Kapitel 13.Atahulpa.

Dekoratives ElementKapitel 13.Atahulpa.Nach dem Ausbruch der Feindseligkeiten und der Räumung des spanischen Lagers war die dringendste Nothwendigkeit, zur Vertheilung des Schatzes unter die Eindringlinge zu schreiten. Wir bitten hier den Leser um Nachsicht, wenn wir einen im Tempel von Cuzco vorgefundenen peruanischen Text buchstäblich wiedergeben und ihn von Neuem daran erinnern, daß sich unsere Geschichte auf das sechszehnte Jahrhundert bezieht. Die ersten Strahlen der Sonne ergossen sich über die Spitzen der Anden, und Luque, mit den Zierden seines Gottes bekleidet und den Namen Jesus anrufend und seine Gnade erflehend, las eine feierliche Messe, um die Früchte derRuchlosigkeitzu vertheilen. Der Gott der von Osten Gekommenen ist ein nach Gold lüsterner Gott im Munde seiner Diener.Ohne Willens zu sein, uns über diesen gottlosen Text aufzuhalten, sagen wir, um mit unserer Geschichte übereinzustimmen, daß man zur Vertheilung des Schatzes schritt; daß man, einige kostbare Manufakturwaarenfür ihn aufbewahrend, gewissenhaft einen Fünftel für den König von Spanien trennte. Uebermäßige Summen wurden unter Pizarro und seine Befehlshaber vertheilt und erst noch jedem Soldaten fünfzehntausend harte Thaler[4]gegeben. Nein, niemals hat die Geschichte ein anderes Beispiel eines so schnellen durch Militärdienste erworbenen Vermögens dargeboten, noch wurde unter ein so geringes Heer so reiche Beute vertheilt.Es würde vielleicht scheinen, daß, nachdem der Ehrgeiz der Abenteurer befriedigt war, sie nur daran dachten, sich in ihr Geburtsland zurückzuziehen, aber Pizarro, welcher das Ergebniß, das die Vertheilung und die frühere Beute sehr wohl haben konnte, voraussah, war staatsklug genug, den Folgen vorzubeugen. Während er sie der Leichtigkeit des Triumphes versicherte, rührte er ihren Ehrgeiz, indem er ihnen die Schätze schilderte, welche Cajamalca und Cuzco bergen mußten, wenn sie so leicht den des Lösegeldes Atahulpas zusammengebracht hatten, und die Edelsteine, welche die Gebirge einschlossen und die Ströme mit sich führten. Luque erinnerte sie unermüdlich mit Begeisterung an die Pflichten der Anbeter Jesus, und die Seelen der Spanier erweiterten sich bei der Betrachtung, daß sie die Fahne des Kreuzes auf den Trümmern des Reiches aufpflanzen würden. Die Tapferkeit, der Ehrgeiz, der Fanatismus, die Furcht vor der strengen Mannszucht Pizarros, trugdazu bei, daß sich die kurze Abtheilung in Nichts zergliederte und daß sie unverzagt in den Sieg zogen.An ewige Kämpfe gewohnt, brachte Pizarro viele Tage in einer Unthätigkeit zu, die er für beschämend hielt, und er sehnte sich nach dem Augenblick, von Neuem den Degen zu schwingen, um sich die Lorbeern aufzusetzen. Andrerseits gewahrten sie in der Stadt einen gewissen kriegerischen Anblick, und sie zweifelten nicht, daß sie den Inka immer noch zu retten beabsichtigten oder unter allen Umständen zum Bruche kommen wollten. Die Spanier ihren Theils hofften ebenfalls, die Mauern Cajamalcas zu Grunde zu richten, und der Krater des Vulkans erbebte schon bei dem dumpfen Getöse des Feuers, das in seinem Innern brannte.Luque, ein merkwürdiger Fanatiker, hatte, wiewohl umsonst, dem Inka schon tausendmal die Vorzüge des Christenthums dargelegt, und als er bereits zu erkennen anfing, daß es nicht möglich war, Atahulpa von seinem falschen Glauben und von seiner Götzendienerei abzubringen, bereitete er im Geiste den düstern Scheiterhaufen der Inquisition vor, worauf er diese gottlose Seele dem Teufel überliefern sollte. Pizarro und Luque gingen in ihren Entwürfen stets einig, weil, wenn von fremdartigem Charakter, ihre Gemüthsstimmung dieselbe war. Zu wiederholten Malen hatte der Diener Christis den General gebeten, den Inka endgültig zu nöthigen, das Christenthum zu umarmen, und da die Schätze von dem Loskauf gesichert waren, konnte nichts mehr die Ausführung des Vorhabens verhindern.Wirklich ging Luque im Namen Pizarros selbst in das Zelt des Inkas und erklärte ihm feierlich, daß, wenn er nicht das Christenthum umarmte und sich zum Tributpflichtigen des großen Königs im Osten erklärte, er sich dem Ausspruch eines Kriegsgerichtes zu unterziehen hätte, der ihn als Ketzer und als Majestätsverbrecher verurtheilen würde. Ruhig, aber wehmüthig, hob Atahulpa die Augen zum Himmel auf und rief schmerzlich aus: »Oh, du gerechter Gott! Und also wirst du dein Reich verlassen und also werden die Gerechten seufzen!« Vergebens wandte Luque Bitten und Drohungen an; der Inka antwortete, daß er bereits sein Schicksal kannte, daß er sein Leben auf einem Blutgerüste aushauchen würde, daß er aber niemals zum Verräther an seinem Vaterlande würde, noch zum Abtrünnigen des leuchtenden Gestirns, das er anbetete.Nachdem die Hartnäckigkeit des Inkas, welche mit seinem Plan so sehr übereinstimmte, von Pizarro erfahren worden, befahl er, die vornehmsten Offiziere seiner kurzen Abtheilung zusammen zu berufen, und in voller Berathung wurde Atahulpa als Ketzer und Majestätsverbrecher angeklagt. Soto, Benalcazar, Ojeda, Mendoza, Luque, Pizarro, alle, alle verurtheilten sie ihn, den Unglücklichen, einmüthig zum Feuertode, und einzig Almagro vertheidigte kräftig die Rechte der Unschuld und der Gerechtigkeit. Der Widerspruch war heftig, aber der Tod des Inkas war beschlossen und Almagro mußte nachgeben. Die Macht jedoch, welche das Gerechtigkeitsgefühl in seinem Herzenhatte, und die Anerbietungen, die er Coya machte, brachten ihn sogar dazu, seine Waffe zu ziehen und den Bürgerkrieg in dem spanischen Lager anzufachen, weil er ebenfalls auf Anhänger rechnete; aber Luque, wenn er im Namen des Himmels sprach, erfreute sich einer zauberhaften Gewalt über die Seele Almagros, weil er als Ritter des sechszehnten Jahrhunderts am Ende doch fanatisch war.»Almagro«, sagte er zu ihm, »die Wege des Herrn sind unerforschlich, er will es, und Atahulpa wird, wenn nicht durch die Wucht der spanischen Waffen, so doch am Feuer der Strahlen, welche er über dessen Haupt schleudert, sein Leben beendigen. Der Inka ist ein verblendeter gottloser Ketzer, dieses ausgedehnte Reich gehorcht blos den Einflüsterungen des bösen Geistes, und die Fahne Zions soll auf der ganzen Erde wehen.