11.Familiennamen der dritten Schicht.

11.Familiennamen der dritten Schicht.

Den aus den Personennamen gebildeten Familiennamen gesellt sich eine gleich große Zahl solcher Bezeichnungen zu, die niemals Personen- (Tauf-)namen gewesen. Diese wurden zunächst entlehnt von derBeschäftigung. Um unter den vielen Konrad oder Johannes einen bestimmten zu bezeichnen, setzte man das Handwerk, welches er trieb, oder das Amt hinzu. Solchen Zusätzen begegnen wir bereits bei den Goten, indem sich unter zwei sonst lateinisch abgefaßten Verkaufsurkunden, die sich aus der ostgotischen Zeit erhalten haben, als Zeugen neben Römern auch finden:Merila bokareis(M. der Bucherer, d. i. Schreiber),Ufitahari papa(U. der Pfaffe),Sunjaifrithas diakun(S. der Diakon),Viljarith bokareis,Gudilub diakun. Dies sind die ältesten germanischen Zusätze von Stand und Gewerbe zur näheren Bezeichnung einer Persönlichkeit. So finden wir denn auch in spätern Urkunden häufig solcherlei Zusätze, wie „Herman der Perchmayster“ (in einer Marburger Urkunde aus dem Jahre 1290), „Herman der Amman“, „Schechel der Mawter“ (Mautner), „Nicla der Schreiber“ (alle ebenda aus dem 14. Jahrhundert) „Huch de smet“ und „Schrift de kremere“ (im Göttinger Urkundenbuch um 1383) usw.

Eine solche Beifügung konnte nun sehr leicht auf den Sohn übergehen, so sich allmählich in einem Geschlechte befestigen und zum Namen der gesamten Familie werden, besonders wenn der Sohn, wie es doch ohne Frage häufig und häufiger als jetzt geschah, die Beschäftigung seines Vaters fortsetzte. Doch war das kaum einmal nötig: der Name des Familienhauptes wurde ohne weiteres auf die übrigen Glieder der Familie, insbesondere auf die Kinder übertragen.

Erscheinungen dieser Art zeigen sich noch heutzutage, da doch längst die feststehenden Familiennamen durchgedrungen sind, im Volksmunde gar nicht selten. So wird in Fr. Reuters „Reis’ nah Belligen“ der Pastorsohn nie mit dem Geschlechtsnamen, sondern immer „Heindrich Paster“ genannt.[40]

Hier muss doch ein schon vorhandener Familienname verdrängt werden, damit die Amtsbezeichnung an die Stelle trete; wie viel leichter war die Sache, wenn solche Verdrängung noch nicht nötig war!

Bei dem Übergange zum Familiennamen fiel zunächst der Artikel, wenn er nicht etwa schon von vornherein gefehlt hatte, regelmäßig fort. So bietet das Göttinger Urkundenbuch neben den vorhin erwähnten Huch de smet und Schrift de kremere in demselben Schriftstück aus dem J. 1383 Eckel Smet und Herman Kremere. Nur in ganz vereinzelten Fällen ist der Artikel stehen geblieben, z. B. inde Pottere(= Töpfer),de Boer(spr. Bûr).[41]

Eine lange, fast endlose Reihe ehrsamer Meister vom Handwerk zieht an uns in diesen Namen vorüber, die uns einen Blick in die friedliche Tätigkeit unserer Vorfahren während des 12.-16. Jahrhunderts tun lassen. Greifen wir einige Gruppen heraus — solcher Handwerke, die für jene Zeit besonders bezeichnend sind.

Auf das alteKriegswesen, wie es vor der Erfindung und allgemeinen Anwendung des Schießpulvers war, gehen Namen wieHarnischmacher,Harnischfeger(der den Harnisch fegt, d. i. glänzend macht, poliert);Armbruster,Pfeilschmidt,Bolzer,Pfeilsticker, niederl.Pielsticker(Verfertiger der Stecken für die Pfeile);Lersner(Verfertiger der Lersen d. i. Lederhosen).

