März.245.KaiserlichDeutsche Botschaft.Pera, den 2. März 1916.Die Pforte hat unter dem 1. d. M. an die hiesigen fremden Vertretungen eine Druckschrift[122]verteilt, welche eine Darstellung der armenischen revolutionären Bewegung und der seitens der türkischen Regierung dagegen ergriffenen Maßregeln enthält.Metternich.Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.Notiz.Auf Seite 11 der Druckschrift wird erklärt:Les assertions d’après lesquelles ces mesures auraient été suggérées à la Sublime Porte par certaines Puissances étrangères sont absolument dénuées de fondement. Le Gouvernement Impérial, fermement résolu à maintenir son absolue indépendance, ne pouvait naturellement admettre aucune immixtion, sous quelque forme que ce soit, dans ses affaires intérieures fut-ce même de la part des amis et alliés.246.Berlin, den 3. März 1916.Seiner Hochwohlgeboren Herrn Baron von Rosenberg, Auswärtiges AmtSehr geehrter Herr Baron!In der Anlage überreiche ich Ihnen den Entwurf zu der Denkschrift wie ich sie mir gedacht habe, um sie Enver Pascha und Talaat zu überreichen, dem letzteren in französischer Übersetzung.M. Erzberger, Mitglied des Reichstags.Anlage.Denkschriftüber die Maßnahmen zugunsten der Christen in der Türkei.— — — — — — — — — — — —Die Lage der katholischen Armenier.1. Die katholischen Armenier, deren Zahl von einigen auf annähernd 100000, von anderen höher geschätzt wird, sind scharf zu unterscheiden von den sogenannten gregorianischen oder orthodoxen, wie von den protestantischen Armeniern. Sie stehen unter einem eigenen Patriarchen, sind von der türkischen Regierung als Millet anerkannt und haben in nationaler Hinsicht nie Anlaß zur Beschwerde gegeben.2. Trotz der loyalen Gesinnung der katholischen Armenier und trotz der Zusicherungen, die man ihnen gab, widerfuhr ihnen dasselbe Schicksal wie ihren Volksgenossen. Die Verluste an Menschenleben und Gütern sind bei ihnen relativ ebenso groß wie bei den anderen, nur der Unterschied wurde gewöhnlich gemacht, daß bei ihnen Exekution und Deportation um einige Tage oder Wochen aufgeschoben wurden.3. Man hatte nach den Versprechungen, die die türkische Regierung dem apostolischen Delegaten gegenüber abgab, gehofft, daß der Rest der katholischen Armenier zurückkehren dürfe. Tatsächlich ist keiner von ihnen zurückgekehrt. Im Gegenteil. Nach zuverlässigen Nachrichten, die in diesen Tagen eingingen, geht man jetzt auch gegen die zurückgebliebenen Armenier in Marasch, Aintab und Aleppo vor.Die Interessen der türkischen Regierung erfordern es, daß noch während des Krieges eine Reihe von Maßnahmen durchgeführt werden. Als solche Maßregeln zur sofortigen Durchführung werden vorgeschlagen:1. Möglichkeit der direkten Annäherung an die Deportierten, und zwar nicht durch Privatpersonen, sondern durch eine Mission des Malteser-Ritterordens, die in Deutschland ausgerüstet wird und kostenlos arbeitet. Brot und andere nötige Subsistenzmittel werden durch diese Mission verteilt, aber von der deutschen oder türkischen Regierung geliefert.2. Allmählicher Rücktransport der Deportierten und Neuansiedlung derselben. Die Ansiedlung darf sich indes nur auf Kleinasien und nicht auf Syrien und Arabien erstrecken. Die Ansiedlung erfolgt in geschlossenen Ortschaften. Die Regierung stellt den heimkehrenden Armeniern soviel und so gutes Land zur Verfügung, als sie vorher besessen haben. Für den Verlust der Wohnungen und Inventars sollen sie dadurch entschädigt werden, daß ihnen Brennmaterial, Ackergeräte und Saatfrüchte gratis zur Verfügung gestellt werden. Der Rücktransport und die Ansiedlung erfolgen durch die Delegation des Malteser-Ritterordens.3. Befriedigung der religiösen Bedürfnisse der Armenier. Es sind z. B. in Angora immer noch 2000 katholische Armenier ohne Bischof und Priester,obwohl schon vielfach Schritte unternommen wurden, ihnen einen Priester zu schicken. Die geschlossenen Kirchen müssen wieder geöffnet werden, das Kirchengut zurückgegeben und den Armeniern, die aus Angst zum Islam übergetreten sind, die Rückkehr zu ihrer Kirche nicht zur Unmöglichkeit gemacht werden.4. Die städtischen Armenier dürfen in ihre Städte, soweit sie nicht Kriegsgebiet sind, zurückkehren.5. Das Liquidationsgesetz wird suspendiert oder findet wenigstens auf diejenigen Armenier keine Anwendung, die zurückkehren.6. Da die katholischen Armenier sich anerkanntermaßen von revolutionären Umtrieben fernhielten, sollen sie beim Rücktransport zuerst berücksichtigt werden.7. Die türkische Regierung wird gebeten, den Patriarchen der katholischen Armenier, Msgr. Terzian, nach kirchlich-katholischen Prinzipien anzuerkennen.Durch die Ausführung dieser Maßnahmen würde erreicht werden, daß die auch unter den Christen der Mittelmächte vorhandene Erregung nachlassen würde. Gerade der Malteserorden eignet sich sehr für die Durchführung dieser Maßnahmen. Die hierfür notwendigen Gelder müßten von der deutschen Regierung zu Lasten der türkischen zur Verfügung gestellt werden.Diese Vorschläge sind von dem Bestreben diktiert, die Hindernisse, die der Erreichung der türkischen Kriegsziele im Wege liegen, zu beseitigen. Wir glauben auch allen berechtigten Ansprüchen der türkischen Regierung weitgehendst Rechnung zu tragen. Diese Vorschläge geben auf der anderen Seite den ausländischen und einheimischen Katholiken in der Türkei die Garantie für völlige Glaubensfreiheit.247.