg geschieht. Von den Zugewanderten, d. h. also auch den vor der Verschickung Zugewanderten, wird ein sehr erheblicher Teil nicht im Besitze des hiesigen Papieres sein. Die Polizei ist mit den Feststellungen beschäftigt. Auch sind manche hiesige Armenier auf diese Art bereits verschickt worden.Rößler.Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen BotschafterHerrn Grafen Wolff-Metternich.232.KaiserlichDeutsche Botschaft.Pera, den 28. Januar 1916.Ein weiteres sicheres Beispiel für die Islamisierung der Armenier wird vom Kaiserlichen Konsul in Aleppo gemeldet. Auf Antrag des Herrn Rößler stand die Kaiserliche Botschaft im Begriff, sich für den Arzt und den Apothekergehilfen des von der deutschen Orientmission in Urfa unterhaltenen Spitals zu verwenden, welche von den Behörden verhaftet worden waren und von denen der letztere bereits zum Islam übergetreten war. Nunmehr zeigt Herr Rößler hier an, daß auch der Arzt, ein gewisser Abuhaijatian, mit dem gesamten übrigen männlichen Personal des Spitals Muhammedaner geworden sei und den Namen Arif angenommen habe. Trotzdem ist er vom Kriegsgericht verurteilt worden. Die von den Behörden in Urfa gesammelten Waisen sind ebenfalls dem Islam zugeführt worden. Nach Ansicht des Herrn Rößler würde ein weiteres Eintreten für die auf diese Weise Bekehrten nur zur Folge haben, daß sie verschickt und unterwegs aus dem Wege geräumt werden.Endlich wird in einem Briefe aus Konia bestätigt, daß die dort konzentrierten Armenier allmählich weiter ins Innere abgeschoben werden, wo sie auf türkische Dörfer verteilt und zur Annahme des Islam genötigt werden.Metternich.Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.233.KaiserlichDeutsches Konsulat.Aleppo, den 29. Januar 1916.Mit dem von deutscher Seite für die armenische Hilfsaktion zur Verfügung gestellten Gelde eine besondere Organisation zu schaffen, ging nicht an, denn sie wäre von türkischer Seite nicht geduldet worden. Auch war die Not so ungeheuer, daß den Hungernden nicht die Hilfe zugunsten einer erst noch zu schaffenden Organisation verweigert werden konnte. Ein großer Teil der im Herbst zur Verfügung gestellten Summen ist durch das hiesige Missionsehepaar Spieker verteilt worden, dem die Notleidenden vielfach persönlich bekannt waren und das seine Vertrauensleute hatte, so daß für Verwendung für wirklich Bedürftige gesorgt war.Von armenisch-protestantischer Seite ist ein Waisenhaus geschaffen und hierfür die wohlwollende Unterstützung des Deutschen Konsulats erbeten worden. Formell konnte ich sie nicht gewähren, aber tatsächlich. Ich gab die Genehmigung, daß ein hinter dem Deutschen Konsulat gelegenes, von einem Deutschen zur Verfügung gestelltes Haus benutzt würde.Die Polizei hat darauf dieses Haus unbelästigt gelassen, wohl in der stillschweigenden Annahme, daß sie andernfalls auf den Widerstand des Deutschen Konsulats stoßen würde. Es hieß dann bei den Armeniern wie bei den Behörden das „Deutsche Waisenhaus“. Ich habe monatliche Beiträge seit September beigesteuert und diese Beisteuer zunächst bis Ende April zugesagt.Aleppo ist gegenwärtig der Mittelpunkt eines Hilfswerks an den Armeniern, das sich auf Bab, Membidj, Der-es-Zor, Damaskus u. a. Plätze erstreckt. Auf Vorschlag der Schwester Beatrice Rohner habe ich kürzlich für Waisenarbeit in der Umgegend von Damaskus einen Beitrag zur Verfügung gestellt.Ein zweites hiesiges Waisenhaus, welches auf Verwendung des Freiherrn von Kreß durch Befehl Djemal Paschas der deutschen Schwester Beatrice Rohner zur Verwaltung übergeben worden ist, nachdem es bis dahin von türkischer Seite geleitet worden war, zählt zurzeit 376 Kinder.Die Regierung hat die Absicht, die sämtlichen Waisenkinder aus Aleppo nach Konstantinopel überzuführen. Sie hat nur die Ausführung dieser Absicht mit Rücksicht auf die winterliche Ungunst des Wetters und mit Rücksicht darauf, daß die Beförderungsmittel ausschließlich für militärische Zwecke gebraucht werden, auf das Frühjahr verschoben. Durch die Überführung würde in einschneidender Weise in die gegenwärtige Gestaltung der Hilfsaktion eingegriffen.Rößler.Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen BotschafterHerrn Grafen Wolff-Metternich.234.KaiserlichDeutsches Konsulat.Aleppo, den 31. Januar 1916.Euer Exzellenz überreiche ich gehorsamst in der Anlage Abschrift eines Briefes des Diakons Künzler in Urfa, aus welchem hervorgeht, daß die letzten in Urfa verbliebenen Armenier unter dem Zwange der Verhältnisse den Islam angenommen haben. Darunter auch die von türkischer Seite in Urfa gesammelten Waisen.Über die Verhaftung von Dr. Arménak Abuhajatian, Arzt am Deutschen Hospital, habe ich der Kaiserlichen Botschaft anderweit berichtet. Aus dem Briefe geht hervor, daß er an den Widersetzlichkeiten der Bevölkerung völlig unbeteiligt war.Zwangsbekehrungen zum Islam sind vor einigen Wochen hier auch von anderer Stelle bekannt geworden. In Caesarea war der Befehl ergangen, die Armenier nach Siwas zu verschicken. Diese Verschickung bedeutete den Tod. Möglicherweise um sie zu retten, ließ der Mutessarrif bekannt werden, wer zumIslam übertrete, werde verschont. Viele traten über. Eine Anzahl protestantischer und katholischer Geistlicher weigerten sich, überzutreten. Auf mir nicht bekannt gewordene Weise kam es dahin, daß diese nicht nach Siwas, sondern nach Eregli verschickt wurden, auf welchem Wege die Gefahren geringer waren. Als sie nach mancherlei Fährlichkeiten in Tarsus ankamen, trafen sie dort zufällig Freiherrn von Kreß auf seiner Reise mit Djemal Pascha nach Konstantinopel. Er führte sie beim Pascha ein, der ihnen sicheres Geleit nach Aleppo gab und ihnen später teils Damaskus, teils Jerusalem als Wohnsitz anwies. Von diesen stammt die Nachricht. Unter ihnen befindet sich der protestantische Prediger Wahram Tahmissian, jetzt in Damaskus.Gleichen Bericht lasse ich dem Herrn Reichskanzler zugehen.Rößler.Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen BotschafterHerrn Grafen Wolff-Metternich, Hochgeboren.Anlage.Deutsche Missionsklinik Urfa.Urfa, den 17. Januar 1916.Hochgeehrter Herr Konsul!Sie erwarten wohl mit Recht wieder einige Zeilen von mir über die Vorgänge in unserem Hospital.Gestern vor 8 Tagen wurde plötzlich unser sich noch immer in Rekonvaleszenz befindender Arzt von der Polizei abgefaßt. Eine Stunde später geschah das gleiche auch mit dem Apothekergehilfen Hosep, jetzt muhammedanisch Jussuf genannt. Als ich sah, daß die beiden statt von der Polizei zurückzukehren, ins Gefängnis geworfen wurden, begab ich mich abends zum Gouverneur, wobei ich nur erfuhr, daß der Verhaftungsbefehl nicht aus Urfa, mutmaßlich aus Aleppo stammte. Am folgenden Morgen sandte ich dann das Telegramm an Sie. Im Laufe der Woche erfuhr ich unter der Hand, von wo der schlechte Wind wehte. Wir hatten eine Zeit lang einen militärischen Obern hier, Z. G., der jetzt dort weilt, welcher den Befehl gegeben. Ganz Urfa war empört über die Gefangennahme der beiden, von denen jedermann bezeugen kann, daß sie bei dem Widerstande völlig unbeteiligt waren. G. ist eben ein roh Durchgehender. Hätte er vielleicht gewußt, daß unser Arzt, jetzt Arif Eff. genannt, inzwischen, wie das ganze männliche eingeborene Personal, muhammedanisch geworden ist, hätte er vielleicht den Befehl nicht erlassen. Die Waisen, welche auf Befehl des jetzt dort weilenden, früheren Obersten (Generals) Fakhri ed din Paschas hier gesammelt wurden, sind alle vor kurzem „umgetauft“ worden, mitsamt den diversen Hausmüttern.Ich höre, daß der Arzt bereits verurteilt ist; wie lange die Strafe, weiß ich nicht.Jakob Künzler.
1916
Januar.
225.
Telegramm.
(KaiserlichesKonsulat Aleppo.)
Aleppo, den 3. Januar 1916.
An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.
Antwort auf Telegramm vom 31. Dezember.
In Aintab waren nach den Verschickungen vor einigen Monaten noch 7 bis 8000 Armenier geblieben. Von diesen sind jetzt 5 bis 6000 ohne Unterschied der Konfession teils schon verschickt, teils in Verschickung begriffen; der Befehl hierzu ist anscheinend von militärischer Seite ergangen wahrscheinlich unter dem falschen Vorwand der Anteilnahme am Widerstand der Stadt Urfa. Jetzt ist auch die letzte protestantische Kirche in Aintab geschlossen.
