Dekoratives ElementKapitel 19.Sieg.Der Donner der Kanone erschreckte die Cuzcaner nicht, es glänzten keine Waffen in den Strahlen der Sonne und zwischen den beiden Heeren herrschte die tiefste Ruhe. Voll von den süßen Hoffnungen, welche ihm seine Vernunft, seine Empfindsamkeit und seine Liebe einflößten, ging Almagro aus der Stadt hinaus, und der Senat und die Peruaner warteten ruhig das Endergebniß der Unterhandlung ab. An der Spitze ihrer Bataillone, schien Coya jene kriegerische Begeisterung, welche sie in den einheimischen Kämpfen zum Siege geführt hatte, bereits zu verlieren; das Schmachten der Liebe glänzte in ihrer Miene, und die Liebe versüßte ihre Seele und erhöhte ihre Reize. In Schmerz versunken, weinte Ocollo um Atahulpa und den Untergang ihres Vaterlandes; sie an den Namen Pizarros zu erinnern, war ihre größte Qual; die Erde konnte den Mörder des Inkas nicht zugleich mit der Schönen tragen.Almagro kam in seinem Lager an, und unermüdlich dachten Pizarro und Luque nicht an einen ehrenvollenFrieden mit den Peruanern, sie dachten nur daran, ihre Zerstörungs- und Eroberungspläne mit Feuer und Schwert auszubreiten und zu entrollen. Sie warteten jedoch ungeduldig auf den Boten, um den Zustand der Niedergeschlagenheit zu kennen, in welchem sich zufolge der von ihm einzuleitenden Friedensvorschläge der Hof befand, und um die Tapferkeit und die Begeisterung der Peruaner vollends zu kennen. Voller Zufriedenheit umarmte Almagro seine Gefährten; »einen eurer Tapferkeit und der Größe unseres Herrschers würdigen Frieden anerbietet uns das Reich: Dieses sind die Bedingungen, sie werden unsere Brüder sein, sie werden unsere Größe ausmachen und werden uns ihr Glück verdanken. Wenn ihr den Frieden annehmt, wie es die Vernunft und das Interesse vorschreibt, werden die Schwüre nicht von Neuem übertreten werden, mein Schwert ist für deren Heiligkeit eingestanden«. Pizarro und Luque schwiegen mit geheimnißvollem Stillschweigen.Nachdem die Bedingungen, welche Almagro brachte, gesehen worden waren, schrie Pizarro, daß er Sklaven wollte, und Luque, daß er im Namen Jesus die Zerstörung der Sonnentempel verlangte. »Nein, weder Waffenstillstand, noch Frieden«, sagte der Statthalter, »niemals«. »Die Ehre der spanischen Waffen, das Interesse meines Herrschers befiehlt den Krieg; die an Ketten gebundenen Peruaner werden das Kreuz anbeten und werden dem Innern der Berge die Schätze erpressen, um den Thron des Königs von Castilien zu zieren«. »Du weißt es, Pizarro,« unterbrach ihnAlmagro, »im Kriege erzogen, bin ich der erste gewesen, sich in Gefahren zu stürzen, der Tod macht mir nicht bange, die Unehre entsetzt mich; für mein Vaterland zu kämpfen und zu sterben ist meine Wonne gewesen und wird mein Ruhm sein. Das Interesse aber unseres Monarchen, die Vernunft, die Billigkeit, Alles schreibt den Frieden vor, welchen uns das Reich anbietet; euch reißt vielleicht euer allzugroße Eifer, eure Tapferkeit hin. Zur Sklaverei der Knechtschaft verdammt, durch unsere Waffen zerfleischt, wird das Geschlecht der unglücklichen Peruaner von der Erde verschwinden, und Menschen und Städte sind vortheilhafter als Schutt und Leichen.«Von Fanatismus erfüllt schrie Luque übermäßig auf: »Und du, Almagro, du sähest die Tempel der Götzendiener, und fürchtetest dich nicht vor dem Zorne deines Gottes?« »Mein Gott«, antwortete Almagro, »wird ihren Verstand mit der Fackel des Glaubens erleuchten, sie werden seine Allmacht kennen und seine Barmherzigkeit anbeten lernen. Dolch und Flammen nehmen die Vernunft nicht gefangen, sie erpressen den Lippen nur kalte Worte, die Seelen rühren sie nie, und Jesus Christus will den innern Glauben, der äußere ist eitle Pracht.