Chapter 48

April.329.KaiserlichDeutsche Botschaft.Pera, den 5. April 1917.Der Fragebogen des D. Karl Axenfeld ist den Kaiserlichen Konsularbehörden in Aleppo, Bagdad, Beirut, Damaskus und Mossul übermittelt worden. Bisher liegt nur die Beantwortung aus Aleppo vor; die Berichte der übrigen Konsulate folgen bei Eingang nach.Waldburg.Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.Antworten auf die Fragebogen.330.(1. Deutsches Konsulat Aleppo.)Aleppo, den 20. März 1917.Fragen.Antworten.1. Welche Zahl von deportierten Armeniern befindet sich ungefähr in Ihrem Wirkungskreise?1. Etwa 45000.2. Können Sie uns Mitteilung machen über ihren Zustand und ihre Bedürfnisse?2. 10000 Frauen sind in Aleppo mit Spinnen und Weben beschäftigt, doch reicht ihr Arbeitsverdienst zur Ernährung nicht aus. Die übrigen 35000 sind in äußerster Not, viele am Verhungern.3. Können Sie den Deportierten Unterstützungen zukommen lassen? In welcher Weise? Mit wessen Hilfe?3. Ja, doch sind überwiegend nur Geldunterstützungen möglich. — Durch Schwester B. Rohner vom Deutschen Hilfsbund, die in Aleppo als der Zentrale des Hilfswerkes bleibt. In Marasch mit Hilfe des Hilfsbundes, in Aintab mit Hilfe der amerikanischen Mission (an derenStelle nur in dem äußersten Notfall, daß die Missionare abzureisen hätten, Eingeborene treten müßten), in Urfa mit Hilfe der Deutschen Orientmission. Nach anderen Gegenden, wie Sabkha und Rakka, muß auf Gelegenheiten zur Entsendung von Hilfsgeldern gewartet werden.4. In welchem Umfange wären Mittel erforderlich?4. Ein Kilo Weizen kostet mehr als 2 Mark. Wollte man nicht allen 45000, sondern nur 35000 täglich 250 Gramm Weizen ohne andere Nahrung geben, so wären täglich 17500 Mark erforderlich. Ein Kilo Brot kostet gar 3,40 Mk.5. Haben Sie zu diesem Hilfswerk Hilfskräfte nötig?5. In Aleppo ist das Werk, so gut es geht, mit armenischen Hilfskräften Mitte März von Schwester Rohner neu organisiert. — Anderen deutschen Kräften als ihr würde die Arbeit von den türkischen Behörden bald unmöglich gemacht werden. — Unter Umständen kommt, wenn Schwester Rohner es wünschen sollte, die Zuteilung einer zweiten Hilfsbundschwester in Frage.Schwester Rohner ist am 19. März auf einen Monat zur Erholung nach Marasch gereist. Vorher hat sie noch hier in Aleppo mit amerikanischem Geld für einen Monat für die Bedürftigen in der Stadt vorgesorgt.Schätzung.Marasch4500Aintab und Umgegend8000Urfa jetzt2500Biredjik und Djerablus2000Aleppo jetzt20000Rakka6400Zwischen Aleppo und Sabkha320046600331.(2. Deutsches Konsulat Beirut.)Beirut, den 24. März 1917.Fragen.Antworten.1. Welche Zahl von deportierten Armeniern befindet sich ungefähr in Ihrem Wirkungskreise?1. a) Zum Islam übergetretene Armenier: in Beirut ca. 40 Familien; in Saida und Sur ca. 200 Familien. Für diese Familien sorgen die türkischen Regierungsstellen durch Brotverteilung, Arbeitsnachweis etc.b) Nicht zum Islam übergetretene gregorianische Armenier, die sich meistenteils heimlich, d. h. ohne bei der Polizei gemeldet zu sein, hier aufhalten:In Beirut 17 Familien, davon ein Drittel wohlhabend, ein Drittel hat Arbeit, ein Drittel in Not. Im Libanon, in Zahle und Dur-e-Schuer ca. 50 Familien, davon reichlich ein Drittel in Not.2. Können Sie uns Mitteilungen über ihren Zustand und ihre Bedürfnisse machen?2. In wirklicher Not sollen sich von obigen unter 1b verzeichneten Armeniern ca. 25 Familien mit etwa 100 Angehörigen befinden. Die Männer können sich aus Besorgnis, zum Militärdienst gezwungen zu werden, und weil sie polizeilich nicht angemeldet sind, nicht frei bewegen, demzufolge auch nicht frei arbeiten.3. Können Sie den Deportierten Unterstützungen zukommen lassen? In welcher Weise? Mit wessen Hilfe?3. Ja, mit Hilfe hiesiger wohlhabender Armenier, wie z. B. des Sackis Cassabian, Inhabers der angesehenen Firma Jusuffian u. Cassabian in Mersina, der für die Kriegsdauer hierher übersiedelte.4. In welchem Umfang wären Mittel erforderlich?4. Bei den heutigen Preisen wären pro Person 5 Ltq. monatlich, also 100 Personen 500 Ltq., zum Unterhalt erforderlich.5. Haben Sie zu diesem Hilfswerk Hilfskräfte nötig?5. Nein.332.(3. Deutsches Konsulat Damaskus.)Damaskus, den 23. März 1917.Fragen.Antworten.1. Welche Zahl von deportierten Armeniern befindet sich ungefähr in Ihrem Wirkungskreise?1. Im Mai v. J. wurde die Zahl der zwischen Aleppo und dem Hedschas befindlichen Armenier von dem Vorsitzenden der Auswandererkommission, Wali a. D. Hussein Kasim Bey, der als aufrichtig und Armenierfreund gilt, auf 60000 Seelen geschätzt. Von diesen dürfte etwa die Hälfte inzwischen gestorben sein.Im April v. J. gab der auf Empfehlung des Kaiserlichen Konsulats Aleppo mit dem hiesigen armenischen Liebeswerk betraute armenische Hilfsprediger V. B. Tachmisian die Zahl der im Wilajet Damaskus befindlichen Armenier mit 2000 Familien zu je 5 Köpfen (10000 Seelen) an. Der Genannte schätzt jetzt die Zahl der in der Provinz Damaskus (Hama, Homs, Damaskus, Hauran und Kerak) befindlichen Armenier auf 30000 Seelen. Es ist bei der Zerstreutheit der Armenier und bei ihrer Zurückgezogenheit nicht leicht, ihre Zahl genau anzugeben.2. Können Sie uns Mitteilungen über ihren Zustand und ihre Bedürfnisse machen?2. Sie befinden sich größtenteils in einem beklagenswerten Zustand. Immerhin hat sich dieser in den letzten Monaten etwas gebessert, indem ihnen in den Städten die Möglichkeit zum Erwerb gegeben wurde. Als fleißige und geschickte Handwerker verstehen sie sich durchzusetzen.Viele von den Armeniern sind, wenn auch zwangsweise, Muselmanen geworden und können infolgedessen ungestörter ihren Lebensunterhalt erwerben. Bei der zunehmenden Teuerung, über die ich in der Anlage eine Zusammenstellung der wichtigsten Lebensmittelpreise beifüge und bei der Entwertung des Papiergeldes, das heute nur 25% des Nennwertes beträgt und voraussichtlich weiter sinken wird, befinden sich die meisten Armenier in einer schweren Notlage. Es würde sich darum handeln, ihnen Brot und sonstige Nahrungsmittel, ferner Kleider und gesunde Unterkunft zukommen zu lassen.3. Können Sie den Deportierten Unterstützungen zukommen lassen? In welcher Weise? Mit wessen Hilfe?3. Bisher hat dieses Kaiserliche Konsulat hauptsächlich durch den armenischen Hilfsprediger V. B. Tachmisian, ferner durch den hiesigen deutschen Missionar Hanauer und in gewissen Fällen das Kaiserliche Konsulat direkt Geld an die Armenier verteilt. Im allgemeinen empfiehlt es sich, das Geld durch einen vertrauenswürdigen Europäer verteilen zu lassen, der ein Herz für das armenische Liebeswerk hat und außerdem in geschickter unauffälliger Weise zu arbeiten versteht. Die türkischen Behörden sehen es im allgemeinen nicht gern, wenn sich Europäer der Armenier annehmen. Sie fürchten, daß diese hierdurch in ihrer Opposition gegen die türkische Regierung gestärkt werden. Ein gewandter Europäer oder Europäerin, die die orientalischen Verhältnisse kennen, würden trotzdem eine Organisation schaffen können, diein unauffälliger Weise den Armeniern helfen könnte. Der hiesige Prediger Hanauer kennt Land und Leute. Für die Konsularbehörde ist es nicht möglich, eine solche Organisation zu schaffen und offen zu überwachen, da sie in den Verdacht kommen würde, gegen die türkische Regierung zu arbeiten. Sie kann höchstens mit Rat zur Seite stehen und von Zeit zu Zeit unter der Hand der einen oder anderen Person und den Armen auf der Straße Unterstützungen zukommen lassen.4. In welchem Umfange wären Mittel erforderlich?4. Von den hiesigen Armeniern sollen etwa 10% sich selbst erhalten können. Die anderen sollen unterstützungsbedürftig sein. Für die Person kann man täglich etwa 1 Mk. gleich ca. 5 Piaster wenigstens für den Unterhalt rechnen, vorausgesetzt, daß dieser Betrag in Hartgeld gezahlt wird. Bei Papiergeld müßte der 4 fache Betrag gerechnet werden.Nimmt man die Zahl der im Wilajet Damaskus unterstützungsbedürftigen Armenier mit durchschnittlich 15000 Seelen an, so würden täglich 15000 Mk. und im Monat 450000 Mk. zu zahlen sein, wenn man allen helfen wollte.5. Haben Sie zu diesem Hilfswerk Hilfskräfte nötig?5. Wie bereits unterNr. 3hervorgehoben, würden besonders europäische Hilfskräfte für das gedachte Unterstützungswerk am geeignetsten sein, die sich ihrerseits armenischer Vertrauenspersonen als Unterorgane bedienen könnten.Damaskus, den 23. März 1917.Lebensmittelpreise in Goldgeld. (Hartgeld, nicht Papier.)a) Nahrungsmittel.Vor demKriegePiaster G.JetzigerPreisPiaster G.Erhöhungum ProzentWeizenper100kg90300333Bulgur (zerstoßener Weizen)„100„100500500Reis„100„2201000455Kartoffeln„100„50250500Gemüse„100„2001000500Butter„100„10003200320Käse„100„7001700245Öl„100„8001600200Hammelfleisch„100„5501300235Zucker„100„20027001350Kaffee„100„7504500600Früchte, frische und getrocknete500Wein II. Qualität„100„125500400Alkohol„100„45075001665Eier per 100 Stück2560240b) Kleidung.Stoffe500Ledersohlen300Baumwolle, Garn400Vorstehende Preise sind in Hartgeld berechnet. Bei Bezahlung in Papiergeld erhöhen sie sich auf das Vierfache.333.