Kapitel III.

Braunschweig5 723Hessen-Cassel16 992Hessen-Hanau2 422Anspach-Bayreuth2 353Waldeck1 225Anhalt-Zerbst1 152Zusammen:29 867

Von diesen segelten etwas mehr als 18 000 Mann im Jahre 1776 nach Amerika. Von dieser Gesamtsumme von beinahe 30,000 Mann kehrten 12,554 nicht wieder nach Deutschland zurück. Ausser den Kontingenten, die durch die Verträge mit den deutschen Fürsten nach Amerika gesandt wurden, diente noch eine gewisse Anzahl Deutscher in Englischen Regimentern, von denen einige Aushebungs-Stationen am Rhein hatten.

Es ist schwer zu sagen, wie diese Händel zwischen England und den deutschen Fürsten von der öffentlichen Meinung in Deutschland damals beurteilt wurden. Schlözer's »Briefwechsel«, das erste deutsche Journal dieser Periode, kam in Göttingen, dem Hannoverschen Gebiet Georg's III. zugehörig, heraus. Es enthält viele Aufsätze über den Amerikanischen Krieg, die alle von Englischer Seite geschrieben sind mit der einzigen Ausnahme eines Briefes an Baron Steuben, der auf Seiten der Kolonien focht. Der Brief ist obendrein von dem Herausgeber in einer den Amerikanern übel gesinnten Weise mit Anmerkungen versehen. Dieser Ton mag vielleicht Schlözer durch die Umstände aufgezwungen worden sein, da die Presse in Deutschland mehr geduldet als frei war. Ein interessantes kleines Buch wurde inWolfenbüttel bei Braunschweig im Jahre 1778 veröffentlicht. Es enthält eine Beschreibung von Amerika, seiner Produkte, Geographie, seine Geschichte und eine vorzügliche Karte. Der Verfasser des Buches ist den Kolonisten durchaus feindlich gesinnt. Die Sendung von mehr als 17000 Deutschen nach Amerika ist nur kurz, man möchte sagen, nebenbei erwähnt, dagegen sind die ersten Operationen in diesem Kriege, und speziell dieser Hilfstruppen ziemlich ausführlich behandelt und doch war die Anwesenheit so vieler Deutscher in Amerika zweifellos der Hauptgrund für das Entstehen des Buches. Auch ist es billig, dass in jenen Tagen ein Aufruhr viel schärfer beurteilt wurde als heut zu Tage, und dass ein solcher in den Augen von konservativ denkenden Leuten nicht als ein politischer Fehler sondern als ein abscheuliches Verbrechen galt.

Ganz verschieden davon war die Art, in welcher die Liberalen Europas über den Krieg und die Söldner urteilten. Die Prinzipien, die im Begriff waren, der französischen Revolution die Wege zu ebnen, brachen sich Bahn, und einige der Darsteller dieses grossen Dramas begannen auf der Bühne zu erscheinen. Mirabeau, als Flüchtling in Holland weilend, veröffentlichte ein Pamphlet gerichtet »An die Hessen und andere deutsche Volksstämme, die von ihren Fürsten an England verkauft sind.« Es ist die Mirabeau'sche Schrift ein beredter Protest gegen die Raubgier der Fürsten und ein herrlicher Tribut, der dem Patriotismus der Amerikaner gezollt wird. Das Genie Mirabeau's konnte weit genug in die Zukunft sehen, um zu erkennen, dass der Nord-Amerikanische Kontinent einst ein Asyl für die Unterdrückten aller Nationen werden würde. Der gegen den Landgrafen von Hessen-Cassel geführte Schlag traf sein Ziel. Letzterer versuchte nicht nur die ganze Auflage des Pamphlets aufzukaufen, sondern veranlasste auch die Veröffentlichung einer Antwort, die wiederumeine Entgegnung zur Folge hatte, in welchem der zukünftige Tribun die Ansicht vertritt, dass ein Angriff auf die Freiheit der Nationen das grösste aller Verbrechen sei. In demselben Sinne schrieb Abbé Raynal und Andere, von denen einige zu dieser Zeit in Europa besser bekannt waren als Mirabeau, und gegen den ein Zeitungskrieg losbrach, der in den holländischen Zeitungen ausgefochten wurde, die damals die einflussreichsten, weil freisten auf dem Kontinent waren. In der Landes-Bibliothek in Cassel befindet sich ein interessantes kleines Pamphlet, herausgegeben im Jahre 1782 in französischer Sprache und ebenso in Deutsch. Dies Pamphlet war von Schlieffen, dem Gesandten Landgraf Friedrichs II., geschrieben. Der Schreiber weist auf die alte Erfahrung hin, dass die Menschen in allen Zeitaltern sich gegenseitig umgebracht hätten, dass die Schweizer lange Zeit gewöhnt gewesen als Söldner zu fechten, dass 10,000 Griechen unter Xenophon dasselbe gethan hätten, und er hielte es für ungerecht, seine Zeitgenossen für eine Sache zu tadeln, die in dem natürlichen Instinkt der Menschheit begründet läge. Er konstatierte, dass das gegenwärtige Vermieten von Truppen der zehnte Fall dieser Art seit Anfang des Jahrhunderts sei. Er wies auf die Wohlthaten hin, die der Landgraf seinem Lande hatte zu Teil werden lassen, und auf die Liebe, mit der ihn sein Volk verehrte. Er lenkte die Aufmerksamkeit, und dies war vielleicht sein bestes Argument, auf die Thatsache, dass der Landgraf von Hessen und der Herzog von Braunschweig so nahe mit dem englischen Königshaus verwandt wären, dass ihre Nachkommen eines Tages auf den grossbritannischen Thron berufen werden könnten. Die prahlerische Freiheit der Amerikaner wäre nur eine trügerische Sirene, denn die Geschichte bewiese, dass republikanische Regierungsformen ebenso tyrannisch und grausam wären wie Monarchieen.

