Chapter 29

Fußnoten:[1]Diese werden nicht als Vornamen verwendet. Wenn also ein Name sich auch als Vorname findet (z. B.Kasten), so liegt darin ein Beweis, daß er einer der beiden ersten Schichten angehört.[2]Ut quisque aliquod optumum genus sereret. Plin. hist. nat. XVIII, 3.[3]Diesen Charakter des Derb-Massiven, das nicht selten selbst in ästhetische Roheit übergeht, hat man auch sonst in der lateinischen Sprache, zumal in der Dichtersprache, gefunden. Vgl. Frommanns fesselnd geschriebene Studie über die „Verschiedenheit des Geschmackes im poetischen Ausdruck bei lateinischen und deutschen Klassikern“ 1866.[4]Die nachfolgenden Namen sind hier in der uns geläufigen Form der deutschen Bibel gegeben, von welcher die ursprüngliche hebräische allerdings mitunter stark abweicht, z. B.Jochânân(Johannes),Scha-ûl(Saul).[5]Wuotan, niederdeutsch Wodan, nordisch Odin, der alles durchdringende Geist, der Gott des überallhin dringenden Sonnenlichtes und des in den Wolken jagenden Sturmwindes, welchem deshalb das windesgleich dahinbrausende Roß heilig ist. Er ist der Kriegs- und Schlachtengott, der die gefallenen Helden um sich sammelt in Walhalla. Auf ihn als Kriegsgott bezieht sich noch jetzt der Auszug des wütenden Heeres, das sturmesgleich hoch durch die Lüfte dahinzieht („wilder Jäger“).[6]Ein solcher Angriff wird z. B. geschildert im Nibelungenliede Str. 2210 f.:„Den Schild rückte Wolfhart, ein schneller Degen gut;Gleich einem wilden Leuen lief er auf ihn an,Die Schar seiner Freunde ihm jäh zu folgen begann.Mit weiten Sprüngen setzt’ erbis vor des Saales Wand.“[7]In der nachfolgenden Übersicht sind die einzelnen Namen in der, soweit erreichbar, ältesten und ursprünglichsten Form aufgeführt, ohne weitere Scheidung der Mundarten, worauf es hier nicht ankommt. Vgl.Abel, Die deutschen Personennamen.Förstemann, Altdeutsches Namenbuch I. Bd.: Personennamen. 1856. Zweite Auflage. 1900.[8]Nimith eure saxas! ruft bei Nennius hist. Brit. cap. 46 Hengist den Seinen zu. ‚Von den mezzerin also wahsin Wurden sie geheizen Sahsin‘ (Annolied).[9]Zusammensetzungen mit brunja (Brünne d. h. Panzer) und helm treten erst spät auf, im 6. Jahrh., meist erst seit dem 8. Jahrh.[10]Lange verwechselt mitArminius, welches wohl abzuleiten von dem Halbgott Irmino, dem kriegerisch dargestellten Wuotan, vgl. Irmingard und Armengardis; Irminfrid und Armenfred u. a.[11]Es finden sich wohl Namen, die mitliebzusammengesetzt sind:Liubgard, mitblid(freundlich, heiter):Bliddrud, mitflat(schön):Albofledis(Elfenschön) — aber sie sind mehr vereinzelt in der Menge. Dagegen kommt nach andern Seiten hin das eigentümlich Weibliche zu entschiedenem Ausdruck. So in den aufRathinzielenden Namen. Wie sehr Frauenrat bei den Germanen geehrt und beachtet wurde, beweist die Sitte, daß man erst dann in den Kampf ging, wenn die Weiber durch Los oder Weissagung erklärt hatten, daß eine Schlacht ratsam sei. Man glaubte eben in Priesterinnen und anderen geistig hervorragenden Frauen eine geheimnisvolle, weissagerische Kraft. Daher nun, abgesehen von den Zusammensetzungen mit Rat, die zahlreichen Namen, die von dem Worterun(Geheimnis, Zauber) gebildet sind:Runhild,Friderun(Friedenszauberin),Sigirun(Siegzauberin). Das Schaffen des Weibes im geschlossenen häuslichen Kreise heben die Namen aufgardhervor, wieAdalgard,Irmingard, dasBergen(schützen, bewahren) die aufbirga(berga) undburg, die sämtlich weiblich sind:Amalabirga,Dietberga,Sigiburg,Waltburgis.[12]Im Deutschen sind sie es fast ausnahmslos, da auch die einfach scheinenden Namen meist Kürzungen aus zusammengesetzten sind. Eine ganz sichere Ausnahme bilden nur einige partizipiale Formen, wieWigand,Heiland.[13]Es sind diese altdeutschen Personennamen eine Saat, die über die ganze europäische Welt ausgestreut ist. Denn den romanischen Völkern haben sich später auch die Slawen und die Madjaren angeschlossen, so daß jetzt bei allen christlichen Nationen Europas und Amerikas diese altdeutschen Namen, wenn auch mannigfach umgewandelt und zum Teil entstellt, sich wiederfinden, zunächst als Vornamen (s. die reichhaltige Zusammenstellung von Michaelis: Vergleichendes Wörterbuch der gebräuchlichsten Taufnamen. Berlin 1856) — aber auch, wenigstens bei den Romanen, als Familiennamen, z. B. bei den Franzosen:Bertrand(Berhtrand),Arnaud(Arnold),Gautier(Walter),Guéroult(Gerold),Regnier(Reginher, Reiner),Baudouin(Balduin),Thibaut(Theobald); bei den ItalienernGualtieri(Walter),Garibaldi(Garibald),Ruggiero(Rüdiger),Sismondi(Sigismund).[14]Abel, Personennamen, S. 44 f.[15]Strackerjan, Die jeverländischen Personennamen. Dergleichen Kürzungen finden sich noch jetzt in Mundarten häufig, mit der vollen Endungobesonders im Friesischen:Edo,Ecko,Luddo,Willo, s.Allmers, Marschenbuch, Land- und Volksbilder aus den Marschen der Weser und Elbe 1861, S. 139, wo ein Verzeichnis von 30 solcher Vornamen gegeben wird, bei denen freilichojetzt auch schon meist in das klangloseeabgeschwächt ist, wie in den norddeutschen FormenEde(Eduard),Lude(Ludwig). — Der umgekehrte Fall, daß nämlich eine Kürzung im Anlaut eintritt, ist selten und dann wohl durch besondere Einflüsse, namentlich fremder Sprachen, zu erklären. SoPrandusausRotprandus(Stark, Die Kosenamen der Germanen, S. 13),RolefürKarlaus der latinisierten FormCarôlus.[16]NachStarksBeobachtungen (S. 52 ff.) sind die ältesten Verkleinerungsformen die aufi, demnächst die mitl(nachweislich aus dem 1. Jahrh. nach Christo), während solche mitkerst seit dem 4. Jahrh. auftreten. Alle drei Formen waren bei dengotischenStämmen sehr beliebt;SachsenundFriesendagegen verwendeten vorzugsweisek, seltent(entsprechend dem ahd.z). Bei denoberdeutschenStämmen erscheinen Deminutiva mitlin überwiegender Zahl, seltener solche mitz(in sicheren Belegen erst seit dem 8. Jahrh.). Nur sparsam, und zwar erst vom 7. Jahrh. an, finden sich Deminutiva mitch; sie sind wahrscheinlich niederdeutschem Einfluß zuzuschreiben, der z. T. durch Kolonisation hervorgerufen ist.Lundkkönnen jede Stelle einnehmen,zscheint auf die erste beschränkt zu sein.[17]Gewöhnl. „Koseformen“, eine Benennung, dieSteubin seinen „Oberdeutschen Familiennamen“ S. 34 mit Recht als etwas „budoirmäßig“ klingend tadelt und für die er „Schmeichelform“ vorschlägt. Im Gegensatze zu ihnen werden die unverkürzten Namen wieGodberaht,SigbertVollnamengenannt.[18]Pauli, Über Familiennamen, insbes. die von Münden. Progr. I, S. 8 f.[19]AbelS. 45–48. —Becker, Die deutschen Geschlechtsnamen, ihre Entstehung und Bildung. Programm der Gewerbeschule zu Basel. S. 17 f.[20]Übrigens wurden auch Träger alter deutscher Namen zu Heiligen gestempelt, und dadurch wurde der Erhaltung dieser Namen selbst Vorschub getan. Solche Heiligennamen weisen die Kalender in großer Zahl nach, z. B.Alfons,Gottschalk,Hildebrand,Hubert(Patron der Jäger),Otto,Wilibaldu. a. m.[21]Förstemann, Über die Bildung der Familiennamen in Nordhausen im 13. und 14. Jahrhundert, Progr. S. 4.[22]Klempin, Diplomatische Beiträge zur Geschichte Pommerns aus der Zeit Bogislaws X. 1859. Zur Veranschaulichung setzen wir ein Verzeichnis der „Praepositi, Dhumpraueste“ des Bistums Kammin her:Sifridus1175–85Conradus1186–1216Thietmarus1222Pribzlaus1224–32Florentius1233–40Conradus1241–49Lambertus1253–91Johannes1297–99Hildebrandus1303–15Reymarus (de Wacholt)1317–23Fridericus de Stalberg1326Barnim de Werle1330–33Conradus dictus de Gripeswold1333–36Bernardus Bere1336–51Marquardus de Tralowe1354–68usw.So ist im allgemeinen der Gang. Genaueres über einzelne Landschaften findet man unter anderen beiKleemann, Die Familiennamen Quedlinburgs und der Umgegend, S. 3. — Wenn wir die Alpen übersteigen, finden wir Familiennamen allerdings viel früher in den italienischen Städten, in denen sie sich, während sie bei uns im 12. Jahrhundert erst im Entstehen sind, bereits seit langen Jahren ganz verbreitet zeigen. Die ersten Spuren finden sich inVenedig, wo schon im 9. Jahrhundert eine FamilieParticiacobegegnet: 809Angelo P., 829Justiniano P., 864Urso P., 881Johannes Particiaco. Hier erbt also der NameParticiaco, ursprünglich der Beiname einer einzigen Person, in dem Geschlechte fort.[23]Allmersin seinem „Marschenbuch“ bemerkt auf Seite 140 f.: „Eigentliche Familiennamen waren bei den Friesen selbst noch bis ins vorige Jahrhundert selten. Der Sohn erhielt zu dem Vornamen seines Vaters nur noch einen eigenen Taufnamen,wie es noch jetzt auf vielen friesischen Inseln Gebrauch ist. Hieß z. B. der VaterEke Lübsund man taufte seinen SohnSiade, so hieß dieserSiade Eks, und der Enkel, wenn er nach dem GroßvaterLübbegenannt wurde,Lübbe SiadsoderEke Lübbe Siads. Das angehängtesist nichts weiter als Bezeichnung des Genetivs. — Man kann leicht ermessen, welche bunte Verwirrung solche Sitte zur Folge haben mußte, und wie ganz besonders, wo es wichtige Erbschaftsangelegenheiten betraf, bei denen oft weitläuftige Namenregister in betracht gezogen werden mußten, die unlösbarsten Verwickelungen oft endlose Prozesse herbeiführten. Früher oder später machte daher in den verschiedenen Marschen ein Gesetz, wonach jede Familie einen festen Namen annehmen mußte, diesem Unwesen ein Ende, welches in manchen Gegenden bis ins letzte Jahrhundert fortdauerte und auf den Inseln sogar heute noch angetroffen wird. Denn wenn auch alle Friesen nunmehr Familiennamen angenommen haben, so betrachten sie, wenigstens die Landbevölkerung, dieselben als unnütze Anhängsel, die nur vor Gericht und bei ähnlichen Gelegenheiten erforderlich sind.“Im Osnabrückischen haftet noch jetzt der Name in den Bauerschaften weniger an der Person als am Hofe. Wenn z. B.MüllerzuB.auf den HofMeyerzuN.heiratet, heißt er selbstMeyerzuN., nicht mehrMüller, höchstensMeyergeb.Müller. Wenn Kinder oder Kindeskinder vom Hofe ziehen, werden sie sich in der RegelMeyer, seltenMüllernennen. (Fr. Meyer, Der Name Meyer, S. 8.) Ähnliches bezeugt für die lippischen FamiliennamenO. Preuß. 1864.[24]Stark, Kosenamen, S. 154. 156.[25]Bemerkenswert ist, daß ja auch Luther vielfältig in der Bibelübersetzung die Eigennamen unverändert, statt im Gen., beifügt, z. B. KinderKorah, TochterZion, SohnIsai.[26]Infolge des häufigen Gebrauches ist aber die ursprüngliche Bedeutung dieser Zusammensetzungselemente allmählich sehr verblaßt, so daß sie teilweise zu bloßen fast bedeutungsleeren Endungen herabgesunken sind.[27]Die rein vokalische Verkleinerungsformi(S. 23) findet sich jetzt nur noch in der Schweiz:Burcki,Fritschi,Hochuli,Welti.[28]Wie Luther „Wörtlin“ u. a. und noch Fischart in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts: „Er hat ein hölzinsRöcklinan.“ Daß übrigens die Endung hier in den Eigennamen nicht den Ton hat, ist selbstverständlich, alsoRümelin(–́ ᴗ –).[29]Daß „Fritz“ als Rufname für Friedrich auch in Niederdeutschland so allgemein verbreitet ist, erklärt sich durch die Verpflanzung der Hohenzollern nach Brandenburg, deren Ahnherr, der Burggraf Friedrich von Nürnberg, im Jahre 1411 von dem Kaiser Sigismund in die Marken eingesetzt wurde. Jedoch finden sich einzelne Formen mitzauch schon früh in niederdeutschen Urkunden:Hence(= Henze) undHinzemehrfach in Urkunden der Stadt Lübeck 13. Jahrh.,Thiezo,Winizo,Reinzound einige andere in der Frekenhorster Heberolle, so daß man mitLübben, Die Thiernamen im Reineke Vos S. 48, wohl hochdeutschen Einfluß hier einräumen muß; ebenso bei der Verbindung deszmitk, wie inTieziko,Meinziko,Raziko, die eigentlich Zwitter sind.[30]Henricus dictus Arnoltz(= Arnolds),Berchtoldus Marchwardiu. a. in Urkunden; deutschHenning Markwardes(wieDarius Hystaspis).[31]Ruprecht, Die deutschen Patronymica, nachgewiesen an der ostfries. Mundart. Programm S. 14.[32]Wir finden sie auch bei den Schweden (Torstenson), Norwegern (Björnson), Dänen (Thorwaldsen), Isländern (Sturluson), Engländern (Wilson,Robinson,Thomson). Im Schottischen entsprechen die Namen mitMac(M’):Mac Gregor(Sohn des Gr.),Macdonald; im Irischen die mitO:O’Connel.[33]BeckerS. 15.Reichel, Die deutschen Geschlechtsnamen. Marburg (Steiermark). Programm. Auch in den Lippischen Familiennamen erscheint als häufig gebrauchte Patronymikalform neben -ingdie Silbe -er, vermittelt durch die Kolonatsnamen, die, vom ersten Besitzer entlehnt, an dem Grundstück haften blieben und auf die Nachfolger übergingen, z. B. in Hakedahl: 1488Henke Druden, 1523Henke Druding, 1538de(=der)Drudener— jetztDrüner. Während man aber bei „Henke Druding“ noch eher an den Sohn der Drude dachte, hat „der Drudener“ schon mehr den Begriff des Inhabers des Hofes der Drudings und damit den eines Repräsentanten der Familie angenommen. (O.Preuß, Die Lippischen Familiennamen S. 15 f.)[34]Vgl. Johannes Vorn Hesen 1530 (d. i. Frauen Hedwig Sohn); Gisilbertus, filiusOdilie1036; Rudolf et Ulrich filiiAdelheidis1149.[35]Auf süddeutschen Schulen sogarHómer,Hóraz,Vírgil.[36]Vgl. W.Wackernagel, Die Umdeutschung fremder Wörter. 2. Ausg. 1863. S. 32 ff., 36 f.[37]Die Scheidung nach den Mundarten ist hier schwierig und nicht immer streng durchzuführen. So findet sichNickel, welchesVilmar, Namenbüchlein S. 6 als hochdeutsch bezeichnet, auch im Niederdeutschen, hinwiederKlas(wovon Klasl) auch im Oberdeutschen (Bayrischen).Jochen, wie nach Vilmar der Hochdeutsche den Namen Joachim abkürzen soll, ist dem pommerschen Landmann die gewohnte Form.[38]Hieronymus: in SachsenGruner, in HolsteinHarms, in der SchweizRonus,Rones,Roni,Muss,Müssi, in HessenGrolmann(nach Becker S. 19). Am wenigsten hat sich von der ursprünglichen Form entfernt der NameKronymus, den Fröhner aus Karlsruhe anführt.[39]Vgl. das Mittelhochdeutsche, wo die lateinische Endungusbei Namen regelmäßig inesabgeschwächt wird:Philippes; auchLiboriusundLiborghesals Vornamen bei Klempin.[40]PauliI. S. 11: „In meiner Vaterstadt wurden die Kinder des Konrektors sowie die des Kantors nicht mit ihren FamiliennamenRichter,Müllerbezeichnet, sondern fast ausschließlich als Minna Konrektorn, Julius Kantor usw.“[41]Diese Namen, die Pauli aus Hannover und Ostfriesland beibringt, beruhen auf der Einwirkung des Holländischen, wo noch häufig dasdeerscheint; man denke ande Ruyter,de Vrient(Devrient) u. a.[42]Zum Teil mögen sie auch von Wirtshausschildern entlehnt sein.[43]Aus älterer Zeit (niederdeutsch):Musekensteker(Mäuschenstecher),Duvendriver(Taubentreiber).[44]An Scherzen über diese Namen, insbesondere über Schulze und Müller, hat es nicht gefehlt. Angeblich lebten im Jahre 1880 30000 Schulzes innerhalb des Zollvereins. Lustspiele sind auf der Häufigkeit dieses Namens erbaut worden, ebenso wie auf der Verwechselung von Müller und Miller. — Um diese vielen Namensvettern zu unterscheiden, hat der Volksmund zu allerhand Zusammensetzungen seine Zuflucht genommen:Sünden-Müller(bedeutender Theolog, dessen Hauptschrift „Die Lehre von der Sünde“ ist),Linden-Müller(ein Berliner Volksredner aus dem J. 1848, der seine Vorträge „Unter den Linden“ hielt).Flausch-Müller(ein nach seinem Rocke benannter Student);Blut-Schulze(der Physiolog),Graupen-Schulze(ein Berliner Kaufmann),Theater-Schulzeusw.[45]Von diesen ist jedoch ein guter Teil als nicht hergehörig auszuscheiden, da sie (nachSteub, Oberd. Familiennamen S. 148) Ableitungen von Ortsnamen sind aufheim, oberbayr.ham:Mooshammer= Moosheimer,Forchhammer. Überhaupt ist bei dieser Klasse Vorsicht vonnöten, insofern viele Namen nur scheinbar hierher gehören, in Wahrheit aber auf andere Quellen, namentlich auf Personennamen zurückgehen, z. B.Rost(auch althochd. Rusto, der Gerüstete),Kasten(st. Karsten) auf Christian.