Kapitel 6.Tumbez.

Dekoratives ElementKapitel 6.Tumbez.Geschickt streute Pizarro die unermeßlichen Reichthümer, welche er der Hauptstadt von Coaque entzog, über Panama und die umliegenden Niederlassungen aus und machte so binnen kurzem, daß man in allen jenen Ländern die vortheilhaftesten Begriffe von den Schätzen Perus hegte; das Gerücht verbreitete sich und tausend Abenteurer strömten, begierig die reiche Beute zu theilen und ihre Habsucht zu sättigen, von allen Seiten herbei. In Tumbez einquartiert, erwartete er, um die Eroberung des Reiches zu unternehmen, die Ankunft seiner Gefährten und machte sich inzwischen mit den Gebräuchen der Peruaner bekannt, lernte ihre Sprache und bereitete sich auf den Triumph vor.Die Peruaner konnten sich von der Absicht, in der die Spanier ihr Land besetzten, keinen genauen Begriff machen und sie ergingen sich in tausend Vermuthungen. Sollten sie diese Fremdlinge für übernatürliche Wesen ansehen, die gekommen waren, ihre Vergehen zu bestrafen und an ihrem Glücke zu arbeiten, oder wohl als Feinde ihrer Ruhe und ihrer Freiheit? Die Betheuerungen,womit sie die von Osten Gekommenen überhäuften, daß sie jenes Land besetzt hatten, um sie zur Erkenntniß der Wahrheit zu führen, gaben der ersten Meinung einige Wahrscheinlichkeit; in Erwartung ihrer Gewaltthätigkeit, ihrer Habgier und ihres Betragens aber konnten sie nicht umhin, vor solchen Fremdlingen bange zu sein. Unter keinen Umständen ist die Seelenruhe mit dem Aberglauben und den Vorurtheilen vereinbar. Die Peruaner hielten die Sonne, ihren Gott und Vater, für beleidigt, die Spanier für ihre Rächer und sie mußten bestürzt sein.Sobald als Pizarro sein Quartier in Tumbez aufgeschlagen hatte, sandte er an Luque und Almagro ausführliche Berichte hinsichtlich der Hoffnungen, welche die Goldländer, die er besetzte, versprachen. Voll Ehrgeiz und Fanatismus, schickten sich, bald um die großen Auslagen der Expedition zu erstatten, bald um ihre religiöse Lehre auszubreiten und um ihre Namen zu verewigen, diese beiden Seelen an, in Gefahr zu fliegen. Von dem Statthalter der Kolonie unabhängig, gingen sie gemäß den von Pizarro am Hofe von Madrid erlangten Vergünstigungen in aller Freiheit vor und waren in ihren Unternehmungen rasch und tüchtig. Die Schätze, welche die Abenteurer Mexikos nach Hause brachten, die neuen Nachrichten von den Reichthümern der peruanischen Küste und die auf den berühmten Namen Pizarros gestützten wirksamen Versprechungen Almagros und Luques, Alles, Alles half dazu, daß andere Abenteurer, begierig, auf den Raub auszugehen, nach Panama strömten.In wenigen Tagen konnten sie dreihundert Mann zusammen bringen, die sich in aller Eile einschifften, um nach Tumbez zu marschiren. Auf zwei leichten Fahrzeugen segelten sie nach San Mateo ab, wo Pizarro eine kleine Abtheilung gelassen hatte. Obschon Almagro bereits in jenen Gewässern kundig war, machten sie, tausend Gefahren trotzend, die Ueberfahrt in siebenzehn Tagen, während derer die Führer alle Mittel in Bewegung setzten, in ihren Soldaten den Anreiz, der sie verzehrte, zu beleben, und der Kapitän sie mit dem Tode vertraut machte, und der Verweser ihnen im Namen Gottes ewigen Ruhm versprach, wenn sie bei der Zerstörung der Götzenbilder der unschuldigen Sonnenanbeter umkommen sollten.Sie landeten endlich in San Mateo, umarmten zärtlich ihre Gefährten und folgten ihrem Wege nach Tumbez. Hier erwartete sie Pizarro mit Ungeduld, da er, obgleich besonnen, sich bei dem Durchmarsch von Coaque dadurch in übeln Ruf gebracht hatte, daß er die wehrlosen Indianer angriff und tausend Gewaltthätigkeiten verübte; der Schrecken aber, den die von Osten Gekommenen als Söhne der Sonne den unschuldigen Bewohnern der neuen Welt eingeflößt hatten, hielt alle Gemüther in Erwartung, und es war noch nicht zum Bruche gekommen. Atahulpa, der Herrscher von Peru, stand mit einem prächtigen, vortrefflichen Heere in Cajamalca, einer zwölf Tagereisen von Tumbez entfernten Stadt, aber die religiöse Furcht und die Betheuerungen Pizarros machten, daß er sie wie höhere, von seinem Gott gesandte Wesen ansah,um die Verbrechen des Bürgerkrieges, der in dem Reiche entbrannt war, zu bestrafen, und weit entfernt, zum Angriff überzugehen, trug er seinen Unterthanen auf, sie als Gesandte der Sonne zu behandeln. Ein einziger Augenblick jedoch konnte die Peruaner dieser traurigen Befangenheit entreißen und ihre Angreifer konnten sich vernichtet sehen. Immerhin waren sie in bedenklichen Umständen und Pizarro und seine Gefährten gaben bereits dem mächtigen Triebe ihrer Habgier und ihres gewaltthätigen Charakters nach und nur die