Rößler.
KaiserlichDeutsche Botschaft.
Notiz.
Die Meldung wurde Halil Bey mitgeteilt. Er erklärt die Nachricht für unrichtig. Es seien nur einige an der Bahn angesiedelte Armenier aus militärischen Gründen weiter geschickt worden.
Neurath.
226.
KaiserlichDeutsches Konsulat.
Aleppo, den 3. Januar 1916.
Euerer Exzellenz überreiche ich gehorsamst in der Anlage die folgenden Nachrichten zur Armenierverschickung:
1. Abschrift eines Berichtes des Diakons Künzler aus Urfa über die dortigen Vorgänge seit Anfang August bis Anfang Dezember. Der Bericht wiederholt zwar zum Teil schon Bekanntes, verdient aber doch eine Wiedergabe. Insbesondere ist daraus zu entnehmen, daß gegen 600 Armenier bereits abgeschlachtet waren, ehe die Kämpfe Anfang Oktober begannen, nämlich 100 in der Stadt, ungefähr 100 eines Arbeiterbataillonsim Norden der Stadt, und 400 eines Arbeiterbataillons im Süden der Stadt, abgesehen von den bereits vorher Verschickten und auf dem Wege nach Diarbekr Ermordeten. Neu ist auch, was er über das Geschick der Stadt nach ihrer militärischen Niederzwingung berichtet.
2. Ein deutscher Ingenieur, der während der entscheidenden Ereignisse wochenlang in Ras-ul-Ain und Tell-Abiad für den Bau der Bagdadbahn beschäftigt war und dessen Glaubwürdigkeit die allerbeste ist, gab erschütternde Berichte, die einen Einblick in die bewußte und gewollte Vernichtung der Verschickten durch türkische Regierungsorgane gewährten. Die von den Armeniern immer wieder vorgebrachte Erzählung, daß die Züge der Verbannten absichtlich kreuz und quer geführt worden sind, um sie „zu Tode zu wandern“ fand an einem Beispiel ihre Bestätigung. Ein Trupp Verschickter aus Urfa hat folgenden Weg zurücklegen müssen:
Von Urfa nach Tell-Abiad,„ Tell-Abiad nach Rakka,„ Rakka nach Tell-Abiad,„ Tell-Abiad nach Rakka.
Von Urfa nach Tell-Abiad,„ Tell-Abiad nach Rakka,„ Rakka nach Tell-Abiad,„ Tell-Abiad nach Rakka.
Von Urfa nach Tell-Abiad,
„ Tell-Abiad nach Rakka,
„ Rakka nach Tell-Abiad,
„ Tell-Abiad nach Rakka.
Die Strecke von Tell-Abiad nach Rakka beträgt in der Luftlinie rund 90 km.
3. Die schon öfter gemeldete und soeben wieder bestätigte Tatsache, daß Regierungsorgane die Bevölkerung zur Vertilgung der Armenier aufgefordert und ermutigt haben, kann dahin eingeschränkt werden, daß Djemal Pascha, der Höchstkommandierende der 4. Armee, persönlich die Vernichtung der Armenier nicht gewollt hat. Sein Wille hat sie nicht aufzuhalten vermocht, aber es ist eine Erleichterung, in dem grauenhaften Bilde auch einmal einen versöhnlichen Zug entdecken zu können. Das Sammellager der Armenier in Islahije ist 6 Wochen lang, trotz der Verteidigung durch deutsche Ingenieure, der Gegenstand zahlreicher Raubüberfälle durch Kurden gewesen, bei denen Frauen und Kinder abgeschlachtet wurden. Als Djemal Pascha durchkam und ihm darüber Vortrag gehalten wurde, stellte er seine 12 Leibgendarmen zur Verfügung, die sehr energisch gegen die Kurden vorgingen und einige gefangen einbrachten. Diese sind dann gehängt worden. Wenn die Zustände im Bereich der 4. Armee, obwohl sie schlimm genug sind, doch nicht an diejenigen im Bereiche der 3. Armee heranreichen, so wird neben den durch die geographische und politische Lage sowie durch den verschiedenen Stand der Verkehrswege bedingten Unterschieden auch der Einfluß Djemal Paschas in Anschlag zu bringen sein[118].
4. Während ich früher wiederholt berichtet habe, daß Leichen der Armenier unbeerdigt geblieben sind und den Raubtieren zum Opfer fielen, kann nach neuerdings mir erstatteten mündlichen Berichten kein Zweifel mehr sein, daß auch noch lebende Armenier, die im Krankheits- und Erschöpfungszustande im Freien lagerten und um die sich niemand kümmerte, von Hunden angefressen worden sind.
