Dekoratives ElementKapitel 3.Mexiko.Fanatismus und religiöse Vorurtheile entschieden im sechszehnten Jahrhundert in Vielem die Schicksale der Völker, und wenn, nachdem sie verschiedenen philosophischen Systemen und verschiedenen Glaubensansichten gehuldigt, die Völker der alten Welt sich sozusagen um das Kreuz geschaart hatten, waren doch die Nationen der neuen Festländer Opfer der falschen Prophezeihungen ihrer Priester und Propheten und die religiöse Furcht trug zur Herrschaft jener Reiche so viel bei, wie der Schrecken vor den Waffen ihrer Eroberer. Ehe wir uns daher den Gestaden Perus, dem Schauplatze unseres unsterblichen Vorläufers zuwenden, werden wir über das erste von den Spaniern eroberte Festland Amerikas und insbesondere über das von dem auf immer unsterblichen Fernando Hernan Cortés eroberte, ungeheure mexikanische Reich, philosophische Umschau halten müssen. Die Reiche Mexiko und Peru vereinigen in ihren religiösen Voreingenommenheiten und in den Weissagungen ihrer Propheten vieleBerührungspunkte unter sich. Im einen wie im andern Reiche sah man großen Revolutionen, welche von Osten her kommen sollten, entgegen, und diese Aehnlichkeit der Prophezeihungen wird unsern Lesern um so mehr auffallen, da dieselben ursprünglich Religionen und Priester hatten, welche unter sich den schrecklichsten Gegensatz bildeten. In Mexiko verehrte man falsche und grausame Götzenbilder und Menschenfresser, deren Priester die heiligen Altäre mit Menschenblut bespritzten. In Peru betete man die erhabene Gottheit der Sonne an und die Priester brachten ihr im Tempel unschuldige Opfer von Früchten dar, womit sie ihre Anbeter so reichlich beschenkte. Oh! unaussprechliche Geheimnisse der Verirrungen menschlicher Vernunft!Nach dem Tode Columbus’ gründeten die Spanier in Jamaica, Puerto Rico und Cuba bedeutende Niederlassungen und Francisco Hernandez de Cordoba und Juan Grijalda erwarben im Jahre 1517 und 1518 in Betreff des mexikanischen Reiches, über dessen Macht, dessen Ausdehnung, dessen Sitten und Gesetze etc ausgedehnte Kenntnisse.Die öffentliche Stimme jauchzte Fernando Cortés, der damals mehr wegen seiner Hoffnungen, die er versprach, als wegen der Thaten, die er aufzuzählen vermochte, bekannt war, als dem Eroberer Mexikos zu. Stark, kräftig, beredt, kühn, verschlagen, von der ganzen Begeisterung für den Ruhm, der die erste Tugend des Helden ausmachte, beseelt, sollte Cortés die Fahne Castiliens auf den Trümmern des Thrones von Montezuma aufpflanzen. So eine schmeichelhafte Aussichtbot, wenn nicht noch schwerere Verbrechen so großen Ruhm verdunkeln würden, der erste Held Amerikas dar.Nachdem er die Hindernisse, welche Neid und Haß wider ihn erregten, überwunden hatte, ging er am 10. Februar 1519 mit fünfhundertachtzehn Soldaten, hundertneun Matrosen, einigen Pferden und einiger Artillerie unter Segel. So ein schwaches Heer wollte einen Feldzug von drei Jahrhunderten eröffnen! So kleine Auslagen auch so geringfügige Expeditionen verursachten, gab die Regierung doch nichts her; Alles geschah auf Kosten von Privatleuten, die sich zu Grunde richteten und unglücklich wurden, daß nur ja ihr guter Erfolg das Reich der Metropole immer mehr ausdehnen half. Von den ersten Expeditionen an hatte der Hof niemals den Plan dazu entworfen, niemals seine Schätze aufgethan, niemals Mannschaften ausgehoben; der Durst nach Gold, der abenteuerliche Geist, der dazumal herrschte, trieben die Industrie und die Thätigkeit an.Cortés landete glücklich und griff die Indianer von Tabasco an, besiegte sie und machte sie zu seinen Verbündeten. Die nüchternsten, die an Mühen abgehärtesten, mehr wie kein anderes Volk Europas an die Witterungsverhältnisse eines brennenden Klimas gewöhnten Spanier waren damals die einzigen, welche die Beschwerlichkeiten eines Krieges in der heißen Zone ertragen und sich zu ungleichem Feldzuge rüsten konnten. Kaum erschien Cortés an der Küste Mexikos, so konnte Montezuma, der mit unumschränkter Machtdaselbst regierte, den Schrecken, der ihm in die Glieder fuhr, nicht verbergen. Diese Furcht, die einem so gewaltigen Monarchen eine Hand voll Abenteurer einjagte, sollte, außer man erklärte denn Muthmaßungen und Ueberlieferungen für genügend, jede Wahrscheinlichkeit übertreffen.Die scheinbare oder wirkliche Bewegung der Gestirne um ihre Bahnen, die überraschenden Wirkungen der größern oder geringern Krümmungen