Schätze und die Götzenbilder Perus vermochten ihre Sehnsucht zu stillen.In diesem Augenblicke langten Almagro und Luque in Tumbez an, und ihre erlittenen Drangsale und Gefahren vergessend, gaben sie sich, da sie den Augenblick, ihre Wünsche zu vollbringen, nahe sahen, den lebhaftesten Fröhlichkeitsergüssen hin. Pizarro hatte zweihundert Soldaten behalten, die mit den dreihundertundneun als Verstärkung Angekommenen das Heer der Eindringlinge ausmachten, welches ein ungeheures Reich beherrschen sollte. Unter dieser geringen Anzahl von Kämpfern zählten sie sechsundsechszig Pferde und drei Stücke Artillerie kleineren Kalibers; alle mit Feuerwaffen und verwegen, todesmuthig, fanatisch und ehrgeizig.Es würde scheinen, daß man sich mit einer so schwachen Abtheilung vergebens unterfinge, ein in Civilisation fortgeschrittenes und sehr bevölkertes Land von ungeheurer Bodenfläche zu plündern und zu zerstören, wenn wir uns nicht auf die betreffenden, bereitsangezeigten moralischen Heereskräfte verließen. Atahulpa hatte in Cajamalca sechszigtausend Streiter, welche tapfer und kriegerisch, aber ohne Mannszucht und ohne Kenntnisse in der Kriegsführung, und ohne andere Waffen waren, als einfache Bogen und Pfeile von geringer Festigkeit, die umsonst gegen die Rüstungen und Panzer der Spanier, die sie unverwundbar machten, anzukommen suchten; indem das einfache Leinen, womit sich die Peruaner bekleideten, die schneidende Schärfe der europäischen Waffen nur abstumpfte. Obschon die Peruaner ihre Wohnsitze und ihre Freiheit vertheidigten, fühlten sie doch den ganzen Muth vaterländischer Begeisterung, und die Habsucht und der Fanatismus, welche in den Herzen der Europäer brannten, trieb dieselben ebenso unerschrocken in den Tod. Der Ruhm als Sieger Mexiko’s flößte den einen die Gewißheit der Siege ein, indeß die andern, von einer religiösen Furcht beherrscht, es für eine Gotteslästerung hielten, ihre Pfeile auf ihre Gäste zu richten, und wie wenn ein vom Himmel entfesselter Blitz über ihren Häuptern niedergefahren wäre, warfen sie sich, als sie den todbringenden Knall der Kanone vernahmen, bei dem dumpfen Donner, der ihnen den Zorn Gottes, des Lichtes, verkündete, zitternd auf die Kniee nieder.So ungeheuer der Unterschied der numerischen Stärke der Heere war, so ungeheuer war auch der Unterschied der moralischen Stärke und der Sieg zweifelhaft. Die Einen wie die Andern rechneten auf kriegerische, tapfere Anführer und die einen wie dieandern Helden trachteten nach dem Siege und nach der Unsterblichkeit. Ruhig und tapfer, wußte Atahulpa den Gefahren zu trotzen; muthig und verwegen stürzte sich Pizarro in den Tod. Almagro empfand in Mitten seiner Kraftfülle den Zauber der Unsterblichkeit. Huascar, voll jugendlichen Feuers, auf den Schlachtfeldern erzogen, hatte den ganzen edlen Stolz eines Kriegers. Luque, das Cruzifix in der Linken und die Fackel in der Rechten, riß mit seiner Beredsamkeit die fanatische Menge mit sich fort und die peruanischen Priester wußten, den Weihrauch auf ihren Altären verbrennend, den religiösen Eifer ihrer Proselyten zu rühren. Das waren die Anführer und die Heeresmächte der kriegerischen Parteien.Als die Genossen bereits über den Feldzugsplan nachdachten, kam in Tumbez eine prunkvolle Abordnung Atahulpas an, um die von Osten Gekommenen zu begrüßen und sie zu bitten, jene Gebiete zu verlassen und wieder in ihre Heimath zurückzukehren. Der Kaiser konnte den Schrecken, den sie beim Betreten seiner Besitzungen einflößten, nicht verhehlen. An der Spitze der Abordnung war der Prinz Huascar, ein Jüngling aus der Familie der Inkas, der im Namen Atahulpas die Spanier als seine Verwandten, als Söhne der Sonne, anerkannte und ihnen seitens des Kaisers Früchte, Korn, silberne und goldene Gefäße und tausend smaragdne Kostbarkeiten überbrachte. So den Spaniern ihre Aufwartung erzeigend, wollten sie die Sonne, welche sie mit Peru erzürnt vermutheten, versöhnen; alle Völker überhäuften sie um die Wettemit Geschenken, liehen denselben ihre Dienste und trieben ihre Achtung bis zur Verehrung.Umsonst bat Huascar im Namen seines Kaisers Pizarro um befriedigende Erklärungen wegen seines Verbleibens in Tumbez und wegen seines feindseligen Betragens; er konnte nur als Antwort darauf erlangen, daß er seitens seines Gebieters, des großen Königs im Osten, dem Kaiser mündliche Mittheilungen zu machen hätte, und da er die ganze Macht seiner vortheilhaften Lage kannte, sprach Pizarro sanften aber prophetischen und erhabenen Tones mit Huascar. Noch ehe er weg ging, befahl er, seine Abtheilung zu versammeln, und lud den kriegerischen Peruaner ein, das