Mai.339.KaiserlichDeutsches Konsulat.Aleppo, den 1. Mai 1917.Euerer Exzellenz überreiche ich gehorsamst in der Anlage eine Zusammenstellung der vom Diakon Künzler in Urfa verwalteten Notstandsgelder für Armenier. — Die Zahl der dort unterstützten Waisenkinder ist auf 2200 gestiegen.Rößler.Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn Dr. von Bethmann Hollweg.Anlage.Zusammenstellung der vom Diakon Künzler in Urfa verwalteten Notstandsgelder für Armenier.Einnahmen seit dem 1. Juni 1916 bis 31. März 1917.Piastervon Basel255344,35von Potsdam, Dr. Johs. Lepsius207491,—vom Deutschen Hilfsbund9975,—vom amerikanischen Konsulat140000,—Total 612810,35Ausgaben 1916.Waisenversorgung, Witwenversorgung, Bekleidung.Juni3783,05Juli7954,—August11203,—September18513,—Oktober29542,05November26868,—Dezember41662,30Januar66684,20Februar57813,10März106551,15Für Arbeitsbeschaffung, Taschentücherarbeit und Seidenzucht43774,25Für Gehälter17500,—Total 431849,30Aktivsaldo pro April 180961,10 Piaster.340.(KaiserlichesKonsulat Aleppo.)Telegramm.Abgang aus Aleppo, den 2. Mai 1917.Ankunft in Pera, den 3. Mai 1917.An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.Werden Gelder, die bisher dem amerikanischen Konsul überwiesen wurden, in Zukunft seinem noch zu bestimmenden Vertreter überwiesen? Ist bekannt, ob die amerikanische Zentrale für Zahlung der Hilfsgelder (Peet, Bibelhaus) bestehen bleibt? Der amerikanische Konsul hat Schwester Rohner den Rest der Hilfsgelder übergeben. In Rakka fallen täglich eine Anzahl Menschen dem Hungertode zum Opfer.Rößler.341.American Bible House.Pera, May 3rd. 1917.My dear Dr. Mordtmann.In view of the present situation which brings my work to an end, I have decided, to take advantage of the opportunity given to leave the country and to take a vacation. My wife needs this change even more than I do. She has been most devotedly attached to her work in the hospitals and in divising work for the poor. I am distressed in view of the misery which may come to the poor people in the interior and I am doing what I can to keep the stream of help which we have supplied thus far from dying out altogether.I cannot leave without sending a word of thankfulness for your never-failing kindness to me in these matters.I have also most grateful recollections of the Embassy’s courtesy in their share of the work.It will always afford me pleasure to testify of this.Yours faithfullyM. M. Peet.342.(KaiserlichDeutsche Botschaft.)Telegramm.Pera, den 7. Mai 1917.An Deutsches Konsulat, Aleppo.Antwort auf Telegramm vom 2.5.Bibelhaus wird versuchen, die Notstandsaktion durch den Vertreter des Herrn Peet fortzuführen und amerikanische Gelder über Holland oder Schweden hierher zu leiten.Waldburg.343.Bible House.May 12, 1917.My dear Mr. Mordtmann,Before leaving for Europe, Mr. Peet told me of his conversation with you, and of your willingness to help us in the matter of carrying on Relief to the poor in the Aleppo District, through our German friends there, Miss Rohner and Miss Schaeffer.I should be very glad of an opportunity to talk over this matter with you, now that I am attempting to carry on Mr. Peet’s work. If convenient for you, could I call at your home some time soon to see you? I live near Tokatlian’s Hotel, and so could come in some evening, if that would be more convenient for you than during the day time.Trusting that you will be able to see me on this matter,Believe me,Very truly yours,L. R. Fowle.344.