« »Satan bemächtigt sich deines Herzens; flehe die Gnade Gottes an, den du verehrst.« Luque schauderte vor Entsetzen. In tiefes Stillschweigen versunken löste Pizarro dort in seinen Gedanken blutige Pläne.... »Und Ocollo«, sagte er zu Almagro, »ist sie meiner Liebe zugänglich, geben ihre Reize der Macht des Siegers von Peru nach? Deine Schmeicheleienund deine Liebkosungen könnten vielleicht, wenn dein Herz auf die Zärtlichkeit hört, ihre Seele fesseln, jetzt aber graut ihr davor, den Namen Pizarros zu hören. — Sie schaudert. — Noch fließt in ihrem Gedächtniß das Blut Atahulpas.« »Und soll die Liebe«, sagte Luque, »die kostbaren Augenblicke, welche ihr Gott und eurem König schuldet, mit Gewalt entreißen! Denkt einzig an die Eroberung von Peru, verachtet die eitle Pracht des Satans: Ocollo und Coya sind vom Teufel besessen, um die Zwietracht in unserm Lager zu säen; hört auf die Stimme eures Verwesers. Meine Söhne, eilt zu den Waffen, verkündigt den Sieg, fordert nicht den Zorn Gottes heraus, macht nicht, daß euch der fürchterliche Bannstrahl zerschmettere«. »Hört das Mitleid an,« rief Almagro. »Dein Gott befiehlt den Sieg«, sagte Luque. »Die Ehre der spanischen Waffen verlangt die Zerstörung« rief Pizarro aus.Umsonst war die Vermittlung Almagros; der Fanatismus trifft niemals Vergleiche, der Untergang des Reiches war beschlossen. Inzwischen litt sein Herz die roheste Qual. Würde der Friede nicht angenommen, sähe er seine Angebetete nicht wieder: An der Spitze ihrer Krieger ginge Coya in den Tod, das Grab entrisse seine Wonne, oder die Erbitterung des Krieges trennte sie auf ewig. Pizarro im Gegentheil, fand nur im Kriege seine Hoffnungen von wegen Ocollo; seine Gemüthsart gestattete ihm nicht, sich der Zärtlichkeit nachgiebig zu zeigen, und der Stolz als Sieger vermochte in seiner Seele mehr, als die Einflüsterungen der Liebe.Tausend Gedanken quälten Almagro. Seiner Liebe zu entsagen, war ihm nicht möglich; sein Vaterland zu verrathen, war ein Verbrechen; wider sein Leben zu trachten, war eine dem Christenthum entgegengesetzte Moral. In so bedauernswerthem Zustande rannte er, vor Wahnwitz außer sich, in die Nähe von Cuzco: »Fliegt zu den Waffen«, sagte er zu den Peruanern, »Luque und Pizarro leugnen den Frieden; sagt dem Senate, daß Almagro die Seelen seiner Gefährten nicht zu erweichen vermochte, daß der Untergang des Reiches beschlossen ist; sagt Coya, daß Almagro sie anbetet.« Ebenso schnell wie der Blitz floh er von den Mauern und kehrte, die Cuzcaner voller Schrecken und Verwirrung lassend, zu seinen Zelten zurück; und indessen Luque und Pizarro sorgfältig das Entzücken ihres Gefährten beobachteten, sahen sie sich vor, sich vor einem Verrath seiner Waffen zu sichern und bereiteten den Schlag vor, um einen Anführer, der ihnen bei ihren Plänen in keinerlei Hinsicht nützlich sein konnte, zu vernichten.Das Abkommen wurde nicht so geheim gehalten, als daß nicht das ganze spanische Lager die Bedingungen wußte, welche die Peruaner anboten, und wenn die Mehrzahl für Raub und Angriff war, hatte auch Almagro seine Anhänger, weil es gefühlvolle Menschen gab. Pizarro jedoch setzte, gewaltthätig in seinen Befehlen, auf den Ungehorsam den Tod, und Luque hatte, im Namen des Himmels redend, über die Fanatiker des sechszehnten Jahrhunderts eine zauberische Gewalt. Einer wie derandere wußten sie, den militärischen Schwenkungen Ueberstürzung gebend und so keinen Raum zu Vernunftgründen und Verschwörungen