Martialische der Vasallen des Königs im Osten zu sehen. Wirklich, als die Spanier anfingen, ihre Schwenkungen zu machen, schaute der tapfere Huascar mit Erstaunen die Pracht der Waffen, die Schnelligkeit der Pferde und die Einheit und Gleichförmigkeit der Bewegungen der Massen; beim Knattern der Gewehre aber und bei dem Donner der Kanone bemächtigte sich ein Schrecken seiner Blicke und in stumpfsinniger Ehrfurcht verabschiedete er sich von Pizarro und marschirte, in düstere Vorahnungen versunken, seinem Hofe zu.Pizarro beschränkte sich nicht blos darauf, ihm zu sagen, er habe dem Kaiser mündliche Mittheilungen zu machen, er hatte hinzugefügt, daß er dringend auf dessen Erlaubniß wartete, um nach Cajamalca zu ziehen und mit ihm zu sprechen, und daß er andernfalls den Weisungen gemäß, die er von seinem Herrn, dem König im Osten, empfangen hatte, handeln würde.Zu gleicher Zeit, als er angesichts Huascars seine Soldaten schwenken ließ, wollte er ihn mit seiner Artillerie erschrecken, damit man ihn für den Herrn der Blitze hielte, und er erreichte seinen Zweck. Als Huascar bei Hofe angekommen war, legte er Atahulpa den festen Vorsatz Pizarros, nach Cajamalca zu gehen, um mit ihm zu sprechen, dar, schilderte ihm mit Furcht und Zagen den Anblick und die Waffen der Spanier, und gab ihm durch das dumpfe Getöse des zwischen denhohenKlippen der Anden dahinrollenden Donners einen Begriff von dem Knall der Kanone. Huascar, der tapferste Krieger Perus, war der Feigheit nicht verdächtig und er machte Atahulpa schaudern.Der Kaiser versammelte die Klügsten und Aeltesten, um über den Ausbruch des Krieges oder die Duldung der von Osten Gekommenen zu berathschlagen; der Schrecken aber, der in ganz Peru allgemein war, und die freundschaftlichen Anerbietungen Pizarros ließen sie das Auskunftsmittel annehmen, einen neuen Boten nach Tumbez zu senden, daß die von Osten Gekommenen vor die Mauern Cajamalcas kämen. Wirklich ging eine neue Abordnung, Pizarro den Bescheid zu überbringen und das Reich erwartete mit der größten Angst den Ausgang eines so verworrenen Dramas. Die drei Genossen erkannten alsbald das Ehrwürdige, daß die Vorurtheile ihren Namen gemacht hatten, und sie zweifelten keinen Augenblick daran, ihren Marsch zu unternehmen.Kaum durchbrach eines Morgens im Oktober 1532 die Morgenröthe das Dunkel der Nacht, als, nachdemsich die Spanier vereinigt hatten, Luque mit dem ganzen religiösen Gepränge das Opfer der Messe feierte und die spanische Division ihren Marsch unternahm. Dem peruanischen Heere wäre es vielleicht ein Leichtes gewesen, die günstigen Stellungen, welche ihnen der Weg darbot, zu besetzen, die Spanier zu überraschen und in die Flucht zu schlagen, aber die Schlauheit Pizarros, die ihm die Freundschaft des Inkas gewann oder ihn mit Schrecken erfüllte, sicherte ihnen einen so schwierigen Durchzug. Die einsamen Ebenen zwischen Tumbez und Motupe erstrecken sich, ohne weder Wasser noch einen Baum, noch eine Pflanze, noch irgend welches Grün auf dieser entsetzlichen Strecke versengten Bodens anzutreffen, achthundert Meilen weit, die unglücklichen Peruaner aber, welche der Division als Lastthiere dienten, verschafften ihnen in dieser grauenhaften Einöde alles Nöthige. Von Motupe aus wandten sie sich den Gebirgen zu, die den untern Theil Perus umgeben, und kamen durch einen so schmalen und unzugänglichen Engpaß, daß eine geringe Anzahl von Soldaten ihn gegen ein mächtiges Heer hätte vertheidigen können: Aber durch die unvorsichtige Leichtgläubigkeit stellte sich den Auszüglern nicht das geringste Hinderniß entgegen, und ruhig nahmen sie Besitz von einer Festung, die diesen wichtigen Uebergang vertheidigte.Endlich langten sie vor Cajamalca an, wo auf einer ausgedehnten Ebene grobe Lagerzelte mit genügenden Vorräthen an Lebensmitteln zubereitet worden waren, in denen sie sich sehr bequem dem Schlafeund der Ruhe hingeben konnten. Bei ihrer Ankunft ließ Atahulpa sie ihre Freundschaftsschwüre erneuern und schickte ihnen noch reichere und auserlesenere Geschenke als zuvor und Pizarro, welcher die Denkungsart und die Großmüthigkeit der unschuldigen Bewohner der neuen Welt bereits kannte, überließ sich, in Erwartung des neuen Tages, wo er seinen Plan der Zerstörung und der Eroberung in’s Werk setzen konnte, dem Schlafe und der Ruhe. Die Peruaner kamen ihrem Schwure nach, weil sie es mit Göttern zu thun zu haben glaubten; die von Osten Gekommenen hielten sich nicht zu dieser religiösen Auffassung verpflichtet, weil sie Götzendienern schwuren, die im sechszehnten Jahrhundert verfluchte und verabscheuungswürdige Ungeheuer waren.Dekoratives Element