«Almagro gab endlich nach, der Fanatismus hatte von jeher mehr Gewalt, als die Unschuld und Tugend; und der Rath verurtheilte, obschon sich Almagro zu stimmen enthielt, den Inka zum Tode. Aber als Majestätsverbrecher sollte Atahulpa sein Leben damit enden, erschossen zu werden; doch Luque stritt das Opfer ab, und da man das Verbrechen der Ketzerei noch für größer hielt, sollte er auf dem Scheiterhaufen der Inquisition verbrannt werden. Wirklich wurde, welch’ ein Greuel! der Urtheilsspruch: »Als Ketzer und Majestätsverbrecher soll der Inka Atahulpa angesichts des Heeres verbrannt werden.« unterzeichnet.Ocollo, welche die spanischen Zelte betreten durfte, damit Pizarro seine unzüchtigen Blicke an ihr sättigen konnte, war es, die die Mittheilungen zwischen Atahulpa und dem Rathe von Cajamalca aufbewahrte, und die, um den Inka zu retten, vergebens ihr Wehgeschrei bis zur Sonne erhob. Sie war eben daran, ihn in seinem Unglück zu trösten, als der gefühllose Soto dem Herrscher von Peru das Todesurtheil zu melden kam. Wer vermöchte die Lage und die Seufzer der beiden unglücklichen Gatten zu schildern!Vielleicht, daß die Betrübniß Ocollo Kraft verlieh, denn sie sandte die traurige Nachricht nach Cajamalca, und flog, um Pizarro aufzusuchen. In einem Meer von Thränen zu seinen Füßen knieend, flehte sie ihn bei der Sonne und beim Kreuze an, sich ihrer Leiden zu erbarmen, an ihren Qualen theilzunehmen und auf das Mitleid zu hören.... Pizarro jedoch hob sie ruhig in seine Arme, »Du, Ocollo«, sagte er zu ihr, »du kannst ihn retten«.»So unauslöschlich, so heftig ist die Liebe, die du in mir entzündetest, daß in dir allein seine Rettung liegt. Ergieb dich meinen Schmeicheleien....« Zitternd betrachtete die Unglückliche den Helden bald mit Entrüstung, bald warf sie sich ihm zu Füßen, bald war sie in tiefer Betäubung ein Opfer heftiger Zuckungen. Alles war umsonst, Pizarro in seiner Raserei war bei Thränen unempfindlich.Ocollo kehrte nach dem Zelte Atahulpas zurück. »Nein«, sagte sie zu ihm, »weder meine Liebe, noch meine Schwäche, noch mein Gott erlauben mir, es ander ehelichen Treue fehlen zu lassen; es wäre denn, um mich den barbarischen Liebkosungen Pizarros zu ergeben, so hätte ich die Fesseln, die dich bedrücken, schon gesprengt«.»Oh!« rief der Unschuldige aus, »und zitterst du nicht davor, diese abscheulichen Worte auszusprechen.«»Ja, Atahulpa, komm mit deiner Hand an meinen Busen, du wirst seine Erregung sehen. Aber noch verdiene ich deine Liebe, noch bin ich würdig, dich zu retten, gewähre die letzte Bitte. — Ich werde mich dem Unmenschen ergeben, werde deine Ketten brechen, und werde auf die Spitzen der beschneiten Anden fliehen, und werde mich in die Fluthen stürzen, und dort meine Schande begraben; aber ich werde Atahulpa retten.«»Gottlose,« rief der Inka aus, »und du erdreistest dich, mir so einen schimpflichen Vorschlag zu machen!... Die Flammen sollen mir ein Bett von Blumen sein.« Es war ein Jammern und Wehklagen, aber die Tugendhaftigkeit flößte ihnen zeitweise Ruhe ein.Pizarro, der vor Liebe brannte und der den edlen Stolz Atahulpas sah, blieb, um sich an der Schönheit Ocollos zu ergötzen, kein anderes Mittel, als die Gewaltthätigkeit übrig. Vor Raserei toll geworden, in seinen Hoffnungen genarrt, würde er die Schöne mit Gewalt an sich gerissen haben, wenn Luque ihm nicht in des Himmels Namen nachdrücklich sein Verbrechen zu erkennen gegeben hätte. Doch die Augenblicke entflohen und das Urtheil mußte, um sich des Inkas zu entledigen und Cajamalca angreifen zukönnen, vollzogen werden. Auf Pizarros Befehl ging Soto in das Zelt Atahulpas hinüber, um Ocollo hervorzuholen und nach der Stadt zu führen. Soto sagte ihr blos, daß der General sie zu sprechen wünschte, und der Inka erinnerte sie mit Bestimmtheit an die hochheiligen Pflichten eines Weibes. Als er sie bereits aus dem Zelte Atahulpas hervorgeholt hatte, schärfte er ihr auf das Genaueste ein, nach der Stadt zu gehen, da es ihr bereits ebensowenig erlaubt war, die Zelte der Spanier zu betreten. Die Schöne wollte in Mitten ihres Taumels bald von Neuem zu Füßen Pizarros, bald an die Seite ihres Gatten fliegen und auf seinem gleichen Blutgerüste sterben, bald brach sie in gerechte Verwünschungen gegen die von Osten Gekommenen aus; aber gefühllos bei den Qualen Ocollos, riß sie Soto heftig nach Cajamalca fort.Als Ocollo sich in der Rathsversammlung vorstellte und alle die Einzelheiten des Urtheils des Inkas berichtete, glänzten Entrüstung und Tapferkeit in den Augen der arglosen Peruaner, und sich zum Kampfe zu rüsten und auf dem Schlachtfelde umzukommen, oder den Inka zu retten, war der allgemeine Ruf, der in Cajamalca widerhallte. Coya hoffte immer noch auf das Versprechen ihres Almagros, und sie flehte zu ihrem neuen Gott, er möchte gerecht sein, damit sie ihn liebte.Sowie Ocollo aus dem Zelte des Monarchen heraustrat, ging Luque, der von seinem Fanatismus getrieben, dem Schuldigen mit dem heiligen Abendmahl beistehen zu müssen glaubte, den Inka zu besuchen.»Der Augenblick ist angelangt,« sagte er zu ihm, »dein Tod ist beschlossen und das Urtheil ist unabänderlich.