(KaiserlichesKonsulat Aleppo.)Telegramm.Abgang aus Aleppo, den 14. Mai 1917.Ankunft in Pera, den 14. Mai 1917.An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.Antwort auf Telegramm vom 7. Mai.Deutsch-armenische Gesellschaft und Direktor Axenfeld mögen etwa zur Verfügung stehende Notstandsgelder durch die Deutsche Orientbank an Zollinger, Aleppo, überweisen lassen.Schwester Rohner hat infolge Erkrankung ihre Arbeit einer Kommission von Armeniern unter Aufsicht von Zollinger übergeben und zieht sich nach Marasch zurück.Rößler.345.KaiserlichDeutsches Konsulat.Aleppo, den 14. Mai 1917.Euer Exzellenz überreiche ich gehorsamst in der Anlage eine Aufzeichnung des Diplomingenieurs Bünte über Beobachtungen gelegentlich, einer vom 1. bis 6. April am Chabur ausgeführten Reise. Es ist kein Zweifel, daß die dort in großen Mengen liegenden menschlichen Schädel und Gebeine von den Armeniermetzeleien des vorigen Juli und August herrühren, über die ich zuletzt am 5. September v. J. berichtet habe[145]. Die aus armenischer Quelle stammenden Erzählungen der Anlagen jenes Berichtes, welche als eine Stelle, bei der hauptsächlich die Metzeleien erfolgt seien, Schedadie (Kalat Scheddad) genannt hatten, finden dadurch ihre Bestätigung.Gleichen Bericht lasse ich der Kaiserlichen Botschaft zugehen.Rößler.Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn Dr. von Bethmann Hollweg.Anlage.Aleppo, den 11. Mai 1917.Ich bin in der Zeit vom 1. bis 6. April zusammen mit Herrn Hauptmann Loeschebrand und Herrn Unteroffizier Langenegger von Buseir am Euphrat den Chabur hinaufgegangen und fand am linken Ufer große Mengen von ausgebleichten Menschenschädeln und Gerippen, zum Teil waren die Schädel mit Schußlöchern. An einigen Stellen fanden wir Scheiterhaufen, ebenfalls mit menschlichen Knochen und Schädeln. — Gegenüber der Kischla Scheddade waren die größten Anhäufungen. Die Bevölkerung sprach von 12000 Armeniern, die hier allein niedergemetzelt, erschossen oder ertränkt seien[146].An dieser Stelle verließen wir den Fluß und fanden auf dem Wege zum Sindjar keine Spuren mehr.Bünte,Diplomingenieur, K. O. Oberleutnant.346.(KaiserlichesKonsulat Aleppo.)Telegramm.Abgang aus Aleppo, den 17. Mai 1917.Ankunft in Pera, den 18. Mai 1917.An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.Bitte zu veranlassen, daß das Bibelhaus von jetzt an das Geld an Zollinger, Aleppo, schickt. Schwester Rohner ist abgereist und zieht sich endgültig von der Arbeit zurück.Rößler.Notiz. Ich habe den Verwalter der amerikanischen Hilfsgelder (Mr. Fowle, American Bible-House) unter der Hand verständigt.Mordtmann.347.KaiserlichDeutsche Botschaft.Pera, den 19. Mai 1917.Wie der Kaiserliche Konsul in Aleppo meldet, ist die Schwester Beatrice Rohner, welche bisher die Hilfsaktion für die deportierten Armenier leitete, infolge Erkrankung nach Marasch zurückgereist und hat die Arbeit einer Kommission von Armeniern übergeben, die von Herrn Zollinger kontrolliert wird. Da die Genannte endgültig zurückgetreten ist, so werden die deutsch-armenische Gesellschaft und die Orient- und Islamkommission des deutschen Evangelischen Missionsausschusses gebeten, die von ihnen eventuell zu bewilligenden Hilfsgelder durch die Deutsche Orientbank an Herrn Zollinger in Aleppo zu überweisen.Ich bitte gehorsamst, vorstehendes zur Kenntnis der beiden genannten Vereine bringen zu wollen.Waldburg.An das Auswärtige Amt, Berlin.348.KaiserlichDeutsche Botschaft.Pera, den 19. Mai 1917.Das hiesige American Bible House, das bisher die amerikanischen Hilfsgelder für die Türkei verwaltete und verteilte, hofft bestimmt, daß weder von amerikanischer noch auch von türkischer Seite der Fortführung des Liebeswerkes, das sich nicht nur auf die deportierten Armenier erstreckte, sondern auch anderen christlichen Bevölkerungselementen (Griechen, Syrer etc.) und den Muhammedanern zugute kam, keine Hindernisse in den Weg gelegtwerden. In dieser Beziehung wird darauf hingewiesen, daß die amerikanische Hilfsaktion für die notleidende Bevölkerung in Belgien auch nach dem Bruche mit Deutschland unter neutraler