der Erdoberfläche, die Ebbe und Fluth des Meeres und als erster Träger dieser Naturerscheinungen der ewige Streit der Elemente, stürzen die Bewohner des Weltalls in eine empfindliche Gefahr und in beständige Sorgen um ihr Schicksal. Der Aberglaube und der Fanatismus haben diese physischen Umwälzungen vergöttert und demzufolge ist auch, vor Allem bei den fühlbareren und kürzlicheren Anzeichen dieser Naturerscheinungen, der Schrecken der Völker gewesen.Solch ein Bild bietet Amerika dar, wo die Ueberschwemmungen, die vulkanischen Ausbrüche und die großen Erdbeben in der Natur häufiger sind; ausgedehnte Meerbusen, unendliche Seen, unzählige Inseln, mächtige Ströme, sehr hohe Berge, Alles zeugt von den Schlägen, von den Trübsalen, womit die Natur diese Welt heimgesucht hat; dieser ganze Schrecken rührt von der Trostlosigkeit dessen her, daß zu allen Zeiten die Lüge Mißbrauch getrieben hat, um auf Erden zu regieren. Wie nichts geschieht, das nicht unter dem Anscheine irgend eines Sternbildes stünde,so hat man zu den Sternen gegriffen, um das Unheil, von dem man die Ursache nicht kannte, zu erklären und die einfachsten Beziehungen der Lage von Planeten zueinander haben für den menschlichen Geist, der den Ursprung des Bösen immer in der Finsterniß sucht, bei allen Umwälzungen einen unmittelbaren und nothwendigen Einfluß.Vor Allem wurden die politischen, als die für den Menschen allerwichtigsten Ereignisse in naher Beziehung zu den Gestirnen geglaubt. Daher die falschen Prophezeihungen und die eigentlichen Befürchtungen, welche die Welt beherrscht haben und die immer mehr zunehmen, und im Verhältniß zur Unwissenheit fest wurzeln. Diese Krankheiten des menschlichen Geistes fanden sich bereits in der neuen Welt vor und man weiß nicht, warum sich in Santo Domingo und in Peru und in anderen Regionen Nordamerikas eine Ueberlieferung zeigte, daß Fremde von Osten her kommen sollten, die jene unglücklichen Länder zerstören würden. Nicht, weil sie von unserm Dasein Kunde hatten, sondern weil, wie alle Völker der Erde, daran gewohnt, ihre ersten Blicke dahin zu richten, von wo die Sonne kommt, sie sich einbildeten, daß die sie bedrohenden Umwälzungen ebenfalls von jenem Punkte der Erde ausgingen.Dieser Aberglaube, der einen Theil der Dogmen Mexikos ausmachte, arbeitete, gestützt auf einige kürzliche, recht sonderbare Ereignisse, mächtig in der von Natur aus unruhigen Seele Montezumas, als dieSpanier in seinen Staaten landeten. Was er im Allgemeinen von diesen Fremden befürchtete und im Besondern davon sagen hörte, verwirrte seinen zerrütteten Geist so sehr, daß er den durch die Gestirne, den Propheten seiner Nation, angezeigten verhängnißvollen Augenblick für gekommen hielt. Er schickte Abgesandte, um Cortés den Beistand, dessen er bedurfte, anzubieten und um ihn zugleich zu bitten, er möchte aus seinen Besitzungen hinausgehen; der Anführer der Spanier jedoch erwiderte stets, daß er kommen müsse, um mit dem Kaiser von Seiten des Machthabers im Osten zu sprechen. Vergebens bedrohten ihn die Kundschafter mit der riesigen Macht des Reiches, die Hartnäckigkeit führte zum Streit und Cortés, der, um zu siegen oder zu sterben, die Schiffe verbrannte, marschirte, ohne bei seinem Heereszuge auf großen Widerstand zu stoßen, auf Mexiko zu.An den Grenzen der Republik Tlascala angelangt, bat er vergebens um Durchzug und er mußte kämpfen. Die Tlascalteken waren tapfer und mächtig, sie gingen muthig in den Tod, es fehlte ihnen nur an Waffen, um zu siegen.... Da das Land in viele Cantone eingetheilt war, befehligten Vizekönige, die man Caziken nannte: Sie stellten sich im Kriege an die Spitze ihrer Unterthanen, legten Abgaben auf, handhabten die Gerechtigkeit; ihre Gesetze und Erlasse aber mußten von dem Senate in Tlascala, der aus Bürgern, welche in Volksversammlungen in jedem Canton gewählt wurden, zusammengesetzt, der eigentliche Machthaber war, bestätigt werden.Cortés, der diese kriegerische Nation auf Kosten von tausend Gefahren angriff und besiegte, machte dieselben, da sie den Mexikanern, die sie ihrer Herrschaft unterwerfen wollten, von früherer Zeit her feindlich gesinnt waren, durch seine Triumphe und seine Politik zu seinen Verbündeten, sodaß sie ihm Truppen und Hülfe aller Art verschafften. Mit diesem Beistand marschirte Cortés mitten durch ein von lieblichen Strömen bewässertes und mit Städten und Gärten