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Geschickt streute Pizarro die unermeßlichen Reichthümer, welche er der Hauptstadt von Coaque entzog, über Panama und die umliegenden Niederlassungen aus und machte so binnen kurzem, daß man in allen jenen Ländern die vortheilhaftesten Begriffe von den Schätzen Perus hegte; das Gerücht verbreitete sich und tausend Abenteurer strömten, begierig die reiche Beute zu theilen und ihre Habsucht zu sättigen, von allen Seiten herbei. In Tumbez einquartiert, erwartete er, um die Eroberung des Reiches zu unternehmen, die Ankunft seiner Gefährten und machte sich inzwischen mit den Gebräuchen der Peruaner bekannt, lernte ihre Sprache und bereitete sich auf den Triumph vor.

Die Peruaner konnten sich von der Absicht, in der die Spanier ihr Land besetzten, keinen genauen Begriff machen und sie ergingen sich in tausend Vermuthungen. Sollten sie diese Fremdlinge für übernatürliche Wesen ansehen, die gekommen waren, ihre Vergehen zu bestrafen und an ihrem Glücke zu arbeiten, oder wohl als Feinde ihrer Ruhe und ihrer Freiheit? Die Betheuerungen,womit sie die von Osten Gekommenen überhäuften, daß sie jenes Land besetzt hatten, um sie zur Erkenntniß der Wahrheit zu führen, gaben der ersten Meinung einige Wahrscheinlichkeit; in Erwartung ihrer Gewaltthätigkeit, ihrer Habgier und ihres Betragens aber konnten sie nicht umhin, vor solchen Fremdlingen bange zu sein. Unter keinen Umständen ist die Seelenruhe mit dem Aberglauben und den Vorurtheilen vereinbar. Die Peruaner hielten die Sonne, ihren Gott und Vater, für beleidigt, die Spanier für ihre Rächer und sie mußten bestürzt sein.