Dahingegen war der Freiherr von Gemmingen, derGesandte des Markgrafen von Anspach, etwas beschämt über den Handel, den er abgeschlossen hatte. »Es kommt mir immer sehr hart an, mit Truppen zu handeln,« schreibt er an seinen Agenten in London, »aber der Markgraf ist entschlossen, die Sache um jeden Preis zu Stande zu bringen, um seine und seiner Vorgänger Schulden bezahlen zu können. Auf diese Weise wird freilich das Gute, das aus dem Subsidien-Vertrag entspringt, die schlechte Seite des Geschäfts überwiegen.« Später schreibt er: »Der Vertrag, den wir soeben abgeschlossen haben, ist viel günstiger, als wir erwarten konnten, wenn man bedenkt, dass das Anerbieten von uns aus ging und dass die königlichen Waffen bisher einen solchen Erfolg in Amerika gehabt haben. Die Sache wird natürlich in dem möglichst ungünstigsten Licht von Leuten angesehen werden, die es nicht verstehen, eine Staatsangelegenheit im Rahmen des Ganzen und nach ihren besonderen Motiven zu beurteilen. Aber sobald diese Leute sehen, wie fremdes Geld in unser armes Land fliessen wird, sobald sie sehen, dass dessen Schulden bezahlt werden, mit den Mitteln, die uns jetzt zufliessen, so werden sie und die ganze Welt entzückt sein und anerkennen, dass die Truppen, deren Pflicht es ist, die Feinde des Landes zu bekämpfen, den schlimmsten Feind besiegt haben, nämlich — unsere Schulden. Selbst der niedrigste Soldat, der nach Amerika geht, gut bezahlt und wohl versorgt, wird mit seinen Ersparnissen zurückkehren und stolz darauf sein, für sein Vaterland und seinen eigenen Vorteil gearbeitet zu haben ... Ich bin im Allgemeinen ein erklärter Feind von solchem Handel mit Menschen; aber es giebt Fälle, in denen Schlechtes sich in eine Wohlthat verwandelt, und so verhält es sich, wenn ich mich nicht irre, in diesem Falle.«

Friedrich der Grosse drückte in einem Brief an Voltaire (vom 18. Juni 1776) seine Verachtung über die mit Menschen handelnden Fürsten aus und fand etwasspäter Gelegenheit, ihnen Hindernisse in den Weg zu legen. »Wäre der Landgraf aus meiner Schule hervorgegangen,« schrieb er, »so würde er nicht seine Unterthanen an die Engländer verkauft haben, wie man Vieh verkauft, um es zur Schlachtbank zu führen. Dies ist kein schöner Zug in dem Charakter eines Fürsten, der sich rühmt, der Lehrmeister von Regenten zu sein. Ein solches Handeln ist durch nichts Anderes als durch schmutzigen Eigennutz hervorgerufen. Ich bedauere die armen Hessen, die ihr Leben unglücklich und nutzlos in Amerika enden.« Napoleon, der dreissig Jahre später den damaligen Landgrafen von Hessen-Cassel (den »Grafen von Hanau« der Verträge) vertrieb, äusserte sich folgendermassen: »Das Fürstenhaus von Hessen-Cassel hat viele Jahre lang seine Unterthanen an England verkauft. Auf diese Weise haben die Kurfürsten solche Schätze gesammelt. Diese Habsucht ist die Ursache des Sturzes ihrer Dynastie.«