(4. Deutsches Konsulat Mossul.)Mossul, den 19. Juli 1917.Fragen.Antworten.1. Welche Zahl von deportierten Armeniern befindet sich ungefähr in Ihrem Wirkungskreise?1. In den Städten Mossul und Kerkuk, sowie in den Dörfern des Wilajets Mossul befinden sich etwa 7000–8000 anderwärts ausgesiedelte Armenier, größtenteils Frauen und Kinder. Eine größere Anzahl von Frauen und Mädchen soll außerdembei den Beduinen der Dschesireh und den Yesiden des Sindschargebirges in halber Sklaverei leben.2. Können Sie uns Mitteilung über ihren Zustand und ihre Bedürfnisse machen?2. Ein Teil der Deportierten hat Arbeit und Verdienst gefunden. Im vorigen Jahre wurde eine größere Anzahl auf die umliegenden Dörfer verteilt, wo sie in der Landwirtschaft beschäftigt wurden. Aus mehreren muhammedanischen Dörfern mußten die Verschickten jedoch infolge des Fanatismus der Bevölkerung flüchten und wieder in die Städte zurückkehren. Hier hat die Regierung teilweise Anstrengungen gemacht, den Leuten Arbeit zu verschaffen, eine hinreichende Linderung der Not konnte dadurch nicht erreicht werden, es fehlt vielfach an Unterkunft, Verpflegung, Kleidung und ärztlicher Behandlung.3. Können Sie den Deportierten Unterstützungen zukommen lassen? In welcher Weise? Mit wessen Hilfe?3. Wenn die zur Unterstützung der Verschickten bestimmten Beträge den türkischen, zuständigen Stellen überwiesen werden, bleibt der größte Teil an den Fingern unredlicher Beamten kleben, zumal der Wali Heidar Bey, der in solchen Angelegenheiten zuverlässig war und den Armeniern nicht übelwollend gegenüberstand, mittlerweile abberufen worden ist.4. In welchem Umfange wären Mittel erforderlich?4. Eine Unterstützung mit kleineren Beträgen würde nur Verlängerung der Qualen der Deportierten bedeuten; größere Beträge ihrem Zwecke wirksam zuzuführen, erscheint fast unmöglich. Es muß offen und klar ausgesprochen werden, daß alle derartigen Hilfsaktionen solange Schöpfen in ein Faß ohne Boden bedeuten, als die türkische Regierung sich nicht selbst entschließt,mit dem bisherigen System zu brechen und die Reste der Armenier zu erhalten.Wenn aber trotzdem laufende Unterstützungen gezahlt und diese pro Kopf auf nur 1 Pfund türkisch monatlich bemessen werden sollen, würde ein monatlicher Aufwand von etwa 5000 Pfund türkisch erforderlich sein.5. Haben Sie zu diesem Hilfswerk Hilfskräfte nötig?5. Da das Kaiserliche Konsulat nicht in der Lage ist, das Unterstützungswerk unmittelbar auszuüben, würden dafür besondere Hilfskräfte einzustellen sein.334.(Notstandswerk Urfa.)Urfa, den 8. April 1917.Wie Ihnen kund sein dürfte, hat sich in Urfa eine ziemliche Menge von armenischen Emigranten angesammelt, welche die Regierung hierher gebracht hat. Leider fordert die Regierung, unter deren Mitgliedern der Gouverneur am meisten, diese Unglücklichen öfter auf, die muhammedanische Religion anzunehmen. Selbst an Drohungen mit neuen Ausweisungen fehlt es nicht. Obwohl ich glaube, daß dagegen nichts zu machen ist, fühlte ich mich doch gedrungen, Ihnen hiervon Nachricht zu geben.Jakob Künzler.KaiserlichDeutsches Konsulat.Seiner Exzellenz dem Reichskanzler Herrn Dr. von Bethmann Hollweg zur geneigten Kenntnis gehorsamst überreicht.Aleppo, den 20. April 1917.Rößler.335.(Notstandswerk Urfa.)Urfa, den 25. April 1917.Bericht über muhammedanische Emigrantenhilfe[144]in Urfa.Die mir vom amerikanischen Konsulat in Aleppo zur Verteilung an die muslimischen Emigranten in dieser Gegend überlassenen ca. 100000 KiloWeizen und Gerste habe ich im Gebiet von Haran und von Besowa unter 17600 Hungrige verteilt, so daß pro Kopf ein halbes Dimin gegeben werden konnte. Ein halbes Dimin entspricht etwa 21 kg.Mit den 300 Ltq., mir vom Kaiserlich Deutschen Konsulat in Aleppo für diesen Hilfszweck überlassen, habe ich die Notleidenden im Dorfe Garmusch, nahe Urfa, 1200 Hungrige unterstützen können.Ich habe bei der Verteilung immer die Quellen der Gaben angegeben und ich verhehle nicht, daß das ganze Hilfswerk allgemein großen Eindruck gemacht hat. Ganz besonders soll ich im Namen der Beschenkten den tiefstgefühlten Dank aussprechen, welcher Aufgabe ich mich hiermit gern entledige.Jakob Künzler.An das Kaiserlich Deutsche Konsulat in Aleppo.336.Orient-und Islamkommission des DeutschenEvangelischen Missionsausschusses.Berlin, den 27. April 1917.Georgenkirchstraße 70.Euere Exzellenzwollen es mir nicht verübeln, wenn ich noch einmal eine dringliche Bitte zugunsten des armen armenischen Volkes ehrerbietigst vorzutragen mir erlaube.An den Wechsel des Großwesirats hatte sich, wie Nachrichten vom Orient erkennen ließen, die Hoffnung auf Milderung der gegen die Armenier getroffenen Maßnahmen geknüpft. Neuere Eingänge, die durch die dem Auswärtigen Amt vorliegenden Berichte nur bestätigt werden, lassen leider erkennen, daß das Elend noch immer wächst, ja neuerdings wieder Verschärfungen eingetreten sind.Sollte es nicht Euerer Exzellenz möglich sein, die Anwesenheit des Herrn Großwesirs zu benutzen, um ihm persönlich darzulegen, wie schlechthin unerträglich es für uns deutsche Christen ist, mit verschränkten Armen mit ansehen zu sollen, daß ein altes christliches Volk unter den Händen unserer Bundesgenossen dahinstirbt, und ihn zu bitten, daß er endlich eine Lösung der Armenierfrage suche, die den politischen Bedürfnissen und den wahren Interessen des osmanischen Reiches entspricht, ohne seine neue Entwicklung mit so furchtbarer Blutschuld und dem Fluch der gesamten gesitteten Welt zu beladen?Die Frage ist besonders dringlich geworden durch den Abbruch der politischen Beziehungen zwischen der Türkei und Amerika, weil dadurch dieFortführung der amerikanischen Liebestätigkeit in Frage gestellt ist. So sollte wenigstens uns Deutschen, deren loyale Gesinnung gegen die Türkei ja jenseits jeden Zweifels steht, der Weg zur Hilfeleistung vertrauensvoll freigegeben werden.D. Karl Axenfeld,Vorsitzender der Orient- und Islamkommissiondes Deutschen Evangelischen Missionsausschusses.Seiner Exzellenz dem Herrn Reichskanzler, Berlin.337.(Auswärtiges Amt.)Berlin, den 6. Mai 1917.Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich auf das an den Herrn Reichskanzler gerichtete gefällige Schreiben vom 27. v. M. zu erwidern, daß die Armenierfrage selbstverständlich bei Talaat Pascha während seiner Anwesenheit in Deutschland zur Sprache gebracht und unser Standpunkt dabei nachdrücklich dargelegt worden ist.Wegen Euer Hochwohlgeboren Anregung, im Hinblick auf die Einstellung der amerikanischen Liebestätigkeit der deutschen Hilfeleistung, wenn möglich, einen weiteren Spielraum zu verschaffen, habe ich mich mit dem Kaiserlichen Botschafter in Konstantinopel in Verbindung gesetzt.Zimmermann.An den Vorsitzenden der Orient- und Islamkommission des Deutschen Evangelischen Missionsausschusses, Herrn Missionsdirektor D. Karl Axenfeld, Hochwohlgeboren, Berlin.338.(Notstandswerk Urfa.)Urfa, den 28. April 1917.Gestern bin ich wohlbehalten von Rakka zurückgekehrt. Dort angekommen, erfuhr ich, daß die dortigen Emigranten kurz vor Ostern (armenische) 250 Ltq. Gold von Aleppo erhalten haben. Aber was bedeutet dies für die Übriggebliebenen! Jedes Glied erhielt 5 Piaster. Ich konnte auch nicht mehr geben. Also eine Verlängerung der Leiden bis zum Eintritt des sicheren Hungertodes um einige Tage! Wenn deren Gebundenheit an den Ort noch länger als zwei Monate anhält, so wird wenig mehr von ihnen übrig bleiben. Der Hunger wird sie alle hinraffen. Ich überlege mir, ob es nicht richtig wäre, in Zukunft, wenn wieder Mittel für die Unglücklichen anlangen, man nicht am besten täte, damit eine kleinere Anzahl zu beschenken, damit diese wenigen womöglich durchgebracht werden.Ohne eine Summe von 3–5000 Ltq. wieder dorthin zu gehen, ist bei diesen niedrigen Notenkursen eigentlich fruchtlos, denn was sind 5 Goldpiaster (92,5 Pf.)! Allerdings ist vorauszusehen, daß bis in zwei Monaten viele am Hunger gestorben sein werden und daß dann vielleicht auch mit einer kleineren als der oben genannten Summe noch etwas zu erreichen wäre.Auf der Rückreise besuchte ich auch noch die 400 Emigranten im Dorfe Ain Isse. Hier der gleiche, womöglich noch trostlosere Zustand wie in Rakka. Bis jetzt konnten sich die Armen noch von Gras ernähren, aber jetzt ist auch diese Möglichkeit durch das Vertrocknen desselben ausgeschlossen. Wenn nur die Regierung anfangen wollte, die wenigen noch Übriggebliebenen, vor denen sie wahrlich keine Angst mehr zu haben brauchte, frei zu lassen. In größeren Städten würde sich manche Witwe mitsamt ihren Kindern durchzuschlagen wissen mit ihrer Hände Werk.Jakob Künzler.An den Kaiserlichen Konsul, Herrn Rößler,Hochwohlgeboren, Aleppo.

