Chapter 31

Dezember.207.Auswärtiges Amt.Berlin, den 1. Dezember 1915.Die bei Mardin und Midiat befindlichen Christen syrischer Konfession dürften mit den Nestorianern identisch sein. Soweit hier bekannt ist, haben sich die betreffenden Syrer hauptsächlich deshalb in die Berge zurückgezogen, um den Gewalttätigkeiten der Kurden zu entgehen, nicht aber, um sich gegen die türkischen Behörden aufzulehnen. Es erscheint daher dringend erwünscht, daß die entstandenen Schwierigkeiten auf gütlichem Wege beseitigt werden.Euer Exzellenz bitte ich, in geeignet scheinender Weise hierauf hinzuwirken und über das Veranlaßte berichten zu wollen.[106]Zimmermann.Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen BotschafterHerrn Grafen Wolff-Metternich, Konstantinopel.208.(Auswärtiges Amt.)Telegramm.Berlin, den 4. Dezember 1915.An die Deutsche Botschaft, Pera.Die türkische Regierung soll nach Mitteilung des armenischen Komitees in Sofia[107]entgegen früheren Versprechungen nun auch die Austreibung der Armenier aus Konstantinopel begonnen haben. 10000 sind angeblich bereits vertrieben und größtenteils im Ismidgebirge ermordet, über weitere 70000 sei Proskriptionsliste vorbereitet. Bitte nachdrückliche Vorstellungen zu erheben, falls Meldung zutreffend.Zimmermann.209.KaiserlichDeutsche Botschaft.Pera, den 7. Dezember 1915.Ich habe die Armeniergreuel im Laufe der letzten Woche mit Enver Pascha, mit Halil Bey und heute mit Djemal Pascha ernstlich besprochen und darauf hingewiesen, daß Unruhe und Empörung auch im befreundetenAusland und in Deutschland weite Kreise ergriffen habe und der türkischen Regierung schließlich alle Sympathien entziehen würde, wenn nicht Einhalt geschehe. Enver Pascha und Halil Bey behaupten, daß keine ferneren Deportationen — insbesondere nicht aus Konstantinopel — beabsichtigt seien. Sie verschanzen sich hinter Kriegsnotwendigkeiten, daß Aufrührer bestraft werden müßten, und gehen der Anklage aus dem Wege, daß Hunderttausende von Frauen, Kindern und Greisen ins Elend gestoßen werden und umkommen. Djemal Pascha sagt, daß die ursprünglichen Anordnungen notwendig gewesen seien, ihre Ausführung aber schlecht organisiert worden sei. Er leugnet nicht, daß infolgedessen traurige Zustände herrschten, die er durch Zuführung von Lebensmitteln und Geld zu lindern bestrebt sei. Es ist dies richtig. Seine Etappenstraße bei Aleppo ist infolge des Elends der Flüchtlinge verseucht, und er sucht nach Abhilfe, hat auch mehrere Personen, die die Flüchtlinge bestohlen haben, aufhängen lassen. Oberst von Kreß, der Chef des Stabes Djemals, sagt mir, daß das Elend jeder Beschreibung spotte und alle Schilderungen übertreffe. Dabei wird im Lande verbreitet, die Deutschen wünschten die Massakres.Ich habe eine äußerst scharfe Sprache geführt. Proteste nützen nichts, und türkische Ableugnungen, daß keine Deportationen mehr vorgenommen werden sollen, sind wertlos.Von vertrauenswürdiger Seite erfahre ich, daß nach Auskunft des hiesigen Polizeipräsidenten, auch aus Konstantinopel neuerdings etwa 4000 Armenier nach Anatolien abgeführt worden sind und daß mit den 80000 noch in Konstantinopel lebenden Armeniern allmählich aufgeräumt werden soll, nachdem schon im Sommer etwa 30000 aus Konstantinopel verschickt und andere 30000 geflohen sind. Soll Einhalt geschehen, sind schärfere Mittel notwendig.Auch soll man in unserer Presse den Unmut über die Armenierverfolgung zum Ausdruck kommen lassen.Um in der Armenierfrage Erfolg zu haben, müssen wir der türkischen Regierung Furcht vor den Folgen einflößen. Wagen wir aus militärischen Gründen kein festeres Auftreten, so bleibt nichts übrig, als mit ferneren erfolglosen Verwahrungen, die mehr verärgern als nützen, zuzusehen, wie unser Bundesgenosse weiter massakriert.Talaat Bey kehrt erst Ende der Woche aus Anatolien zurück. Ich werde erst dann erfahren, welche Wirkung meine Besprechungen mit seinen Kollegen und Djemal auf ihn haben.Metternich.Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.210.KaiserlichDeutsche Botschaft.Pera, den 9. Dezember 1915.Ich habe heute mit dem Großwesir die Armenierfrage in ernster Weise besprochen, ihn darauf aufmerksam gemacht, daß die türkische Regierung sich durch die Armenierverfolgungen die Sympathien verscherze, die sie in dem ihr wohlgesinnten Auslande besitze, daß in Deutschland die Erregung zunehme und der Herr Reichskanzler mit Adressen bestürmt werde, um bei der befreundeten und verbündeten türkischen Regierung sich zugunsten der Armenier zu verwenden. Ich habe wiederum darauf hingewiesen, daß Verschwörer gegen die Sicherheit des Staates zwar strenger Bestrafung verfallen, daß aber die schmähliche Vertreibung von Hunderttausenden von Greisen, Kindern und Frauen ein dunkles Blatt in der jungtürkischen Geschichte bildete.Ich habe diesmal absichtlich bei dem Großwesir und nicht bei einem Mitgliede des Triumvirats Vorstellung erhoben, weil mir bekannt ist, daß er die Armenierverfolgungen mißbilligt. Er hat zwar nicht die Macht, sie einzustellen, es wird ihm aber ganz erwünscht sein, meine Vorstellungen bei seinen Kollegen zu verwerten.Ich habe ihm schließlich von dem Mißbrauch gesprochen, den türkische niedere Beamte sich zuschulden kommen ließen durch die falsche Behauptung, daß die Deutschen die Armenierverfolgungen begünstigten. Diese Verleumdung sei in Anatolien, wie ich von Reisenden und aus anderen Quellen unumstößlich wisse, weit verbreitet. Wir seien durchaus nicht gesonnen, die Verantwortung für die Armenierpolitik mit der türkischen Regierung zu teilen, und ich bäte ihn, diesen Gerüchten mit Nachdruck entgegenzutreten.Dem Großwesir war über derartige Gerüchte nichts bekannt. Er versprach aber ausdrücklich, sie dementieren zu lassen. Im übrigen führte er aus, daß die Armenier ein Opfer fremder, insbesondere russischer Anstiftung geworden seien. Ganze Distrikte seien zum Aufstande organisiert gewesen und mit Waffen versorgt worden. Es habe sich nicht um den Aufstand einzelner, sondern ganzer Gegenden gehandelt, weshalb auch nicht nur einzelne zur Bestrafung hätten herausgegriffen werden können. Im übrigen sei er nicht einverstanden mit der Behandlung, die die armenische Bevölkerung betroffen habe. Ich bemerkte ihm, daß, wie er wisse, nach der Erfahrung der Geschichte, Revolutionen die Folge einer schlechten Regierung seien, und daß die Verfolgung und Mißhandlung von Hunderttausenden unschuldiger Personen keine legitime Abwehrmaßregel eines Staates bilde.Wenn ich den Türken etwas Unangenehmes zu sagen habe, so tue ich dies mit großer Ruhe, und sie lassen es sich auch gefallen. Es gibt zwar keinealttürkische Partei mehr, aber unter