«»Ich weiß es, Priester, ich bin bereit; ich bin unschuldig, ich war gerecht und fürchte nichts von dieser strahlenden Sonne, die uns erleuchtet.«»Tausendmal habe ich dir dargelegt, daß die ewige Erlösung nur im Christenthum zu finden ist, daß der höllische Geist dich in der Ketzerei verblendet und daß der wahrhaftige Gott dir durch meinen Mund befiehlt, in seine Arme zu eilen und die Götzendienerei aufzugeben.«»Dieses erhabene Gestirn,« sagte er, die Sonne betrachtend, »ist der wahrhaftige Gott, er verbreitet die Glückseligkeit über die Erde und belebt das Weltall; jener ist mein Gott und jener wird meinen Geist empfangen.«»Halte dich an die Gnade Jesu Christis.«»Dein Gott kann kein Erbarmen haben, da du sein Priester bist.«»Wehe dir, Atahulpa, wenn du in Sünde stirbst.«»Ich bitte dich darum, Luque, gehe zu deinen unmenschlichen Gefährten, sage, sie sollen meine Hinrichtung vorbereiten, aber laß mich ruhig sterben, plage mich nicht mit deinem düstern Fanatismus, bis ich meine müden Augenlider schließe.«»Du wirst als Ketzer in den Flammen sterben und in den Flammen wirst du deine ewige Pein finden.«»Mein Geist ist ruhig.«Brüllend vor Wuth ging Luque und legte seinen Gefährten die gottlose Hartnäckigkeit des Inkas, seineLästerungen, seine Frevelthaten und seine Ruchlosigkeit dar. Alle schwuren ihm ihren Abscheu zu und der Scheiterhaufen wurde vorbereitet, um, wie Luque sagte, diesen Hund zu verbrennen. Das spanische Lager stand inzwischen unter Waffen, wenn aber Alle mit Entrüstung die Gottlosigkeit Atahulpas ansahen, so gab es doch noch gefühlvolle und edle Spanier, welche die Ungerechtigkeit seines Todes kannten und Almagro rechnete auf Anhänger.Wohl wußte Pizarro, daß die Fackel der Zwietracht in seinem Lager brannte, er verhielt sich aber klug und fuhr beständig in der Ausführung seiner Pläne fort.Das Urtheil sollte schon vollzogen werden und ein großer Scheiterhaufen brannte angesichts Cajamalcas und der Eindringlinge, als hundert Bataillone schneller, tapferer Peruaner hervorbrachen, um unter den Waffen der von Osten Gekommenen den Tod zu suchen, oder ihren unglücklichen und angebeteten Herrscher zu retten. Pizarro erkannte die Gefahr und bereitete sich muthig zum Kampfe vor. Soto bewachte mit hundert auserlesenen Männern den Inka und die Schätze, und Pizarro an der Spitze der vierhundert Uebrigen erwartete ruhig den überflutheten Strom, der ihn bedrohte. Da die Peruaner mit der Kriegsführung und den Waffen der Spanier durch den mit ihnen gehabten Verkehr ein wenig vertraut geworden waren, die fromme Verehrung, die sie ihnen eingeflößt hatten, größtentheils verloren gegangen war und sie vor Rachedurst brannten, konnte der Kampf nicht umhin, zweifelhaft, blutig und hartnäckig zu werden.Wie ein Strom stürzten sich die Peruaner über die spanischen Lanzen her, und obschon das Feuer der Kanonen und der Hackenbüchsen die Reihen lichtete, fielen sie tapfer, ergriffen aber nicht die Flucht; sie erholten sich wieder, luden von Neuem und horchten auf die Befehle des beherzten Huascars. Obwohl Almagro und seine Anhänger wußten, daß ihnen kein anderes Mittel blieb, als Sieg oder Tod, kämpften sie jedoch nicht auf das Aeußerste und noch weniger flößten sie Pizarro Vertrauen ein. Der Kampf war hartnäckig, das Geschrei der Verwundeten und der Anstürmenden mit dem Donner der Kanonen hallten fürchterlich; die vierhundert Spanier waren ebensoviele Helden, aber bereits waren einige unterlegen, indeß vielleicht die Peruaner Verstärkungen aus der Stadt zuzogen. Pizarro erkannte das Mißliche seiner Umstände und er befahl Soto, Atahulpa zu erschießen und mit den hundert auserlesenen Soldaten zu laden.Ruhig fiel der Inka vor der Sonne auf die Kniee nieder. »Du willst es,« rief er aus, »wohlthätige Gottheit, ich werde in deine himmlischen Wohnungen eingehen, aber den Untergang oder den Sieg deines Reiches werde ich nicht mit ansehen.« Im Augenblick fiel er als ein Opfer des brennenden Bleies und Soto lud wüthend in dem Kampf. Schon gaben die Peruaner nach, und mit der Ankunft der neuen Streiter erklärte sich der Sieg und sie flohen nach der Stadt. In dem Getümmel der Schlacht suchte Almagro, die Gefahren verachtend, sehnsüchtig seine angebetete Coya,um sie vor den Streichen irgend eines Unmenschen zu schützen. »Ah! Treuloser,« sagte sie zu ihm, als sie ihn sah. »Ich bin unschuldig,« wiederholte ihr der Krieger, »ich verehre dich,« und sie mit seiner Waffe schützend, suchte Coya umsonst den Tod zu geben, noch ihn zu empfangen.Endlich siegte Pizarro; die Peruaner schlossen sich, aber erst nachdem sie sich mit Muth und Verzweiflung geschlagen hatten, in den Mauern Cajamalcas ein. Der Kampfplatz war mit Indianerleichen übersäet, aber auch die Spanier erlitten, trotzdem sie sich mit ihren Panzern vor den schwachen Waffen ihrer Feinde bedeckten, einige Verluste; sieben Todte blieben auf dem Schlachtfelde, drei wurden als Gefangene nach der Stadt fortgeschleppt und viele Verwundete waren kampfunfähig. Die in ihrem Blute geröthete Leiche des Inkas besänftigte den Zorn des fanatischen Luques nicht; noch brannte der Scheiterhaufen, worauf er hätte aushauchen sollen, und sein Leib wurde, weil er in Ketzerei und Sünde gestorben war, in die Flammen geworfen und seine Asche, als der Bestattung unwürdig, dem Winde übergeben. Der Inka Atahulpa war das erste Opfer, welches der Fanatismus des sechszehnten Jahrhunderts an den Küsten des südlichen Meeres vor seinen schwarzen Altären opferte, und mit seinem berühmten Namen eröffnete sich das peruanische Märtyrerthum.Dekoratives Element