bedecktes, reiches Land. Das an unbekannten Pflanzen fruchtbare Gefilde, die voller Vögel mit prächtigem Gefieder bevölkerte Luft, die angenehme und herrliche Natur, die gemäßigte Atmosphäre, der heitere Himmel, die in farbigem Blumenschmucke prangenden Fluren, Alles athmete Unschuld, Fröhlichkeit und Zauber. Aber so viele Schönheiten rührten die Auszügler in Nichts, sie waren unempfindlich für ein derartig neues Schauspiel; sie sahen blos, wie das Gold zur Verzierung der Häuser und Tempel, zur Verschönerung der Waffen der Mexikaner und dazu diente, mit seinem Gewichte die Schönheit zu ermüden und der Ehrgeiz verzehrte ihre Sinne und sie sehnten sich nur nach Gold.Montezuma sah mit Schrecken, daß Cortés nicht davon abließ, an seinen Hof zu kommen, und seine von Betrachtungen niedergeschlagene Seele dachte nicht an die Mittel der Vertheidigung. Er befahl über dreiunddreißig Caziken, die mächtige Heere ausgerüstet hätten. Seine Reichthümer waren unermeßlich, seine Macht unumschränkt, sein Volk geschickt und fleißig, und wie damals die Europäer, kriegerisch und ehrenhaft.Wenn er seine Macht in Bewegung gesetzt haben würde, sicherte er seinen Thron; aber Montezuma, der das Scepter durch seine Tapferkeit erlangt hatte, zeigte, als er trotz ihrer Waffen und ihrer Mannszucht mit seiner ganzen Macht hätte über die Feinde herfallen und sie vernichten können, nicht die geringste Geistesgegenwart und er zog es vor, die Treulosigkeit gegen sie anzuwenden.Während er sie in Mexiko mit Geschenken und Liebkosungen überhäufte, beabsichtigte er, um den Rückzug zu sichern oder Unterstützungen zu empfangen, sie in Veracruz, einer von den Spaniern gegründeten Niederlassung, zu nehmen. Cortés, der es erfuhr, schreckte seine Gefährten auf. »Wir müssen,« so sagte er zu ihnen, »diese Barbaren mit einer überraschenden That in Verwunderung setzen; ich habe beschlossen, den Kaiser zu ergreifen und mich seiner Person zu bemächtigen.« Nachdem die Absicht gut geheißen und von seinen Offizieren ausgeführt worden war, ging er zum Palast des Kaisers und deutete ihm die Wahl zwischen Tod oder ihnen zu folgen an. Aus einer Niederträchtigkeit, die der Verwegenheit seiner Feinde gleich kam, ließ sich dieser Fürst gefangen nehmen, er verurtheilte die Generäle, die ihm nur Gehorsam erzeigt hatten, zum Tode und huldigte dem König von Spanien.Der Neid hatte Cortés’ Feinde erregt und Narvaez landete auf Geheiß der Regierung mit bewaffneter Macht an der Küste von Veracruz, um ihn seines Befehles zu berauben. Cortés suchte seinen Gegner auf,brachte ihm eine Niederlage bei und nahm ihn gefangen, und da er durch sein Zutrauen und seinen Edelmuth die Soldaten anzog, vergrößerten die Streitkräfte Narvaez’ seine Reihen, und er kehrte nach Mexiko zurück, woselbst er zweihundert Mann als Wache bei dem Kaiser zurückgelassen hatte.Die Mexikaner hatten nichts Barbarisches als ihren Aberglauben, ihre Priester jedoch waren Ungeheuer, die mit dem abscheulichen Gottesdienste, den sie der Leichtgläubigkeit des Volkes aufgedrungen hatten, grauenhaften Mißbrauch trieben. Sie anerkannten statt diesen nutzbringenden Lehren von Gemeinheiten und Entsetzlichkeiten ein höchstes Wesen, ein zukünftiges Leben mit seiner Belohnung und Bestrafung. Mit Abschluß eines jeden Jahrhunderts erwarteten sie das Ende der Welt und in jenem Jahre gaben sie sich ganz der Fröhlichkeit und Freude hin. Sie beteten Schutz- und Halbgötter an, kannten Sühne und Bußen, zählten Wunder auf und hatten Propheten.Die Priester, stets Menschenfresser, ließen auf den Altären Menschenopfer verbluten. Sie brachten die Kriegsgefangenen im Tempel des Gottes der Schlachten dar und die Priester aßen von denselben und schickten dem Kaiser und den Vornehmsten des Reiches Stücke. Wenn der Frieden lange Zeit andauerte, sagten die Priester zum Kaiser, daß die Götter Hungers stürben, und es wurde aus dem einzigen Grunde Krieg erklärt, um Gefangene zu machen und sie dann auf den Altären hinzumorden. Alle diese Bräuche waren schaurigund blutig; die gräßliche, entsetzliche Religion stürzte die Menschen in Schrecken und mußte sie unmenschlich und die Priester allmächtig machen.Indeß sich Cortés mit Narvaez schlug, war der mexikanische Adel über die Gefangennahme ihres Fürsten und ob des Uebereifers der Spanier, welche bei einem Feste zu Ehren der Götter des Landes die Altäre umstürzten und die Anbeter und Priester