Dekoratives ElementKapitel 2.Columbus.Durch die Eroberungen, welche sie täglich den Händen der Sarazenen entrissen, stolz, und in Folge der Triumphe, die sie, um ihre oberherrliche Macht damit zu vergrößern, über ihre Vornehmsten und den Adel, denen sie ihre alten, verbrieften Rechte entrissen, davontrugen, übermüthig geworden, hielten die katholischen Könige verwegen Ausschau auf den Ocean und ließen sich leicht von dem angenehmen Taumel bethören, daß es hinter jenen beweglichen Bergen von Wogen noch andere Reiche und andere Kronen gäbe, um damit ihre Stirnen zu schmücken und ihre Macht zu vergrößern. Es war ein kühner Mann, der, größer als sein Jahrhundert, eine neue Welt zu ihren Füßen niederlegte, und die frühere Halbinsel war schon eng begrenzt, um die Macht der Könige von Aragonien und Castilien in sich zu schließen. Columbus schmeichelte der Eitelkeit dieser gewaltigen Herrscherpaare und Papst und Genesis mußten vor dem unbeugsamen Willen der Eroberer Granadas, die an den riesigen Thron Karls V. noch eine neue Welt knüpfen wollten, verstummen.Christoph Columbus, von Geburt ein Genuese, hatte sein kostbares Dasein mit mehr oder weniger wichtigen Seereisen zugebracht. Dieser unbekannte Mann, an Kenntnissen in der Astronomie und der Schifffahrt weiter fortgeschritten als sein Jahrhundert, wußte wie aus eigenem Antriebe, daß es noch einen andern Erdtheil haben mußte, und daß ihm der ewige Ruhm, denselben zu entdecken, vorbehalten blieb. Die Antipoden, welche die Vernunft als ein Hirngespinnst und der Aberglaube als einen Irrthum und als eine Gottlosigkeit hinstellten, waren für diesen außerordentlichen Mann eine unbestrittene Wahrheit. Von dieser Idee, der großartigsten, die je ein Mensch erdachte, besessen, schlug er seiner Vaterstadt Genua vor, eine andere Erdhälfte unter deren Gesetzgebung zu stellen. Von dieser schwachen Republik, von Portugal, wo er lebte, von England, das stets für irgend ein überseeisches Unternehmen bereit zu sein schien, verachtet, setzte er die einzigen Hoffnungen seiner Pläne auf Isabella.Die Minister dieser Prinzessin hielten den Mann, der eine neue Welt entdecken wollte, gleich anfangs für einen Träumer, und lange Zeit hindurch behandelten sie ihn, wie gewöhnliche Menschen inmitten ihrer Glücksgüter Männer von Genie zu behandeln pflegen, von oben herab. Columbus jedoch schrak angesichts der Schwierigkeiten nicht zurück. Er besaß, wie alle diejenigen, welche außergewöhnliche Pläne schmieden, die Seelenhoheit und die Begeisterung, die sie gegen irrige Meinungen, gegen höhnische Verachtung des Stolzes,das Erniedrigende des Müßiggangs belebt. Entschlossen, energisch und muthig, triumphirte seine Klugheit und seine Geschicklichkeit über alle Hindernisse. Isabella verkaufte ihr Geschmeide und ihre Edelsteine, sie berief sich auf ihren Hof, und nachdem drei Fregatten mit neunzig Mann Besatzung für ihn ausgerüstet worden waren, ging Columbus am 3. August 1493 unter Segel, um die Welt in Erstaunen zu setzen.Christoph Columbus gedachte die alte Welt umzugestalten und sein Unternehmen erforderte hohen Muth. Nach einer langen Seefahrt fingen die Mannschaften, entsetzt ob der ungeheuren Entfernung, welche sie von ihrem Vaterlande trennte, an, mißtrauisch darüber zu werden, an das Ziel ihrer Wünsche zu gelangen, und mehrmals wollten sie Columbus in’s Meer werfen, um wieder nach Spanien zurückzukehren. Der