8. KapitelDER BOULEVARD DU LUXEMBOURG
Beverly erwartete die Ereignisse der nächsten Stunden, in denen alle Zweifel für immer geklärt werden sollten, fast noch ungeduldiger als ich.
Schlag drei Uhr waren wir noch etwa eine Steinwurfsweite von dem Hause unseres Stelldicheins entfernt und die drei oder vier kleinen Schilder mit den Aufschriften »Zimmer zu vermieten«, »Möblierte Zimmer« usw. deuteten an, daß es sich um eines jener Bürgerhäuser handelte, wo man ein Leben lang ungestört lebenkann, vorausgesetzt, daß die Miete pünktlich bezahlt wird.
Bald betraten wir den quadratischen, gepflasterten Hof des Gebäudes und bevor wir irgend eine Frage stellen konnten, kam der Hausmeister schon aus seiner Loge, grüßte uns respektvoll und sagte: »Die Herren gehören wohl zu denen, die der Mieter im zweiten Stock für heute erwartet? Bitte, hinaufzugehen. Er wohnt im ersten Zimmer links.« Damit hinkte der Alte in sein Zimmer zurück und begann wiederum auf einen Schuh loszuhämmern, den er in Arbeit gehabt hatte, als wir eintraten.
Wir folgten seiner Anweisung und stiegen eine breite Treppe hinauf bis zum ersten Stiegenabsatz, von dem eine Treppe weiter nach oben führte, während eine zweite in den Hof hinunterging. An dem entfernteren Ende war eine Tür, ebenso an dem näherliegenden. Wir durchschritten die erste Tür und gelangten in ein hübsch ausgestattetes großes, viereckiges Zimmer. Da niemand in dem Zimmer war, gingen wir in das zweite, fanden aber auch hier nicht das geringste Anzeichen, daß der Bewohner in der Nähe sei. So hatten wir Gelegenheit, uns vorher zu erkundigen. Ich rief den Hausmeister und fragte ihn nach Namen und Beschäftigung des Inwohners sowie nach der Dauer seiner Anwesenheitim Hause und erfuhr, daß er ein fremder Gelehrter namens Elatterav sei, daß er offenbar beträchtliches Vermögen besitze und seit fünf Jahren hier wohne, ferner, daß er wenig in Gesellschaft verkehre, niemals zu Hause speise und ein sehr vornehmer Mann sei (er bezahlte dem Portier zwei Louis im Monat). Als der Hausmeister wieder gegangen war, sah ich mir die Räumlichkeiten näher an und bemerkte, daß der Boden und die Decke wie in allen französischen Häusern aus Stein bestanden. Der Kredenztisch war niedrig und schmal und dicht mit Weinflaschen und Gläsern besetzt, so daß man hätte meinen können, man befinde sich in der Wohnung eines Studenten, statt in der eines ernsten Philosophen wie Ravalette, wenn anders er überhaupt mit dem von dem Portier beschriebenen Elatterav identisch war. Der Alkoven war klein und einfach und enthielt nur ein Feldbett mit dem nötigen Zubehör. Von irgendeiner Einrichtung für magische Zwecke war nichts zu sehen. Gerade bei dieser Inaugenscheinnahme schlug die Glocke Vier und wir hörten Schritte in dem andern Zimmer, trotzdem wir von einem Öffnen der Tür nichts bemerkt hatten. Wir gingen hinüber und Beverly rief: »Ravalette, so wahr ich lebe!« Und richtig, da stand, ruhig lächelnd, ein alter Herr, genau der Beschreibungentsprechend, die mir mein Freund von ihm gegeben hatte.