niederhieben, entrüstet; Alles hatte das Volk zu den Waffen aufgefordert. Man konnte den Eindringlingen ihren Widerspruch gegen so barbarische Glaubenslehren nicht zum Verbrechen machen, wenn sie dieselben nur nicht zerstört hätten, indem sie über das wehrlose Volk herfielen, um es umzubringen, und wenn sie nicht die Adeligen ermordet hätten, um sie zu berauben.Bei der Rückkehr Cortés’ nach Mexiko fand er seine Gefährten auf das Aeußerste bedrängt und nach harter Anstrengung betrat er ihr Lager. Die Mexikaner thaten Wunder der Tapferkeit und Montezuma, der hinaus ging an die Mauer, um sie von dem guten Einverständniß mit ihren Unterdrückern zu überzeugen, starb von den Pfeilen seines Volkes getroffen. Cortés erkannte die Nothwendigkeit, sich zurückzuziehen; seine mit Gold beladenen Soldaten konnten sich nicht Alle dem Rückzuge anschließen und es kamen viele im Thale von Otumba um; Allen drohte der Tod, endlich aber gelangte der tapfere und mächtige Cortés in das Land der Tlascalteken, seiner Verbündeten.Das politische System und die religiösen Anschauungen hatten die Zwietracht in dem Reiche gesätund geschickt wußte Cortés aus diesem Vortheil Nutzen zu ziehen. Mit geringen Unterstützungen von den spanischen Inseln und einigen Truppen, die er von der Republik Tlascala erlangte, machte er neue Verbündete und griff die Hauptstadt des Reiches abermals an. Mexiko war eine in Mitten eines großen Sees gelegene Insel, welche zwanzigtausend Häuser, ein zahlreiches Volk und prächtige Gebäude enthielt. Gärten, Springbrunnen, Bäder, Verzierungen, prächtige Tempel, dreitausend Cazikenpaläste, Alles gab der Hauptstadt eine ungeheure Ausdehnung. Rings um den See herum waren an die sechszig Städte; zweimalhunderttausend Canoes durchschifften die Wogen und unterhielten einen lebhaften Verkehr, und solid angelegte Kunststraßen machten den Stolz mexikanischen Gewerbefleißes aus. Das Reich war wählbar, und nach dem Tode Montezumas bestieg Guatimazin den Thron, ein tapferer und verwegener Krieger, der die Hauptstadt in einen glänzenden Vertheidigungszustand setzte.Cortés fing den Feldzug damit an, indem er sich der Caziken versicherte, welche in den Städten an den Ufern des Sees regierten. Etliche vereinigten ihre Truppen mit denen des Siegers, die andern wurden überwältigt und Cortés bemächtigte sich der drei Hauptverkehrsstraßen Mexikos. Er wollte sich ebenfalls der Schifffahrt auf dem See bemächtigen; er ließ Briggen herstellen, die er mit einem Theile seiner Artillerie ausrüstete, und so Mexiko beschießend, hoffte er, der Hunger würde ihm das Reich der neuen Welt übergeben.Guatimazin machte außergewöhnliche Anstrengungen, um die Blokade aufzuheben; seine Vasallen kämpften wüthender denn je, die Spanier aber unterhielten ihre Laufgräben und jagten und verfolgten den Feind bis in das Innere der Stadt hinein.Als die Mexikaner den Sieg bezweifelten und es ihnen bereits an Lebensmitteln fehlte, wollten sie wenigstens ihren Kaiser retten, der gerne hierin einwilligte, um den Krieg im Norden seiner Staaten fortzuführen. Ein Theil des Heeres ging, um ihm den Rückzug zu erleichtern, den Feind zerstreuend und ihm zu schaffen machend, muthig in den Tod; aber eine Brigg bemächtigte sich des Bootes, worin der großmüthige und unglückliche Herrscher war. Julian Alderete, ein spanischer Offizier, glaubte, daß Guatimazin geheime Schätze berge, und um ihn zu einem Geständniß zu nöthigen, ließ er ihn auf glühende Kohlen legen. Da wiederholte der amerikanische Held jene berühmten Worte: »Ha, ich bin in einem Bett voll Blumen!« Ein Tod, der mit allen denen, welche die Geschichte der Bewunderung der Menschen übermittelt hat, zu vergleichen ist. Wenn die Mexikaner eines Tages die Lebensbeschreibungen ihrer Märtyrer und die Geschichte deren Verfolger aufstellen, so wird man Guatimazin sehen, wie er halbtodt aus einem glühenden Ofen herausgezogen und unter dem Vorwand, es auf seine Zerstörer abgesehen zu haben, öffentlich auf drei Jahre hin gehenkt wird.Bei willkürlichen Regierungen zieht der Tod oder die Gefangennahme des Herrschers und die Einnahmeder Hauptstadt allgemein die Unterwerfung des ganzen Staates nach sich. So war es mit der Eroberung von Peru. Das ganze Reich unterwarf sich den Spaniern, deren Ehrgeiz, obschon es fünfhundert Meilen in der Länge und beinahe zweihundert in der Breite hatte, immer noch nicht befriedigt war. Neue Welten, neue Reiche, andere Helden, andere Siege sollten an den glorreichen Thron Castiliens neue Welten hinzufügen.Dekoratives Element