Sobald als Pizarro sein Quartier in Tumbez aufgeschlagen hatte, sandte er an Luque und Almagro ausführliche Berichte hinsichtlich der Hoffnungen, welche die Goldländer, die er besetzte, versprachen. Voll Ehrgeiz und Fanatismus, schickten sich, bald um die großen Auslagen der Expedition zu erstatten, bald um ihre religiöse Lehre auszubreiten und um ihre Namen zu verewigen, diese beiden Seelen an, in Gefahr zu fliegen. Von dem Statthalter der Kolonie unabhängig, gingen sie gemäß den von Pizarro am Hofe von Madrid erlangten Vergünstigungen in aller Freiheit vor und waren in ihren Unternehmungen rasch und tüchtig. Die Schätze, welche die Abenteurer Mexikos nach Hause brachten, die neuen Nachrichten von den Reichthümern der peruanischen Küste und die auf den berühmten Namen Pizarros gestützten wirksamen Versprechungen Almagros und Luques, Alles, Alles half dazu, daß andere Abenteurer, begierig, auf den Raub auszugehen, nach Panama strömten.

In wenigen Tagen konnten sie dreihundert Mann zusammen bringen, die sich in aller Eile einschifften, um nach Tumbez zu marschiren. Auf zwei leichten Fahrzeugen segelten sie nach San Mateo ab, wo Pizarro eine kleine Abtheilung gelassen hatte. Obschon Almagro bereits in jenen Gewässern kundig war, machten sie, tausend Gefahren trotzend, die Ueberfahrt in siebenzehn Tagen, während derer die Führer alle Mittel in Bewegung setzten, in ihren Soldaten den Anreiz, der sie verzehrte, zu beleben, und der Kapitän sie mit dem Tode vertraut machte, und der Verweser ihnen im Namen Gottes ewigen Ruhm versprach, wenn sie bei der Zerstörung der Götzenbilder der unschuldigen Sonnenanbeter umkommen sollten.