Admiral verstellte sich, so viel es ihm möglich war, bis daß, als er bereits den Ausbruch mit dem entsetzlichen Knalle bedrohen sah, er vorschlug, daß, wenn sie in drei Tagen kein Land entdeckten, sie nach Europa segelten. Glücklicherweise wurde noch vor dem dritten Tage, im Monat Oktober, die neue Welt entdeckt. Columbus landete auf der Insel San Salvador und nahm im Namen Isabellas Besitz von ihr. Kein Mensch hielt es damals in Europa für ungerecht, sich eines nicht von Christen bewohnten Landes zu bemächtigen! Bei dem Anblick der Schiffe und der von ihnen so sehr verschiedenen Menschen verwirrt, flohen die Inselbewohner entsetzt in die Tiefen der Wälder. Die Spanier konnten einige packen, diereichlich beschenkt und geherzt zurückkehrten, um ihre Horden zu schicken, was genug war, sich das ganze herumirrende Volk zuzuziehen.Unter fröhlichem Gejauchze liefen die unglücklichen Bewohner der neuen Welt an das Gestade und erkannten die Schiffe und herzten die Europäer. Die Europäer hingegen, als sie kupferfarbene Menschen, ohne Bart in ihrem Gesicht, ohne Flaum an ihrem Körper, in natürlicher Einfachheit sahen, sahen dieselben für unvollkommene Thiere an, die zu ihrem Abscheu und dazu geboren waren, um sie an das Halseisen zu befestigen, um sie auf den Märkten zu verkaufen und sie zu ewiger Knechtschaft zu verdammen.Die Insulaner, welche, die Wälder bewohnend, nach wildwachsenden Früchten der Natur suchten und ihrer Scham mit einfachen Geweben genügten, wußten nichts von dem Werthe der Metalle, und das verächtliche Kupfer und das ersehnte Gold stillten gleicherweise ihren einfältigen Stolz; sie zierten ihre Tempel und erhöhten den Liebreiz ihrer Schönen. Die Eindringlinge warfen inzwischen, auf der Suche nach kostbaren Metallen und Edelsteinen, durchdringende Blicke um sich her und sahen lächelnd die mit Schätzen beladenen Indianer in ihrem Zierrath und im Innersten ihres Herzens sannen sie auf Raub und Mord. Oh, erhabener Columbus! niemals wird die Geschichte deine Tugenden beflecken. Der Wissensdrang, nicht die Geldgier, gab dir das Vorhandensein neuer Erdtheile ein; hättest du das Buch der Schicksale der Völker aufschlagen können, so läge Amerika in ewiger Vergessenheitda, und du würdest nicht die Wogen ruhiger und entfernter Gestade stören, um sie nachher von Blut geröthet zu sehen. Gefühlvoll, weichherzig und tugendhaft, warst du die Liebe der einfachen Inselbewohner und der Haß des Hofes von Castilien, und dein Gedächtniß soll, indeß die Erinnerung an deine Tugend in den Herzen fortlebt, der neuen Welt theuer sein.Columbus’ unermüdlicher Eifer für Entdeckungen und der Anreiz des Goldes in den Spaniern brachte sie nach der Insel Santo Domingo und nach andern Festländern Amerikas. So lange als Columbus an der Spitze der Mannschaften stand, stieß der Ehrgeiz der Expeditionäre auf einen unüberwindlichen Damm. Da er aber wieder an den spanischen Hof zurück mußte, da er sich zu neuen Entdeckungen der Unendlichkeit des Meeres überlassen mußte, ließen die widerrechtliche Besitzergreifung, der Fanatismus, die Grausamkeit und Unmenschlichkeit ihre Wuth an den unschuldigen Sonnenanbetern aus. Ohne andere Waffen als ihren Bogen und ihre Pfeile von Holz oder aus Fischgräten wagten die Indianer vergebens Zusammenstöße mit Feinden, deren Waffen, deren Mannszucht denselben so große Vortheile gewährten. Von ihren schwachen Opfern wie