[46]Johann Rickweg, Zimmermann und kühner Schmuggler, der 1813 im Lande Wursten durch seine feurige Beredsamkeit einen Aufstand gegen die Franzosen zu stande brachte, wurde nach seiner beständigengrünenKleidung im Volke nurJan Gröngenannt (Allmers, Marschenbuch S. 228).[47]Bekannt ist aus Coopers amerikanischen Romanen der „Lederstrumpf“, so benannt von den Moccasins, die dieser alte Jäger nach indianischer Sitte zu tragen pflegte. Wie leicht sich solche Benennungen noch jetzt bilden, möge das Beispiel jenes Kapitäns Dilger beweisen, der, ursprünglich preußischer Artillerieoffizier, 1864 nach Amerika ging und als Befehlshaber einer Batterie in das Heer der Nordstaaten trat, wo er sich durch Kühnheit und Ausdauer hervortat und unter dem Spitznamen „Lederhose“ jedem Offizier und Soldaten bekannt war. „Während des Kampfes stand er immer da in Hemdärmeln und seinen glatt anliegenden Hosen von Hirschleder.“[48]Schon im J. 905 in Verona ein „Johannes, qui alio nomine Braccacurta vocitabatur“.[49]Rud. Schultze, Die Modenarrheiten. Ein Spiegelbild der Zeiten und Sitten für das deutsche Volk. 1868.[50]Nicht aberReichwein,Trautweinu. a., die mit dem altenwin(nichtwîn) „Freund“ zusammengesetzt sind. AuchAltweinundGutweinsind schon zweifelhaft wegen altdeutschAldwinundGodwin.[51]Z. B. wird im „Renner“ des Hugo v. Trimberg „ein wol begozzen wecke“ als Leckerbissen genannt.[52]Wie sehr das Mittelalter zu Spott und Satire aufgelegt war, geht unter anderem daraus hervor, daß fast jede Landschaft ihr Schöppenstedt oder Schilda hatte und daß die Bewohner gar mancher Landschaft oder Stadt Beinamen führten. So hießen (und heißen) beispielsweise die Illzacher im Elsaß „Mondfänger“, die zwischen Ill und Rhein Wohnenden „Rheinschnaken“, die Schlesier „Eselsfresser“ — in Pommern die Wolliner „Stintköppe“ und die Kamminer „Flunnerköppe“ (nicht „Plunderköppe“, wie Riehl angibt), wegen der vielen dort gefangenen Stinte und Flundern.[53]Den Übergang stellen unter anderem in friesischen Urkunden dar die NamenformenKersten rikenebenK. de rike,Floreke wittenebenF. de witte. Im Holländischen ist der Artikel geblieben:de Grote,de Jonghe,de Wit; ähnlich im Französischen:Lebeau,Legrand,Lejeune.[54]Ferner in Urkunden: Marquart derHunt, 12. Jahrh. Gislebertus pro sua proceritate cognominatusGrus(Kranich); Hugo de Wenden dictusAries(Widder); HugoCoturnix(Wachtel).[55]Doch ist beiBacmeister, Germanistische Kleinigkeiten S. 36 aus alten Urkunden angeführt:Heneke mit dem dumen1373 Braunschw.,Liebhard mit der Hand1383 Augsb., auchFridericus Mittemmunde1190; bei Trötscher (Die ältesten Egerer FN.):Chunrat mit der prust,Endres mit dem part— Zusätze, die doch wohl so zu verstehen sind, daß die genannten Körperteile wegen irgend einer Eigentümlichkeit auffallend waren. Auch ist zu vergleichen aus der Sage:Bertha mit dem Fuße=B. mit dem großen F., altfranz.Berthe as grands piés.[56]Aus Urkunden des 11.-15. Jahrh. führt Stark S. 153 an:Everhardus der Spizebart,Jacobus langenase,Hartwig Churzhals— desgl. Reichel aus Marburger Urkunden:Jacob de Chrafuez(Krähenfuß),Heinrich Krumnas. — Becker aus Köln 13. Jahrh.:Buntebart,Gobelin dictus Hardevust;Hans Schweinerüssel(16. Jahrh.).[57]In Pasewalk heißt ein alter Wartturm noch jetztKiekindemark, desgl. ein Hof in Mecklenburg.[58]Wendehals,Streckfußund ähnliche Bezeichnungen bedeuteten ursprünglich so viel als ein Hals zum Wenden, ein Fuß zum Strecken (wie Lockvogel „ein Vogel zum Locken“, Gießkanne „eine Kanne zum Gießen“). Diese wurden später umgedeutet, man sah in dem ersten Gliede einen Imperativ, und so entstanden die imperativischen Namen. Wie kann man aber dazu aufgefordert werden, den Frieden zu stören, nicht gut zu tun usw.? Die imperativische Bedeutung rechtfertigt sich dadurch, daß dem, an welchem eine Eigenschaft oder Gewohnheit haftet, gleichsam zugerufen wird, das zu tun, was er ohnehin und immer tut, und was man an ihm wahrzunehmen gewohnt ist. Ein Friedensstörer, einer der nicht gut tut, wird ironisch aufgefordert zu tun, was er doch nicht läßt, und so erhält er den Namen Störenfried, Tunichtgut. Findet eine solche Aufforderung doch auch in Wirklichkeit öfters statt. Unvorsichtigen und Leichtsinnigen hört man im täglichen Leben zurufen: Schneide dich! Fall herunter und brich den Hals! Trotzigen: Ja trotze noch! (S. Andresen, Imperativnamen. Archiv für neuere Sprachen, Bd. XLIII, S. 296).[59]Anderseits sind freilich auch manche in Vilmars Verzeichnis als nicht hierher gehörig zu streichen, wieBaldauf,Gangauf, die richtiger als Ableitungen altdeutscher Personennamen (Baldolf,Gangolf) gefaßt werden;Richzenhain,Rollenhagen,Stemshorn, die ursprünglich Ortsnamen sind und daher in die folgende Klasse c) gehören. Auch Andresen beachtet das Hereinspielen der Ortsnamen nicht immer genügend.[60]Eine hübsche Illustration zu den letztaufgeführten Namen bietet jene höchst bezeichnende plattdeutsche Grabschrift eines mecklenburgischen Junkers in der Kirche zu Dobberan:Wiek, Düwel, wiek wiet van my!Ick scher my nich en Haar um dy;Ick bin en Meckelbörgsch Edelmann,Wat geit dy, Düwel, min Supen an?Ick sup mit mim Herrn Jesu Christ,Wenn du Düwel ewig dösten müst;Ick sup mit em ne söte Kolleschal,Wenn du sittst in de Höllenqual.Drum rad ick: wiek, lop, renn un gah,Eh, by dem Düwel! icktoschlah![61]Becker, Geschlechtsnamen S. 6. —Vilmar, Namenbüchlein S. 15.[62]„Von Würzeburc ich Kuonrât“ im „Otto mit dem Barte“, Z. 760.[63]Becker stellt mehrere Reihen alter Namen dieser Art zusammen, aus Köln (12. Jahrh.) die Geschlechter:vom Neumarkt,de Monticulo(vom Bühel); aus Zürich:zer Linden,im Hof,am Thor; vom Lande aus der Umgegend des Vierwaldstätter Sees:in der Ouwe(Aue),in der Matta,bim Schechen,ze dem Brunnenu. a. — Pott führt aus Ehrentrauts friesischem Archive Bd. I H. 3 an:Wilken thom dyke,Oltman bi der muren,eylerd mank den schurenu. a.; aber auch schon ohne Verhältniswort:Robeke bakhus,borcherd netelhorst,Godeke stengrauen. — Aus der Kölner Universitätsmatrikel (15. Jahrh.) füge ich hinzu:Henricus in der sunnen,Henricus super lapidem,Everhardus uff dem Velde,Conradus van der Lynden.[64]Anderer Art, wenn auch ähnlichen Sinnes sind die Zusammensetzungen mit Mann:Grundmann,Lehmann,Buschmann,Horstmann,Gampmann.[65]Das Verhältnis der Familiennamen zu den Ortsnamen und das bedeutende Hereinspielen der letzteren ist von manchen nicht genügend in Betracht gezogen worden, namentlich nicht von Vilmar, der, zu sehr nach dem äußeren Schein und Klang urteilend, viele Namen falsch einreiht. So stellt erSchönaich,Staudachunter die Pflanzen, berücksichtigt beiBaumundHornnicht, daß diese einfach oder als zweiter Teil der Zusammensetzung häufig als Ortsnamen vorkommen usw.[66]Stark S. 156: RudolfusStrubingar(Straubinger) 12. Jahrh.; Heinrich derWiener14. Jahrh. — Henricus dictusMijssener(Meißner) Köln. Univ.-Matrikel 1390.[67]In Klempins Pommerschen Namenverzeichnissen aus dem Ende des 15. Jahrh. findet sich kein einziger Name dieser Art, immer ist die Ortsbenennung unverändert, mit verhältniswörtlicher Ellipse, verwendet:Arnstorp,Paswalck,Rosendal,Schenkenberghusw.[68]Kleemann(Die Familiennamen Quedlinburgs und der Umgegend S. 167) zählt in der großen Feldmark von Quedlinburg 15 ehemalige, jetzt verschwundene Dörfer auf.[69]Z. B.Opitz von Boberfeld,Hoffmann von Hoffmannswaldau. Auch Abstrakta wurden und werden verwendet wie:Löllhöfel von Löwensprung,Adler von Adlerskampf,Riebel von Festertreu,Tengg von Lanzensieg.[70]Daß in noch früherer Zeit auch dieWaffender Helden, namentlich dieSchwerterNamen hatten (Altekläre = hoher Glanz, Preciosa, Angurwadel), ist aus den Epen des Mittelalters bekannt.[71]Ähnlich war es in England noch zu Ende des 17. Jahrhunderts: „Die Häuser (in London) waren nicht numeriert. Es würde in der Tat von geringem Nutzen gewesen sein sie zu numerieren; denn von den Kutschern, Sänftenträgern, Lastträgern und Laufburschen Londons konnte nur ein sehr kleiner Teil lesen. Es war nötig, Zeichen zu gebrauchen, die der Unwissendste verstehen konnte. Die Läden unterschieden sich daher durch gemalte Zeichen, welche der Straße ein heiteres und groteskes Ansehen gaben. Der Weg von Charingcross nach Whitechapel ging durch eine unendliche Folge von Sarazenenköpfen, Königseichen, blauen Bären und goldenen Lämmern, welche verschwanden, wie sie nicht mehr als Leitfaden der gemeinen Leute nötig waren.“ (Macaulay, Gesch. Englands seit dem Regierungsantritt Jakobs II., Bd. 2 in dem Kapitel: Zustand Englands im Jahre 1685.)[72]Schiller im Tell I, 2 von Stauffachers Hause:„Mit bunten Wappenschildern ist’s bemaltUnd weisen Sprüchen.“[73]Man vergleiche schwedische Namen wievon Tigerström(ein Strom, an dem Tiger hausen, in Skandinavien!),Gyllenstorm(goldner Sturm) u. a. — auch die jüdischen Familiennamen (s. weiterhin).[74]Urspr. bloßerKoch, aber anmaßlicherweise eingedrungen in die römische Gens Cocceja (Pott).[75]Friedrich der Große hat gelegentlich darüber seinen Spott ausgegossen, siehe den Bericht über seinen Besuch im Rhin- und Dossebruch (1779), verfaßt vom Oberamtmann Fromme, welcher den König durch den Fehrbelliner Amtsbezirk begleiten mußte und alles aufgezeichnet hat, was er an diesem denkwürdigen Tage erlebt und aus des Königs Munde vernommen.König: Wie heißt Ihr?Amtsrat(des Amtes Neustadt): Klausius.König: Klau-si-us. — — Was ist das für ein Mensch, der da rechts?Fromme: Der Bauinspektor Menzelius, der hier die Bauten in Aufsicht gehabt hat.König: Bin ich hier in Rom? Es sind ja lauter lateinische Namen! — — Wie heißt die Kolonie?Fromme: Klausiushof.Amtsrat: Ihre Majestät, sie kann auch Klaushof heißen.König: Sie heißt Klau-si-ushof. Wie heißt da die andere Kolonie?Fromme: Brenkenhof.König: So heißt sie nicht.Fromme: Ja, Ihro Majestät! Ich weiß es nicht anders!König: Sie heißt Brenkenhofi-ushof.[76]Im Segen Jakobs (1. Mos. 49) wird Juda ein junger Löwe, Naphthali ein Hirsch, Benjamin ein Wolf genannt. Der Adler ist ein Bild sich erneuender Jugend (Ps. 103,5 u. a.).[77]Gold,Golde,Feingold,Goldader,Goldbach,Goldbaum,Goldberger,Goldenberg,Goldenkranz,Goldfaden,Goldfarb,Goldfinger,Goldmann,Goldmark,Goldreich,Goldstein,Goldstrom,Goldtreu,Goldziherusw.[78]Bemerkenswert ist es, daß die Frau auch wohl denVornamen des Mannes mit annimmt:Esther Salomon Gottschalk,Bertha Philipp Freundlich— es ist eben dieFirma, die so selbst noch auf den Grabsteinen prangt.[79]Andree, Zur Volkskunde der Juden. S. 125 ff.[80]Früher beseelte die Deutschen ein stolzes Selbstgefühl, über welches als die „Teutonicis innata superbia“ Schriftsteller anderer Nationen klagen. „Seit jenem unseligen Kriege,“ ruft Gfrörer bitter aus, „sind die Deutschen ein Volk von Bedienten geworden!“„Ich bin Franzos!“ „Engländer!“ „Ich Russe!“ — Und Sie, mein Verehrter?„Schulze aus Meiningen, Herr! Dero ergebener Knecht!“ (Xenien der Gegenwart.)[81]Schon lange vor dem letzten Kriege.[82]Diese lächerlichen Schreibungen finden ein Gegenstück nur in den Entstellungen deutscher Namen auf Häuserschildern in Metz (vor 1870):Chemit(Schmidt),Quoinze(Kuntz),Choultse(Schulze) u. a. — Über die Polonisierungen früherer Jahrhunderte spricht Winckler, „Die Nationalitäten Pommerellens“ S. 4 f., welcher dort ein Verzeichnis der während der polnischen Herrschaft polonisierten Adelsgeschlechter gibt. So wurde aus Ahlebeck gemachtAlebitzki, aus Behme —Bem, aus Hutten —Ozapski, aus KochensteinKochanski, aus Schönborn —Szumborskiusw. Noch häufiger jedoch wurde den deutschen ein polnischer, vom Besitz entlehnter Name hinzugefügt, so daß nun diese merkwürdigen Zwitter entstanden wieStein von Kaminski,Otterfeld-Rybinski. Doch diese Maskierungen werden durch den Druck der mehr als dreihundertjährigen polnischen Gewaltherrschaft in Westpreußen einigermaßen entschuldigt. Welche Entschuldigung aber haben diejenigen, die in der Gegenwart unter einer deutschen Regierung ihre Nationalität verleugnen und mit den Feinden des Vaterlandes gemeinsame Sache machen?[83]Rüstow in seinen „Erinnerungen aus dem italienischen Feldzuge von 1860“: „DieungarischeLegion bestand aus allen Nationen; besonders waren auch viele Norddeutsche darin. DiedeutschenOffiziere in derselben hatten sich ungarische Namen gegeben“ — wozu das Magazin für Literatur des Auslandes (1862, Nr. 7) bemerkt: „Es ist wirklich rührend und für jeden echten Deutschen erhebend. Man möchte glauben, wenn einmal ein Freiheitskrieg der Kongoneger ausbricht, und deutsche Landsknechte dahin kommen, so lassen sie sich, abgesehen von den schwarzen Namen, die sie natürlich annehmen, mit echtem Kienruß färben, um den Negern ihre Farbe und Nationalität nicht mißliebig zu machen.“[84]Bernhardi, Sprachkarte von Deutschland. —Kiepert, Völker- und Sprachenkarte von Deutschland und den Nachbarländern. —Ders.Völker- und Sprachenkarte von Österreich. —Perthes’Alldeutscher Atlas. Bearbeitet von Langhans 1900.[85]Nach der üblichen geographischen Zweiteilung des deutschen Landes.[86]Ein Beispiel dieser sehr abweichenden Mundart ist das saterländische „Skippers sankje“ (Schiffers Gesang), mitgeteilt von Poppe, Globus 1872 Nr. 12. Daß übrigens in diesem ganzen Kapitel nur dieLandbevölkerung in Betracht kommen konnte, ist wohl selbstverständlich.[87]Westlich durch die niederrheinische Landschaft (besonders Reg.-Bez. Düsseldorf) wenn auch in stark verminderter Menge.[88]In Mecklenburg auchKröger,Köster,Schriewer.[89]Damit sind die Familien noch nicht als urspr. wendisch gekennzeichnet. Der Name besagt ja nur, daß der Ahnherr des Geschlechtes aus dem bezügl. Orte stammte; er kann also sehr wohl und wird in Wirklichkeit meistens deutscher Abkunft gewesen sein.[90]Aus -ekentwickelte sich -ke, wie inPawelkeausPawelek,MardschinkeausMarcinek. In andern Fällen wurden volle Vokale (a,i) abgeschwächt, wie inJütersonkeausJutrzenka,Palbitzkeaus -ki. Dadurch haben die Namen aufke, aus mehreren Quellen fließend, solchen Zuwachs erhalten, daß sie in Hinterpommern (etwa 15 v. H.) dreimal so zahlreich als in Vorpommern sind.[91]Die altdeutschen Vollnamen und ihre ein- oder zweistämmigen Kürzungen ohne Verkleinerungssuffix, welche die allgemeine Grundlage auch hier bilden, werden nicht weiter hervorgehoben. Nur die Eigentümlichkeiten der einzelnen Landschaften sollen hier möglichst ins Licht gestellt werden.[92]Im Luxemburgischen bisweilen in französischer Schreibung:Bouchholzer,Bourggraff,Brandenbourg—Nitschké.[93]Fast immer in dieser einfachsten Schreibung.[94]FürBayernfehlten mir leider die ausreichenden Unterlagen — ebenso wie für Elsaß-Lothringen, die deutschen Teile von Österreich-Ungarn und der Schweiz.[95]Hier ragt ja auch das Polnische in die Provinz herein.[96]Anderseits begegnen auch viele deutsche Namen (bis zu 25 v. H.) in den überwiegend polnischen Kreisen.[97]Zusammengestellt nach den Kirchenbüchern der Gemeinde Wachholzhagen (Kreis Greifenberg, Pommern), die in den Konfirmanden-Verzeichnissen bis 1586, im übrigen bis 1619 zurückgehen.[98]Kiepert, Völker- und Sprachenkarte von Deutschland und den Nachbarländern. —Rich. Böckh, Sprachkarte vom preußischen Staate nach den Zählungsaufnahmen vom Jahre 1861, im Auftrage des Königl. statistischen Bureaus bearbeitet.[99]An dieser Stelle fließen Slawisch und Deutsch teilweis zusammen und es ist keine strenge Grenze zu ziehen, da manche Namen aufkesowohl deutschen als slawischen Ursprunges sein können, z. B.Jankedeutsche Verkleinerungsform vonJohannesund auch slawische, durchJanekvermittelt.