Es liegt dafür das Zeugnis eines älteren deutschen Ingenieurs von unbedingter Zuverlässigkeit vor, der, in Arab-Punar stationiert, die Strecke zwischen dort und Harab-Nass unter sich hatte. Die Beobachtung ist sowohl von ihm selbst, wie von seinen eingeborenen Angestellten gemacht worden. Sein Name steht auf Erfordern zur Verfügung.
Der Leichengeruch auf der Straße zwischen diesen beiden Stationen war derartig stark, daß er sich mehrfach das Gesicht verbunden hat, wenn er sie zu Pferde zurückzulegen hatte.
Gleichen Bericht lasse ich dem Herrn Reichskanzler zugehen.
Rößler.
Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen BotschafterHerrn Grafen Wolff-Metternich, Hochgeboren.
Anlage 1.
Deutsche Missionsklinik Urfa.
Urfa, den 5. Dezember 1915.
Ich nehme an, daß Sie über die meisten hiesigen Vorgänge seit August richtig unterrichtet sind. Dennoch möchte ich hier etwas wiederholen. Vielleicht, daß darunter doch noch etwas ist, was Sie nicht wissen.
Anfang August Ankunft zweier Beys von Diarbekir. Gleich darauf begann der Todestransport der schon lange gefangen gehaltenen Armenier, darunter auch unser Apotheker Abraham. Am 15. August beginnt neue Suche nach jungen Armeniern, behufs angeblichen Soldatendienstes. Am 19. August wurde bei einer Hausdurchsuchung aus dem Hinterhalt ein Polizist niedergeschossen, nachmittags 3 Uhr. Die übrigen Polizisten springen weg ins muslimische Quartier und melden es der Obrigkeit. Die beiden Beys von Diarbekr gaben Orders zu einem Massakre. Bis zum Abend fielen ca. 100 Armenier. Anderen Tags werden ungefähr 100 Armenier des Arbeiterbataillons eineinehalbe Stunde nördlich von Urfa abgeschlachtet. Anderen Tags 400 eines im Süden arbeitenden Arbeiterbataillons. Seit dem 19. August Stille, aber die Armenier bleiben in ihren Häusern. Am 29. September suchte die Polizei nach jungen Armeniern, welche nachts zuvor aus einem Hause Schüsse abgaben. Hierbei wurde wieder auf sie geschossen. Wer fliehen konnte, floh. Auf dem Markte befindliche Armenier wurden abgeschlachtet, doch hatten sich seit dem 19. August nur einzelne auf den Markt herausgewagt. Schon am Abend war das armenische Viertel für Muhammedaner nicht mehr zugänglich. Dann begann die Belagerung des armenischen Stadtviertels, welche ja für die Armenier schlecht enden mußte. Am 16. Oktober die Internierung der meist unbeteiligten Armenier, besonders Frauen und Kinder. Die Männer, die sich übergeben hatten, wurden abgeschlachtet, auch einige gehängt. Die Frauen und Kinder nach und nach in den Süden verschickt. Die Suche nach dem Rest der Armenier, welche sich nicht ergaben, sondern sich in Brunnen und Verstecken verborgen hatten, dauerte noch recht lange, bis Mitte November.
Anfänglich ließ man an der Revolution unbeteiligte Bäcker am Leben und in ihren Läden arbeiten, aber am 20. November entfernte man auch diese, indem man sie auf den Weg schickte und sie dann draußen abschlachtete.
Ein paar Armenier, die das zweifelhafte Metier hatten, den Türken die Wege zu den Verstecken zu zeigen, durften mit ihren Familien in Urfa bleiben. Auch Apotheker Karekin kann bleiben, aber jetzt werden diese Leute halb und halb gezwungen, Muslim zu werden. Unserem Apotheker wurde es heute nahegelegt, wenn er bleiben wolle, wenigstens einen muslimischen Namen anzunehmen. Wahrscheinlich wird auch unserem Arzt diese Sache nahegelegt.
Das an dem Aufstand völlig unbeteiligte einzige christliche Dorf Garmudj ist letzte Woche auch verschickt worden! Sehr traurig!
Oft denke ich, wenn nur jemand von uns nach Rakka, Der-es-Zor usw. gehen könnte, um dem Rest Überlebender der Verschickten beizustehen.[119]Allein ich bin sicher, die Regierung würde eine Hilfe unsererseits nicht zulassen. So müssen wir denn das Volk einfach untergehen lassen.
Jakob Kuenzler.
An den Kaiserlich Deutschen Konsul Herrn Rößler in Aleppo.
Anlage 2.
