Chapter 17

November.1. November: Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Rußland und der Türkei.12.KaiserlichDeutsches Konsulat.Trapezunt, den 18. November 1914.Gestern morgen erschien die russische Schwarze Meer-Flotte, bestehend aus zwei Panzerschiffen, fünf Kreuzern und einem Transportschiff, denen sich einige Torpedoboote zugesellten, auf der Reede von Trapezunt. Um 8 Uhr begann die Beschießung der Stadt, welche mit Unterbrechung etwa eine Stunde dauerte. Es wurden einige Schüsse aus schweren Geschützen (nach den gefundenen Geschoßteilen zu urteilen, etwa Kal. 20 cm) abgegeben, welche dem Kaiserlichen Konsulat, dem alten und dem neuen Telegraphenamt zugedacht waren. Der Rest der Schüsse wurde aus kleinem Kaliber abgegeben und galt in erster Linie der alten Feste Güsel Hissar und dem Hafen. Der von ihnen angerichtete Schaden ist unerheblich.Der Zweck der Beschießung ist nicht recht klar. Ich möchte annehmen, daß die Russen auf einen Aufstand der armenischen und griechischen Bevölkerung gehofft und für diesen Fall eine Landung beabsichtigt hatten. Die Türken hatten sofort die Muhammedaner bewaffnet und das Ufer besetzt, auch zeigten sich sehr viel Patrouillen unter Führung von Polizisten in der Stadt. Die Muhammedaner haben die beste Disziplin gezeigt.Gleich zu Beginn des Bombardements hatten einige Armenierinnen und Türkinnen mit ihren Kindern das Asylrecht des Kaiserlichen Konsulats in Anspruch genommen. Sie hatten völlig den Kopf verloren, weinten und drohten eine Panik heraufzubeschwören. Ich habe sie daher nebst meiner Familie und den in meinem Hause befindlichen deutschen Dienstboten in die Berge geschickt und ihnen dort Nachtquartier besorgen lassen, während ich selber auf dem Kaiserlichen Konsulat blieb.Die von den Russen dem Kaiserlichen Konsulat gewidmete Aufmerksamkeit war wohl unfreundlich und das Gefühl, der Zielpunkt ihrer Geschosse zu sein, deren Sausen deutlich zu vernehmen war, nicht gerade angenehm, immerhin muß man dem Feind die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß er nicht ziellos und aus reiner Zerstörungswut die Stadt beschossen hat.Dr. Bergfeld.S. E. dem ReichskanzlerHerrn Dr. von Bethmann Hollweg.

November.

1. November: Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Rußland und der Türkei.

12.

KaiserlichDeutsches Konsulat.

Trapezunt, den 18. November 1914.

Gestern morgen erschien die russische Schwarze Meer-Flotte, bestehend aus zwei Panzerschiffen, fünf Kreuzern und einem Transportschiff, denen sich einige Torpedoboote zugesellten, auf der Reede von Trapezunt. Um 8 Uhr begann die Beschießung der Stadt, welche mit Unterbrechung etwa eine Stunde dauerte. Es wurden einige Schüsse aus schweren Geschützen (nach den gefundenen Geschoßteilen zu urteilen, etwa Kal. 20 cm) abgegeben, welche dem Kaiserlichen Konsulat, dem alten und dem neuen Telegraphenamt zugedacht waren. Der Rest der Schüsse wurde aus kleinem Kaliber abgegeben und galt in erster Linie der alten Feste Güsel Hissar und dem Hafen. Der von ihnen angerichtete Schaden ist unerheblich.

Der Zweck der Beschießung ist nicht recht klar. Ich möchte annehmen, daß die Russen auf einen Aufstand der armenischen und griechischen Bevölkerung gehofft und für diesen Fall eine Landung beabsichtigt hatten. Die Türken hatten sofort die Muhammedaner bewaffnet und das Ufer besetzt, auch zeigten sich sehr viel Patrouillen unter Führung von Polizisten in der Stadt. Die Muhammedaner haben die beste Disziplin gezeigt.

Gleich zu Beginn des Bombardements hatten einige Armenierinnen und Türkinnen mit ihren Kindern das Asylrecht des Kaiserlichen Konsulats in Anspruch genommen. Sie hatten völlig den Kopf verloren, weinten und drohten eine Panik heraufzubeschwören. Ich habe sie daher nebst meiner Familie und den in meinem Hause befindlichen deutschen Dienstboten in die Berge geschickt und ihnen dort Nachtquartier besorgen lassen, während ich selber auf dem Kaiserlichen Konsulat blieb.

Die von den Russen dem Kaiserlichen Konsulat gewidmete Aufmerksamkeit war wohl unfreundlich und das Gefühl, der Zielpunkt ihrer Geschosse zu sein, deren Sausen deutlich zu vernehmen war, nicht gerade angenehm, immerhin muß man dem Feind die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß er nicht ziellos und aus reiner Zerstörungswut die Stadt beschossen hat.

Dr. Bergfeld.

S. E. dem ReichskanzlerHerrn Dr. von Bethmann Hollweg.


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