lassend, sich die Augenblicke nutzbar zu machen, und Pizarro drohte mit dem Tode und Luque mit dem Kirchenbann. Den gewaltthätigen Schritt zu thun, Almagro abzusetzen, konnte sie in den mißlichsten Augenblicken bloßstellen, und einmüthig beschlossen sie, bis zur Vervollständigung des Sieges sich weiter zu verstellen.In der Stadt nahm man eine schnelle Bewegung wahr, die Rufe Almagros griffen gar bald bis vor die Rathsversammlung um sich und widerhallten in den fernsten Umkreisen von Cuzco; Alle eilten zu den Waffen: Unermüdlich beseelte Huascar mit seiner Begeisterung die Krieger und die Sonnenpriester ergossen mit trügerischen Schmeicheleien und Prophezeihungen das Zutrauen unter die Tapfern. Von Vaterlandsliebe entflammt, zerrissenen Herzens bei der Erinnerung an die Verlassenheit ihrer Altäre, ermuthigte Coya, andrerseits die in ihren Augen erhabenen Tugenden Almagros bewundernd, ebenfalls ihre Soldaten, und Alle gingen, Gesänge an die Sonne und an die Freiheit anstimmend, in den Tod.Pizarro stellte seine Division von Neuem auf und wild begann der Kampf. Die schwachen, beinahe schon zertrümmerten Mauern erbebten beim Donner der Kanone und stürzten zusammen. Drei Mal rückte Pizarro an der Spitze seiner Colonne zum Ansturm vor, drei Mal schlugen die Peruaner, mit wehrlosen Brüstengegen die Panzer und die Waffen fechtend, die Spanier von den Mauern zurück; tausende von Peruanerleichen dienten den Belagerern als Sturmleiter, aber die den Gefahren und dem Tode überlegene Tapferkeit der Indianer erschrak nicht beim Zischen des brennenden Bleies, noch beim Glanze der Waffen. Der Kampf war blutig: Die kriegstüchtigen und von den Waffen ihrer Gegner unverwundbaren Spanier gaben jedoch der Zahl und der Anstrengung nach und die Fahne des Reiches flatterte ruhig auf den Mauern.So lange Zeit in Peru kämpfend, kannte Pizarro die Taktik und die Art der Kriegsführung der Peruaner. Bald aus sichern Beobachtungen, bald aus Nachrichten, welche er von Gefangenen nahm, wußte er, daß, die Fahne des Reiches ergreifend, das Heer sich zur Flucht erklärte und der Sieg dem Feinde war. Von diesem Gedanken überzeugt, ordnete er sein Angriffssystem an. An die Spitze von hundert auserlesenen Soldaten gestellt und von seiner ganzen Abtheilung in geschlossener Colonne unterstützt, ging er rasch auf die Fahne zu, welche auf den Trümmern der Bresche wehte. Huascar und die vornehmsten Krieger thaten hier Wunder der Tapferkeit; mit hundert Klauen verschlang hier der Tod jeden Augenblick tausend Opfer, das Blut floß, die Zerstörung flog umher, aber die unwiderstehliche Gewalt Pizarros, seine Waffen, seine Mannszucht sollten über den Sieg entscheiden, und den Degen in seiner Rechten schwingend, riß Pizarro mit seiner Linken die Fahne weg, und das Reichsheer erklärte sich in eilfertiger Flucht.Das Verderben hinter sich her führend, stürzten sich die Sieger auf die Stadt und gaben sich lieber der Plünderung hin, als daß sie den Resten des besiegten Heeres folgten; Pizarro aber, vorhersehend und immer nach der schönen Ocollo ausschauend, hatte, indeß er siegreich die Hauptstadt überzog, dem verwegenen Kapitän Soto befohlen, dem übrigen Heere, das durch Feld und Fluren floh, mit der ganzen Reiterei so lange nachzusetzen, bis daß er sich im schlimmsten Falle mit aller Gewalt der Schönen bemächtigte, die er vergötterte, indem er ihm, wenn es ihm gelänge, seinen entscheidenden Schutz für sein Vorrücken und einen unermeßlichen Antheil an der Beute von Cuzco anbot. So würde, wenn Ocollo in der Stadt geblieben war, Pizarro sich ihrer bemächtigen, floh sie