Dekoratives Element
Fanatismus und religiöse Vorurtheile entschieden im sechszehnten Jahrhundert in Vielem die Schicksale der Völker, und wenn, nachdem sie verschiedenen philosophischen Systemen und verschiedenen Glaubensansichten gehuldigt, die Völker der alten Welt sich sozusagen um das Kreuz geschaart hatten, waren doch die Nationen der neuen Festländer Opfer der falschen Prophezeihungen ihrer Priester und Propheten und die religiöse Furcht trug zur Herrschaft jener Reiche so viel bei, wie der Schrecken vor den Waffen ihrer Eroberer. Ehe wir uns daher den Gestaden Perus, dem Schauplatze unseres unsterblichen Vorläufers zuwenden, werden wir über das erste von den Spaniern eroberte Festland Amerikas und insbesondere über das von dem auf immer unsterblichen Fernando Hernan Cortés eroberte, ungeheure mexikanische Reich, philosophische Umschau halten müssen. Die Reiche Mexiko und Peru vereinigen in ihren religiösen Voreingenommenheiten und in den Weissagungen ihrer Propheten vieleBerührungspunkte unter sich. Im einen wie im andern Reiche sah man großen Revolutionen, welche von Osten her kommen sollten, entgegen, und diese Aehnlichkeit der Prophezeihungen wird unsern Lesern um so mehr auffallen, da dieselben ursprünglich Religionen und Priester hatten, welche unter sich den schrecklichsten Gegensatz bildeten. In Mexiko verehrte man falsche und grausame Götzenbilder und Menschenfresser, deren Priester die heiligen Altäre mit Menschenblut bespritzten. In Peru betete man die erhabene Gottheit der Sonne an und die Priester brachten ihr im Tempel unschuldige Opfer von Früchten dar, womit sie ihre Anbeter so reichlich beschenkte. Oh! unaussprechliche Geheimnisse der Verirrungen menschlicher Vernunft!
Nach dem Tode Columbus’ gründeten die Spanier in Jamaica, Puerto Rico und Cuba bedeutende Niederlassungen und Francisco Hernandez de Cordoba und Juan Grijalda erwarben im Jahre 1517 und 1518 in Betreff des mexikanischen Reiches, über dessen Macht, dessen Ausdehnung, dessen Sitten und Gesetze etc ausgedehnte Kenntnisse.
Die öffentliche Stimme jauchzte Fernando Cortés, der damals mehr wegen seiner Hoffnungen, die er versprach, als wegen der Thaten, die er aufzuzählen vermochte, bekannt war, als dem Eroberer Mexikos zu. Stark, kräftig, beredt, kühn, verschlagen, von der ganzen Begeisterung für den Ruhm, der die erste Tugend des Helden ausmachte, beseelt, sollte Cortés die Fahne Castiliens auf den Trümmern des Thrones von Montezuma aufpflanzen. So eine schmeichelhafte Aussichtbot, wenn nicht noch schwerere Verbrechen so großen Ruhm verdunkeln würden, der erste Held Amerikas dar.
Nachdem er die Hindernisse, welche Neid und Haß wider ihn erregten, überwunden hatte, ging er am 10. Februar 1519 mit fünfhundertachtzehn Soldaten, hundertneun Matrosen, einigen Pferden und einiger Artillerie unter Segel. So ein schwaches Heer wollte einen Feldzug von drei Jahrhunderten eröffnen! So kleine Auslagen auch so geringfügige Expeditionen verursachten, gab die Regierung doch nichts her; Alles geschah auf Kosten von Privatleuten, die sich zu Grunde richteten und unglücklich wurden, daß nur ja ihr guter Erfolg das Reich der Metropole immer mehr ausdehnen half. Von den ersten Expeditionen an hatte der Hof niemals den Plan dazu entworfen, niemals seine Schätze aufgethan, niemals Mannschaften ausgehoben; der Durst nach Gold, der abenteuerliche Geist, der dazumal herrschte, trieben die Industrie und die Thätigkeit an.
Cortés landete glücklich und griff die Indianer von Tabasco an, besiegte sie und machte sie zu seinen Verbündeten. Die nüchternsten, die an Mühen abgehärtesten, mehr wie kein anderes Volk Europas an die Witterungsverhältnisse eines brennenden Klimas gewöhnten Spanier waren damals die einzigen, welche die Beschwerlichkeiten eines Krieges in der heißen Zone ertragen und sich zu ungleichem Feldzuge rüsten konnten. Kaum erschien Cortés an der Küste Mexikos, so konnte Montezuma, der mit unumschränkter Machtdaselbst regierte, den Schrecken, der ihm in die Glieder fuhr, nicht verbergen. Diese Furcht, die einem so gewaltigen Monarchen eine Hand voll Abenteurer einjagte, sollte, außer man erklärte denn Muthmaßungen und Ueberlieferungen für genügend, jede Wahrscheinlichkeit übertreffen.