Der angreifende oder sich rechtfertigende Ton der Minister der deutschen Despoten hatte wenig Einfluss, wenn ihre Herren sich einmal für eine Sache entschieden hatten. Der leidenschaftliche Protest eines jungen deutschen Poeten oder eines französischen Pamphletisten konnte schwerlich auf die Politik einen Einfluss ausüben. Der König von Preussen, dessen Wort in betreff des Verdingens von Soldaten für fremde Kriegsdienste Gesetz gewesen sein mag, zog es vor, mit Verachtung zu strafen, anstatt zu befehlen. Aber im Parlament von Gross-Britannien wurden die Verträge zwischen dem König von England und den deutschen Fürsten verhandelt durch verantwortliche Minister auf der einen Seite, und auf der andernSeite durch Staatsmänner, von denen einige eines Tages zur Macht gelangen konnten. Es ist richtig, dass die Majorität, welche die Regierung unterstützte, so erdrückend war, dass die Opposition keine Aussicht hatte, sie zu stürzen. Aber es lässt sich kaum bezweifeln, dass, obwohl die grössere Stimmenzahl auf Seiten der Tories im Parlament von 1776 war, das geistige Übergewicht auf Seiten der Whigs sich befand.

Am 29. Februar 1776 beantragte Lord North, die Verträge zwischen Seiner Majestät und dem Landgrafen von Hessen-Cassel, dem Herzog von Braunschweig und dem Erbprinz von Hessen-Cassel dem »Committee of Supply« zu überweisen. Er sagte, dass Truppen das beste und radikalste Mittel wären, um Amerika zum verfassungsmässigen Gehorsam zu zwingen, da man Soldaten auf diese Weise schneller und zu günstigeren Bedingungen bekommen könnte, als durch Aushebungen in der Heimat; dass die gemieteten Truppen weniger kosten würden, als man erwartet hätte und schliesslich, dass die Truppenmacht, die sie im Stande sein würden, nach Amerika zu senden, genügen würde, nach menschlicher Berechnung, das Land zu zwingen sich zu unterwerfen, vielleicht ohne ferneres Blutvergiessen.

Lord North wurde unterstützt von Mr. Cornwall, der das hohe Haus versicherte, dass er besser wie irgend Jemand in demselben Gelegenheit gehabt hätte, Mittel und Wege kennen zu lernen mit den deutschen Prinzen zu verhandeln und Truppen zu besorgen; dass seine jahrelange Stellung (als Sekretär in dem Zahlamt während des deutschen Krieges) ihm diese Gelegenheit gegeben hätte; und er wäre erstaunt zu hören, dass Leute, die mit den deutschen Verhältnissen bekannt wären, die gegenwärtigen Bedingungen ungünstig fänden. Er bestritt, dass die dem Herzog von Braunschweig im Voraus bezahlten zwei Monate Sold nichts weiter als ein Douceur wären, und blieb dabei, dass dieTruppen unter besseren Bedingungen wie je zuvor zu bekommen wären, besonders wenn das Geschäft noch im Laufe des Jahres effektuiert werden könnte, woran er keinen Grund hätte zu zweifeln.

Lord George Germaine verteidigte die Vorlage auf Grund der Notwendigkeit. Er zählte eine Reihe von Präzedenzfällen auf, um zu zeigen, dass in jedem Krieg oder Aufstand, England zu fremden Truppen seine Zuflucht hätte nehmen müssen um die Schlachten zu schlagen und das Land zu verteidigen. Lord Barrington, der im Innersten seines Herzens das allgemeine Verhalten der Regierung nicht gebilligt und der vergeblich den König gedrängt hatte, seine Entlassung anzunehmen, hatte die Vorlage in ähnlichem Sinne unterstützt. Er gab zu, dass der Handel kein günstiger sei, aber immerhin der beste, den man abschliessen könnte.

Auf der anderen Seite verwarf Lord John Cavendish die Vorlage in allen ihren Teilen. Britannien würde sich in den Augen von ganz Europa bloss stellen. Er machte Einwendungen gegen jeden einzelnen Paragraphen des Vertrags und hob hervor, dass eine Truppenmacht von 12,000 Fremden in das Gebiet der britischen Krone befördert werden sollte ohne unter Kontrolle weder des Parlaments noch des Königs zu stehen; denn der Vertrag sagte ausdrücklich, »dass dieser Truppenkörper unter dem Befehl der Generale bleiben sollte, denen er von Seiner Hoheit (dem Landgrafen) anvertraut würde.«

Lord Irnham zweifelte an der Kompetenz der Fürsten, solche Verträge abzuschliessen. Er hielt es für nicht vereinbar mit ihren Pflichten gegenüber dem Reiche, sie machten sich dadurch in den Augen von ganz Europa ehrlos und verächtlich: zur Unterstützung despotischer Gewalt eine Pflanzschule von Soldaten zur Verfügung zu stellen, denen, die mehr Geld, aber nicht mehr Recht und Wert hätten als die, die sie durch Geld unterwerfen wollten. Er verglich die Fürsten mit Sancho Pansa, derwünschte, dass wenn er ein Fürst wäre, alle seine Unterthanen Sclaven werden würden, die er durch Verkauf zu Geld machte.