mit dem Heere, war es möglich, daß sie die Gefangene des kühnen Sotos wurde; denn er glaubte, daß die Eroberung von Cuzco ihm auch den Triumph seiner brennenden Wünsche sicherte, und nur das Grab Ocollo vor ihrem unwiderstehlichen Verfolger retten könnte.Ihre Hauptstadt verlierend, kamen die Peruaner um das ganze Reich: Die ungeheuren Ebenen stellten ihnen, wenn sie, schon schwach und zu Boden geworfen, auf’s Neue wagten, ihre Arme mit den unwiderstehlichen Waffen der Spanier zu messen, nur Gräber vor. Dennoch boten sie von den Cordilleren der Anden, wie Covadonga den Gothen, immer noch eine Zuflucht dar; zwischen den steilen und uneinnehmbaren Gebirgen konnten sie ihre physische Freiheit und ihr Dasein erhalten, um den Untergang des Reiches zu beweinen.Zwanzigtausend Peruaner fielen unter der Wucht der Waffen; zwanzigtausend legten auf Gnade oder Ungnade der Sieger die Waffen ab; viele flohen in entlegene Gegenden und noch andere folgten Huascar und dem Rathe auf die Gipfel der Anden. Ocollo, welche als schwaches Weib ebenfalls floh, war nicht im Stande, der Flucht des Heeres längere Zeit zu folgen; Soto hieb den Nachtrab der Besiegten unwiderstehlich nieder, und umsonst verkauften tausend Peruaner theuer ihr Leben, um die Schöne zu retten, welche endlich Sotos Gefangene wurde, mit der er stolz nach der Stadt marschirte. Coya, die nach Almagro, nach ihrem Vaterlande seufzte, fuhr, um ihre Krieger jammernd, fort, sich zu schlagen und sich in den Tod zu stürzen, aber das Blei und die Waffen achteten ihr kostbares Leben und sie rettete sich mit den Ihrigen in die Anden.Pizarro gab die Stadt der Plünderung preis; überall verbreitete er Schrecken, und auf den Trümmern von Cuzco sitzend, gebot er als Sieger über das Reich der Inkas; Luque hob die Hände zum Himmel empor und dankte dem Herrn für den Sieg; und Almagro schien, bei dem Anblick der Trophäen der spanischen Waffen, in tiefer Erstarrung wie versteinert. Der Thron Karls des Fünften stieg auf den Schultern Pizarros über einem Berg von Gold bis an den Himmel; die von diesem ruhmreichen Tage ab leuchtende Sonne verbarg sich niemals für die spanischen Besitzungen. Als sie sich, um dem mächtigen Hofe der Gothen Ruhe zu gönnen, zwischen den Wellen begrub,fing sie an, für die neuen Erdtheile, wo ihre Sklaven die Schätze, womit sich der Hof von Castilien schmückte, aus dem Innern der Erde schafften, zu glänzen. Paul III. sah über den Gestaden des südlichen Meeres vom Vatikane aus das Kreuz erglänzen, und für die alte Welt und für das Christenthum eröffnete sich um die Mitte des sechszehnten Jahrhunderts ein neuer Zeitabschnitt.Dekoratives Element
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Der Donner der Kanone erschreckte die Cuzcaner nicht, es glänzten keine Waffen in den Strahlen der Sonne und zwischen den beiden Heeren herrschte die tiefste Ruhe. Voll von den süßen Hoffnungen, welche ihm seine Vernunft, seine Empfindsamkeit und seine Liebe einflößten, ging Almagro aus der Stadt hinaus, und der Senat und die Peruaner warteten ruhig das Endergebniß der Unterhandlung ab. An der Spitze ihrer Bataillone, schien Coya jene kriegerische Begeisterung, welche sie in den einheimischen Kämpfen zum Siege geführt hatte, bereits zu verlieren; das Schmachten der Liebe glänzte in ihrer Miene, und die Liebe versüßte ihre Seele und erhöhte ihre Reize. In Schmerz versunken, weinte Ocollo um Atahulpa und den Untergang ihres Vaterlandes; sie an den Namen Pizarros zu erinnern, war ihre größte Qual; die Erde konnte den Mörder des Inkas nicht zugleich mit der Schönen tragen.