April.

329.

KaiserlichDeutsche Botschaft.

Pera, den 5. April 1917.

Der Fragebogen des D. Karl Axenfeld ist den Kaiserlichen Konsularbehörden in Aleppo, Bagdad, Beirut, Damaskus und Mossul übermittelt worden. Bisher liegt nur die Beantwortung aus Aleppo vor; die Berichte der übrigen Konsulate folgen bei Eingang nach.

Waldburg.

Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.

Antworten auf die Fragebogen.330.(1. Deutsches Konsulat Aleppo.)

Aleppo, den 20. März 1917.

Fragen.Antworten.1. Welche Zahl von deportierten Armeniern befindet sich ungefähr in Ihrem Wirkungskreise?1. Etwa 45000.2. Können Sie uns Mitteilung machen über ihren Zustand und ihre Bedürfnisse?2. 10000 Frauen sind in Aleppo mit Spinnen und Weben beschäftigt, doch reicht ihr Arbeitsverdienst zur Ernährung nicht aus. Die übrigen 35000 sind in äußerster Not, viele am Verhungern.3. Können Sie den Deportierten Unterstützungen zukommen lassen? In welcher Weise? Mit wessen Hilfe?3. Ja, doch sind überwiegend nur Geldunterstützungen möglich. — Durch Schwester B. Rohner vom Deutschen Hilfsbund, die in Aleppo als der Zentrale des Hilfswerkes bleibt. In Marasch mit Hilfe des Hilfsbundes, in Aintab mit Hilfe der amerikanischen Mission (an derenStelle nur in dem äußersten Notfall, daß die Missionare abzureisen hätten, Eingeborene treten müßten), in Urfa mit Hilfe der Deutschen Orientmission. Nach anderen Gegenden, wie Sabkha und Rakka, muß auf Gelegenheiten zur Entsendung von Hilfsgeldern gewartet werden.4. In welchem Umfange wären Mittel erforderlich?4. Ein Kilo Weizen kostet mehr als 2 Mark. Wollte man nicht allen 45000, sondern nur 35000 täglich 250 Gramm Weizen ohne andere Nahrung geben, so wären täglich 17500 Mark erforderlich. Ein Kilo Brot kostet gar 3,40 Mk.5. Haben Sie zu diesem Hilfswerk Hilfskräfte nötig?5. In Aleppo ist das Werk, so gut es geht, mit armenischen Hilfskräften Mitte März von Schwester Rohner neu organisiert. — Anderen deutschen Kräften als ihr würde die Arbeit von den türkischen Behörden bald unmöglich gemacht werden. — Unter Umständen kommt, wenn Schwester Rohner es wünschen sollte, die Zuteilung einer zweiten Hilfsbundschwester in Frage.Schwester Rohner ist am 19. März auf einen Monat zur Erholung nach Marasch gereist. Vorher hat sie noch hier in Aleppo mit amerikanischem Geld für einen Monat für die Bedürftigen in der Stadt vorgesorgt.Schätzung.Marasch4500Aintab und Umgegend8000Urfa jetzt2500Biredjik und Djerablus2000Aleppo jetzt20000Rakka6400Zwischen Aleppo und Sabkha320046600

Fragen.Antworten.

Fragen.

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1. Welche Zahl von deportierten Armeniern befindet sich ungefähr in Ihrem Wirkungskreise?1. Etwa 45000.

1. Welche Zahl von deportierten Armeniern befindet sich ungefähr in Ihrem Wirkungskreise?

1. Etwa 45000.

2. Können Sie uns Mitteilung machen über ihren Zustand und ihre Bedürfnisse?2. 10000 Frauen sind in Aleppo mit Spinnen und Weben beschäftigt, doch reicht ihr Arbeitsverdienst zur Ernährung nicht aus. Die übrigen 35000 sind in äußerster Not, viele am Verhungern.

2. Können Sie uns Mitteilung machen über ihren Zustand und ihre Bedürfnisse?

2. 10000 Frauen sind in Aleppo mit Spinnen und Weben beschäftigt, doch reicht ihr Arbeitsverdienst zur Ernährung nicht aus. Die übrigen 35000 sind in äußerster Not, viele am Verhungern.

3. Können Sie den Deportierten Unterstützungen zukommen lassen? In welcher Weise? Mit wessen Hilfe?3. Ja, doch sind überwiegend nur Geldunterstützungen möglich. — Durch Schwester B. Rohner vom Deutschen Hilfsbund, die in Aleppo als der Zentrale des Hilfswerkes bleibt. In Marasch mit Hilfe des Hilfsbundes, in Aintab mit Hilfe der amerikanischen Mission (an derenStelle nur in dem äußersten Notfall, daß die Missionare abzureisen hätten, Eingeborene treten müßten), in Urfa mit Hilfe der Deutschen Orientmission. Nach anderen Gegenden, wie Sabkha und Rakka, muß auf Gelegenheiten zur Entsendung von Hilfsgeldern gewartet werden.

3. Können Sie den Deportierten Unterstützungen zukommen lassen? In welcher Weise? Mit wessen Hilfe?

3. Ja, doch sind überwiegend nur Geldunterstützungen möglich. — Durch Schwester B. Rohner vom Deutschen Hilfsbund, die in Aleppo als der Zentrale des Hilfswerkes bleibt. In Marasch mit Hilfe des Hilfsbundes, in Aintab mit Hilfe der amerikanischen Mission (an derenStelle nur in dem äußersten Notfall, daß die Missionare abzureisen hätten, Eingeborene treten müßten), in Urfa mit Hilfe der Deutschen Orientmission. Nach anderen Gegenden, wie Sabkha und Rakka, muß auf Gelegenheiten zur Entsendung von Hilfsgeldern gewartet werden.

