Murdo Mackenzie.

Murdo Mackenzie.

So unglaublich diese Geschichte ist — jedes Wort ist wahr. Es ist die Geschichte eines jungen Hochländers, der fünf Jahre umsonst arbeitete, um das Bankgeschäft und die Rechtswissenschaft zu lernen.

Nach dieser Vorbereitung ging er in das Geschäftsleben, und heute ist er

der bedeutendste Viehzüchter der Welt.

Er ist in Schottland, Südamerika und den Vereinigten Staaten wohlbekannt. Sein Name ist Murdo Mackenzie.

Mit über 75 Jahren ist er heute noch in voller Tätigkeit. Er verwaltet über fünf Millionen Hektar Land mit 500 000 Stück Vieh.

Jahrelang war er der Präsident der Viehzüchterassoziation der Vereinigten Staaten. Er ist der Viehkönig von drei Ländern und begann sein Leben im schottischen Hochland als kleiner Junge auf einer kleinen Farm.

Sein Vater war ein Pächter von Sir Charles Roß in Baluagown.

In dem kleinen Häuschen, in dem er das Licht der Welt erblickte, gab es viele Bücher; und der Kleine war sehr auf das Lernen erpicht.

Er ging bis zu seinem 14. Lebensjahre in die Kirchenschuleund hernach vier Jahre lang — sieben Meilen täglich — in eine höhere Schule.

Mit 18 Jahren trat er ohne Bezahlung in ein Anwaltbureau ein, um die Rechte zu lernen. Dann ging er ebenso unbezahlt drei Jahre lang in eine Bank, um das Bankgeschäft zu lernen.

Diese fünf unbezahlten Jahre nennt Mackenzie das Geheimnis seines Erfolges. Während dieser Zeit brachte er sich dadurch fort, daß er an den Abenden verschiedene Nebenbeschäftigungen betrieb.

Mit 23 Jahren wurde ihm eine Stelle als Hilfsverwalter der Roßschen Güter angeboten. Er nahm sie an. Das Gehalt war 100 Pfund Sterling jährlich.

Mit 26 Jahren heiratete er und blieb neun Jahre in Schottland. Mit 35 Jahren war sein Gehalt erst 250 Pfund Sterling im Jahr.

Das beweist, daß in Schottland viele Leute leben, die zehnmal soviel verdienen würden, wenn sie in einem anderen Lande lebten.

Mit 35 Jahren bot sich Mackenzie die erste Gelegenheit, etwas Großes zu leisten. Er wurde zum Verwalter einer großen Tierzuchtfarm in Texas ernannt.

Er fuhr hin und fand sich an der Spitze eines großen Gutes von 400 000 Hektaren mit 70 000 Stück Vieh.

Bald entdeckte er, daß Texas nicht Schottland ist. Banditen und Räuber hielten das Land in Schrecken. Das Gesetz galt nichts.

Man riet ihm, einen Revolver zu tragen, aber er lehnte ab. »Nein,« sagte er,

»Revolver sind für Feiglinge und Mörder, nicht für Ehrenmänner.«

Seine Freunde fürchteten, daß er getötet werden könnte; aber er lebt heute noch, und die Revolverleute sind tot. »Sie brachten sich gegenseitig um«, sagt Mackenzie.

Er ist ein riesiger Mann. »Ich bin eine zu große Zielscheibe,« meint er, »um mich auf Revolverkämpfe einzulassen. Niemand kann mich verfehlen.« Und doch hat er niemals Furcht gekannt.

Sehr bald wurde er der Führer aller Viehzüchter in den Vereinigten Staaten. Er wurde gewöhnlich gewählt, wenn es galt, sie in nationalen Angelegenheiten zu vertreten.

Einmal besuchte er den Präsidenten Roosevelt. Ich erinnere mich sehr deutlich daran, weil ich zu jener Zeit in Washington war.

Roosevelt hatte versprochen, Mackenzie 20 Minuten zu gewähren. Als Mackenzie hereinkam, wendete sich Roosevelt in seiner überlebhaften Weise an ihn und sprach ununterbrochen.

Nach 20 Minuten sagte Roosevelt: »Jetzt ist Ihre Zeit um. Adieu, Mackenzie!«

»Noch nicht, Herr Präsident«, sagte Mackenzie, indem er seinen gewaltigen Körper zwischen Roosevelt und die Tür stellte. »Ich bin nicht dreitausend Meilen gekommen, um in dieser Weise abgefertigt zu werden. Sie haben gesagt, Sie wollten mir zwanzig Minuten geben. Und bisher haben Sie allein geredet. Jetzt werden Sie Ihr Wort halten und hören, was ich zu sagen habe.«

Roosevelt setzte sich nieder. Er hatte seinen Meister gefunden. Er horchte 20 Minuten, während Mackenzie ihm die Beschwerden der Viehzüchter vorlegte. Die beiden Männer — Roosevelt und Mackenzie — wurdenhierauf gute Freunde, und Roosevelt erwähnte Mackenzie in einem seiner Bücher. »Er glaubt daran,« schreibt Roosevelt, »daß man jedermann ehrenhaft behandeln müsse.«

Mit 61 Jahren übernahm Mackenzie eine noch viel bedeutendere Stellung. Er richtete eine Viehzuchtfarm von fünf Millionen Hektar in Brasilien ein.

Dieser kleine schottische Knabe, der täglich 14 Meilen wanderte, um zu lernen, der einzige Schotte, der jemals fünf Jahre unbezahlt gearbeitet hat, ist

heute einer der Führer in Handel und Wandel der Welt.

Er ist mehr als das. Er ist eine aufbauende Kraft der Zivilisation. Er hat neue Länder erschlossen. Er hat das Fleisch für die Welt verbilligt. Er hat der Welt bessere Sorten Vieh und kräftigere Menschen gebracht.


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