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Nach dem Ausbruch der Feindseligkeiten und der Räumung des spanischen Lagers war die dringendste Nothwendigkeit, zur Vertheilung des Schatzes unter die Eindringlinge zu schreiten. Wir bitten hier den Leser um Nachsicht, wenn wir einen im Tempel von Cuzco vorgefundenen peruanischen Text buchstäblich wiedergeben und ihn von Neuem daran erinnern, daß sich unsere Geschichte auf das sechszehnte Jahrhundert bezieht. Die ersten Strahlen der Sonne ergossen sich über die Spitzen der Anden, und Luque, mit den Zierden seines Gottes bekleidet und den Namen Jesus anrufend und seine Gnade erflehend, las eine feierliche Messe, um die Früchte derRuchlosigkeitzu vertheilen. Der Gott der von Osten Gekommenen ist ein nach Gold lüsterner Gott im Munde seiner Diener.

Ohne Willens zu sein, uns über diesen gottlosen Text aufzuhalten, sagen wir, um mit unserer Geschichte übereinzustimmen, daß man zur Vertheilung des Schatzes schritt; daß man, einige kostbare Manufakturwaarenfür ihn aufbewahrend, gewissenhaft einen Fünftel für den König von Spanien trennte. Uebermäßige Summen wurden unter Pizarro und seine Befehlshaber vertheilt und erst noch jedem Soldaten fünfzehntausend harte Thaler[4]gegeben. Nein, niemals hat die Geschichte ein anderes Beispiel eines so schnellen durch Militärdienste erworbenen Vermögens dargeboten, noch wurde unter ein so geringes Heer so reiche Beute vertheilt.

