Cecil Rhodes.

Cecil Rhodes.

In einer Zeit, in der Politiker und Theoretiker obenauf sind und die praktischen Geschäftsleute am Boden liegen und den schlechtesten Teil erwählt haben, halte ich es für nützlich, die Geschichte eines wirklichen Staatsmannes zu erzählen — eines Mannes, der den Nutzen, nicht die Steuern seines Landes vermehrt hat —, eines Mannes, der zu zweckmäßig und wirksam handelte, um von seiner eigenen Generation nach seinem wahren Wert gewürdigt zu werden.

Ich meine Cecil Rhodes, der Zentralafrika dem britischen Weltreich einverleibt hat.

Cecil Rhodes gab England Rhodesia. Er gab ihm den Zentralhöhenzug Afrikas, der den Kontinent beherrscht.

Er brachte 700 000 Quadratmeilen neues Land unter britische Herrschaft,

er gab dem Britischen Reich eine neue Provinz, die sechsmal so groß ist als Großbritannien.

»Und was machen Sie in Afrika, Mr. Rhodes?«, fragte Königin Victoria. »Ich erweitere die Dominions Ew. Majestät!« antwortete Rhodes.

Cecil Rhodes wurde 1854 in einer kleinen englischenPfarre geboren. Sein Vater war ein Pfarrer — ein vernünftiger Pfarrer —, der immer nur zehn Minuten lang predigte.

Die Küken waren für das Nest zu zahlreich. Es gab neun Söhne und zwei Töchter. So ging der junge Cecil mit 17 Jahren nach Südafrika zu seinem älteren Bruder auf eine kleine Baumwollpflanzung. Er unternahm die Reise auf einem Segelschiff, das Kapstadt durch große Ausdauer in 70 Tagen erreichte.

Im nächsten Jahre zog er auf einem Ochsenwagen nach Kimberley, wo gerade Diamanten entdeckt worden waren. Er wurde Diamantensucher.

Nach zwei Jahren hatte er einige hundert Pfund erworben. Es war sein erstes Geld. Er beschloß, die ganze Summe auf die Verbesserung seiner Bildung zu verwenden. Er reiste nach Hause und ging nach Oxford — ein langer, klapperbeiniger, schüchterner Jüngling, der viel erfolgsicherer im Sport als im Studium war.

Er war 21 Jahre alt, als ihm ein englischer Arzt erklärte, daß sein Herz und seine Lunge schwach wären. »Sie haben nur noch sechs Monate zu leben«, sagte der Doktor.

Rhodes floh, um sein Leben zu retten, nach Afrika und — lebte noch 28 Jahre. Besser gesagt, er lebte das erfolgreichste Leben der victorianischen Epoche. Er erfüllte seine 28 Jahre mit geleisteten Taten.

Mit 24 Jahren machte er ein Testament — wohl das außerordentlichste Testament, das jemals ein Mensch von 24 Jahren gemacht hat. Er hinterließ all sein Geld einer zu gründenden geheimen Gesellschaft, um die britische Herrschaft über die ganze Welt auszudehnen — die Vereinigten Staaten zurückzugewinnen, Afrika, Südamerikaund Asien unter die britische Flagge zu bringen — allen Teilen des Weltreiches Selbstverwaltung zu geben und sie alle in einem Reichsparlament zusammenzufassen.

Was war sein Zweck? Nicht Eroberung, nicht nur Bildung eines Weltreiches. Nein. Sein Zweck war, den Krieg unmöglich zu machen und die besten Interessen der Menschheit zu fördern.

Sein erstes Ziel war, Geld zu verdienen, weil Geld Macht bedeutet.

In wenigen Jahren wurde er reich. Er gründete die De-Beers-Gesellschaft im Jahre 1880 und erweiterte sie, bis sie eine der größten Gesellschaften der Welt wurde. Mit 35 Jahren war Rhodes der »Diamantenkönig«.

Als er genügend Geld hatte, stürzte er sich in das öffentliche Leben. Er wurde Mitglied des Kap-Parlaments; und seine erste Rede hielt er zur Verteidigung der Rechte der Eingeborenen. Mit 37 Jahren war er Premierminister, saß in Hemdsärmeln an seinem Schreibtisch und verwaltete die verworrenen Angelegenheiten der kleinen Kolonie.

1888 schloß er mit Lobengula, dem König des Mashonalandes, einen Handel ab; er erwarb alle Bergwerksrechte in einem Territorium, das so ausgedehnt war wie ganz Mitteleuropa. Mit einer kleinen Schar von tausend Mann nahm er es in Besitz. Er bekämpfte Eingeborene, Portugiesen, Buren und Downing-Street. Was er nahm, hielt er fest. Und es ist nicht anzunehmen, daß er den Wunsch hatte, Mashonaland etwa einem Völkerbund zu übergeben.