(Auswärtiges Amt.)Telegramm.Berlin, den 5. März 1916.Auswärtiges Amt an Botschaft Pera.Auf Bericht vom 28. Februar.Bitte eventuell nach Rückfrage in Aleppo für Waisenkinder intervenieren.[123]Zimmermann.248.(KaiserlichDeutsche Botschaft.)Telegramm.Pera, den 10. März 1916.Der Kaiserliche Botschafter an Auswärtiges Amt.Wie Konsulat Aleppo meldet, ist Abreise der Waisen vorläufig verschoben worden.[124]Metternich.249.Basel, den 6. März 1916.An Seine Exzellenz Freiherrn von Romberg, Kaiserlich Deutschen Gesandten in Bern.Euere Exzellenz hatten die Güte, am 4. März eine Delegation des Schweizerischen Hilfswerks 1915 für Armenien, bestehend aus Herrn Dr. Andreas Vischer und dem Unterzeichneten zu empfangen und ihr mitzuteilen, daß unsere Bitte um Unterstützung des Bestrebens, den notleidenden Armeniern unter Ausschluß aller politischen Nebenzwecke Hilfe zu leisten, an den zuständigen deutschen Amtsstellen wohlwollend aufgenommen worden ist. Wir bitten Euere Exzellenz nochmals, den Ausdruck unseres wärmsten Dankes dafür entgegen zu nehmen und auch weiterleiten zu wollen. Die Wünsche, die wir auf Grund der Unterredung glauben formulieren zu dürfen, sind folgende:Da es sich auf Grund Euerer Exzellenz Mitteilungen nicht wird darum handeln können, eine schweizerische Hilfsexpedition in die Türkei zu schicken, so möchten wir die gütig angebotene Vermittelung gerne in Anspruch nehmen, um notleidenden Armeniern Hilfe zukommen zu lassen, vor allem aber auch, um mit den Persönlichkeiten, die Unterstützungen an Ort und Stelle austeilen, in Verbindung zu treten. Wir denken, daß außer dem Kaiserlich Deutschen Konsul Herrn Rößler in Aleppo, vor allem der Reichsdeutsche Herr F. Eckart, Mitglied der deutschen Orientmission in Urfa, und die Schweizer, Herr Jakob Künzler, ebenfalls Mitglied der deutschen Orientmission in Urfa, und der Kaufmann Herr E. Zollinger in Aleppo bereit wären, sich an dem schweizerischen Hilfswerk für die Armenier zu beteiligen. Wie weit diese Herren persönlich für das Werk werden arbeiten können, oder wen sie sonst vorzuschlagen haben, wird sich aus der Korrespondenz ergeben. Ebenso wird es sich zeigen, ob die Verhältnisse so sind, daß es sich hauptsächlich um Rettung Deportierter vor dem Hungertode handelt, oder ob unsere Mittel für Bedürfnisse anderer Art, Kleidung, ärztliche Hilfeleistung usw. Verwendung finden können.Indem wir uns noch gestatten, nach Euerer Exzellenz Vorschlag einen Brief für Herrn Konsul Rößler und einen Fragebogen für andere Stellen, die sich unter Umständen mit Unterstützung von Armeniern beschäftigen könnten, beizulegen, danken wir zum voraus für alle weiteren freundlichen Bemühungen und zeichnenmit vollkommener HochachtungSchweizerisches Hilfswerk 1915 für Armenier.Dr. A. Oeri, Sekr.250.(KaiserlichDeutsche Botschaft.)Telegramm.Pera, den 7. März 1916.Der Kaiserliche Botschafter an Auswärtiges Amt.Am 5. d. M. drahtet Graf Schulenburg aus Erzindjan: Lage unverändert. Wahib Pascha heute fast ohne Aufenthalt hier durchgereist. Bitlis von Russen genommen. Armenische Banden haben dort Blutbad unter Bevölkerung angerichtet, das angeblich 2–3000 Opfer gekostet hat.[125]Metternich.251.Kuratorium der DeutschenOrientmission.Potsdam, den 10. März 1916.Exzellenz!Die unterzeichneten Gesellschaften, die mit ihrer Arbeit unter den Christen des Orients ausschließlich humanitäre und kulturelle Zwecke verfolgen, wünschen eine Hilfsexpedition auszurüsten nach den Gebieten in Syrien und Mesopotamien, in welche die Frauen und Kinder des armenischen Volkes der Türkei deportiert worden sind.Die Expedition soll aus Ärzten und Krankenschwestern und solchen Herren bestehen, die der Landesverhältnisse kundig sind. Der Zweck derExpedition ist, unter der Masse der deportierten Frauen und Kinder, die nach Hunderttausenden zählt und ohne Fürsorge, Hilfsmittel, Pflege und Obdach der langsamen Vernichtung durch Hunger und Krankheit preisgegeben ist, Lebensmittel und Unterstützungen zu verteilen, für sanitäre Maßnahmen zu sorgen und ärztliche Hilfe zu bringen.Wir bitten Euere Exzellenz, die Genehmigung der türkischen Regierung für die Samariterarbeit dieser Expedition erwirken zu wollen.Die türkische Regierung hat, soviel uns bekannt ist, derartige Hilfeleistungen von neutraler Seite abgelehnt. Um so mehr ist es die Pflicht der humanitären Kreise Deutschlands, die mit den einschlägigen Verhältnissen vertraut sind, durch die Vermittelung der Reichsregierung einen Notstand lindern zu helfen, für dessen Fortbestand Deutschland als Bundesgenosse der Türkei von der übrigen Welt moralisch verantwortlich gemacht wird.Die türkische Regierung hat seit Kriegsbeginn ein solidarisches Interesse für die muhammedanischen Völker auch in den nichttürkischen Ländern geltend gemacht. Dieselbe Solidarität darf von der deutschen Christenheit in Anspruch genommen werden für ein humanitäres Werk unter den notleidenden Christen der Türkei. Der Untergang einer halben Million von Frauen und Kindern kann in keinem Falle als politisches Interesse der Türkei anerkannt werden. Dagegen erscheint es uns als ein wesentliches politisches Interesse Deutschlands, sich vor der Welt von dem Vorwurf der moralischen Mitverantwortlichkeit für den Untergang eines