Thomas A. Edison.

Thomas A. Edison.

Edison ist jetzt bald 80 Jahre alt. Er wurde in Ohio von englisch-holländischen Eltern geboren. Sein Vater war ein Landwirt und Getreidehändler ohne besondere Erfolge.

Mit acht Jahren wurde Edison zur Schule geschickt. Drei Monate später schickte ihn der Lehrer mit der Bemerkung nach Hause, daß er zu dumm sei, um unterrichtet zu werden. (Was für ein Narr war dieser Lehrer.)

Edison hatte niemals mehr Schulunterricht. Seine Mutter, eine kluge und gute Frau, unterrichtete ihn selbst.

Er war immer ein eigentümlicher Junge. Mit sechs Jahren fand man ihn einmal auf Gänseeiern sitzen, die er auszubrüten versuchte.

Bei einem anderen Anlaß machte er ein großes Experiment in der Scheune und steckte sie in Brand, wofür er eine gute Tracht Prügel erhielt.

Von Anfang an hatte er eine Neigung für Chemie. In seinem räumlichen Hause richtete er sich ein Laboratorium mit 200 Flaschen ein. Er versah jede einzelne davon mit der Aufschrift »Gift«, damit niemand sie berühren sollte.

Mit 14 Jahren wurde er Zeitungsjunge und verkaufte Magazine und Zeitungen auf Eisenbahnzügen.

Er hatte auf dem Zuge ein kleines Laboratorium. Schließlich steckte er damit den Zug in Brand, und der Schaffner warf ihn hinaus und ließ seine Flaschen folgen.Auch gab er dem Jungen eine so mächtige Ohrfeige, daß er seit damals taub wurde.

Mit 16 Jahren wurde er in Kanada Telegraphenbote. Er verlor aber seine Anstellung, weil er eine arbeitsparende Erfindung machte — sein Vorgesetzter sagte, er wäre faul. Aus ähnlichen Gründen verlor er später noch drei weitere Anstellungen.

Mit 23 Jahren wanderte er nach Neuyork. Dort kam er ohne einen Heller an. Er erhielt eine Stellung in dem Bureau einer Börsentelegraphenfirma mit 300 Dollar monatlich. Das war seine erste Chance. Er erhielt dieses hohe Gehalt, weil er es zustandegebracht hatte, eine wertvolle Maschine zu reparieren, die in Unordnung geraten war.

Im nächsten Jahre erfand er einen Telegraphenapparat, den er der Western Union Telegraphen-Gesellschaft für 40 000 Dollar verkaufte. Er hätte auch ganz gerne 400 000 Dollar dafür genommen, da er von dem Wert seiner Erfindung zu jener Zeit keine Ahnung hatte.

Er benutzte diese 40 000 Dollar, um eine Maschinenwerkstatt zu eröffnen. Im Jahre 1873 kam er das erstemal nach England und verkaufte einige seiner Erfindungen.

Eine englische Firma machte ihm ein Angebot von »dreißigtausend« für eines seiner Patente. Edison dachte, es bedeutete 30 000 Dollar — er sagte: »Ja.« Zu seiner Überraschung erhielt er 30 000 Pfund — fünfmal so viel. Seit jener Zeit hat Edison ein warmes Gefühl für England.

Edison ist der fruchtbarste Erfinder der Welt. Er hat über 1000 Patente erworben. 45 Jahre lang ist er ein berufsmäßiger Erfinder. Er ist der ausdauerndstealler Experimentierer. Er arbeitete schwerer und schläft weniger als irgendein anderer Mensch. Es liegt ihm nichts am Geld. Er raucht und kaut Tabak.

Er haßt neue Kleider. Seit 30 Jahren ist ihm nicht für einen neuen Anzug Maß genommen worden. Vor 30 Jahren hat ihm irgendein gewisser Schneider Maß genommen und seither geht er immer wieder zu diesem und sagt: »Ich möchte einen anderen Anzug von dem gleichen Stoff.«

Er hat viele Mißerfolge und einige wunderbare Erfolge aufzuweisen. Einmal wendete er zwei Jahre und 2 000 000 Dollar an eine Erfindung, die sich als ziemlich wertlos herausstellte.

Er macht sich nichts aus Ehren. Eine englische Universität bot ihm ein Ehrendoktorat — er hat sich niemals die Mühe genommen, hinzukommen, um es in Empfang zu nehmen. Vor einiger Zeit wurde ihm in Neuyork eine Goldene Medaille verliehen. Er verlor sie unterwegs auf dem Fährboot. »Was liegt daran«, sagte er zu seiner Frau. »Ich habe mindestens zwei Liter solcher Medaillen in meinem Zimmer.«

Als er das letztemal in Frankreich war, erhielt er das Kreuz der Ehrenlegion. Er nahm das Kreuz an, aber als man ihm auch die Schärpe anlegen wollte, zog er sich zurück und ließ es nicht zu. Nach seiner Denkungsart ist eine Schärpe an einem Mann ungefähr so töricht wie ein Band an einem Frosch.

Seine Erfindungen haben viel zur Bequemlichkeit und Annehmlichkeit der Welt beigetragen. Tatsächlich war sein ganzes Leben sozialer Dienstleistung gewidmet.

Sein intimster Freund ist vielleicht Henry Ford — ein anderer Erfinder von gleichem Typus. Diese beidenMänner gehen gemeinsam mit John Burroughs, dem führenden Naturforscher Amerikas, jeden Winter auf eine Pflanzung nach Florida.

Edison hat niemals einen unbeschäftigten Augenblick. Selbst wenn er spielt, erfindet er. Ich habe ihn bei verschiedenen Gelegenheiten in seinem langen schmalen Laboratorium in Neujersey beobachtet, wie er grübelte und grübelte und grübelte, immer in irgendein schweres Problem vertieft.

Edison glaubt selten etwas, bevor er den Beweis dafür hat. Er hat eine Fülle von Zweifeln in Bezug auf die Meinungen und die Praktiken der Menschen auf Lager.

In seiner Bibliothek hat er mehr als zehntausend Bücher, meist wissenschaftliche Gegenstände. Aber Edison glaubt selten irgendeine Feststellung in irgendeinem dieser Bücher, bevor er sie selbst ausprobiert und bewiesen hat.

Bei seiner Arbeit nimmt er ein Buch lediglich als Ausgangspunkt, um anzufangen. Es bedeutet keineswegs einen Abschluß.

Sein ganzes Leben hat er damit zugebracht, jenes Niemands-Land zu erforschen, das außerhalb der Bücher besteht.

Edison ist zuerst und vor allem ein harter Arbeiter. Er verabscheut Faulheit als die schlimmste von allen Krankheiten. Er wird unter Umständen einen dummen Menschen beschäftigen, aber niemals einen faulen.

Edison nimmt nichts als vorausgesetzt an. Er hat eine Abneigung gegen Menschen, die sprunghaft und oberflächlich sind. In jeder Sache gräbt er bis an die Wurzeln. Er hat sein ganzes Leben damit zugebracht, das Warum herauszufinden.


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