den älteren Türken gibt es noch Leute, die sich über die Armenierverfolgungen schämen.Ich möchte glauben, daß meine Vorstellungen doch nicht ganz vergeblich gewesen sind. Djemal Pascha hatte gewisse Erleichterungen für die Armenier verlangt: daß die noch in Aleppo befindlichen Armenier in der Nähe verbleiben dürften, anstatt nach Der-es-Zor am Rande der Wüste abgeschoben zu werden, wo sie umgekommen wären; daß die beim Bau der Bagdadbahn beschäftigten armenischen Ingenieure, Baubeamten und Arbeiter, die schon verschickt waren, zurückgerufen, und daß die vertriebenen Handwerker ebenfalls für Armeezwecke wieder angeworben werden dürften. Djemal Pascha, der auch zu den Türken gehört, die sich schämen, hatte bisher beim Komitee Widerstand bei der Durchführung seiner Wünsche gefunden. Ganz neuerdings werden sie dagegen, wie mir der Chef seines Stabes, Oberst von Kreß, mitteilt, gewährt. Er schreibt dies meinem Einschreiten zu. Der Oberst sagt mir, daß die Erinnerung an die schauderhaften Bilder des Armenierelends ihn wohl sein Leben lang nicht verlassen würde.Metternich.Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.211.Auswärtiges Amt.Berlin, den 10. Dezember 1915.Euerer Exzellenz Ermessen darf ich ergebenst anheimstellen, auch den vom Kaiserlichen Konsul in Aleppo unter dem 16. v. M. eingereichten Bericht eines Deutschen über das Schicksal der nach Der es-Zor verschickten Armenier[108]zur Kenntnis der türkischen Regierung zu bringen und den Inhalt zu erneuten Vorstellungen im Interesse der Armenier zu benutzen.Zimmermann.Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen BotschafterHerrn Grafen Wolff-Metternich, Konstantinopel.212.Auswärtiges Amt.Berlin, den 12. Dezember 1915.Dr. Straubinger schreibt an den Reichstagsabgeordneten Erzberger unter dem 25. November:„Dieser Tage sagt mir Msgr. Dolci, daß der Minister des Auswärtigen ihm versprochen habe, die katholischen Armenier dürften zurückkehren. Sollte dieses Wort sich bewahrheiten, so ist die Möglichkeit der Hilfeleistung wohl gegeben. Das Gerücht, daß alle Armenier ausgerottet seien, ist nämlichnicht ganz wahr; es existieren deren außer in der europäischen Türkei noch die in die Berge versprengten, sowie einige Gemeinden an den Bahnlinien und diejenigen, die die Deportation aushielten. Die drei Dinge, die zur Erhaltung des Restes der Armenier notwendig erscheinen, sind: Möglichkeit der Rückkehr für alle, Möglichkeit der Hilfeleistung (Kleidung und Nahrung für den Winter) seitens Europäer und Amerikaner, Möglichkeit der Wiedererlangung des alten Besitztums. Letzteres ist nämlich, soweit es nicht zerstört ist, durch das Liquidationsgesetz[109]so gut wie verloren.“Euere Exzellenz bitte ich, sich zu Dr. Straubingers Schreiben äußern zu wollen.[110]Zimmermann.Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen BotschafterHerrn Grafen Wolff-Metternich, Konstantinopel.213.Auswärtiges Amt.Berlin, den 12. Dezember 1915.Nach dem abschriftlich anliegenden Schreiben des Direktors Schuchardt vom 4. d. M. soll die türkische Regierung versuchen, die Überreste des armenischen Volkes gewaltsam zum Islam zu bekehren. Es liegt auf der Hand, daß wir einem derartigen Vorgehen nicht ruhig zusehen könnten. Indem ich auf das Schreiben Bezug nehme, in dem der Herr Reichskanzler kürzlich zur Armenierfrage Stellung genommen hat, beehre ich mich Euer Exzellenz zu bitten, den Sachverhalt aufzuklären und gegebenenfalls bei der Pforte nachdrückliche Vorstellungen zu erheben. Über das Ergebnis Ihrer Schritte bitte ich zu berichten.[111]Zimmermann.Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen BotschafterHerrn Grafen Wolff-Metternich, Konstantinopel.Anlage.Deutscher Hilfsbundfür christliches Liebeswerk im Orient.Frankfurt a. M., den 4. Dezember 1915.An Seine Exzellenz den Herrn Reichskanzler von Bethmann Hollweg, Berlin.Euere Exzellenz gestattet sich der ergebenst Unterzeichnete auf eine vertrauliche Verfügung der Kaiserlich Ottomanischen Regierung aufmerksam zu machen, nach der die türkischen Lokalbehörden im Innern des Landesangewiesen sind, den Überrest des armenischen Volkes dahin zu bringen, einen Revers zu unterzeichnen, in dem sie um die besondere Gnade bitten, zur heiligen Religion des Islam übertreten zu dürfen. Sich Weigernde sollen abtransportiert werden. Eine Anzahl armenischer Frauen sind bereits zum Islam übergetreten, um sich vor dem Hungertod zu retten.Wie vor 20 Jahren hervorragende Armenier gezwungen wurden, eine Erklärung zu unterschreiben, daß sie in jeder Weise mit den Maßnahmen der türkischen Regierung zufrieden gewesen seien und daß alle im Auslande verbreiteten Nachrichten über Massakres usw. nicht den Tatsachen entsprächen, ebenso wird es den Machthabern im Innern auch ein leichtes sein, nach außen hin den Schein der „Freiwilligkeit“ für die zum Islam Übergetretenen zu wahren.Nach der Antwort, die der Herr Reichskanzler den Vertretern der evangelischen Kreise Deutschlands unter dem 12. November 1915 gegeben hat, hoffe ich mit Bestimmtheit, daß Euere Exzellenz die Kaiserlich Deutsche Botschaft in Konstantinopel mit entsprechenden Weisungen versehen und vor allen Dingen darauf hinwirken wird, daß eine Täuschung unserer Behörde unmöglich gemacht werde.Der Wali von Mamuret-ul-Azis hatte dem Leiter unserer Station, Herrn Prediger Ehmann, für alle Armenier vollkommene Straflosigkeit versprochen für den Fall, daß es ihm gelänge, die Armenier der dortigen Gegend zu veranlassen, alle Waffen, die sich in ihrem Besitz befänden, abzuliefern. Herr Ehmann unterzog sich diesem Auftrag, und nichtsdestoweniger wurde auch die dortige Bevölkerung niedergemacht oder verbannt. In den Augen der Armenier hat unsere Arbeit dadurch sehr an Ansehen eingebüßt.F. Schuchardt.214.KaiserlichDeutsche Botschaft.16. Dezember 1915.Aufzeichnung.Der hiesige armenische Patriarch teilt mir folgendes mit:Die Verhaftungen und Austreibungen von hier ansässigen Armeniern, die aus Anatolien zugewandert sind, dauern fort. Seit Beginn der Verfolgungen sind etwa 5000 Individuen abgeschoben worden. Nach offiziellen Angaben leben in Konstantinopel und Umgegend 75000 Armenier; die Ziffer ist anscheinend viel zu niedrig gegriffen; von anderer Seite wird ihre Zahl auf 120–150000 Seelen geschätzt.Mordtmann.215.KaiserlichDeutsche Botschaft.Pera, den 18. Dezember 1915.Ich habe heute mit Talaat Bey, der von Anatolien zurückgekehrt ist[112], die Lage der Armenier eingehend besprochen. Er habe umfassende Maßnahmen zur Ernährung der abgeschobenen armenischen Familien getroffen. Vergehungen gegen Eigentum und Leben der Armenier würden streng bestraft. Es seien kürzlich noch über 20 