Dekoratives ElementKapitel 12.Feindseligkeiten.Die Kundschafter Atahulpas, welche, das zum Loskauf nothwendige Gold vereinigend, das Reich durchzogen, langten endlich, ungeheure, nach der Liste auf jede Provinz vertheilte Mengen mit sich führend, in Cajamalca an; voller Ungeduld sehnten sich Alle nach dem Augenblick, um den das Zelt bis zu der übereingekommenen Höhe zu füllenden Bedarf beisammen zu sehen, und Alle trugen bereitwillig und emsig zu dem Zwecke bei, und inzwischen schienen, wie wir gesehen haben, die feindlichen Lager in der schönsten Eintracht zu sein. Ocollo trennte sich nicht von dem Zelte ihres angebeteten Inkas, und sogar Huascar und Vericochas hatten mit den feindlichen Befehlshabern häufige Zusammenkünfte und berührten oberflächlich einige Punkte über Religion und Politik. Wie ein Löwe, der hinter der scheuen Löwin her seine Mähne kräuselt, folgte Pizarro erglühend den Schritten der schönen Ocollo, und von Tag zu Tag entflammte mit um so größerer Heftigkeit die Flamme der Liebe, diein seinem Herzen brannte und die den wachsamen Blicken Luques nicht gut entgehen konnte.»Erinnere dich, Freund, erinnere dich,« sagte er eines Tages zu ihm, »daß du deinen König und Gott gröblich beleidigst, wenn du diese Götzendienerin liebst. Die kolossale Macht des Thrones von Castilien auszudehnen und die Anbetung des Kreuzes auszubreiten, bist du an diese entlegenen Gestade gekommen, nicht um, wie ein schwacher Jüngling, als Opfer der Liebe zu seufzen.«»Nicht wie ein schwacher Jüngling, nein,« antwortete ihm Pizarro.... »Hier in meiner Brust fühle ich eine unauslöschliche Gluth, doch fürchte nicht, daß ich mich seufzend zu Füßen dieser Undankbaren niederwerfe, um ihre Gunst zu erflehen; der Eroberer von Peru wird sie den Armen des Inkas, dem Heer der Peruaner zu entreißen wissen und die Gewaltthätigkeit....«Immer großmüthig, gestand Almagro den Gefährten seine feurige Liebe zu Coya, er schilderte ihnen mit der ganzen Begeisterung eines entzückten Geliebten ihre Reize und in seinen Vorsätzen und Aeußerungen athmete die Menschlichkeit eines den Einflüsterungen göttlicher Liebe fühlbaren Herzens. Er gestand seinen Gefährten offen, daß er die Zurückhaltung kannte, mit der sie die Pläne zur Eroberung des Reiches ausbreiteten, aber daß er ihnen völlige Freiheit ließe, da er bereits Coyas Herz erobert hatte, das mehr als die Eroberung der ganzen Welt galt.Das in Cajamalca vereinigte Gold belief sich auf unermeßliche Summen, und der Rath glaubte, daß es genügte, das Abkommen bei dem Loskaufe Atahulpas zu erfüllen. Sehnsüchtiger als irgend ein Mensch, seine Freiheit zu erkaufen, befahl Atahulpa, es, sei es in Barren oder in, wenn auch von mehr oder weniger künstlerischer Arbeit, dem Lande eigenen Manufakturen, unverzüglich in das Zelt zu schaffen, worin er gefangen war. Wirklich brachten unzählige Indianer das Gold für den Loskauf herbei, und die sehnsüchtigen Blicke der Eindringlinge ruhten auf einem Wunder, das die herrlichen Vorstellungen übertraf, die sie sich von dem Lande gemacht hatten. Ein Tag um den andern fuhr die Herbeischaffung mit der größten Thätigkeit fort und nahe, an tausend Centner Goldes kamen in die Zelte Pizarros.Unsere Leser werden nicht vergessen haben, daß das für den Loskauf feierlich begangene Abkommen war, das Zelt des Inkas bis zu Mannshöhe mit Gold zu füllen, und daß Pizarro das Gemüth des großen Königs im Osten zur Annahme des Abkommens bewegen sollte, ohne dessen Billigung es nicht endgültig bestätigt werden konnte. Sei es, daß die Peruaner die Genehmigung des Herrn im Osten, vermittelst seines Abgeordneten erlangt zu haben glaubten, sei es die brennende Angst des Inkas, sich in Freiheit zu sehen, sei es die äußerste Liebe und Achtung, welche die Peruaner zu ihrem Kaiser hatten, sicher ist, daß man voreilig und ohne der Genehmigung des Königs im Osten nachzufragen, das Gold mit aller Thätigkeitauf den Lagerplatz zu bringen anfing, indem man es, bis daß es die verabredete Höhe erreichte, mehr oder weniger sorgfältig in dem Zelte des Inkas unterbrachte; aber der Raum war zu beträchtlich und es fehlte etwa noch ein Fuß hoch mit Gold anzufüllen.Dem Loskauf gemäß brachte man das Gold zusammen, Pizarros Aufmerksamkeitsbezeugungen mit dem Inka wurden immer kälter, und er nahm eine, von dem bis dahin beobachteten Betragen sehr fremde, überlegene Miene an. Gar bald gewahrte Atahulpa dieselbe, und da er glaubte, daß sie von dem Fehlen des noch übrig bleibenden Goldes herrührte, richtete er sich an ihn und sagte mit wirklich unschuldsvoller Offenherzigkeit zu ihm: »Nein, fürchte nichts, Sohn der Sonne, seinen Schwur zu brechen, ist in Peru das schwärzeste Vergehen, und niemals werde ich den Zorn der Gottheit, welche ich anbete, herausfordern. Wenn auch meine Loskaufssumme nicht voll ist, werden in kurzem die Boten aus den entfernten Provinzen ankommen und du wirst mehr Gold, als nothwendig, beisammen sehen.