christlichen Volkes zu entlasten.Zur Rechtfertigung unserer Bitte dürfen wir uns auf die Antwort berufen, die Euer Exzellenz am 12. November v. J. auf die Eingaben von evangelischer und katholischer Seite erteilt haben, und auf die Zusicherung von amtlicher Stelle bei Gelegenheit der Veröffentlichung dieser Antwort, daß sich die deutschen Christen darauf verlassen dürfen, daß ihre humanitären Bestrebungen zur Linderung bestehender Not seitens der deutschen Regierung nachdrückliche Unterstützung finden werden.Das Kuratorium der Deutschen Orientmission.Dr. Johannes Lepsius.Prof. Adolf Deißmann.Dr. Paul Rohrbach.Roedenbeck, Superintendent.Das Notwendige Liebeswerk.Prof. D. Martin Rade,Marburg.Prof. D. Dr. H. Guthe,Leipzig.Die Deutsch-Armenische Gesellschaft.Pfarrer Stier, Marburg.Seiner Exzellenz dem Herrn ReichskanzlerDr. von Bethmann Hollweg, Berlin.252.Auswärtiges Amt.Berlin, den 14. März 1916.Abschriftlich nebst AnlageSeiner Exzellenz dem Kaiserlichen Botschafter, Herrn Grafen Wolff-Metternich, Pera.Zur gefälligen vertraulichen Kenntnisnahme ergebenst übersandt.Die Note bezieht sich auf die mit Telegramm vom 23. Februar angekündigte Demarche.[126]Zimmermann.Embassy of the United States of America. Berlin, Germany.Note Verbale.Acting under instructions from its Government, the American Embassy has the honor to transmit herewith to the Imperial Foreign Office, for its information, a copy of a Note dated February 16, 1916, which the Secretary of State has delivered to the Imperial German Ambassador at Washington, relative to an instruction which the former had cabled to the American Chargé d’Affaires at Constantinople, instructing him to again urgently appeal to the sense of humanity and justice of the Turkish Government and to urge it to take immediate steps towards the amelioration of the conditions at present existing among the Armenians and towards the redress of the injuries already inflicted upon them.Berlin, March 11th, 1916.To the Imperial Foreign Office,Enclosure: Copy of a Note dated Feb. 16, 1916 from Washington.Anlage.Department of State, Washington, February 16, 1916.Excellency:Referring to your unofficial note of October 8, 1915, enclosing a copy of a memorandum handed to the Imperial Ottoman Government by the acting Imperial Ambassador at Constantinople on August 9, 1915, protesting against the expulsion of the Armenians, I have the honor to inform you thatthe United States Government has received and is still receiving information giving detailed accounts of the continued sufferings which have accompanied and resulted from the systematic expulsion of the Armenians from their homes and from the other mistreatment which they have suffered. The information has come largely from private but reliable sources and from individuals of many different nationalities and indicates that the promise, which you state in your note of October 8th the Ottoman Government had made to the acting Imperial German Ambassador at Constantinople, to the effect that it would take the measures necessary to prevent the repetition of excesses against the Armenians, has not been fulfilled. Being greatly in doubt as to whether I am longer justified in keeping from the American people the terrible facts in my possession, I have instructed the American Chargé d’Affaires at Constantinople again earnestly to appeal to the sense of justice and to the humanity of the Ottoman Government, and to urge it to take prompt action to redress the injuries, which have been inflicted upon the Armenians and to adopt measures to ameliorate the condition of the surviving Armenians in the future. My decision as to what if any statement, on the subject of the treatment of the Armenians by the Turks, should be made to the American people, will depend very largely upon the action which the Ottoman Government takes upon the new appeal made in behalf of the Armenians by the American Chargé d’Affaires.As your note of October 8, 1915, to the Department and the note of the acting Imperial German Ambassador at Constantinople, both indicate that the German Government shares with the Government of the United States its indignation at the conduct pursued by the Ottoman Government against the Armenians and its desire to secure an amelioration of the existing conditions, I have thought it proper to communicate to you at this time the substance of the instruction which has been cabled to the American Chargé d’Affaires at Constantinople, in the hope that the German Government may see fit to exercise once more its influence with the Ottoman Government in the effort now being made to put an end to the Armenian tragedy.Accept, Excellency, the renewed assurances of my highest consideration.Robert Lansing.His Excellency Count J. H. von Bernstorff, Imperial German Ambassador.253.KaiserlichDeutsche Botschaft.Pera, den 21. März 1916.Infolge der letzthin in Aleppo, Marasch, Brussa, Adrianopel, Angora, Konia und anderen Orten wieder einsetzenden Armenierverfolgungen waren von verschiedenen Seiten, u. a. vom Pater Dr. Straubinger und Pater Liebl,Gesuche um Intervention bei der türkischen Regierung an mich gerichtet worden. Ich hatte daraufhin umgehend Schritte bei Halil Bey in dieser Angelegenheit unternommen und ihn insbesondere darauf aufmerksam gemacht, daß