Almagro kam in seinem Lager an, und unermüdlich dachten Pizarro und Luque nicht an einen ehrenvollenFrieden mit den Peruanern, sie dachten nur daran, ihre Zerstörungs- und Eroberungspläne mit Feuer und Schwert auszubreiten und zu entrollen. Sie warteten jedoch ungeduldig auf den Boten, um den Zustand der Niedergeschlagenheit zu kennen, in welchem sich zufolge der von ihm einzuleitenden Friedensvorschläge der Hof befand, und um die Tapferkeit und die Begeisterung der Peruaner vollends zu kennen. Voller Zufriedenheit umarmte Almagro seine Gefährten; »einen eurer Tapferkeit und der Größe unseres Herrschers würdigen Frieden anerbietet uns das Reich: Dieses sind die Bedingungen, sie werden unsere Brüder sein, sie werden unsere Größe ausmachen und werden uns ihr Glück verdanken. Wenn ihr den Frieden annehmt, wie es die Vernunft und das Interesse vorschreibt, werden die Schwüre nicht von Neuem übertreten werden, mein Schwert ist für deren Heiligkeit eingestanden«. Pizarro und Luque schwiegen mit geheimnißvollem Stillschweigen.
Nachdem die Bedingungen, welche Almagro brachte, gesehen worden waren, schrie Pizarro, daß er Sklaven wollte, und Luque, daß er im Namen Jesus die Zerstörung der Sonnentempel verlangte. »Nein, weder Waffenstillstand, noch Frieden«, sagte der Statthalter, »niemals«. »Die Ehre der spanischen Waffen, das Interesse meines Herrschers befiehlt den Krieg; die an Ketten gebundenen Peruaner werden das Kreuz anbeten und werden dem Innern der Berge die Schätze erpressen, um den Thron des Königs von Castilien zu zieren«. »Du weißt es, Pizarro,« unterbrach ihnAlmagro, »im Kriege erzogen, bin ich der erste gewesen, sich in Gefahren zu stürzen, der Tod macht mir nicht bange, die Unehre entsetzt mich; für mein Vaterland zu kämpfen und zu sterben ist meine Wonne gewesen und wird mein Ruhm sein. Das Interesse aber unseres Monarchen, die Vernunft, die Billigkeit, Alles schreibt den Frieden vor, welchen uns das Reich anbietet; euch reißt vielleicht euer allzugroße Eifer, eure Tapferkeit hin. Zur Sklaverei der Knechtschaft verdammt, durch unsere Waffen zerfleischt, wird das Geschlecht der unglücklichen Peruaner von der Erde verschwinden, und Menschen und Städte sind vortheilhafter als Schutt und Leichen.«
Von Fanatismus erfüllt schrie Luque übermäßig auf: »Und du, Almagro, du sähest die Tempel der Götzendiener, und fürchtetest dich nicht vor dem Zorne deines Gottes?« »Mein Gott«, antwortete Almagro, »wird ihren Verstand mit der Fackel des Glaubens erleuchten, sie werden seine Allmacht kennen und seine Barmherzigkeit anbeten lernen. Dolch und Flammen nehmen die Vernunft nicht gefangen, sie erpressen den Lippen nur kalte Worte, die Seelen rühren sie nie, und Jesus Christus will den innern Glauben, der äußere ist eitle Pracht.« »Satan bemächtigt sich deines Herzens; flehe die Gnade Gottes an, den du verehrst.