«»Ja, Atahulpa,« gab ihm der Spanier ernst zur Antwort, »du und ich, wir wollen unser Uebereinkommen gewissenhaft erfüllen; unglückseligerweise aber ist, den eben erhaltenen Befehlen gemäß, mein Herr, der große König im Osten, nicht in allen Theilen damit einverstanden. Seine strengen und unabänderlichen Befehle versagen dir die Freiheit, außer du bekennest dich zu seinem Tributpflichtigen, und verlassestdeine barbarischen, frommen Ansichten und umarmest den Glauben an das Kreuz.«»Und kann der große Herr im Osten!...« wollte der Inka in starrem Erstaunen erwidern.»Er ist mächtig und kann Alles, ihm unterwürfig, gehorche ich seinen Befehlen.«»Und das angehäufte Gold?...«»Ist dein,« bestätigte ihm Pizarro, »du kannst darüber verfügen, aber die siegreichen Waffen meines Königs und Gebieters werden es schon in deinen Palästen und in den Tempeln deiner verfluchten Götzen holen. Ich für meinen Theil werde den Befehlen meines Königs nachkommen, und ich fordere nur von dir, daß du, den Liebkosungen der bezaubernden Ocollo entsagend, mir eine so große Schönheit überlässest, wonach ich, vor Begierde brennend, trachte.... Die Befehle des Herrn im Osten und Pizarros sind unabänderlich, denke an deine Rettung.«Man kann sich die tiefe Betäubung, in welche der Inka versunken war, wohl denken, aber nicht erklären. Als er bereits den Augenblick, seine Freiheit, seinen Thron, die Liebkosungen seiner Schönen wieder zu erlangen, gekommen glaubte, hört er die Donnerstimme Pizarros, welche alle seine trügerischen Einbildungen mit sich fortreißt. Aber Atahulpa, der Sohn von zehn Inkas, der Sohn der Sonne, der Herrscher des Reiches, der beleidigte Mann, kehrte bald wieder zu der dem Unschuldigen eigenen Ruhe und Würde zurück. »Ja, Pizarro,« sagte er zu ihm, »ich weiß meine Lage, erfülle die Befehle des Kaisers im Osten, aber haltemich nimmermehr für einen Schwächling, noch Verbrecher.«»Nimm meine Bedingungen an und du wirst der bevorzugte Vasall des großen Königs, Karls V., sein und deine ewige Erlösung finden.«»Ich, Tributpflichtiger eines räuberischen Königs und Anhänger eines Gottes, den ich nicht kenne, dessen Söhneihraber seid!!...«»Gotteslästerer, erzürne nicht die Strahlen, die schon in seiner Rechten zucken.«»Einst, eines Tages, hielt ich dich für einen Sohn der Sonne und für meinen Bruder; aber nein, du stammst nicht von der Sonne, du wirst von der schwarzen Hölle stammen.«»Ich gebiete den Strahlen, ich bin unverwundbar. Fordere nicht meinen Zorn heraus.«»Ruhig kann ich deine Anmaßung beschimpfen.«Trotz seiner wilden Gemüthsart ließ Pizarro den Inka in Mitten des Taumels zurück, und schritt, um sich mit seinen Gefährten zu vereinigen, zur endgültigen Inangriffnahme seiner Pläne. Ocollo, die den Erfolg vernahm, überließ sich dem tiefsten Schmerz und den heftigsten Thränen. »Ich,« wiederholte sie, »soll mich den barbarischen Liebkosungen deines Zerstörers hingeben, und soll dich das Verbrechen, deinen Gott und dein Vaterland zu verrathen, beweinen, oder dein Blutgerüst sehen....« Und ihr Angstgeschrei drang bis zum Himmelsgewölbe.... Augenblicklich gewahrte man im Lager die unverhoffte Veränderung, die sich wie ein Lauffeuer der Stadt mittheilte. »DerLoskauf ist grausam übertreten worden,« war der allgemeine Ruf, der in Cajamalca und im Heere ertönte.... Vericochas und Huascar hatten, obschon sie nicht im Vertrauen schliefen, ebensowenig einen so verhängnißvollen Ausgang erwartet, und sie marschirten, wenngleich sie die Gefahr kannten, welche sie bedrohte, auf Pizarros Zelt zu und offenbarten ihm ihr Erstaunen; aber der Eroberer ertheilte unabänderliche Befehle.Sehnsüchtig suchte Coya ihren Almagro, indem sie ihn einen treulosen Verführer nannte.»Ja, du und deine Gefährten,« sagte sie zu ihm, »seidSöhne des Verbrechens. Warum hast du deine Liebe an ein unschuldiges Herz verrathen? Warum hast du mich dem Cultus dieser Gottheit, welche ich anbete, entrissen, um das Glaubensbekenntniß an einen Gott abzulegen, der die Bösen beschützt? Ah! wenn wir eure vernichtenden Waffen hätten, ihr müßtet entsetzt in euer höllisches Klima fliehen, wir entrissen den Inka euren Armen und das leuchtende Gestirn würde wieder ruhig glänzen!«»Nein, geliebte Coya....«»Grausamer, und du wagtest noch von Liebe mir zu reden! Dein Bild hab’ ich bereits aus meinem Innersten gerissen, worinnen es wie ein Vulkan erglänzte auf beschneiten Gipfeln.«»Höre mich, Coya, und vielleicht verdiene ich dein Mitleid. Ich bin gefühlvoll wie wenn ich in diesem Reiche geboren wäre, ein günstiges oder widriges Schicksal aber hat mich unter meinen Gefährten auf diesen Boden geführt. Ich sah dich, liebte dich,vergötterte dich, und umsonst hätte ich ihnen meine Liebe verbergen wollen; sie wußten, daß in dem Herzen eines Geliebten niemals ein Geheimniß mit seiner Angebeteten Platz hatte, und behutsam verbargen Luque und Pizarro ihre Pläne vor mir; noch habe ich etwas über die Mittheilungen mit unserm Kaiser gewußt; nichts, Coya, noch habe ich, da ich mich mit deiner Liebe begnügte und deine Liebe mein Weltall war, etwas zu erfahren versucht.