Fußnoten:[1]Diese werden nicht als Vornamen verwendet. Wenn also ein Name sich auch als Vorname findet (z. B.Kasten), so liegt darin ein Beweis, daß er einer der beiden ersten Schichten angehört.[2]Ut quisque aliquod optumum genus sereret. Plin. hist. nat. XVIII, 3.[3]Diesen Charakter des Derb-Massiven, das nicht selten selbst in ästhetische Roheit übergeht, hat man auch sonst in der lateinischen Sprache, zumal in der Dichtersprache, gefunden. Vgl. Frommanns fesselnd geschriebene Studie über die „Verschiedenheit des Geschmackes im poetischen Ausdruck bei lateinischen und deutschen Klassikern“ 1866.[4]Die nachfolgenden Namen sind hier in der uns geläufigen Form der deutschen Bibel gegeben, von welcher die ursprüngliche hebräische allerdings mitunter stark abweicht, z. B.Jochânân(Johannes),Scha-ûl(Saul).[5]Wuotan, niederdeutsch Wodan, nordisch Odin, der alles durchdringende Geist, der Gott des überallhin dringenden Sonnenlichtes und des in den Wolken jagenden Sturmwindes, welchem deshalb das windesgleich dahinbrausende Roß heilig ist. Er ist der Kriegs- und Schlachtengott, der die gefallenen Helden um sich sammelt in Walhalla. Auf ihn als Kriegsgott bezieht sich noch jetzt der Auszug des wütenden Heeres, das sturmesgleich hoch durch die Lüfte dahinzieht („wilder Jäger“).[6]Ein solcher Angriff wird z. B. geschildert im Nibelungenliede Str. 2210 f.:„Den Schild rückte Wolfhart, ein schneller Degen gut;Gleich einem wilden Leuen lief er auf ihn an,Die Schar seiner Freunde ihm jäh zu folgen begann.Mit weiten Sprüngen setzt’ erbis vor des Saales Wand.“[7]In der nachfolgenden Übersicht sind die einzelnen Namen in der, soweit erreichbar, ältesten und ursprünglichsten Form aufgeführt, ohne weitere Scheidung der Mundarten, worauf es hier nicht ankommt. Vgl.Abel, Die deutschen Personennamen.Förstemann, Altdeutsches Namenbuch I. Bd.: Personennamen. 1856. Zweite Auflage. 1900.[8]Nimith eure saxas! ruft bei Nennius hist. Brit. cap. 46 Hengist den Seinen zu. ‚Von den mezzerin also wahsin Wurden sie geheizen Sahsin‘ (Annolied).[9]Zusammensetzungen mit brunja (Brünne d. h. Panzer) und helm treten erst spät auf, im 6. Jahrh., meist erst seit dem 8. Jahrh.[10]Lange verwechselt mitArminius, welches wohl abzuleiten von dem Halbgott Irmino, dem kriegerisch dargestellten Wuotan, vgl. Irmingard und Armengardis; Irminfrid und Armenfred u. a.[11]Es finden sich wohl Namen, die mitliebzusammengesetzt sind:Liubgard, mitblid(freundlich, heiter):Bliddrud, mitflat(schön):Albofledis(Elfenschön) — aber sie sind mehr vereinzelt in der Menge. Dagegen kommt nach andern Seiten hin das eigentümlich Weibliche zu entschiedenem Ausdruck. So in den aufRathinzielenden Namen. Wie sehr Frauenrat bei den Germanen geehrt und beachtet wurde, beweist die Sitte, daß man erst dann in den Kampf ging, wenn die Weiber durch Los oder Weissagung erklärt hatten, daß eine Schlacht ratsam sei. Man glaubte eben in Priesterinnen und anderen geistig hervorragenden Frauen eine geheimnisvolle, weissagerische Kraft. Daher nun, abgesehen von den Zusammensetzungen mit Rat, die zahlreichen Namen, die von dem Worterun(Geheimnis, Zauber) gebildet sind:Runhild,Friderun(Friedenszauberin),Sigirun(Siegzauberin). Das Schaffen des Weibes im geschlossenen häuslichen Kreise heben die Namen aufgardhervor, wieAdalgard,Irmingard, dasBergen(schützen, bewahren) die aufbirga(berga) undburg, die sämtlich weiblich sind:Amalabirga,Dietberga,Sigiburg,Waltburgis.[12]Im Deutschen sind sie es fast ausnahmslos, da auch die einfach scheinenden Namen meist Kürzungen aus zusammengesetzten sind. Eine ganz sichere Ausnahme bilden nur einige partizipiale Formen, wieWigand,Heiland.[13]Es sind diese altdeutschen Personennamen eine Saat, die über die ganze europäische Welt ausgestreut ist. Denn den romanischen Völkern haben sich später auch die Slawen und die Madjaren angeschlossen, so daß jetzt bei allen christlichen Nationen Europas und Amerikas diese altdeutschen Namen, wenn auch mannigfach umgewandelt und zum Teil entstellt, sich wiederfinden, zunächst als Vornamen (s. die reichhaltige Zusammenstellung von Michaelis: Vergleichendes Wörterbuch der gebräuchlichsten Taufnamen. Berlin 1856) — aber auch, wenigstens bei den Romanen, als Familiennamen, z. B. bei den Franzosen:Bertrand(Berhtrand),Arnaud(Arnold),Gautier(Walter),Guéroult(Gerold),Regnier(Reginher, Reiner),Baudouin(Balduin),Thibaut(Theobald); bei den ItalienernGualtieri(Walter),Garibaldi(Garibald),Ruggiero(Rüdiger),Sismondi(Sigismund).[14]Abel, Personennamen, S. 44 f.[15]Strackerjan, Die jeverländischen Personennamen. Dergleichen Kürzungen finden sich noch jetzt in Mundarten häufig, mit der vollen Endungobesonders im Friesischen:Edo,Ecko,Luddo,Willo, s.Allmers, Marschenbuch, Land- und Volksbilder aus den Marschen der Weser und Elbe 1861, S. 139, wo ein Verzeichnis von 30 solcher Vornamen gegeben wird, bei denen freilichojetzt auch schon meist in das klangloseeabgeschwächt ist, wie in den norddeutschen FormenEde(Eduard),Lude(Ludwig). — Der umgekehrte Fall, daß nämlich eine Kürzung im Anlaut eintritt, ist selten und dann wohl durch besondere Einflüsse, namentlich fremder Sprachen, zu erklären. SoPrandusausRotprandus(Stark, Die Kosenamen der Germanen, S. 13),RolefürKarlaus der latinisierten FormCarôlus.[16]NachStarksBeobachtungen (S. 52 ff.) sind die ältesten Verkleinerungsformen die aufi, demnächst die mitl(nachweislich aus dem 1. Jahrh. nach Christo), während solche mitkerst seit dem 4. Jahrh. auftreten. Alle drei Formen waren bei dengotischenStämmen sehr beliebt;SachsenundFriesendagegen verwendeten vorzugsweisek, seltent(entsprechend dem ahd.z). Bei denoberdeutschenStämmen erscheinen Deminutiva mitlin überwiegender Zahl, seltener solche mitz(in sicheren Belegen erst seit dem 8. Jahrh.). Nur sparsam, und zwar erst vom 7. Jahrh. an, finden sich Deminutiva mitch; sie sind wahrscheinlich niederdeutschem Einfluß zuzuschreiben, der z. T. durch Kolonisation hervorgerufen ist.Lundkkönnen jede Stelle einnehmen,zscheint auf die erste beschränkt zu sein.[17]Gewöhnl. „Koseformen“, eine Benennung, dieSteubin seinen „Oberdeutschen Familiennamen“ S. 34 mit Recht als etwas „budoirmäßig“ klingend tadelt und für die er „Schmeichelform“ vorschlägt. Im Gegensatze zu ihnen werden die unverkürzten Namen wieGodberaht,SigbertVollnamengenannt.[18]Pauli, Über Familiennamen, insbes. die von Münden. Progr. I, S. 8 f.[19]AbelS. 45–48. —Becker, Die deutschen Geschlechtsnamen, ihre Entstehung und Bildung. Programm der Gewerbeschule zu Basel. S. 17 f.[20]Übrigens wurden auch Träger alter deutscher Namen zu Heiligen gestempelt, und dadurch wurde der Erhaltung dieser Namen selbst Vorschub getan. Solche Heiligennamen weisen die Kalender in großer Zahl nach, z. B.Alfons,Gottschalk,Hildebrand,Hubert(Patron der Jäger),Otto,Wilibaldu. a. m.[21]Förstemann, Über die Bildung der Familiennamen in Nordhausen im 13. und 14. Jahrhundert, Progr. S. 4.[22]Klempin, Diplomatische Beiträge zur Geschichte Pommerns aus der Zeit Bogislaws X. 1859. Zur Veranschaulichung setzen wir ein Verzeichnis der „Praepositi, Dhumpraueste“ des Bistums Kammin her:Sifridus1175–85Conradus1186–1216Thietmarus1222Pribzlaus1224–32Florentius1233–40Conradus1241–49Lambertus1253–91Johannes1297–99Hildebrandus1303–15Reymarus (de Wacholt)1317–23Fridericus de Stalberg1326Barnim de Werle1330–33Conradus dictus de Gripeswold1333–36Bernardus Bere1336–51Marquardus de Tralowe1354–68usw.So ist im allgemeinen der Gang. Genaueres über einzelne Landschaften findet man unter anderen beiKleemann, Die Familiennamen Quedlinburgs und der Umgegend, S. 3. — Wenn wir die Alpen übersteigen, finden wir Familiennamen allerdings viel früher in den italienischen Städten, in denen sie sich, während sie bei uns im 12. Jahrhundert erst im Entstehen sind, bereits seit langen Jahren ganz verbreitet zeigen. Die ersten Spuren finden sich inVenedig, wo schon im 9. Jahrhundert eine FamilieParticiacobegegnet: 809Angelo P., 829Justiniano P., 864Urso P., 881Johannes Particiaco. Hier erbt also der NameParticiaco, ursprünglich der Beiname einer einzigen Person, in dem Geschlechte fort.[23]Allmersin seinem „Marschenbuch“ bemerkt auf Seite 140 f.: „Eigentliche Familiennamen waren bei den Friesen selbst noch bis ins vorige Jahrhundert selten. Der Sohn erhielt zu dem Vornamen seines Vaters nur noch einen eigenen Taufnamen,wie es noch jetzt auf vielen friesischen Inseln Gebrauch ist. Hieß z. B. der VaterEke Lübsund man taufte seinen SohnSiade, so hieß dieserSiade Eks, und der Enkel, wenn er nach dem GroßvaterLübbegenannt wurde,Lübbe SiadsoderEke Lübbe Siads. Das angehängtesist nichts weiter als Bezeichnung des Genetivs. — Man kann leicht ermessen, welche bunte Verwirrung solche Sitte zur Folge haben mußte, und wie ganz besonders, wo es wichtige Erbschaftsangelegenheiten betraf, bei denen oft weitläuftige Namenregister in betracht gezogen werden mußten, die unlösbarsten Verwickelungen oft endlose Prozesse herbeiführten. Früher oder später machte daher in den verschiedenen Marschen ein Gesetz, wonach jede Familie einen festen Namen annehmen mußte, diesem Unwesen ein Ende, welches in manchen Gegenden bis ins letzte Jahrhundert fortdauerte und auf den Inseln sogar heute noch angetroffen wird. Denn wenn auch alle Friesen nunmehr Familiennamen angenommen haben, so betrachten sie, wenigstens die Landbevölkerung, dieselben als unnütze Anhängsel, die nur vor Gericht und bei ähnlichen Gelegenheiten erforderlich sind.“Im Osnabrückischen haftet noch jetzt der Name in den Bauerschaften weniger an der Person als am Hofe. Wenn z. B.MüllerzuB.auf den HofMeyerzuN.heiratet, heißt er selbstMeyerzuN., nicht mehrMüller, höchstensMeyergeb.Müller. Wenn Kinder oder Kindeskinder vom Hofe ziehen, werden sie sich in der RegelMeyer, seltenMüllernennen. (Fr. Meyer, Der Name Meyer, S. 8.) Ähnliches bezeugt für die lippischen FamiliennamenO. Preuß. 1864.[24]Stark, Kosenamen, S. 154. 156.[25]Bemerkenswert ist, daß ja auch Luther vielfältig in der Bibelübersetzung die Eigennamen unverändert, statt im Gen., beifügt, z. B. KinderKorah, TochterZion, SohnIsai.[26]Infolge des häufigen Gebrauches ist aber die ursprüngliche Bedeutung dieser Zusammensetzungselemente allmählich sehr verblaßt, so daß sie teilweise zu bloßen fast bedeutungsleeren Endungen herabgesunken sind.[27]Die rein vokalische Verkleinerungsformi(S. 23) findet sich jetzt nur noch in der Schweiz:Burcki,Fritschi,Hochuli,Welti.[28]Wie Luther „Wörtlin“ u. a. und noch Fischart in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts: „Er hat ein hölzinsRöcklinan.“ Daß übrigens die Endung hier in den Eigennamen nicht den Ton hat, ist selbstverständlich, alsoRümelin(–́ ᴗ –).[29]Daß „Fritz“ als Rufname für Friedrich auch in Niederdeutschland so allgemein verbreitet ist, erklärt sich durch die Verpflanzung der Hohenzollern nach Brandenburg, deren Ahnherr, der Burggraf Friedrich von Nürnberg, im Jahre 1411 von dem Kaiser Sigismund in die Marken eingesetzt wurde. Jedoch finden sich einzelne Formen mitzauch schon früh in niederdeutschen Urkunden:Hence(= Henze) undHinzemehrfach in Urkunden der Stadt Lübeck 13. Jahrh.,Thiezo,Winizo,Reinzound einige andere in der Frekenhorster Heberolle, so daß man mitLübben, Die Thiernamen im Reineke Vos S. 48, wohl hochdeutschen Einfluß hier einräumen muß; ebenso bei der Verbindung deszmitk, wie inTieziko,Meinziko,Raziko, die eigentlich Zwitter sind.[30]Henricus dictus Arnoltz(= Arnolds),Berchtoldus Marchwardiu. a. in Urkunden; deutschHenning Markwardes(wieDarius Hystaspis).[31]Ruprecht, Die deutschen Patronymica, nachgewiesen an der ostfries. Mundart. Programm S. 14.[32]Wir finden sie auch bei den Schweden (Torstenson), Norwegern (Björnson), Dänen (Thorwaldsen), Isländern (Sturluson), Engländern (Wilson,Robinson,Thomson). Im Schottischen entsprechen die Namen mitMac(M’):Mac Gregor(Sohn des Gr.),Macdonald; im Irischen die mitO:O’Connel.[33]BeckerS. 15.Reichel, Die deutschen Geschlechtsnamen. Marburg (Steiermark). Programm. Auch in den Lippischen Familiennamen erscheint als häufig gebrauchte Patronymikalform neben -ingdie Silbe -er, vermittelt durch die Kolonatsnamen, die, vom ersten Besitzer entlehnt, an dem Grundstück haften blieben und auf die Nachfolger übergingen, z. B. in Hakedahl: 1488Henke Druden, 1523Henke Druding, 1538de(=der)Drudener— jetztDrüner. Während man aber bei „Henke Druding“ noch eher an den Sohn der Drude dachte, hat „der Drudener“ schon mehr den Begriff des Inhabers des Hofes der Drudings und damit den eines Repräsentanten der Familie angenommen. (O.Preuß, Die Lippischen Familiennamen S. 15 f.)[34]Vgl. Johannes Vorn Hesen 1530 (d. i. Frauen Hedwig Sohn); Gisilbertus, filiusOdilie1036; Rudolf et Ulrich filiiAdelheidis1149.[35]Auf süddeutschen Schulen sogarHómer,Hóraz,Vírgil.[36]Vgl. W.Wackernagel, Die Umdeutschung fremder Wörter. 2. Ausg. 1863. S. 32 ff., 36 f.[37]Die Scheidung nach den Mundarten ist hier schwierig und nicht immer streng durchzuführen. So findet sichNickel, welchesVilmar, Namenbüchlein S. 6 als hochdeutsch bezeichnet, auch im Niederdeutschen, hinwiederKlas(wovon Klasl) auch im Oberdeutschen (Bayrischen).Jochen, wie nach Vilmar der Hochdeutsche den Namen Joachim abkürzen soll, ist dem pommerschen Landmann die gewohnte Form.[38]Hieronymus: in SachsenGruner, in HolsteinHarms, in der SchweizRonus,Rones,Roni,Muss,Müssi, in HessenGrolmann(nach Becker S. 19). Am wenigsten hat sich von der ursprünglichen Form entfernt der NameKronymus, den Fröhner aus Karlsruhe anführt.[39]Vgl. das Mittelhochdeutsche, wo die lateinische Endungusbei Namen regelmäßig inesabgeschwächt wird:Philippes; auchLiboriusundLiborghesals Vornamen bei Klempin.[40]PauliI. S. 11: „In meiner Vaterstadt wurden die Kinder des Konrektors sowie die des Kantors nicht mit ihren FamiliennamenRichter,Müllerbezeichnet, sondern fast ausschließlich als Minna Konrektorn, Julius Kantor usw.“[41]Diese Namen, die Pauli aus Hannover und Ostfriesland beibringt, beruhen auf der Einwirkung des Holländischen, wo noch häufig dasdeerscheint; man denke ande Ruyter,de Vrient(Devrient) u. a.[42]Zum Teil mögen sie auch von Wirtshausschildern entlehnt sein.[43]Aus älterer Zeit (niederdeutsch):Musekensteker(Mäuschenstecher),Duvendriver(Taubentreiber).[44]An Scherzen über diese Namen, insbesondere über Schulze und Müller, hat es nicht gefehlt. Angeblich lebten im Jahre 1880 30000 Schulzes innerhalb des Zollvereins. Lustspiele sind auf der Häufigkeit dieses Namens erbaut worden, ebenso wie auf der Verwechselung von Müller und Miller. — Um diese vielen Namensvettern zu unterscheiden, hat der Volksmund zu allerhand Zusammensetzungen seine Zuflucht genommen:Sünden-Müller(bedeutender Theolog, dessen Hauptschrift „Die Lehre von der Sünde“ ist),Linden-Müller(ein Berliner Volksredner aus dem J. 1848, der seine Vorträge „Unter den Linden“ hielt).Flausch-Müller(ein nach seinem Rocke benannter Student);Blut-Schulze(der Physiolog),Graupen-Schulze(ein Berliner Kaufmann),Theater-Schulzeusw.[45]Von diesen ist jedoch ein guter Teil als nicht hergehörig auszuscheiden, da sie (nachSteub, Oberd. Familiennamen S. 148) Ableitungen von Ortsnamen sind aufheim, oberbayr.ham:Mooshammer= Moosheimer,Forchhammer. Überhaupt ist bei dieser Klasse Vorsicht vonnöten, insofern viele Namen nur scheinbar hierher gehören, in Wahrheit aber auf andere Quellen, namentlich auf Personennamen zurückgehen, z. B.Rost(auch althochd. Rusto, der Gerüstete),Kasten(st. Karsten) auf Christian.