»Sie haben mich gesucht und gefunden! Ich hoffe, es wird Ihnen zum Heile dienen«, sagte er zu Beverly; »und Sie, mein Herr, haben gut daran getan, Ihren Freund zu begleiten«, meinte er dann zu mir gewandt, in einem geradezu beleidigenden Tone. Es war offensichtlich, daß ihn meine Gegenwart höchst unangenehm berührte. Was mich betrifft, so hatte ich kaum den ersten Blick auf ihn geworfen, als ich überzeugt war, daß ich vor einem der gescheitesten Köpfe der Erde stand – vor einem Mann, der alles dessen fähig war, was man ihm zuschrieb, und der sein Ziel erreichen würde und wenn er dazu durch Menschenblut waten müßte. Ich beschloß, seine Pläne auf jeden Fall zu durchkreuzen, selbst wenn ich dabei zu meiner Pistole oder meinem Revolver greifen müßte, die ich vorsichtshalber mitgenommen hatte, bevor wir uns in das Haus wagten, das vielleicht eine Verbrecherhöhle war. Ravalette mochte meine Gedanken erraten haben, denn sein Gesicht bekam einen verärgerten Ausdruck, doch sagte er nichts, denn im gleichen Augenblick öffnete der Portier die Tür, meldete »Monsieur Hokeis und Tochter« und mein Reisegefährte und seine Tochter – das üppigste und herrlichste Weib, das ich je inirgend einem Lande gesehen, die glühenden Schönheiten von Beirut und Stambul nicht ausgenommen – traten ein.
Ravalette hatte sie offenbar erwartet; denn er schien über ihr Kommen nicht im geringsten überrascht zu sein. Die Wirkung aber, die sein Anblick auf Hokeis und seine Tochter ausübte, war eine geradezu elektrische. Hokeis warf sich vor ihm auf die Knie nieder, neigte sein Haupt, faltete die Hände mit einer halb flehenden, halb anbetenden Gebärde und sagte:
»O schrecklicher Geist des Feuers und der Flamme! Sehe ich dich hier? Ach! Ich bin ein Elender, du aber bist mächtig und wirst verzeihen! Mein Abfall geschah nicht aus freier Wahl, sondern war das Werk eines Zufalls und ich habe in der Religion Isauvis mehr Frieden gefunden, als in deinen oder Astartes Tempeln!«
In meinem Gehirn wirbelte es unter einem Sturm von Erregungen, während Beverlys Gesicht aschgrau wurde und seine Glieder wie Espenlaub zitterten.
Im nächsten Augenblick bereits änderte sich die Szene vollständig, denn das junge Weib, das seines Vaters Tun und Sprechen gar nicht bemerkt zu haben schien, trat auf Ravalette zu, legte die juwelengeschmückte Hand auf seine Schulter, blickte ihm gerade ins Auge, wie wennihr Blick ihn vernichten wollte, und sagte mit leiser, aber klarer, tiefer Stimme: »So also, Feind, sehen wir uns wieder! Willst du noch mehr von deinen Kniffen und Zaubereien versuchen? Willst du der Tochter Im Hokeis' noch mehr Schlingen legen? Was hast du dabei zu gewinnen? Du antwortest nicht. Gut, ich werde für dich antworten:
Erinnerst du dich des Tages – vor vielen, vielen Jahren, als ich noch ein Kind war – da du an eines alten Mannes Tür klopftest und um ein Nachtlager batest? Wohl, ich erinnere mich. Du wurdest von dem edelmütigen Indianer aufgenommen. Du aßest an seinem Tisch, rauchtest seine Pfeife und trankst seinen Wein, dann, als du am Feuer saßest, bemerktest du mich und wolltest mir mein Schicksal weissagen. Du sagtest, ich würde in einem Monat einen traurigen, müden, weinenden, unglücklichen, einsamen Jüngling treffen, der mein Herz entflammen würde; ich würde ihn lieben und ihn heiraten wollen; wenn ich dies aber täte, würden dunkle Wolken über uns heraufziehen und der Morgen der Liebe würde einen Tag des Widerwillens und einen Abend der Sorge und eine Nacht des Verbrechens, der Schande und des Todes bringen. Du sagtest, eine Verbindung mit einem anderen Mann jedoch werde mir alles das geben,was das Leben lebenswert machen kann. Ich glaubte dir, denn vieles von dem, was du weissagtest, ging in Erfüllung. Drei Wochen des Monats verflossen und eines Tages hatte ich einen Traum, und ich sah dich und den Jüngling, den ich im Leben noch nie gesehen hatte. In diesem Traum wiederholtest du alles, was du vorher gesagt hattest, und dann verschwandest du. Aber deine verhaßte Gegenwart hörte nicht eher auf, als bis eine erhabene Gestalt erschien, in Schönheit und Majestät gehüllt, die mir gebot, nicht auf dich zu achten, sondern jenen armen Menschen zu lieben, dessen Schatten vor mir stand – ihn zu lieben, aber es nicht zu gestehen, bis die Stunde gekommen sei; denn wenn ich einen anderen wählte, so würde ich glücklich sein, wenn ich aber ihn wählte, dann würde ich eine Seele vor einem schrecklichen Schicksal bewahren. Sie gebot mir, dir zu widerstehen, den Jüngling zu ermutigen, sein Herz zu trösten und ihn zu ermahnen, er solle nicht verzweifeln, denn er würde trotzdem glücklich sein. Er –«
Aber sie konnte nicht mehr weiter sprechen, Beverly stürzte auf sie zu, stieß Ravalette zur Seite, ergriff ihre Hand, küßte sie und rief:
»Eulampia!«
»Beverly!«
Und sie sanken einander in die Arme.