Es würde vielleicht scheinen, daß, nachdem der Ehrgeiz der Abenteurer befriedigt war, sie nur daran dachten, sich in ihr Geburtsland zurückzuziehen, aber Pizarro, welcher das Ergebniß, das die Vertheilung und die frühere Beute sehr wohl haben konnte, voraussah, war staatsklug genug, den Folgen vorzubeugen. Während er sie der Leichtigkeit des Triumphes versicherte, rührte er ihren Ehrgeiz, indem er ihnen die Schätze schilderte, welche Cajamalca und Cuzco bergen mußten, wenn sie so leicht den des Lösegeldes Atahulpas zusammengebracht hatten, und die Edelsteine, welche die Gebirge einschlossen und die Ströme mit sich führten. Luque erinnerte sie unermüdlich mit Begeisterung an die Pflichten der Anbeter Jesus, und die Seelen der Spanier erweiterten sich bei der Betrachtung, daß sie die Fahne des Kreuzes auf den Trümmern des Reiches aufpflanzen würden. Die Tapferkeit, der Ehrgeiz, der Fanatismus, die Furcht vor der strengen Mannszucht Pizarros, trugdazu bei, daß sich die kurze Abtheilung in Nichts zergliederte und daß sie unverzagt in den Sieg zogen.

An ewige Kämpfe gewohnt, brachte Pizarro viele Tage in einer Unthätigkeit zu, die er für beschämend hielt, und er sehnte sich nach dem Augenblick, von Neuem den Degen zu schwingen, um sich die Lorbeern aufzusetzen. Andrerseits gewahrten sie in der Stadt einen gewissen kriegerischen Anblick, und sie zweifelten nicht, daß sie den Inka immer noch zu retten beabsichtigten oder unter allen Umständen zum Bruche kommen wollten. Die Spanier ihren Theils hofften ebenfalls, die Mauern Cajamalcas zu Grunde zu richten, und der Krater des Vulkans erbebte schon bei dem dumpfen Getöse des Feuers, das in seinem Innern brannte.

Luque, ein merkwürdiger Fanatiker, hatte, wiewohl umsonst, dem Inka schon tausendmal die Vorzüge des Christenthums dargelegt, und als er bereits zu erkennen anfing, daß es nicht möglich war, Atahulpa von seinem falschen Glauben und von seiner Götzendienerei abzubringen, bereitete er im Geiste den düstern Scheiterhaufen der Inquisition vor, worauf er diese gottlose Seele dem Teufel überliefern sollte. Pizarro und Luque gingen in ihren Entwürfen stets einig, weil, wenn von fremdartigem Charakter, ihre Gemüthsstimmung dieselbe war. Zu wiederholten Malen hatte der Diener Christis den General gebeten, den Inka endgültig zu nöthigen, das Christenthum zu umarmen, und da die Schätze von dem Loskauf gesichert waren, konnte nichts mehr die Ausführung des Vorhabens verhindern.Wirklich ging Luque im Namen Pizarros selbst in das Zelt des Inkas und erklärte ihm feierlich, daß, wenn er nicht das Christenthum umarmte und sich zum Tributpflichtigen des großen Königs im Osten erklärte, er sich dem Ausspruch eines Kriegsgerichtes zu unterziehen hätte, der ihn als Ketzer und als Majestätsverbrecher verurtheilen würde. Ruhig, aber wehmüthig, hob Atahulpa die Augen zum Himmel auf und rief schmerzlich aus: »Oh, du gerechter Gott! Und also wirst du dein Reich verlassen und also werden die Gerechten seufzen!« Vergebens wandte Luque Bitten und Drohungen an; der Inka antwortete, daß er bereits sein Schicksal kannte, daß er sein Leben auf einem Blutgerüste aushauchen würde, daß er aber niemals zum Verräther an seinem Vaterlande würde, noch zum Abtrünnigen des leuchtenden Gestirns, das er anbetete.

