6. KapitelANKUNFT DES VERFASSERS

6. KapitelANKUNFT DES VERFASSERS

Zu erregt, um zu schlafen, warf ich mich auf mein Sofa und überdachte noch einmal die seltsamen Ereignisse der Nacht. Zwei Dinge, nein, drei, waren absolut sicher: Erstens, daß weder Ravalette noch Vatterale, noch der italienische Graf Menschen waren wie andere; zweitens, daß keiner aus der Gesellschaft dies ahnte, und drittens, daß ich einzig und allein der Gegenstand dieser außergewöhnlichen Besuche war. Darüber hinaus wurde mir klar, daß sein Schicksal sich schnell und unaufhaltsam einer Krisis näherte, und daß der Fremde (der in der Legende erwähnt wurde), ebenso wie Dhoula Bel mich noch beeinflußten, aus welchen Gründen und zu welchem Zweck, konnte ich nicht verstehen. Ich war bereits Rosenkreuzer geworden, war bis zum fünften Grad vorgerückt, hatte denOrient besucht und stand im Begriff, ihn abermals zu besuchen, hatte manche düstere Geheimnisse kennen gelernt und war in den verschiedenen Arten der Magie unterrichtet worden; ich wußte alles Wissenswerte über das Lebenselixier, die Kräfte des Willens, die Kunst, das Schicksal anderer vorauszusagen, die Kunst, magische Spiegel zu verfertigen und Gold- und Silberminen zu entdecken und hatte tief bedauert, daß der furchtbare Eid, durch den sich der wahre Rosenkreuzer verpflichtet, niemals Reichtümer für sich selbst zu suchen oder als Belohnung für seine Tätigkeit anzunehmen, mich hinderte, mich der Vorteile des Geldes zu bedienen. Ich wußte, daß ich alle äußeren Interessen meiner Persönlichkeit auf dem Altar des Wissens geopfert hatte. Ich wußte, daß mein Herz nach Weibesliebe schmachtete und daß dieses Gefühl zu Zeiten einen Teil meiner Seele gefangen hielt, aber sie niemals ganz erfüllte, und ich wußte, daß darin die einzige Möglichkeit lag, dem, was ich fürchtete, zu entgehen, wenn es mir nämlich gelang, mich mit einer Frau zu vereinigen, in deren Körper kein Tropfen von Adams Blut floß; ich gab fast alle Hoffnung auf, je zu vollenden, was meine Versucher in Belleville, in den Tuilerien und in Boston von mir verlangt hatten, als ich mich plötzlich des Papiers,das mir Ravalette in die Hand gedrückt und des Geschenkes, das Vatterale für mich zurückgelassen hatte, erinnerte. Doch beschloß ich, alle Sorge darum bis zum Morgen aufzuschieben und fiel schließlich in einen unruhigen Schlaf, aus dem ich erst spät am folgenden Vormittag erwachte, um sogleich die Nachricht zu erhalten, daß mein teurer Freund (der Verfasser) aus Alexandrien angekommen sei und bei mir vorgesprochen habe.


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