Götter angesehen, stimmten dieselben, bevor sie kämpften, den Sieg an und ihre Trophäen waren unmenschlich von Blut geröthet. Columbus jedoch warf die Ruchlosen zu Boden und war der Schutzengel der Indianer. Columbus aber würde der erste tugendhafte Kriegsheld sein, der nicht ein Spielball der Höflinge wäre und der schließlich nicht den Fußstapfen Belisarsnachfolgte. Die Verleumdung richtete ihre grausamen Geschosse auf ihn und nachdem man ihn in Santo Domingo in Ketten zu legen befohlen hatte, wurde er wie der Gemeinste der Verbrecher nach Spanien geführt. Ueber so ein schimpfliches Vorgehen beschämt, ließ ihn der Hof zwar frei, jedoch ohne ihn an seinen Verleumdern zu rächen und ohne ihn wieder in seine Titel und Aemter einzusetzen. Das war das Ende dieses außerordentlichen Mannes! Die öffentliche Erkenntlichkeit hätte wenigstens diesem neuen Erdtheil den Namen des kühnen Schifffahrers, der ihn entdeckte, geben dürfen, und es wäre die geringste Huldigung, die zu seinem Gedächtnisse beitragen könnte; bald aber entrissen ihm der Neid, bald die Undankbarkeit, bald die Launen des Glückes, die also über den Ruhm gebieten, das Geschenk, welches ihm das Schicksal gewährt hatte, und sprachen es Florentino Vespucci zu, der nur seinen Fußstapfen nachfolgte. Der erste Augenblick, in dem Amerika für die übrige Welt bekannt wurde, wurde mit einer Ungerechtigkeit besiegelt. Verhängnißvolle Vorbedeutung derer, deren Schauplatz jene unglückseligen Länder werden sollten!Nach dem Falle Columbus’ und dem Tode Isabellas fingen die Insulaner an, die ganze Entsetzlichkeit des sie bedrohenden Schicksals zu fühlen. Die Religion und die Politik des sechszehnten Jahrhunderts dienten dem gottlosen Gesetze, das Ferdinand der Katholische im Jahre 1506 erließ, in welchem er die Indianer den Eroberern zutheilte, damit sie dieselben bei den Ausbeutungen der Bergwerke und bei denallerbeschwerlichsten Arbeiten verwenden sollten, zum Vorwande. So lange wir, sagten sie sich in der freien Ausübung ihres Aberglaubens, diese Barbaren lassen, werden sie weder das Christenthum umarmen, noch dem Gehorsam den Nacken beugen. Oh! würdige Politik des sechszehnten Jahrhunderts!... Die Inseln wurden in eine Menge von Bezirken eingetheilt, und jeder Expeditionär erlangte, je nach seinem Grade, seiner Gunst oder seiner Geburt mehr oder weniger Boden, und von diesem Augenblick an waren die Indianer Sklaven, die ihrem Herrn ihren Schweiß und ihr Blut schuldeten, und diese entsetzliche Verordnung wurde, da die Krone unerhörte Abgaben über die Arbeiten an sich nahm, auf allen Niederlassungen der neuen Welt befolgt.Die Auszügler befriedigten ihren Ehrgeiz auf einige Augenblicke; aber die schwächlichen, einer unerträglichen Arbeit nicht gewachsenen und der Härte unmenschlicher Strafen erliegenden Indianer verschwanden von ihren fruchtbaren Gefilden, und kaum blieben noch Arme dafür übrig, wann der Augenblick der Rache donnerte. Umsonst berief man sich im sechszehnten Jahrhundert auf gute Colonisationsprinzipien; umsonst flehte man die Rechte der Menschlichkeit an; das gezückte Schwert und der Name des Eroberers; das Crucifix in der Linken und die Fackel in der Rechten; die Sklaverei oder der Tod; das Christenthum oder der Scheiterhaufen; das waren sie alle die großen Grundsätze des katholischen Hofes, wie aller Höfe Europas, in dem verhängnißvollen sechszehnten Jahrhundert.