Während diese durch ihr meist geräuschvolles Handwerk dem Schwerte dienten, bewegte in stiller Klause derBücherabschreiberunermüdlich die Feder im Dienste friedlicher Kunst:Bucher,Pucher(der Bücherabschreiber). Ihn unterstützten derBuchfeller(der die Felle zu Büchernbereitet) und derRothmaler(der die bunten Anfangsbuchstaben malte). Alle drei Namen stammen vorzugsweis aus Oberdeutschland, wo die Kunst des Bücherabschreibens und des Ausmalens der Titel und Anfangsbuchstaben mehr als in Niederdeutschland zu Hause war.

Begeben wir uns aus der Enge der Städte hinaus aufs Land, in die freie Natur, so sprechen uns hier besonders die Namen an, welche derJagdundWaldwirtschaftentlehnt sind. Ist doch das Jagen im schönen, grünen Walde von jeher eine Lieblingsbeschäftigung der Deutschen gewesen! Und wieviel ausgedehnter war noch im Mittelalter das Jagdgebiet, da die Wälder einen so unvergleichlich größeren Raum einnahmen, derart, daß die bewohnten Stätten in manchen Landschaften fast nur wie Inseln im Waldmeer erschienen!

Der älteste Name des Jägers istWaider,Weidmann; er bedeutet denjenigen, welcher auf Weide, d. i. Nahrung ausgeht, und weist somit auf jene uralten Zustände in dem Leben unserer Vorväter hin, in welchen die Jagdbeute den vornehmsten Teil der Speise ausmachte. Jünger ist das so häufigeJägermit den ZusammensetzungenGambsjäger,Hasenjäger, während ein Name wieBärenfängerbeweist, daß auch die wilden, starken Tiere des Waldes, die einst der Germane bekämpft hatte, noch nicht ausgestorben waren. Auf die Jagd mit Falken („Federspiel“), einen der beliebtesten Zeitvertreibe in der ritterlichen Zeit, gehenFalkner(Felkner),Hachmeister(s. v. a. Habichtmeister, Abrichter der Stoßvögel). Die älteste Bezeichnung des Waldverwalters dauert noch in dem FamiliennamenWidemarkerfort; derselbe bedeutet den, welcher für die Holzmark (witu Holz) zu sorgen hat. Der Name setzt das Vorhandensein einer gemeinsamen Mark voraus; in der Privatwaldung eines Fürsten oder Adligen dagegen war einHolzknechtangestellt — nach Vilmars treffender Bemerkung ungefähr das, was jetzt Oberforstkollegium, Oberforstrat, Forstinspektor, Oberförster, Unterförster und Forstläufer zusammengenommen sind. Viel häufiger ist indes der NameFörster(Vorster). Daneben sind Zeugen für die ehemalige verschwenderische Waldwirtschaft die FamiliennamenAschenbrennerundAschenbrand; dieselben bezeichnen ein eigenes Gewerbe, welches darin bestand, ganze Waldstrecken niederzubrennen, bloß um Asche zu gewinnen, teils für die Glashütten, teils für die Seifensiederei.

Die zuletzt angeführten Namen sind zum Teil nicht mehr reine Handwerksnamen, sondern bezeichnen, wie Hachmeister und Förster, einAmt. So reihen wir denn hier die Amtsnamen an.

Weltliches Amt und weltliche Würde war im Mittelalter meist erblich geworden. Somit werden wir uns nicht wundern, in unseren Namenverzeichnissen den vollständigen Hofstaat weltlicher und geistlicher Fürsten, vom Kanzler bis zum Schergen, wiederzufinden. Man vergleiche nur folgendes Verzeichnis der Hof-Verwaltungsämter eines Fürsten jener Zeit mitdeutschen Familiennamen: DapiferTruchsess,Droste; PincernaSchenk; MarescalcusMarschall; CamerariusKämmerer; Causidicus oder ScultetusSchuldheiß,Schulz; AdvocatusVogt; MinisterAmmann; VillicusMeier; CellariusKeller; TelonariusZoller,Zöllner; Magister coquinaeKüchenmeister; MonetariusMünzerusw. Daran reiht sich eine Menge Namen von städtischen und Klosterämtern, richterlichen, polizeilichen und militärischen Stellen wieFürbringer(Advokat);Küster,Glöckner,Sigrist(auch Sacristan);StockerundSulzer(Gefängniswärter);Venner(Fähnrich).