Nachdem die Hartnäckigkeit des Inkas, welche mit seinem Plan so sehr übereinstimmte, von Pizarro erfahren worden, befahl er, die vornehmsten Offiziere seiner kurzen Abtheilung zusammen zu berufen, und in voller Berathung wurde Atahulpa als Ketzer und Majestätsverbrecher angeklagt. Soto, Benalcazar, Ojeda, Mendoza, Luque, Pizarro, alle, alle verurtheilten sie ihn, den Unglücklichen, einmüthig zum Feuertode, und einzig Almagro vertheidigte kräftig die Rechte der Unschuld und der Gerechtigkeit. Der Widerspruch war heftig, aber der Tod des Inkas war beschlossen und Almagro mußte nachgeben. Die Macht jedoch, welche das Gerechtigkeitsgefühl in seinem Herzenhatte, und die Anerbietungen, die er Coya machte, brachten ihn sogar dazu, seine Waffe zu ziehen und den Bürgerkrieg in dem spanischen Lager anzufachen, weil er ebenfalls auf Anhänger rechnete; aber Luque, wenn er im Namen des Himmels sprach, erfreute sich einer zauberhaften Gewalt über die Seele Almagros, weil er als Ritter des sechszehnten Jahrhunderts am Ende doch fanatisch war.

»Almagro«, sagte er zu ihm, »die Wege des Herrn sind unerforschlich, er will es, und Atahulpa wird, wenn nicht durch die Wucht der spanischen Waffen, so doch am Feuer der Strahlen, welche er über dessen Haupt schleudert, sein Leben beendigen. Der Inka ist ein verblendeter gottloser Ketzer, dieses ausgedehnte Reich gehorcht blos den Einflüsterungen des bösen Geistes, und die Fahne Zions soll auf der ganzen Erde wehen.«

Almagro gab endlich nach, der Fanatismus hatte von jeher mehr Gewalt, als die Unschuld und Tugend; und der Rath verurtheilte, obschon sich Almagro zu stimmen enthielt, den Inka zum Tode. Aber als Majestätsverbrecher sollte Atahulpa sein Leben damit enden, erschossen zu werden; doch Luque stritt das Opfer ab, und da man das Verbrechen der Ketzerei noch für größer hielt, sollte er auf dem Scheiterhaufen der Inquisition verbrannt werden. Wirklich wurde, welch’ ein Greuel! der Urtheilsspruch: »Als Ketzer und Majestätsverbrecher soll der Inka Atahulpa angesichts des Heeres verbrannt werden.« unterzeichnet.

Ocollo, welche die spanischen Zelte betreten durfte, damit Pizarro seine unzüchtigen Blicke an ihr sättigen konnte, war es, die die Mittheilungen zwischen Atahulpa und dem Rathe von Cajamalca aufbewahrte, und die, um den Inka zu retten, vergebens ihr Wehgeschrei bis zur Sonne erhob. Sie war eben daran, ihn in seinem Unglück zu trösten, als der gefühllose Soto dem Herrscher von Peru das Todesurtheil zu melden kam. Wer vermöchte die Lage und die Seufzer der beiden unglücklichen Gatten zu schildern!

Vielleicht, daß die Betrübniß Ocollo Kraft verlieh, denn sie sandte die traurige Nachricht nach Cajamalca, und flog, um Pizarro aufzusuchen. In einem Meer von Thränen zu seinen Füßen knieend, flehte sie ihn bei der Sonne und beim Kreuze an, sich ihrer Leiden zu erbarmen, an ihren Qualen theilzunehmen und auf das Mitleid zu hören.... Pizarro jedoch hob sie ruhig in seine Arme, »Du, Ocollo«, sagte er zu ihr, »du kannst ihn retten«.

»So unauslöschlich, so heftig ist die Liebe, die du in mir entzündetest, daß in dir allein seine Rettung liegt. Ergieb dich meinen Schmeicheleien....« Zitternd betrachtete die Unglückliche den Helden bald mit Entrüstung, bald warf sie sich ihm zu Füßen, bald war sie in tiefer Betäubung ein Opfer heftiger Zuckungen. Alles war umsonst, Pizarro in seiner Raserei war bei Thränen unempfindlich.

Ocollo kehrte nach dem Zelte Atahulpas zurück. »Nein«, sagte sie zu ihm, »weder meine Liebe, noch meine Schwäche, noch mein Gott erlauben mir, es ander ehelichen Treue fehlen zu lassen; es wäre denn, um mich den barbarischen Liebkosungen Pizarros zu ergeben, so hätte ich die Fesseln, die dich bedrücken, schon gesprengt«.