Dekoratives Element
Durch die Eroberungen, welche sie täglich den Händen der Sarazenen entrissen, stolz, und in Folge der Triumphe, die sie, um ihre oberherrliche Macht damit zu vergrößern, über ihre Vornehmsten und den Adel, denen sie ihre alten, verbrieften Rechte entrissen, davontrugen, übermüthig geworden, hielten die katholischen Könige verwegen Ausschau auf den Ocean und ließen sich leicht von dem angenehmen Taumel bethören, daß es hinter jenen beweglichen Bergen von Wogen noch andere Reiche und andere Kronen gäbe, um damit ihre Stirnen zu schmücken und ihre Macht zu vergrößern. Es war ein kühner Mann, der, größer als sein Jahrhundert, eine neue Welt zu ihren Füßen niederlegte, und die frühere Halbinsel war schon eng begrenzt, um die Macht der Könige von Aragonien und Castilien in sich zu schließen. Columbus schmeichelte der Eitelkeit dieser gewaltigen Herrscherpaare und Papst und Genesis mußten vor dem unbeugsamen Willen der Eroberer Granadas, die an den riesigen Thron Karls V. noch eine neue Welt knüpfen wollten, verstummen.
Christoph Columbus, von Geburt ein Genuese, hatte sein kostbares Dasein mit mehr oder weniger wichtigen Seereisen zugebracht. Dieser unbekannte Mann, an Kenntnissen in der Astronomie und der Schifffahrt weiter fortgeschritten als sein Jahrhundert, wußte wie aus eigenem Antriebe, daß es noch einen andern Erdtheil haben mußte, und daß ihm der ewige Ruhm, denselben zu entdecken, vorbehalten blieb. Die Antipoden, welche die Vernunft als ein Hirngespinnst und der Aberglaube als einen Irrthum und als eine Gottlosigkeit hinstellten, waren für diesen außerordentlichen Mann eine unbestrittene Wahrheit. Von dieser Idee, der großartigsten, die je ein Mensch erdachte, besessen, schlug er seiner Vaterstadt Genua vor, eine andere Erdhälfte unter deren Gesetzgebung zu stellen. Von dieser schwachen Republik, von Portugal, wo er lebte, von England, das stets für irgend ein überseeisches Unternehmen bereit zu sein schien, verachtet, setzte er die einzigen Hoffnungen seiner Pläne auf Isabella.
Die Minister dieser Prinzessin hielten den Mann, der eine neue Welt entdecken wollte, gleich anfangs für einen Träumer, und lange Zeit hindurch behandelten sie ihn, wie gewöhnliche Menschen inmitten ihrer Glücksgüter Männer von Genie zu behandeln pflegen, von oben herab. Columbus jedoch schrak angesichts der Schwierigkeiten nicht zurück. Er besaß, wie alle diejenigen, welche außergewöhnliche Pläne schmieden, die Seelenhoheit und die Begeisterung, die sie gegen irrige Meinungen, gegen höhnische Verachtung des Stolzes,das Erniedrigende des Müßiggangs belebt. Entschlossen, energisch und muthig, triumphirte seine Klugheit und seine Geschicklichkeit über alle Hindernisse. Isabella verkaufte ihr Geschmeide und ihre Edelsteine, sie berief sich auf ihren Hof, und nachdem drei Fregatten mit neunzig Mann Besatzung für ihn ausgerüstet worden waren, ging Columbus am 3. August 1493 unter Segel, um die Welt in Erstaunen zu setzen.