«Coya, welche niemals die Leidenschaft, die ihr Almagro eingeflößt hatte, zu ersticken vermocht hätte, fühlte beim Anhören seiner Betheuerungen ihren Zorn schwinden, und süße Thränen, die gegenseitig an ihren Wangen herunterirrten, bewiesen die Arglosigkeit der beiden gefühlvollen Seelen.Das feindliche, unter Waffen stehende Lager nahm einen bedrohlichen Anblick an; Atahulpa hielt seine Ruhe aufrecht: Er stieß tiefe Seufzer aus, und Vericochas und Huascar flogen unermüdlich von Pizarros Zelt zu dem des Inkas und bemühten sich umsonst, Vergleiche herbeizuführen. Von den Pflichten als Vasall, von seinem Ehrgeiz, seiner Liebe und seinem Fanatismus getrieben, konnte Pizarro in Nichts von den zuletzt vorgeschlagenen Bedingungen nachlassen. Atahulpa vermochte weder den Liebkosungen Ocollos zu entsagen, noch sein Vaterland, noch seinen Gott zu verrathen und der Austrag der Unterhandlungen konnte nur ein grausamer Abbruch sein.Vergebens flehte Ocollo, in einen Thränenstrom gebadet, vielleicht zu Füßen Pizarros knieend, seinErbarmen an und bejammerte ihre Leiden. »Wenn es gewiß ist, daß du mich liebst, werden meine Seufzer deine Brust durchdringen und dein Mitleid regen. Du weißt es, du, der du von einem mächtigen Gott abstammst, du weißt, daß Schwüre heilig sind, und ich habe vor diesem Gott, der uns erleuchtet, meine Liebe Atahulpa zugeschworen. Ueberbringe dieses kostbare Gold dem König im Osten, aber laß diesem unglücklichen Reiche seinen Frieden und seine Wonne.« »Ocollo,« wiederholte Pizarro, »ich bitte dich und bitte den Inka, wenn ich dich seinen Armen entreißen, wenn ich diese schwachen Besitzungen mit Feuer und Schwert überziehend, sie das Kreuz anbeten und sich vor der Macht des Königs im Osten niederwerfen lassen könnte.«Alles war umsonst, als der edle Almagro majestätischen Schrittes sich seinem Gefährten näherte.»Pizarro,« sagte er in strengem Tone zu ihm, »ich hatte dich bereits gewarnt, daß ich eure Zurückhaltung kannte, aber niemals hätte ich geglaubt, daß meine Gefährten ein überlegtes Verbrechen zuließen. Wenn ihr unsere Pflichten nicht damit für erfüllt hieltet, dem König von Castilien die Schätze von dem Loskauf des Inkas darzubieten, wozu schwurt ihr in Christi Namen, die hochheiligen Uebereinkünfte zu bewahren? Nicht der Verwüstung halber suchen wir entlegene Himmelsstriche auf; um Tributpflichtige der Krone Spaniens zu machen, um die Völker aus der Dummheit herauszuziehen und das Evangelium zu verbreiten, erschloß unser gnädige Gott uns die Wogender ungeheuren Meere und führte uns in diese entlegenen Himmelsstriche.«»Die Fahne Christis,« wiederholte Pizarro, »soll auf den Trümmern des Reiches wehen.«»Verwüstend und Schrecken verbreitend, können wir wohl Tributpflichtige des Königs von Castilien, aber keine Anbeter Jesus machen: Die Liebe verleiht uns den sichersten Triumph. Was werden sich die unschuldigen Indianer für einen Begriff von dem ewigen Gott der Gerechtigkeit machen, wenn vor unsern Schritten Gewaltthat, Verbrechen, Ruchlosigkeit einhergehen? Wie sollen sie das Christenthum umarmen, wenn Christen ihre Zerstörer sind? Gieb den Inka frei, wir werden in seinem Reiche bleiben, wir werden den Peruanern die süße Moral Jesus einflößen, indem wir sie mit Kunst und Wissenschaft erleuchten, sie die Würde des Menschen erkennen lassen und uns, zu ihrem Heil gereichend, zu ihren Brüdern machen.«»Du bist nicht mehr der kriegerische Almagro, du bist ein schwacher, in den Armen der Liebe schlafumfangener Jüngling.«»Ich bin der kriegerische Almagro, nicht der grausame Pizarro; ich bin ein gefühlvoller Mensch, der das Verbrechen verabscheut, aber freudig in Kampf und Tod geht.«»Ich bin der Statthalter von Peru.«»Ich umgürte das schützende Schwert der Unschuld.«Schon zogen die beiden Krieger wüthend ihre Degen, als Luque, der nicht weit davon dem erbitterten Streite zuhörte, mit einem Cruzifix in den Händendazwischen flog. Feuer sprühten die Blicke der beiden erzürnten Spanier, aber als Luque (wir sind im sechszehnten Jahrhundert) das Kreuz erhob, legten sie demüthig ihre Waffen, die Racheblitze sprühten, nieder. Eine starre Betäubung folgte der Wuth und Luque überwand den Zorn. »Euer Gott,« rief er aus, »wird so ein schwarzes Verbrechen nicht verzeihen; er führte euch an diese Gestade, um die Anbetung des Kreuzes auszubreiten, und böse, nur für schwache Leidenschaften empfänglich, kreuzt ihr die Waffen, und die Götzendiener sollen lächelnd zusehen, wie ihr, statt den Triumph Jesu Christis herbeizuführen, euch selbst zerfleischt.