Mr. Seymour antwortete Mr. Cornwall und forderte ihn auf, einen einzigen Fall anzuführen, in dem dieselbe Anzahl Truppen während derselben Zeit der Nation so viel Geld gekostet hätte.

Der Hon. James Lutrell wies darauf hin, dass bereits 150,000 Deutsche in Amerika wären und dass daher unter den angeworbenen Truppen leicht Desertionen vorkommen könnten. Edmund Brake stellte fest, dass für 1000 Fremde ebenso viel bezahlt würde wie für 1500 Eingeborene. Sir George Saville behauptete, dass dies der unvorteilhafteste Handel in dieser Art sei, der je abgeschlossen sei, seitdem es üblich wäre, Truppen anzuwerben; und Alderman Bull schloss die Debatte, indem er ausrief:

»Man lasse den Geschichtsschreiber nicht gezwungen sein zu sagen, dass die russischen und deutschen Sklaven die Söhne Englands und der Freiheit unterjocht haben, und dass unter der Regierung eines Fürsten aus dem Hause Braunschweig jeglicher schmähliche Versuch gemacht wurde, den Geist auszulöschen, den seine Vorfahren bezeugten und der sich trotz Verrat und Verfassungsbruch auf dem Throne festzusetzen wusste.« Des Alderman's Gesinnung war besser als seine Rhetoric, aber beides war gleich nutzlos. Die Vorlage wurde mit 242 Stimmen gegen 88 angenommen. Am 5. März 1776 beantragte der Duke of Richmond im Hause der Lords, man möge Seiner Majestät dem König eine Adresse unterbreiten, um ihn zu bitten, den Abmarsch der fremden Truppen zu inhibieren und Massregeln zu treffen, um die Feindseligkeiten in Amerika sofort zu sistieren. Der Protest drückte die Ansicht des Hauses aus über die Gefahr und die Schande der Verträge durch die Gross-Britannien vor ganz Europa bekennen müsste, dass es nicht im Stande sei, einerseits wegen Mangel an Soldaten, andrerseits wegen Abneigung der eigenen Leute gegen diesen Krieg, eine genügende Anzahl Leute für die erste Kampagne auf die Beine zu bringen. Es wäre traurig zu sehen, wie durch das Abziehen der nationalen Truppen (die ohnehin zu schwach wären für den unglücklichen Zweck, dem sie dienen sollten) Gross-Britannien entblösst und den Angriffen und dem Eindringen mächtiger Nachbarn und fremder Nachbarn ausgesetzt sein würde.

Das Dokument wies sodann darauf hin, dass eine Aussöhnung mit den Kolonien der Verwendung von Fremden vorzuziehen sei, die, wenn sie so weit von ihrer Heimat entfernt wären und unter dem Elend des Krieges, an dem sie kein Interesse hätten, leiden und so oft in Versuchung kommen würden, die Abhängigkeit mit der Freiheit zu vertauschen, viel eher meutern oder desertieren, als treu bleiben und mit Seiner Majestät eigenen Unterthanen gemeinsam operieren würden.

Indem auf die Gefahr hingedeutet, fremde Truppen in das Reich hineinzulassen und Klage erhoben wird, dass bereits zwei der stärksten Festungen von ihnen besetzt seien,[1]fährt der Protest fort: »Wir haben obendrein Grund zu befürchten, dass, wenn die Kolonien sehen, wie Gross-Britannien Bündnisse schliesst und Truppen zu ihrer Unterwerfung anwirbt, sie durch das gegebene Beispiel sich für berechtigt halten werden, Anstrengungen zu machen, um ebenfalls Beistand zu erlangen; und dass Frankreich, Spanien, Preussen oder andere Europäische Mächte denken werden, dass sie ein ebensolches Recht haben wie Hessen, Braunschweig und Hanau, sich in unsere inneren Angelegenheiten zu mischen.«

[1]Hannoversche Truppen waren nach Gibraltar und Port Mahon gesandt worden.

[1]Hannoversche Truppen waren nach Gibraltar und Port Mahon gesandt worden.

Darauf wurde auf die Gefahr hingewiesen, dass man verpflichtet sein würde, den Landgrafen von Hessen bei seinen Streitigkeiten in Europa zu unterstützen, und es wurde der Meinung Ausdruck gegeben, dass Gross-Britannien noch nie einen Vertrag eingegangen sei, der so teuer, so ungleich, so entehrend und in seinen Folgen so gefährlich sei.