Während so diese alten Ämter viele Familiennamen geliefert haben, sind die neueren Amtsbenennungen — glücklicherweise — nicht so fruchtbar gewesen. Weder Kammerherr noch Kammerdiener, weder Präsident noch Superintendent, weder Steuerperäquator noch Hauptzollamts-Kassenkontrolleur werden aus naheliegenden Gründen je zu Familiennamen werden.

Einige Schwierigkeit machen Namen wieKaiser,König,Herzogund ähnliche, bei denen allerdings „gerechte Zweifel sich erheben können, ob solche Familien häufig in den Fall gekommen sind, die durch derlei Namen bezeichnete Würde als wirkliche Lebensbürde zu tragen“ (Pott). Es sind jedenfalls Übernamen, welche die betreffenden Persönlichkeiten in dem sie umgebenden Kreise führten.[42]Ähnlich ist es mitBischof,Probst,Mönchund anderen geistlichen Würden, die sich freilich auch sehr wohl auf patronymischem Wege als Familiennamen festsetzen konnten — trotz dem Cölibat.

Spottnamen sind:Bratengeiger,Giegengack(Bierfiedler),Pinkepank(Schmied),Gaugengigl(Narr, Geck).[43]

Manche alte Bezeichnungen von Amt und Gewerben sind nur in diesen Familiennamen erhalten, da sie sonst, zugleich mit der bezeichneten Sache, erloschen sind — soPlatner,Armbruster. Andere Gewerbe bestehen noch, aber die alten Namen sind erloschen, z. B.Menger= Händler, in ZusammensetzungEisenmenger,Winkler= Kleinverkäufer,Preiswerk= Posamentier.

Interessant sind auch die mundartlichen undlandschaftlichen Verschiedenheiten, die sich hier geltend machen. So istMüller,Millerdie oberdeutsche,Möllerdie niederdeutsche Form;Beck(Mehrh. Becken) oberdeutsche Form statt des norddeutschenBecker(in BaselPfistervom lat. pistor).Leiendeckerist (nach Vilmar) am Rhein und nach Oberhessen hinein wohl verständlich, aber schon in Niederhessen ein Fremdling: einSchieferdecker; denn der Dachschiefer heißt am Mittel- und Niederrhein die Leie. Manches Handwerk hat infolgedessen die verschiedensten Bezeichnungen; so heißen dieSchlächter:Fleischhauer,Fleischhacker,Fleischer,Metzger,Knochenhauer,Beinhauer; dieTöpfer:Hafner,Potter,Eulner. Ebenso bedeutenBinder,Küfer,Böttcher,Büttner,Schefflerim wesentlichen dasselbe.

Manche dieser Gewerbenamen sind außerordentlich häufig, vor allen die fünf:

Müller,Schulze,Meier,Schmidt,Schneider,

Müller,Schulze,Meier,Schmidt,Schneider,

die man deshalb auch die fünf Großmächte in der Namenwelt genannt hat. Den vier ersten wird man diese Stelle nicht bestreiten; doch gegen Schneider als fünften möchten mehrere andere nicht ohne gute Aussichten in die Schranken treten, als da sind:Bauer,Becker,Richter,Weber,Lehmann. Zu Berlin gab es im Jahre 1867 nach Ausweis des Adreßbuches 929 Familien und alleinstehende Personen des NamensMüllerund sogar 1267 des NamensSchulze(Schulz); nächstdem waren dieSchmidtmit 884, dieMeyermit 509 Nummern vertreten. DieLehmannund dieKrügerbrachten es gleichmäßig auf 474, dieRichterund dieHoffmannebenso gleichmäßig auf 354. Alle gehören ausnahmslos in diese Klasse, ihre Häufigkeit erklärt sich aus dem häufigen Vorkommen des betreffenden Gewerbes oder Amtes, besonders auch auf dem Lande. Das trifft bei sämtlichen oben angeführten Namen zu, vor allen bei Müller und Schulze. Da jedes Dorf (in Norddeutschland) seinen Schulzen hatte, fast jedes, wenigstens größere, seinen Müller, so war eine Überfülle daher entspringender, meist gleichlautender Familiennamen unvermeidlich.[44]Obenan steht in dieser Hinsicht unleugbar der Name Schulze (Schulz), den man deshalb versucht wäre kaum noch als Namen gelten zu lassen.

Die hier hervortretende Einförmigkeit wird dadurch noch vermehrt, daß die Namen dieser Klasse an Sproßformen so arm sind. Deminutive Bildungen sowie patronymische fehlen fast ganz, auch genetivische, z. B.Schiffers,Snyders,Zimmermannssind selten und finden sich nur in einzelnen Landschaften, besonders am Niederrhein.

Eine Ausnahme macht der NameSchmid, der mehrfache Ableitungen, namentlich auch Deminutiva wieSchmiedecke,Schmidel,Schmidtleinbietet. Dies erklärt sich daher, daß der Name schon sehr früh vorkommt, schon im 9. Jahrhundert in den Formen Smithart, Smido, Smidilo; er gehört demnach zu den altdeutschen Personennamen, welche ja eine so große Umbildungsfähigkeit im Bereich der Schmeichelformen entwickeln (s.SMID).NebstKaufmann(althochd. Caufman) ist Schmid wohl der einzige vom Gewerbe entlehnte Personenname der altdeutschen Zeit. Das Schmiedehandwerk ist eben das älteste Handwerk der Deutschen; zugleich war es das vornehmste, da seine Aufgabe war, Waffen für den Kampf zu liefern. Mit den Namen berühmter Schwerter wurde auch der des kunstreichen Verfertigers fortgepflanzt, so die Namen Wielands (in der nordischen Wilkinasage), Mimes (in der Wölsungensage). In manchen Gegenden hat der Schmied noch einen mythischen oder heidnischen Schimmer behalten; vielleicht versteht er die Schwarzkunst; man zieht ihn zu Rate, wenn man bestohlen ist. Daher die zahlreichen Schmiedesagen (wie von dem Schmied zu Jüterbogk, der selbst den Teufel zu überlisten weiß und ihn auf dem Amboß übel zurichtet). Es liegt einmal etwas Geheimnisvolles in der Beschäftigung mit dem glühenden Stahl und Eisen.

Wenn, von Schmied abgesehen, sich Sproßformen bei dieser Namenklasse selten finden, so sind dagegenZusammensetzungenhäufiger und ersetzen zum Teil den Mangel an eigentlichen Sproßformen. Um manche dieser Handwerksnamen gruppiert sich eine überraschende Zahl solcher Kompositen; dieselben rühren größtenteils daher, daß das betreffende Handwerk früher in weit mehr Spielarten zerfiel als heutzutage. So finden sich in Nürnberg von 1300–1500 neben Beck:Brodbeck,Fladenpeck,Schwarzpeck(Schwarzbrotbäcker),Tachspeck(späterTäglichsbeck, der alle Tage backt),Judenpegk(der den Juden Matzen backt),Pfennigspeck(der Pfenniglaibe backt),Wasserbeck(der Wasserwecken backt).