Publication aux Vilayets.
Malgré les ordres et communiqués que j’ai donnés pour que la population arménienne expédiée en différents endroits ne soit soumise à aucune oppression et mauvais traitement, j’apprends des faits regrettables qui se sont produits.
Ci-dessous quelques détails que j’ai reçus jusqu’à présent à ce sujet:
1. Une oppression a été faite pendant la recherche d’armes et un certain nombre d’arméniens ont dû acheter des armes à des prix très élevés de leurs voisins turcs et circassiens pour les livrer au gouvernement.
Un certain nombre de leurs chevaux et de leurs effets de valeur ont été volés.
Sous prétexte qu’ils seront rationés en route ils ont été laissés sans pain et sans eau.
Ils ont subi de la part des fonctionnaires chargés de les accompagner un traitement sévère et inutile tel que d’insultes et des voies de faits.
Pendant leurs étapes ils ont dû se suffir des 25–30 Drames de pain et une solde de 25 paras par jour.
Les employés et professeurs des écoles et orphelinats arméniens ont subi le même traitement que la population indigène au lieu d’être renvoyés dans leurs provinces. On ne laissa même pas à certains d’entre eux le temps de prendre leurs effets. A Gueben des femmes ont été convoquées au moment où elles faisaient leurs lessives et dûrent se mettre en route pieds-nus et sans avoir pu emporter les linges qu’elles avaient lavés.
Certains pères de familles ont été expédiés à des endroits séparément de leurs femmes et enfants. Et par manque de moyens de transport, certaines femmes ont dû se débarasser de leurs enfants comme d’une charge inutile et les ont laissés au bord d’une route ou au revers d’une haie et même certaines entre elles essayèrent de les vendre.
La permission de faire venir leurs bêtes qui se trouvaient à quelque distance de leurs lieux d’habitation leur a été refusée.
De pareils traitements portent atteinte à notre honneur national et forment une tâche au nom de l’Ottomanisme. J’attire donc l’attention des autorités compétentes à ce sujet.
2. Enquêtes sévères doivent être faites immédiatement au sujet de tous ces évènements et les fauteurs de troubles seront punis pour cette fois de réprimande. Tous ceux qui commettraient des actes pareils seront considérés par moi comme des Ottomans indignes de ce nom et livrés à la cour martiale sous inculpation de traîtrise de la Patrie.
3. Avant le déplacement de la population arménienne un délai fixe leur sera donné et au moment de l’expulsion, ceux qui auront des voitures et des chevaux en profiteront pour leur voyage. Le Gouvernement procurera des moyens nécessaires de transport pour les autres.
4. Les malades resteront jusqu’à leur guérison, à l’endroit où ils se trouvent.
5. La population sera expédiée avec une escorte de gendarmerie et aisément. Une solde de 50 Paras aux adultes et aux hommes et de 30 Paras aux enfants sera donnée s’ils sont indigents.
6. Les gendarmes et les employés faisant partie de leur escorte sont responsables de leur vie, de leurs biens et de leur honneur.
7. Aux endroits où ils seront établis tout leur nécessaire sera assuré et tous seront sous la protection et affection du Gouvernement.
Je m’assurerai de l’exécution absolue de ces ordres par l’inspection de mes officiers en qui j’ai toute confiance. Nul ne sera informé de leurs enquêtes et suivant leurs rapports tous peuvent être assurés que je punirai de la façon la plus rigoureuse ceux qui agiront contre ces ordres.
Djemal Pascha.
227.
(KaiserlichesKonsulat Aleppo.)
Telegramm.
Aleppo, den 10. Januar 1916.
An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.
Aus Aintab stammende Armenier, die schon 3 oder 4 Jahre hier wohnhaft sind, erhielten die Aufforderung, Aleppo binnen einer Woche zu verlassen.
Es gibt Anzeichen dafür, daß auch die in Aleppo ansässigen Armenier verschickt werden sollen. Es scheint zu diesem Zwecke von der Behörde eine Liste aufgestellt zu werden. Von Bab erfolgen Weiterverschickungen, die in Widerspruch zu dem stehen, was Djemal Pascha in Konstantinopel durchgesetzt hatte.
Rößler.
228.
Kaiserliche Botschaft.
Pera, den 20. Januar 1916.
Telegramm.
An Deutsches Konsulat, Aleppo.
Auf Telegramm vom 10. Januar.
Die Pforte erklärt, daß Verschickung der Armenier aus Aleppo nicht beabsichtigt sei.
Metternich.
229.
(KaiserlichesKonsulat Aleppo.)
Telegramm.
Aleppo, den 12. Januar 1916.
An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.