[46]Johann Rickweg, Zimmermann und kühner Schmuggler, der 1813 im Lande Wursten durch seine feurige Beredsamkeit einen Aufstand gegen die Franzosen zu stande brachte, wurde nach seiner beständigengrünenKleidung im Volke nurJan Gröngenannt (Allmers, Marschenbuch S. 228).[47]Bekannt ist aus Coopers amerikanischen Romanen der „Lederstrumpf“, so benannt von den Moccasins, die dieser alte Jäger nach indianischer Sitte zu tragen pflegte. Wie leicht sich solche Benennungen noch jetzt bilden, möge das Beispiel jenes Kapitäns Dilger beweisen, der, ursprünglich preußischer Artillerieoffizier, 1864 nach Amerika ging und als Befehlshaber einer Batterie in das Heer der Nordstaaten trat, wo er sich durch Kühnheit und Ausdauer hervortat und unter dem Spitznamen „Lederhose“ jedem Offizier und Soldaten bekannt war. „Während des Kampfes stand er immer da in Hemdärmeln und seinen glatt anliegenden Hosen von Hirschleder.“[48]Schon im J. 905 in Verona ein „Johannes, qui alio nomine Braccacurta vocitabatur“.[49]Rud. Schultze, Die Modenarrheiten. Ein Spiegelbild der Zeiten und Sitten für das deutsche Volk. 1868.[50]Nicht aberReichwein,Trautweinu. a., die mit dem altenwin(nichtwîn) „Freund“ zusammengesetzt sind. AuchAltweinundGutweinsind schon zweifelhaft wegen altdeutschAldwinundGodwin.[51]Z. B. wird im „Renner“ des Hugo v. Trimberg „ein wol begozzen wecke“ als Leckerbissen genannt.[52]Wie sehr das Mittelalter zu Spott und Satire aufgelegt war, geht unter anderem daraus hervor, daß fast jede Landschaft ihr Schöppenstedt oder Schilda hatte und daß die Bewohner gar mancher Landschaft oder Stadt Beinamen führten. So hießen (und heißen) beispielsweise die Illzacher im Elsaß „Mondfänger“, die zwischen Ill und Rhein Wohnenden „Rheinschnaken“, die Schlesier „Eselsfresser“ — in Pommern die Wolliner „Stintköppe“ und die Kamminer „Flunnerköppe“ (nicht „Plunderköppe“, wie Riehl angibt), wegen der vielen dort gefangenen Stinte und Flundern.[53]Den Übergang stellen unter anderem in friesischen Urkunden dar die NamenformenKersten rikenebenK. de rike,Floreke wittenebenF. de witte. Im Holländischen ist der Artikel geblieben:de Grote,de Jonghe,de Wit; ähnlich im Französischen:Lebeau,Legrand,Lejeune.[54]Ferner in Urkunden: Marquart derHunt, 12. Jahrh. Gislebertus pro sua proceritate cognominatusGrus(Kranich); Hugo de Wenden dictusAries(Widder); HugoCoturnix(Wachtel).[55]Doch ist beiBacmeister, Germanistische Kleinigkeiten S. 36 aus alten Urkunden angeführt:Heneke mit dem dumen1373 Braunschw.,Liebhard mit der Hand1383 Augsb., auchFridericus Mittemmunde1190; bei Trötscher (Die ältesten Egerer FN.):Chunrat mit der prust,Endres mit dem part— Zusätze, die doch wohl so zu verstehen sind, daß die genannten Körperteile wegen irgend einer Eigentümlichkeit auffallend waren. Auch ist zu vergleichen aus der Sage:Bertha mit dem Fuße=B. mit dem großen F., altfranz.Berthe as grands piés.[56]Aus Urkunden des 11.-15. Jahrh. führt Stark S. 153 an:Everhardus der Spizebart,Jacobus langenase,Hartwig Churzhals— desgl. Reichel aus Marburger Urkunden:Jacob de Chrafuez(Krähenfuß),Heinrich Krumnas. — Becker aus Köln 13. Jahrh.:Buntebart,Gobelin dictus Hardevust;Hans Schweinerüssel(16. Jahrh.).[57]In Pasewalk heißt ein alter Wartturm noch jetztKiekindemark, desgl. ein Hof in Mecklenburg.[58]Wendehals,Streckfußund ähnliche Bezeichnungen bedeuteten ursprünglich so viel als ein Hals zum Wenden, ein Fuß zum Strecken (wie Lockvogel „ein Vogel zum Locken“, Gießkanne „eine Kanne zum Gießen“). Diese wurden später umgedeutet, man sah in dem ersten Gliede einen Imperativ, und so entstanden die imperativischen Namen. Wie kann man aber dazu aufgefordert werden, den Frieden zu stören, nicht gut zu tun usw.? Die imperativische Bedeutung rechtfertigt sich dadurch, daß dem, an welchem eine Eigenschaft oder Gewohnheit haftet, gleichsam zugerufen wird, das zu tun, was er ohnehin und immer tut, und was man an ihm wahrzunehmen gewohnt ist. Ein Friedensstörer, einer der nicht gut tut, wird ironisch aufgefordert zu tun, was er doch nicht läßt, und so erhält er den Namen Störenfried, Tunichtgut. Findet eine solche Aufforderung doch auch in Wirklichkeit öfters statt. Unvorsichtigen und Leichtsinnigen hört man im täglichen Leben zurufen: Schneide dich! Fall herunter und brich den Hals! Trotzigen: Ja trotze noch! (S. Andresen, Imperativnamen. Archiv für neuere Sprachen, Bd. XLIII, S. 296).[59]Anderseits sind freilich auch manche in Vilmars Verzeichnis als nicht hierher gehörig zu streichen, wieBaldauf,Gangauf, die richtiger als Ableitungen altdeutscher Personennamen (Baldolf,Gangolf) gefaßt werden;Richzenhain,Rollenhagen,Stemshorn, die ursprünglich Ortsnamen sind und daher in die folgende Klasse c) gehören. Auch Andresen beachtet das Hereinspielen der Ortsnamen nicht immer genügend.[60]Eine hübsche Illustration zu den letztaufgeführten Namen bietet jene höchst bezeichnende plattdeutsche Grabschrift eines mecklenburgischen Junkers in der Kirche zu Dobberan:Wiek, Düwel, wiek wiet van my!Ick scher my nich en Haar um dy;Ick bin en Meckelbörgsch Edelmann,Wat geit dy, Düwel, min Supen an?Ick sup mit mim Herrn Jesu Christ,Wenn du Düwel ewig dösten müst;Ick sup mit em ne söte Kolleschal,Wenn du sittst in de Höllenqual.Drum rad ick: wiek, lop, renn un gah,Eh, by dem Düwel! icktoschlah![61]Becker, Geschlechtsnamen S. 6. —Vilmar, Namenbüchlein S. 15.[62]„Von Würzeburc ich Kuonrât“ im „Otto mit dem Barte“, Z. 760.[63]Becker stellt mehrere Reihen alter Namen dieser Art zusammen, aus Köln (12. Jahrh.) die Geschlechter:vom Neumarkt,de Monticulo(vom Bühel); aus Zürich:zer Linden,im Hof,am Thor; vom Lande aus der Umgegend des Vierwaldstätter Sees:in der Ouwe(Aue),in der Matta,bim Schechen,ze dem Brunnenu. a. — Pott führt aus Ehrentrauts friesischem Archive Bd. I H. 3 an:Wilken thom dyke,Oltman bi der muren,eylerd mank den schurenu. a.; aber auch schon ohne Verhältniswort:Robeke bakhus,borcherd netelhorst,Godeke stengrauen. — Aus der Kölner Universitätsmatrikel (15. Jahrh.) füge ich hinzu:Henricus in der sunnen,Henricus super lapidem,Everhardus uff dem Velde,Conradus van der Lynden.[64]Anderer Art, wenn auch ähnlichen Sinnes sind die Zusammensetzungen mit Mann:Grundmann,Lehmann,Buschmann,Horstmann,Gampmann.[65]Das Verhältnis der Familiennamen zu den Ortsnamen und das bedeutende Hereinspielen der letzteren ist von manchen nicht genügend in Betracht gezogen worden, namentlich nicht von Vilmar, der, zu sehr nach dem äußeren Schein und Klang urteilend, viele Namen falsch einreiht. So stellt erSchönaich,Staudachunter die Pflanzen, berücksichtigt beiBaumundHornnicht, daß diese einfach oder als zweiter Teil der Zusammensetzung häufig als Ortsnamen vorkommen usw.[66]Stark S. 156: RudolfusStrubingar(Straubinger) 12. Jahrh.; Heinrich derWiener14. Jahrh. — Henricus dictusMijssener(Meißner) Köln. Univ.-Matrikel 1390.[67]In Klempins Pommerschen Namenverzeichnissen aus dem Ende des 15. Jahrh. findet sich kein einziger Name dieser Art, immer ist die Ortsbenennung unverändert, mit verhältniswörtlicher Ellipse, verwendet:Arnstorp,Paswalck,Rosendal,Schenkenberghusw.[68]Kleemann(Die Familiennamen Quedlinburgs und der Umgegend S. 167) zählt in der großen Feldmark von Quedlinburg 15 ehemalige, jetzt verschwundene Dörfer auf.[69]Z. B.Opitz von Boberfeld,Hoffmann von Hoffmannswaldau. Auch Abstrakta wurden und werden verwendet wie:Löllhöfel von Löwensprung,Adler von Adlerskampf,Riebel von Festertreu,Tengg von Lanzensieg.[70]Daß in noch früherer Zeit auch dieWaffender Helden, namentlich dieSchwerterNamen hatten (Altekläre = hoher Glanz, Preciosa, Angurwadel), ist aus den Epen des Mittelalters bekannt.[71]Ähnlich war es in England noch zu Ende des 17. Jahrhunderts: „Die Häuser (in London) waren nicht numeriert. Es würde in der Tat von geringem Nutzen gewesen sein sie zu numerieren; denn von den Kutschern, Sänftenträgern, Lastträgern und Laufburschen Londons konnte nur ein sehr kleiner Teil lesen. Es war nötig, Zeichen zu gebrauchen, die der Unwissendste verstehen konnte. Die Läden unterschieden sich daher durch gemalte Zeichen, welche der Straße ein heiteres und groteskes Ansehen gaben. Der Weg von Charingcross nach Whitechapel ging durch eine unendliche Folge von Sarazenenköpfen, Königseichen, blauen Bären und goldenen Lämmern, welche verschwanden, wie sie nicht mehr als Leitfaden der gemeinen Leute nötig waren.“ (Macaulay, Gesch. Englands seit dem Regierungsantritt Jakobs II., Bd. 2 in dem Kapitel: Zustand Englands im Jahre 1685.)[72]Schiller im Tell I, 2 von Stauffachers Hause:„Mit bunten Wappenschildern ist’s bemaltUnd weisen Sprüchen.“[73]Man vergleiche schwedische Namen wievon Tigerström(ein Strom, an dem Tiger hausen, in Skandinavien!),Gyllenstorm(goldner Sturm) u. a. — auch die jüdischen Familiennamen (s. weiterhin).[74]Urspr. bloßerKoch, aber anmaßlicherweise eingedrungen in die römische Gens Cocceja (Pott).[75]Friedrich der Große hat gelegentlich darüber seinen Spott ausgegossen, siehe den Bericht über seinen Besuch im Rhin- und Dossebruch (1779), verfaßt vom Oberamtmann Fromme, welcher den König durch den Fehrbelliner Amtsbezirk begleiten mußte und alles aufgezeichnet hat, was er an diesem denkwürdigen Tage erlebt und aus des Königs Munde vernommen.König: Wie heißt Ihr?Amtsrat(des Amtes Neustadt): Klausius.König: Klau-si-us. — — Was ist das für ein Mensch, der da rechts?Fromme: Der Bauinspektor Menzelius, der hier die Bauten in Aufsicht gehabt hat.König: Bin ich hier in Rom? Es sind ja lauter lateinische Namen! — — Wie heißt die Kolonie?Fromme: Klausiushof.Amtsrat: Ihre Majestät, sie kann auch Klaushof heißen.König: Sie heißt Klau-si-ushof. Wie heißt da die andere Kolonie?Fromme: Brenkenhof.König: So heißt sie nicht.Fromme: Ja, Ihro Majestät! Ich weiß es nicht anders!König: Sie heißt Brenkenhofi-ushof.[76]Im Segen Jakobs (1. Mos. 49) wird Juda ein junger Löwe, Naphthali ein Hirsch, Benjamin ein Wolf genannt. Der Adler ist ein Bild sich erneuender Jugend (Ps. 103,5 u. a.).[77]Gold,Golde,Feingold,Goldader,Goldbach,Goldbaum,Goldberger,Goldenberg,Goldenkranz,Goldfaden,Goldfarb,Goldfinger,Goldmann,Goldmark,Goldreich,Goldstein,Goldstrom,Goldtreu,Goldziherusw.[78]Bemerkenswert ist es, daß die Frau auch wohl denVornamen des Mannes mit annimmt:Esther Salomon Gottschalk,Bertha Philipp Freundlich— es ist eben dieFirma, die so selbst noch auf den Grabsteinen prangt.[79]Andree, Zur Volkskunde der Juden. S. 125 ff.[80]Früher beseelte die Deutschen ein stolzes Selbstgefühl, über welches als die „Teutonicis innata superbia“ Schriftsteller anderer Nationen klagen. „Seit jenem unseligen Kriege,“ ruft Gfrörer bitter aus, „sind die Deutschen ein Volk von Bedienten geworden!“„Ich bin Franzos!“ „Engländer!“ „Ich Russe!“ — Und Sie, mein Verehrter?„Schulze aus Meiningen, Herr! Dero ergebener Knecht!“ (Xenien der Gegenwart.)[81]Schon lange vor dem letzten Kriege.[82]Diese lächerlichen Schreibungen finden ein Gegenstück nur in den Entstellungen deutscher Namen auf Häuserschildern in Metz (vor 1870):Chemit(Schmidt),Quoinze(Kuntz),Choultse(Schulze) u. a. — Über die Polonisierungen früherer Jahrhunderte spricht Winckler, „Die Nationalitäten Pommerellens“ S. 4 f., welcher dort ein Verzeichnis der während der polnischen Herrschaft polonisierten Adelsgeschlechter gibt. So wurde aus Ahlebeck gemachtAlebitzki, aus Behme —Bem, aus Hutten —Ozapski, aus KochensteinKochanski, aus Schönborn —Szumborskiusw. Noch häufiger jedoch wurde den deutschen ein polnischer, vom Besitz entlehnter Name hinzugefügt, so daß nun diese merkwürdigen Zwitter entstanden wieStein von Kaminski,Otterfeld-Rybinski. Doch diese Maskierungen werden durch den Druck der mehr als dreihundertjährigen polnischen Gewaltherrschaft in Westpreußen einigermaßen entschuldigt. Welche Entschuldigung aber haben diejenigen, die in der Gegenwart unter einer deutschen Regierung ihre Nationalität verleugnen und mit den Feinden des Vaterlandes gemeinsame Sache machen?[83]Rüstow in seinen „Erinnerungen aus dem italienischen Feldzuge von 1860“: „DieungarischeLegion bestand aus allen Nationen; besonders waren auch viele Norddeutsche darin. DiedeutschenOffiziere in derselben hatten sich ungarische Namen gegeben“ — wozu das Magazin für Literatur des Auslandes (1862, Nr. 7) bemerkt: „Es ist wirklich rührend und für jeden echten Deutschen erhebend. Man möchte glauben, wenn einmal ein Freiheitskrieg der Kongoneger ausbricht, und deutsche Landsknechte dahin kommen, so lassen sie sich, abgesehen von den schwarzen Namen, die sie natürlich annehmen, mit echtem Kienruß färben, um den Negern ihre Farbe und Nationalität nicht mißliebig zu machen.“[84]Bernhardi, Sprachkarte von Deutschland. —Kiepert, Völker- und Sprachenkarte von Deutschland und den Nachbarländern. —Ders.Völker- und Sprachenkarte von Österreich. —Perthes’Alldeutscher Atlas. Bearbeitet von Langhans 1900.[85]Nach der üblichen geographischen Zweiteilung des deutschen Landes.[86]Ein Beispiel dieser sehr abweichenden Mundart ist das saterländische „Skippers sankje“ (Schiffers Gesang), mitgeteilt von Poppe, Globus 1872 Nr. 12. Daß übrigens in diesem ganzen Kapitel nur dieLandbevölkerung in Betracht kommen konnte, ist wohl selbstverständlich.[87]Westlich durch die niederrheinische Landschaft (besonders Reg.-Bez. Düsseldorf) wenn auch in stark verminderter Menge.[88]In Mecklenburg auchKröger,Köster,Schriewer.[89]Damit sind die Familien noch nicht als urspr. wendisch gekennzeichnet. Der Name besagt ja nur, daß der Ahnherr des Geschlechtes aus dem bezügl. Orte stammte; er kann also sehr wohl und wird in Wirklichkeit meistens deutscher Abkunft gewesen sein.[90]Aus -ekentwickelte sich -ke, wie inPawelkeausPawelek,MardschinkeausMarcinek. In andern Fällen wurden volle Vokale (a,i) abgeschwächt, wie inJütersonkeausJutrzenka,Palbitzkeaus -ki. Dadurch haben die Namen aufke, aus mehreren Quellen fließend, solchen Zuwachs erhalten, daß sie in Hinterpommern (etwa 15 v. H.) dreimal so zahlreich als in Vorpommern sind.[91]Die altdeutschen Vollnamen und ihre ein- oder zweistämmigen Kürzungen ohne Verkleinerungssuffix, welche die allgemeine Grundlage auch hier bilden, werden nicht weiter hervorgehoben. Nur die Eigentümlichkeiten der einzelnen Landschaften sollen hier möglichst ins Licht gestellt werden.[92]Im Luxemburgischen bisweilen in französischer Schreibung:Bouchholzer,Bourggraff,Brandenbourg—Nitschké.[93]Fast immer in dieser einfachsten Schreibung.[94]FürBayernfehlten mir leider die ausreichenden Unterlagen — ebenso wie für Elsaß-Lothringen, die deutschen Teile von Österreich-Ungarn und der Schweiz.[95]Hier ragt ja auch das Polnische in die Provinz herein.[96]Anderseits begegnen auch viele deutsche Namen (bis zu 25 v. H.) in den überwiegend polnischen Kreisen.[97]Zusammengestellt nach den Kirchenbüchern der Gemeinde Wachholzhagen (Kreis Greifenberg, Pommern), die in den Konfirmanden-Verzeichnissen bis 1586, im übrigen bis 1619 zurückgehen.[98]Kiepert, Völker- und Sprachenkarte von Deutschland und den Nachbarländern. —Rich. Böckh, Sprachkarte vom preußischen Staate nach den Zählungsaufnahmen vom Jahre 1861, im Auftrage des Königl. statistischen Bureaus bearbeitet.[99]An dieser Stelle fließen Slawisch und Deutsch teilweis zusammen und es ist keine strenge Grenze zu ziehen, da manche Namen aufkesowohl deutschen als slawischen Ursprunges sein können, z. B.Jankedeutsche Verkleinerungsform vonJohannesund auch slawische, durchJanekvermittelt.