»Oh!« rief der Unschuldige aus, »und zitterst du nicht davor, diese abscheulichen Worte auszusprechen.«

»Ja, Atahulpa, komm mit deiner Hand an meinen Busen, du wirst seine Erregung sehen. Aber noch verdiene ich deine Liebe, noch bin ich würdig, dich zu retten, gewähre die letzte Bitte. — Ich werde mich dem Unmenschen ergeben, werde deine Ketten brechen, und werde auf die Spitzen der beschneiten Anden fliehen, und werde mich in die Fluthen stürzen, und dort meine Schande begraben; aber ich werde Atahulpa retten.«

»Gottlose,« rief der Inka aus, »und du erdreistest dich, mir so einen schimpflichen Vorschlag zu machen!... Die Flammen sollen mir ein Bett von Blumen sein.« Es war ein Jammern und Wehklagen, aber die Tugendhaftigkeit flößte ihnen zeitweise Ruhe ein.

Pizarro, der vor Liebe brannte und der den edlen Stolz Atahulpas sah, blieb, um sich an der Schönheit Ocollos zu ergötzen, kein anderes Mittel, als die Gewaltthätigkeit übrig. Vor Raserei toll geworden, in seinen Hoffnungen genarrt, würde er die Schöne mit Gewalt an sich gerissen haben, wenn Luque ihm nicht in des Himmels Namen nachdrücklich sein Verbrechen zu erkennen gegeben hätte. Doch die Augenblicke entflohen und das Urtheil mußte, um sich des Inkas zu entledigen und Cajamalca angreifen zukönnen, vollzogen werden. Auf Pizarros Befehl ging Soto in das Zelt Atahulpas hinüber, um Ocollo hervorzuholen und nach der Stadt zu führen. Soto sagte ihr blos, daß der General sie zu sprechen wünschte, und der Inka erinnerte sie mit Bestimmtheit an die hochheiligen Pflichten eines Weibes. Als er sie bereits aus dem Zelte Atahulpas hervorgeholt hatte, schärfte er ihr auf das Genaueste ein, nach der Stadt zu gehen, da es ihr bereits ebensowenig erlaubt war, die Zelte der Spanier zu betreten. Die Schöne wollte in Mitten ihres Taumels bald von Neuem zu Füßen Pizarros, bald an die Seite ihres Gatten fliegen und auf seinem gleichen Blutgerüste sterben, bald brach sie in gerechte Verwünschungen gegen die von Osten Gekommenen aus; aber gefühllos bei den Qualen Ocollos, riß sie Soto heftig nach Cajamalca fort.

Als Ocollo sich in der Rathsversammlung vorstellte und alle die Einzelheiten des Urtheils des Inkas berichtete, glänzten Entrüstung und Tapferkeit in den Augen der arglosen Peruaner, und sich zum Kampfe zu rüsten und auf dem Schlachtfelde umzukommen, oder den Inka zu retten, war der allgemeine Ruf, der in Cajamalca widerhallte. Coya hoffte immer noch auf das Versprechen ihres Almagros, und sie flehte zu ihrem neuen Gott, er möchte gerecht sein, damit sie ihn liebte.

Sowie Ocollo aus dem Zelte des Monarchen heraustrat, ging Luque, der von seinem Fanatismus getrieben, dem Schuldigen mit dem heiligen Abendmahl beistehen zu müssen glaubte, den Inka zu besuchen.»Der Augenblick ist angelangt,« sagte er zu ihm, »dein Tod ist beschlossen und das Urtheil ist unabänderlich.«

»Ich weiß es, Priester, ich bin bereit; ich bin unschuldig, ich war gerecht und fürchte nichts von dieser strahlenden Sonne, die uns erleuchtet.«

»Tausendmal habe ich dir dargelegt, daß die ewige Erlösung nur im Christenthum zu finden ist, daß der höllische Geist dich in der Ketzerei verblendet und daß der wahrhaftige Gott dir durch meinen Mund befiehlt, in seine Arme zu eilen und die Götzendienerei aufzugeben.«

»Dieses erhabene Gestirn,« sagte er, die Sonne betrachtend, »ist der wahrhaftige Gott, er verbreitet die Glückseligkeit über die Erde und belebt das Weltall; jener ist mein Gott und jener wird meinen Geist empfangen.«

»Halte dich an die Gnade Jesu Christis.«

»Dein Gott kann kein Erbarmen haben, da du sein Priester bist.«

»Wehe dir, Atahulpa, wenn du in Sünde stirbst.«

»Ich bitte dich darum, Luque, gehe zu deinen unmenschlichen Gefährten, sage, sie sollen meine Hinrichtung vorbereiten, aber laß mich ruhig sterben, plage mich nicht mit deinem düstern Fanatismus, bis ich meine müden Augenlider schließe.«

»Du wirst als Ketzer in den Flammen sterben und in den Flammen wirst du deine ewige Pein finden.«

»Mein Geist ist ruhig.«

Brüllend vor Wuth ging Luque und legte seinen Gefährten die gottlose Hartnäckigkeit des Inkas, seineLästerungen, seine Frevelthaten und seine Ruchlosigkeit dar. Alle schwuren ihm ihren Abscheu zu und der Scheiterhaufen wurde vorbereitet, um, wie Luque sagte, diesen Hund zu verbrennen. Das spanische Lager stand inzwischen unter Waffen, wenn aber Alle mit Entrüstung die Gottlosigkeit Atahulpas ansahen, so gab es doch noch gefühlvolle und edle Spanier, welche die Ungerechtigkeit seines Todes kannten und Almagro rechnete auf Anhänger.