Leitung ihren Fortgang nimmt, und daß die hiesigen türkischen Behörden und speziell Talaat Pascha sich der Tätigkeit des Bible House gegenüber bisher wohlwollend verhalten haben. Übrigens sind seitens des Bible House bereits Verhandlungen angeknüpft worden, um eventuell, d. h. sobald die amerikanische Regierung die Verwendung der Hilfsgelder nach der Türkei gestattet und sofern kein anderer Weg sich bietet, diese über Holland oder Schweden hierher zu leiten. Im Augenblick verfügt das Bible House noch über genügend Fonds für etwa zwei Monate und hat hiervon noch in den letzten Tagen u. a. einen größeren Betrag nach Aleppo überwiesen; bereits vorher hatte der dortige amerikanische Konsul Jackson bei seiner Abreise den Rest seiner Hilfsgelder an die Schwester Rohner abgegeben. Die Verwalter dieser Fonds (Mr. W. W. Peet, der inzwischen am 9. d. M. nach der Schweiz abgereist ist, und sein Nachfolger, Mr. Fowle) haben unter der Hand die Bitte ausgesprochen, daß die Kaiserliche Botschaft und die Kaiserlichen Konsulate in der Provinz ihnen in der bisherigen Weise die rein geschäftlichen Berichte der im Innern mit dem Hilfswerke betrauten Personen übermitteln möchten, und ich trage um so weniger Bedenken, dieser Bitte zu entsprechen, als es sich hauptsächlich um die Vermittelung der Korrespondenz mit Schweizer Staatsangehörigen, wie z. B. Schwester Rohner und Hr. Zollinger in Aleppo, handelt.v. Kühlmann.Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.349.KaiserlichDeutsche Botschaft.Telegramm.Pera, den 23. Mai 1917.An Deutsches Konsulat, Aleppo.Das amerikanische Bibelhaus überwies durch die ottomanische Bank am 15. Mai 3000 t. Pfund. Glauben Sie, daß es zu erreichen wäre, Merrill oder Martin von Aintab zur Organisation und Kontrolle des Hilfswerkes nach Aleppo kommen zu lassen? Geschäftliche Nachrichten über Hilfswerk würden dem Bibelhause erwünscht sein und ihm von der Botschaft unter der Hand mitgeteilt werden.Kühlmann.350.(KaiserlichesKonsulat Aleppo.)Telegramm.Abgang aus Aleppo, den 31. Mai 1917.Ankunft in Pera, den 1. Juni 1917.An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.Die Organisation, welche Zollinger leitet, ist von Schwester Rohner geschaffen und so brauchbar als bei der schwierigen Lage möglich. Meines Erachtens könnten Amerikaner aus Aintab hier nicht von der Polizei ungestört arbeiten. Durch amtliche Verwendung für diesen Zweck könnte das ganze Hilfswerk gefährdet werden.Bitte dem Bibelhaus anheimzustellen, 3000 Pfund türkisch, die am 15. Mai auf den Namen der Schwester Rohner überwiesen waren, auf Zollinger überschreiben zu lassen.Rößler.
Mai.
339.
KaiserlichDeutsches Konsulat.
Aleppo, den 1. Mai 1917.
Euerer Exzellenz überreiche ich gehorsamst in der Anlage eine Zusammenstellung der vom Diakon Künzler in Urfa verwalteten Notstandsgelder für Armenier. — Die Zahl der dort unterstützten Waisenkinder ist auf 2200 gestiegen.
Rößler.
Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn Dr. von Bethmann Hollweg.
Anlage.
Zusammenstellung der vom Diakon Künzler in Urfa verwalteten Notstandsgelder für Armenier.
Einnahmen seit dem 1. Juni 1916 bis 31. März 1917.Piastervon Basel255344,35von Potsdam, Dr. Johs. Lepsius207491,—vom Deutschen Hilfsbund9975,—vom amerikanischen Konsulat140000,—Total 612810,35
Einnahmen seit dem 1. Juni 1916 bis 31. März 1917.Piastervon Basel255344,35von Potsdam, Dr. Johs. Lepsius207491,—vom Deutschen Hilfsbund9975,—vom amerikanischen Konsulat140000,—Total 612810,35
Einnahmen seit dem 1. Juni 1916 bis 31. März 1917.Piastervon Basel255344,35von Potsdam, Dr. Johs. Lepsius207491,—vom Deutschen Hilfsbund9975,—vom amerikanischen Konsulat140000,—Total 612810,35
Einnahmen seit dem 1. Juni 1916 bis 31. März 1917.Piaster
Einnahmen seit dem 1. Juni 1916 bis 31. März 1917.