Fußnoten:

[1]Diese werden nicht als Vornamen verwendet. Wenn also ein Name sich auch als Vorname findet (z. B.Kasten), so liegt darin ein Beweis, daß er einer der beiden ersten Schichten angehört.

[1]Diese werden nicht als Vornamen verwendet. Wenn also ein Name sich auch als Vorname findet (z. B.Kasten), so liegt darin ein Beweis, daß er einer der beiden ersten Schichten angehört.

[2]Ut quisque aliquod optumum genus sereret. Plin. hist. nat. XVIII, 3.

[2]Ut quisque aliquod optumum genus sereret. Plin. hist. nat. XVIII, 3.

[3]Diesen Charakter des Derb-Massiven, das nicht selten selbst in ästhetische Roheit übergeht, hat man auch sonst in der lateinischen Sprache, zumal in der Dichtersprache, gefunden. Vgl. Frommanns fesselnd geschriebene Studie über die „Verschiedenheit des Geschmackes im poetischen Ausdruck bei lateinischen und deutschen Klassikern“ 1866.

[3]Diesen Charakter des Derb-Massiven, das nicht selten selbst in ästhetische Roheit übergeht, hat man auch sonst in der lateinischen Sprache, zumal in der Dichtersprache, gefunden. Vgl. Frommanns fesselnd geschriebene Studie über die „Verschiedenheit des Geschmackes im poetischen Ausdruck bei lateinischen und deutschen Klassikern“ 1866.

[4]Die nachfolgenden Namen sind hier in der uns geläufigen Form der deutschen Bibel gegeben, von welcher die ursprüngliche hebräische allerdings mitunter stark abweicht, z. B.Jochânân(Johannes),Scha-ûl(Saul).

[4]Die nachfolgenden Namen sind hier in der uns geläufigen Form der deutschen Bibel gegeben, von welcher die ursprüngliche hebräische allerdings mitunter stark abweicht, z. B.Jochânân(Johannes),Scha-ûl(Saul).

[5]Wuotan, niederdeutsch Wodan, nordisch Odin, der alles durchdringende Geist, der Gott des überallhin dringenden Sonnenlichtes und des in den Wolken jagenden Sturmwindes, welchem deshalb das windesgleich dahinbrausende Roß heilig ist. Er ist der Kriegs- und Schlachtengott, der die gefallenen Helden um sich sammelt in Walhalla. Auf ihn als Kriegsgott bezieht sich noch jetzt der Auszug des wütenden Heeres, das sturmesgleich hoch durch die Lüfte dahinzieht („wilder Jäger“).

[5]Wuotan, niederdeutsch Wodan, nordisch Odin, der alles durchdringende Geist, der Gott des überallhin dringenden Sonnenlichtes und des in den Wolken jagenden Sturmwindes, welchem deshalb das windesgleich dahinbrausende Roß heilig ist. Er ist der Kriegs- und Schlachtengott, der die gefallenen Helden um sich sammelt in Walhalla. Auf ihn als Kriegsgott bezieht sich noch jetzt der Auszug des wütenden Heeres, das sturmesgleich hoch durch die Lüfte dahinzieht („wilder Jäger“).

[6]Ein solcher Angriff wird z. B. geschildert im Nibelungenliede Str. 2210 f.:„Den Schild rückte Wolfhart, ein schneller Degen gut;Gleich einem wilden Leuen lief er auf ihn an,Die Schar seiner Freunde ihm jäh zu folgen begann.Mit weiten Sprüngen setzt’ erbis vor des Saales Wand.“

[6]Ein solcher Angriff wird z. B. geschildert im Nibelungenliede Str. 2210 f.:

„Den Schild rückte Wolfhart, ein schneller Degen gut;Gleich einem wilden Leuen lief er auf ihn an,Die Schar seiner Freunde ihm jäh zu folgen begann.Mit weiten Sprüngen setzt’ erbis vor des Saales Wand.“

„Den Schild rückte Wolfhart, ein schneller Degen gut;Gleich einem wilden Leuen lief er auf ihn an,Die Schar seiner Freunde ihm jäh zu folgen begann.Mit weiten Sprüngen setzt’ erbis vor des Saales Wand.“

„Den Schild rückte Wolfhart, ein schneller Degen gut;

Gleich einem wilden Leuen lief er auf ihn an,

Die Schar seiner Freunde ihm jäh zu folgen begann.

Mit weiten Sprüngen setzt’ erbis vor des Saales Wand.“

[7]In der nachfolgenden Übersicht sind die einzelnen Namen in der, soweit erreichbar, ältesten und ursprünglichsten Form aufgeführt, ohne weitere Scheidung der Mundarten, worauf es hier nicht ankommt. Vgl.Abel, Die deutschen Personennamen.Förstemann, Altdeutsches Namenbuch I. Bd.: Personennamen. 1856. Zweite Auflage. 1900.

[7]In der nachfolgenden Übersicht sind die einzelnen Namen in der, soweit erreichbar, ältesten und ursprünglichsten Form aufgeführt, ohne weitere Scheidung der Mundarten, worauf es hier nicht ankommt. Vgl.Abel, Die deutschen Personennamen.Förstemann, Altdeutsches Namenbuch I. Bd.: Personennamen. 1856. Zweite Auflage. 1900.

[8]Nimith eure saxas! ruft bei Nennius hist. Brit. cap. 46 Hengist den Seinen zu. ‚Von den mezzerin also wahsin Wurden sie geheizen Sahsin‘ (Annolied).

[8]Nimith eure saxas! ruft bei Nennius hist. Brit. cap. 46 Hengist den Seinen zu. ‚Von den mezzerin also wahsin Wurden sie geheizen Sahsin‘ (Annolied).

[9]Zusammensetzungen mit brunja (Brünne d. h. Panzer) und helm treten erst spät auf, im 6. Jahrh., meist erst seit dem 8. Jahrh.

[9]Zusammensetzungen mit brunja (Brünne d. h. Panzer) und helm treten erst spät auf, im 6. Jahrh., meist erst seit dem 8. Jahrh.

[10]Lange verwechselt mitArminius, welches wohl abzuleiten von dem Halbgott Irmino, dem kriegerisch dargestellten Wuotan, vgl. Irmingard und Armengardis; Irminfrid und Armenfred u. a.

[10]Lange verwechselt mitArminius, welches wohl abzuleiten von dem Halbgott Irmino, dem kriegerisch dargestellten Wuotan, vgl. Irmingard und Armengardis; Irminfrid und Armenfred u. a.

[11]Es finden sich wohl Namen, die mitliebzusammengesetzt sind:Liubgard, mitblid(freundlich, heiter):Bliddrud, mitflat(schön):Albofledis(Elfenschön) — aber sie sind mehr vereinzelt in der Menge. Dagegen kommt nach andern Seiten hin das eigentümlich Weibliche zu entschiedenem Ausdruck. So in den aufRathinzielenden Namen. Wie sehr Frauenrat bei den Germanen geehrt und beachtet wurde, beweist die Sitte, daß man erst dann in den Kampf ging, wenn die Weiber durch Los oder Weissagung erklärt hatten, daß eine Schlacht ratsam sei. Man glaubte eben in Priesterinnen und anderen geistig hervorragenden Frauen eine geheimnisvolle, weissagerische Kraft. Daher nun, abgesehen von den Zusammensetzungen mit Rat, die zahlreichen Namen, die von dem Worterun(Geheimnis, Zauber) gebildet sind:Runhild,Friderun(Friedenszauberin),Sigirun(Siegzauberin). Das Schaffen des Weibes im geschlossenen häuslichen Kreise heben die Namen aufgardhervor, wieAdalgard,Irmingard, dasBergen(schützen, bewahren) die aufbirga(berga) undburg, die sämtlich weiblich sind:Amalabirga,Dietberga,Sigiburg,Waltburgis.

[11]Es finden sich wohl Namen, die mitliebzusammengesetzt sind:Liubgard, mitblid(freundlich, heiter):Bliddrud, mitflat(schön):Albofledis(Elfenschön) — aber sie sind mehr vereinzelt in der Menge. Dagegen kommt nach andern Seiten hin das eigentümlich Weibliche zu entschiedenem Ausdruck. So in den aufRathinzielenden Namen. Wie sehr Frauenrat bei den Germanen geehrt und beachtet wurde, beweist die Sitte, daß man erst dann in den Kampf ging, wenn die Weiber durch Los oder Weissagung erklärt hatten, daß eine Schlacht ratsam sei. Man glaubte eben in Priesterinnen und anderen geistig hervorragenden Frauen eine geheimnisvolle, weissagerische Kraft. Daher nun, abgesehen von den Zusammensetzungen mit Rat, die zahlreichen Namen, die von dem Worterun(Geheimnis, Zauber) gebildet sind:Runhild,Friderun(Friedenszauberin),Sigirun(Siegzauberin). Das Schaffen des Weibes im geschlossenen häuslichen Kreise heben die Namen aufgardhervor, wieAdalgard,Irmingard, dasBergen(schützen, bewahren) die aufbirga(berga) undburg, die sämtlich weiblich sind:Amalabirga,Dietberga,Sigiburg,Waltburgis.

[12]Im Deutschen sind sie es fast ausnahmslos, da auch die einfach scheinenden Namen meist Kürzungen aus zusammengesetzten sind. Eine ganz sichere Ausnahme bilden nur einige partizipiale Formen, wieWigand,Heiland.

[12]Im Deutschen sind sie es fast ausnahmslos, da auch die einfach scheinenden Namen meist Kürzungen aus zusammengesetzten sind. Eine ganz sichere Ausnahme bilden nur einige partizipiale Formen, wieWigand,Heiland.

[13]Es sind diese altdeutschen Personennamen eine Saat, die über die ganze europäische Welt ausgestreut ist. Denn den romanischen Völkern haben sich später auch die Slawen und die Madjaren angeschlossen, so daß jetzt bei allen christlichen Nationen Europas und Amerikas diese altdeutschen Namen, wenn auch mannigfach umgewandelt und zum Teil entstellt, sich wiederfinden, zunächst als Vornamen (s. die reichhaltige Zusammenstellung von Michaelis: Vergleichendes Wörterbuch der gebräuchlichsten Taufnamen. Berlin 1856) — aber auch, wenigstens bei den Romanen, als Familiennamen, z. B. bei den Franzosen:Bertrand(Berhtrand),Arnaud(Arnold),Gautier(Walter),Guéroult(Gerold),Regnier(Reginher, Reiner),Baudouin(Balduin),Thibaut(Theobald); bei den ItalienernGualtieri(Walter),Garibaldi(Garibald),Ruggiero(Rüdiger),Sismondi(Sigismund).

[13]Es sind diese altdeutschen Personennamen eine Saat, die über die ganze europäische Welt ausgestreut ist. Denn den romanischen Völkern haben sich später auch die Slawen und die Madjaren angeschlossen, so daß jetzt bei allen christlichen Nationen Europas und Amerikas diese altdeutschen Namen, wenn auch mannigfach umgewandelt und zum Teil entstellt, sich wiederfinden, zunächst als Vornamen (s. die reichhaltige Zusammenstellung von Michaelis: Vergleichendes Wörterbuch der gebräuchlichsten Taufnamen. Berlin 1856) — aber auch, wenigstens bei den Romanen, als Familiennamen, z. B. bei den Franzosen:Bertrand(Berhtrand),Arnaud(Arnold),Gautier(Walter),Guéroult(Gerold),Regnier(Reginher, Reiner),Baudouin(Balduin),Thibaut(Theobald); bei den ItalienernGualtieri(Walter),Garibaldi(Garibald),Ruggiero(Rüdiger),Sismondi(Sigismund).

[14]Abel, Personennamen, S. 44 f.

[14]Abel, Personennamen, S. 44 f.

[15]Strackerjan, Die jeverländischen Personennamen. Dergleichen Kürzungen finden sich noch jetzt in Mundarten häufig, mit der vollen Endungobesonders im Friesischen:Edo,Ecko,Luddo,Willo, s.Allmers, Marschenbuch, Land- und Volksbilder aus den Marschen der Weser und Elbe 1861, S. 139, wo ein Verzeichnis von 30 solcher Vornamen gegeben wird, bei denen freilichojetzt auch schon meist in das klangloseeabgeschwächt ist, wie in den norddeutschen FormenEde(Eduard),Lude(Ludwig). — Der umgekehrte Fall, daß nämlich eine Kürzung im Anlaut eintritt, ist selten und dann wohl durch besondere Einflüsse, namentlich fremder Sprachen, zu erklären. SoPrandusausRotprandus(Stark, Die Kosenamen der Germanen, S. 13),RolefürKarlaus der latinisierten FormCarôlus.

[15]Strackerjan, Die jeverländischen Personennamen. Dergleichen Kürzungen finden sich noch jetzt in Mundarten häufig, mit der vollen Endungobesonders im Friesischen:Edo,Ecko,Luddo,Willo, s.Allmers, Marschenbuch, Land- und Volksbilder aus den Marschen der Weser und Elbe 1861, S. 139, wo ein Verzeichnis von 30 solcher Vornamen gegeben wird, bei denen freilichojetzt auch schon meist in das klangloseeabgeschwächt ist, wie in den norddeutschen FormenEde(Eduard),Lude(Ludwig). — Der umgekehrte Fall, daß nämlich eine Kürzung im Anlaut eintritt, ist selten und dann wohl durch besondere Einflüsse, namentlich fremder Sprachen, zu erklären. SoPrandusausRotprandus(Stark, Die Kosenamen der Germanen, S. 13),RolefürKarlaus der latinisierten FormCarôlus.

[16]NachStarksBeobachtungen (S. 52 ff.) sind die ältesten Verkleinerungsformen die aufi, demnächst die mitl(nachweislich aus dem 1. Jahrh. nach Christo), während solche mitkerst seit dem 4. Jahrh. auftreten. Alle drei Formen waren bei dengotischenStämmen sehr beliebt;SachsenundFriesendagegen verwendeten vorzugsweisek, seltent(entsprechend dem ahd.z). Bei denoberdeutschenStämmen erscheinen Deminutiva mitlin überwiegender Zahl, seltener solche mitz(in sicheren Belegen erst seit dem 8. Jahrh.). Nur sparsam, und zwar erst vom 7. Jahrh. an, finden sich Deminutiva mitch; sie sind wahrscheinlich niederdeutschem Einfluß zuzuschreiben, der z. T. durch Kolonisation hervorgerufen ist.Lundkkönnen jede Stelle einnehmen,zscheint auf die erste beschränkt zu sein.

[16]NachStarksBeobachtungen (S. 52 ff.) sind die ältesten Verkleinerungsformen die aufi, demnächst die mitl(nachweislich aus dem 1. Jahrh. nach Christo), während solche mitkerst seit dem 4. Jahrh. auftreten. Alle drei Formen waren bei dengotischenStämmen sehr beliebt;SachsenundFriesendagegen verwendeten vorzugsweisek, seltent(entsprechend dem ahd.z). Bei denoberdeutschenStämmen erscheinen Deminutiva mitlin überwiegender Zahl, seltener solche mitz(in sicheren Belegen erst seit dem 8. Jahrh.). Nur sparsam, und zwar erst vom 7. Jahrh. an, finden sich Deminutiva mitch; sie sind wahrscheinlich niederdeutschem Einfluß zuzuschreiben, der z. T. durch Kolonisation hervorgerufen ist.Lundkkönnen jede Stelle einnehmen,zscheint auf die erste beschränkt zu sein.

[17]Gewöhnl. „Koseformen“, eine Benennung, dieSteubin seinen „Oberdeutschen Familiennamen“ S. 34 mit Recht als etwas „budoirmäßig“ klingend tadelt und für die er „Schmeichelform“ vorschlägt. Im Gegensatze zu ihnen werden die unverkürzten Namen wieGodberaht,SigbertVollnamengenannt.

[17]Gewöhnl. „Koseformen“, eine Benennung, dieSteubin seinen „Oberdeutschen Familiennamen“ S. 34 mit Recht als etwas „budoirmäßig“ klingend tadelt und für die er „Schmeichelform“ vorschlägt. Im Gegensatze zu ihnen werden die unverkürzten Namen wieGodberaht,SigbertVollnamengenannt.

[18]Pauli, Über Familiennamen, insbes. die von Münden. Progr. I, S. 8 f.

[18]Pauli, Über Familiennamen, insbes. die von Münden. Progr. I, S. 8 f.

[19]AbelS. 45–48. —Becker, Die deutschen Geschlechtsnamen, ihre Entstehung und Bildung. Programm der Gewerbeschule zu Basel. S. 17 f.

[19]AbelS. 45–48. —Becker, Die deutschen Geschlechtsnamen, ihre Entstehung und Bildung. Programm der Gewerbeschule zu Basel. S. 17 f.

[20]Übrigens wurden auch Träger alter deutscher Namen zu Heiligen gestempelt, und dadurch wurde der Erhaltung dieser Namen selbst Vorschub getan. Solche Heiligennamen weisen die Kalender in großer Zahl nach, z. B.Alfons,Gottschalk,Hildebrand,Hubert(Patron der Jäger),Otto,Wilibaldu. a. m.

[20]Übrigens wurden auch Träger alter deutscher Namen zu Heiligen gestempelt, und dadurch wurde der Erhaltung dieser Namen selbst Vorschub getan. Solche Heiligennamen weisen die Kalender in großer Zahl nach, z. B.Alfons,Gottschalk,Hildebrand,Hubert(Patron der Jäger),Otto,Wilibaldu. a. m.

[21]Förstemann, Über die Bildung der Familiennamen in Nordhausen im 13. und 14. Jahrhundert, Progr. S. 4.

[21]Förstemann, Über die Bildung der Familiennamen in Nordhausen im 13. und 14. Jahrhundert, Progr. S. 4.

[22]Klempin, Diplomatische Beiträge zur Geschichte Pommerns aus der Zeit Bogislaws X. 1859. Zur Veranschaulichung setzen wir ein Verzeichnis der „Praepositi, Dhumpraueste“ des Bistums Kammin her:Sifridus1175–85Conradus1186–1216Thietmarus1222Pribzlaus1224–32Florentius1233–40Conradus1241–49Lambertus1253–91Johannes1297–99Hildebrandus1303–15Reymarus (de Wacholt)1317–23Fridericus de Stalberg1326Barnim de Werle1330–33Conradus dictus de Gripeswold1333–36Bernardus Bere1336–51Marquardus de Tralowe1354–68usw.So ist im allgemeinen der Gang. Genaueres über einzelne Landschaften findet man unter anderen beiKleemann, Die Familiennamen Quedlinburgs und der Umgegend, S. 3. — Wenn wir die Alpen übersteigen, finden wir Familiennamen allerdings viel früher in den italienischen Städten, in denen sie sich, während sie bei uns im 12. Jahrhundert erst im Entstehen sind, bereits seit langen Jahren ganz verbreitet zeigen. Die ersten Spuren finden sich inVenedig, wo schon im 9. Jahrhundert eine FamilieParticiacobegegnet: 809Angelo P., 829Justiniano P., 864Urso P., 881Johannes Particiaco. Hier erbt also der NameParticiaco, ursprünglich der Beiname einer einzigen Person, in dem Geschlechte fort.

[22]Klempin, Diplomatische Beiträge zur Geschichte Pommerns aus der Zeit Bogislaws X. 1859. Zur Veranschaulichung setzen wir ein Verzeichnis der „Praepositi, Dhumpraueste“ des Bistums Kammin her:

So ist im allgemeinen der Gang. Genaueres über einzelne Landschaften findet man unter anderen beiKleemann, Die Familiennamen Quedlinburgs und der Umgegend, S. 3. — Wenn wir die Alpen übersteigen, finden wir Familiennamen allerdings viel früher in den italienischen Städten, in denen sie sich, während sie bei uns im 12. Jahrhundert erst im Entstehen sind, bereits seit langen Jahren ganz verbreitet zeigen. Die ersten Spuren finden sich inVenedig, wo schon im 9. Jahrhundert eine FamilieParticiacobegegnet: 809Angelo P., 829Justiniano P., 864Urso P., 881Johannes Particiaco. Hier erbt also der NameParticiaco, ursprünglich der Beiname einer einzigen Person, in dem Geschlechte fort.