Sie landeten endlich in San Mateo, umarmten zärtlich ihre Gefährten und folgten ihrem Wege nach Tumbez. Hier erwartete sie Pizarro mit Ungeduld, da er, obgleich besonnen, sich bei dem Durchmarsch von Coaque dadurch in übeln Ruf gebracht hatte, daß er die wehrlosen Indianer angriff und tausend Gewaltthätigkeiten verübte; der Schrecken aber, den die von Osten Gekommenen als Söhne der Sonne den unschuldigen Bewohnern der neuen Welt eingeflößt hatten, hielt alle Gemüther in Erwartung, und es war noch nicht zum Bruche gekommen. Atahulpa, der Herrscher von Peru, stand mit einem prächtigen, vortrefflichen Heere in Cajamalca, einer zwölf Tagereisen von Tumbez entfernten Stadt, aber die religiöse Furcht und die Betheuerungen Pizarros machten, daß er sie wie höhere, von seinem Gott gesandte Wesen ansah,um die Verbrechen des Bürgerkrieges, der in dem Reiche entbrannt war, zu bestrafen, und weit entfernt, zum Angriff überzugehen, trug er seinen Unterthanen auf, sie als Gesandte der Sonne zu behandeln. Ein einziger Augenblick jedoch konnte die Peruaner dieser traurigen Befangenheit entreißen und ihre Angreifer konnten sich vernichtet sehen. Immerhin waren sie in bedenklichen Umständen und Pizarro und seine Gefährten gaben bereits dem mächtigen Triebe ihrer Habgier und ihres gewaltthätigen Charakters nach und nur die Schätze und die Götzenbilder Perus vermochten ihre Sehnsucht zu stillen.

In diesem Augenblicke langten Almagro und Luque in Tumbez an, und ihre erlittenen Drangsale und Gefahren vergessend, gaben sie sich, da sie den Augenblick, ihre Wünsche zu vollbringen, nahe sahen, den lebhaftesten Fröhlichkeitsergüssen hin. Pizarro hatte zweihundert Soldaten behalten, die mit den dreihundertundneun als Verstärkung Angekommenen das Heer der Eindringlinge ausmachten, welches ein ungeheures Reich beherrschen sollte. Unter dieser geringen Anzahl von Kämpfern zählten sie sechsundsechszig Pferde und drei Stücke Artillerie kleineren Kalibers; alle mit Feuerwaffen und verwegen, todesmuthig, fanatisch und ehrgeizig.

Es würde scheinen, daß man sich mit einer so schwachen Abtheilung vergebens unterfinge, ein in Civilisation fortgeschrittenes und sehr bevölkertes Land von ungeheurer Bodenfläche zu plündern und zu zerstören, wenn wir uns nicht auf die betreffenden, bereitsangezeigten moralischen Heereskräfte verließen. Atahulpa hatte in Cajamalca sechszigtausend Streiter, welche tapfer und kriegerisch, aber ohne Mannszucht und ohne Kenntnisse in der Kriegsführung, und ohne andere Waffen waren, als einfache Bogen und Pfeile von geringer Festigkeit, die umsonst gegen die Rüstungen und Panzer der Spanier, die sie unverwundbar machten, anzukommen suchten; indem das einfache Leinen, womit sich die Peruaner bekleideten, die schneidende Schärfe der europäischen Waffen nur abstumpfte. Obschon die Peruaner ihre Wohnsitze und ihre Freiheit vertheidigten, fühlten sie doch den ganzen Muth vaterländischer Begeisterung, und die Habsucht und der Fanatismus, welche in den Herzen der Europäer brannten, trieb dieselben ebenso unerschrocken in den Tod. Der Ruhm als Sieger Mexiko’s flößte den einen die Gewißheit der Siege ein, indeß die andern, von einer religiösen Furcht beherrscht, es für eine Gotteslästerung hielten, ihre Pfeile auf ihre Gäste zu richten, und wie wenn ein vom Himmel entfesselter Blitz über ihren Häuptern niedergefahren wäre, warfen sie sich, als sie den todbringenden Knall der Kanone vernahmen, bei dem dumpfen Donner, der ihnen den Zorn Gottes, des Lichtes, verkündete, zitternd auf die Kniee nieder.