Piaster
von Basel255344,35
von Basel
255344,35
von Potsdam, Dr. Johs. Lepsius207491,—
von Potsdam, Dr. Johs. Lepsius
207491,—
vom Deutschen Hilfsbund9975,—
vom Deutschen Hilfsbund
9975,—
vom amerikanischen Konsulat140000,—
vom amerikanischen Konsulat
140000,—
Total 612810,35
Total 612810,35
Ausgaben 1916.Waisenversorgung, Witwenversorgung, Bekleidung.Juni3783,05Juli7954,—August11203,—September18513,—Oktober29542,05November26868,—Dezember41662,30Januar66684,20Februar57813,10März106551,15Für Arbeitsbeschaffung, Taschentücherarbeit und Seidenzucht43774,25Für Gehälter17500,—Total 431849,30
Ausgaben 1916.Waisenversorgung, Witwenversorgung, Bekleidung.Juni3783,05Juli7954,—August11203,—September18513,—Oktober29542,05November26868,—Dezember41662,30Januar66684,20Februar57813,10März106551,15Für Arbeitsbeschaffung, Taschentücherarbeit und Seidenzucht43774,25Für Gehälter17500,—Total 431849,30
Ausgaben 1916.Waisenversorgung, Witwenversorgung, Bekleidung.Juni3783,05Juli7954,—August11203,—September18513,—Oktober29542,05November26868,—Dezember41662,30Januar66684,20Februar57813,10März106551,15Für Arbeitsbeschaffung, Taschentücherarbeit und Seidenzucht43774,25Für Gehälter17500,—Total 431849,30
Ausgaben 1916.
Ausgaben 1916.
Waisenversorgung, Witwenversorgung, Bekleidung.
Waisenversorgung, Witwenversorgung, Bekleidung.
Juni3783,05
Juni
3783,05
Juli7954,—
Juli
7954,—
August11203,—
August
11203,—
September18513,—
September
18513,—
Oktober29542,05
Oktober
29542,05
November26868,—
November
26868,—
Dezember41662,30
Dezember
41662,30
Januar66684,20
Januar
66684,20
Februar57813,10
Februar
57813,10
März106551,15
März
106551,15
Für Arbeitsbeschaffung, Taschentücherarbeit und Seidenzucht43774,25
Für Arbeitsbeschaffung, Taschentücherarbeit und Seidenzucht
43774,25
Für Gehälter17500,—
Für Gehälter
17500,—
Total 431849,30
Total 431849,30
Aktivsaldo pro April 180961,10 Piaster.
340.
(KaiserlichesKonsulat Aleppo.)
Telegramm.
Abgang aus Aleppo, den 2. Mai 1917.Ankunft in Pera, den 3. Mai 1917.
An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.
Werden Gelder, die bisher dem amerikanischen Konsul überwiesen wurden, in Zukunft seinem noch zu bestimmenden Vertreter überwiesen? Ist bekannt, ob die amerikanische Zentrale für Zahlung der Hilfsgelder (Peet, Bibelhaus) bestehen bleibt? Der amerikanische Konsul hat Schwester Rohner den Rest der Hilfsgelder übergeben. In Rakka fallen täglich eine Anzahl Menschen dem Hungertode zum Opfer.
Rößler.
341.
American Bible House.
Pera, May 3rd. 1917.
My dear Dr. Mordtmann.
In view of the present situation which brings my work to an end, I have decided, to take advantage of the opportunity given to leave the country and to take a vacation. My wife needs this change even more than I do. She has been most devotedly attached to her work in the hospitals and in divising work for the poor. I am distressed in view of the misery which may come to the poor people in the interior and I am doing what I can to keep the stream of help which we have supplied thus far from dying out altogether.
I cannot leave without sending a word of thankfulness for your never-failing kindness to me in these matters.
I have also most grateful recollections of the Embassy’s courtesy in their share of the work.
It will always afford me pleasure to testify of this.
Yours faithfullyM. M. Peet.
342.
(KaiserlichDeutsche Botschaft.)
Telegramm.
Pera, den 7. Mai 1917.
An Deutsches Konsulat, Aleppo.
Antwort auf Telegramm vom 2.5.
Bibelhaus wird versuchen, die Notstandsaktion durch den Vertreter des Herrn Peet fortzuführen und amerikanische Gelder über Holland oder Schweden hierher zu leiten.