Indem der Duke of Richmond den Protest einbrachte, gab er einen kurzen Überblick über die Verträge, die seit 1702 mit den Landgrafen von Hessen abgeschlossen worden seien, und zeigte, dass die aufeinanderfolgenden Landgrafen mit der Zeit ihre Forderungen gesteigert hätten, und dass, wenn sie versuchten, günstigere Bedingungen herauszudrücken, sie niemals unterliessen, ihre vorhergegangene Erpressung als Grundlage für den neuen Vertrag dienen zu lassen und immer eine neue Forderung an Gross-Britannien zu stellen. Dieser Vertrag sei »offenbar ein gewinnsüchtiger Handel, indem man eine Anzahl Söldner in Sold nehme, die man kaufe und verkaufe wie das Vieh, das zur Schlachtbank geführt würde ... Legt man aber den Verträgen eine Alliance zu Grunde, was würde die Folge sein? Dass, wenn eine dieser Mächte angegriffen oder ohne Grund einen Angriff provozieren würde, wir sie mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln unterstützen müssten. Folglich haben wir wegen des Beistandes von wenigen Tausend Söldnern nicht nur doppelt zu bezahlen, sondern wir gehen auch eine feierliche Verpflichtung ein, unsere Streitkräfte zu opfern und Hülfe zu leisten, wenn der Landgraf oder Herzog angegriffen oder ihm sein Besitztum streitig gemacht wird.«

Der Duke of Richmond bezeichnete es ferner als eine Gefahr, einen Truppenkörper von 12,000 fremden Söldnern zu haben unter dem Kommando eines von dessen eigenen Generalen, bei dem die Möglichkeit nicht ausgeschlossen sei, dass er zum Höchst-Kommandierenden befördert werden könne; es könne eine grosse Verwirrung entstehen durch Streitigkeiten zwischen dem fremden und eigenen kommandierenden General.

Der Earl of Suffolk antwortete für die Regierung:»Der Tenor der Verträge,« sagte er, »ist kein anderer als er es bei früheren Gelegenheiten gewesen ist. Der gegenwärtige, das ist wahr, ist voll von schwülstigen hochtönenden Phrasen von einem Bündnis, und ich bin so offenherzig, dem edlen Herzog zu bemerken, dass ich sie nur als solche ansehe; und ich gehe soweit, zu sagen, dass die wahre Absicht der Verträge die ist, weniger ein Bündnis zu schliessen als einen Truppenkörper anzuwerben, den der gegenwärtige Aufstand in Amerika notwendig erscheinen lässt.«

Indem Lord Suffolk somit die Bedingungen des Vertrages, für den er persönlich verantwortlich war, in das richtige Licht gesetzt hatte, fuhr er fort nachzuweisen, dass die Bedingungen vorteilhaft sein würden, wenn man die Truppen nur ein Jahr gebrauchen würde, dass man aber unter allen Umständen, wenn die Soldaten gebraucht würden, sich den gestellten Bedingungen fügen müsste.

Der Earl of Carlisle war überzeugt, dass die Arbeitskräfte, die durch die Industrie in Anspruch genommen würden, der geringe Nutzen einer neuen Aushebung, wenigstens für die erste Kampagne und der Wunsch jedes Vaterlandsfreundes, den unglücklichen Verhältnissen ein schnelles Ende bereitet zu sehen, dass dies Alles die Notwendigkeit der Verwendung fremder Truppen genügend rechtfertigen würde. Man sollte bedenken den schwerfälligen Koloss, den das Reich bildete und die Operationen, die selbst im Falle eines Defensivkrieges nötig sein würden, und stellte anheim, ob es einem so unbedeutenden Stück Land, wie die Insel Gross-Britannien möglich sei, eine Zahl aufzubringen, die genügten, um Operationen zu führen, die derartige Anforderungen stellen würden.

Die Debatte zog sich sehr in die Länge und wurde mit grosser Erbitterung geführt. Auf Seiten der Whigs klagte der Duke of Cumberland — »Braunschweiger zu sehen, die einst — was ihnen zu grosser Ehre gereichte — zur Verteidigung der Freiheiten der Unterthanen Verwendung fanden, und jetzt nach einem andern Teil des grossen Reiches gesandt werden, um sie der konstitutionellen Freiheiten zu berauben.« Der Duke of Manchester führte aus, dassderMensch für einen Söldling gehalten werden müsste, der für Geld um einer Sache willen kämpft, an der er keinen Anteil hat. Der Earl of Helburne gab die Notwendigkeit der Verwendung fremder Truppen nicht zu und wurde hierin von Lord Carnden unterstützt, der das hohe Haus fragte, ob nicht der ganze Vertrag eine Zusammensetzung von Schande, Niederträchtigkeit und Betrügerei wäre, wie sie noch nie dem Parlament zugemutet worden wäre. »Ist einer unter Ihnen my lords,« fragte er, »der nicht vollkommen einsieht, dass das Ganze ein rein gewinnsüchtiger Handel ist, bei dem von der einen Seite Truppen gedungen, von der andern menschliches Blut verkauft wird; und dass die geduldigen Opfer, zum Abschlachten verkauft, die grössten Söldlinge in des Wortes schlimmster Bedeutung sind?«