[23]Allmersin seinem „Marschenbuch“ bemerkt auf Seite 140 f.: „Eigentliche Familiennamen waren bei den Friesen selbst noch bis ins vorige Jahrhundert selten. Der Sohn erhielt zu dem Vornamen seines Vaters nur noch einen eigenen Taufnamen,wie es noch jetzt auf vielen friesischen Inseln Gebrauch ist. Hieß z. B. der VaterEke Lübsund man taufte seinen SohnSiade, so hieß dieserSiade Eks, und der Enkel, wenn er nach dem GroßvaterLübbegenannt wurde,Lübbe SiadsoderEke Lübbe Siads. Das angehängtesist nichts weiter als Bezeichnung des Genetivs. — Man kann leicht ermessen, welche bunte Verwirrung solche Sitte zur Folge haben mußte, und wie ganz besonders, wo es wichtige Erbschaftsangelegenheiten betraf, bei denen oft weitläuftige Namenregister in betracht gezogen werden mußten, die unlösbarsten Verwickelungen oft endlose Prozesse herbeiführten. Früher oder später machte daher in den verschiedenen Marschen ein Gesetz, wonach jede Familie einen festen Namen annehmen mußte, diesem Unwesen ein Ende, welches in manchen Gegenden bis ins letzte Jahrhundert fortdauerte und auf den Inseln sogar heute noch angetroffen wird. Denn wenn auch alle Friesen nunmehr Familiennamen angenommen haben, so betrachten sie, wenigstens die Landbevölkerung, dieselben als unnütze Anhängsel, die nur vor Gericht und bei ähnlichen Gelegenheiten erforderlich sind.“Im Osnabrückischen haftet noch jetzt der Name in den Bauerschaften weniger an der Person als am Hofe. Wenn z. B.MüllerzuB.auf den HofMeyerzuN.heiratet, heißt er selbstMeyerzuN., nicht mehrMüller, höchstensMeyergeb.Müller. Wenn Kinder oder Kindeskinder vom Hofe ziehen, werden sie sich in der RegelMeyer, seltenMüllernennen. (Fr. Meyer, Der Name Meyer, S. 8.) Ähnliches bezeugt für die lippischen FamiliennamenO. Preuß. 1864.

[23]Allmersin seinem „Marschenbuch“ bemerkt auf Seite 140 f.: „Eigentliche Familiennamen waren bei den Friesen selbst noch bis ins vorige Jahrhundert selten. Der Sohn erhielt zu dem Vornamen seines Vaters nur noch einen eigenen Taufnamen,wie es noch jetzt auf vielen friesischen Inseln Gebrauch ist. Hieß z. B. der VaterEke Lübsund man taufte seinen SohnSiade, so hieß dieserSiade Eks, und der Enkel, wenn er nach dem GroßvaterLübbegenannt wurde,Lübbe SiadsoderEke Lübbe Siads. Das angehängtesist nichts weiter als Bezeichnung des Genetivs. — Man kann leicht ermessen, welche bunte Verwirrung solche Sitte zur Folge haben mußte, und wie ganz besonders, wo es wichtige Erbschaftsangelegenheiten betraf, bei denen oft weitläuftige Namenregister in betracht gezogen werden mußten, die unlösbarsten Verwickelungen oft endlose Prozesse herbeiführten. Früher oder später machte daher in den verschiedenen Marschen ein Gesetz, wonach jede Familie einen festen Namen annehmen mußte, diesem Unwesen ein Ende, welches in manchen Gegenden bis ins letzte Jahrhundert fortdauerte und auf den Inseln sogar heute noch angetroffen wird. Denn wenn auch alle Friesen nunmehr Familiennamen angenommen haben, so betrachten sie, wenigstens die Landbevölkerung, dieselben als unnütze Anhängsel, die nur vor Gericht und bei ähnlichen Gelegenheiten erforderlich sind.“

Im Osnabrückischen haftet noch jetzt der Name in den Bauerschaften weniger an der Person als am Hofe. Wenn z. B.MüllerzuB.auf den HofMeyerzuN.heiratet, heißt er selbstMeyerzuN., nicht mehrMüller, höchstensMeyergeb.Müller. Wenn Kinder oder Kindeskinder vom Hofe ziehen, werden sie sich in der RegelMeyer, seltenMüllernennen. (Fr. Meyer, Der Name Meyer, S. 8.) Ähnliches bezeugt für die lippischen FamiliennamenO. Preuß. 1864.

[24]Stark, Kosenamen, S. 154. 156.

[24]Stark, Kosenamen, S. 154. 156.

[25]Bemerkenswert ist, daß ja auch Luther vielfältig in der Bibelübersetzung die Eigennamen unverändert, statt im Gen., beifügt, z. B. KinderKorah, TochterZion, SohnIsai.

[25]Bemerkenswert ist, daß ja auch Luther vielfältig in der Bibelübersetzung die Eigennamen unverändert, statt im Gen., beifügt, z. B. KinderKorah, TochterZion, SohnIsai.

[26]Infolge des häufigen Gebrauches ist aber die ursprüngliche Bedeutung dieser Zusammensetzungselemente allmählich sehr verblaßt, so daß sie teilweise zu bloßen fast bedeutungsleeren Endungen herabgesunken sind.

[26]Infolge des häufigen Gebrauches ist aber die ursprüngliche Bedeutung dieser Zusammensetzungselemente allmählich sehr verblaßt, so daß sie teilweise zu bloßen fast bedeutungsleeren Endungen herabgesunken sind.

[27]Die rein vokalische Verkleinerungsformi(S. 23) findet sich jetzt nur noch in der Schweiz:Burcki,Fritschi,Hochuli,Welti.

[27]Die rein vokalische Verkleinerungsformi(S. 23) findet sich jetzt nur noch in der Schweiz:Burcki,Fritschi,Hochuli,Welti.

[28]Wie Luther „Wörtlin“ u. a. und noch Fischart in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts: „Er hat ein hölzinsRöcklinan.“ Daß übrigens die Endung hier in den Eigennamen nicht den Ton hat, ist selbstverständlich, alsoRümelin(–́ ᴗ –).

[28]Wie Luther „Wörtlin“ u. a. und noch Fischart in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts: „Er hat ein hölzinsRöcklinan.“ Daß übrigens die Endung hier in den Eigennamen nicht den Ton hat, ist selbstverständlich, alsoRümelin(–́ ᴗ –).

[29]Daß „Fritz“ als Rufname für Friedrich auch in Niederdeutschland so allgemein verbreitet ist, erklärt sich durch die Verpflanzung der Hohenzollern nach Brandenburg, deren Ahnherr, der Burggraf Friedrich von Nürnberg, im Jahre 1411 von dem Kaiser Sigismund in die Marken eingesetzt wurde. Jedoch finden sich einzelne Formen mitzauch schon früh in niederdeutschen Urkunden:Hence(= Henze) undHinzemehrfach in Urkunden der Stadt Lübeck 13. Jahrh.,Thiezo,Winizo,Reinzound einige andere in der Frekenhorster Heberolle, so daß man mitLübben, Die Thiernamen im Reineke Vos S. 48, wohl hochdeutschen Einfluß hier einräumen muß; ebenso bei der Verbindung deszmitk, wie inTieziko,Meinziko,Raziko, die eigentlich Zwitter sind.

[29]Daß „Fritz“ als Rufname für Friedrich auch in Niederdeutschland so allgemein verbreitet ist, erklärt sich durch die Verpflanzung der Hohenzollern nach Brandenburg, deren Ahnherr, der Burggraf Friedrich von Nürnberg, im Jahre 1411 von dem Kaiser Sigismund in die Marken eingesetzt wurde. Jedoch finden sich einzelne Formen mitzauch schon früh in niederdeutschen Urkunden:Hence(= Henze) undHinzemehrfach in Urkunden der Stadt Lübeck 13. Jahrh.,Thiezo,Winizo,Reinzound einige andere in der Frekenhorster Heberolle, so daß man mitLübben, Die Thiernamen im Reineke Vos S. 48, wohl hochdeutschen Einfluß hier einräumen muß; ebenso bei der Verbindung deszmitk, wie inTieziko,Meinziko,Raziko, die eigentlich Zwitter sind.

[30]Henricus dictus Arnoltz(= Arnolds),Berchtoldus Marchwardiu. a. in Urkunden; deutschHenning Markwardes(wieDarius Hystaspis).

[30]Henricus dictus Arnoltz(= Arnolds),Berchtoldus Marchwardiu. a. in Urkunden; deutschHenning Markwardes(wieDarius Hystaspis).

[31]Ruprecht, Die deutschen Patronymica, nachgewiesen an der ostfries. Mundart. Programm S. 14.

[31]Ruprecht, Die deutschen Patronymica, nachgewiesen an der ostfries. Mundart. Programm S. 14.

[32]Wir finden sie auch bei den Schweden (Torstenson), Norwegern (Björnson), Dänen (Thorwaldsen), Isländern (Sturluson), Engländern (Wilson,Robinson,Thomson). Im Schottischen entsprechen die Namen mitMac(M’):Mac Gregor(Sohn des Gr.),Macdonald; im Irischen die mitO:O’Connel.

[32]Wir finden sie auch bei den Schweden (Torstenson), Norwegern (Björnson), Dänen (Thorwaldsen), Isländern (Sturluson), Engländern (Wilson,Robinson,Thomson). Im Schottischen entsprechen die Namen mitMac(M’):Mac Gregor(Sohn des Gr.),Macdonald; im Irischen die mitO:O’Connel.

[33]BeckerS. 15.Reichel, Die deutschen Geschlechtsnamen. Marburg (Steiermark). Programm. Auch in den Lippischen Familiennamen erscheint als häufig gebrauchte Patronymikalform neben -ingdie Silbe -er, vermittelt durch die Kolonatsnamen, die, vom ersten Besitzer entlehnt, an dem Grundstück haften blieben und auf die Nachfolger übergingen, z. B. in Hakedahl: 1488Henke Druden, 1523Henke Druding, 1538de(=der)Drudener— jetztDrüner. Während man aber bei „Henke Druding“ noch eher an den Sohn der Drude dachte, hat „der Drudener“ schon mehr den Begriff des Inhabers des Hofes der Drudings und damit den eines Repräsentanten der Familie angenommen. (O.Preuß, Die Lippischen Familiennamen S. 15 f.)

[33]BeckerS. 15.Reichel, Die deutschen Geschlechtsnamen. Marburg (Steiermark). Programm. Auch in den Lippischen Familiennamen erscheint als häufig gebrauchte Patronymikalform neben -ingdie Silbe -er, vermittelt durch die Kolonatsnamen, die, vom ersten Besitzer entlehnt, an dem Grundstück haften blieben und auf die Nachfolger übergingen, z. B. in Hakedahl: 1488Henke Druden, 1523Henke Druding, 1538de(=der)Drudener— jetztDrüner. Während man aber bei „Henke Druding“ noch eher an den Sohn der Drude dachte, hat „der Drudener“ schon mehr den Begriff des Inhabers des Hofes der Drudings und damit den eines Repräsentanten der Familie angenommen. (O.Preuß, Die Lippischen Familiennamen S. 15 f.)

[34]Vgl. Johannes Vorn Hesen 1530 (d. i. Frauen Hedwig Sohn); Gisilbertus, filiusOdilie1036; Rudolf et Ulrich filiiAdelheidis1149.

[34]Vgl. Johannes Vorn Hesen 1530 (d. i. Frauen Hedwig Sohn); Gisilbertus, filiusOdilie1036; Rudolf et Ulrich filiiAdelheidis1149.

[35]Auf süddeutschen Schulen sogarHómer,Hóraz,Vírgil.

[35]Auf süddeutschen Schulen sogarHómer,Hóraz,Vírgil.

[36]Vgl. W.Wackernagel, Die Umdeutschung fremder Wörter. 2. Ausg. 1863. S. 32 ff., 36 f.

[36]Vgl. W.Wackernagel, Die Umdeutschung fremder Wörter. 2. Ausg. 1863. S. 32 ff., 36 f.

[37]Die Scheidung nach den Mundarten ist hier schwierig und nicht immer streng durchzuführen. So findet sichNickel, welchesVilmar, Namenbüchlein S. 6 als hochdeutsch bezeichnet, auch im Niederdeutschen, hinwiederKlas(wovon Klasl) auch im Oberdeutschen (Bayrischen).Jochen, wie nach Vilmar der Hochdeutsche den Namen Joachim abkürzen soll, ist dem pommerschen Landmann die gewohnte Form.

[37]Die Scheidung nach den Mundarten ist hier schwierig und nicht immer streng durchzuführen. So findet sichNickel, welchesVilmar, Namenbüchlein S. 6 als hochdeutsch bezeichnet, auch im Niederdeutschen, hinwiederKlas(wovon Klasl) auch im Oberdeutschen (Bayrischen).Jochen, wie nach Vilmar der Hochdeutsche den Namen Joachim abkürzen soll, ist dem pommerschen Landmann die gewohnte Form.

[38]Hieronymus: in SachsenGruner, in HolsteinHarms, in der SchweizRonus,Rones,Roni,Muss,Müssi, in HessenGrolmann(nach Becker S. 19). Am wenigsten hat sich von der ursprünglichen Form entfernt der NameKronymus, den Fröhner aus Karlsruhe anführt.

[38]Hieronymus: in SachsenGruner, in HolsteinHarms, in der SchweizRonus,Rones,Roni,Muss,Müssi, in HessenGrolmann(nach Becker S. 19). Am wenigsten hat sich von der ursprünglichen Form entfernt der NameKronymus, den Fröhner aus Karlsruhe anführt.

[39]Vgl. das Mittelhochdeutsche, wo die lateinische Endungusbei Namen regelmäßig inesabgeschwächt wird:Philippes; auchLiboriusundLiborghesals Vornamen bei Klempin.

[39]Vgl. das Mittelhochdeutsche, wo die lateinische Endungusbei Namen regelmäßig inesabgeschwächt wird:Philippes; auchLiboriusundLiborghesals Vornamen bei Klempin.

[40]PauliI. S. 11: „In meiner Vaterstadt wurden die Kinder des Konrektors sowie die des Kantors nicht mit ihren FamiliennamenRichter,Müllerbezeichnet, sondern fast ausschließlich als Minna Konrektorn, Julius Kantor usw.“

[40]PauliI. S. 11: „In meiner Vaterstadt wurden die Kinder des Konrektors sowie die des Kantors nicht mit ihren FamiliennamenRichter,Müllerbezeichnet, sondern fast ausschließlich als Minna Konrektorn, Julius Kantor usw.“

[41]Diese Namen, die Pauli aus Hannover und Ostfriesland beibringt, beruhen auf der Einwirkung des Holländischen, wo noch häufig dasdeerscheint; man denke ande Ruyter,de Vrient(Devrient) u. a.

[41]Diese Namen, die Pauli aus Hannover und Ostfriesland beibringt, beruhen auf der Einwirkung des Holländischen, wo noch häufig dasdeerscheint; man denke ande Ruyter,de Vrient(Devrient) u. a.

[42]Zum Teil mögen sie auch von Wirtshausschildern entlehnt sein.

[42]Zum Teil mögen sie auch von Wirtshausschildern entlehnt sein.

[43]Aus älterer Zeit (niederdeutsch):Musekensteker(Mäuschenstecher),Duvendriver(Taubentreiber).

[43]Aus älterer Zeit (niederdeutsch):Musekensteker(Mäuschenstecher),Duvendriver(Taubentreiber).

[44]An Scherzen über diese Namen, insbesondere über Schulze und Müller, hat es nicht gefehlt. Angeblich lebten im Jahre 1880 30000 Schulzes innerhalb des Zollvereins. Lustspiele sind auf der Häufigkeit dieses Namens erbaut worden, ebenso wie auf der Verwechselung von Müller und Miller. — Um diese vielen Namensvettern zu unterscheiden, hat der Volksmund zu allerhand Zusammensetzungen seine Zuflucht genommen:Sünden-Müller(bedeutender Theolog, dessen Hauptschrift „Die Lehre von der Sünde“ ist),Linden-Müller(ein Berliner Volksredner aus dem J. 1848, der seine Vorträge „Unter den Linden“ hielt).Flausch-Müller(ein nach seinem Rocke benannter Student);Blut-Schulze(der Physiolog),Graupen-Schulze(ein Berliner Kaufmann),Theater-Schulzeusw.

[44]An Scherzen über diese Namen, insbesondere über Schulze und Müller, hat es nicht gefehlt. Angeblich lebten im Jahre 1880 30000 Schulzes innerhalb des Zollvereins. Lustspiele sind auf der Häufigkeit dieses Namens erbaut worden, ebenso wie auf der Verwechselung von Müller und Miller. — Um diese vielen Namensvettern zu unterscheiden, hat der Volksmund zu allerhand Zusammensetzungen seine Zuflucht genommen:Sünden-Müller(bedeutender Theolog, dessen Hauptschrift „Die Lehre von der Sünde“ ist),Linden-Müller(ein Berliner Volksredner aus dem J. 1848, der seine Vorträge „Unter den Linden“ hielt).Flausch-Müller(ein nach seinem Rocke benannter Student);Blut-Schulze(der Physiolog),Graupen-Schulze(ein Berliner Kaufmann),Theater-Schulzeusw.

[45]Von diesen ist jedoch ein guter Teil als nicht hergehörig auszuscheiden, da sie (nachSteub, Oberd. Familiennamen S. 148) Ableitungen von Ortsnamen sind aufheim, oberbayr.ham:Mooshammer= Moosheimer,Forchhammer. Überhaupt ist bei dieser Klasse Vorsicht vonnöten, insofern viele Namen nur scheinbar hierher gehören, in Wahrheit aber auf andere Quellen, namentlich auf Personennamen zurückgehen, z. B.Rost(auch althochd. Rusto, der Gerüstete),Kasten(st. Karsten) auf Christian.

[45]Von diesen ist jedoch ein guter Teil als nicht hergehörig auszuscheiden, da sie (nachSteub, Oberd. Familiennamen S. 148) Ableitungen von Ortsnamen sind aufheim, oberbayr.ham:Mooshammer= Moosheimer,Forchhammer. Überhaupt ist bei dieser Klasse Vorsicht vonnöten, insofern viele Namen nur scheinbar hierher gehören, in Wahrheit aber auf andere Quellen, namentlich auf Personennamen zurückgehen, z. B.Rost(auch althochd. Rusto, der Gerüstete),Kasten(st. Karsten) auf Christian.

[46]Johann Rickweg, Zimmermann und kühner Schmuggler, der 1813 im Lande Wursten durch seine feurige Beredsamkeit einen Aufstand gegen die Franzosen zu stande brachte, wurde nach seiner beständigengrünenKleidung im Volke nurJan Gröngenannt (Allmers, Marschenbuch S. 228).

[46]Johann Rickweg, Zimmermann und kühner Schmuggler, der 1813 im Lande Wursten durch seine feurige Beredsamkeit einen Aufstand gegen die Franzosen zu stande brachte, wurde nach seiner beständigengrünenKleidung im Volke nurJan Gröngenannt (Allmers, Marschenbuch S. 228).