Die scheinbare oder wirkliche Bewegung der Gestirne um ihre Bahnen, die überraschenden Wirkungen der größern oder geringern Krümmungen der Erdoberfläche, die Ebbe und Fluth des Meeres und als erster Träger dieser Naturerscheinungen der ewige Streit der Elemente, stürzen die Bewohner des Weltalls in eine empfindliche Gefahr und in beständige Sorgen um ihr Schicksal. Der Aberglaube und der Fanatismus haben diese physischen Umwälzungen vergöttert und demzufolge ist auch, vor Allem bei den fühlbareren und kürzlicheren Anzeichen dieser Naturerscheinungen, der Schrecken der Völker gewesen.
Solch ein Bild bietet Amerika dar, wo die Ueberschwemmungen, die vulkanischen Ausbrüche und die großen Erdbeben in der Natur häufiger sind; ausgedehnte Meerbusen, unendliche Seen, unzählige Inseln, mächtige Ströme, sehr hohe Berge, Alles zeugt von den Schlägen, von den Trübsalen, womit die Natur diese Welt heimgesucht hat; dieser ganze Schrecken rührt von der Trostlosigkeit dessen her, daß zu allen Zeiten die Lüge Mißbrauch getrieben hat, um auf Erden zu regieren. Wie nichts geschieht, das nicht unter dem Anscheine irgend eines Sternbildes stünde,so hat man zu den Sternen gegriffen, um das Unheil, von dem man die Ursache nicht kannte, zu erklären und die einfachsten Beziehungen der Lage von Planeten zueinander haben für den menschlichen Geist, der den Ursprung des Bösen immer in der Finsterniß sucht, bei allen Umwälzungen einen unmittelbaren und nothwendigen Einfluß.
Vor Allem wurden die politischen, als die für den Menschen allerwichtigsten Ereignisse in naher Beziehung zu den Gestirnen geglaubt. Daher die falschen Prophezeihungen und die eigentlichen Befürchtungen, welche die Welt beherrscht haben und die immer mehr zunehmen, und im Verhältniß zur Unwissenheit fest wurzeln. Diese Krankheiten des menschlichen Geistes fanden sich bereits in der neuen Welt vor und man weiß nicht, warum sich in Santo Domingo und in Peru und in anderen Regionen Nordamerikas eine Ueberlieferung zeigte, daß Fremde von Osten her kommen sollten, die jene unglücklichen Länder zerstören würden. Nicht, weil sie von unserm Dasein Kunde hatten, sondern weil, wie alle Völker der Erde, daran gewohnt, ihre ersten Blicke dahin zu richten, von wo die Sonne kommt, sie sich einbildeten, daß die sie bedrohenden Umwälzungen ebenfalls von jenem Punkte der Erde ausgingen.
Dieser Aberglaube, der einen Theil der Dogmen Mexikos ausmachte, arbeitete, gestützt auf einige kürzliche, recht sonderbare Ereignisse, mächtig in der von Natur aus unruhigen Seele Montezumas, als dieSpanier in seinen Staaten landeten. Was er im Allgemeinen von diesen Fremden befürchtete und im Besondern davon sagen hörte, verwirrte seinen zerrütteten Geist so sehr, daß er den durch die Gestirne, den Propheten seiner Nation, angezeigten verhängnißvollen Augenblick für gekommen hielt. Er schickte Abgesandte, um Cortés den Beistand, dessen er bedurfte, anzubieten und um ihn zugleich zu bitten, er möchte aus seinen Besitzungen hinausgehen; der Anführer der Spanier jedoch erwiderte stets, daß er kommen müsse, um mit dem Kaiser von Seiten des Machthabers im Osten zu sprechen. Vergebens bedrohten ihn die Kundschafter mit der riesigen Macht des Reiches, die Hartnäckigkeit führte zum Streit und Cortés, der, um zu siegen oder zu sterben, die Schiffe verbrannte, marschirte, ohne bei seinem Heereszuge auf großen Widerstand zu stoßen, auf Mexiko zu.
An den Grenzen der Republik Tlascala angelangt, bat er vergebens um Durchzug und er mußte kämpfen. Die Tlascalteken waren tapfer und mächtig, sie gingen muthig in den Tod, es fehlte ihnen nur an Waffen, um zu siegen.... Da das Land in viele Cantone eingetheilt war, befehligten Vizekönige, die man Caziken nannte: Sie stellten sich im Kriege an die Spitze ihrer Unterthanen, legten Abgaben auf, handhabten die Gerechtigkeit; ihre Gesetze und Erlasse aber mußten von dem Senate in Tlascala, der aus Bürgern, welche in Volksversammlungen in jedem Canton gewählt wurden, zusammengesetzt, der eigentliche Machthaber war, bestätigt werden.
Cortés, der diese kriegerische Nation auf Kosten von tausend Gefahren angriff und besiegte, machte dieselben, da sie den Mexikanern, die sie ihrer Herrschaft unterwerfen wollten, von früherer Zeit her feindlich gesinnt waren, durch seine Triumphe und seine Politik zu seinen Verbündeten, sodaß sie ihm Truppen und Hülfe aller Art verschafften. Mit diesem Beistand marschirte Cortés mitten durch ein von lieblichen Strömen bewässertes und mit Städten und Gärten bedecktes, reiches Land. Das an unbekannten Pflanzen fruchtbare Gefilde, die voller Vögel mit prächtigem Gefieder bevölkerte Luft, die angenehme und herrliche Natur, die gemäßigte Atmosphäre, der heitere Himmel, die in farbigem Blumenschmucke prangenden Fluren, Alles athmete Unschuld, Fröhlichkeit und Zauber. Aber so viele Schönheiten rührten die Auszügler in Nichts, sie waren unempfindlich für ein derartig neues Schauspiel; sie sahen blos, wie das Gold zur Verzierung der Häuser und Tempel, zur Verschönerung der Waffen der Mexikaner und dazu diente, mit seinem Gewichte die Schönheit zu ermüden und der Ehrgeiz verzehrte ihre Sinne und sie sehnten sich nur nach Gold.