Waldburg.
343.
Bible House.
May 12, 1917.
My dear Mr. Mordtmann,
Before leaving for Europe, Mr. Peet told me of his conversation with you, and of your willingness to help us in the matter of carrying on Relief to the poor in the Aleppo District, through our German friends there, Miss Rohner and Miss Schaeffer.
I should be very glad of an opportunity to talk over this matter with you, now that I am attempting to carry on Mr. Peet’s work. If convenient for you, could I call at your home some time soon to see you? I live near Tokatlian’s Hotel, and so could come in some evening, if that would be more convenient for you than during the day time.
Trusting that you will be able to see me on this matter,
Believe me,Very truly yours,
L. R. Fowle.
344.
(KaiserlichesKonsulat Aleppo.)
Telegramm.
Abgang aus Aleppo, den 14. Mai 1917.Ankunft in Pera, den 14. Mai 1917.
An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.
Antwort auf Telegramm vom 7. Mai.
Deutsch-armenische Gesellschaft und Direktor Axenfeld mögen etwa zur Verfügung stehende Notstandsgelder durch die Deutsche Orientbank an Zollinger, Aleppo, überweisen lassen.
Schwester Rohner hat infolge Erkrankung ihre Arbeit einer Kommission von Armeniern unter Aufsicht von Zollinger übergeben und zieht sich nach Marasch zurück.
Rößler.
345.
KaiserlichDeutsches Konsulat.
Aleppo, den 14. Mai 1917.
Euer Exzellenz überreiche ich gehorsamst in der Anlage eine Aufzeichnung des Diplomingenieurs Bünte über Beobachtungen gelegentlich, einer vom 1. bis 6. April am Chabur ausgeführten Reise. Es ist kein Zweifel, daß die dort in großen Mengen liegenden menschlichen Schädel und Gebeine von den Armeniermetzeleien des vorigen Juli und August herrühren, über die ich zuletzt am 5. September v. J. berichtet habe[145]. Die aus armenischer Quelle stammenden Erzählungen der Anlagen jenes Berichtes, welche als eine Stelle, bei der hauptsächlich die Metzeleien erfolgt seien, Schedadie (Kalat Scheddad) genannt hatten, finden dadurch ihre Bestätigung.
Gleichen Bericht lasse ich der Kaiserlichen Botschaft zugehen.
Rößler.
Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn Dr. von Bethmann Hollweg.
Anlage.
Aleppo, den 11. Mai 1917.
Ich bin in der Zeit vom 1. bis 6. April zusammen mit Herrn Hauptmann Loeschebrand und Herrn Unteroffizier Langenegger von Buseir am Euphrat den Chabur hinaufgegangen und fand am linken Ufer große Mengen von ausgebleichten Menschenschädeln und Gerippen, zum Teil waren die Schädel mit Schußlöchern. An einigen Stellen fanden wir Scheiterhaufen, ebenfalls mit menschlichen Knochen und Schädeln. — Gegenüber der Kischla Scheddade waren die größten Anhäufungen. Die Bevölkerung sprach von 12000 Armeniern, die hier allein niedergemetzelt, erschossen oder ertränkt seien[146].
An dieser Stelle verließen wir den Fluß und fanden auf dem Wege zum Sindjar keine Spuren mehr.
Bünte,Diplomingenieur, K. O. Oberleutnant.
346.
(KaiserlichesKonsulat Aleppo.)
Telegramm.
Abgang aus Aleppo, den 17. Mai 1917.Ankunft in Pera, den 18. Mai 1917.
An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.
Bitte zu veranlassen, daß das Bibelhaus von jetzt an das Geld an Zollinger, Aleppo, schickt. Schwester Rohner ist abgereist und zieht sich endgültig von der Arbeit zurück.
Rößler.
Notiz. Ich habe den Verwalter der amerikanischen Hilfsgelder (Mr. Fowle, American Bible-House) unter der Hand verständigt.
Mordtmann.
347.
KaiserlichDeutsche Botschaft.
Pera, den 19. Mai 1917.
Wie der Kaiserliche Konsul in Aleppo meldet, ist die Schwester Beatrice Rohner, welche bisher die Hilfsaktion für die deportierten Armenier leitete, infolge Erkrankung nach Marasch zurückgereist und hat die Arbeit einer Kommission von Armeniern übergeben, die von Herrn Zollinger kontrolliert wird. Da die Genannte endgültig zurückgetreten ist, so werden die deutsch-armenische Gesellschaft und die Orient- und Islamkommission des deutschen Evangelischen Missionsausschusses gebeten, die von ihnen eventuell zu bewilligenden Hilfsgelder durch die Deutsche Orientbank an Herrn Zollinger in Aleppo zu überweisen.