« Luque schauderte vor Entsetzen. In tiefes Stillschweigen versunken löste Pizarro dort in seinen Gedanken blutige Pläne.... »Und Ocollo«, sagte er zu Almagro, »ist sie meiner Liebe zugänglich, geben ihre Reize der Macht des Siegers von Peru nach? Deine Schmeicheleienund deine Liebkosungen könnten vielleicht, wenn dein Herz auf die Zärtlichkeit hört, ihre Seele fesseln, jetzt aber graut ihr davor, den Namen Pizarros zu hören. — Sie schaudert. — Noch fließt in ihrem Gedächtniß das Blut Atahulpas.« »Und soll die Liebe«, sagte Luque, »die kostbaren Augenblicke, welche ihr Gott und eurem König schuldet, mit Gewalt entreißen! Denkt einzig an die Eroberung von Peru, verachtet die eitle Pracht des Satans: Ocollo und Coya sind vom Teufel besessen, um die Zwietracht in unserm Lager zu säen; hört auf die Stimme eures Verwesers. Meine Söhne, eilt zu den Waffen, verkündigt den Sieg, fordert nicht den Zorn Gottes heraus, macht nicht, daß euch der fürchterliche Bannstrahl zerschmettere«. »Hört das Mitleid an,« rief Almagro. »Dein Gott befiehlt den Sieg«, sagte Luque. »Die Ehre der spanischen Waffen verlangt die Zerstörung« rief Pizarro aus.
Umsonst war die Vermittlung Almagros; der Fanatismus trifft niemals Vergleiche, der Untergang des Reiches war beschlossen. Inzwischen litt sein Herz die roheste Qual. Würde der Friede nicht angenommen, sähe er seine Angebetete nicht wieder: An der Spitze ihrer Krieger ginge Coya in den Tod, das Grab entrisse seine Wonne, oder die Erbitterung des Krieges trennte sie auf ewig. Pizarro im Gegentheil, fand nur im Kriege seine Hoffnungen von wegen Ocollo; seine Gemüthsart gestattete ihm nicht, sich der Zärtlichkeit nachgiebig zu zeigen, und der Stolz als Sieger vermochte in seiner Seele mehr, als die Einflüsterungen der Liebe.
Tausend Gedanken quälten Almagro. Seiner Liebe zu entsagen, war ihm nicht möglich; sein Vaterland zu verrathen, war ein Verbrechen; wider sein Leben zu trachten, war eine dem Christenthum entgegengesetzte Moral. In so bedauernswerthem Zustande rannte er, vor Wahnwitz außer sich, in die Nähe von Cuzco: »Fliegt zu den Waffen«, sagte er zu den Peruanern, »Luque und Pizarro leugnen den Frieden; sagt dem Senate, daß Almagro die Seelen seiner Gefährten nicht zu erweichen vermochte, daß der Untergang des Reiches beschlossen ist; sagt Coya, daß Almagro sie anbetet.« Ebenso schnell wie der Blitz floh er von den Mauern und kehrte, die Cuzcaner voller Schrecken und Verwirrung lassend, zu seinen Zelten zurück; und indessen Luque und Pizarro sorgfältig das Entzücken ihres Gefährten beobachteten, sahen sie sich vor, sich vor einem Verrath seiner Waffen zu sichern und bereiteten den Schlag vor, um einen Anführer, der ihnen bei ihren Plänen in keinerlei Hinsicht nützlich sein konnte, zu vernichten.