eine etwaige Austreibung der fast allein noch übrigen christlichen Frauen und Kinder bei der überdies erregten Stimmung in Deutschland den allerschlechtesten Eindruck machen würde. Halil Bey hatte mir versprochen, sofort beim Minister des Innern darauf hinzuwirken, daß etwaige geplante Schritte gegen die genannte armenische Bevölkerung eingestellt werden würden.Bei meinem gestrigen Besuche auf der Hohen Pforte sagte mir nun der Minister des Auswärtigen, nach Rücksprache mit Talaat, die Regierung habe kürzlich auf Berichte der türkischen Lokalbehörden hin angeordnet, einige unruhige Elemente zu entfernen. Die Lokalbehörden aber hätten in übertriebenem Eifer den Befehl mißgedeutet und Anstalten getroffen, größere Abteilungen Armenier abzuschieben. Es sei nunmehr angeordnet worden, daß in Konia, Angora, Aleppo, Aintab und Marasch überhaupt keine Armenier mehr abgeschoben werden dürften.Ich erwiderte dem Minister, daß ich mich über diese Mitteilung freue, da in Deutschland auf Grund von dorthin gelangten Nachrichten in weiten Kreisen die Beunruhigung über das Los der Armenier wieder stark zugenommen habe.Metternich.Seiner Exzellenz dem Reichskanzler.254.(KaiserlichDeutsches Konsulat.)Telegramm.Abgang aus Aleppo, den 23. März 1916.Ankunft in Pera, den 25. März 1916.An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.Armeniern ist von einigen Polizisten erklärt worden, einzige Rettung vor Verschickung sei Übertritt zum Islam. Auf ähnlichen Druck hin haben schon Ende Februar Anzahl Armenier in Arbeiterbataillonen Glauben gewechselt. Gestern sind 30 Familien um Übertritt eingekommen.Rößler.255.KaiserlichDeutsche Botschaft.Pera, den 27. März 1916.Der zu telegraphischem Bericht aufgeforderte Kaiserliche Konsul zu Aleppo bezeichnet die von schweizerischer Seite angebotene Hilfe für die notleidenden Armenier sowie die Informationsreise des Dr. Vischer, den er für besonders geeignet zu diesem Zwecke hält, als sehr erwünscht. Allerdings glaubt er nicht, daß die Beteiligung des Schweizerischen Vereins in einer festen Form wird erfolgen können, vielmehr würde es sich um einen Versuch handeln, unter der Hand zu helfen.Metternich.Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.256.KaiserlichDeutsche Botschaft.Pera, den 29. März 1916.Im Anschluß an Bericht vom 27. März.Auf Bitten des hiesigen American Bible House hatte ich den Kaiserlichen Konsul in Damaskus aufgefordert, sich über die Aussichten einer von dieser Anstalt geplanten größeren Hilfsunternehmung für die notleidenden Armenier in Damaskus zu äußern. Der Gedanke war, in Damaskus oder eventuell in Beirut eine Zentralstelle mit Depots einzurichten; die erforderlichen Geldmittel und das Hilfspersonal sollten von amerikanischer Seite zur Verfügung gestellt werden, dagegen wurde dringend gewünscht, eine deutsche Persönlichkeit mit der Leitung zu betrauen, und man hatte hierfür bereits den Pastor Kunze ins Auge gefaßt.Herr Loytved meldet daraufhin folgendes:„Vor etwa 3 Wochen hatte ich die Absicht, unter Leitung des in Damaskus wohnhaften deutschen Missionars Hanauer für die in Damaskus und Umgebung befindlichen Armenier ein Waisenhaus, eine Garküche und ein Bad einzurichten. Als ich Djemal Pascha hiervon in Kenntnis setze, sagte er mir vertraulich, daß er persönlich das Los der Armenier nach Möglichkeit erleichtern möchte, aber strenge Anweisung von Konstantinopel habe, jede deutsche und amerikanische Beteiligung an einer Hilfsunternehmung für Armenier zu verhindern, da der innere Widerstand der Armenier gegen die türkische Regierung nur gebrochen werden könne, wenn ihnen beigebracht würde, daß sie keinerlei Unterstützung von irgend einer fremden Regierung zu erwarten hätten. Auf meine Bitte, dann selbst etwas zu tun, gab er in meiner Gegenwart dem Bürgermeister von Damaskus Befehl, ein Haus zumieten und darin Armenierwaisen aufzunehmen. Djemal Pascha erklärte sich bereit, Gelder für die Armenier durch mich entgegenzunehmen und durch türkische Beamte verteilen zu lassen, die auch mein Vertrauen genießen.“Hierzu ist zu bemerken, daß die türkischen Behörden auch das armenische Patriarchat daran zu hindern suchen, den notleidenden Verbannten zu Hilfe zu kommen, so daß das Patriarchat genötigt ist, sich zu diesem Zwecke fremder Vermittelung zu bedienen. Es gewinnt somit den Anschein, als ob die Pforte jede Notstandshilfe, von welcher Seite sie auch kommen möge, ablehnt.Metternich.Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.
März.
245.
KaiserlichDeutsche Botschaft.
Pera, den 2. März 1916.
Die Pforte hat unter dem 1. d. M. an die hiesigen fremden Vertretungen eine Druckschrift[122]verteilt, welche eine Darstellung der armenischen revolutionären Bewegung und der seitens der türkischen Regierung dagegen ergriffenen Maßregeln enthält.
Metternich.
Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.
Notiz.
Auf Seite 11 der Druckschrift wird erklärt:
Les assertions d’après lesquelles ces mesures auraient été suggérées à la Sublime Porte par certaines Puissances étrangères sont absolument dénuées de fondement. Le Gouvernement Impérial, fermement résolu à maintenir son absolue indépendance, ne pouvait naturellement admettre aucune immixtion, sous quelque forme que ce soit, dans ses affaires intérieures fut-ce même de la part des amis et alliés.