Ich merkte, daß dieses Drama mit jeder Minute ernster wurde, aber mir blieb keine Zeit, lange darüber nachzudenken, denn in diesem Moment wurde die Tür aufgerissen, und zwar von niemand anderem als dem Polizeikommissär, dem zwei Mann der Garde de Ville folgten; gleichzeitig sah ich durch die offene Tür, daß Treppe und Vorplatz dicht mit Gendarmen besetzt waren.
Die Sache wurde ernsthaft.
Ravalette stand unbeweglich und sagte lächelnd:
»Ihre Mühe ist umsonst, Monsieur! Sie werden nicht benötigt und werden unverzüglich dorthin zurückkehren, woher Sie gekommen sind; der Herr hier, der Sie kommen ließ, kann hier bleiben.«
Diese kühle Bemerkung verwirrte den Kommissär ein wenig, doch erwiderte er: »Es ist meine Pflicht, alle zu schützen, die meinen Schutz für sich oder für andere verlangen.«
»Richtig; aber in diesem Falle ist nichts geschehen, oder auch nur beabsichtigt, was irgend einen Grund für eine solche Maßnahme geben könnte. Aber da Sie nun einmal hier sind, so mögen Sie bleiben, bis Sie sich von der Wahrheitmeiner Worte überzeugt haben. Nehmen Sie Platz!«
Wenn ich sagen würde, daß die Situation »hochdramatisch« war, so gäbe das nur einen sehr annähernden Begriff von diesen seltsamen Ereignissen. Der einzige, der vollkommen ruhig zu sein schien, war Ravalette. Was Hokeis betrifft, so hätten Michelangelo und Raffael zusammen das Bild seines Antlitzes oder nur den hundertsten Teil der ungeheuren grenzenlosen Bestürzung und des Schreckens unmöglich wiedergeben können, der sich auf seinem Gesicht ausdrückte. Nicht zwei Personen sahen die Sache in demselben Licht, oder verstanden einander, aber alle wurden völlig durchschaut von dem großen Meister vor ihnen.
Für eine Weile herrschte beklemmendes Schweigen, das schließlich – sehr zu meinem Erstaunen – von meinem Rosenkreuzerfreunde Beverly gebrochen wurde, der, Ravalette gerade ins Auge blickend, sagte:
»Wer immer du auch sein magst, ich verzeihe dir, daß du versucht hast, mich, einen Sohn Adams, an der Vermählung mit diesem Weibe, Eulampia, der hellstrahlenden Tochter Ichs zu hindern. Ich verzeihe dir, daß du sie zu einer Heirat mit einem andern treiben wolltest, was mich zu einem Schicksal verdammt hätte, vordem ich seit Jahrhunderten zurückbebte. Ich verzeihe dir alles Weh, das du mir zugefügt hast, aus Dankbarkeit für das, was du für mich getan hast, und weil ich glaube, daß dein Helfershelfer mich damals in Boston vor der platzenden Retorte rettete, als ich La Brières Versuch mit dem weißen Feuer wiederholen wollte. Durch dich oder deinesgleichen habe ich unbezahlbare Geheimnisse erfahren. Ich bin dir dankbar dafür, daß du mich das Geheimnis des magischen Spiegels gelehrt hast. Ich bin dir dankbar für das Geheimnis aller Jahrhunderte – die Kunst, das Lebenselixier zu verfertigen, nach dessen Genuß niemand mehr altern kann; wer aber ein Jahr lang davon trinkt, der erfreut sich ewiger Jugend. Ich werde dieses Elixier niemals zu seinem eigentlichen Zweck verwenden, aber fünf von seinen sieben Bestandteilen bilden ein Mittel, das die Chemie seit langem vergebens gesucht hat. Dadurch, daß ich die Formel dafür meinem Freunde und damit der medizinischen Welt hinterlasse, werde ich meine Sünden büßen, indem ich Tausenden das Leben gebe.