«Obschon das Zelt Atahulpas, von einer gewaltigen Wache umgeben, dem Verkehr der Indianer offen blieb, und Atahulpa, Huascar und Vericochas mit der größten Ruhe an die Rettung des Reiches dachten, erkannten sie am Ende doch die traurige Zukunft, welche ihm vorbehalten war. Huascar und der Priester fürchteten für den Inka, und der Inka zweifelte, nur um die Zukunft seines Reiches besorgt, nicht, daß sein Schicksal bereits entschieden war. Vergebens schlugen sie Pizarro verschiedene Vergleiche vor, vergebens boten sie ihm unermeßliche Summen Goldes als jährlichen Tribut für den König im Osten an, aber nimmermehr ihm Ocollo auszuliefern und noch weniger den Sonnencultus aufzugeben.Huascar sah, da es nicht genügte, alle Mittel, welche die Klugheit gebot, zu erschöpfen, das Unabwendbare, zu den Waffen zu greifen, ein, und ermarschirte nach Cajamalca, um seine Krieger zu ermuntern und ihnen zuvorzukommen. Trotz aller Politik Pizarros waren die Beziehungen zwischen den Indianern und Spaniern viel zu rege gewesen, als daß am Ende die Bewohner jener Gegenden nicht mit den von Osten Gekommenen vertraut geworden wären, und als daß sie nicht einen Theil von jener frommen Scheu, welche sie ihnen anfänglich einflößten, verloren hätten; die Wirkungen der Feuergewehre und der Artillerie jedoch waren noch außer ihrer Fassungskraft, der Knall des Schießpulvers war ihnen noch immer unbegreiflich, und dennoch maßen die Eindringlinge ihre geringen Streitkräfte mit der ungeheuren Macht des Reiches.War es Ueberstürzung der Peruaner oder nicht, das Gold zum Loskaufe auf den Lagerplatz herbeizuschaffen, so war es unter den Umständen, zu denen man gekommen war, schon sehr schwierig, es, so sehr sie auch Pizarro hiezu einlud, wieder wegzufahren, weil der große König im Osten das Abkommen, ohne die Zusätze, welche wir angegeben haben, nicht gebilligt hätte, und die Peruaner sich ebensowenig um solch einen Schatz bekümmerten, der, so unermeßlich er auch für die Eindringlinge wäre, dem Reiche ziemlich verächtlich war. Wie wir bereits angezeigt haben, war alles Zustandekommen unmöglich. Pizarro hatte unter dem Schutze von Atahulpas Namen einen großen Theil des Goldes des Reiches in seinen Zelten vereinigt; seine Soldaten sehnten sich, da es dem Anführer ebenfalls paßte, wenn es in den nahe gelegenen Colonieen in Umlauf gesetzt würde und sein Ruf durchdie ganze Welt flöge, damit neue Auszügler seine Streitkräfte vermehrten, schon nach dem Augenblicke, die neue Beute zu vertheilen, und Alles trug dazu bei, daß man beim Schall von Trommeln und Trompeten eine Verordnung bekannt machte, wonach man den Waffenstillstand für beendigt hielt, und, mit alleiniger Ausnahme Ocollos, die in Begleitung von zehn Peruanern in das spanische Lager gehen durfte, den Verkehr der Lager abschloß.Zu allen Zeiten wird man die Rechte der Vernunft und der Gerechtigkeit nicht in den Heeren zu suchen haben, Allen ist das Recht der Stärke überlegen; aber im sechszehnten Jahrhundert, als der Papst Alexander die Verleihung der neuen Festländer den jeweiligen Monarchen gab, da politische oder nutzbringende Gründe der römischen Curie es so verlangten; als Diejenigen, welche nicht an das Kreuz glaubten, ungeheuer auf Erden waren, die mit Schwert und Feuer ausgerottet werden mußten; als man die unschuldigen Bewohner der neuen Welt für nicht einmal zum menschlichen Geschlechte gehörige Wesen hielt, machte Pizarro eine seinem Jahrhundert überlegene großmüthige Anstrengung, indem er veröffentlichte, daß der Waffenstillstand beendigt sei und die Feindseligkeiten von Neuem ausbrächen, eine Großmuth, welche in der Geschichte die unermeßliche Beute beschönigt hat, die ihnen die falsche Kriegslist von dem Loskaufe einbrachte.Dekoratives Element
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Die Kundschafter Atahulpas, welche, das zum Loskauf nothwendige Gold vereinigend, das Reich durchzogen, langten endlich, ungeheure, nach der Liste auf jede Provinz vertheilte Mengen mit sich führend, in Cajamalca an; voller Ungeduld sehnten sich Alle nach dem Augenblick, um den das Zelt bis zu der übereingekommenen Höhe zu füllenden Bedarf beisammen zu sehen, und Alle trugen bereitwillig und emsig zu dem Zwecke bei, und inzwischen schienen, wie wir gesehen haben, die feindlichen Lager in der schönsten Eintracht zu sein. Ocollo trennte sich nicht von dem Zelte ihres angebeteten Inkas, und sogar Huascar und Vericochas hatten mit den feindlichen Befehlshabern häufige Zusammenkünfte und berührten oberflächlich einige Punkte über Religion und Politik. Wie ein Löwe, der hinter der scheuen Löwin her seine Mähne kräuselt, folgte Pizarro erglühend den Schritten der schönen Ocollo, und von Tag zu Tag entflammte mit um so größerer Heftigkeit die Flamme der Liebe, diein seinem Herzen brannte und die den wachsamen Blicken Luques nicht gut entgehen konnte.
