Charles Seabrook.
Charlie Seabrook: Nein, Sie haben nie von ihm gehört. Er ist noch nicht berühmt. Er hat gerade angefangen.
Er ist erst 43 Jahre alt, aber er ist der leistungsfähigste Farmer der Welt.
In einem Jahre hat er auf einer Farm von 1200 Morgen um eine Million Pfund Gemüse gezogen.
Er betreibt seine Farm wie eine Fabrik. Er ist kein Farmer im gewöhnlichen Sinne. Er begnügt sich nicht damit, Samen in den Boden zu streuen und dann die Natur und die Vögel das weitere tun zu lassen.
Er ist ein Gemüsefabrikant. Und er erzielt ein größeres Erträgnis per acres als jemals jemand vor ihm erzielt hat.
Die Geschichte von Charlie Seabrook beginnt mit seiner Geburt auf einer kleinen Farm in Bridgetown, New-Jersey, U. S. A., im Jahre 1883. Sein Vater war ein Anglo-Amerikaner, der als Farmer nicht besonders erfolgreich war.
Mit fünf Jahren begann Charlie zu arbeiten. Mit 14 Jahren verrichtete er die Arbeit eines erwachsenen Mannes.
Seine Arbeit war Schwerarbeit, aber Schweiß, Schmutz und Plackerei waren ihm zuwider. Er arbeitete mit den Händen, weil es notwendig schien — doch während er arbeitete, überlegte er: Gibt es keine bessere, schnellere und leichtere Art, eine Farm zu betreiben?
So lernte er Bücher und Zeitschriften schätzen. Er kaufte jedes gute Buch über landwirtschaftlichen Betrieb, das er sich leisten konnte.
Er war ein Leser und Denker. Das war der Anfang seines Erfolges.
Mit 25 Jahren hatte er drei bestimmte Ideen:
1. Die Farm braucht mehr Regen.2. Die Farm braucht mehr Düngemittel.3. Eine Ernte im Jahre ist nicht genug.
1. Die Farm braucht mehr Regen.
2. Die Farm braucht mehr Düngemittel.
3. Eine Ernte im Jahre ist nicht genug.
Zunächst richtete er ein oberirdisches Berieselungssystem ein. Er führte eine 1¼zöllige eiserne Röhre über sechs Fuß hohe Pfosten. Die Röhre war durchlocht, um einen feinen Sprühregen zu ermöglichen. Die Röhren wurden 50 Fuß voneinander aufgestellt. Er erprobte dieses System auf einer Fläche von drei Morgen und die Ergebnisse waren vorzüglich.
So verbesserte er die Natur. Er schuf künstlichen Regen. Wo früher nur ein Stengel wuchs, ließ er nun deren zehn wachsen.
Bis zu seinem 25. Jahre arbeitete Charlie Seabrook für seinen Vater. Von da an arbeitete der Vater für Charlie — er war einer der klügsten Väter, von denen ich je gehört habe.
Im Jahre 1911 verdienten die beiden Seabrooks 5000 Pfund Sterling. »Jetzt wollen wir das auf die Bank legen«, sagte der Vater.
»Nein,« sagte Charlie, »wir wollen es wieder in den Boden stecken. Der Boden ist die beste Bank.«
Sie steckten es in den Boden. Sie verschwendeten es gleichsam an den Boden. Die Nachbarfarmer hielten sie für verrückt.
»Bringt dir dein Geschäft einen Schilling — tue ihn wieder in das Geschäft, um mehr zu verdienen!«
Das ist einer der Grundsätze, den Charlie Seabrook aus seinen Büchern gelernt hatte.
Wie wenige Farmer erkannte er den Wert des Kunstdüngers. Er fand, daß der Boden erst geschaffen werden müsse, daß ihn die Natur erst zur Hälfte geschaffen hat.
Gewöhnlicher Boden ist ebensowenig Boden wie vier Räder und ein Zahnrad ein Motorwagen sind. Er ist nur ein Anfang — ein Ort, auf dem die Ernten stehen sollen.
Der junge Seabrook begann also, Boden zu machen. Er tat hundert Tonnen Düngemittel pro Morgen in Neuland und vierzig Tonnen in altes. Dann verteilte er pro Morgen zwei oder drei Tonnen Knochenmehl zu 12 Pfund Sterling die Tonne über die hundert Tonnen.
Hundert Tonnen pro Morgen; zu zehn Schilling die Tonne: 74 Pfund Sterling pro Morgen ausschließlich für Düngung! Kein Wunder, daß die übrigen Farmer sich über Seabrook und seine Buchgelehrsamkeit lustig machten.