Personen, die sich dieser Vergehungen schuldig gemacht hätten, hingerichtet worden. In den Bezirken an der russischen Grenze und bei Aleppo wären aus Rücksichten der militärischen Sicherheit Massenverschiebungen seinerzeit notwendig gewesen. Von der russischen Regierung eingeleitete Verschwörungen unter den gregorianischen Armeniern in den Grenzbezirken und bei Aleppo seien in großem Maßstabe entdeckt worden. Anschläge auf Brücken und Eisenbahnen seien vorbereitet gewesen. Es sei unmöglich gewesen, aus der Masse einzelne Schuldige herauszugreifen. Nur der Abtransport im großen habe Sicherheit gewährt. In Syrien seien die Armenier unbehelligt geblieben, in Konstantinopel ebenfallls. Augenblicklich fänden nirgends mehr Abtransporte statt, und die Regierung suche die im Gefolge der Verschiebungen entstandenen Übelstände zu mildern.Ich bemerkte, der katholisch-armenische Expatriarch und sein Stellvertreter hätten mir heute den üblichen Antrittsbesuch gemacht und mir versichert, daß sie und ihre Gemeinden loyale ottomanische Untertanen seien und sich an keinen revolutionären Bewegungen beteiligten. Trotzdem seien die meisten vertrieben worden. Diese Geistlichen hofften, daß die Vertriebenen in ihre Gemeinden und verlassenen Heimstätten in und bei Aleppo zurückkehren dürften. Ich fragte den Minister, ob ihnen dies ebenso wie den protestantischen Armeniern, die sich als nicht revolutionär erwiesen hätten, gestattet werden könne. Er entgegnete, daß die katholischen und protestantischen Armenier sich im großen und ganzen nicht revolutionär betätigt hätten und, soweit dies möglich sei, sie in ihre Heimat zurückkehren würden.Ich sprach dem Minister sodann von dem in Anatolien weit verbreiteten Gerücht, wonach die deutsche Regierung die Verfolgung der Armenier begünstigt habe. Er erwiderte, infolge meines Gesprächs mit dem Großwesir über diese Angelegenheit habe er sämtliche in Frage kommenden Behörden angewiesen, dem Gerüchte entgegenzutreten und zu erklären, daß die deutsche Regierung nichts mit der Angelegenheit zu tun habe und daß die türkische Regierung allein für die Maßnahmen gegen die Armenier die Verantwortung trage.Im Laufe der Unterhaltung ergab sich die merkwürdige Auffassung beiTalaat Bey, die ich auch schon bei seinen Kollegen gefunden habe, daß wir im ähnlichen Falle ebenso gehandelt hätten und eine revolutionäre Bewegung in Deutschland mit Gewalt ausrotten würden. Ich fand immer wieder die Verständnislosigkeit für den Gesichtspunkt, daß, um Schuldige zu treffen, nicht Unschuldige leiden und daß nur bewiesene Vergehen bestraft werden dürften. Ich habe dem Minister auseinandergesetzt, daß wir niemals ähnlich handeln würden und nur den einer Schuld Überführten bestraften.Von verschiedenen Seiten wird mir mitgeteilt, daß meine ernsten Ermahnungen auf die türkischen Machthaber doch Eindruck gemacht zu haben scheinen. Sobald es notwendig ist, werde ich wieder eingreifen.Metternich.Seiner Exzellenz dem Herrn ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.216.(KaiserlichDeutsche Botschaft.)Telegramm.Pera, den 18. Dezember 1915.An das Auswärtige Amt, Berlin.Talaat Bey hat mir erklärt, daß keine neuen Maßnahmen gegen Armenier beabsichtigt sind und daß vertriebenen Familien Hilfe geleistet wird. Regierung widerlegt durch Anweisung an ihre Beamten Gerüchte in Anatolien, daß wir Verfolgungen begünstigen.Metternich.217.20. Dezember 1915.Halil Bey bestreitet aufs entschiedenste, daß zwangsweise Bekehrungen zum Islam in nennenswertem Umfang versucht worden seien. Die vorgekommenen Fälle von Übergriffen unterer Beamter seien bestraft worden.von Neurath.Aufzeichnung.Pera, 21. Dezember 1915.Gewaltsame Islamisierung der Armenier in Anatolien.Sie begann in größerem Umfange und wurde systematisch betrieben in der Provinz Trapezunt.Der Vizekonsul Kuckhoff (Samsun) berichtete darüber ausführlich zu Anfang Juli d. J.[113]Er schreibt u. a.:„Es handelt sich um nichts weniger als um die Vernichtung oder gewaltsame Islamisierung eines ganzen Volkes. Die Regierung entsandte strenggläubige fanatische muhammedanische Männer und Frauen in alle armenischen Häuser behufs Propaganda für den Übertritt zum Islam, unter Androhung der schlimmsten Folgen für diejenigen, die ihrem Glauben treu bleiben. Bis heute sind hier schon viele Familien übergetreten, und ihre Zahl vermehrt sich täglich. Die Mehrzahl widerstand bisher den Lockungen und wurde täglich gruppenweise ins Innere getrieben. Wie ich erfahre, werden sie an nicht entfernten Orten zurückgehalten, um noch gründlicher für den Islam bearbeitet zu werden. In der Umgegend von Samsun sind alle armenischen Dörfer muhammedanisch geworden, ebenso in Unieh. Vergünstigungen werden, außer den Renegaten, niemand zuteil.“Über Übertritte in Erzerum und Trapezunt vgl. Berichte von dort[114].Anfang August berichtete ein muhammedanischer Reisender aus jenen Gegenden, daß in Unieh, Samsun, Ineboli usw. die Armenier massenhaft zum Islam übergetreten seien; trotzdem seien manche von ihnen hinterher deportiert worden. In Termeh war der armenische Priester Muhammedaner geworden und die Kirche in eine Moschee verwandelt worden.In anderen Gegenden scheint die Islamisierung keinen weiteren Erfolg gehabt zu haben; doch wurde z. B. berichtet, daß in Konia eine Anzahl Armenier (25) bereit waren, überzutreten.Es ist anzunehmen, daß in vielen Fällen die Behörden, um nicht den Zweck der Armenieraustreibungen, Vernichtung der Männer und Konfiszierung des armenischen Eigentums, zu vereiteln, den Massenübertritt hinderten bzw. die Übergetretenen trotzdem verschickten.Auf die Islamisierung der Armenier in Hadjin und Umgegend (Wilajet Adana) bezieht sich ein Bericht der Schwester Didsun vom 15. November. Aus Adana selbst berichtet der Konsul Büge unter dem 21. Oktober:„Der Direktor des türkischen Waisenhauses hat den christlichen Zöglingen erklärt, daß sie entweder zum Islam übertreten oder das Haus verlassen müßten. Die Mädchen verließen das Haus, ebenso ein Teil der Knaben, von denen 14 zurückblieben, die vermutlich islamisiert wurden. Der Direktor hatte den Kindern erklärt, daß in einem osmanischen Waisenhause die christliche Religion keinen Platz hätte; das Beten wurde ihnen untersagt.“Hier in Konstantinopel sollen bis jetzt unter dem Druck der Verhältnisse 20 Armenier übergetreten sein; angeblich namentlich solche, die in Anatolien begütert sind und durch den Übertritt ihr Vermögen zu retten suchen.Mordtmann.218.KaiserlichDeutsche Botschaft.Pera, den 23. Dezember 1915.Euerer Exzellenz beehre ich mich in der Anlage Abschrift einer mir soeben zugegangenenerstmaligen schriftlichenÄußerung der Pforte auf die diesseitigen Noten bezüglich der armenischen Angelegenheiten vorzulegen.Die Notiz der Kaiserlichen Botschaft vom 4. Juli ist mittels Berichts vom 7. Juli vorgelegt worden. Die von der Pforte in bezug genommene Notiz vom 13. September bzw. die Verbalnote vom 16. November sind durch Reklamationen deutscher Interessenten veranlaßt worden, über die ich mir gegebenenfalls Berichterstattung vorbehalten darf.Metternich.Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn Dr. von Bethmann Hollweg.Anlage.Notice Nr. 75510.Le 22 Décembre 1915.En réponse aux communications de l’Ambassade de Sa Majesté l’Empereur d’Allemagne datées des 3 Juillet, 13 Septembre et 16 Novembre 1915 et relatives au déplacement des arméniens, il est porté à sa haute connaissance ce qui suit:En premier lieu il est à remarquer que les mesures prises à l’égard de la population arménienne de l’Empire rentrent dans le domaine des actes d’Administration intérieure du pays; elles ne sauraient donc faire l’objet d’une démarche diplomatique fussent-elles de nature à toucher inévitablement aux intérêts des étrangers y établis. En effet, il est incontestable que tout Etat a le droit de prendre les mesures propres à enrayer un mouvement subversif propagé sur son territoire; surtout lorsque ce mouvement se produit en temps de guerre.L’Ambassade de l’Empire Allié, dans son appréciation éclairée a bien voulu du reste confirmer la justesse de ce point de vue. C’est ainsi qu’elle a reconnu dans son memorandum du 3 Juillet, que les mesures de répression décrétés contre la population arménienne des provinces de l’Anatolie Orientale sont dictées par des raisons militaires et constituent un moyen de légitime défense. En effet partout où les mesures en question ont été appliquées, elles ont été provoquées par les mêmes motifs impérieux.Pour ce qui est de la responsabilité des dommages que le commerce allemand aurait subis, le Gouvernement Impérial Ottoman ne peut que la décliner; car l’Ambassade de sa Majesté l’Empereur voudra bien reconnaître elle-même que l’exercise d’un droit légitime ne peut donner lieu à une réclamation quelconque. On pourrait d’autant moins prétendre la responsabilité du Gouvernement Impérial que malgré les soucis de la défense nationale qui doit absorber toute son attention, il fait preuve d’une extrême vigilance afin de réduire aux minima les préjudices qui pourraient résulter du déplacement des personnes susindiquées. C’est dans cet ordre d’idées que la Loi provisoire du 17 Zilkadé 1333[115], contenant les garanties désirables pour la sauvegarde de tous les intérêts a été promulguée.S’il importe de déterminer la responsabilité des dommages et perturbations — lesquels sont ressentis dans la vie économique ottomane dans une mesure incomparablement supérieure — elle ne doit en réalité être attribuée qu’aux ennemis communs extérieurs qui ont provoqué et encouragé le mouvement révolutionnaire arménien dans l’Empire, ainsique cela résulte des documents authentiques.En ce qui concerne les considérations de l’Ambassade Impériale relative aux délais, la Loi du 17 Zilkadé étant exécutoire depuis sa publication à l’égard de toute personne intéressée, les sujets étrangers devront s’y conformer aussi bien que les ottomans pour faire valoir leurs réclamations dans les délais impartis.En conséquence de ce qui précède les réserves formulées par l’Ambassade Impériale d’Allemagne dans les communications susvisées des 3 Juillet, 13 Septembre et 16 Novembre ne peuvent qu’être déclinées.219.KaiserlichDeutsche Botschaft.Pera, den 27. Dezember 1915.Auf den Erlaß vom 12. d. M.[116]Monsignore Dolci bestätigt, daß Halil Bey, der Minister des Auswärtigen, ihm seinerzeit in Aussicht gestellt habe, daß die Verfolgung der katholischen Armenier eingestellt und den Deportierten die Rückkehr in ihre Heimat gestattet werden sollte, aber diese Zusage, die übrigens in keiner bindenden Form erfolgte, ist nicht erfüllt worden, wenigstens soweit es sich um die Rückkehr der Verschickten handelt. Wenn seitdem von weiteren Verfolgungen gar nichts mehr verlautet ist, so hat das seinen Grund darin, daß die Austreibung der Armenier in der Hauptsache beendet ist. Ein weiterer Schritt des apostolischen Delegaten, um die Wiedereröffnung der gesperrten katholischen Kirchen und die Rückkehr der verbannten Geistlichen in ihre Diözesen zu erlangen, wurde auf der Pforte als „Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Türkei“ aufgefaßt und hatte keinen Erfolg, außer etwa, daß der Bischof von Kaisarijeh (Caesarea) nachträglich nach Aleppo verschleppt wurde.Ferner ist zu bemerken, daß die Zahl der Armenier, die der Verschickung entgangen sind, geringer ist, als Herr Dr. Straubinger annimmt. In der europäischen Türkei dürften, nachdem die armenische Bevölkerung der größeren Städte und Ortschaften im Innern in den letzten Monaten nach Anatolien übergeführt worden ist, nur spärliche Reste verblieben seien.Was die Fürsorge für die in den Konzentrationslagern in Anatolien (z. B. in Eskischehir, Konia, Eregli, Aleppo) und sonst angesammelten Armenier betrifft, so halte ich die Anregung des Dr. Straubinger für unausführbar, da die Pforte jeder Hilfeleistung von auswärts und sogar von seiten der beteiligten Patriarchate die größten Schwierigkeiten in den Weg legt. Eine solche Aktion würde voraussichtlich das Zeichen dazu geben, daß die Pforte diejenigen Armenier, die durch Zufall oder infolge Duldung seitens der Lokalbehörden in Anatolien verblieben sind, nach Mesopotamien oder Syrien abschiebt.Ebenso halte ich es für ausgeschlossen, daß die Verschickten je wieder in den Besitz ihres von der Regierung beschlagnahmten Eigentums gelangen. In einem Spezialfalle wurde auf dem Ministerium des Innern erklärt: Die Rückkehr der betreffenden Individuen in ihre Heimat sei unzulässig, weil sie dort ihr Eigentum nicht mehr vorfänden, von dem inzwischen die Liquidationskommission Besitz ergriffen habe.Metternich.Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.220.KaiserlichDeutsche Botschaft.Pera, den 31. Dezember 1915.Notiz.Amerikanischer Botschafter sagte mir heute, daß 4000 protestantische und katholische Armenier in Aintab bedroht seien und die Abtransportierungen begonnen hätten. Wer nicht Muslim werde, werde verschickt. Talaat Bey habe ihm seinerzeit versprochen, die Protestanten und Katholiken in Ruhe zu lassen. Mir ebenfalls.Metternich.221.(KaiserlichDeutsche Botschaft.)Telegramm.Konstantinopel, den 31. Dezember 1915.An Deutsches Konsulat, Aleppo.Vertreibung von Protestanten und Katholiken von Aintab steht angeblich bevor oder hat begonnen. Erbitte Drahtbericht.Metternich.