»Erinnere dich, Freund, erinnere dich,« sagte er eines Tages zu ihm, »daß du deinen König und Gott gröblich beleidigst, wenn du diese Götzendienerin liebst. Die kolossale Macht des Thrones von Castilien auszudehnen und die Anbetung des Kreuzes auszubreiten, bist du an diese entlegenen Gestade gekommen, nicht um, wie ein schwacher Jüngling, als Opfer der Liebe zu seufzen.«
»Nicht wie ein schwacher Jüngling, nein,« antwortete ihm Pizarro.... »Hier in meiner Brust fühle ich eine unauslöschliche Gluth, doch fürchte nicht, daß ich mich seufzend zu Füßen dieser Undankbaren niederwerfe, um ihre Gunst zu erflehen; der Eroberer von Peru wird sie den Armen des Inkas, dem Heer der Peruaner zu entreißen wissen und die Gewaltthätigkeit....«
Immer großmüthig, gestand Almagro den Gefährten seine feurige Liebe zu Coya, er schilderte ihnen mit der ganzen Begeisterung eines entzückten Geliebten ihre Reize und in seinen Vorsätzen und Aeußerungen athmete die Menschlichkeit eines den Einflüsterungen göttlicher Liebe fühlbaren Herzens. Er gestand seinen Gefährten offen, daß er die Zurückhaltung kannte, mit der sie die Pläne zur Eroberung des Reiches ausbreiteten, aber daß er ihnen völlige Freiheit ließe, da er bereits Coyas Herz erobert hatte, das mehr als die Eroberung der ganzen Welt galt.
Das in Cajamalca vereinigte Gold belief sich auf unermeßliche Summen, und der Rath glaubte, daß es genügte, das Abkommen bei dem Loskaufe Atahulpas zu erfüllen. Sehnsüchtiger als irgend ein Mensch, seine Freiheit zu erkaufen, befahl Atahulpa, es, sei es in Barren oder in, wenn auch von mehr oder weniger künstlerischer Arbeit, dem Lande eigenen Manufakturen, unverzüglich in das Zelt zu schaffen, worin er gefangen war. Wirklich brachten unzählige Indianer das Gold für den Loskauf herbei, und die sehnsüchtigen Blicke der Eindringlinge ruhten auf einem Wunder, das die herrlichen Vorstellungen übertraf, die sie sich von dem Lande gemacht hatten. Ein Tag um den andern fuhr die Herbeischaffung mit der größten Thätigkeit fort und nahe, an tausend Centner Goldes kamen in die Zelte Pizarros.
Unsere Leser werden nicht vergessen haben, daß das für den Loskauf feierlich begangene Abkommen war, das Zelt des Inkas bis zu Mannshöhe mit Gold zu füllen, und daß Pizarro das Gemüth des großen Königs im Osten zur Annahme des Abkommens bewegen sollte, ohne dessen Billigung es nicht endgültig bestätigt werden konnte. Sei es, daß die Peruaner die Genehmigung des Herrn im Osten, vermittelst seines Abgeordneten erlangt zu haben glaubten, sei es die brennende Angst des Inkas, sich in Freiheit zu sehen, sei es die äußerste Liebe und Achtung, welche die Peruaner zu ihrem Kaiser hatten, sicher ist, daß man voreilig und ohne der Genehmigung des Königs im Osten nachzufragen, das Gold mit aller Thätigkeitauf den Lagerplatz zu bringen anfing, indem man es, bis daß es die verabredete Höhe erreichte, mehr oder weniger sorgfältig in dem Zelte des Inkas unterbrachte; aber der Raum war zu beträchtlich und es fehlte etwa noch ein Fuß hoch mit Gold anzufüllen.