4. In welchem Umfange wären Mittel erforderlich?4. Ein Kilo Weizen kostet mehr als 2 Mark. Wollte man nicht allen 45000, sondern nur 35000 täglich 250 Gramm Weizen ohne andere Nahrung geben, so wären täglich 17500 Mark erforderlich. Ein Kilo Brot kostet gar 3,40 Mk.

4. In welchem Umfange wären Mittel erforderlich?

4. Ein Kilo Weizen kostet mehr als 2 Mark. Wollte man nicht allen 45000, sondern nur 35000 täglich 250 Gramm Weizen ohne andere Nahrung geben, so wären täglich 17500 Mark erforderlich. Ein Kilo Brot kostet gar 3,40 Mk.

5. Haben Sie zu diesem Hilfswerk Hilfskräfte nötig?5. In Aleppo ist das Werk, so gut es geht, mit armenischen Hilfskräften Mitte März von Schwester Rohner neu organisiert. — Anderen deutschen Kräften als ihr würde die Arbeit von den türkischen Behörden bald unmöglich gemacht werden. — Unter Umständen kommt, wenn Schwester Rohner es wünschen sollte, die Zuteilung einer zweiten Hilfsbundschwester in Frage.Schwester Rohner ist am 19. März auf einen Monat zur Erholung nach Marasch gereist. Vorher hat sie noch hier in Aleppo mit amerikanischem Geld für einen Monat für die Bedürftigen in der Stadt vorgesorgt.Schätzung.Marasch4500Aintab und Umgegend8000Urfa jetzt2500Biredjik und Djerablus2000Aleppo jetzt20000Rakka6400Zwischen Aleppo und Sabkha320046600

5. Haben Sie zu diesem Hilfswerk Hilfskräfte nötig?

5. In Aleppo ist das Werk, so gut es geht, mit armenischen Hilfskräften Mitte März von Schwester Rohner neu organisiert. — Anderen deutschen Kräften als ihr würde die Arbeit von den türkischen Behörden bald unmöglich gemacht werden. — Unter Umständen kommt, wenn Schwester Rohner es wünschen sollte, die Zuteilung einer zweiten Hilfsbundschwester in Frage.Schwester Rohner ist am 19. März auf einen Monat zur Erholung nach Marasch gereist. Vorher hat sie noch hier in Aleppo mit amerikanischem Geld für einen Monat für die Bedürftigen in der Stadt vorgesorgt.Schätzung.Marasch4500Aintab und Umgegend8000Urfa jetzt2500Biredjik und Djerablus2000Aleppo jetzt20000Rakka6400Zwischen Aleppo und Sabkha320046600

Schwester Rohner ist am 19. März auf einen Monat zur Erholung nach Marasch gereist. Vorher hat sie noch hier in Aleppo mit amerikanischem Geld für einen Monat für die Bedürftigen in der Stadt vorgesorgt.

331.(2. Deutsches Konsulat Beirut.)

Beirut, den 24. März 1917.

Fragen.Antworten.1. Welche Zahl von deportierten Armeniern befindet sich ungefähr in Ihrem Wirkungskreise?1. a) Zum Islam übergetretene Armenier: in Beirut ca. 40 Familien; in Saida und Sur ca. 200 Familien. Für diese Familien sorgen die türkischen Regierungsstellen durch Brotverteilung, Arbeitsnachweis etc.b) Nicht zum Islam übergetretene gregorianische Armenier, die sich meistenteils heimlich, d. h. ohne bei der Polizei gemeldet zu sein, hier aufhalten:In Beirut 17 Familien, davon ein Drittel wohlhabend, ein Drittel hat Arbeit, ein Drittel in Not. Im Libanon, in Zahle und Dur-e-Schuer ca. 50 Familien, davon reichlich ein Drittel in Not.2. Können Sie uns Mitteilungen über ihren Zustand und ihre Bedürfnisse machen?2. In wirklicher Not sollen sich von obigen unter 1b verzeichneten Armeniern ca. 25 Familien mit etwa 100 Angehörigen befinden. Die Männer können sich aus Besorgnis, zum Militärdienst gezwungen zu werden, und weil sie polizeilich nicht angemeldet sind, nicht frei bewegen, demzufolge auch nicht frei arbeiten.3. Können Sie den Deportierten Unterstützungen zukommen lassen? In welcher Weise? Mit wessen Hilfe?3. Ja, mit Hilfe hiesiger wohlhabender Armenier, wie z. B. des Sackis Cassabian, Inhabers der angesehenen Firma Jusuffian u. Cassabian in Mersina, der für die Kriegsdauer hierher übersiedelte.4. In welchem Umfang wären Mittel erforderlich?4. Bei den heutigen Preisen wären pro Person 5 Ltq. monatlich, also 100 Personen 500 Ltq., zum Unterhalt erforderlich.5. Haben Sie zu diesem Hilfswerk Hilfskräfte nötig?5. Nein.

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1. Welche Zahl von deportierten Armeniern befindet sich ungefähr in Ihrem Wirkungskreise?1. a) Zum Islam übergetretene Armenier: in Beirut ca. 40 Familien; in Saida und Sur ca. 200 Familien. Für diese Familien sorgen die türkischen Regierungsstellen durch Brotverteilung, Arbeitsnachweis etc.b) Nicht zum Islam übergetretene gregorianische Armenier, die sich meistenteils heimlich, d. h. ohne bei der Polizei gemeldet zu sein, hier aufhalten:In Beirut 17 Familien, davon ein Drittel wohlhabend, ein Drittel hat Arbeit, ein Drittel in Not. Im Libanon, in Zahle und Dur-e-Schuer ca. 50 Familien, davon reichlich ein Drittel in Not.

1. Welche Zahl von deportierten Armeniern befindet sich ungefähr in Ihrem Wirkungskreise?

1. a) Zum Islam übergetretene Armenier: in Beirut ca. 40 Familien; in Saida und Sur ca. 200 Familien. Für diese Familien sorgen die türkischen Regierungsstellen durch Brotverteilung, Arbeitsnachweis etc.b) Nicht zum Islam übergetretene gregorianische Armenier, die sich meistenteils heimlich, d. h. ohne bei der Polizei gemeldet zu sein, hier aufhalten:In Beirut 17 Familien, davon ein Drittel wohlhabend, ein Drittel hat Arbeit, ein Drittel in Not. Im Libanon, in Zahle und Dur-e-Schuer ca. 50 Familien, davon reichlich ein Drittel in Not.

b) Nicht zum Islam übergetretene gregorianische Armenier, die sich meistenteils heimlich, d. h. ohne bei der Polizei gemeldet zu sein, hier aufhalten:

In Beirut 17 Familien, davon ein Drittel wohlhabend, ein Drittel hat Arbeit, ein Drittel in Not. Im Libanon, in Zahle und Dur-e-Schuer ca. 50 Familien, davon reichlich ein Drittel in Not.

2. Können Sie uns Mitteilungen über ihren Zustand und ihre Bedürfnisse machen?2. In wirklicher Not sollen sich von obigen unter 1b verzeichneten Armeniern ca. 25 Familien mit etwa 100 Angehörigen befinden. Die Männer können sich aus Besorgnis, zum Militärdienst gezwungen zu werden, und weil sie polizeilich nicht angemeldet sind, nicht frei bewegen, demzufolge auch nicht frei arbeiten.

2. Können Sie uns Mitteilungen über ihren Zustand und ihre Bedürfnisse machen?

2. In wirklicher Not sollen sich von obigen unter 1b verzeichneten Armeniern ca. 25 Familien mit etwa 100 Angehörigen befinden. Die Männer können sich aus Besorgnis, zum Militärdienst gezwungen zu werden, und weil sie polizeilich nicht angemeldet sind, nicht frei bewegen, demzufolge auch nicht frei arbeiten.

3. Können Sie den Deportierten Unterstützungen zukommen lassen? In welcher Weise? Mit wessen Hilfe?3. Ja, mit Hilfe hiesiger wohlhabender Armenier, wie z. B. des Sackis Cassabian, Inhabers der angesehenen Firma Jusuffian u. Cassabian in Mersina, der für die Kriegsdauer hierher übersiedelte.

3. Können Sie den Deportierten Unterstützungen zukommen lassen? In welcher Weise? Mit wessen Hilfe?

3. Ja, mit Hilfe hiesiger wohlhabender Armenier, wie z. B. des Sackis Cassabian, Inhabers der angesehenen Firma Jusuffian u. Cassabian in Mersina, der für die Kriegsdauer hierher übersiedelte.

4. In welchem Umfang wären Mittel erforderlich?4. Bei den heutigen Preisen wären pro Person 5 Ltq. monatlich, also 100 Personen 500 Ltq., zum Unterhalt erforderlich.

4. In welchem Umfang wären Mittel erforderlich?

4. Bei den heutigen Preisen wären pro Person 5 Ltq. monatlich, also 100 Personen 500 Ltq., zum Unterhalt erforderlich.

5. Haben Sie zu diesem Hilfswerk Hilfskräfte nötig?5. Nein.

5. Haben Sie zu diesem Hilfswerk Hilfskräfte nötig?

5. Nein.

332.(3. Deutsches Konsulat Damaskus.)