So ungeheuer der Unterschied der numerischen Stärke der Heere war, so ungeheuer war auch der Unterschied der moralischen Stärke und der Sieg zweifelhaft. Die Einen wie die Andern rechneten auf kriegerische, tapfere Anführer und die einen wie dieandern Helden trachteten nach dem Siege und nach der Unsterblichkeit. Ruhig und tapfer, wußte Atahulpa den Gefahren zu trotzen; muthig und verwegen stürzte sich Pizarro in den Tod. Almagro empfand in Mitten seiner Kraftfülle den Zauber der Unsterblichkeit. Huascar, voll jugendlichen Feuers, auf den Schlachtfeldern erzogen, hatte den ganzen edlen Stolz eines Kriegers. Luque, das Cruzifix in der Linken und die Fackel in der Rechten, riß mit seiner Beredsamkeit die fanatische Menge mit sich fort und die peruanischen Priester wußten, den Weihrauch auf ihren Altären verbrennend, den religiösen Eifer ihrer Proselyten zu rühren. Das waren die Anführer und die Heeresmächte der kriegerischen Parteien.

Als die Genossen bereits über den Feldzugsplan nachdachten, kam in Tumbez eine prunkvolle Abordnung Atahulpas an, um die von Osten Gekommenen zu begrüßen und sie zu bitten, jene Gebiete zu verlassen und wieder in ihre Heimath zurückzukehren. Der Kaiser konnte den Schrecken, den sie beim Betreten seiner Besitzungen einflößten, nicht verhehlen. An der Spitze der Abordnung war der Prinz Huascar, ein Jüngling aus der Familie der Inkas, der im Namen Atahulpas die Spanier als seine Verwandten, als Söhne der Sonne, anerkannte und ihnen seitens des Kaisers Früchte, Korn, silberne und goldene Gefäße und tausend smaragdne Kostbarkeiten überbrachte. So den Spaniern ihre Aufwartung erzeigend, wollten sie die Sonne, welche sie mit Peru erzürnt vermutheten, versöhnen; alle Völker überhäuften sie um die Wettemit Geschenken, liehen denselben ihre Dienste und trieben ihre Achtung bis zur Verehrung.

Umsonst bat Huascar im Namen seines Kaisers Pizarro um befriedigende Erklärungen wegen seines Verbleibens in Tumbez und wegen seines feindseligen Betragens; er konnte nur als Antwort darauf erlangen, daß er seitens seines Gebieters, des großen Königs im Osten, dem Kaiser mündliche Mittheilungen zu machen hätte, und da er die ganze Macht seiner vortheilhaften Lage kannte, sprach Pizarro sanften aber prophetischen und erhabenen Tones mit Huascar. Noch ehe er weg ging, befahl er, seine Abtheilung zu versammeln, und lud den kriegerischen Peruaner ein, das Martialische der Vasallen des Königs im Osten zu sehen. Wirklich, als die Spanier anfingen, ihre Schwenkungen zu machen, schaute der tapfere Huascar mit Erstaunen die Pracht der Waffen, die Schnelligkeit der Pferde und die Einheit und Gleichförmigkeit der Bewegungen der Massen; beim Knattern der Gewehre aber und bei dem Donner der Kanone bemächtigte sich ein Schrecken seiner Blicke und in stumpfsinniger Ehrfurcht verabschiedete er sich von Pizarro und marschirte, in düstere Vorahnungen versunken, seinem Hofe zu.

Pizarro beschränkte sich nicht blos darauf, ihm zu sagen, er habe dem Kaiser mündliche Mittheilungen zu machen, er hatte hinzugefügt, daß er dringend auf dessen Erlaubniß wartete, um nach Cajamalca zu ziehen und mit ihm zu sprechen, und daß er andernfalls den Weisungen gemäß, die er von seinem Herrn, dem König im Osten, empfangen hatte, handeln würde.Zu gleicher Zeit, als er angesichts Huascars seine Soldaten schwenken ließ, wollte er ihn mit seiner Artillerie erschrecken, damit man ihn für den Herrn der Blitze hielte, und er erreichte seinen Zweck. Als Huascar bei Hofe angekommen war, legte er Atahulpa den festen Vorsatz Pizarros, nach Cajamalca zu gehen, um mit ihm zu sprechen, dar, schilderte ihm mit Furcht und Zagen den Anblick und die Waffen der Spanier, und gab ihm durch das dumpfe Getöse des zwischen denhohenKlippen der Anden dahinrollenden Donners einen Begriff von dem Knall der Kanone. Huascar, der tapferste Krieger Perus, war der Feigheit nicht verdächtig und er machte Atahulpa schaudern.