Montezuma sah mit Schrecken, daß Cortés nicht davon abließ, an seinen Hof zu kommen, und seine von Betrachtungen niedergeschlagene Seele dachte nicht an die Mittel der Vertheidigung. Er befahl über dreiunddreißig Caziken, die mächtige Heere ausgerüstet hätten. Seine Reichthümer waren unermeßlich, seine Macht unumschränkt, sein Volk geschickt und fleißig, und wie damals die Europäer, kriegerisch und ehrenhaft.Wenn er seine Macht in Bewegung gesetzt haben würde, sicherte er seinen Thron; aber Montezuma, der das Scepter durch seine Tapferkeit erlangt hatte, zeigte, als er trotz ihrer Waffen und ihrer Mannszucht mit seiner ganzen Macht hätte über die Feinde herfallen und sie vernichten können, nicht die geringste Geistesgegenwart und er zog es vor, die Treulosigkeit gegen sie anzuwenden.
Während er sie in Mexiko mit Geschenken und Liebkosungen überhäufte, beabsichtigte er, um den Rückzug zu sichern oder Unterstützungen zu empfangen, sie in Veracruz, einer von den Spaniern gegründeten Niederlassung, zu nehmen. Cortés, der es erfuhr, schreckte seine Gefährten auf. »Wir müssen,« so sagte er zu ihnen, »diese Barbaren mit einer überraschenden That in Verwunderung setzen; ich habe beschlossen, den Kaiser zu ergreifen und mich seiner Person zu bemächtigen.« Nachdem die Absicht gut geheißen und von seinen Offizieren ausgeführt worden war, ging er zum Palast des Kaisers und deutete ihm die Wahl zwischen Tod oder ihnen zu folgen an. Aus einer Niederträchtigkeit, die der Verwegenheit seiner Feinde gleich kam, ließ sich dieser Fürst gefangen nehmen, er verurtheilte die Generäle, die ihm nur Gehorsam erzeigt hatten, zum Tode und huldigte dem König von Spanien.
Der Neid hatte Cortés’ Feinde erregt und Narvaez landete auf Geheiß der Regierung mit bewaffneter Macht an der Küste von Veracruz, um ihn seines Befehles zu berauben. Cortés suchte seinen Gegner auf,brachte ihm eine Niederlage bei und nahm ihn gefangen, und da er durch sein Zutrauen und seinen Edelmuth die Soldaten anzog, vergrößerten die Streitkräfte Narvaez’ seine Reihen, und er kehrte nach Mexiko zurück, woselbst er zweihundert Mann als Wache bei dem Kaiser zurückgelassen hatte.
Die Mexikaner hatten nichts Barbarisches als ihren Aberglauben, ihre Priester jedoch waren Ungeheuer, die mit dem abscheulichen Gottesdienste, den sie der Leichtgläubigkeit des Volkes aufgedrungen hatten, grauenhaften Mißbrauch trieben. Sie anerkannten statt diesen nutzbringenden Lehren von Gemeinheiten und Entsetzlichkeiten ein höchstes Wesen, ein zukünftiges Leben mit seiner Belohnung und Bestrafung. Mit Abschluß eines jeden Jahrhunderts erwarteten sie das Ende der Welt und in jenem Jahre gaben sie sich ganz der Fröhlichkeit und Freude hin. Sie beteten Schutz- und Halbgötter an, kannten Sühne und Bußen, zählten Wunder auf und hatten Propheten.
Die Priester, stets Menschenfresser, ließen auf den Altären Menschenopfer verbluten. Sie brachten die Kriegsgefangenen im Tempel des Gottes der Schlachten dar und die Priester aßen von denselben und schickten dem Kaiser und den Vornehmsten des Reiches Stücke. Wenn der Frieden lange Zeit andauerte, sagten die Priester zum Kaiser, daß die Götter Hungers stürben, und es wurde aus dem einzigen Grunde Krieg erklärt, um Gefangene zu machen und sie dann auf den Altären hinzumorden. Alle diese Bräuche waren schaurigund blutig; die gräßliche, entsetzliche Religion stürzte die Menschen in Schrecken und mußte sie unmenschlich und die Priester allmächtig machen.
Indeß sich Cortés mit Narvaez schlug, war der mexikanische Adel über die Gefangennahme ihres Fürsten und ob des Uebereifers der Spanier, welche bei einem Feste zu Ehren der Götter des Landes die Altäre umstürzten und die Anbeter und Priester niederhieben, entrüstet; Alles hatte das Volk zu den Waffen aufgefordert. Man konnte den Eindringlingen ihren Widerspruch gegen so barbarische Glaubenslehren nicht zum Verbrechen machen, wenn sie dieselben nur nicht zerstört hätten, indem sie über das wehrlose Volk herfielen, um es umzubringen, und wenn sie nicht die Adeligen ermordet hätten, um sie zu berauben.