Christoph Columbus gedachte die alte Welt umzugestalten und sein Unternehmen erforderte hohen Muth. Nach einer langen Seefahrt fingen die Mannschaften, entsetzt ob der ungeheuren Entfernung, welche sie von ihrem Vaterlande trennte, an, mißtrauisch darüber zu werden, an das Ziel ihrer Wünsche zu gelangen, und mehrmals wollten sie Columbus in’s Meer werfen, um wieder nach Spanien zurückzukehren. Der Admiral verstellte sich, so viel es ihm möglich war, bis daß, als er bereits den Ausbruch mit dem entsetzlichen Knalle bedrohen sah, er vorschlug, daß, wenn sie in drei Tagen kein Land entdeckten, sie nach Europa segelten. Glücklicherweise wurde noch vor dem dritten Tage, im Monat Oktober, die neue Welt entdeckt. Columbus landete auf der Insel San Salvador und nahm im Namen Isabellas Besitz von ihr. Kein Mensch hielt es damals in Europa für ungerecht, sich eines nicht von Christen bewohnten Landes zu bemächtigen! Bei dem Anblick der Schiffe und der von ihnen so sehr verschiedenen Menschen verwirrt, flohen die Inselbewohner entsetzt in die Tiefen der Wälder. Die Spanier konnten einige packen, diereichlich beschenkt und geherzt zurückkehrten, um ihre Horden zu schicken, was genug war, sich das ganze herumirrende Volk zuzuziehen.
Unter fröhlichem Gejauchze liefen die unglücklichen Bewohner der neuen Welt an das Gestade und erkannten die Schiffe und herzten die Europäer. Die Europäer hingegen, als sie kupferfarbene Menschen, ohne Bart in ihrem Gesicht, ohne Flaum an ihrem Körper, in natürlicher Einfachheit sahen, sahen dieselben für unvollkommene Thiere an, die zu ihrem Abscheu und dazu geboren waren, um sie an das Halseisen zu befestigen, um sie auf den Märkten zu verkaufen und sie zu ewiger Knechtschaft zu verdammen.
Die Insulaner, welche, die Wälder bewohnend, nach wildwachsenden Früchten der Natur suchten und ihrer Scham mit einfachen Geweben genügten, wußten nichts von dem Werthe der Metalle, und das verächtliche Kupfer und das ersehnte Gold stillten gleicherweise ihren einfältigen Stolz; sie zierten ihre Tempel und erhöhten den Liebreiz ihrer Schönen. Die Eindringlinge warfen inzwischen, auf der Suche nach kostbaren Metallen und Edelsteinen, durchdringende Blicke um sich her und sahen lächelnd die mit Schätzen beladenen Indianer in ihrem Zierrath und im Innersten ihres Herzens sannen sie auf Raub und Mord. Oh, erhabener Columbus! niemals wird die Geschichte deine Tugenden beflecken. Der Wissensdrang, nicht die Geldgier, gab dir das Vorhandensein neuer Erdtheile ein; hättest du das Buch der Schicksale der Völker aufschlagen können, so läge Amerika in ewiger Vergessenheitda, und du würdest nicht die Wogen ruhiger und entfernter Gestade stören, um sie nachher von Blut geröthet zu sehen. Gefühlvoll, weichherzig und tugendhaft, warst du die Liebe der einfachen Inselbewohner und der Haß des Hofes von Castilien, und dein Gedächtniß soll, indeß die Erinnerung an deine Tugend in den Herzen fortlebt, der neuen Welt theuer sein.