Dazu kamen noch die Kosten der Berieselung, 60 Pfund Sterling pro Morgen. Die Kosten des Landerwerbes betrugen nicht weniger als 30 Pfund Sterling pro Morgen, so daß die Gesamtkosten pro Morgen waren:
Die Seabrook-Farm war bis zum nächsten Jahre ein Gegenstand der Belustigung, bis der Dorfkaufmann die erstaunliche Geschichte erzählte, daß Charlie Seabrook auf einem einzigen Morgen eine Ernte im Werte von mehr als 400 Pfund Sterling erzielt hatte. Von da ab hörten die übrigen Farmer auf, Witze zu machen. Sie verstanden nicht, was geschehen war, aber sie hätten es gerne verstanden.
Nur um zu zeigen, was Seabrook wirklich tat, führe ich hier eine Seite aus seinem Farmwirtschaftsbuch an, die erzählt, was auf einem einzelnen Morgen geschehen ist:
»Spinat, angepflanzt am 25. Februar, Spinat verkauft am 15. April für 30 Pfund Sterling. Kartoffeln, angepflanzt am 10. Mai, verkauft 10. August für 90 Pfund Sterling. Salat angepflanzt 11. August, untermischt mit Erdbeeren. Salat verkauft Oktober um 100 Pfund Sterling.
Gesamtverkauf 220 Pfund Sterling.«
»Zweites Jahr: Eine halbe Ernte Erdbeeren verkauft für 120 Pfund Sterling.«
»Drittes Jahr: Eine volle Erdbeerenernte 260 Pfund Sterling, eine Ernte Kopfsalat 200 Pfund Sterling, eine Ernte Spinat 30 Pfund Sterling. Gesamtverkauf 490 Pfund Sterling.«
Das macht im Durchschnitt 277 Pfund Sterling proMorgen. Der Bruttonutzen war daher gegen 130 Pfund Sterling pro Morgen.
Seabrook erzielt drei Ernten im Jahr — manchmal vier.
Zum Beispiel hatte er in einem Jahr auf demselben Land Ernten von Spinat, Kartoffeln, Kopfsalat und wieder Spinat.
In einer Ernte auf einem Morgen erhielt er 604 Scheffel Kartoffeln. Von einem einzigen Land erntete er 8500 Liter Erdbeeren.
Seine Spezialität ist Salat, weil er herausgefunden hat, daß er am einträglichsten ist. In einem Jahr hat er zum Beispiel folgende Verkäufe erzielt:
Charlie Seabrook besitzt jetzt 1200 Morgen. Aber beinahe sein ganzer Ertrag kommt von 200 Morgen. Er hat seine Farm zu einer Aktiengesellschaft organisiert. Er hat ein voll eingezahltes Kapital von 100 000 Pfund Sterling. Und er zahlt 20 Prozent Dividende.
Auf seiner Farm hat er 300 Arbeiter, zur Zeit der Erdbeerernte oft zweimal so viel.
Seine Arbeiter wohnen in netten Betonhäusern auf der Farm. Sie arbeiten das ganze Jahr zehn Stunden täglich und werden wöchentlich bezahlt.
Wenn Sie fragen: »Wie aber beschäftigt man sie imWinter?«, so ist die Antwort: »Auf der Seabrook-Farm gibt es keinen Winter.«
Es sind da sechs enorme Glashäuser im Ausmaß von 60 : 300 Fuß. Jedes von ihnen hat 200 Pfund Sterling gekostet — zuerst wurden sie der »Seabrook-Wahnsinn« genannt.
Diese Glashäuser verlängern für Seabrook das Jahr. Sie schaffen den Winter ab. Sie ermöglichen es ihm, Gemüse außerhalb der Saison zu ziehen und zu Höchstpreisen zu verkaufen. Er beabsichtigt, noch mehr Glashäuser zu bauen.
Außerdem gehen im Winter seine Arbeiter in eine auf der Farm errichtete Kistenfabrik und machen hunderttausend Kisten — für den eigenen Bedarf.
Die Farm hat auch einen Kühlspeicher im Ausmaß von 60 : 325 Fuß, eine Garage für vier Traktoren und acht Lastkraftwagen, einen Stall für fünfzig Pferde, eine Maschinenwerkstatt für Reparaturen, ein Eisenbahnstockgeleise und ein großes, modern organisiertes Bureaugebäude.
»Es ist keine Farm«, sagt Seabrook. »Es ist eine Nahrungsmittelfabrik.«