Freiwillig, ohne Zwang, verspreche ich feierlich, den Schlaf Sialam zu schlafen, bevor ich dieses Haus verlasse. Und ich will dir alles beantworten, was ich kann, doch unter der Bedingung, daß du vorher das Geheimnis aufhellst,das dich selbst umgibt. Und da ich dir freiwillig das gewähre, was du durch ein Menschenalter voll Betrug nicht erlangt hättest, so sollst du zuerst feierlich bei dem, durch dessen Willen du existierst, du magst nun Mensch oder Teufel sein, versprechen, mich weder jetzt, noch nachher, wenn ich schlafe, irgendwie zu beeinflussen.«
Ein Schimmer plötzlicher Freude flammte in den Augen des seltsamen Wesens vor uns auf. Er blickte wie ein Bräutigam in der Überfülle seiner Freude und indem er seine Hände – bleiche, magere, blauweiße Hände – auf die Brust legte, sah er auf und sagte:
»So sei es! Ich verspreche dir, mit dem fürchterlichsten Eide, den man sich denken kann, daß ich alle deine Bedingungen annehme.«
Hierauf ging er nach dem Alkoven und brachte einen halbkreisförmigen, etwas weniger als mannshohen Bettschirm, der etwa vier Fuß Durchmesser hatte. Er bat den Kommissär, ihn zu untersuchen, was dieser auch tat und dann erklärte, es sei ein ganz gewöhnlicher Bettschirm.
»Sie haben Recht; es ist nichts anderes als ein Bettschirm, ich bitte Sie aber jetzt, irgendeinen Platz in diesen Zimmern zu bestimmen, wo wir ihn aufstellen können; damit Sie aber nicht glauben, ich hätte die Absicht zu entfliehen,fordere ich Sie auf, Ihre Leute hereinzurufen und ihnen den Befehl zu geben, auf mich zu schießen, wenn ich versuche, das Zimmer zu verlassen!«
»Ganz, wie Sie wünschen, Monsieur! Peter, rufe die Leute!«
Die Polizisten kamen sogleich – 27 Mann hoch – herein und als alle vollzählig waren, sagte der Kommissär, auf Ravalette deutend: »Dieser Herr ist fluchtverdächtig, habt acht, daß er eure Reihen nicht lebend passiert. Seht zu, daß mein Befehl pünktlich befolgt wird. Ist es Ihnen so recht, Mr. Ravalette?«
»Vollkommen – vollkommen! Es könnte nicht besser sein.«
»Ihr werdet vierzehn Mann rings um das Haus aufstellen, um die Fenster zu bewachen und die übrigen dreizehn verteilt Ihr auf die Treppe und die Treppenabsätze«, sagte der Kommissär zu dem Sergeanten.
»Soll geschehen«, erwiderte dieser und führte seine Leute wieder aus dem Zimmer – aber nicht bevor ich ihm eine doppelläufige Pistole und einen Revolver, beide frisch geladen und mit neuen Zündhütchen versehen, gegeben hatte – denn ich haßte Ravalette, mochte er ein Mensch oder ein Teufel sein, ich haßte ihn mit einem religiösen Haß – und dies ist wohlder glühendste Haß, den es gibt –; ich hatte den lebhaften Wunsch, zu erproben, ob er kugelfest sei oder nicht.
Während dieser ganzen Zeit hatten der Vater, die Tochter, Beverly, ich und die beiden Gefährten des Kommissärs nichts gesagt; auf ein Zeichen Ravalettes jedoch setzten wir uns nieder, und zwar so, daß wir die Tür zwischen den beiden Zimmern, den Alkoven, den Kredenztisch und die Fenster an beiden Seiten übersehen konnten. Der Kommissär stellte nun den Bettschirm mit der konvexen Seite gegen uns in der Mitte des Zimmers auf, nahm dann neben mir Platz und sagte, daß er nunmehr das seinige getan hätte. Die Blässe seiner Lippen, der Ton, in dem er sprach und die Häufigkeit, mit der er sich bekreuzte und Gebete in schlechtem Französisch und noch schlechterem Latein murmelte, zeigten deutlich, daß er wünschte, es möchte alles vorüber sein.