Columbus’ unermüdlicher Eifer für Entdeckungen und der Anreiz des Goldes in den Spaniern brachte sie nach der Insel Santo Domingo und nach andern Festländern Amerikas. So lange als Columbus an der Spitze der Mannschaften stand, stieß der Ehrgeiz der Expeditionäre auf einen unüberwindlichen Damm. Da er aber wieder an den spanischen Hof zurück mußte, da er sich zu neuen Entdeckungen der Unendlichkeit des Meeres überlassen mußte, ließen die widerrechtliche Besitzergreifung, der Fanatismus, die Grausamkeit und Unmenschlichkeit ihre Wuth an den unschuldigen Sonnenanbetern aus. Ohne andere Waffen als ihren Bogen und ihre Pfeile von Holz oder aus Fischgräten wagten die Indianer vergebens Zusammenstöße mit Feinden, deren Waffen, deren Mannszucht denselben so große Vortheile gewährten. Von ihren schwachen Opfern wie Götter angesehen, stimmten dieselben, bevor sie kämpften, den Sieg an und ihre Trophäen waren unmenschlich von Blut geröthet. Columbus jedoch warf die Ruchlosen zu Boden und war der Schutzengel der Indianer. Columbus aber würde der erste tugendhafte Kriegsheld sein, der nicht ein Spielball der Höflinge wäre und der schließlich nicht den Fußstapfen Belisarsnachfolgte. Die Verleumdung richtete ihre grausamen Geschosse auf ihn und nachdem man ihn in Santo Domingo in Ketten zu legen befohlen hatte, wurde er wie der Gemeinste der Verbrecher nach Spanien geführt. Ueber so ein schimpfliches Vorgehen beschämt, ließ ihn der Hof zwar frei, jedoch ohne ihn an seinen Verleumdern zu rächen und ohne ihn wieder in seine Titel und Aemter einzusetzen. Das war das Ende dieses außerordentlichen Mannes! Die öffentliche Erkenntlichkeit hätte wenigstens diesem neuen Erdtheil den Namen des kühnen Schifffahrers, der ihn entdeckte, geben dürfen, und es wäre die geringste Huldigung, die zu seinem Gedächtnisse beitragen könnte; bald aber entrissen ihm der Neid, bald die Undankbarkeit, bald die Launen des Glückes, die also über den Ruhm gebieten, das Geschenk, welches ihm das Schicksal gewährt hatte, und sprachen es Florentino Vespucci zu, der nur seinen Fußstapfen nachfolgte. Der erste Augenblick, in dem Amerika für die übrige Welt bekannt wurde, wurde mit einer Ungerechtigkeit besiegelt. Verhängnißvolle Vorbedeutung derer, deren Schauplatz jene unglückseligen Länder werden sollten!
Nach dem Falle Columbus’ und dem Tode Isabellas fingen die Insulaner an, die ganze Entsetzlichkeit des sie bedrohenden Schicksals zu fühlen. Die Religion und die Politik des sechszehnten Jahrhunderts dienten dem gottlosen Gesetze, das Ferdinand der Katholische im Jahre 1506 erließ, in welchem er die Indianer den Eroberern zutheilte, damit sie dieselben bei den Ausbeutungen der Bergwerke und bei denallerbeschwerlichsten Arbeiten verwenden sollten, zum Vorwande. So lange wir, sagten sie sich in der freien Ausübung ihres Aberglaubens, diese Barbaren lassen, werden sie weder das Christenthum umarmen, noch dem Gehorsam den Nacken beugen. Oh! würdige Politik des sechszehnten Jahrhunderts!... Die Inseln wurden in eine Menge von Bezirken eingetheilt, und jeder Expeditionär erlangte, je nach seinem Grade, seiner Gunst oder seiner Geburt mehr oder weniger Boden, und von diesem Augenblick an waren die Indianer Sklaven, die ihrem Herrn ihren Schweiß und ihr Blut schuldeten, und diese entsetzliche Verordnung wurde, da die Krone unerhörte Abgaben über die Arbeiten an sich nahm, auf allen Niederlassungen der neuen Welt befolgt.
Die Auszügler befriedigten ihren Ehrgeiz auf einige Augenblicke; aber die schwächlichen, einer unerträglichen Arbeit nicht gewachsenen und der Härte unmenschlicher Strafen erliegenden Indianer verschwanden von ihren fruchtbaren Gefilden, und kaum blieben noch Arme dafür übrig, wann der Augenblick der Rache donnerte. Umsonst berief man sich im sechszehnten Jahrhundert auf gute Colonisationsprinzipien; umsonst flehte man die Rechte der Menschlichkeit an; das gezückte Schwert und der Name des Eroberers; das Crucifix in der Linken und die Fackel in der Rechten; die Sklaverei oder der Tod; das Christenthum oder der Scheiterhaufen; das waren sie alle die großen Grundsätze des katholischen Hofes, wie aller Höfe Europas, in dem verhängnißvollen sechszehnten Jahrhundert.