Die Tory-Lords scheinen sich weniger an der Debatte beteiligt zu haben, wahrscheinlich, weil sie es für unnötig hielten zu sprechen, da sie in der Majorität waren. Die Vorlage wurde mit 100 gegen 32 Stimmen abgelehnt.

Es scheint mir, als ob die Lords nicht ganz gerecht in ihrem Urteil über die deutschen Soldaten gewesen wären. Die meisten dieser armen Teufel fochten nicht um Geld, sondern weil sie es nicht ändern konnten. Die Leute, die wirklich »Söldlinge in des Wortes schlimmster Bedeutung« waren, waren der Landgraf, der Herzog und die Fürsten; aber man konnte von den edlen Lords kaum erwarten, dass sie dies aussprechen würden.

Was die Haltung der britischen Regierung beim Anwerben der Truppen anbetrifft, so ist klar, dass ihr kein anderer Weg übrig blieb, wenn der Krieg energisch durchgeführt werden sollte. Infolge des Misskredits, in dem reguläre Soldaten bei den Engländern standen, war die britische Armee zu Friedenszeiten nicht so stark wiedie Zahl, die jetzt im Ausland aufgebracht werden sollten. Werbungen waren mit Schwierigkeiten verbunden, man erhielt durch sie nur rohe Rekruten. Die Konscription ist ein Ding der Unmöglichkeit in England. Wenn man Leute haben wollte, musste Lord North sie in Deutschland suchen.

Die Regierung und das Reich aber bezahlten einen enormen Preis für die Hilfstruppen. Die Antwort auf den Vertrag mit dem Landgrafen war die Unabhängigkeits-Erklärung. Die Verwendung von fremden Soldtruppen durch die britische Regierung wirkte zum grossen Teil mit, die Amerikaner zu dem Entschluss kommen zu lassen, ihre Lehnspflicht gegen die englische Krone abzuschütteln und Bündnisse mit deren früheren Feinden zu suchen. Die Gefahr, auf die in dem Protest der Lords hingewiesen worden war, wurde zur Wirklichkeit, und Männer von englischem Blut behaupteten, dass Frankreich ein ebensolches Recht wie Hessen hätte, sich in ihre inneren Streitigkeiten zu mischen.

Die Soldaten, welche die deutschen Fürsten an England vermieteten zur Unterdrückung der amerikanischen Revolution wurden auf verschiedene Weise zusammengebracht. In Hessen-Cassel war das Land in Distrikte eingeteilt gewesen, von welchen jeder eine bestimmte Anzahl Rekruten für ein bestimmtes Regiment zu stellen hatte. Die Offiziere waren indessen angehalten worden, soviel Fremde wie möglich der Armee zuzuführen, um die eigenen Distrikte zu schonen, deren Einwohner immer bei der Hand sein würden, wenn man ihrer im Notfall bedürfte. Es stand in den Armee-Vorschriften, dass diejenigen Regiments-Kommandeure oder Hauptleutesich am besten empfehlen würden, wenn sie versuchten, fremde Rekruten einzureihen. Die zwangsweise Rekruten-Aushebung war verboten, doch diese Bestimmung sollte wahrscheinlich nur auf die Eingeborenen Anwendung finden. Jedenfalls scheint es nicht die Thätigkeit der Werbeoffiziere vermindert zu haben, und in den kleineren Staaten hat wahrscheinlich ein solches Gesetz überhaupt nicht existiert. In Anspach durfte Niemand ohne Erlaubnis das Land verlassen oder heiraten. Es muss dabei erwähnt werden, dass in diesem Fall mit Land nicht Deutschland, sondern die Territorien des Markgrafen gemeint waren, und dass die Fremden, die der Landgraf angeworben haben wollte, die Unterthanen der benachbarten kleinen Fürsten waren. Werbeoffiziere waren über ganz Deutschland hin thätig. Lüderliche Kerle, Trunkenbolde, Vagabunden und Leute, die politische Umtriebe machten, wurden, wenn sie nicht über 60 Jahre alt, gesund und gut gewachsen waren, zwangsweise eingestellt. Mit dem Geschenk eines grossen, robusten Mannes empfahl sich ein Fürst dem andern in der angenehmsten Weise; in jedem Regiment waren viele Deserteure von anderen Staaten. Zusammen mit dieser gemischten Gesellschaft diente der ehrliche deutsche Bauernbursche. Es muss noch erwähnt werden, dass die Regimenter, die nach Amerika geschickt wurden, aus einem bessern Material bestanden, wie die Regimenter zu gewöhnlicher Zeit. —