246.
Berlin, den 3. März 1916.
Seiner Hochwohlgeboren Herrn Baron von Rosenberg, Auswärtiges Amt
Sehr geehrter Herr Baron!
In der Anlage überreiche ich Ihnen den Entwurf zu der Denkschrift wie ich sie mir gedacht habe, um sie Enver Pascha und Talaat zu überreichen, dem letzteren in französischer Übersetzung.
M. Erzberger, Mitglied des Reichstags.
Anlage.
Denkschriftüber die Maßnahmen zugunsten der Christen in der Türkei.
— — — — — — — — — — — —
Die Lage der katholischen Armenier.
1. Die katholischen Armenier, deren Zahl von einigen auf annähernd 100000, von anderen höher geschätzt wird, sind scharf zu unterscheiden von den sogenannten gregorianischen oder orthodoxen, wie von den protestantischen Armeniern. Sie stehen unter einem eigenen Patriarchen, sind von der türkischen Regierung als Millet anerkannt und haben in nationaler Hinsicht nie Anlaß zur Beschwerde gegeben.
2. Trotz der loyalen Gesinnung der katholischen Armenier und trotz der Zusicherungen, die man ihnen gab, widerfuhr ihnen dasselbe Schicksal wie ihren Volksgenossen. Die Verluste an Menschenleben und Gütern sind bei ihnen relativ ebenso groß wie bei den anderen, nur der Unterschied wurde gewöhnlich gemacht, daß bei ihnen Exekution und Deportation um einige Tage oder Wochen aufgeschoben wurden.
3. Man hatte nach den Versprechungen, die die türkische Regierung dem apostolischen Delegaten gegenüber abgab, gehofft, daß der Rest der katholischen Armenier zurückkehren dürfe. Tatsächlich ist keiner von ihnen zurückgekehrt. Im Gegenteil. Nach zuverlässigen Nachrichten, die in diesen Tagen eingingen, geht man jetzt auch gegen die zurückgebliebenen Armenier in Marasch, Aintab und Aleppo vor.
Die Interessen der türkischen Regierung erfordern es, daß noch während des Krieges eine Reihe von Maßnahmen durchgeführt werden. Als solche Maßregeln zur sofortigen Durchführung werden vorgeschlagen:
1. Möglichkeit der direkten Annäherung an die Deportierten, und zwar nicht durch Privatpersonen, sondern durch eine Mission des Malteser-Ritterordens, die in Deutschland ausgerüstet wird und kostenlos arbeitet. Brot und andere nötige Subsistenzmittel werden durch diese Mission verteilt, aber von der deutschen oder türkischen Regierung geliefert.
2. Allmählicher Rücktransport der Deportierten und Neuansiedlung derselben. Die Ansiedlung darf sich indes nur auf Kleinasien und nicht auf Syrien und Arabien erstrecken. Die Ansiedlung erfolgt in geschlossenen Ortschaften. Die Regierung stellt den heimkehrenden Armeniern soviel und so gutes Land zur Verfügung, als sie vorher besessen haben. Für den Verlust der Wohnungen und Inventars sollen sie dadurch entschädigt werden, daß ihnen Brennmaterial, Ackergeräte und Saatfrüchte gratis zur Verfügung gestellt werden. Der Rücktransport und die Ansiedlung erfolgen durch die Delegation des Malteser-Ritterordens.
3. Befriedigung der religiösen Bedürfnisse der Armenier. Es sind z. B. in Angora immer noch 2000 katholische Armenier ohne Bischof und Priester,obwohl schon vielfach Schritte unternommen wurden, ihnen einen Priester zu schicken. Die geschlossenen Kirchen müssen wieder geöffnet werden, das Kirchengut zurückgegeben und den Armeniern, die aus Angst zum Islam übergetreten sind, die Rückkehr zu ihrer Kirche nicht zur Unmöglichkeit gemacht werden.
4. Die städtischen Armenier dürfen in ihre Städte, soweit sie nicht Kriegsgebiet sind, zurückkehren.
5. Das Liquidationsgesetz wird suspendiert oder findet wenigstens auf diejenigen Armenier keine Anwendung, die zurückkehren.
6. Da die katholischen Armenier sich anerkanntermaßen von revolutionären Umtrieben fernhielten, sollen sie beim Rücktransport zuerst berücksichtigt werden.
7. Die türkische Regierung wird gebeten, den Patriarchen der katholischen Armenier, Msgr. Terzian, nach kirchlich-katholischen Prinzipien anzuerkennen.
Durch die Ausführung dieser Maßnahmen würde erreicht werden, daß die auch unter den Christen der Mittelmächte vorhandene Erregung nachlassen würde. Gerade der Malteserorden eignet sich sehr für die Durchführung dieser Maßnahmen. Die hierfür notwendigen Gelder müßten von der deutschen Regierung zu Lasten der türkischen zur Verfügung gestellt werden.
Diese Vorschläge sind von dem Bestreben diktiert, die Hindernisse, die der Erreichung der türkischen Kriegsziele im Wege liegen, zu beseitigen. Wir glauben auch allen berechtigten Ansprüchen der türkischen Regierung weitgehendst Rechnung zu tragen. Diese Vorschläge geben auf der anderen Seite den ausländischen und einheimischen Katholiken in der Türkei die Garantie für völlige Glaubensfreiheit.
247.
(Auswärtiges Amt.)
Telegramm.
Berlin, den 5. März 1916.
Auswärtiges Amt an Botschaft Pera.
Auf Bericht vom 28. Februar.