Dezember.

207.

Auswärtiges Amt.

Berlin, den 1. Dezember 1915.

Die bei Mardin und Midiat befindlichen Christen syrischer Konfession dürften mit den Nestorianern identisch sein. Soweit hier bekannt ist, haben sich die betreffenden Syrer hauptsächlich deshalb in die Berge zurückgezogen, um den Gewalttätigkeiten der Kurden zu entgehen, nicht aber, um sich gegen die türkischen Behörden aufzulehnen. Es erscheint daher dringend erwünscht, daß die entstandenen Schwierigkeiten auf gütlichem Wege beseitigt werden.

Euer Exzellenz bitte ich, in geeignet scheinender Weise hierauf hinzuwirken und über das Veranlaßte berichten zu wollen.[106]

Zimmermann.

Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen BotschafterHerrn Grafen Wolff-Metternich, Konstantinopel.

208.

(Auswärtiges Amt.)

Telegramm.

Berlin, den 4. Dezember 1915.

An die Deutsche Botschaft, Pera.

Die türkische Regierung soll nach Mitteilung des armenischen Komitees in Sofia[107]entgegen früheren Versprechungen nun auch die Austreibung der Armenier aus Konstantinopel begonnen haben. 10000 sind angeblich bereits vertrieben und größtenteils im Ismidgebirge ermordet, über weitere 70000 sei Proskriptionsliste vorbereitet. Bitte nachdrückliche Vorstellungen zu erheben, falls Meldung zutreffend.

Zimmermann.

209.

KaiserlichDeutsche Botschaft.

Pera, den 7. Dezember 1915.

Ich habe die Armeniergreuel im Laufe der letzten Woche mit Enver Pascha, mit Halil Bey und heute mit Djemal Pascha ernstlich besprochen und darauf hingewiesen, daß Unruhe und Empörung auch im befreundetenAusland und in Deutschland weite Kreise ergriffen habe und der türkischen Regierung schließlich alle Sympathien entziehen würde, wenn nicht Einhalt geschehe. Enver Pascha und Halil Bey behaupten, daß keine ferneren Deportationen — insbesondere nicht aus Konstantinopel — beabsichtigt seien. Sie verschanzen sich hinter Kriegsnotwendigkeiten, daß Aufrührer bestraft werden müßten, und gehen der Anklage aus dem Wege, daß Hunderttausende von Frauen, Kindern und Greisen ins Elend gestoßen werden und umkommen. Djemal Pascha sagt, daß die ursprünglichen Anordnungen notwendig gewesen seien, ihre Ausführung aber schlecht organisiert worden sei. Er leugnet nicht, daß infolgedessen traurige Zustände herrschten, die er durch Zuführung von Lebensmitteln und Geld zu lindern bestrebt sei. Es ist dies richtig. Seine Etappenstraße bei Aleppo ist infolge des Elends der Flüchtlinge verseucht, und er sucht nach Abhilfe, hat auch mehrere Personen, die die Flüchtlinge bestohlen haben, aufhängen lassen. Oberst von Kreß, der Chef des Stabes Djemals, sagt mir, daß das Elend jeder Beschreibung spotte und alle Schilderungen übertreffe. Dabei wird im Lande verbreitet, die Deutschen wünschten die Massakres.

Ich habe eine äußerst scharfe Sprache geführt. Proteste nützen nichts, und türkische Ableugnungen, daß keine Deportationen mehr vorgenommen werden sollen, sind wertlos.

Von vertrauenswürdiger Seite erfahre ich, daß nach Auskunft des hiesigen Polizeipräsidenten, auch aus Konstantinopel neuerdings etwa 4000 Armenier nach Anatolien abgeführt worden sind und daß mit den 80000 noch in Konstantinopel lebenden Armeniern allmählich aufgeräumt werden soll, nachdem schon im Sommer etwa 30000 aus Konstantinopel verschickt und andere 30000 geflohen sind. Soll Einhalt geschehen, sind schärfere Mittel notwendig.

Auch soll man in unserer Presse den Unmut über die Armenierverfolgung zum Ausdruck kommen lassen.

Um in der Armenierfrage Erfolg zu haben, müssen wir der türkischen Regierung Furcht vor den Folgen einflößen. Wagen wir aus militärischen Gründen kein festeres Auftreten, so bleibt nichts übrig, als mit ferneren erfolglosen Verwahrungen, die mehr verärgern als nützen, zuzusehen, wie unser Bundesgenosse weiter massakriert.

Talaat Bey kehrt erst Ende der Woche aus Anatolien zurück. Ich werde erst dann erfahren, welche Wirkung meine Besprechungen mit seinen Kollegen und Djemal auf ihn haben.

Metternich.

Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.

210.

KaiserlichDeutsche Botschaft.

Pera, den 9. Dezember 1915.

Ich habe heute mit dem Großwesir die Armenierfrage in ernster Weise besprochen, ihn darauf aufmerksam gemacht, daß die türkische Regierung sich durch die Armenierverfolgungen die Sympathien verscherze, die sie in dem ihr wohlgesinnten Auslande besitze, daß in Deutschland die Erregung zunehme und der Herr Reichskanzler mit Adressen bestürmt werde, um bei der befreundeten und verbündeten türkischen Regierung sich zugunsten der Armenier zu verwenden. Ich habe wiederum darauf hingewiesen, daß Verschwörer gegen die Sicherheit des Staates zwar strenger Bestrafung verfallen, daß aber die schmähliche Vertreibung von Hunderttausenden von Greisen, Kindern und Frauen ein dunkles Blatt in der jungtürkischen Geschichte bildete.

Ich habe diesmal absichtlich bei dem Großwesir und nicht bei einem Mitgliede des Triumvirats Vorstellung erhoben, weil mir bekannt ist, daß er die Armenierverfolgungen mißbilligt. Er hat zwar nicht die Macht, sie einzustellen, es wird ihm aber ganz erwünscht sein, meine Vorstellungen bei seinen Kollegen zu verwerten.

Ich habe ihm schließlich von dem Mißbrauch gesprochen, den türkische niedere Beamte sich zuschulden kommen ließen durch die falsche Behauptung, daß die Deutschen die Armenierverfolgungen begünstigten. Diese Verleumdung sei in Anatolien, wie ich von Reisenden und aus anderen Quellen unumstößlich wisse, weit verbreitet. Wir seien durchaus nicht gesonnen, die Verantwortung für die Armenierpolitik mit der türkischen Regierung zu teilen, und ich bäte ihn, diesen Gerüchten mit Nachdruck entgegenzutreten.

Dem Großwesir war über derartige Gerüchte nichts bekannt. Er versprach aber ausdrücklich, sie dementieren zu lassen. Im übrigen führte er aus, daß die Armenier ein Opfer fremder, insbesondere russischer Anstiftung geworden seien. Ganze Distrikte seien zum Aufstande organisiert gewesen und mit Waffen versorgt worden. Es habe sich nicht um den Aufstand einzelner, sondern ganzer Gegenden gehandelt, weshalb auch nicht nur einzelne zur Bestrafung hätten herausgegriffen werden können. Im übrigen sei er nicht einverstanden mit der Behandlung, die die armenische Bevölkerung betroffen habe. Ich bemerkte ihm, daß, wie er wisse, nach der Erfahrung der Geschichte, Revolutionen die Folge einer schlechten Regierung seien, und daß die Verfolgung und Mißhandlung von Hunderttausenden unschuldiger Personen keine legitime Abwehrmaßregel eines Staates bilde.

Wenn ich den Türken etwas Unangenehmes zu sagen habe, so tue ich dies mit großer Ruhe, und sie lassen es sich auch gefallen. Es gibt zwar keinealttürkische Partei mehr, aber unter den älteren Türken gibt es noch Leute, die sich über die Armenierverfolgungen schämen.