Dem Loskauf gemäß brachte man das Gold zusammen, Pizarros Aufmerksamkeitsbezeugungen mit dem Inka wurden immer kälter, und er nahm eine, von dem bis dahin beobachteten Betragen sehr fremde, überlegene Miene an. Gar bald gewahrte Atahulpa dieselbe, und da er glaubte, daß sie von dem Fehlen des noch übrig bleibenden Goldes herrührte, richtete er sich an ihn und sagte mit wirklich unschuldsvoller Offenherzigkeit zu ihm: »Nein, fürchte nichts, Sohn der Sonne, seinen Schwur zu brechen, ist in Peru das schwärzeste Vergehen, und niemals werde ich den Zorn der Gottheit, welche ich anbete, herausfordern. Wenn auch meine Loskaufssumme nicht voll ist, werden in kurzem die Boten aus den entfernten Provinzen ankommen und du wirst mehr Gold, als nothwendig, beisammen sehen.«
»Ja, Atahulpa,« gab ihm der Spanier ernst zur Antwort, »du und ich, wir wollen unser Uebereinkommen gewissenhaft erfüllen; unglückseligerweise aber ist, den eben erhaltenen Befehlen gemäß, mein Herr, der große König im Osten, nicht in allen Theilen damit einverstanden. Seine strengen und unabänderlichen Befehle versagen dir die Freiheit, außer du bekennest dich zu seinem Tributpflichtigen, und verlassestdeine barbarischen, frommen Ansichten und umarmest den Glauben an das Kreuz.«
»Und kann der große Herr im Osten!...« wollte der Inka in starrem Erstaunen erwidern.
»Er ist mächtig und kann Alles, ihm unterwürfig, gehorche ich seinen Befehlen.«
»Und das angehäufte Gold?...«
»Ist dein,« bestätigte ihm Pizarro, »du kannst darüber verfügen, aber die siegreichen Waffen meines Königs und Gebieters werden es schon in deinen Palästen und in den Tempeln deiner verfluchten Götzen holen. Ich für meinen Theil werde den Befehlen meines Königs nachkommen, und ich fordere nur von dir, daß du, den Liebkosungen der bezaubernden Ocollo entsagend, mir eine so große Schönheit überlässest, wonach ich, vor Begierde brennend, trachte.... Die Befehle des Herrn im Osten und Pizarros sind unabänderlich, denke an deine Rettung.«
Man kann sich die tiefe Betäubung, in welche der Inka versunken war, wohl denken, aber nicht erklären. Als er bereits den Augenblick, seine Freiheit, seinen Thron, die Liebkosungen seiner Schönen wieder zu erlangen, gekommen glaubte, hört er die Donnerstimme Pizarros, welche alle seine trügerischen Einbildungen mit sich fortreißt. Aber Atahulpa, der Sohn von zehn Inkas, der Sohn der Sonne, der Herrscher des Reiches, der beleidigte Mann, kehrte bald wieder zu der dem Unschuldigen eigenen Ruhe und Würde zurück. »Ja, Pizarro,« sagte er zu ihm, »ich weiß meine Lage, erfülle die Befehle des Kaisers im Osten, aber haltemich nimmermehr für einen Schwächling, noch Verbrecher.«
»Nimm meine Bedingungen an und du wirst der bevorzugte Vasall des großen Königs, Karls V., sein und deine ewige Erlösung finden.«
»Ich, Tributpflichtiger eines räuberischen Königs und Anhänger eines Gottes, den ich nicht kenne, dessen Söhneihraber seid!!...«
»Gotteslästerer, erzürne nicht die Strahlen, die schon in seiner Rechten zucken.«
»Einst, eines Tages, hielt ich dich für einen Sohn der Sonne und für meinen Bruder; aber nein, du stammst nicht von der Sonne, du wirst von der schwarzen Hölle stammen.«
»Ich gebiete den Strahlen, ich bin unverwundbar. Fordere nicht meinen Zorn heraus.«
»Ruhig kann ich deine Anmaßung beschimpfen.«
Trotz seiner wilden Gemüthsart ließ Pizarro den Inka in Mitten des Taumels zurück, und schritt, um sich mit seinen Gefährten zu vereinigen, zur endgültigen Inangriffnahme seiner Pläne. Ocollo, die den Erfolg vernahm, überließ sich dem tiefsten Schmerz und den heftigsten Thränen. »Ich,« wiederholte sie, »soll mich den barbarischen Liebkosungen deines Zerstörers hingeben, und soll dich das Verbrechen, deinen Gott und dein Vaterland zu verrathen, beweinen, oder dein Blutgerüst sehen....« Und ihr Angstgeschrei drang bis zum Himmelsgewölbe.... Augenblicklich gewahrte man im Lager die unverhoffte Veränderung, die sich wie ein Lauffeuer der Stadt mittheilte. »DerLoskauf ist grausam übertreten worden,« war der allgemeine Ruf, der in Cajamalca und im Heere ertönte.... Vericochas und Huascar hatten, obschon sie nicht im Vertrauen schliefen, ebensowenig einen so verhängnißvollen Ausgang erwartet, und sie marschirten, wenngleich sie die Gefahr kannten, welche sie bedrohte, auf Pizarros Zelt zu und offenbarten ihm ihr Erstaunen; aber der Eroberer ertheilte unabänderliche Befehle.
Sehnsüchtig suchte Coya ihren Almagro, indem sie ihn einen treulosen Verführer nannte.