Das Abkommen wurde nicht so geheim gehalten, als daß nicht das ganze spanische Lager die Bedingungen wußte, welche die Peruaner anboten, und wenn die Mehrzahl für Raub und Angriff war, hatte auch Almagro seine Anhänger, weil es gefühlvolle Menschen gab. Pizarro jedoch setzte, gewaltthätig in seinen Befehlen, auf den Ungehorsam den Tod, und Luque hatte, im Namen des Himmels redend, über die Fanatiker des sechszehnten Jahrhunderts eine zauberische Gewalt. Einer wie derandere wußten sie, den militärischen Schwenkungen Ueberstürzung gebend und so keinen Raum zu Vernunftgründen und Verschwörungen lassend, sich die Augenblicke nutzbar zu machen, und Pizarro drohte mit dem Tode und Luque mit dem Kirchenbann. Den gewaltthätigen Schritt zu thun, Almagro abzusetzen, konnte sie in den mißlichsten Augenblicken bloßstellen, und einmüthig beschlossen sie, bis zur Vervollständigung des Sieges sich weiter zu verstellen.
In der Stadt nahm man eine schnelle Bewegung wahr, die Rufe Almagros griffen gar bald bis vor die Rathsversammlung um sich und widerhallten in den fernsten Umkreisen von Cuzco; Alle eilten zu den Waffen: Unermüdlich beseelte Huascar mit seiner Begeisterung die Krieger und die Sonnenpriester ergossen mit trügerischen Schmeicheleien und Prophezeihungen das Zutrauen unter die Tapfern. Von Vaterlandsliebe entflammt, zerrissenen Herzens bei der Erinnerung an die Verlassenheit ihrer Altäre, ermuthigte Coya, andrerseits die in ihren Augen erhabenen Tugenden Almagros bewundernd, ebenfalls ihre Soldaten, und Alle gingen, Gesänge an die Sonne und an die Freiheit anstimmend, in den Tod.
Pizarro stellte seine Division von Neuem auf und wild begann der Kampf. Die schwachen, beinahe schon zertrümmerten Mauern erbebten beim Donner der Kanone und stürzten zusammen. Drei Mal rückte Pizarro an der Spitze seiner Colonne zum Ansturm vor, drei Mal schlugen die Peruaner, mit wehrlosen Brüstengegen die Panzer und die Waffen fechtend, die Spanier von den Mauern zurück; tausende von Peruanerleichen dienten den Belagerern als Sturmleiter, aber die den Gefahren und dem Tode überlegene Tapferkeit der Indianer erschrak nicht beim Zischen des brennenden Bleies, noch beim Glanze der Waffen. Der Kampf war blutig: Die kriegstüchtigen und von den Waffen ihrer Gegner unverwundbaren Spanier gaben jedoch der Zahl und der Anstrengung nach und die Fahne des Reiches flatterte ruhig auf den Mauern.
So lange Zeit in Peru kämpfend, kannte Pizarro die Taktik und die Art der Kriegsführung der Peruaner. Bald aus sichern Beobachtungen, bald aus Nachrichten, welche er von Gefangenen nahm, wußte er, daß, die Fahne des Reiches ergreifend, das Heer sich zur Flucht erklärte und der Sieg dem Feinde war. Von diesem Gedanken überzeugt, ordnete er sein Angriffssystem an. An die Spitze von hundert auserlesenen Soldaten gestellt und von seiner ganzen Abtheilung in geschlossener Colonne unterstützt, ging er rasch auf die Fahne zu, welche auf den Trümmern der Bresche wehte. Huascar und die vornehmsten Krieger thaten hier Wunder der Tapferkeit; mit hundert Klauen verschlang hier der Tod jeden Augenblick tausend Opfer, das Blut floß, die Zerstörung flog umher, aber die unwiderstehliche Gewalt Pizarros, seine Waffen, seine Mannszucht sollten über den Sieg entscheiden, und den Degen in seiner Rechten schwingend, riß Pizarro mit seiner Linken die Fahne weg, und das Reichsheer erklärte sich in eilfertiger Flucht.