Neuerdings werden 3000 armenische Witwen, die früher von Aleppo nach Killis gesandt und dort verhältnismäßig gut aufgehoben waren, nach Der-es-Zor verschickt, wobei die meisten zugrunde gehen. Könnte nicht erreicht werden, daß wenigstens der jetzt noch verbliebene Rest dort belassen wird?
Rößler.
Bei Halil zur Sprache gebracht. Er wollte Talaat Bey informieren.
20.1.1916. Neurath.
230.
KaiserlichDeutsche Botschaft.
Pera, den 24. Januar 1916.
Auf den Erlaß vom 12. Dezember v. J.[120]
Der hiesige Minister des Äußern, Halil Bey, hat auf meine Vorstellungen hin auf das entschiedenste bestritten, daß zwangsweise Bekehrungen der Armenier zum Islam in nennenswertem Umfange versucht worden seien. Bei den vorgekommenen Fällen von Übergriffen unterer Beamter seien die Betreffenden bestraft worden.
Die Versicherungen des Ministers stehen in Widerspruch mit den übereinstimmenden Berichten, die der Kaiserlichen Botschaft wiederholt über diese Frage aus verschiedenen Lokalitäten und aus von einander unabhängigen Quellen zugegangen sind.
Aus den eingehenden Angaben des Vizekonsuls Kuckhoff in Samsun, die von anderer Seite bestätigt wurden, ist zu schließen, daß namentlich in den Distrikten am Schwarzen Meer die Islamisierung der Armenier — teils durch Überredung, teils durch Drohungen — in größerem Umfange durchgeführt worden ist.
Allerdings haben anderwärts, wo zahlreiche Armenier aus eigenem Antriebe, um der Verbannung und Vermögenskonfiskation zu entgehen, sich zum Übertritt zum Islam entschlossen, die Behörden diese Bewegung nicht begünstigt und die Übergetretenen trotzdem verschickt. Anscheinend befürchtet man, daß durch weitere Massenübertritte der eigentliche Zweck der Armenieraustreibungen, die völlige Unschädlichmachung der armenischen Bevölkerung, vereitelt werden könnte.
Seitdem ist ein anderer weniger auffälliger Weg eingeschlagen worden.
So berichtet der Konsul Büge in Adana im Oktober v. J., daß der Leiter des dortigen türkischen Waisenhauses den christlichen Zöglingen eröffnet habe, daß in einem osmanischen Waisenhause die christliche Religion keinen Platz hätte; wer nicht zum Islam übertrete, müsse das Haus verlassen. Daraufhin verließen die christlichen Kinder das Haus mit Ausnahme von 14 Knaben, die vermutlich inzwischen zum Islam übergetreten sind.
Ferner teilte der armenische Patriarch Mitte Dezember hierher mit, daß man in Anatolien begonnen habe, die weiblichen Mitglieder der verschickten armenischen Familien, deren männliche Mitglieder umgekommen oder verschollen sind, gruppenweise auf muhammedanische Dörfer zu verteilen, um sie dem Islam zuzuführen; auch habe das Kriegsministerium angeordnet, daß sämtliche im Heeresdienste befindlichen Armenier Muhammedaner werden und schon jetzt muhammedanische Namen erhalten sollten,während die eigentlichen Formalitäten (Beschneidung) mit Rücksicht auf den Kriegszustand für später vorbehalten werden.
Endlich wird behauptet, daß auch hier in der Hauptstadt von Türken vielfach auf Armenier eingewirkt werde, damit sie zum Islam übertreten; doch ist die Zahl der Übergetretenen im Verhältnis zur Gesamtzahl der hiesigen armenischen Bevölkerung nur geringfügig. Angeblich haben bis jetzt nur einige 20 Armenier den Islam angenommen, darunter namentlich solche, die in Anatolien begütert sind und durch den Übertritt ihr Vermögen zu retten suchen.
Metternich.
Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.
231.
KaiserlichDeutsches Konsulat.
Aleppo, den 26. Januar 1916.
Zur Frage der Verschickung der Armenier aus Aleppo habe ich aus Anlaß eines Einzelfalles von einem Polizeikommissar folgendes erfahren:
Es sind Befehle gegeben, jeden Armenier auszuweisen, der nicht ein in Aleppo selbst ausgestelltes „Teskere Nufus“ (Heimatschein) besitzt, und zwar ohne Rücksicht auf die Zeit, die er etwa schon in Aleppo zugebracht hat. Nur ein solches gilt als Nachweis, daß der Inhaber nicht zu den Verschickten gehört.
Ist also ein Armenier z. B. vor 10 Jahren aus einer anderen türkischen Stadt nach Aleppo übergesiedelt und besitzt er ein Teskere Nufus aus jener anderen Stadt, ohne indessen Veranlassung gehabt zu haben, dieses Papier gegen ein hiesiges umzutauschen, so ist er der Verschickung verfallen.