»Ich bin fertig,« sagte Ravalette, »ich, der ich nichts mehr zu verbergen habe, erkläre, daß ich derjenige bin, den jener Mann – Im Hokeis und sein Parsenstamm – jahrhundertelang für den Gott des Feuers und der Flamme gehalten hat. Das Geheimnis meines Seins kann noch nicht entschleiert werden. Ich bin nicht allein! Die Herrschaft über die Magie und die Materieist eine Erbschaft von Menschenaltern. Wir, die wir einst wie die anderen waren, wurden verdammt durch den Fluch eines Sterbenden wie Isaak Ahasverus, der Jude von Jerusalem, der den Herrn verspottete und anspie, als er sein Kreuz auf dem Schmerzenswege trug, und den er, der Sanftmütige, verfluchte, auf der Erde zu weilen, bis er wieder komme. So mächtig wir in allem anderen sind, kann doch keiner von uns seine eigene Zukunft erforschen: nur besonders Begabte können es, wie dieser Beverly hier. Solche aber werden selten geboren; wenn sie aber geboren werden, so gibt es nur eine Möglichkeit, sie uns dienstbar zu machen; sie müssen im Geiste unvermählt bleiben, sonst können sie nicht den Schlaf Sialam schlafen und auf keine andere Weise können wir das Buch unseres Schicksals enträtseln. Daher die Hindernisse, die wir ihm und jenem Mädchen in den Weg gelegt haben … Es ist möglich, unser Schicksal auf ein neutrales Wesen abzuwälzen, wer immer es auch sein mag. In diesem Falle aber bestand ein starker Beweggrund, jenem Manne die Jahrhunderte aufzubürden, der mein Zeitgenosse gewesen ist, seit Epochen, die weit vor der Erbauung von Babylon und Ninive liegen.
Noch einer dieser Art ist am Leben – und bei ihm ist mir mein Plan mißlungen – es istder Fremde – und noch jemand gibt es: die Mutter dieses Beverly. Ich hoffte, ihn durch Magie zu gewinnen: es ist nicht gelungen. Er hat mich so gesehen, wie ich jetzt bin –« und bei diesen Worten ging er um den Bettschirm herum bis zur andern Ecke und sagte: »Und so.« Wir waren über alle Maßen erstaunt über die Veränderung, die in weniger als zwölf Sekunden vor sich gegangen war:
Ravalette war verschwunden und an seiner Stelle sahen wir einen mageren, dürren, runzligen kleinen Mann, in jeder Beziehung das gerade Gegenteil Ravalettes. »Miakus! so wahr ich lebe – der Mann von Portland und Boston – er ist es!« rief Beverly, als die Gestalt bereits abermals um den Bettschirm herumging, sich von neuem veränderte, »und so!« sagte. »Beim Himmel!« schrie Beverly, »das ist Ettelavar, mein mysteriöser Führer und Lehrer im Reiche des Traums!«
Und schon war eine neue Veränderung erfolgt und mit den Worten: »Und so!« erschienen nacheinander der italienische Graf und Vatterale. In dieser letzten Gestalt sagte er: »Nibchi ist nur eine Umstellung von »Ich bin«, Miakus heißt: »Ich selbst«, Vatterale ist ein Anagramm aus Ravalette und jeder Schuljunge hätte euch sagen können, daß Ettelavar die Umkehrung diesesNamens ist – dieses Namens, der bedeutet: »der Geheimnisvolle«. Für dich, Beverly, bin ich all dies gewesen. Sieh mich jetzt als das, was ich wirklich bin!« Damit ging er abermals um den Schirm herum und erschien als ein kleiner alter Mann, der vom Kopf bis zum Fuß in flammendes Rot gekleidet war.
»Der Vampir: Dhoula Bel!« schrien Beverly und Im Hokeis zugleich.
Was während der nächsten halben Stunde vorging, läßt sich hier nicht schildern; ich bemerke nur, daß Beverly nach Verlauf dieser Zeit in einen tiefen Schlaf gefallen war, und zwar offenbar aus freiem Willen. Das Folgende wird in dem nächsten und letzten Kapitel dieses Werkes zu lesen sein.