Das Verderben hinter sich her führend, stürzten sich die Sieger auf die Stadt und gaben sich lieber der Plünderung hin, als daß sie den Resten des besiegten Heeres folgten; Pizarro aber, vorhersehend und immer nach der schönen Ocollo ausschauend, hatte, indeß er siegreich die Hauptstadt überzog, dem verwegenen Kapitän Soto befohlen, dem übrigen Heere, das durch Feld und Fluren floh, mit der ganzen Reiterei so lange nachzusetzen, bis daß er sich im schlimmsten Falle mit aller Gewalt der Schönen bemächtigte, die er vergötterte, indem er ihm, wenn es ihm gelänge, seinen entscheidenden Schutz für sein Vorrücken und einen unermeßlichen Antheil an der Beute von Cuzco anbot. So würde, wenn Ocollo in der Stadt geblieben war, Pizarro sich ihrer bemächtigen, floh sie mit dem Heere, war es möglich, daß sie die Gefangene des kühnen Sotos wurde; denn er glaubte, daß die Eroberung von Cuzco ihm auch den Triumph seiner brennenden Wünsche sicherte, und nur das Grab Ocollo vor ihrem unwiderstehlichen Verfolger retten könnte.
Ihre Hauptstadt verlierend, kamen die Peruaner um das ganze Reich: Die ungeheuren Ebenen stellten ihnen, wenn sie, schon schwach und zu Boden geworfen, auf’s Neue wagten, ihre Arme mit den unwiderstehlichen Waffen der Spanier zu messen, nur Gräber vor. Dennoch boten sie von den Cordilleren der Anden, wie Covadonga den Gothen, immer noch eine Zuflucht dar; zwischen den steilen und uneinnehmbaren Gebirgen konnten sie ihre physische Freiheit und ihr Dasein erhalten, um den Untergang des Reiches zu beweinen.
Zwanzigtausend Peruaner fielen unter der Wucht der Waffen; zwanzigtausend legten auf Gnade oder Ungnade der Sieger die Waffen ab; viele flohen in entlegene Gegenden und noch andere folgten Huascar und dem Rathe auf die Gipfel der Anden. Ocollo, welche als schwaches Weib ebenfalls floh, war nicht im Stande, der Flucht des Heeres längere Zeit zu folgen; Soto hieb den Nachtrab der Besiegten unwiderstehlich nieder, und umsonst verkauften tausend Peruaner theuer ihr Leben, um die Schöne zu retten, welche endlich Sotos Gefangene wurde, mit der er stolz nach der Stadt marschirte. Coya, die nach Almagro, nach ihrem Vaterlande seufzte, fuhr, um ihre Krieger jammernd, fort, sich zu schlagen und sich in den Tod zu stürzen, aber das Blei und die Waffen achteten ihr kostbares Leben und sie rettete sich mit den Ihrigen in die Anden.
Pizarro gab die Stadt der Plünderung preis; überall verbreitete er Schrecken, und auf den Trümmern von Cuzco sitzend, gebot er als Sieger über das Reich der Inkas; Luque hob die Hände zum Himmel empor und dankte dem Herrn für den Sieg; und Almagro schien, bei dem Anblick der Trophäen der spanischen Waffen, in tiefer Erstarrung wie versteinert. Der Thron Karls des Fünften stieg auf den Schultern Pizarros über einem Berg von Gold bis an den Himmel; die von diesem ruhmreichen Tage ab leuchtende Sonne verbarg sich niemals für die spanischen Besitzungen. Als sie sich, um dem mächtigen Hofe der Gothen Ruhe zu gönnen, zwischen den Wellen begrub,fing sie an, für die neuen Erdtheile, wo ihre Sklaven die Schätze, womit sich der Hof von Castilien schmückte, aus dem Innern der Erde schafften, zu glänzen. Paul III. sah über den Gestaden des südlichen Meeres vom Vatikane aus das Kreuz erglänzen, und für die alte Welt und für das Christenthum eröffnete sich um die Mitte des sechszehnten Jahrhunderts ein neuer Zeitabschnitt.
Dekoratives Element