Er meisterte die Menschen durch seine Furchtlosigkeit und seine Willenskraft. Einmal ging er unbewaffnetfünfhundert bewaffneten Eingeborenen entgegen und zwang sie, Frieden zu machen. Er liebte das rauhe Lager der Pioniere, und er haßte die Gesellschaft. Seine einzige unglückliche Lebenszeit war, wenn er in London gefeiert wurde.

Er gründete Rhodesia und machte es so britisch wie Oxford oder Lancashire.

Um jene Zeit war Afrika das Land der Einfälle. Jedermann fiel ein. Die Buren taten es. Die Eingeborenen taten es. Es war kein Land der Etikette, der guten Sitten und des Amtsdienstes. Es war ein Land von Wilden, in dem einige harte Männer um die Herrschaft rangen.

Es kam der berühmte Jameson-Einfall. Der Kampf lag in der Hauptsache zwischen Krüger und Rhodes — den beiden stärksten Persönlichkeiten, die Afrika je hervorgebracht hat. Krüger war beschränkt. Er war so eine Art Buren-Sinn-Feiner. Im Gegensatz zu ihm war Rhodes weitausschauend. Er sah Afrika als einen Teil der großen weiten Welt; und er wollte es frei und glücklich machen.

Dann kam der Krach des Burenkrieges. Aufgemuntert durch die Versprechungen deutscher Hilfe stürzten sich die Buren in den Kampf gegen die Briten. Rhodes ging nach Kimberley und nahm während der Belagerung die Führung in die Hand. Er hielt die Stadt zusammen und rettete sie.

Am Ende seines Lebens baute er sich ein großes Haus, benutzte es aber hauptsächlich als ein Hotel für alle Besucher. Er sagte:

»Dieses Haus gehört der Allgemeinheit so gut wie mir.«

Rhodes war ein Mann der einfachsten Gewohnheit. Er brauchte wenig für sich selbst. Anfangs lebte er in einer Kaffernhütte. Er hatte alle Instinkte eines Pfadfinderjungen.

Seine Kleidung war derb. Er zog es vor, ein festes Ziel und ein lockeres Halstuch zu haben, statt umgekehrt. Als er dem Sultan der Türkei vorgestellt werden sollte, hatte er keinen Gehrock und erschien im Straßenanzug.

Einmal, auf einer Seereise, mußte er sich zu Bett legen, während ein freundlicher Matrose einen Segeltuchfleck auf seine einzige Hose nähte.

Er hatte blaue Augen und ein herzliches Lachen. Mit Narren und Snobs hatte er keine Geduld; aber er liebte die Buren, die Eingeborenen, die Ansiedler und alle praktischen, nützlichen Leute.

In gefährlichen Lagen konnte er so furchtbar sein wie ein afrikanisches Gewitter; aber er ärgerte sich niemals über Kleinigkeiten.

Er machte sich nichts aus hochtönenden Phrasen und papiernen Plänen. Er berauschte sich niemals selbst mit Worten. Er war ein illusionsloser Optimist.

Er war kein Sparer, er führte keine Bücher. Er war nachlässig mit Geld und hatte selten welches bei sich. Seine Aktien hatte er in den Rocktaschen und allen möglichen Schubladen.

Er war großmütig bis zur Sorglosigkeit. In einem schlechten Jahre gab er einmal den Ansiedlern in Rhodesia sechzehntausend Pfund.

Rhodes verabscheute die Bureaukratie. Er glaubte nicht daran, daß kleine Leute große Dinge tun könnten. Er glaubte an Geblüt, Wirksamkeit und Menschennatur.

Er begründete ein wundervolles System von Stipendien, teilweise um Oxfords enge Geleise zu erweitern, und teilweise, um die englisch sprechenden Nationen enger zu verbinden.

Er lebte gerade lange genug, um die britische Flagge überall zu sehen — dann begab er sich nach einer kleinen Lieblingsbesitzung, legte sich nieder, sandte nach Jameson und starb. Seine letzten Worte waren:

»So viel zu tun — und so wenig getan!«

Nach seinem Wunsche liegt er in einem einsamen Grabe auf der Höhe eines seiner afrikanischen Berge. Kein Ruhmeswort auf diesem Grabstein — nichts als die Worte:

»Hier liegt Cecil John Rhodes.«

Aber dieses Grab wird den Südafrikanern ein Mekka bleiben, solange die Erde besteht.


Back to IndexNext