[47]Bekannt ist aus Coopers amerikanischen Romanen der „Lederstrumpf“, so benannt von den Moccasins, die dieser alte Jäger nach indianischer Sitte zu tragen pflegte. Wie leicht sich solche Benennungen noch jetzt bilden, möge das Beispiel jenes Kapitäns Dilger beweisen, der, ursprünglich preußischer Artillerieoffizier, 1864 nach Amerika ging und als Befehlshaber einer Batterie in das Heer der Nordstaaten trat, wo er sich durch Kühnheit und Ausdauer hervortat und unter dem Spitznamen „Lederhose“ jedem Offizier und Soldaten bekannt war. „Während des Kampfes stand er immer da in Hemdärmeln und seinen glatt anliegenden Hosen von Hirschleder.“

[47]Bekannt ist aus Coopers amerikanischen Romanen der „Lederstrumpf“, so benannt von den Moccasins, die dieser alte Jäger nach indianischer Sitte zu tragen pflegte. Wie leicht sich solche Benennungen noch jetzt bilden, möge das Beispiel jenes Kapitäns Dilger beweisen, der, ursprünglich preußischer Artillerieoffizier, 1864 nach Amerika ging und als Befehlshaber einer Batterie in das Heer der Nordstaaten trat, wo er sich durch Kühnheit und Ausdauer hervortat und unter dem Spitznamen „Lederhose“ jedem Offizier und Soldaten bekannt war. „Während des Kampfes stand er immer da in Hemdärmeln und seinen glatt anliegenden Hosen von Hirschleder.“

[48]Schon im J. 905 in Verona ein „Johannes, qui alio nomine Braccacurta vocitabatur“.

[48]Schon im J. 905 in Verona ein „Johannes, qui alio nomine Braccacurta vocitabatur“.

[49]Rud. Schultze, Die Modenarrheiten. Ein Spiegelbild der Zeiten und Sitten für das deutsche Volk. 1868.

[49]Rud. Schultze, Die Modenarrheiten. Ein Spiegelbild der Zeiten und Sitten für das deutsche Volk. 1868.

[50]Nicht aberReichwein,Trautweinu. a., die mit dem altenwin(nichtwîn) „Freund“ zusammengesetzt sind. AuchAltweinundGutweinsind schon zweifelhaft wegen altdeutschAldwinundGodwin.

[50]Nicht aberReichwein,Trautweinu. a., die mit dem altenwin(nichtwîn) „Freund“ zusammengesetzt sind. AuchAltweinundGutweinsind schon zweifelhaft wegen altdeutschAldwinundGodwin.

[51]Z. B. wird im „Renner“ des Hugo v. Trimberg „ein wol begozzen wecke“ als Leckerbissen genannt.

[51]Z. B. wird im „Renner“ des Hugo v. Trimberg „ein wol begozzen wecke“ als Leckerbissen genannt.

[52]Wie sehr das Mittelalter zu Spott und Satire aufgelegt war, geht unter anderem daraus hervor, daß fast jede Landschaft ihr Schöppenstedt oder Schilda hatte und daß die Bewohner gar mancher Landschaft oder Stadt Beinamen führten. So hießen (und heißen) beispielsweise die Illzacher im Elsaß „Mondfänger“, die zwischen Ill und Rhein Wohnenden „Rheinschnaken“, die Schlesier „Eselsfresser“ — in Pommern die Wolliner „Stintköppe“ und die Kamminer „Flunnerköppe“ (nicht „Plunderköppe“, wie Riehl angibt), wegen der vielen dort gefangenen Stinte und Flundern.

[52]Wie sehr das Mittelalter zu Spott und Satire aufgelegt war, geht unter anderem daraus hervor, daß fast jede Landschaft ihr Schöppenstedt oder Schilda hatte und daß die Bewohner gar mancher Landschaft oder Stadt Beinamen führten. So hießen (und heißen) beispielsweise die Illzacher im Elsaß „Mondfänger“, die zwischen Ill und Rhein Wohnenden „Rheinschnaken“, die Schlesier „Eselsfresser“ — in Pommern die Wolliner „Stintköppe“ und die Kamminer „Flunnerköppe“ (nicht „Plunderköppe“, wie Riehl angibt), wegen der vielen dort gefangenen Stinte und Flundern.

[53]Den Übergang stellen unter anderem in friesischen Urkunden dar die NamenformenKersten rikenebenK. de rike,Floreke wittenebenF. de witte. Im Holländischen ist der Artikel geblieben:de Grote,de Jonghe,de Wit; ähnlich im Französischen:Lebeau,Legrand,Lejeune.

[53]Den Übergang stellen unter anderem in friesischen Urkunden dar die NamenformenKersten rikenebenK. de rike,Floreke wittenebenF. de witte. Im Holländischen ist der Artikel geblieben:de Grote,de Jonghe,de Wit; ähnlich im Französischen:Lebeau,Legrand,Lejeune.

[54]Ferner in Urkunden: Marquart derHunt, 12. Jahrh. Gislebertus pro sua proceritate cognominatusGrus(Kranich); Hugo de Wenden dictusAries(Widder); HugoCoturnix(Wachtel).

[54]Ferner in Urkunden: Marquart derHunt, 12. Jahrh. Gislebertus pro sua proceritate cognominatusGrus(Kranich); Hugo de Wenden dictusAries(Widder); HugoCoturnix(Wachtel).

[55]Doch ist beiBacmeister, Germanistische Kleinigkeiten S. 36 aus alten Urkunden angeführt:Heneke mit dem dumen1373 Braunschw.,Liebhard mit der Hand1383 Augsb., auchFridericus Mittemmunde1190; bei Trötscher (Die ältesten Egerer FN.):Chunrat mit der prust,Endres mit dem part— Zusätze, die doch wohl so zu verstehen sind, daß die genannten Körperteile wegen irgend einer Eigentümlichkeit auffallend waren. Auch ist zu vergleichen aus der Sage:Bertha mit dem Fuße=B. mit dem großen F., altfranz.Berthe as grands piés.

[55]Doch ist beiBacmeister, Germanistische Kleinigkeiten S. 36 aus alten Urkunden angeführt:Heneke mit dem dumen1373 Braunschw.,Liebhard mit der Hand1383 Augsb., auchFridericus Mittemmunde1190; bei Trötscher (Die ältesten Egerer FN.):Chunrat mit der prust,Endres mit dem part— Zusätze, die doch wohl so zu verstehen sind, daß die genannten Körperteile wegen irgend einer Eigentümlichkeit auffallend waren. Auch ist zu vergleichen aus der Sage:Bertha mit dem Fuße=B. mit dem großen F., altfranz.Berthe as grands piés.

[56]Aus Urkunden des 11.-15. Jahrh. führt Stark S. 153 an:Everhardus der Spizebart,Jacobus langenase,Hartwig Churzhals— desgl. Reichel aus Marburger Urkunden:Jacob de Chrafuez(Krähenfuß),Heinrich Krumnas. — Becker aus Köln 13. Jahrh.:Buntebart,Gobelin dictus Hardevust;Hans Schweinerüssel(16. Jahrh.).

[56]Aus Urkunden des 11.-15. Jahrh. führt Stark S. 153 an:Everhardus der Spizebart,Jacobus langenase,Hartwig Churzhals— desgl. Reichel aus Marburger Urkunden:Jacob de Chrafuez(Krähenfuß),Heinrich Krumnas. — Becker aus Köln 13. Jahrh.:Buntebart,Gobelin dictus Hardevust;Hans Schweinerüssel(16. Jahrh.).

[57]In Pasewalk heißt ein alter Wartturm noch jetztKiekindemark, desgl. ein Hof in Mecklenburg.

[57]In Pasewalk heißt ein alter Wartturm noch jetztKiekindemark, desgl. ein Hof in Mecklenburg.

[58]Wendehals,Streckfußund ähnliche Bezeichnungen bedeuteten ursprünglich so viel als ein Hals zum Wenden, ein Fuß zum Strecken (wie Lockvogel „ein Vogel zum Locken“, Gießkanne „eine Kanne zum Gießen“). Diese wurden später umgedeutet, man sah in dem ersten Gliede einen Imperativ, und so entstanden die imperativischen Namen. Wie kann man aber dazu aufgefordert werden, den Frieden zu stören, nicht gut zu tun usw.? Die imperativische Bedeutung rechtfertigt sich dadurch, daß dem, an welchem eine Eigenschaft oder Gewohnheit haftet, gleichsam zugerufen wird, das zu tun, was er ohnehin und immer tut, und was man an ihm wahrzunehmen gewohnt ist. Ein Friedensstörer, einer der nicht gut tut, wird ironisch aufgefordert zu tun, was er doch nicht läßt, und so erhält er den Namen Störenfried, Tunichtgut. Findet eine solche Aufforderung doch auch in Wirklichkeit öfters statt. Unvorsichtigen und Leichtsinnigen hört man im täglichen Leben zurufen: Schneide dich! Fall herunter und brich den Hals! Trotzigen: Ja trotze noch! (S. Andresen, Imperativnamen. Archiv für neuere Sprachen, Bd. XLIII, S. 296).

[58]Wendehals,Streckfußund ähnliche Bezeichnungen bedeuteten ursprünglich so viel als ein Hals zum Wenden, ein Fuß zum Strecken (wie Lockvogel „ein Vogel zum Locken“, Gießkanne „eine Kanne zum Gießen“). Diese wurden später umgedeutet, man sah in dem ersten Gliede einen Imperativ, und so entstanden die imperativischen Namen. Wie kann man aber dazu aufgefordert werden, den Frieden zu stören, nicht gut zu tun usw.? Die imperativische Bedeutung rechtfertigt sich dadurch, daß dem, an welchem eine Eigenschaft oder Gewohnheit haftet, gleichsam zugerufen wird, das zu tun, was er ohnehin und immer tut, und was man an ihm wahrzunehmen gewohnt ist. Ein Friedensstörer, einer der nicht gut tut, wird ironisch aufgefordert zu tun, was er doch nicht läßt, und so erhält er den Namen Störenfried, Tunichtgut. Findet eine solche Aufforderung doch auch in Wirklichkeit öfters statt. Unvorsichtigen und Leichtsinnigen hört man im täglichen Leben zurufen: Schneide dich! Fall herunter und brich den Hals! Trotzigen: Ja trotze noch! (S. Andresen, Imperativnamen. Archiv für neuere Sprachen, Bd. XLIII, S. 296).

[59]Anderseits sind freilich auch manche in Vilmars Verzeichnis als nicht hierher gehörig zu streichen, wieBaldauf,Gangauf, die richtiger als Ableitungen altdeutscher Personennamen (Baldolf,Gangolf) gefaßt werden;Richzenhain,Rollenhagen,Stemshorn, die ursprünglich Ortsnamen sind und daher in die folgende Klasse c) gehören. Auch Andresen beachtet das Hereinspielen der Ortsnamen nicht immer genügend.

[59]Anderseits sind freilich auch manche in Vilmars Verzeichnis als nicht hierher gehörig zu streichen, wieBaldauf,Gangauf, die richtiger als Ableitungen altdeutscher Personennamen (Baldolf,Gangolf) gefaßt werden;Richzenhain,Rollenhagen,Stemshorn, die ursprünglich Ortsnamen sind und daher in die folgende Klasse c) gehören. Auch Andresen beachtet das Hereinspielen der Ortsnamen nicht immer genügend.

[60]Eine hübsche Illustration zu den letztaufgeführten Namen bietet jene höchst bezeichnende plattdeutsche Grabschrift eines mecklenburgischen Junkers in der Kirche zu Dobberan:Wiek, Düwel, wiek wiet van my!Ick scher my nich en Haar um dy;Ick bin en Meckelbörgsch Edelmann,Wat geit dy, Düwel, min Supen an?Ick sup mit mim Herrn Jesu Christ,Wenn du Düwel ewig dösten müst;Ick sup mit em ne söte Kolleschal,Wenn du sittst in de Höllenqual.Drum rad ick: wiek, lop, renn un gah,Eh, by dem Düwel! icktoschlah!

[60]Eine hübsche Illustration zu den letztaufgeführten Namen bietet jene höchst bezeichnende plattdeutsche Grabschrift eines mecklenburgischen Junkers in der Kirche zu Dobberan:

Wiek, Düwel, wiek wiet van my!Ick scher my nich en Haar um dy;Ick bin en Meckelbörgsch Edelmann,Wat geit dy, Düwel, min Supen an?Ick sup mit mim Herrn Jesu Christ,Wenn du Düwel ewig dösten müst;Ick sup mit em ne söte Kolleschal,Wenn du sittst in de Höllenqual.Drum rad ick: wiek, lop, renn un gah,Eh, by dem Düwel! icktoschlah!

Wiek, Düwel, wiek wiet van my!Ick scher my nich en Haar um dy;Ick bin en Meckelbörgsch Edelmann,Wat geit dy, Düwel, min Supen an?Ick sup mit mim Herrn Jesu Christ,Wenn du Düwel ewig dösten müst;Ick sup mit em ne söte Kolleschal,Wenn du sittst in de Höllenqual.Drum rad ick: wiek, lop, renn un gah,Eh, by dem Düwel! icktoschlah!

Wiek, Düwel, wiek wiet van my!

Ick scher my nich en Haar um dy;

Ick bin en Meckelbörgsch Edelmann,

Wat geit dy, Düwel, min Supen an?

Ick sup mit mim Herrn Jesu Christ,

Wenn du Düwel ewig dösten müst;

Ick sup mit em ne söte Kolleschal,

Wenn du sittst in de Höllenqual.

Drum rad ick: wiek, lop, renn un gah,

Eh, by dem Düwel! icktoschlah!

[61]Becker, Geschlechtsnamen S. 6. —Vilmar, Namenbüchlein S. 15.

[61]Becker, Geschlechtsnamen S. 6. —Vilmar, Namenbüchlein S. 15.

[62]„Von Würzeburc ich Kuonrât“ im „Otto mit dem Barte“, Z. 760.

[62]„Von Würzeburc ich Kuonrât“ im „Otto mit dem Barte“, Z. 760.

[63]Becker stellt mehrere Reihen alter Namen dieser Art zusammen, aus Köln (12. Jahrh.) die Geschlechter:vom Neumarkt,de Monticulo(vom Bühel); aus Zürich:zer Linden,im Hof,am Thor; vom Lande aus der Umgegend des Vierwaldstätter Sees:in der Ouwe(Aue),in der Matta,bim Schechen,ze dem Brunnenu. a. — Pott führt aus Ehrentrauts friesischem Archive Bd. I H. 3 an:Wilken thom dyke,Oltman bi der muren,eylerd mank den schurenu. a.; aber auch schon ohne Verhältniswort:Robeke bakhus,borcherd netelhorst,Godeke stengrauen. — Aus der Kölner Universitätsmatrikel (15. Jahrh.) füge ich hinzu:Henricus in der sunnen,Henricus super lapidem,Everhardus uff dem Velde,Conradus van der Lynden.

[63]Becker stellt mehrere Reihen alter Namen dieser Art zusammen, aus Köln (12. Jahrh.) die Geschlechter:vom Neumarkt,de Monticulo(vom Bühel); aus Zürich:zer Linden,im Hof,am Thor; vom Lande aus der Umgegend des Vierwaldstätter Sees:in der Ouwe(Aue),in der Matta,bim Schechen,ze dem Brunnenu. a. — Pott führt aus Ehrentrauts friesischem Archive Bd. I H. 3 an:Wilken thom dyke,Oltman bi der muren,eylerd mank den schurenu. a.; aber auch schon ohne Verhältniswort:Robeke bakhus,borcherd netelhorst,Godeke stengrauen. — Aus der Kölner Universitätsmatrikel (15. Jahrh.) füge ich hinzu:Henricus in der sunnen,Henricus super lapidem,Everhardus uff dem Velde,Conradus van der Lynden.

[64]Anderer Art, wenn auch ähnlichen Sinnes sind die Zusammensetzungen mit Mann:Grundmann,Lehmann,Buschmann,Horstmann,Gampmann.

[64]Anderer Art, wenn auch ähnlichen Sinnes sind die Zusammensetzungen mit Mann:Grundmann,Lehmann,Buschmann,Horstmann,Gampmann.

[65]Das Verhältnis der Familiennamen zu den Ortsnamen und das bedeutende Hereinspielen der letzteren ist von manchen nicht genügend in Betracht gezogen worden, namentlich nicht von Vilmar, der, zu sehr nach dem äußeren Schein und Klang urteilend, viele Namen falsch einreiht. So stellt erSchönaich,Staudachunter die Pflanzen, berücksichtigt beiBaumundHornnicht, daß diese einfach oder als zweiter Teil der Zusammensetzung häufig als Ortsnamen vorkommen usw.

[65]Das Verhältnis der Familiennamen zu den Ortsnamen und das bedeutende Hereinspielen der letzteren ist von manchen nicht genügend in Betracht gezogen worden, namentlich nicht von Vilmar, der, zu sehr nach dem äußeren Schein und Klang urteilend, viele Namen falsch einreiht. So stellt erSchönaich,Staudachunter die Pflanzen, berücksichtigt beiBaumundHornnicht, daß diese einfach oder als zweiter Teil der Zusammensetzung häufig als Ortsnamen vorkommen usw.

[66]Stark S. 156: RudolfusStrubingar(Straubinger) 12. Jahrh.; Heinrich derWiener14. Jahrh. — Henricus dictusMijssener(Meißner) Köln. Univ.-Matrikel 1390.

[66]Stark S. 156: RudolfusStrubingar(Straubinger) 12. Jahrh.; Heinrich derWiener14. Jahrh. — Henricus dictusMijssener(Meißner) Köln. Univ.-Matrikel 1390.

[67]In Klempins Pommerschen Namenverzeichnissen aus dem Ende des 15. Jahrh. findet sich kein einziger Name dieser Art, immer ist die Ortsbenennung unverändert, mit verhältniswörtlicher Ellipse, verwendet:Arnstorp,Paswalck,Rosendal,Schenkenberghusw.

[67]In Klempins Pommerschen Namenverzeichnissen aus dem Ende des 15. Jahrh. findet sich kein einziger Name dieser Art, immer ist die Ortsbenennung unverändert, mit verhältniswörtlicher Ellipse, verwendet:Arnstorp,Paswalck,Rosendal,Schenkenberghusw.

[68]Kleemann(Die Familiennamen Quedlinburgs und der Umgegend S. 167) zählt in der großen Feldmark von Quedlinburg 15 ehemalige, jetzt verschwundene Dörfer auf.

[68]Kleemann(Die Familiennamen Quedlinburgs und der Umgegend S. 167) zählt in der großen Feldmark von Quedlinburg 15 ehemalige, jetzt verschwundene Dörfer auf.

[69]Z. B.Opitz von Boberfeld,Hoffmann von Hoffmannswaldau. Auch Abstrakta wurden und werden verwendet wie:Löllhöfel von Löwensprung,Adler von Adlerskampf,Riebel von Festertreu,Tengg von Lanzensieg.

[69]Z. B.Opitz von Boberfeld,Hoffmann von Hoffmannswaldau. Auch Abstrakta wurden und werden verwendet wie:Löllhöfel von Löwensprung,Adler von Adlerskampf,Riebel von Festertreu,Tengg von Lanzensieg.

[70]Daß in noch früherer Zeit auch dieWaffender Helden, namentlich dieSchwerterNamen hatten (Altekläre = hoher Glanz, Preciosa, Angurwadel), ist aus den Epen des Mittelalters bekannt.

[70]Daß in noch früherer Zeit auch dieWaffender Helden, namentlich dieSchwerterNamen hatten (Altekläre = hoher Glanz, Preciosa, Angurwadel), ist aus den Epen des Mittelalters bekannt.