Ich möchte glauben, daß meine Vorstellungen doch nicht ganz vergeblich gewesen sind. Djemal Pascha hatte gewisse Erleichterungen für die Armenier verlangt: daß die noch in Aleppo befindlichen Armenier in der Nähe verbleiben dürften, anstatt nach Der-es-Zor am Rande der Wüste abgeschoben zu werden, wo sie umgekommen wären; daß die beim Bau der Bagdadbahn beschäftigten armenischen Ingenieure, Baubeamten und Arbeiter, die schon verschickt waren, zurückgerufen, und daß die vertriebenen Handwerker ebenfalls für Armeezwecke wieder angeworben werden dürften. Djemal Pascha, der auch zu den Türken gehört, die sich schämen, hatte bisher beim Komitee Widerstand bei der Durchführung seiner Wünsche gefunden. Ganz neuerdings werden sie dagegen, wie mir der Chef seines Stabes, Oberst von Kreß, mitteilt, gewährt. Er schreibt dies meinem Einschreiten zu. Der Oberst sagt mir, daß die Erinnerung an die schauderhaften Bilder des Armenierelends ihn wohl sein Leben lang nicht verlassen würde.

Metternich.

Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.

211.

Auswärtiges Amt.

Berlin, den 10. Dezember 1915.

Euerer Exzellenz Ermessen darf ich ergebenst anheimstellen, auch den vom Kaiserlichen Konsul in Aleppo unter dem 16. v. M. eingereichten Bericht eines Deutschen über das Schicksal der nach Der es-Zor verschickten Armenier[108]zur Kenntnis der türkischen Regierung zu bringen und den Inhalt zu erneuten Vorstellungen im Interesse der Armenier zu benutzen.

Zimmermann.

Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen BotschafterHerrn Grafen Wolff-Metternich, Konstantinopel.

212.

Auswärtiges Amt.

Berlin, den 12. Dezember 1915.

Dr. Straubinger schreibt an den Reichstagsabgeordneten Erzberger unter dem 25. November:

„Dieser Tage sagt mir Msgr. Dolci, daß der Minister des Auswärtigen ihm versprochen habe, die katholischen Armenier dürften zurückkehren. Sollte dieses Wort sich bewahrheiten, so ist die Möglichkeit der Hilfeleistung wohl gegeben. Das Gerücht, daß alle Armenier ausgerottet seien, ist nämlichnicht ganz wahr; es existieren deren außer in der europäischen Türkei noch die in die Berge versprengten, sowie einige Gemeinden an den Bahnlinien und diejenigen, die die Deportation aushielten. Die drei Dinge, die zur Erhaltung des Restes der Armenier notwendig erscheinen, sind: Möglichkeit der Rückkehr für alle, Möglichkeit der Hilfeleistung (Kleidung und Nahrung für den Winter) seitens Europäer und Amerikaner, Möglichkeit der Wiedererlangung des alten Besitztums. Letzteres ist nämlich, soweit es nicht zerstört ist, durch das Liquidationsgesetz[109]so gut wie verloren.“

Euere Exzellenz bitte ich, sich zu Dr. Straubingers Schreiben äußern zu wollen.[110]

Zimmermann.

Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen BotschafterHerrn Grafen Wolff-Metternich, Konstantinopel.

213.

Auswärtiges Amt.

Berlin, den 12. Dezember 1915.

Nach dem abschriftlich anliegenden Schreiben des Direktors Schuchardt vom 4. d. M. soll die türkische Regierung versuchen, die Überreste des armenischen Volkes gewaltsam zum Islam zu bekehren. Es liegt auf der Hand, daß wir einem derartigen Vorgehen nicht ruhig zusehen könnten. Indem ich auf das Schreiben Bezug nehme, in dem der Herr Reichskanzler kürzlich zur Armenierfrage Stellung genommen hat, beehre ich mich Euer Exzellenz zu bitten, den Sachverhalt aufzuklären und gegebenenfalls bei der Pforte nachdrückliche Vorstellungen zu erheben. Über das Ergebnis Ihrer Schritte bitte ich zu berichten.[111]

Zimmermann.

Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen BotschafterHerrn Grafen Wolff-Metternich, Konstantinopel.

Anlage.

Deutscher Hilfsbundfür christliches Liebeswerk im Orient.

Frankfurt a. M., den 4. Dezember 1915.

An Seine Exzellenz den Herrn Reichskanzler von Bethmann Hollweg, Berlin.

Euere Exzellenz gestattet sich der ergebenst Unterzeichnete auf eine vertrauliche Verfügung der Kaiserlich Ottomanischen Regierung aufmerksam zu machen, nach der die türkischen Lokalbehörden im Innern des Landesangewiesen sind, den Überrest des armenischen Volkes dahin zu bringen, einen Revers zu unterzeichnen, in dem sie um die besondere Gnade bitten, zur heiligen Religion des Islam übertreten zu dürfen. Sich Weigernde sollen abtransportiert werden. Eine Anzahl armenischer Frauen sind bereits zum Islam übergetreten, um sich vor dem Hungertod zu retten.

Wie vor 20 Jahren hervorragende Armenier gezwungen wurden, eine Erklärung zu unterschreiben, daß sie in jeder Weise mit den Maßnahmen der türkischen Regierung zufrieden gewesen seien und daß alle im Auslande verbreiteten Nachrichten über Massakres usw. nicht den Tatsachen entsprächen, ebenso wird es den Machthabern im Innern auch ein leichtes sein, nach außen hin den Schein der „Freiwilligkeit“ für die zum Islam Übergetretenen zu wahren.

Nach der Antwort, die der Herr Reichskanzler den Vertretern der evangelischen Kreise Deutschlands unter dem 12. November 1915 gegeben hat, hoffe ich mit Bestimmtheit, daß Euere Exzellenz die Kaiserlich Deutsche Botschaft in Konstantinopel mit entsprechenden Weisungen versehen und vor allen Dingen darauf hinwirken wird, daß eine Täuschung unserer Behörde unmöglich gemacht werde.

Der Wali von Mamuret-ul-Azis hatte dem Leiter unserer Station, Herrn Prediger Ehmann, für alle Armenier vollkommene Straflosigkeit versprochen für den Fall, daß es ihm gelänge, die Armenier der dortigen Gegend zu veranlassen, alle Waffen, die sich in ihrem Besitz befänden, abzuliefern. Herr Ehmann unterzog sich diesem Auftrag, und nichtsdestoweniger wurde auch die dortige Bevölkerung niedergemacht oder verbannt. In den Augen der Armenier hat unsere Arbeit dadurch sehr an Ansehen eingebüßt.

F. Schuchardt.

214.

KaiserlichDeutsche Botschaft.

16. Dezember 1915.

Aufzeichnung.

Der hiesige armenische Patriarch teilt mir folgendes mit:

Die Verhaftungen und Austreibungen von hier ansässigen Armeniern, die aus Anatolien zugewandert sind, dauern fort. Seit Beginn der Verfolgungen sind etwa 5000 Individuen abgeschoben worden. Nach offiziellen Angaben leben in Konstantinopel und Umgegend 75000 Armenier; die Ziffer ist anscheinend viel zu niedrig gegriffen; von anderer Seite wird ihre Zahl auf 120–150000 Seelen geschätzt.

Mordtmann.

215.

KaiserlichDeutsche Botschaft.

Pera, den 18. Dezember 1915.