»Ja, du und deine Gefährten,« sagte sie zu ihm, »seidSöhne des Verbrechens. Warum hast du deine Liebe an ein unschuldiges Herz verrathen? Warum hast du mich dem Cultus dieser Gottheit, welche ich anbete, entrissen, um das Glaubensbekenntniß an einen Gott abzulegen, der die Bösen beschützt? Ah! wenn wir eure vernichtenden Waffen hätten, ihr müßtet entsetzt in euer höllisches Klima fliehen, wir entrissen den Inka euren Armen und das leuchtende Gestirn würde wieder ruhig glänzen!«
»Nein, geliebte Coya....«
»Grausamer, und du wagtest noch von Liebe mir zu reden! Dein Bild hab’ ich bereits aus meinem Innersten gerissen, worinnen es wie ein Vulkan erglänzte auf beschneiten Gipfeln.«
»Höre mich, Coya, und vielleicht verdiene ich dein Mitleid. Ich bin gefühlvoll wie wenn ich in diesem Reiche geboren wäre, ein günstiges oder widriges Schicksal aber hat mich unter meinen Gefährten auf diesen Boden geführt. Ich sah dich, liebte dich,vergötterte dich, und umsonst hätte ich ihnen meine Liebe verbergen wollen; sie wußten, daß in dem Herzen eines Geliebten niemals ein Geheimniß mit seiner Angebeteten Platz hatte, und behutsam verbargen Luque und Pizarro ihre Pläne vor mir; noch habe ich etwas über die Mittheilungen mit unserm Kaiser gewußt; nichts, Coya, noch habe ich, da ich mich mit deiner Liebe begnügte und deine Liebe mein Weltall war, etwas zu erfahren versucht.«
Coya, welche niemals die Leidenschaft, die ihr Almagro eingeflößt hatte, zu ersticken vermocht hätte, fühlte beim Anhören seiner Betheuerungen ihren Zorn schwinden, und süße Thränen, die gegenseitig an ihren Wangen herunterirrten, bewiesen die Arglosigkeit der beiden gefühlvollen Seelen.
Das feindliche, unter Waffen stehende Lager nahm einen bedrohlichen Anblick an; Atahulpa hielt seine Ruhe aufrecht: Er stieß tiefe Seufzer aus, und Vericochas und Huascar flogen unermüdlich von Pizarros Zelt zu dem des Inkas und bemühten sich umsonst, Vergleiche herbeizuführen. Von den Pflichten als Vasall, von seinem Ehrgeiz, seiner Liebe und seinem Fanatismus getrieben, konnte Pizarro in Nichts von den zuletzt vorgeschlagenen Bedingungen nachlassen. Atahulpa vermochte weder den Liebkosungen Ocollos zu entsagen, noch sein Vaterland, noch seinen Gott zu verrathen und der Austrag der Unterhandlungen konnte nur ein grausamer Abbruch sein.
Vergebens flehte Ocollo, in einen Thränenstrom gebadet, vielleicht zu Füßen Pizarros knieend, seinErbarmen an und bejammerte ihre Leiden. »Wenn es gewiß ist, daß du mich liebst, werden meine Seufzer deine Brust durchdringen und dein Mitleid regen. Du weißt es, du, der du von einem mächtigen Gott abstammst, du weißt, daß Schwüre heilig sind, und ich habe vor diesem Gott, der uns erleuchtet, meine Liebe Atahulpa zugeschworen. Ueberbringe dieses kostbare Gold dem König im Osten, aber laß diesem unglücklichen Reiche seinen Frieden und seine Wonne.« »Ocollo,« wiederholte Pizarro, »ich bitte dich und bitte den Inka, wenn ich dich seinen Armen entreißen, wenn ich diese schwachen Besitzungen mit Feuer und Schwert überziehend, sie das Kreuz anbeten und sich vor der Macht des Königs im Osten niederwerfen lassen könnte.«
Alles war umsonst, als der edle Almagro majestätischen Schrittes sich seinem Gefährten näherte.
»Pizarro,« sagte er in strengem Tone zu ihm, »ich hatte dich bereits gewarnt, daß ich eure Zurückhaltung kannte, aber niemals hätte ich geglaubt, daß meine Gefährten ein überlegtes Verbrechen zuließen. Wenn ihr unsere Pflichten nicht damit für erfüllt hieltet, dem König von Castilien die Schätze von dem Loskauf des Inkas darzubieten, wozu schwurt ihr in Christi Namen, die hochheiligen Uebereinkünfte zu bewahren? Nicht der Verwüstung halber suchen wir entlegene Himmelsstriche auf; um Tributpflichtige der Krone Spaniens zu machen, um die Völker aus der Dummheit herauszuziehen und das Evangelium zu verbreiten, erschloß unser gnädige Gott uns die Wogender ungeheuren Meere und führte uns in diese entlegenen Himmelsstriche.«
»Die Fahne Christis,« wiederholte Pizarro, »soll auf den Trümmern des Reiches wehen.«
»Verwüstend und Schrecken verbreitend, können wir wohl Tributpflichtige des Königs von Castilien, aber keine Anbeter Jesus machen: Die Liebe verleiht uns den sichersten Triumph. Was werden sich die unschuldigen Indianer für einen Begriff von dem ewigen Gott der Gerechtigkeit machen, wenn vor unsern Schritten Gewaltthat, Verbrechen, Ruchlosigkeit einhergehen? Wie sollen sie das Christenthum umarmen, wenn Christen ihre Zerstörer sind? Gieb den Inka frei, wir werden in seinem Reiche bleiben, wir werden den Peruanern die süße Moral Jesus einflößen, indem wir sie mit Kunst und Wissenschaft erleuchten, sie die Würde des Menschen erkennen lassen und uns, zu ihrem Heil gereichend, zu ihren Brüdern machen.«
»Du bist nicht mehr der kriegerische Almagro, du bist ein schwacher, in den Armen der Liebe schlafumfangener Jüngling.«