Der Kaiser versammelte die Klügsten und Aeltesten, um über den Ausbruch des Krieges oder die Duldung der von Osten Gekommenen zu berathschlagen; der Schrecken aber, der in ganz Peru allgemein war, und die freundschaftlichen Anerbietungen Pizarros ließen sie das Auskunftsmittel annehmen, einen neuen Boten nach Tumbez zu senden, daß die von Osten Gekommenen vor die Mauern Cajamalcas kämen. Wirklich ging eine neue Abordnung, Pizarro den Bescheid zu überbringen und das Reich erwartete mit der größten Angst den Ausgang eines so verworrenen Dramas. Die drei Genossen erkannten alsbald das Ehrwürdige, daß die Vorurtheile ihren Namen gemacht hatten, und sie zweifelten keinen Augenblick daran, ihren Marsch zu unternehmen.

Kaum durchbrach eines Morgens im Oktober 1532 die Morgenröthe das Dunkel der Nacht, als, nachdemsich die Spanier vereinigt hatten, Luque mit dem ganzen religiösen Gepränge das Opfer der Messe feierte und die spanische Division ihren Marsch unternahm. Dem peruanischen Heere wäre es vielleicht ein Leichtes gewesen, die günstigen Stellungen, welche ihnen der Weg darbot, zu besetzen, die Spanier zu überraschen und in die Flucht zu schlagen, aber die Schlauheit Pizarros, die ihm die Freundschaft des Inkas gewann oder ihn mit Schrecken erfüllte, sicherte ihnen einen so schwierigen Durchzug. Die einsamen Ebenen zwischen Tumbez und Motupe erstrecken sich, ohne weder Wasser noch einen Baum, noch eine Pflanze, noch irgend welches Grün auf dieser entsetzlichen Strecke versengten Bodens anzutreffen, achthundert Meilen weit, die unglücklichen Peruaner aber, welche der Division als Lastthiere dienten, verschafften ihnen in dieser grauenhaften Einöde alles Nöthige. Von Motupe aus wandten sie sich den Gebirgen zu, die den untern Theil Perus umgeben, und kamen durch einen so schmalen und unzugänglichen Engpaß, daß eine geringe Anzahl von Soldaten ihn gegen ein mächtiges Heer hätte vertheidigen können: Aber durch die unvorsichtige Leichtgläubigkeit stellte sich den Auszüglern nicht das geringste Hinderniß entgegen, und ruhig nahmen sie Besitz von einer Festung, die diesen wichtigen Uebergang vertheidigte.

Endlich langten sie vor Cajamalca an, wo auf einer ausgedehnten Ebene grobe Lagerzelte mit genügenden Vorräthen an Lebensmitteln zubereitet worden waren, in denen sie sich sehr bequem dem Schlafeund der Ruhe hingeben konnten. Bei ihrer Ankunft ließ Atahulpa sie ihre Freundschaftsschwüre erneuern und schickte ihnen noch reichere und auserlesenere Geschenke als zuvor und Pizarro, welcher die Denkungsart und die Großmüthigkeit der unschuldigen Bewohner der neuen Welt bereits kannte, überließ sich, in Erwartung des neuen Tages, wo er seinen Plan der Zerstörung und der Eroberung in’s Werk setzen konnte, dem Schlafe und der Ruhe. Die Peruaner kamen ihrem Schwure nach, weil sie es mit Göttern zu thun zu haben glaubten; die von Osten Gekommenen hielten sich nicht zu dieser religiösen Auffassung verpflichtet, weil sie Götzendienern schwuren, die im sechszehnten Jahrhundert verfluchte und verabscheuungswürdige Ungeheuer waren.

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