Ich habe heute mit Talaat Bey, der von Anatolien zurückgekehrt ist[112], die Lage der Armenier eingehend besprochen. Er habe umfassende Maßnahmen zur Ernährung der abgeschobenen armenischen Familien getroffen. Vergehungen gegen Eigentum und Leben der Armenier würden streng bestraft. Es seien kürzlich noch über 20 Personen, die sich dieser Vergehungen schuldig gemacht hätten, hingerichtet worden. In den Bezirken an der russischen Grenze und bei Aleppo wären aus Rücksichten der militärischen Sicherheit Massenverschiebungen seinerzeit notwendig gewesen. Von der russischen Regierung eingeleitete Verschwörungen unter den gregorianischen Armeniern in den Grenzbezirken und bei Aleppo seien in großem Maßstabe entdeckt worden. Anschläge auf Brücken und Eisenbahnen seien vorbereitet gewesen. Es sei unmöglich gewesen, aus der Masse einzelne Schuldige herauszugreifen. Nur der Abtransport im großen habe Sicherheit gewährt. In Syrien seien die Armenier unbehelligt geblieben, in Konstantinopel ebenfallls. Augenblicklich fänden nirgends mehr Abtransporte statt, und die Regierung suche die im Gefolge der Verschiebungen entstandenen Übelstände zu mildern.

Ich bemerkte, der katholisch-armenische Expatriarch und sein Stellvertreter hätten mir heute den üblichen Antrittsbesuch gemacht und mir versichert, daß sie und ihre Gemeinden loyale ottomanische Untertanen seien und sich an keinen revolutionären Bewegungen beteiligten. Trotzdem seien die meisten vertrieben worden. Diese Geistlichen hofften, daß die Vertriebenen in ihre Gemeinden und verlassenen Heimstätten in und bei Aleppo zurückkehren dürften. Ich fragte den Minister, ob ihnen dies ebenso wie den protestantischen Armeniern, die sich als nicht revolutionär erwiesen hätten, gestattet werden könne. Er entgegnete, daß die katholischen und protestantischen Armenier sich im großen und ganzen nicht revolutionär betätigt hätten und, soweit dies möglich sei, sie in ihre Heimat zurückkehren würden.

Ich sprach dem Minister sodann von dem in Anatolien weit verbreiteten Gerücht, wonach die deutsche Regierung die Verfolgung der Armenier begünstigt habe. Er erwiderte, infolge meines Gesprächs mit dem Großwesir über diese Angelegenheit habe er sämtliche in Frage kommenden Behörden angewiesen, dem Gerüchte entgegenzutreten und zu erklären, daß die deutsche Regierung nichts mit der Angelegenheit zu tun habe und daß die türkische Regierung allein für die Maßnahmen gegen die Armenier die Verantwortung trage.

Im Laufe der Unterhaltung ergab sich die merkwürdige Auffassung beiTalaat Bey, die ich auch schon bei seinen Kollegen gefunden habe, daß wir im ähnlichen Falle ebenso gehandelt hätten und eine revolutionäre Bewegung in Deutschland mit Gewalt ausrotten würden. Ich fand immer wieder die Verständnislosigkeit für den Gesichtspunkt, daß, um Schuldige zu treffen, nicht Unschuldige leiden und daß nur bewiesene Vergehen bestraft werden dürften. Ich habe dem Minister auseinandergesetzt, daß wir niemals ähnlich handeln würden und nur den einer Schuld Überführten bestraften.

Von verschiedenen Seiten wird mir mitgeteilt, daß meine ernsten Ermahnungen auf die türkischen Machthaber doch Eindruck gemacht zu haben scheinen. Sobald es notwendig ist, werde ich wieder eingreifen.

Metternich.

Seiner Exzellenz dem Herrn ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.

216.

(KaiserlichDeutsche Botschaft.)

Telegramm.

Pera, den 18. Dezember 1915.

An das Auswärtige Amt, Berlin.

Talaat Bey hat mir erklärt, daß keine neuen Maßnahmen gegen Armenier beabsichtigt sind und daß vertriebenen Familien Hilfe geleistet wird. Regierung widerlegt durch Anweisung an ihre Beamten Gerüchte in Anatolien, daß wir Verfolgungen begünstigen.

Metternich.

217.

20. Dezember 1915.

Halil Bey bestreitet aufs entschiedenste, daß zwangsweise Bekehrungen zum Islam in nennenswertem Umfang versucht worden seien. Die vorgekommenen Fälle von Übergriffen unterer Beamter seien bestraft worden.

von Neurath.

Aufzeichnung.

Pera, 21. Dezember 1915.

Gewaltsame Islamisierung der Armenier in Anatolien.

Sie begann in größerem Umfange und wurde systematisch betrieben in der Provinz Trapezunt.

Der Vizekonsul Kuckhoff (Samsun) berichtete darüber ausführlich zu Anfang Juli d. J.[113]

Er schreibt u. a.:

„Es handelt sich um nichts weniger als um die Vernichtung oder gewaltsame Islamisierung eines ganzen Volkes. Die Regierung entsandte strenggläubige fanatische muhammedanische Männer und Frauen in alle armenischen Häuser behufs Propaganda für den Übertritt zum Islam, unter Androhung der schlimmsten Folgen für diejenigen, die ihrem Glauben treu bleiben. Bis heute sind hier schon viele Familien übergetreten, und ihre Zahl vermehrt sich täglich. Die Mehrzahl widerstand bisher den Lockungen und wurde täglich gruppenweise ins Innere getrieben. Wie ich erfahre, werden sie an nicht entfernten Orten zurückgehalten, um noch gründlicher für den Islam bearbeitet zu werden. In der Umgegend von Samsun sind alle armenischen Dörfer muhammedanisch geworden, ebenso in Unieh. Vergünstigungen werden, außer den Renegaten, niemand zuteil.“

Über Übertritte in Erzerum und Trapezunt vgl. Berichte von dort[114].

Anfang August berichtete ein muhammedanischer Reisender aus jenen Gegenden, daß in Unieh, Samsun, Ineboli usw. die Armenier massenhaft zum Islam übergetreten seien; trotzdem seien manche von ihnen hinterher deportiert worden. In Termeh war der armenische Priester Muhammedaner geworden und die Kirche in eine Moschee verwandelt worden.

In anderen Gegenden scheint die Islamisierung keinen weiteren Erfolg gehabt zu haben; doch wurde z. B. berichtet, daß in Konia eine Anzahl Armenier (25) bereit waren, überzutreten.

Es ist anzunehmen, daß in vielen Fällen die Behörden, um nicht den Zweck der Armenieraustreibungen, Vernichtung der Männer und Konfiszierung des armenischen Eigentums, zu vereiteln, den Massenübertritt hinderten bzw. die Übergetretenen trotzdem verschickten.

Auf die Islamisierung der Armenier in Hadjin und Umgegend (Wilajet Adana) bezieht sich ein Bericht der Schwester Didsun vom 15. November. Aus Adana selbst berichtet der Konsul Büge unter dem 21. Oktober:

„Der Direktor des türkischen Waisenhauses hat den christlichen Zöglingen erklärt, daß sie entweder zum Islam übertreten oder das Haus verlassen müßten. Die Mädchen verließen das Haus, ebenso ein Teil der Knaben, von denen 14 zurückblieben, die vermutlich islamisiert wurden. Der Direktor hatte den Kindern erklärt, daß in einem osmanischen Waisenhause die christliche Religion keinen Platz hätte; das Beten wurde ihnen untersagt.“

Hier in Konstantinopel sollen bis jetzt unter dem Druck der Verhältnisse 20 Armenier übergetreten sein; angeblich namentlich solche, die in Anatolien begütert sind und durch den Übertritt ihr Vermögen zu retten suchen.