[71]Ähnlich war es in England noch zu Ende des 17. Jahrhunderts: „Die Häuser (in London) waren nicht numeriert. Es würde in der Tat von geringem Nutzen gewesen sein sie zu numerieren; denn von den Kutschern, Sänftenträgern, Lastträgern und Laufburschen Londons konnte nur ein sehr kleiner Teil lesen. Es war nötig, Zeichen zu gebrauchen, die der Unwissendste verstehen konnte. Die Läden unterschieden sich daher durch gemalte Zeichen, welche der Straße ein heiteres und groteskes Ansehen gaben. Der Weg von Charingcross nach Whitechapel ging durch eine unendliche Folge von Sarazenenköpfen, Königseichen, blauen Bären und goldenen Lämmern, welche verschwanden, wie sie nicht mehr als Leitfaden der gemeinen Leute nötig waren.“ (Macaulay, Gesch. Englands seit dem Regierungsantritt Jakobs II., Bd. 2 in dem Kapitel: Zustand Englands im Jahre 1685.)

[71]Ähnlich war es in England noch zu Ende des 17. Jahrhunderts: „Die Häuser (in London) waren nicht numeriert. Es würde in der Tat von geringem Nutzen gewesen sein sie zu numerieren; denn von den Kutschern, Sänftenträgern, Lastträgern und Laufburschen Londons konnte nur ein sehr kleiner Teil lesen. Es war nötig, Zeichen zu gebrauchen, die der Unwissendste verstehen konnte. Die Läden unterschieden sich daher durch gemalte Zeichen, welche der Straße ein heiteres und groteskes Ansehen gaben. Der Weg von Charingcross nach Whitechapel ging durch eine unendliche Folge von Sarazenenköpfen, Königseichen, blauen Bären und goldenen Lämmern, welche verschwanden, wie sie nicht mehr als Leitfaden der gemeinen Leute nötig waren.“ (Macaulay, Gesch. Englands seit dem Regierungsantritt Jakobs II., Bd. 2 in dem Kapitel: Zustand Englands im Jahre 1685.)

[72]Schiller im Tell I, 2 von Stauffachers Hause:„Mit bunten Wappenschildern ist’s bemaltUnd weisen Sprüchen.“

[72]Schiller im Tell I, 2 von Stauffachers Hause:

„Mit bunten Wappenschildern ist’s bemaltUnd weisen Sprüchen.“

„Mit bunten Wappenschildern ist’s bemaltUnd weisen Sprüchen.“

„Mit bunten Wappenschildern ist’s bemalt

Und weisen Sprüchen.“

[73]Man vergleiche schwedische Namen wievon Tigerström(ein Strom, an dem Tiger hausen, in Skandinavien!),Gyllenstorm(goldner Sturm) u. a. — auch die jüdischen Familiennamen (s. weiterhin).

[73]Man vergleiche schwedische Namen wievon Tigerström(ein Strom, an dem Tiger hausen, in Skandinavien!),Gyllenstorm(goldner Sturm) u. a. — auch die jüdischen Familiennamen (s. weiterhin).

[74]Urspr. bloßerKoch, aber anmaßlicherweise eingedrungen in die römische Gens Cocceja (Pott).

[74]Urspr. bloßerKoch, aber anmaßlicherweise eingedrungen in die römische Gens Cocceja (Pott).

[75]Friedrich der Große hat gelegentlich darüber seinen Spott ausgegossen, siehe den Bericht über seinen Besuch im Rhin- und Dossebruch (1779), verfaßt vom Oberamtmann Fromme, welcher den König durch den Fehrbelliner Amtsbezirk begleiten mußte und alles aufgezeichnet hat, was er an diesem denkwürdigen Tage erlebt und aus des Königs Munde vernommen.König: Wie heißt Ihr?Amtsrat(des Amtes Neustadt): Klausius.König: Klau-si-us. — — Was ist das für ein Mensch, der da rechts?Fromme: Der Bauinspektor Menzelius, der hier die Bauten in Aufsicht gehabt hat.König: Bin ich hier in Rom? Es sind ja lauter lateinische Namen! — — Wie heißt die Kolonie?Fromme: Klausiushof.Amtsrat: Ihre Majestät, sie kann auch Klaushof heißen.König: Sie heißt Klau-si-ushof. Wie heißt da die andere Kolonie?Fromme: Brenkenhof.König: So heißt sie nicht.Fromme: Ja, Ihro Majestät! Ich weiß es nicht anders!König: Sie heißt Brenkenhofi-ushof.

[75]Friedrich der Große hat gelegentlich darüber seinen Spott ausgegossen, siehe den Bericht über seinen Besuch im Rhin- und Dossebruch (1779), verfaßt vom Oberamtmann Fromme, welcher den König durch den Fehrbelliner Amtsbezirk begleiten mußte und alles aufgezeichnet hat, was er an diesem denkwürdigen Tage erlebt und aus des Königs Munde vernommen.

König: Wie heißt Ihr?

Amtsrat(des Amtes Neustadt): Klausius.

König: Klau-si-us. — — Was ist das für ein Mensch, der da rechts?

Fromme: Der Bauinspektor Menzelius, der hier die Bauten in Aufsicht gehabt hat.

König: Bin ich hier in Rom? Es sind ja lauter lateinische Namen! — — Wie heißt die Kolonie?

Fromme: Klausiushof.

Amtsrat: Ihre Majestät, sie kann auch Klaushof heißen.

König: Sie heißt Klau-si-ushof. Wie heißt da die andere Kolonie?

Fromme: Brenkenhof.

König: So heißt sie nicht.

Fromme: Ja, Ihro Majestät! Ich weiß es nicht anders!

König: Sie heißt Brenkenhofi-ushof.

[76]Im Segen Jakobs (1. Mos. 49) wird Juda ein junger Löwe, Naphthali ein Hirsch, Benjamin ein Wolf genannt. Der Adler ist ein Bild sich erneuender Jugend (Ps. 103,5 u. a.).

[76]Im Segen Jakobs (1. Mos. 49) wird Juda ein junger Löwe, Naphthali ein Hirsch, Benjamin ein Wolf genannt. Der Adler ist ein Bild sich erneuender Jugend (Ps. 103,5 u. a.).

[77]Gold,Golde,Feingold,Goldader,Goldbach,Goldbaum,Goldberger,Goldenberg,Goldenkranz,Goldfaden,Goldfarb,Goldfinger,Goldmann,Goldmark,Goldreich,Goldstein,Goldstrom,Goldtreu,Goldziherusw.

[77]Gold,Golde,Feingold,Goldader,Goldbach,Goldbaum,Goldberger,Goldenberg,Goldenkranz,Goldfaden,Goldfarb,Goldfinger,Goldmann,Goldmark,Goldreich,Goldstein,Goldstrom,Goldtreu,Goldziherusw.

[78]Bemerkenswert ist es, daß die Frau auch wohl denVornamen des Mannes mit annimmt:Esther Salomon Gottschalk,Bertha Philipp Freundlich— es ist eben dieFirma, die so selbst noch auf den Grabsteinen prangt.

[78]Bemerkenswert ist es, daß die Frau auch wohl denVornamen des Mannes mit annimmt:Esther Salomon Gottschalk,Bertha Philipp Freundlich— es ist eben dieFirma, die so selbst noch auf den Grabsteinen prangt.

[79]Andree, Zur Volkskunde der Juden. S. 125 ff.

[79]Andree, Zur Volkskunde der Juden. S. 125 ff.

[80]Früher beseelte die Deutschen ein stolzes Selbstgefühl, über welches als die „Teutonicis innata superbia“ Schriftsteller anderer Nationen klagen. „Seit jenem unseligen Kriege,“ ruft Gfrörer bitter aus, „sind die Deutschen ein Volk von Bedienten geworden!“„Ich bin Franzos!“ „Engländer!“ „Ich Russe!“ — Und Sie, mein Verehrter?„Schulze aus Meiningen, Herr! Dero ergebener Knecht!“ (Xenien der Gegenwart.)

[80]Früher beseelte die Deutschen ein stolzes Selbstgefühl, über welches als die „Teutonicis innata superbia“ Schriftsteller anderer Nationen klagen. „Seit jenem unseligen Kriege,“ ruft Gfrörer bitter aus, „sind die Deutschen ein Volk von Bedienten geworden!“

„Ich bin Franzos!“ „Engländer!“ „Ich Russe!“ — Und Sie, mein Verehrter?

„Schulze aus Meiningen, Herr! Dero ergebener Knecht!“ (Xenien der Gegenwart.)

[81]Schon lange vor dem letzten Kriege.

[81]Schon lange vor dem letzten Kriege.

[82]Diese lächerlichen Schreibungen finden ein Gegenstück nur in den Entstellungen deutscher Namen auf Häuserschildern in Metz (vor 1870):Chemit(Schmidt),Quoinze(Kuntz),Choultse(Schulze) u. a. — Über die Polonisierungen früherer Jahrhunderte spricht Winckler, „Die Nationalitäten Pommerellens“ S. 4 f., welcher dort ein Verzeichnis der während der polnischen Herrschaft polonisierten Adelsgeschlechter gibt. So wurde aus Ahlebeck gemachtAlebitzki, aus Behme —Bem, aus Hutten —Ozapski, aus KochensteinKochanski, aus Schönborn —Szumborskiusw. Noch häufiger jedoch wurde den deutschen ein polnischer, vom Besitz entlehnter Name hinzugefügt, so daß nun diese merkwürdigen Zwitter entstanden wieStein von Kaminski,Otterfeld-Rybinski. Doch diese Maskierungen werden durch den Druck der mehr als dreihundertjährigen polnischen Gewaltherrschaft in Westpreußen einigermaßen entschuldigt. Welche Entschuldigung aber haben diejenigen, die in der Gegenwart unter einer deutschen Regierung ihre Nationalität verleugnen und mit den Feinden des Vaterlandes gemeinsame Sache machen?

[82]Diese lächerlichen Schreibungen finden ein Gegenstück nur in den Entstellungen deutscher Namen auf Häuserschildern in Metz (vor 1870):Chemit(Schmidt),Quoinze(Kuntz),Choultse(Schulze) u. a. — Über die Polonisierungen früherer Jahrhunderte spricht Winckler, „Die Nationalitäten Pommerellens“ S. 4 f., welcher dort ein Verzeichnis der während der polnischen Herrschaft polonisierten Adelsgeschlechter gibt. So wurde aus Ahlebeck gemachtAlebitzki, aus Behme —Bem, aus Hutten —Ozapski, aus KochensteinKochanski, aus Schönborn —Szumborskiusw. Noch häufiger jedoch wurde den deutschen ein polnischer, vom Besitz entlehnter Name hinzugefügt, so daß nun diese merkwürdigen Zwitter entstanden wieStein von Kaminski,Otterfeld-Rybinski. Doch diese Maskierungen werden durch den Druck der mehr als dreihundertjährigen polnischen Gewaltherrschaft in Westpreußen einigermaßen entschuldigt. Welche Entschuldigung aber haben diejenigen, die in der Gegenwart unter einer deutschen Regierung ihre Nationalität verleugnen und mit den Feinden des Vaterlandes gemeinsame Sache machen?

[83]Rüstow in seinen „Erinnerungen aus dem italienischen Feldzuge von 1860“: „DieungarischeLegion bestand aus allen Nationen; besonders waren auch viele Norddeutsche darin. DiedeutschenOffiziere in derselben hatten sich ungarische Namen gegeben“ — wozu das Magazin für Literatur des Auslandes (1862, Nr. 7) bemerkt: „Es ist wirklich rührend und für jeden echten Deutschen erhebend. Man möchte glauben, wenn einmal ein Freiheitskrieg der Kongoneger ausbricht, und deutsche Landsknechte dahin kommen, so lassen sie sich, abgesehen von den schwarzen Namen, die sie natürlich annehmen, mit echtem Kienruß färben, um den Negern ihre Farbe und Nationalität nicht mißliebig zu machen.“

[83]Rüstow in seinen „Erinnerungen aus dem italienischen Feldzuge von 1860“: „DieungarischeLegion bestand aus allen Nationen; besonders waren auch viele Norddeutsche darin. DiedeutschenOffiziere in derselben hatten sich ungarische Namen gegeben“ — wozu das Magazin für Literatur des Auslandes (1862, Nr. 7) bemerkt: „Es ist wirklich rührend und für jeden echten Deutschen erhebend. Man möchte glauben, wenn einmal ein Freiheitskrieg der Kongoneger ausbricht, und deutsche Landsknechte dahin kommen, so lassen sie sich, abgesehen von den schwarzen Namen, die sie natürlich annehmen, mit echtem Kienruß färben, um den Negern ihre Farbe und Nationalität nicht mißliebig zu machen.“

[84]Bernhardi, Sprachkarte von Deutschland. —Kiepert, Völker- und Sprachenkarte von Deutschland und den Nachbarländern. —Ders.Völker- und Sprachenkarte von Österreich. —Perthes’Alldeutscher Atlas. Bearbeitet von Langhans 1900.

[84]Bernhardi, Sprachkarte von Deutschland. —Kiepert, Völker- und Sprachenkarte von Deutschland und den Nachbarländern. —Ders.Völker- und Sprachenkarte von Österreich. —Perthes’Alldeutscher Atlas. Bearbeitet von Langhans 1900.

[85]Nach der üblichen geographischen Zweiteilung des deutschen Landes.

[85]Nach der üblichen geographischen Zweiteilung des deutschen Landes.

[86]Ein Beispiel dieser sehr abweichenden Mundart ist das saterländische „Skippers sankje“ (Schiffers Gesang), mitgeteilt von Poppe, Globus 1872 Nr. 12. Daß übrigens in diesem ganzen Kapitel nur dieLandbevölkerung in Betracht kommen konnte, ist wohl selbstverständlich.

[86]Ein Beispiel dieser sehr abweichenden Mundart ist das saterländische „Skippers sankje“ (Schiffers Gesang), mitgeteilt von Poppe, Globus 1872 Nr. 12. Daß übrigens in diesem ganzen Kapitel nur dieLandbevölkerung in Betracht kommen konnte, ist wohl selbstverständlich.

[87]Westlich durch die niederrheinische Landschaft (besonders Reg.-Bez. Düsseldorf) wenn auch in stark verminderter Menge.

[87]Westlich durch die niederrheinische Landschaft (besonders Reg.-Bez. Düsseldorf) wenn auch in stark verminderter Menge.

[88]In Mecklenburg auchKröger,Köster,Schriewer.

[88]In Mecklenburg auchKröger,Köster,Schriewer.

[89]Damit sind die Familien noch nicht als urspr. wendisch gekennzeichnet. Der Name besagt ja nur, daß der Ahnherr des Geschlechtes aus dem bezügl. Orte stammte; er kann also sehr wohl und wird in Wirklichkeit meistens deutscher Abkunft gewesen sein.

[89]Damit sind die Familien noch nicht als urspr. wendisch gekennzeichnet. Der Name besagt ja nur, daß der Ahnherr des Geschlechtes aus dem bezügl. Orte stammte; er kann also sehr wohl und wird in Wirklichkeit meistens deutscher Abkunft gewesen sein.

[90]Aus -ekentwickelte sich -ke, wie inPawelkeausPawelek,MardschinkeausMarcinek. In andern Fällen wurden volle Vokale (a,i) abgeschwächt, wie inJütersonkeausJutrzenka,Palbitzkeaus -ki. Dadurch haben die Namen aufke, aus mehreren Quellen fließend, solchen Zuwachs erhalten, daß sie in Hinterpommern (etwa 15 v. H.) dreimal so zahlreich als in Vorpommern sind.

[90]Aus -ekentwickelte sich -ke, wie inPawelkeausPawelek,MardschinkeausMarcinek. In andern Fällen wurden volle Vokale (a,i) abgeschwächt, wie inJütersonkeausJutrzenka,Palbitzkeaus -ki. Dadurch haben die Namen aufke, aus mehreren Quellen fließend, solchen Zuwachs erhalten, daß sie in Hinterpommern (etwa 15 v. H.) dreimal so zahlreich als in Vorpommern sind.

[91]Die altdeutschen Vollnamen und ihre ein- oder zweistämmigen Kürzungen ohne Verkleinerungssuffix, welche die allgemeine Grundlage auch hier bilden, werden nicht weiter hervorgehoben. Nur die Eigentümlichkeiten der einzelnen Landschaften sollen hier möglichst ins Licht gestellt werden.

[91]Die altdeutschen Vollnamen und ihre ein- oder zweistämmigen Kürzungen ohne Verkleinerungssuffix, welche die allgemeine Grundlage auch hier bilden, werden nicht weiter hervorgehoben. Nur die Eigentümlichkeiten der einzelnen Landschaften sollen hier möglichst ins Licht gestellt werden.

[92]Im Luxemburgischen bisweilen in französischer Schreibung:Bouchholzer,Bourggraff,Brandenbourg—Nitschké.

[92]Im Luxemburgischen bisweilen in französischer Schreibung:Bouchholzer,Bourggraff,Brandenbourg—Nitschké.

[93]Fast immer in dieser einfachsten Schreibung.

[93]Fast immer in dieser einfachsten Schreibung.

[94]FürBayernfehlten mir leider die ausreichenden Unterlagen — ebenso wie für Elsaß-Lothringen, die deutschen Teile von Österreich-Ungarn und der Schweiz.

[94]FürBayernfehlten mir leider die ausreichenden Unterlagen — ebenso wie für Elsaß-Lothringen, die deutschen Teile von Österreich-Ungarn und der Schweiz.

[95]Hier ragt ja auch das Polnische in die Provinz herein.

[95]Hier ragt ja auch das Polnische in die Provinz herein.

[96]Anderseits begegnen auch viele deutsche Namen (bis zu 25 v. H.) in den überwiegend polnischen Kreisen.

[96]Anderseits begegnen auch viele deutsche Namen (bis zu 25 v. H.) in den überwiegend polnischen Kreisen.

[97]Zusammengestellt nach den Kirchenbüchern der Gemeinde Wachholzhagen (Kreis Greifenberg, Pommern), die in den Konfirmanden-Verzeichnissen bis 1586, im übrigen bis 1619 zurückgehen.

[97]Zusammengestellt nach den Kirchenbüchern der Gemeinde Wachholzhagen (Kreis Greifenberg, Pommern), die in den Konfirmanden-Verzeichnissen bis 1586, im übrigen bis 1619 zurückgehen.

[98]Kiepert, Völker- und Sprachenkarte von Deutschland und den Nachbarländern. —Rich. Böckh, Sprachkarte vom preußischen Staate nach den Zählungsaufnahmen vom Jahre 1861, im Auftrage des Königl. statistischen Bureaus bearbeitet.

[98]Kiepert, Völker- und Sprachenkarte von Deutschland und den Nachbarländern. —Rich. Böckh, Sprachkarte vom preußischen Staate nach den Zählungsaufnahmen vom Jahre 1861, im Auftrage des Königl. statistischen Bureaus bearbeitet.

[99]An dieser Stelle fließen Slawisch und Deutsch teilweis zusammen und es ist keine strenge Grenze zu ziehen, da manche Namen aufkesowohl deutschen als slawischen Ursprunges sein können, z. B.Jankedeutsche Verkleinerungsform vonJohannesund auch slawische, durchJanekvermittelt.

[99]An dieser Stelle fließen Slawisch und Deutsch teilweis zusammen und es ist keine strenge Grenze zu ziehen, da manche Namen aufkesowohl deutschen als slawischen Ursprunges sein können, z. B.Jankedeutsche Verkleinerungsform vonJohannesund auch slawische, durchJanekvermittelt.


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