Der Zweck und die Bedeutung der Taufe.

Der Zweck und die Bedeutung der Taufe.

Nach den Schreibern des N. Testaments erfüllt die Taufe einen ganz bestimmten Zweck, und klar reden sie bei verschiedenen Anlässen von der hohen Bedeutung derselben. Doch verwandelte man sie später durch die Vorstellung von der Natur und der Wirksamkeit der Taufe in ein abergläubisches Zaubermittel. So ist nachCyrill von Jerusalem(gest. 386) die Taufe „das Lösegeld der Gefangenen, der Ablaß der Missetaten, der Tod der Sünde, die Wiedergeburt der Seelen, das glänzende Kleid, das heilige, unverbrüchliche Siegel, der Wagen zum Himmel, die Freude des Paradieses, die Erwerbung des Reiches, die Gabe der Kindschaft“.[22]Basilius der Große(gest. 379) bedient sich derselben Bilder und Ausdrücke.[23]UndGregor von Nazianz(gest. 390) nennt die Taufe eine „Erleuchtung, eine Flut, wodurch die Sünde vertilgt wird, eine Teilnahme am Lichte, eine Verscheuchung der Finsternis, eine Vollendung des Verstandes, einen Schlüssel zum Himmel“.[24]Diese geschmückte und übertriebene Schilderung von den Vorzügen und Wirkungen der Taufe zeigt, daß dieselbe als einzige Grundbedingung zur Seligkeit gemacht wurde. Sie wurde als „Sakrament“ im höchsten Grade überschätzt, welches, wie wir noch sehen werden, der Bibel völlig fremd ist.

Andere kirchliche Parteien wiederum legten der Taufe gar keinen Wert bei, hielten dieselbe als eine nur äußere Form, und es wäre ganz gleichgültig, in welcher Weise sie vollzogen und ob sie überhaupt befolgt werde oder nicht. Sie betrachten diese Einrichtung als ein lästiges Joch und behalten sich das Recht vor, dieselbe nach Gutdünken zu ändern. Sie brauchen ein System, das ihnen die Auserwählung, Begnadigung und Seligkeit leicht und bequem gewährt; haben sie diese, so machen ihnen biblische Forderungen keine Sorgen. Wir sehen somit, daß der Taufe in beiden Lagern ein Platz angewiesen wurde, den sie weder von Jesu noch den Aposteln erhielt. Es ist deshalb von großer Wichtigkeit, den Zweck ihrer Stiftung sowie ihre Bedeutung im Lichte der hl. Schrift zu betrachten.

Durch die Taufe bezweckt Gott zunächst, sich mit seinem Volk eng zu verbinden. Sie bedeutet „nicht das Abtun des Unflats am Fleisch“, sondern wir schließen durch sie den „Bund eines guten Gewissens mit Gott“.[25]Wir haben in der Taufe „Christum angezogen“ und sind durch diesen Akt erbberechtigt. „Seid ihr aber Christi, so seid ihr ja Abrahams Same und nach der Verheißung Erben.“[26]Wir erklären durch sie öffentlich, daß wir von nun an Christo nachfolgen, ihm allein gehorchen und ein Christo ähnliches Leben führen wollen. Durch die Taufe werden wir auch in die Gemeinde aufgenommen. Sie bezweckt somit auch die Vereinigung der Gläubigen und ihr harmonisches Zusammenwirken. Die Getauften gehören nun dem Leibe Christi an, sie sind Brüder geworden, alle Unterschiede des Lebens haben für sie aufgehört. „Denn wir sind durch einen Geist allezu einem Leibegetauft, wir seien Juden oder Griechen, Knechte oder Freie, und sind allezu einem Geistgetränket.“[27]

Die hohe Bedeutung der Taufe wird uns durch Paulus in Röm. 6, 3–5 klar veranschaulicht, indem er schreibt: „Wisset ihr nicht, daß alle, die wir in Jesum Christ getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. So wir aber samt ihm gepflanzet werden zu gleichem Tode, so werden wir auch seiner Auferstehung gleich sein.“ Und in Kol. 2, 12 lesen wir: „Indem daß ihr mit ihm begraben seid durch die Taufe; in welchem ihr auch seid auferstanden durch den Glauben, den Gott wirket, welcher ihn auferweckt hat von den Toten.“ Die Taufe bedeutet nach dieser Darstellung dasBegräbnisund dieAuferstehungChristi. In der rechten Taufhandlung sieht jedermann in dem Begraben des Täuflings unter dem Wasser das Begräbnis Christi, und in dessen Emporheben aus dem Wassergrab die Auferstehung Christi. Wir geben uns in der Taufe Christo hin, wobei die Wirkung seines Todes und seiner Auferstehung auf uns übergeht, wie dies in dieser Handlung ja so sinnreich ausgedrückt ist. Für uns bedeutet sie ein Ablegen des alten Lebens, das Kreuzigen oder Sterben des alten Menschen und das Nehmen des Lebens des Heilandes, in welchem wir auferstehen, um hinfort in einem neuen Leben zu wandeln. Erfahrungsgemäß konnte deshalb Paulus sagen: „Ich bin mit Christo gekreuziget. Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich in dem Glauben des Sohns Gottes, der mich geliebet hat und sich selbst für mich dargegeben.“[28]Und ermahnend schreibt der Apostel an die Kolosser: „Seid ihr nun mit Christo auferstanden, so suchet, was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der Rechten Gottes. Trachtet nach dem,das droben ist, nicht nach dem, das auf Erden ist. Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott.“[29]„Darum, ist jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu worden.“[30]

Leider hat man diese Handlung durch die spätere Einführung der Besprengung ihrer Bedeutung völlig beraubt und auf diese Weise das göttliche Andenken an die Auferstehung Christi vernichtet.

Ende des Kapitels


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