Mordtmann.

218.

KaiserlichDeutsche Botschaft.

Pera, den 23. Dezember 1915.

Euerer Exzellenz beehre ich mich in der Anlage Abschrift einer mir soeben zugegangenenerstmaligen schriftlichenÄußerung der Pforte auf die diesseitigen Noten bezüglich der armenischen Angelegenheiten vorzulegen.

Die Notiz der Kaiserlichen Botschaft vom 4. Juli ist mittels Berichts vom 7. Juli vorgelegt worden. Die von der Pforte in bezug genommene Notiz vom 13. September bzw. die Verbalnote vom 16. November sind durch Reklamationen deutscher Interessenten veranlaßt worden, über die ich mir gegebenenfalls Berichterstattung vorbehalten darf.

Metternich.

Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn Dr. von Bethmann Hollweg.

Anlage.

Notice Nr. 75510.

Le 22 Décembre 1915.

En réponse aux communications de l’Ambassade de Sa Majesté l’Empereur d’Allemagne datées des 3 Juillet, 13 Septembre et 16 Novembre 1915 et relatives au déplacement des arméniens, il est porté à sa haute connaissance ce qui suit:

En premier lieu il est à remarquer que les mesures prises à l’égard de la population arménienne de l’Empire rentrent dans le domaine des actes d’Administration intérieure du pays; elles ne sauraient donc faire l’objet d’une démarche diplomatique fussent-elles de nature à toucher inévitablement aux intérêts des étrangers y établis. En effet, il est incontestable que tout Etat a le droit de prendre les mesures propres à enrayer un mouvement subversif propagé sur son territoire; surtout lorsque ce mouvement se produit en temps de guerre.

L’Ambassade de l’Empire Allié, dans son appréciation éclairée a bien voulu du reste confirmer la justesse de ce point de vue. C’est ainsi qu’elle a reconnu dans son memorandum du 3 Juillet, que les mesures de répression décrétés contre la population arménienne des provinces de l’Anatolie Orientale sont dictées par des raisons militaires et constituent un moyen de légitime défense. En effet partout où les mesures en question ont été appliquées, elles ont été provoquées par les mêmes motifs impérieux.

Pour ce qui est de la responsabilité des dommages que le commerce allemand aurait subis, le Gouvernement Impérial Ottoman ne peut que la décliner; car l’Ambassade de sa Majesté l’Empereur voudra bien reconnaître elle-même que l’exercise d’un droit légitime ne peut donner lieu à une réclamation quelconque. On pourrait d’autant moins prétendre la responsabilité du Gouvernement Impérial que malgré les soucis de la défense nationale qui doit absorber toute son attention, il fait preuve d’une extrême vigilance afin de réduire aux minima les préjudices qui pourraient résulter du déplacement des personnes susindiquées. C’est dans cet ordre d’idées que la Loi provisoire du 17 Zilkadé 1333[115], contenant les garanties désirables pour la sauvegarde de tous les intérêts a été promulguée.

S’il importe de déterminer la responsabilité des dommages et perturbations — lesquels sont ressentis dans la vie économique ottomane dans une mesure incomparablement supérieure — elle ne doit en réalité être attribuée qu’aux ennemis communs extérieurs qui ont provoqué et encouragé le mouvement révolutionnaire arménien dans l’Empire, ainsique cela résulte des documents authentiques.

En ce qui concerne les considérations de l’Ambassade Impériale relative aux délais, la Loi du 17 Zilkadé étant exécutoire depuis sa publication à l’égard de toute personne intéressée, les sujets étrangers devront s’y conformer aussi bien que les ottomans pour faire valoir leurs réclamations dans les délais impartis.

En conséquence de ce qui précède les réserves formulées par l’Ambassade Impériale d’Allemagne dans les communications susvisées des 3 Juillet, 13 Septembre et 16 Novembre ne peuvent qu’être déclinées.

219.

KaiserlichDeutsche Botschaft.

Pera, den 27. Dezember 1915.

Auf den Erlaß vom 12. d. M.[116]

Monsignore Dolci bestätigt, daß Halil Bey, der Minister des Auswärtigen, ihm seinerzeit in Aussicht gestellt habe, daß die Verfolgung der katholischen Armenier eingestellt und den Deportierten die Rückkehr in ihre Heimat gestattet werden sollte, aber diese Zusage, die übrigens in keiner bindenden Form erfolgte, ist nicht erfüllt worden, wenigstens soweit es sich um die Rückkehr der Verschickten handelt. Wenn seitdem von weiteren Verfolgungen gar nichts mehr verlautet ist, so hat das seinen Grund darin, daß die Austreibung der Armenier in der Hauptsache beendet ist. Ein weiterer Schritt des apostolischen Delegaten, um die Wiedereröffnung der gesperrten katholischen Kirchen und die Rückkehr der verbannten Geistlichen in ihre Diözesen zu erlangen, wurde auf der Pforte als „Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Türkei“ aufgefaßt und hatte keinen Erfolg, außer etwa, daß der Bischof von Kaisarijeh (Caesarea) nachträglich nach Aleppo verschleppt wurde.

Ferner ist zu bemerken, daß die Zahl der Armenier, die der Verschickung entgangen sind, geringer ist, als Herr Dr. Straubinger annimmt. In der europäischen Türkei dürften, nachdem die armenische Bevölkerung der größeren Städte und Ortschaften im Innern in den letzten Monaten nach Anatolien übergeführt worden ist, nur spärliche Reste verblieben seien.

Was die Fürsorge für die in den Konzentrationslagern in Anatolien (z. B. in Eskischehir, Konia, Eregli, Aleppo) und sonst angesammelten Armenier betrifft, so halte ich die Anregung des Dr. Straubinger für unausführbar, da die Pforte jeder Hilfeleistung von auswärts und sogar von seiten der beteiligten Patriarchate die größten Schwierigkeiten in den Weg legt. Eine solche Aktion würde voraussichtlich das Zeichen dazu geben, daß die Pforte diejenigen Armenier, die durch Zufall oder infolge Duldung seitens der Lokalbehörden in Anatolien verblieben sind, nach Mesopotamien oder Syrien abschiebt.

Ebenso halte ich es für ausgeschlossen, daß die Verschickten je wieder in den Besitz ihres von der Regierung beschlagnahmten Eigentums gelangen. In einem Spezialfalle wurde auf dem Ministerium des Innern erklärt: Die Rückkehr der betreffenden Individuen in ihre Heimat sei unzulässig, weil sie dort ihr Eigentum nicht mehr vorfänden, von dem inzwischen die Liquidationskommission Besitz ergriffen habe.

Metternich.

Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.

220.

KaiserlichDeutsche Botschaft.

Pera, den 31. Dezember 1915.

Notiz.

Amerikanischer Botschafter sagte mir heute, daß 4000 protestantische und katholische Armenier in Aintab bedroht seien und die Abtransportierungen begonnen hätten. Wer nicht Muslim werde, werde verschickt. Talaat Bey habe ihm seinerzeit versprochen, die Protestanten und Katholiken in Ruhe zu lassen. Mir ebenfalls.

Metternich.

221.

(KaiserlichDeutsche Botschaft.)

Telegramm.

Konstantinopel, den 31. Dezember 1915.

An Deutsches Konsulat, Aleppo.

Vertreibung von Protestanten und Katholiken von Aintab steht angeblich bevor oder hat begonnen. Erbitte Drahtbericht.

Metternich.


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