»Ich bin der kriegerische Almagro, nicht der grausame Pizarro; ich bin ein gefühlvoller Mensch, der das Verbrechen verabscheut, aber freudig in Kampf und Tod geht.«
»Ich bin der Statthalter von Peru.«
»Ich umgürte das schützende Schwert der Unschuld.«
Schon zogen die beiden Krieger wüthend ihre Degen, als Luque, der nicht weit davon dem erbitterten Streite zuhörte, mit einem Cruzifix in den Händendazwischen flog. Feuer sprühten die Blicke der beiden erzürnten Spanier, aber als Luque (wir sind im sechszehnten Jahrhundert) das Kreuz erhob, legten sie demüthig ihre Waffen, die Racheblitze sprühten, nieder. Eine starre Betäubung folgte der Wuth und Luque überwand den Zorn. »Euer Gott,« rief er aus, »wird so ein schwarzes Verbrechen nicht verzeihen; er führte euch an diese Gestade, um die Anbetung des Kreuzes auszubreiten, und böse, nur für schwache Leidenschaften empfänglich, kreuzt ihr die Waffen, und die Götzendiener sollen lächelnd zusehen, wie ihr, statt den Triumph Jesu Christis herbeizuführen, euch selbst zerfleischt.«
Obschon das Zelt Atahulpas, von einer gewaltigen Wache umgeben, dem Verkehr der Indianer offen blieb, und Atahulpa, Huascar und Vericochas mit der größten Ruhe an die Rettung des Reiches dachten, erkannten sie am Ende doch die traurige Zukunft, welche ihm vorbehalten war. Huascar und der Priester fürchteten für den Inka, und der Inka zweifelte, nur um die Zukunft seines Reiches besorgt, nicht, daß sein Schicksal bereits entschieden war. Vergebens schlugen sie Pizarro verschiedene Vergleiche vor, vergebens boten sie ihm unermeßliche Summen Goldes als jährlichen Tribut für den König im Osten an, aber nimmermehr ihm Ocollo auszuliefern und noch weniger den Sonnencultus aufzugeben.
Huascar sah, da es nicht genügte, alle Mittel, welche die Klugheit gebot, zu erschöpfen, das Unabwendbare, zu den Waffen zu greifen, ein, und ermarschirte nach Cajamalca, um seine Krieger zu ermuntern und ihnen zuvorzukommen. Trotz aller Politik Pizarros waren die Beziehungen zwischen den Indianern und Spaniern viel zu rege gewesen, als daß am Ende die Bewohner jener Gegenden nicht mit den von Osten Gekommenen vertraut geworden wären, und als daß sie nicht einen Theil von jener frommen Scheu, welche sie ihnen anfänglich einflößten, verloren hätten; die Wirkungen der Feuergewehre und der Artillerie jedoch waren noch außer ihrer Fassungskraft, der Knall des Schießpulvers war ihnen noch immer unbegreiflich, und dennoch maßen die Eindringlinge ihre geringen Streitkräfte mit der ungeheuren Macht des Reiches.
War es Ueberstürzung der Peruaner oder nicht, das Gold zum Loskaufe auf den Lagerplatz herbeizuschaffen, so war es unter den Umständen, zu denen man gekommen war, schon sehr schwierig, es, so sehr sie auch Pizarro hiezu einlud, wieder wegzufahren, weil der große König im Osten das Abkommen, ohne die Zusätze, welche wir angegeben haben, nicht gebilligt hätte, und die Peruaner sich ebensowenig um solch einen Schatz bekümmerten, der, so unermeßlich er auch für die Eindringlinge wäre, dem Reiche ziemlich verächtlich war. Wie wir bereits angezeigt haben, war alles Zustandekommen unmöglich. Pizarro hatte unter dem Schutze von Atahulpas Namen einen großen Theil des Goldes des Reiches in seinen Zelten vereinigt; seine Soldaten sehnten sich, da es dem Anführer ebenfalls paßte, wenn es in den nahe gelegenen Colonieen in Umlauf gesetzt würde und sein Ruf durchdie ganze Welt flöge, damit neue Auszügler seine Streitkräfte vermehrten, schon nach dem Augenblicke, die neue Beute zu vertheilen, und Alles trug dazu bei, daß man beim Schall von Trommeln und Trompeten eine Verordnung bekannt machte, wonach man den Waffenstillstand für beendigt hielt, und, mit alleiniger Ausnahme Ocollos, die in Begleitung von zehn Peruanern in das spanische Lager gehen durfte, den Verkehr der Lager abschloß.
Zu allen Zeiten wird man die Rechte der Vernunft und der Gerechtigkeit nicht in den Heeren zu suchen haben, Allen ist das Recht der Stärke überlegen; aber im sechszehnten Jahrhundert, als der Papst Alexander die Verleihung der neuen Festländer den jeweiligen Monarchen gab, da politische oder nutzbringende Gründe der römischen Curie es so verlangten; als Diejenigen, welche nicht an das Kreuz glaubten, ungeheuer auf Erden waren, die mit Schwert und Feuer ausgerottet werden mußten; als man die unschuldigen Bewohner der neuen Welt für nicht einmal zum menschlichen Geschlechte gehörige Wesen hielt, machte Pizarro eine seinem Jahrhundert überlegene großmüthige Anstrengung, indem er veröffentlichte, daß der Waffenstillstand beendigt sei und die Feindseligkeiten von Neuem ausbrächen, eine Großmuth, welche in der Geschichte die unermeßliche Beute beschönigt hat, die ihnen die falsche Kriegslist von dem Loskaufe einbrachte.
Dekoratives Element