Bei der Rückkehr Cortés’ nach Mexiko fand er seine Gefährten auf das Aeußerste bedrängt und nach harter Anstrengung betrat er ihr Lager. Die Mexikaner thaten Wunder der Tapferkeit und Montezuma, der hinaus ging an die Mauer, um sie von dem guten Einverständniß mit ihren Unterdrückern zu überzeugen, starb von den Pfeilen seines Volkes getroffen. Cortés erkannte die Nothwendigkeit, sich zurückzuziehen; seine mit Gold beladenen Soldaten konnten sich nicht Alle dem Rückzuge anschließen und es kamen viele im Thale von Otumba um; Allen drohte der Tod, endlich aber gelangte der tapfere und mächtige Cortés in das Land der Tlascalteken, seiner Verbündeten.
Das politische System und die religiösen Anschauungen hatten die Zwietracht in dem Reiche gesätund geschickt wußte Cortés aus diesem Vortheil Nutzen zu ziehen. Mit geringen Unterstützungen von den spanischen Inseln und einigen Truppen, die er von der Republik Tlascala erlangte, machte er neue Verbündete und griff die Hauptstadt des Reiches abermals an. Mexiko war eine in Mitten eines großen Sees gelegene Insel, welche zwanzigtausend Häuser, ein zahlreiches Volk und prächtige Gebäude enthielt. Gärten, Springbrunnen, Bäder, Verzierungen, prächtige Tempel, dreitausend Cazikenpaläste, Alles gab der Hauptstadt eine ungeheure Ausdehnung. Rings um den See herum waren an die sechszig Städte; zweimalhunderttausend Canoes durchschifften die Wogen und unterhielten einen lebhaften Verkehr, und solid angelegte Kunststraßen machten den Stolz mexikanischen Gewerbefleißes aus. Das Reich war wählbar, und nach dem Tode Montezumas bestieg Guatimazin den Thron, ein tapferer und verwegener Krieger, der die Hauptstadt in einen glänzenden Vertheidigungszustand setzte.
Cortés fing den Feldzug damit an, indem er sich der Caziken versicherte, welche in den Städten an den Ufern des Sees regierten. Etliche vereinigten ihre Truppen mit denen des Siegers, die andern wurden überwältigt und Cortés bemächtigte sich der drei Hauptverkehrsstraßen Mexikos. Er wollte sich ebenfalls der Schifffahrt auf dem See bemächtigen; er ließ Briggen herstellen, die er mit einem Theile seiner Artillerie ausrüstete, und so Mexiko beschießend, hoffte er, der Hunger würde ihm das Reich der neuen Welt übergeben.
Guatimazin machte außergewöhnliche Anstrengungen, um die Blokade aufzuheben; seine Vasallen kämpften wüthender denn je, die Spanier aber unterhielten ihre Laufgräben und jagten und verfolgten den Feind bis in das Innere der Stadt hinein.
Als die Mexikaner den Sieg bezweifelten und es ihnen bereits an Lebensmitteln fehlte, wollten sie wenigstens ihren Kaiser retten, der gerne hierin einwilligte, um den Krieg im Norden seiner Staaten fortzuführen. Ein Theil des Heeres ging, um ihm den Rückzug zu erleichtern, den Feind zerstreuend und ihm zu schaffen machend, muthig in den Tod; aber eine Brigg bemächtigte sich des Bootes, worin der großmüthige und unglückliche Herrscher war. Julian Alderete, ein spanischer Offizier, glaubte, daß Guatimazin geheime Schätze berge, und um ihn zu einem Geständniß zu nöthigen, ließ er ihn auf glühende Kohlen legen. Da wiederholte der amerikanische Held jene berühmten Worte: »Ha, ich bin in einem Bett voll Blumen!« Ein Tod, der mit allen denen, welche die Geschichte der Bewunderung der Menschen übermittelt hat, zu vergleichen ist. Wenn die Mexikaner eines Tages die Lebensbeschreibungen ihrer Märtyrer und die Geschichte deren Verfolger aufstellen, so wird man Guatimazin sehen, wie er halbtodt aus einem glühenden Ofen herausgezogen und unter dem Vorwand, es auf seine Zerstörer abgesehen zu haben, öffentlich auf drei Jahre hin gehenkt wird.
Bei willkürlichen Regierungen zieht der Tod oder die Gefangennahme des Herrschers und die Einnahmeder Hauptstadt allgemein die Unterwerfung des ganzen Staates nach sich. So war es mit der Eroberung von Peru. Das ganze Reich unterwarf sich den Spaniern, deren Ehrgeiz, obschon es fünfhundert Meilen in der Länge und beinahe zweihundert in der Breite hatte, immer noch nicht befriedigt war. Neue Welten, neue Reiche, andere Helden, andere Siege sollten an den glorreichen Thron Castiliens neue Welten hinzufügen.
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