Die Entstehung und Einsetzung der christlichen Taufe.
Unter den alltäglichen Übungen des Lebens verlieren manche ehrwürdigen Stiftungen und religiösen Gebräuche nicht selten ihre hohe und heilige Bedeutung. Die Gewohnheit wischt sehr oft den Glanz des Göttlichen von ihnen ab und macht das Heilige gemein. Ja, man ist in unserer Zeit sogar sehr geneigt, mit leichtsinnigem Scherz die göttlichen Verordnungen zu entweihen und alle feierlichen Handlungen, die auf Christum hinweisen, entbehrlich zu finden. Verleitet durch einen falsch verstandenen Begriff von „Aufklärung“ oder durch den abergläubischen Mißbrauch der Masse, die zuletzt unter Religiosität nur noch gewissenhafte Übungen äußerlicher Gebräuche versteht, zum Unwillen gereizt, glaubt sich mancher berechtigt, auf alle göttlichen An- und Verordnungen mit Geringschätzung herabblicken zu können und dieselben zu einem „menschlichen Machwerk“ zu stempeln. Es ist deshalb gut, daß wir aus einst ehrwürdigen, nun aber gleichgültig gewordenen Verordnungen der Kirche Christi köstliche Erinnerungen erwecken, damit wir nicht daß Himmlische gefühllos und kalt zu einer gemeinen oder wohl gar lästigen bürgerlichen Verpflichtung hinabsinken lassen, sondern uns die religiösen Handlungen mehr als eine tote und leere Zeremonie sind.
Gehet hin in alle Welt!
Gehet hin in alle Welt!
Daher ist es vor allem nötig, uns darüber klar zu werden, woher die christliche Taufe stammt, ob Gott oder sterbliche Menschen sie einsetzten. Um dies festzustellen, müssen wir zur Bibel greifen, in der uns der allweiseGott durch ihm geweihte Männer diese wichtigen Verordnungen als ewige Denkmäler aufzeichnen ließ. In ihr finden wir den gewissen Grund wahrer Lehre, und nach den in ihr von Gott niedergelegten Bestimmungen müssen wir ihm dienen und ihn verehren.[16]Sie allein ist unser Leitstern, der uns durch den Wirrwarr menschlicher Überlieferungen hindurchhilft.
Bevor Christus seinen Jüngern den Befehl erteilte, hinzugehen, um aller Welt das Evangelium zu predigen und die an ihn gläubig gewordenen Seelen zu taufen, war die Taufe bereits in Anwendung gebracht worden. Sie war von Gott Johannes, dem Vorläufer Christi, als ein Teil des großen Werkes, zu welchem er vom Herrn berufen war, anbefohlen. Wenn dieser von Gott sprach, so bezeichnete er ihn als den, der ihn sandte zu predigen Buße und „zu taufen im Wasser“.[17]Auch Christus hatte nach Antritt seines Lehramtes seine kleine Jüngerschar angeleitet, diejenigen, die seinen Predigten lauschten, ihre Sünden bekannten und ihn im Glauben annahmen, zu taufen.[18]Aber die bestimmte Einsetzung der christlichen Taufe geschah von seiten Christi, und zwarnach seiner Auferstehungvon den Toten. Kurz vor seiner Himmelfahrt versammelte er seine Jünger, die Pfeiler der neutestamentlichen Gemeinde, und gab ihnen den feierlichen Auftrag: „Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden.“[19]Noch genauer gibt uns Matthäus das Wort: „Gehet hin,“ heißt es da, „und lehret alle Völker, und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes, und lehret siehalten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“[20]
Von dieser Zeit an blieb die Taufe eine der wichtigsten Handlungen der Christenheit. Ganze Scharen traten in die Ströme, um von geweihten Händen die Christenweihe zu erhalten.[21]Sogar Könige stiegen von ihren Thronen, um die Taufe, das äußere Zeichen des Bundes, zu empfangen. Jesu Geist beseelte Völker und Fürsten, und der Glaube an ihn, an sein herrliches Evangelium und an seine Lehren verbreitete sich wie ein Lauffeuer über die entferntesten Länder des Erdballs.
Ende des Kapitels