Damaskus, den 23. März 1917.

Fragen.Antworten.1. Welche Zahl von deportierten Armeniern befindet sich ungefähr in Ihrem Wirkungskreise?1. Im Mai v. J. wurde die Zahl der zwischen Aleppo und dem Hedschas befindlichen Armenier von dem Vorsitzenden der Auswandererkommission, Wali a. D. Hussein Kasim Bey, der als aufrichtig und Armenierfreund gilt, auf 60000 Seelen geschätzt. Von diesen dürfte etwa die Hälfte inzwischen gestorben sein.Im April v. J. gab der auf Empfehlung des Kaiserlichen Konsulats Aleppo mit dem hiesigen armenischen Liebeswerk betraute armenische Hilfsprediger V. B. Tachmisian die Zahl der im Wilajet Damaskus befindlichen Armenier mit 2000 Familien zu je 5 Köpfen (10000 Seelen) an. Der Genannte schätzt jetzt die Zahl der in der Provinz Damaskus (Hama, Homs, Damaskus, Hauran und Kerak) befindlichen Armenier auf 30000 Seelen. Es ist bei der Zerstreutheit der Armenier und bei ihrer Zurückgezogenheit nicht leicht, ihre Zahl genau anzugeben.2. Können Sie uns Mitteilungen über ihren Zustand und ihre Bedürfnisse machen?2. Sie befinden sich größtenteils in einem beklagenswerten Zustand. Immerhin hat sich dieser in den letzten Monaten etwas gebessert, indem ihnen in den Städten die Möglichkeit zum Erwerb gegeben wurde. Als fleißige und geschickte Handwerker verstehen sie sich durchzusetzen.Viele von den Armeniern sind, wenn auch zwangsweise, Muselmanen geworden und können infolgedessen ungestörter ihren Lebensunterhalt erwerben. Bei der zunehmenden Teuerung, über die ich in der Anlage eine Zusammenstellung der wichtigsten Lebensmittelpreise beifüge und bei der Entwertung des Papiergeldes, das heute nur 25% des Nennwertes beträgt und voraussichtlich weiter sinken wird, befinden sich die meisten Armenier in einer schweren Notlage. Es würde sich darum handeln, ihnen Brot und sonstige Nahrungsmittel, ferner Kleider und gesunde Unterkunft zukommen zu lassen.3. Können Sie den Deportierten Unterstützungen zukommen lassen? In welcher Weise? Mit wessen Hilfe?3. Bisher hat dieses Kaiserliche Konsulat hauptsächlich durch den armenischen Hilfsprediger V. B. Tachmisian, ferner durch den hiesigen deutschen Missionar Hanauer und in gewissen Fällen das Kaiserliche Konsulat direkt Geld an die Armenier verteilt. Im allgemeinen empfiehlt es sich, das Geld durch einen vertrauenswürdigen Europäer verteilen zu lassen, der ein Herz für das armenische Liebeswerk hat und außerdem in geschickter unauffälliger Weise zu arbeiten versteht. Die türkischen Behörden sehen es im allgemeinen nicht gern, wenn sich Europäer der Armenier annehmen. Sie fürchten, daß diese hierdurch in ihrer Opposition gegen die türkische Regierung gestärkt werden. Ein gewandter Europäer oder Europäerin, die die orientalischen Verhältnisse kennen, würden trotzdem eine Organisation schaffen können, diein unauffälliger Weise den Armeniern helfen könnte. Der hiesige Prediger Hanauer kennt Land und Leute. Für die Konsularbehörde ist es nicht möglich, eine solche Organisation zu schaffen und offen zu überwachen, da sie in den Verdacht kommen würde, gegen die türkische Regierung zu arbeiten. Sie kann höchstens mit Rat zur Seite stehen und von Zeit zu Zeit unter der Hand der einen oder anderen Person und den Armen auf der Straße Unterstützungen zukommen lassen.4. In welchem Umfange wären Mittel erforderlich?4. Von den hiesigen Armeniern sollen etwa 10% sich selbst erhalten können. Die anderen sollen unterstützungsbedürftig sein. Für die Person kann man täglich etwa 1 Mk. gleich ca. 5 Piaster wenigstens für den Unterhalt rechnen, vorausgesetzt, daß dieser Betrag in Hartgeld gezahlt wird. Bei Papiergeld müßte der 4 fache Betrag gerechnet werden.Nimmt man die Zahl der im Wilajet Damaskus unterstützungsbedürftigen Armenier mit durchschnittlich 15000 Seelen an, so würden täglich 15000 Mk. und im Monat 450000 Mk. zu zahlen sein, wenn man allen helfen wollte.5. Haben Sie zu diesem Hilfswerk Hilfskräfte nötig?5. Wie bereits unterNr. 3hervorgehoben, würden besonders europäische Hilfskräfte für das gedachte Unterstützungswerk am geeignetsten sein, die sich ihrerseits armenischer Vertrauenspersonen als Unterorgane bedienen könnten.

Fragen.Antworten.

Fragen.

Antworten.

1. Welche Zahl von deportierten Armeniern befindet sich ungefähr in Ihrem Wirkungskreise?1. Im Mai v. J. wurde die Zahl der zwischen Aleppo und dem Hedschas befindlichen Armenier von dem Vorsitzenden der Auswandererkommission, Wali a. D. Hussein Kasim Bey, der als aufrichtig und Armenierfreund gilt, auf 60000 Seelen geschätzt. Von diesen dürfte etwa die Hälfte inzwischen gestorben sein.Im April v. J. gab der auf Empfehlung des Kaiserlichen Konsulats Aleppo mit dem hiesigen armenischen Liebeswerk betraute armenische Hilfsprediger V. B. Tachmisian die Zahl der im Wilajet Damaskus befindlichen Armenier mit 2000 Familien zu je 5 Köpfen (10000 Seelen) an. Der Genannte schätzt jetzt die Zahl der in der Provinz Damaskus (Hama, Homs, Damaskus, Hauran und Kerak) befindlichen Armenier auf 30000 Seelen. Es ist bei der Zerstreutheit der Armenier und bei ihrer Zurückgezogenheit nicht leicht, ihre Zahl genau anzugeben.

1. Welche Zahl von deportierten Armeniern befindet sich ungefähr in Ihrem Wirkungskreise?

1. Im Mai v. J. wurde die Zahl der zwischen Aleppo und dem Hedschas befindlichen Armenier von dem Vorsitzenden der Auswandererkommission, Wali a. D. Hussein Kasim Bey, der als aufrichtig und Armenierfreund gilt, auf 60000 Seelen geschätzt. Von diesen dürfte etwa die Hälfte inzwischen gestorben sein.Im April v. J. gab der auf Empfehlung des Kaiserlichen Konsulats Aleppo mit dem hiesigen armenischen Liebeswerk betraute armenische Hilfsprediger V. B. Tachmisian die Zahl der im Wilajet Damaskus befindlichen Armenier mit 2000 Familien zu je 5 Köpfen (10000 Seelen) an. Der Genannte schätzt jetzt die Zahl der in der Provinz Damaskus (Hama, Homs, Damaskus, Hauran und Kerak) befindlichen Armenier auf 30000 Seelen. Es ist bei der Zerstreutheit der Armenier und bei ihrer Zurückgezogenheit nicht leicht, ihre Zahl genau anzugeben.

Im April v. J. gab der auf Empfehlung des Kaiserlichen Konsulats Aleppo mit dem hiesigen armenischen Liebeswerk betraute armenische Hilfsprediger V. B. Tachmisian die Zahl der im Wilajet Damaskus befindlichen Armenier mit 2000 Familien zu je 5 Köpfen (10000 Seelen) an. Der Genannte schätzt jetzt die Zahl der in der Provinz Damaskus (Hama, Homs, Damaskus, Hauran und Kerak) befindlichen Armenier auf 30000 Seelen. Es ist bei der Zerstreutheit der Armenier und bei ihrer Zurückgezogenheit nicht leicht, ihre Zahl genau anzugeben.

2. Können Sie uns Mitteilungen über ihren Zustand und ihre Bedürfnisse machen?2. Sie befinden sich größtenteils in einem beklagenswerten Zustand. Immerhin hat sich dieser in den letzten Monaten etwas gebessert, indem ihnen in den Städten die Möglichkeit zum Erwerb gegeben wurde. Als fleißige und geschickte Handwerker verstehen sie sich durchzusetzen.Viele von den Armeniern sind, wenn auch zwangsweise, Muselmanen geworden und können infolgedessen ungestörter ihren Lebensunterhalt erwerben. Bei der zunehmenden Teuerung, über die ich in der Anlage eine Zusammenstellung der wichtigsten Lebensmittelpreise beifüge und bei der Entwertung des Papiergeldes, das heute nur 25% des Nennwertes beträgt und voraussichtlich weiter sinken wird, befinden sich die meisten Armenier in einer schweren Notlage. Es würde sich darum handeln, ihnen Brot und sonstige Nahrungsmittel, ferner Kleider und gesunde Unterkunft zukommen zu lassen.