Ich bitte gehorsamst, vorstehendes zur Kenntnis der beiden genannten Vereine bringen zu wollen.
Waldburg.
An das Auswärtige Amt, Berlin.
348.
KaiserlichDeutsche Botschaft.
Pera, den 19. Mai 1917.
Das hiesige American Bible House, das bisher die amerikanischen Hilfsgelder für die Türkei verwaltete und verteilte, hofft bestimmt, daß weder von amerikanischer noch auch von türkischer Seite der Fortführung des Liebeswerkes, das sich nicht nur auf die deportierten Armenier erstreckte, sondern auch anderen christlichen Bevölkerungselementen (Griechen, Syrer etc.) und den Muhammedanern zugute kam, keine Hindernisse in den Weg gelegtwerden. In dieser Beziehung wird darauf hingewiesen, daß die amerikanische Hilfsaktion für die notleidende Bevölkerung in Belgien auch nach dem Bruche mit Deutschland unter neutraler Leitung ihren Fortgang nimmt, und daß die hiesigen türkischen Behörden und speziell Talaat Pascha sich der Tätigkeit des Bible House gegenüber bisher wohlwollend verhalten haben. Übrigens sind seitens des Bible House bereits Verhandlungen angeknüpft worden, um eventuell, d. h. sobald die amerikanische Regierung die Verwendung der Hilfsgelder nach der Türkei gestattet und sofern kein anderer Weg sich bietet, diese über Holland oder Schweden hierher zu leiten. Im Augenblick verfügt das Bible House noch über genügend Fonds für etwa zwei Monate und hat hiervon noch in den letzten Tagen u. a. einen größeren Betrag nach Aleppo überwiesen; bereits vorher hatte der dortige amerikanische Konsul Jackson bei seiner Abreise den Rest seiner Hilfsgelder an die Schwester Rohner abgegeben. Die Verwalter dieser Fonds (Mr. W. W. Peet, der inzwischen am 9. d. M. nach der Schweiz abgereist ist, und sein Nachfolger, Mr. Fowle) haben unter der Hand die Bitte ausgesprochen, daß die Kaiserliche Botschaft und die Kaiserlichen Konsulate in der Provinz ihnen in der bisherigen Weise die rein geschäftlichen Berichte der im Innern mit dem Hilfswerke betrauten Personen übermitteln möchten, und ich trage um so weniger Bedenken, dieser Bitte zu entsprechen, als es sich hauptsächlich um die Vermittelung der Korrespondenz mit Schweizer Staatsangehörigen, wie z. B. Schwester Rohner und Hr. Zollinger in Aleppo, handelt.
v. Kühlmann.
Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.
349.
KaiserlichDeutsche Botschaft.
Telegramm.
Pera, den 23. Mai 1917.
An Deutsches Konsulat, Aleppo.
Das amerikanische Bibelhaus überwies durch die ottomanische Bank am 15. Mai 3000 t. Pfund. Glauben Sie, daß es zu erreichen wäre, Merrill oder Martin von Aintab zur Organisation und Kontrolle des Hilfswerkes nach Aleppo kommen zu lassen? Geschäftliche Nachrichten über Hilfswerk würden dem Bibelhause erwünscht sein und ihm von der Botschaft unter der Hand mitgeteilt werden.
Kühlmann.
350.
(KaiserlichesKonsulat Aleppo.)
Telegramm.
Abgang aus Aleppo, den 31. Mai 1917.Ankunft in Pera, den 1. Juni 1917.
An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.
Die Organisation, welche Zollinger leitet, ist von Schwester Rohner geschaffen und so brauchbar als bei der schwierigen Lage möglich. Meines Erachtens könnten Amerikaner aus Aintab hier nicht von der Polizei ungestört arbeiten. Durch amtliche Verwendung für diesen Zweck könnte das ganze Hilfswerk gefährdet werden.
Bitte dem Bibelhaus anheimzustellen, 3000 Pfund türkisch, die am 15. Mai auf den Namen der Schwester Rohner überwiesen waren, auf Zollinger überschreiben zu lassen.
Rößler.