Obenan steht in betreff der Zusammensetzungen ohne Frage der NameMeier(Meyer, Maier), vom lat. major der Ältere, sodann Aufseher (eines Landgutes), Verwalter. Dieser Name, welchen einer der großen Sippe, Franz Meyer in Osnabrück, in einer besonderen Einzelschrift („Der Name Meyer und seine Zusammensetzungen“) behandelt hat, zählt weit über 1000 Zusammensetzungen, so daß schwerlich ein anderer Name dieser Klasse sich darin auch nur entfernt mit ihm messen dürfte.

Eine nicht unwesentliche Ergänzung erhält diese Klasse durch die vonWerkzeugen und Gerätenentlehnten Namen. Womit jemand hantierte, danach wurde er benannt. So konnte einen tapfern Krieger der NameDegenkolb, einen Schmid der NameBoßhammerzieren (von boßen = schwer aufschlagen), wie für einen KochSchaumlöffelsehr bezeichnend war.Pfeffersackist ein alter Spottname für Kaufleute, währendKnieriemundLeimpfannnoch heutzutage für jedermann verständlich die betreffenden Handwerke bezeichnen.

Unter den hierher gehörigen Familiennamen nehmen auf dem Gebiete derHausgerätschaftendie derKücheden größten Raum ein:Schaumlöffel,Kessel,Wiegelmesser,Fetthake(ein Hauptgerät der Küche des 15. Jahrhunderts),Feuerhake,Pfannstiel,Ölhafenu. a. — unter denHandwerksgerätendie, welche sich auf grobe Holz- und Eisenarbeit beziehen:Axt,Breitbeil, sowie die Zusammensetzungen mit Hammer.[45]

Geräte der Feldarbeit erscheinen beispielsweis in:Schellpflegel,Pflug(Keil-),Rollwagen,Spannagel.

Doch dieser friedlichen Vereinigung tritt auch hier sofort ein starkes FähnleinkriegerischerNamen gegenüber:Eisenhut,Stahlhuth,Harnisch,Kempeisen(die Eisenkolbe der Gottesgerichtskämpfe),Bauerneisen, die berüchtigten Kirmeßspieße des 15.-16. Jahrhunderts, „mit denen die Bauern sich leichtlich zur Ader ließen“; einen Reitersmann bezeichnen:Klingspor,Holzsadel, den altertümlichen PfeilschützenArmborstundPfeil, während die Feuerwaffen in dem NamenFeuerrohrvertreten sind. Manche dieser Namen gehen zugleich auf dieJagd.

Entsprechend dem Goetheschen „Saure Wochen, frohe Feste“ schließt sich ein heiterer Reigen solcher Namen an, die vonLustbarkeitenund dabei gebrauchten Geräten entlehnt sind.

Danzglock,Schombart(Maske),Glückrad,Kranz,MaikranzundGrünemay,Rosenkranz,Kuttruf(eines der im 15.-16. Jahrhundert äußerst zahlreichen Trinkgefäße). Diese Namen stammen besonders aus Süddeutschland, wo überhaupt mehr leichtlebiger Frohsinn als im Norden herrscht und wo frühzeitig schon im Mittelalter auch ein freier Bauernstand sich bildete. Einen Beleg für die Blüte des letzteren haben wir in der höfischen Dorfpoesie des bayrischen Ritters Neidhart von Reuenthal.

Hierher rechnet Vilmar auch dieMünznamen, deren er volle 20 aufzählt. Darunter sind freilich manche zu streichen, wieDreier, welches die niederdeutsche Form für Dreher, Drechsler ist; auchSchillingundHellersind zweifelhaft zu nennen. Doch bleiben immer noch einige übrig, wieWeißpfennig,Redepenning(barer Pf.),Wucherpfennigund dessen GegenteilSchimmelpfennig,Fünfschilling, bei denen eine Beziehung auf die betreffenden Münzen nicht abzuweisen ist.

Den Geräten mögen sich dieKleidungsstückeanreihen, wie denn schon bei Namen wieEisenhut,Harnischsich beides nicht scharf trennen ließ.