2. Können Sie uns Mitteilungen über ihren Zustand und ihre Bedürfnisse machen?

2. Sie befinden sich größtenteils in einem beklagenswerten Zustand. Immerhin hat sich dieser in den letzten Monaten etwas gebessert, indem ihnen in den Städten die Möglichkeit zum Erwerb gegeben wurde. Als fleißige und geschickte Handwerker verstehen sie sich durchzusetzen.Viele von den Armeniern sind, wenn auch zwangsweise, Muselmanen geworden und können infolgedessen ungestörter ihren Lebensunterhalt erwerben. Bei der zunehmenden Teuerung, über die ich in der Anlage eine Zusammenstellung der wichtigsten Lebensmittelpreise beifüge und bei der Entwertung des Papiergeldes, das heute nur 25% des Nennwertes beträgt und voraussichtlich weiter sinken wird, befinden sich die meisten Armenier in einer schweren Notlage. Es würde sich darum handeln, ihnen Brot und sonstige Nahrungsmittel, ferner Kleider und gesunde Unterkunft zukommen zu lassen.

3. Können Sie den Deportierten Unterstützungen zukommen lassen? In welcher Weise? Mit wessen Hilfe?3. Bisher hat dieses Kaiserliche Konsulat hauptsächlich durch den armenischen Hilfsprediger V. B. Tachmisian, ferner durch den hiesigen deutschen Missionar Hanauer und in gewissen Fällen das Kaiserliche Konsulat direkt Geld an die Armenier verteilt. Im allgemeinen empfiehlt es sich, das Geld durch einen vertrauenswürdigen Europäer verteilen zu lassen, der ein Herz für das armenische Liebeswerk hat und außerdem in geschickter unauffälliger Weise zu arbeiten versteht. Die türkischen Behörden sehen es im allgemeinen nicht gern, wenn sich Europäer der Armenier annehmen. Sie fürchten, daß diese hierdurch in ihrer Opposition gegen die türkische Regierung gestärkt werden. Ein gewandter Europäer oder Europäerin, die die orientalischen Verhältnisse kennen, würden trotzdem eine Organisation schaffen können, diein unauffälliger Weise den Armeniern helfen könnte. Der hiesige Prediger Hanauer kennt Land und Leute. Für die Konsularbehörde ist es nicht möglich, eine solche Organisation zu schaffen und offen zu überwachen, da sie in den Verdacht kommen würde, gegen die türkische Regierung zu arbeiten. Sie kann höchstens mit Rat zur Seite stehen und von Zeit zu Zeit unter der Hand der einen oder anderen Person und den Armen auf der Straße Unterstützungen zukommen lassen.

3. Können Sie den Deportierten Unterstützungen zukommen lassen? In welcher Weise? Mit wessen Hilfe?

3. Bisher hat dieses Kaiserliche Konsulat hauptsächlich durch den armenischen Hilfsprediger V. B. Tachmisian, ferner durch den hiesigen deutschen Missionar Hanauer und in gewissen Fällen das Kaiserliche Konsulat direkt Geld an die Armenier verteilt. Im allgemeinen empfiehlt es sich, das Geld durch einen vertrauenswürdigen Europäer verteilen zu lassen, der ein Herz für das armenische Liebeswerk hat und außerdem in geschickter unauffälliger Weise zu arbeiten versteht. Die türkischen Behörden sehen es im allgemeinen nicht gern, wenn sich Europäer der Armenier annehmen. Sie fürchten, daß diese hierdurch in ihrer Opposition gegen die türkische Regierung gestärkt werden. Ein gewandter Europäer oder Europäerin, die die orientalischen Verhältnisse kennen, würden trotzdem eine Organisation schaffen können, diein unauffälliger Weise den Armeniern helfen könnte. Der hiesige Prediger Hanauer kennt Land und Leute. Für die Konsularbehörde ist es nicht möglich, eine solche Organisation zu schaffen und offen zu überwachen, da sie in den Verdacht kommen würde, gegen die türkische Regierung zu arbeiten. Sie kann höchstens mit Rat zur Seite stehen und von Zeit zu Zeit unter der Hand der einen oder anderen Person und den Armen auf der Straße Unterstützungen zukommen lassen.

4. In welchem Umfange wären Mittel erforderlich?4. Von den hiesigen Armeniern sollen etwa 10% sich selbst erhalten können. Die anderen sollen unterstützungsbedürftig sein. Für die Person kann man täglich etwa 1 Mk. gleich ca. 5 Piaster wenigstens für den Unterhalt rechnen, vorausgesetzt, daß dieser Betrag in Hartgeld gezahlt wird. Bei Papiergeld müßte der 4 fache Betrag gerechnet werden.Nimmt man die Zahl der im Wilajet Damaskus unterstützungsbedürftigen Armenier mit durchschnittlich 15000 Seelen an, so würden täglich 15000 Mk. und im Monat 450000 Mk. zu zahlen sein, wenn man allen helfen wollte.

4. In welchem Umfange wären Mittel erforderlich?

4. Von den hiesigen Armeniern sollen etwa 10% sich selbst erhalten können. Die anderen sollen unterstützungsbedürftig sein. Für die Person kann man täglich etwa 1 Mk. gleich ca. 5 Piaster wenigstens für den Unterhalt rechnen, vorausgesetzt, daß dieser Betrag in Hartgeld gezahlt wird. Bei Papiergeld müßte der 4 fache Betrag gerechnet werden.Nimmt man die Zahl der im Wilajet Damaskus unterstützungsbedürftigen Armenier mit durchschnittlich 15000 Seelen an, so würden täglich 15000 Mk. und im Monat 450000 Mk. zu zahlen sein, wenn man allen helfen wollte.

Nimmt man die Zahl der im Wilajet Damaskus unterstützungsbedürftigen Armenier mit durchschnittlich 15000 Seelen an, so würden täglich 15000 Mk. und im Monat 450000 Mk. zu zahlen sein, wenn man allen helfen wollte.

5. Haben Sie zu diesem Hilfswerk Hilfskräfte nötig?5. Wie bereits unterNr. 3hervorgehoben, würden besonders europäische Hilfskräfte für das gedachte Unterstützungswerk am geeignetsten sein, die sich ihrerseits armenischer Vertrauenspersonen als Unterorgane bedienen könnten.

5. Haben Sie zu diesem Hilfswerk Hilfskräfte nötig?

5. Wie bereits unterNr. 3hervorgehoben, würden besonders europäische Hilfskräfte für das gedachte Unterstützungswerk am geeignetsten sein, die sich ihrerseits armenischer Vertrauenspersonen als Unterorgane bedienen könnten.

Damaskus, den 23. März 1917.

Lebensmittelpreise in Goldgeld. (Hartgeld, nicht Papier.)

a) Nahrungsmittel.Vor demKriegePiaster G.JetzigerPreisPiaster G.Erhöhungum ProzentWeizenper100kg90300333Bulgur (zerstoßener Weizen)„100„100500500Reis„100„2201000455Kartoffeln„100„50250500Gemüse„100„2001000500Butter„100„10003200320Käse„100„7001700245Öl„100„8001600200Hammelfleisch„100„5501300235Zucker„100„20027001350Kaffee„100„7504500600Früchte, frische und getrocknete500Wein II. Qualität„100„125500400Alkohol„100„45075001665Eier per 100 Stück2560240b) Kleidung.Stoffe500Ledersohlen300Baumwolle, Garn400

a) Nahrungsmittel.Vor demKriegePiaster G.JetzigerPreisPiaster G.Erhöhungum ProzentWeizenper100kg90300333Bulgur (zerstoßener Weizen)„100„100500500Reis„100„2201000455Kartoffeln„100„50250500Gemüse„100„2001000500Butter„100„10003200320Käse„100„7001700245Öl„100„8001600200Hammelfleisch„100„5501300235Zucker„100„20027001350Kaffee„100„7504500600Früchte, frische und getrocknete500Wein II. Qualität„100„125500400Alkohol„100„45075001665Eier per 100 Stück2560240b) Kleidung.Stoffe500Ledersohlen300Baumwolle, Garn400

a) Nahrungsmittel.Vor demKriegePiaster G.JetzigerPreisPiaster G.Erhöhungum ProzentWeizenper100kg90300333Bulgur (zerstoßener Weizen)„100„100500500Reis„100„2201000455Kartoffeln„100„50250500Gemüse„100„2001000500Butter„100„10003200320Käse„100„7001700245Öl„100„8001600200Hammelfleisch„100„5501300235Zucker„100„20027001350Kaffee„100„7504500600Früchte, frische und getrocknete500Wein II. Qualität„100„125500400Alkohol„100„45075001665Eier per 100 Stück2560240b) Kleidung.Stoffe500Ledersohlen300Baumwolle, Garn400

a) Nahrungsmittel.Vor demKriegePiaster G.JetzigerPreisPiaster G.Erhöhungum Prozent

a) Nahrungsmittel.

Vor demKriegePiaster G.