Johann Gottfried Seume, welcher später einige Bedeutung als Schriftsteller erlangte, war ein Opfer des Werbesystems und hat eine Beschreibung seiner Erlebnisse hinterlassen. Seume war Student der Theologie in Leipzig, doch nachdem ihm religiöse Zweifel gekommen waren, welche seine Freunde — wie er wusste — verletzen würden, machte er sich zu Fuss auf den Weg nach Paris, mit einem Säbel an der Seite, mit einigen Hemden und Bänden der Klassiker in der Reisetasche und ungefähr 9 Thalern.Seine Reise sollte indessen eine andere Richtung nehmen. »Den dritten Abend übernachtete ich in Vach,« schreibt er, »und hier übernahm trotz allen Protest der Landgraf von Kassel, der damalige grosse Menschenmakler, durch seine Werber die Besorgung meiner ferneren Nachtquartiere nach Ziegenhain-Kassel und weiter nach der neuen Welt. Man brachte mich als Halbarrestanten nach der Festung Ziegenhain, wo der Jammergefährten aus allen Gegenden schon viele lagen, um mit dem nächsten Frühjahr nach Faucitts Besichtigung nach Amerika zu gehen. Ich ergab mich in mein Schicksal und suchte das Beste daraus zu machen, so schlecht es auch war. Wir lagen lange in Ziegenhain, ehe die gehörige Anzahl der Rekruten vom Pfluge und dem Heerwege und aus den Werbestädten zusammengebracht wurde. Die Geschichte dieser Periode ist bekannt genug: niemand war damals vor den Handlangern des Seelenverkäufers sicher; Überredung, List, Betrug, Gewalt, alles galt. Man fragte nicht nach den Mitteln zu dem verdammlichen Zwecke. Fremde aller Art wurden angehalten, eingesteckt, fortgeschickt. Mir zerriss man meine akademische Inskription, als das einzige Instrument meiner Legitimierung. Am Ende ärgerte ich mich weiter nicht; leben muss man überall: wo so viele durchkommen, wirst du es auch: über den Ozean zu schwimmen war für einen jungen Kerl einladend genug und zu sehen gab es jenseits auch etwas. So dachte ich. Während unseres Aufenthalts in Ziegenhain brauchte mich der alte General Gore zum Schreiben und behandelte mich mit vieler Freundlichkeit. Hier war denn ein wahres Quodlibet von Menschenseelen zusammengeschichtet, gute und schlechte, und andere, die abwechselnd beides waren. Meine Kameraden waren noch ein verlaufener Musensohn aus Jena, ein bankerotter Kaufmann aus Wien, ein Posamentierer aus Hannover, ein abgesetzter Postschreiber aus Gotha, ein Mönch aus Würzburg, ein Oberamtmann aus Meiningen,ein preussischer Husarenwachtmeister, ein kassierter hessischer Major von der Festung und andere von ähnlichem Stempel. Man kann denken, dass es an Unterhaltung nicht fehlen konnte; und eine blosse Skizze von dem Leben der Herren müsste eine unterhaltende, lehrreiche Lektüre sein. Da es den meisten gegangen war wie mir, oder noch schlimmer, entspann sich bald ein grosses Komplott zu unser aller Befreiung.«

Es wurde Seume angeboten, Rädelsführer der Verschwörer zu sein, doch auf den Rat eines alten Feldwebels hin schlug er dies ehrenvolle Amt aus. »Man wollte um Mitternacht auf ein Zeichen ausziehen, der Wache stürmend die Gewehre wegnehmen, was sich widersetzte niederstechen, das Zeughaus erbrechen, die Kanonen vernageln, das Gouvernementshaus verriegeln und 1500 Mann stark zum Thore hinaus marschieren. In drei Stunden wären wir über der Grenze gewesen.« Jedoch das Komplott wurde verraten, die Rädelsführer wurden verhaftet, unter ihnen Seume. Er wurde aber bald wieder freigelassen, da niemand etwas gegen ihn aussagen konnte und besonders weil es zu viele geworden wären, die hätten bestraft werden müssen. »Der Prozess begann,« sagt er, »zwei wurden zum Galgen verurteilt, worunter ich unfehlbar gewesen sein würde, hätte mich nicht der alte preussische Feldwebel gerettet. Die Übrigen mussten in grosser Anzahl Gassen laufen, von sechsunddreissig Malen herab bis zu zwölfen. Es war eine grässliche Schlächterei. Die Galgenkandidaten erhielten zwar nach der Todesangst unter dem Galgen Gnade, mussten aber sechsunddreissig Mal Gassen laufen und kamen auf Gnade des Fürsten nach Cassel in die Eisen. Auf unbestimmte Zeit und auf Gnade in die Eisen waren damals gleichbedeutende Ausdrücke und hiessen so viel als »ewig ohne Erlösung.« Wenigstens war die Gnade des Fürsten ein Fall, von dem niemand etwas wissen wollte. Mehr als dreissig wurden auf dieseWeise grausam gezüchtigt, und Viele, unter denen auch ich war, kamen bloss deswegen durch, weil eine zu grosse Menge von Mitwissern hätte bestraft werden müssen. Einige kamen beim Abmarsch wieder los, aus Gründen, die sich leicht erraten lassen: denn ein Kerl, der in Cassel in den Eisen geht, wird von den Engländern nicht bezahlt.«