Mit diesem Befehl hat die Regierung eine Waffe in der Hand, die Mehrzahl der hiesigen Armenier auszuweisen. Nur die hier Geborenen sind sicher, und auch diese nur, soweit sie bei der Regierung eingetragen sind, was bekanntlich bei den ottomanischen Untertanen nicht durchweg geschieht. Von den Zugewanderten, d. h. also auch den vor der Verschickung Zugewanderten, wird ein sehr erheblicher Teil nicht im Besitze des hiesigen Papieres sein. Die Polizei ist mit den Feststellungen beschäftigt. Auch sind manche hiesige Armenier auf diese Art bereits verschickt worden.
Rößler.
Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen BotschafterHerrn Grafen Wolff-Metternich.
232.
KaiserlichDeutsche Botschaft.
Pera, den 28. Januar 1916.
Ein weiteres sicheres Beispiel für die Islamisierung der Armenier wird vom Kaiserlichen Konsul in Aleppo gemeldet. Auf Antrag des Herrn Rößler stand die Kaiserliche Botschaft im Begriff, sich für den Arzt und den Apothekergehilfen des von der deutschen Orientmission in Urfa unterhaltenen Spitals zu verwenden, welche von den Behörden verhaftet worden waren und von denen der letztere bereits zum Islam übergetreten war. Nunmehr zeigt Herr Rößler hier an, daß auch der Arzt, ein gewisser Abuhaijatian, mit dem gesamten übrigen männlichen Personal des Spitals Muhammedaner geworden sei und den Namen Arif angenommen habe. Trotzdem ist er vom Kriegsgericht verurteilt worden. Die von den Behörden in Urfa gesammelten Waisen sind ebenfalls dem Islam zugeführt worden. Nach Ansicht des Herrn Rößler würde ein weiteres Eintreten für die auf diese Weise Bekehrten nur zur Folge haben, daß sie verschickt und unterwegs aus dem Wege geräumt werden.
Endlich wird in einem Briefe aus Konia bestätigt, daß die dort konzentrierten Armenier allmählich weiter ins Innere abgeschoben werden, wo sie auf türkische Dörfer verteilt und zur Annahme des Islam genötigt werden.
Metternich.
Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.
233.
KaiserlichDeutsches Konsulat.
Aleppo, den 29. Januar 1916.
Mit dem von deutscher Seite für die armenische Hilfsaktion zur Verfügung gestellten Gelde eine besondere Organisation zu schaffen, ging nicht an, denn sie wäre von türkischer Seite nicht geduldet worden. Auch war die Not so ungeheuer, daß den Hungernden nicht die Hilfe zugunsten einer erst noch zu schaffenden Organisation verweigert werden konnte. Ein großer Teil der im Herbst zur Verfügung gestellten Summen ist durch das hiesige Missionsehepaar Spieker verteilt worden, dem die Notleidenden vielfach persönlich bekannt waren und das seine Vertrauensleute hatte, so daß für Verwendung für wirklich Bedürftige gesorgt war.
Von armenisch-protestantischer Seite ist ein Waisenhaus geschaffen und hierfür die wohlwollende Unterstützung des Deutschen Konsulats erbeten worden. Formell konnte ich sie nicht gewähren, aber tatsächlich. Ich gab die Genehmigung, daß ein hinter dem Deutschen Konsulat gelegenes, von einem Deutschen zur Verfügung gestelltes Haus benutzt würde.Die Polizei hat darauf dieses Haus unbelästigt gelassen, wohl in der stillschweigenden Annahme, daß sie andernfalls auf den Widerstand des Deutschen Konsulats stoßen würde. Es hieß dann bei den Armeniern wie bei den Behörden das „Deutsche Waisenhaus“. Ich habe monatliche Beiträge seit September beigesteuert und diese Beisteuer zunächst bis Ende April zugesagt.
Aleppo ist gegenwärtig der Mittelpunkt eines Hilfswerks an den Armeniern, das sich auf Bab, Membidj, Der-es-Zor, Damaskus u. a. Plätze erstreckt. Auf Vorschlag der Schwester Beatrice Rohner habe ich kürzlich für Waisenarbeit in der Umgegend von Damaskus einen Beitrag zur Verfügung gestellt.
Ein zweites hiesiges Waisenhaus, welches auf Verwendung des Freiherrn von Kreß durch Befehl Djemal Paschas der deutschen Schwester Beatrice Rohner zur Verwaltung übergeben worden ist, nachdem es bis dahin von türkischer Seite geleitet worden war, zählt zurzeit 376 Kinder.