JetzigerPreisPiaster G.

Erhöhungum Prozent

Weizenper100kg90300333

Weizen

per

100

kg

90

300

333

Bulgur (zerstoßener Weizen)„100„100500500

Bulgur (zerstoßener Weizen)

100

100

500

500

Reis„100„2201000455

Reis

100

220

1000

455

Kartoffeln„100„50250500

Kartoffeln

100

50

250

500

Gemüse„100„2001000500

Gemüse

100

200

1000

500

Butter„100„10003200320

Butter

100

1000

3200

320

Käse„100„7001700245

Käse

100

700

1700

245

Öl„100„8001600200

Öl

100

800

1600

200

Hammelfleisch„100„5501300235

Hammelfleisch

100

550

1300

235

Zucker„100„20027001350

Zucker

100

200

2700

1350

Kaffee„100„7504500600

Kaffee

100

750

4500

600

Früchte, frische und getrocknete500

Früchte, frische und getrocknete

500

Wein II. Qualität„100„125500400

Wein II. Qualität

100

125

500

400

Alkohol„100„45075001665

Alkohol

100

450

7500

1665

Eier per 100 Stück2560240

Eier per 100 Stück

25

60

240

b) Kleidung.

b) Kleidung.

Stoffe500

Stoffe

500

Ledersohlen300

Ledersohlen

300

Baumwolle, Garn400

Baumwolle, Garn

400

Vorstehende Preise sind in Hartgeld berechnet. Bei Bezahlung in Papiergeld erhöhen sie sich auf das Vierfache.

333.(4. Deutsches Konsulat Mossul.)

Mossul, den 19. Juli 1917.

Fragen.Antworten.1. Welche Zahl von deportierten Armeniern befindet sich ungefähr in Ihrem Wirkungskreise?1. In den Städten Mossul und Kerkuk, sowie in den Dörfern des Wilajets Mossul befinden sich etwa 7000–8000 anderwärts ausgesiedelte Armenier, größtenteils Frauen und Kinder. Eine größere Anzahl von Frauen und Mädchen soll außerdembei den Beduinen der Dschesireh und den Yesiden des Sindschargebirges in halber Sklaverei leben.2. Können Sie uns Mitteilung über ihren Zustand und ihre Bedürfnisse machen?2. Ein Teil der Deportierten hat Arbeit und Verdienst gefunden. Im vorigen Jahre wurde eine größere Anzahl auf die umliegenden Dörfer verteilt, wo sie in der Landwirtschaft beschäftigt wurden. Aus mehreren muhammedanischen Dörfern mußten die Verschickten jedoch infolge des Fanatismus der Bevölkerung flüchten und wieder in die Städte zurückkehren. Hier hat die Regierung teilweise Anstrengungen gemacht, den Leuten Arbeit zu verschaffen, eine hinreichende Linderung der Not konnte dadurch nicht erreicht werden, es fehlt vielfach an Unterkunft, Verpflegung, Kleidung und ärztlicher Behandlung.3. Können Sie den Deportierten Unterstützungen zukommen lassen? In welcher Weise? Mit wessen Hilfe?3. Wenn die zur Unterstützung der Verschickten bestimmten Beträge den türkischen, zuständigen Stellen überwiesen werden, bleibt der größte Teil an den Fingern unredlicher Beamten kleben, zumal der Wali Heidar Bey, der in solchen Angelegenheiten zuverlässig war und den Armeniern nicht übelwollend gegenüberstand, mittlerweile abberufen worden ist.4. In welchem Umfange wären Mittel erforderlich?4. Eine Unterstützung mit kleineren Beträgen würde nur Verlängerung der Qualen der Deportierten bedeuten; größere Beträge ihrem Zwecke wirksam zuzuführen, erscheint fast unmöglich. Es muß offen und klar ausgesprochen werden, daß alle derartigen Hilfsaktionen solange Schöpfen in ein Faß ohne Boden bedeuten, als die türkische Regierung sich nicht selbst entschließt,mit dem bisherigen System zu brechen und die Reste der Armenier zu erhalten.Wenn aber trotzdem laufende Unterstützungen gezahlt und diese pro Kopf auf nur 1 Pfund türkisch monatlich bemessen werden sollen, würde ein monatlicher Aufwand von etwa 5000 Pfund türkisch erforderlich sein.5. Haben Sie zu diesem Hilfswerk Hilfskräfte nötig?5. Da das Kaiserliche Konsulat nicht in der Lage ist, das Unterstützungswerk unmittelbar auszuüben, würden dafür besondere Hilfskräfte einzustellen sein.

Fragen.Antworten.

Fragen.

Antworten.

1. Welche Zahl von deportierten Armeniern befindet sich ungefähr in Ihrem Wirkungskreise?1. In den Städten Mossul und Kerkuk, sowie in den Dörfern des Wilajets Mossul befinden sich etwa 7000–8000 anderwärts ausgesiedelte Armenier, größtenteils Frauen und Kinder. Eine größere Anzahl von Frauen und Mädchen soll außerdembei den Beduinen der Dschesireh und den Yesiden des Sindschargebirges in halber Sklaverei leben.

1. Welche Zahl von deportierten Armeniern befindet sich ungefähr in Ihrem Wirkungskreise?

1. In den Städten Mossul und Kerkuk, sowie in den Dörfern des Wilajets Mossul befinden sich etwa 7000–8000 anderwärts ausgesiedelte Armenier, größtenteils Frauen und Kinder. Eine größere Anzahl von Frauen und Mädchen soll außerdembei den Beduinen der Dschesireh und den Yesiden des Sindschargebirges in halber Sklaverei leben.

2. Können Sie uns Mitteilung über ihren Zustand und ihre Bedürfnisse machen?2. Ein Teil der Deportierten hat Arbeit und Verdienst gefunden. Im vorigen Jahre wurde eine größere Anzahl auf die umliegenden Dörfer verteilt, wo sie in der Landwirtschaft beschäftigt wurden. Aus mehreren muhammedanischen Dörfern mußten die Verschickten jedoch infolge des Fanatismus der Bevölkerung flüchten und wieder in die Städte zurückkehren. Hier hat die Regierung teilweise Anstrengungen gemacht, den Leuten Arbeit zu verschaffen, eine hinreichende Linderung der Not konnte dadurch nicht erreicht werden, es fehlt vielfach an Unterkunft, Verpflegung, Kleidung und ärztlicher Behandlung.

2. Können Sie uns Mitteilung über ihren Zustand und ihre Bedürfnisse machen?

2. Ein Teil der Deportierten hat Arbeit und Verdienst gefunden. Im vorigen Jahre wurde eine größere Anzahl auf die umliegenden Dörfer verteilt, wo sie in der Landwirtschaft beschäftigt wurden. Aus mehreren muhammedanischen Dörfern mußten die Verschickten jedoch infolge des Fanatismus der Bevölkerung flüchten und wieder in die Städte zurückkehren. Hier hat die Regierung teilweise Anstrengungen gemacht, den Leuten Arbeit zu verschaffen, eine hinreichende Linderung der Not konnte dadurch nicht erreicht werden, es fehlt vielfach an Unterkunft, Verpflegung, Kleidung und ärztlicher Behandlung.

3. Können Sie den Deportierten Unterstützungen zukommen lassen? In welcher Weise? Mit wessen Hilfe?3. Wenn die zur Unterstützung der Verschickten bestimmten Beträge den türkischen, zuständigen Stellen überwiesen werden, bleibt der größte Teil an den Fingern unredlicher Beamten kleben, zumal der Wali Heidar Bey, der in solchen Angelegenheiten zuverlässig war und den Armeniern nicht übelwollend gegenüberstand, mittlerweile abberufen worden ist.

3. Können Sie den Deportierten Unterstützungen zukommen lassen? In welcher Weise? Mit wessen Hilfe?

3. Wenn die zur Unterstützung der Verschickten bestimmten Beträge den türkischen, zuständigen Stellen überwiesen werden, bleibt der größte Teil an den Fingern unredlicher Beamten kleben, zumal der Wali Heidar Bey, der in solchen Angelegenheiten zuverlässig war und den Armeniern nicht übelwollend gegenüberstand, mittlerweile abberufen worden ist.

4. In welchem Umfange wären Mittel erforderlich?4. Eine Unterstützung mit kleineren Beträgen würde nur Verlängerung der Qualen der Deportierten bedeuten; größere Beträge ihrem Zwecke wirksam zuzuführen, erscheint fast unmöglich. Es muß offen und klar ausgesprochen werden, daß alle derartigen Hilfsaktionen solange Schöpfen in ein Faß ohne Boden bedeuten, als die türkische Regierung sich nicht selbst entschließt,mit dem bisherigen System zu brechen und die Reste der Armenier zu erhalten.Wenn aber trotzdem laufende Unterstützungen gezahlt und diese pro Kopf auf nur 1 Pfund türkisch monatlich bemessen werden sollen, würde ein monatlicher Aufwand von etwa 5000 Pfund türkisch erforderlich sein.