Bitte eventuell nach Rückfrage in Aleppo für Waisenkinder intervenieren.[123]
Zimmermann.
248.
(KaiserlichDeutsche Botschaft.)
Telegramm.
Pera, den 10. März 1916.
Der Kaiserliche Botschafter an Auswärtiges Amt.
Wie Konsulat Aleppo meldet, ist Abreise der Waisen vorläufig verschoben worden.[124]
Metternich.
249.
Basel, den 6. März 1916.
An Seine Exzellenz Freiherrn von Romberg, Kaiserlich Deutschen Gesandten in Bern.
Euere Exzellenz hatten die Güte, am 4. März eine Delegation des Schweizerischen Hilfswerks 1915 für Armenien, bestehend aus Herrn Dr. Andreas Vischer und dem Unterzeichneten zu empfangen und ihr mitzuteilen, daß unsere Bitte um Unterstützung des Bestrebens, den notleidenden Armeniern unter Ausschluß aller politischen Nebenzwecke Hilfe zu leisten, an den zuständigen deutschen Amtsstellen wohlwollend aufgenommen worden ist. Wir bitten Euere Exzellenz nochmals, den Ausdruck unseres wärmsten Dankes dafür entgegen zu nehmen und auch weiterleiten zu wollen. Die Wünsche, die wir auf Grund der Unterredung glauben formulieren zu dürfen, sind folgende:
Da es sich auf Grund Euerer Exzellenz Mitteilungen nicht wird darum handeln können, eine schweizerische Hilfsexpedition in die Türkei zu schicken, so möchten wir die gütig angebotene Vermittelung gerne in Anspruch nehmen, um notleidenden Armeniern Hilfe zukommen zu lassen, vor allem aber auch, um mit den Persönlichkeiten, die Unterstützungen an Ort und Stelle austeilen, in Verbindung zu treten. Wir denken, daß außer dem Kaiserlich Deutschen Konsul Herrn Rößler in Aleppo, vor allem der Reichsdeutsche Herr F. Eckart, Mitglied der deutschen Orientmission in Urfa, und die Schweizer, Herr Jakob Künzler, ebenfalls Mitglied der deutschen Orientmission in Urfa, und der Kaufmann Herr E. Zollinger in Aleppo bereit wären, sich an dem schweizerischen Hilfswerk für die Armenier zu beteiligen. Wie weit diese Herren persönlich für das Werk werden arbeiten können, oder wen sie sonst vorzuschlagen haben, wird sich aus der Korrespondenz ergeben. Ebenso wird es sich zeigen, ob die Verhältnisse so sind, daß es sich hauptsächlich um Rettung Deportierter vor dem Hungertode handelt, oder ob unsere Mittel für Bedürfnisse anderer Art, Kleidung, ärztliche Hilfeleistung usw. Verwendung finden können.
Indem wir uns noch gestatten, nach Euerer Exzellenz Vorschlag einen Brief für Herrn Konsul Rößler und einen Fragebogen für andere Stellen, die sich unter Umständen mit Unterstützung von Armeniern beschäftigen könnten, beizulegen, danken wir zum voraus für alle weiteren freundlichen Bemühungen und zeichnen
mit vollkommener Hochachtung
Schweizerisches Hilfswerk 1915 für Armenier.Dr. A. Oeri, Sekr.
250.
(KaiserlichDeutsche Botschaft.)
Telegramm.
Pera, den 7. März 1916.
Der Kaiserliche Botschafter an Auswärtiges Amt.
Am 5. d. M. drahtet Graf Schulenburg aus Erzindjan: Lage unverändert. Wahib Pascha heute fast ohne Aufenthalt hier durchgereist. Bitlis von Russen genommen. Armenische Banden haben dort Blutbad unter Bevölkerung angerichtet, das angeblich 2–3000 Opfer gekostet hat.[125]
Metternich.
251.
Kuratorium der DeutschenOrientmission.
Potsdam, den 10. März 1916.
Exzellenz!
Die unterzeichneten Gesellschaften, die mit ihrer Arbeit unter den Christen des Orients ausschließlich humanitäre und kulturelle Zwecke verfolgen, wünschen eine Hilfsexpedition auszurüsten nach den Gebieten in Syrien und Mesopotamien, in welche die Frauen und Kinder des armenischen Volkes der Türkei deportiert worden sind.
Die Expedition soll aus Ärzten und Krankenschwestern und solchen Herren bestehen, die der Landesverhältnisse kundig sind. Der Zweck derExpedition ist, unter der Masse der deportierten Frauen und Kinder, die nach Hunderttausenden zählt und ohne Fürsorge, Hilfsmittel, Pflege und Obdach der langsamen Vernichtung durch Hunger und Krankheit preisgegeben ist, Lebensmittel und Unterstützungen zu verteilen, für sanitäre Maßnahmen zu sorgen und ärztliche Hilfe zu bringen.
Wir bitten Euere Exzellenz, die Genehmigung der türkischen Regierung für die Samariterarbeit dieser Expedition erwirken zu wollen.
Die türkische Regierung hat, soviel uns bekannt ist, derartige Hilfeleistungen von neutraler Seite abgelehnt. Um so mehr ist es die Pflicht der humanitären Kreise Deutschlands, die mit den einschlägigen Verhältnissen vertraut sind, durch die Vermittelung der Reichsregierung einen Notstand lindern zu helfen, für dessen Fortbestand Deutschland als Bundesgenosse der Türkei von der übrigen Welt moralisch verantwortlich gemacht wird.