Eine Benennung nach einem auffälligen Kleidungsstücke, welches jemand trägt, ist auch für uns noch etwas Naheliegendes und Gewöhnliches.So sprechen wir vonGrünröcken(Jägern),[46]Rotröcken(roten Husaren — englischen „Rotröcken“),Schwarzröcken, vonWeißmäntelnundRotmänteln.[47]

Fangen wir mit der Kopfbedeckung an, so haben wir hier vor allem die Zusammensetzungen mit Hut:Webelhut(d. i. Wackelhut),Weißhut,Grünhut,Spitzhut; vereinzelterWittkugel(weiße Gogel oder cucullus, eine Kaputze, an einem Kragen desselben Stoffes befestigt, der Schultern und Hals umschloß, so daß vom Kopfe nichts zu sehen blieb als das rings umrahmte Gesicht),Rothkeplu. a.

Das Leibkleid, der Rock, findet sich ebenfalls in mannigfachen Zusammensetzungen:Blaurock,Wittrock(auchWeißkittel),Langrock,Kurzrock; dazu Ärmel inRothärmel,Weißermel(wohl Spottname für Müller); ferner der Mantel inWintermantel,Rothmantel.

Die Beinbekleidung haben wir in:Leinhose,Mehlhose(Spottname für Müller),Kurthose.[48]Die scherzhaftesten unter allen sind:Lodderhose,SchlaphoseundLumphose, ein Kleeblatt, in welchem sich die unsinnige, zuerst von renommistischen Landsknechten aufgebrachte Pludertracht des 16. Jahrhunderts verewigt hat, gegen die der Brandenburger Hofprediger Andreas Musculus 1556 in gerechtem Zorn seine „Vermahnung und Warnung vom zuluderten, zucht- und ehrverwegenen Hosenteufel“ schrieb.[49]

Die Fußbekleidung endlich ist vertreten durchSchuh,Knabenschuch,Holtzschue,Rothschuh(Tanzliebhaber),Bundschuh(der von den Bauern getragene Schnürschuh, der nicht nur eine sprichwörtliche Bezeichnung des Bauern überhaupt, sondern auch ein bekanntes Parteizeichen hat abgeben müssen).

Namen von Speisen entlehnt gehören hierher, soweit sie Personen bezeichnen, welche die betreffende Speise bereiteten, sie an Gäste verabreichten, damit handelten; doch ist gewiß auch häufig jemand nach einer Speise benannt worden, die er besonders liebte.

Auf dieser Tafel stehen im VordergrundeBrotundFleisch,BierundWein, die sich in mannigfachen Zusammensetzungen finden:

Milch-undMehlspeisen sind vertreten durch:Süßmilch,Schlegelmilch(Buttermilch),Hafermehl,Pfannkuch,Butterweck.

Mehr Vereinzeltes übergehen wir hier; doch zu erwähnen ist noch ein deutsches Nationalessen, dieWurst, wonach der deutsche Lustigmacher den Namen „Hanswurst“ (Hans Wurst) erhalten hat, während der französische als „Jean Potage“ (Suppe) und der englische als „John Plumpudding“ auftritt. Die Wurst kommt in deutschen Familiennamen sowohl einfach vor, als auch in genaueren Zusammensetzungen wie:Blutwurst,Krautwurst,Leberwurst.

Es ist im ganzen eine einfache Küche; man braucht sich besonders nur die häufigen Zusammensetzungen mit sauer vorzuhalten:

um sich mit einem Schlage an die genügsamen Tische des 15. Jahrhunderts zurückversetzt zu sehen. (Vilmar, Namenbüchlein S. 48 ff).

Außerdem zeigen sich in den Familiennamen noch Speisen und Getränke, die bereits im 16. Jahrhundert verschwinden, z. B.Gossenbrod, warmes Brot mit Fett begossen, eine Lieblingsspeise alter Zeit, selbst von Dichtern öfter erwähnt,[51]undMoras, über Maulbeeren abgezogener Wein.


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