4. In welchem Umfange wären Mittel erforderlich?

4. Eine Unterstützung mit kleineren Beträgen würde nur Verlängerung der Qualen der Deportierten bedeuten; größere Beträge ihrem Zwecke wirksam zuzuführen, erscheint fast unmöglich. Es muß offen und klar ausgesprochen werden, daß alle derartigen Hilfsaktionen solange Schöpfen in ein Faß ohne Boden bedeuten, als die türkische Regierung sich nicht selbst entschließt,mit dem bisherigen System zu brechen und die Reste der Armenier zu erhalten.Wenn aber trotzdem laufende Unterstützungen gezahlt und diese pro Kopf auf nur 1 Pfund türkisch monatlich bemessen werden sollen, würde ein monatlicher Aufwand von etwa 5000 Pfund türkisch erforderlich sein.

Wenn aber trotzdem laufende Unterstützungen gezahlt und diese pro Kopf auf nur 1 Pfund türkisch monatlich bemessen werden sollen, würde ein monatlicher Aufwand von etwa 5000 Pfund türkisch erforderlich sein.

5. Haben Sie zu diesem Hilfswerk Hilfskräfte nötig?5. Da das Kaiserliche Konsulat nicht in der Lage ist, das Unterstützungswerk unmittelbar auszuüben, würden dafür besondere Hilfskräfte einzustellen sein.

5. Haben Sie zu diesem Hilfswerk Hilfskräfte nötig?

5. Da das Kaiserliche Konsulat nicht in der Lage ist, das Unterstützungswerk unmittelbar auszuüben, würden dafür besondere Hilfskräfte einzustellen sein.

334.

(Notstandswerk Urfa.)

Urfa, den 8. April 1917.

Wie Ihnen kund sein dürfte, hat sich in Urfa eine ziemliche Menge von armenischen Emigranten angesammelt, welche die Regierung hierher gebracht hat. Leider fordert die Regierung, unter deren Mitgliedern der Gouverneur am meisten, diese Unglücklichen öfter auf, die muhammedanische Religion anzunehmen. Selbst an Drohungen mit neuen Ausweisungen fehlt es nicht. Obwohl ich glaube, daß dagegen nichts zu machen ist, fühlte ich mich doch gedrungen, Ihnen hiervon Nachricht zu geben.

Jakob Künzler.

KaiserlichDeutsches Konsulat.

Seiner Exzellenz dem Reichskanzler Herrn Dr. von Bethmann Hollweg zur geneigten Kenntnis gehorsamst überreicht.

Aleppo, den 20. April 1917.

Rößler.

335.

(Notstandswerk Urfa.)

Urfa, den 25. April 1917.

Bericht über muhammedanische Emigrantenhilfe[144]in Urfa.

Die mir vom amerikanischen Konsulat in Aleppo zur Verteilung an die muslimischen Emigranten in dieser Gegend überlassenen ca. 100000 KiloWeizen und Gerste habe ich im Gebiet von Haran und von Besowa unter 17600 Hungrige verteilt, so daß pro Kopf ein halbes Dimin gegeben werden konnte. Ein halbes Dimin entspricht etwa 21 kg.

Mit den 300 Ltq., mir vom Kaiserlich Deutschen Konsulat in Aleppo für diesen Hilfszweck überlassen, habe ich die Notleidenden im Dorfe Garmusch, nahe Urfa, 1200 Hungrige unterstützen können.

Ich habe bei der Verteilung immer die Quellen der Gaben angegeben und ich verhehle nicht, daß das ganze Hilfswerk allgemein großen Eindruck gemacht hat. Ganz besonders soll ich im Namen der Beschenkten den tiefstgefühlten Dank aussprechen, welcher Aufgabe ich mich hiermit gern entledige.

Jakob Künzler.

An das Kaiserlich Deutsche Konsulat in Aleppo.

336.

Orient-und Islamkommission des DeutschenEvangelischen Missionsausschusses.

Berlin, den 27. April 1917.Georgenkirchstraße 70.

Euere Exzellenz

wollen es mir nicht verübeln, wenn ich noch einmal eine dringliche Bitte zugunsten des armen armenischen Volkes ehrerbietigst vorzutragen mir erlaube.

An den Wechsel des Großwesirats hatte sich, wie Nachrichten vom Orient erkennen ließen, die Hoffnung auf Milderung der gegen die Armenier getroffenen Maßnahmen geknüpft. Neuere Eingänge, die durch die dem Auswärtigen Amt vorliegenden Berichte nur bestätigt werden, lassen leider erkennen, daß das Elend noch immer wächst, ja neuerdings wieder Verschärfungen eingetreten sind.

Sollte es nicht Euerer Exzellenz möglich sein, die Anwesenheit des Herrn Großwesirs zu benutzen, um ihm persönlich darzulegen, wie schlechthin unerträglich es für uns deutsche Christen ist, mit verschränkten Armen mit ansehen zu sollen, daß ein altes christliches Volk unter den Händen unserer Bundesgenossen dahinstirbt, und ihn zu bitten, daß er endlich eine Lösung der Armenierfrage suche, die den politischen Bedürfnissen und den wahren Interessen des osmanischen Reiches entspricht, ohne seine neue Entwicklung mit so furchtbarer Blutschuld und dem Fluch der gesamten gesitteten Welt zu beladen?

Die Frage ist besonders dringlich geworden durch den Abbruch der politischen Beziehungen zwischen der Türkei und Amerika, weil dadurch dieFortführung der amerikanischen Liebestätigkeit in Frage gestellt ist. So sollte wenigstens uns Deutschen, deren loyale Gesinnung gegen die Türkei ja jenseits jeden Zweifels steht, der Weg zur Hilfeleistung vertrauensvoll freigegeben werden.

D. Karl Axenfeld,Vorsitzender der Orient- und Islamkommissiondes Deutschen Evangelischen Missionsausschusses.

Seiner Exzellenz dem Herrn Reichskanzler, Berlin.

337.

(Auswärtiges Amt.)

Berlin, den 6. Mai 1917.

Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich auf das an den Herrn Reichskanzler gerichtete gefällige Schreiben vom 27. v. M. zu erwidern, daß die Armenierfrage selbstverständlich bei Talaat Pascha während seiner Anwesenheit in Deutschland zur Sprache gebracht und unser Standpunkt dabei nachdrücklich dargelegt worden ist.

Wegen Euer Hochwohlgeboren Anregung, im Hinblick auf die Einstellung der amerikanischen Liebestätigkeit der deutschen Hilfeleistung, wenn möglich, einen weiteren Spielraum zu verschaffen, habe ich mich mit dem Kaiserlichen Botschafter in Konstantinopel in Verbindung gesetzt.

Zimmermann.

An den Vorsitzenden der Orient- und Islamkommission des Deutschen Evangelischen Missionsausschusses, Herrn Missionsdirektor D. Karl Axenfeld, Hochwohlgeboren, Berlin.

338.

(Notstandswerk Urfa.)

Urfa, den 28. April 1917.

Gestern bin ich wohlbehalten von Rakka zurückgekehrt. Dort angekommen, erfuhr ich, daß die dortigen Emigranten kurz vor Ostern (armenische) 250 Ltq. Gold von Aleppo erhalten haben. Aber was bedeutet dies für die Übriggebliebenen! Jedes Glied erhielt 5 Piaster. Ich konnte auch nicht mehr geben. Also eine Verlängerung der Leiden bis zum Eintritt des sicheren Hungertodes um einige Tage! Wenn deren Gebundenheit an den Ort noch länger als zwei Monate anhält, so wird wenig mehr von ihnen übrig bleiben. Der Hunger wird sie alle hinraffen. Ich überlege mir, ob es nicht richtig wäre, in Zukunft, wenn wieder Mittel für die Unglücklichen anlangen, man nicht am besten täte, damit eine kleinere Anzahl zu beschenken, damit diese wenigen womöglich durchgebracht werden.

Ohne eine Summe von 3–5000 Ltq. wieder dorthin zu gehen, ist bei diesen niedrigen Notenkursen eigentlich fruchtlos, denn was sind 5 Goldpiaster (92,5 Pf.)! Allerdings ist vorauszusehen, daß bis in zwei Monaten viele am Hunger gestorben sein werden und daß dann vielleicht auch mit einer kleineren als der oben genannten Summe noch etwas zu erreichen wäre.

Auf der Rückreise besuchte ich auch noch die 400 Emigranten im Dorfe Ain Isse. Hier der gleiche, womöglich noch trostlosere Zustand wie in Rakka. Bis jetzt konnten sich die Armen noch von Gras ernähren, aber jetzt ist auch diese Möglichkeit durch das Vertrocknen desselben ausgeschlossen. Wenn nur die Regierung anfangen wollte, die wenigen noch Übriggebliebenen, vor denen sie wahrlich keine Angst mehr zu haben brauchte, frei zu lassen. In größeren Städten würde sich manche Witwe mitsamt ihren Kindern durchzuschlagen wissen mit ihrer Hände Werk.

Jakob Künzler.

An den Kaiserlichen Konsul, Herrn Rößler,Hochwohlgeboren, Aleppo.


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