Wohl wußte Pizarro, daß die Fackel der Zwietracht in seinem Lager brannte, er verhielt sich aber klug und fuhr beständig in der Ausführung seiner Pläne fort.

Das Urtheil sollte schon vollzogen werden und ein großer Scheiterhaufen brannte angesichts Cajamalcas und der Eindringlinge, als hundert Bataillone schneller, tapferer Peruaner hervorbrachen, um unter den Waffen der von Osten Gekommenen den Tod zu suchen, oder ihren unglücklichen und angebeteten Herrscher zu retten. Pizarro erkannte die Gefahr und bereitete sich muthig zum Kampfe vor. Soto bewachte mit hundert auserlesenen Männern den Inka und die Schätze, und Pizarro an der Spitze der vierhundert Uebrigen erwartete ruhig den überflutheten Strom, der ihn bedrohte. Da die Peruaner mit der Kriegsführung und den Waffen der Spanier durch den mit ihnen gehabten Verkehr ein wenig vertraut geworden waren, die fromme Verehrung, die sie ihnen eingeflößt hatten, größtentheils verloren gegangen war und sie vor Rachedurst brannten, konnte der Kampf nicht umhin, zweifelhaft, blutig und hartnäckig zu werden.

Wie ein Strom stürzten sich die Peruaner über die spanischen Lanzen her, und obschon das Feuer der Kanonen und der Hackenbüchsen die Reihen lichtete, fielen sie tapfer, ergriffen aber nicht die Flucht; sie erholten sich wieder, luden von Neuem und horchten auf die Befehle des beherzten Huascars. Obwohl Almagro und seine Anhänger wußten, daß ihnen kein anderes Mittel blieb, als Sieg oder Tod, kämpften sie jedoch nicht auf das Aeußerste und noch weniger flößten sie Pizarro Vertrauen ein. Der Kampf war hartnäckig, das Geschrei der Verwundeten und der Anstürmenden mit dem Donner der Kanonen hallten fürchterlich; die vierhundert Spanier waren ebensoviele Helden, aber bereits waren einige unterlegen, indeß vielleicht die Peruaner Verstärkungen aus der Stadt zuzogen. Pizarro erkannte das Mißliche seiner Umstände und er befahl Soto, Atahulpa zu erschießen und mit den hundert auserlesenen Soldaten zu laden.

Ruhig fiel der Inka vor der Sonne auf die Kniee nieder. »Du willst es,« rief er aus, »wohlthätige Gottheit, ich werde in deine himmlischen Wohnungen eingehen, aber den Untergang oder den Sieg deines Reiches werde ich nicht mit ansehen.« Im Augenblick fiel er als ein Opfer des brennenden Bleies und Soto lud wüthend in dem Kampf. Schon gaben die Peruaner nach, und mit der Ankunft der neuen Streiter erklärte sich der Sieg und sie flohen nach der Stadt. In dem Getümmel der Schlacht suchte Almagro, die Gefahren verachtend, sehnsüchtig seine angebetete Coya,um sie vor den Streichen irgend eines Unmenschen zu schützen. »Ah! Treuloser,« sagte sie zu ihm, als sie ihn sah. »Ich bin unschuldig,« wiederholte ihr der Krieger, »ich verehre dich,« und sie mit seiner Waffe schützend, suchte Coya umsonst den Tod zu geben, noch ihn zu empfangen.

Endlich siegte Pizarro; die Peruaner schlossen sich, aber erst nachdem sie sich mit Muth und Verzweiflung geschlagen hatten, in den Mauern Cajamalcas ein. Der Kampfplatz war mit Indianerleichen übersäet, aber auch die Spanier erlitten, trotzdem sie sich mit ihren Panzern vor den schwachen Waffen ihrer Feinde bedeckten, einige Verluste; sieben Todte blieben auf dem Schlachtfelde, drei wurden als Gefangene nach der Stadt fortgeschleppt und viele Verwundete waren kampfunfähig. Die in ihrem Blute geröthete Leiche des Inkas besänftigte den Zorn des fanatischen Luques nicht; noch brannte der Scheiterhaufen, worauf er hätte aushauchen sollen, und sein Leib wurde, weil er in Ketzerei und Sünde gestorben war, in die Flammen geworfen und seine Asche, als der Bestattung unwürdig, dem Winde übergeben. Der Inka Atahulpa war das erste Opfer, welches der Fanatismus des sechszehnten Jahrhunderts an den Küsten des südlichen Meeres vor seinen schwarzen Altären opferte, und mit seinem berühmten Namen eröffnete sich das peruanische Märtyrerthum.

Dekoratives Element


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