Die türkische Regierung hat seit Kriegsbeginn ein solidarisches Interesse für die muhammedanischen Völker auch in den nichttürkischen Ländern geltend gemacht. Dieselbe Solidarität darf von der deutschen Christenheit in Anspruch genommen werden für ein humanitäres Werk unter den notleidenden Christen der Türkei. Der Untergang einer halben Million von Frauen und Kindern kann in keinem Falle als politisches Interesse der Türkei anerkannt werden. Dagegen erscheint es uns als ein wesentliches politisches Interesse Deutschlands, sich vor der Welt von dem Vorwurf der moralischen Mitverantwortlichkeit für den Untergang eines christlichen Volkes zu entlasten.
Zur Rechtfertigung unserer Bitte dürfen wir uns auf die Antwort berufen, die Euer Exzellenz am 12. November v. J. auf die Eingaben von evangelischer und katholischer Seite erteilt haben, und auf die Zusicherung von amtlicher Stelle bei Gelegenheit der Veröffentlichung dieser Antwort, daß sich die deutschen Christen darauf verlassen dürfen, daß ihre humanitären Bestrebungen zur Linderung bestehender Not seitens der deutschen Regierung nachdrückliche Unterstützung finden werden.
Das Kuratorium der Deutschen Orientmission.
Dr. Johannes Lepsius.Prof. Adolf Deißmann.Dr. Paul Rohrbach.Roedenbeck, Superintendent.
Dr. Johannes Lepsius.Prof. Adolf Deißmann.Dr. Paul Rohrbach.Roedenbeck, Superintendent.
Dr. Johannes Lepsius.Prof. Adolf Deißmann.Dr. Paul Rohrbach.Roedenbeck, Superintendent.
Dr. Johannes Lepsius.Prof. Adolf Deißmann.Dr. Paul Rohrbach.Roedenbeck, Superintendent.
Dr. Johannes Lepsius.Prof. Adolf Deißmann.
Dr. Paul Rohrbach.Roedenbeck, Superintendent.
Das Notwendige Liebeswerk.
Prof. D. Martin Rade,Marburg.Prof. D. Dr. H. Guthe,Leipzig.
Prof. D. Martin Rade,Marburg.Prof. D. Dr. H. Guthe,Leipzig.
Prof. D. Martin Rade,Marburg.Prof. D. Dr. H. Guthe,Leipzig.
Prof. D. Martin Rade,Marburg.Prof. D. Dr. H. Guthe,Leipzig.
Prof. D. Martin Rade,Marburg.
Prof. D. Dr. H. Guthe,Leipzig.
Die Deutsch-Armenische Gesellschaft.
Pfarrer Stier, Marburg.
Seiner Exzellenz dem Herrn ReichskanzlerDr. von Bethmann Hollweg, Berlin.
252.
Auswärtiges Amt.
Berlin, den 14. März 1916.
Abschriftlich nebst Anlage
Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen Botschafter, Herrn Grafen Wolff-Metternich, Pera.
Zur gefälligen vertraulichen Kenntnisnahme ergebenst übersandt.
Die Note bezieht sich auf die mit Telegramm vom 23. Februar angekündigte Demarche.[126]
Zimmermann.
Embassy of the United States of America. Berlin, Germany.
Note Verbale.
Acting under instructions from its Government, the American Embassy has the honor to transmit herewith to the Imperial Foreign Office, for its information, a copy of a Note dated February 16, 1916, which the Secretary of State has delivered to the Imperial German Ambassador at Washington, relative to an instruction which the former had cabled to the American Chargé d’Affaires at Constantinople, instructing him to again urgently appeal to the sense of humanity and justice of the Turkish Government and to urge it to take immediate steps towards the amelioration of the conditions at present existing among the Armenians and towards the redress of the injuries already inflicted upon them.
Berlin, March 11th, 1916.
To the Imperial Foreign Office,Enclosure: Copy of a Note dated Feb. 16, 1916 from Washington.
Anlage.
Department of State, Washington, February 16, 1916.
Excellency:
Referring to your unofficial note of October 8, 1915, enclosing a copy of a memorandum handed to the Imperial Ottoman Government by the acting Imperial Ambassador at Constantinople on August 9, 1915, protesting against the expulsion of the Armenians, I have the honor to inform you thatthe United States Government has received and is still receiving information giving detailed accounts of the continued sufferings which have accompanied and resulted from the systematic expulsion of the Armenians from their homes and from the other mistreatment which they have suffered. The information has come largely from private but reliable sources and from individuals of many different nationalities and indicates that the promise, which you state in your note of October 8th the Ottoman Government had made to the acting Imperial German Ambassador at Constantinople, to the effect that it would take the measures necessary to prevent the repetition of excesses against the Armenians, has not been fulfilled. Being greatly in doubt as to whether I am longer justified in keeping from the American people the terrible facts in my possession, I have instructed the American Chargé d’Affaires at Constantinople again earnestly to appeal to the sense of justice and to the humanity of the Ottoman Government, and to urge it to take prompt action to redress the injuries, which have been inflicted upon the Armenians and to adopt measures to ameliorate the condition of the surviving Armenians in the future. My decision as to what if any statement, on the subject of the treatment of the Armenians by the Turks, should be made to the American people, will depend very largely upon the action which the Ottoman Government takes upon the new appeal made in behalf of the Armenians by the American Chargé d’Affaires.
As your note of October 8, 1915, to the Department and the note of the acting Imperial German Ambassador at Constantinople, both indicate that the German Government shares with the Government of the United States its indignation at the conduct pursued by the Ottoman Government against the Armenians and its desire to secure an amelioration of the existing conditions, I have thought it proper to communicate to you at this time the substance of the instruction which has been cabled to the American Chargé d’Affaires at Constantinople, in the hope that the German Government may see fit to exercise once more its influence with the Ottoman Government in the effort now being made to put an end to the Armenian tragedy.
Accept, Excellency, the renewed assurances of my highest consideration.
Robert Lansing.
His Excellency Count J. H. von Bernstorff, Imperial German Ambassador.