Die Regierung hat die Absicht, die sämtlichen Waisenkinder aus Aleppo nach Konstantinopel überzuführen. Sie hat nur die Ausführung dieser Absicht mit Rücksicht auf die winterliche Ungunst des Wetters und mit Rücksicht darauf, daß die Beförderungsmittel ausschließlich für militärische Zwecke gebraucht werden, auf das Frühjahr verschoben. Durch die Überführung würde in einschneidender Weise in die gegenwärtige Gestaltung der Hilfsaktion eingegriffen.
Rößler.
Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen BotschafterHerrn Grafen Wolff-Metternich.
234.
KaiserlichDeutsches Konsulat.
Aleppo, den 31. Januar 1916.
Euer Exzellenz überreiche ich gehorsamst in der Anlage Abschrift eines Briefes des Diakons Künzler in Urfa, aus welchem hervorgeht, daß die letzten in Urfa verbliebenen Armenier unter dem Zwange der Verhältnisse den Islam angenommen haben. Darunter auch die von türkischer Seite in Urfa gesammelten Waisen.
Über die Verhaftung von Dr. Arménak Abuhajatian, Arzt am Deutschen Hospital, habe ich der Kaiserlichen Botschaft anderweit berichtet. Aus dem Briefe geht hervor, daß er an den Widersetzlichkeiten der Bevölkerung völlig unbeteiligt war.
Zwangsbekehrungen zum Islam sind vor einigen Wochen hier auch von anderer Stelle bekannt geworden. In Caesarea war der Befehl ergangen, die Armenier nach Siwas zu verschicken. Diese Verschickung bedeutete den Tod. Möglicherweise um sie zu retten, ließ der Mutessarrif bekannt werden, wer zumIslam übertrete, werde verschont. Viele traten über. Eine Anzahl protestantischer und katholischer Geistlicher weigerten sich, überzutreten. Auf mir nicht bekannt gewordene Weise kam es dahin, daß diese nicht nach Siwas, sondern nach Eregli verschickt wurden, auf welchem Wege die Gefahren geringer waren. Als sie nach mancherlei Fährlichkeiten in Tarsus ankamen, trafen sie dort zufällig Freiherrn von Kreß auf seiner Reise mit Djemal Pascha nach Konstantinopel. Er führte sie beim Pascha ein, der ihnen sicheres Geleit nach Aleppo gab und ihnen später teils Damaskus, teils Jerusalem als Wohnsitz anwies. Von diesen stammt die Nachricht. Unter ihnen befindet sich der protestantische Prediger Wahram Tahmissian, jetzt in Damaskus.
Gleichen Bericht lasse ich dem Herrn Reichskanzler zugehen.
Rößler.
Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen BotschafterHerrn Grafen Wolff-Metternich, Hochgeboren.
Anlage.
Deutsche Missionsklinik Urfa.
Urfa, den 17. Januar 1916.
Hochgeehrter Herr Konsul!
Sie erwarten wohl mit Recht wieder einige Zeilen von mir über die Vorgänge in unserem Hospital.
Gestern vor 8 Tagen wurde plötzlich unser sich noch immer in Rekonvaleszenz befindender Arzt von der Polizei abgefaßt. Eine Stunde später geschah das gleiche auch mit dem Apothekergehilfen Hosep, jetzt muhammedanisch Jussuf genannt. Als ich sah, daß die beiden statt von der Polizei zurückzukehren, ins Gefängnis geworfen wurden, begab ich mich abends zum Gouverneur, wobei ich nur erfuhr, daß der Verhaftungsbefehl nicht aus Urfa, mutmaßlich aus Aleppo stammte. Am folgenden Morgen sandte ich dann das Telegramm an Sie. Im Laufe der Woche erfuhr ich unter der Hand, von wo der schlechte Wind wehte. Wir hatten eine Zeit lang einen militärischen Obern hier, Z. G., der jetzt dort weilt, welcher den Befehl gegeben. Ganz Urfa war empört über die Gefangennahme der beiden, von denen jedermann bezeugen kann, daß sie bei dem Widerstande völlig unbeteiligt waren. G. ist eben ein roh Durchgehender. Hätte er vielleicht gewußt, daß unser Arzt, jetzt Arif Eff. genannt, inzwischen, wie das ganze männliche eingeborene Personal, muhammedanisch geworden ist, hätte er vielleicht den Befehl nicht erlassen. Die Waisen, welche auf Befehl des jetzt dort weilenden, früheren Obersten (Generals) Fakhri ed din Paschas hier gesammelt wurden, sind alle vor kurzem „umgetauft“ worden, mitsamt den diversen Hausmüttern.
Ich höre, daß der Arzt bereits verurteilt ist; wie lange die Strafe, weiß ich nicht.
Jakob Künzler.