253.
KaiserlichDeutsche Botschaft.
Pera, den 21. März 1916.
Infolge der letzthin in Aleppo, Marasch, Brussa, Adrianopel, Angora, Konia und anderen Orten wieder einsetzenden Armenierverfolgungen waren von verschiedenen Seiten, u. a. vom Pater Dr. Straubinger und Pater Liebl,Gesuche um Intervention bei der türkischen Regierung an mich gerichtet worden. Ich hatte daraufhin umgehend Schritte bei Halil Bey in dieser Angelegenheit unternommen und ihn insbesondere darauf aufmerksam gemacht, daß eine etwaige Austreibung der fast allein noch übrigen christlichen Frauen und Kinder bei der überdies erregten Stimmung in Deutschland den allerschlechtesten Eindruck machen würde. Halil Bey hatte mir versprochen, sofort beim Minister des Innern darauf hinzuwirken, daß etwaige geplante Schritte gegen die genannte armenische Bevölkerung eingestellt werden würden.
Bei meinem gestrigen Besuche auf der Hohen Pforte sagte mir nun der Minister des Auswärtigen, nach Rücksprache mit Talaat, die Regierung habe kürzlich auf Berichte der türkischen Lokalbehörden hin angeordnet, einige unruhige Elemente zu entfernen. Die Lokalbehörden aber hätten in übertriebenem Eifer den Befehl mißgedeutet und Anstalten getroffen, größere Abteilungen Armenier abzuschieben. Es sei nunmehr angeordnet worden, daß in Konia, Angora, Aleppo, Aintab und Marasch überhaupt keine Armenier mehr abgeschoben werden dürften.
Ich erwiderte dem Minister, daß ich mich über diese Mitteilung freue, da in Deutschland auf Grund von dorthin gelangten Nachrichten in weiten Kreisen die Beunruhigung über das Los der Armenier wieder stark zugenommen habe.
Metternich.
Seiner Exzellenz dem Reichskanzler.
254.
(KaiserlichDeutsches Konsulat.)
Telegramm.
Abgang aus Aleppo, den 23. März 1916.Ankunft in Pera, den 25. März 1916.
An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.
Armeniern ist von einigen Polizisten erklärt worden, einzige Rettung vor Verschickung sei Übertritt zum Islam. Auf ähnlichen Druck hin haben schon Ende Februar Anzahl Armenier in Arbeiterbataillonen Glauben gewechselt. Gestern sind 30 Familien um Übertritt eingekommen.
Rößler.
255.
KaiserlichDeutsche Botschaft.
Pera, den 27. März 1916.
Der zu telegraphischem Bericht aufgeforderte Kaiserliche Konsul zu Aleppo bezeichnet die von schweizerischer Seite angebotene Hilfe für die notleidenden Armenier sowie die Informationsreise des Dr. Vischer, den er für besonders geeignet zu diesem Zwecke hält, als sehr erwünscht. Allerdings glaubt er nicht, daß die Beteiligung des Schweizerischen Vereins in einer festen Form wird erfolgen können, vielmehr würde es sich um einen Versuch handeln, unter der Hand zu helfen.
Metternich.
Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.
256.
KaiserlichDeutsche Botschaft.
Pera, den 29. März 1916.
Im Anschluß an Bericht vom 27. März.
Auf Bitten des hiesigen American Bible House hatte ich den Kaiserlichen Konsul in Damaskus aufgefordert, sich über die Aussichten einer von dieser Anstalt geplanten größeren Hilfsunternehmung für die notleidenden Armenier in Damaskus zu äußern. Der Gedanke war, in Damaskus oder eventuell in Beirut eine Zentralstelle mit Depots einzurichten; die erforderlichen Geldmittel und das Hilfspersonal sollten von amerikanischer Seite zur Verfügung gestellt werden, dagegen wurde dringend gewünscht, eine deutsche Persönlichkeit mit der Leitung zu betrauen, und man hatte hierfür bereits den Pastor Kunze ins Auge gefaßt.
Herr Loytved meldet daraufhin folgendes:
„Vor etwa 3 Wochen hatte ich die Absicht, unter Leitung des in Damaskus wohnhaften deutschen Missionars Hanauer für die in Damaskus und Umgebung befindlichen Armenier ein Waisenhaus, eine Garküche und ein Bad einzurichten. Als ich Djemal Pascha hiervon in Kenntnis setze, sagte er mir vertraulich, daß er persönlich das Los der Armenier nach Möglichkeit erleichtern möchte, aber strenge Anweisung von Konstantinopel habe, jede deutsche und amerikanische Beteiligung an einer Hilfsunternehmung für Armenier zu verhindern, da der innere Widerstand der Armenier gegen die türkische Regierung nur gebrochen werden könne, wenn ihnen beigebracht würde, daß sie keinerlei Unterstützung von irgend einer fremden Regierung zu erwarten hätten. Auf meine Bitte, dann selbst etwas zu tun, gab er in meiner Gegenwart dem Bürgermeister von Damaskus Befehl, ein Haus zumieten und darin Armenierwaisen aufzunehmen. Djemal Pascha erklärte sich bereit, Gelder für die Armenier durch mich entgegenzunehmen und durch türkische Beamte verteilen zu lassen, die auch mein Vertrauen genießen.“
Hierzu ist zu bemerken, daß die türkischen Behörden auch das armenische Patriarchat daran zu hindern suchen, den notleidenden Verbannten zu Hilfe zu kommen, so daß das Patriarchat genötigt ist, sich zu diesem Zwecke fremder Vermittelung zu bedienen. Es gewinnt somit den Anschein, als ob die Pforte jede Notstandshilfe, von welcher Seite sie auch kommen möge, ablehnt.
Metternich.
Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.