Bei Truppen, wie diese es waren, waren Desertionen natürlicherweise etwas gewöhnliches. Der Militärdienst war gefürchtet, und in kleineren Staaten hätte eine gelungene Flucht den Deserteur nach wenigen Meilen über die Grenze gebracht. Das Volk sympathisierte mit ihm und würde ihm geholfen haben, wenn hierauf nicht schwere Bestrafung gestanden hätte. Dies war indess nicht nötig. Wenn in Württemberg Allarm geschlagen wurde, musste sofort die ganze Gemeinde ausrücken und 24 Stunden lang die Strassen, Fusspfade und Brücken besetzen, bis der Flüchtling gefangen war. Wenn er entschlüpfte, so musste der Ort einen Ersatzmann stellen, der ebenso gross war wie der Deserteur, und die Söhne der ersten Männer des Ortes wurden in erster Linie genommen. Dieser Befehl musste jeden Monat einmal von der Kanzel verlesen werden. Wer einem Deserteur behülflich war, verlor die Bürgerrechte, wurde zu Zwangsarbeit verurteilt und im Gefängnis gepeitscht. Die Gesetze in Hessen-Cassel scheinen etwas weniger grausam gewesen zu sein. Bauern, die einen Deserteur festnahmen, bekamen einen Dukaten; aber wenn ein Deserteur ein Dorf passierte, ohne festgenommen zu werden, so musste das Dorf für ihn bezahlen. Jeder Soldat, der sich über eine Meile von seiner Garnison entfernte, musste mit einem Pass versehen sein, und alle Personen, welche ihm auf eine grössere Entfernung von zu Hause begegneten, sollten ihn danach fragen. Ein charakteristischer Fall ereignete sich 1738. Ein preussischer Werbeoffizier und die Frau eines preussischen Soldatenverleiteten einen Anspacher Soldaten zu desertieren um sich in die preussische Armee einreihen zu lassen. Sie wurden durch die Anspacher Behörde aufgefangen. Die Frau wurde gehängt; der Offizier musste bei der Exekution zugegen sein und wurde dann in die Festung eingesperrt. Der Deserteur scheint mit dem Leben davongekommen zu sein, da er ein wertvolles Verkaufsobject war.

Wenn der Rekrut in die Liste eingeschrieben war, musste der Offizier oder Unteroffizier ihn in die Garnison bringen. Dies gab natürlich Gelegenheit zum Entfliehen; Kapp führt aus einem Buch, das 1805 in Berlin gedruckt ist, die Vorsichtsmassregeln an, welche gegen diese Gefahr anzuwenden waren. Der Unteroffizier, der den Rekruten begleitet, muss Säbel und Pistolen tragen. Er muss den Rekruten vor sich her marschieren, ihn aber niemals zu nahe an sich herankommen lassen und ihm ankündigen, dass jeder verdächtige Schritt ihm das Leben kosten kann. Grosse Städte muss er vermeiden, ebenso Orte, wo der Rekrut vorher gedient hat. Es ist auch wünschenswert, den Ort zu vermeiden, wo der Rekrut geboren ist. Sie müssen die Nacht in einem Wirtshaus zubringen, dessen Besitzer Werbeoffizieren gut gesinnt ist. Der Rekrut und Offizier müssen sich beide auskleiden, und ihre Kleider sind vom Wirt aufzuheben. Wirtshäuser, wo Rekruten einquartiert werden, müssen besondere Räume dafür haben, möglichst eine Treppe hoch und mit vergitterten Fenstern. Die ganze Nacht muss ein Licht brennen, und der Unteroffizier muss seine Waffen dem Wirt abgeben, damit sie der Rekrut nicht wegnehmen und gegen ihn gebrauchen kann in der Nacht. Des Morgens bekommt er sie zurück, sieht nach der Ladung und dem Pulver auf der Pfanne, zieht sich an und ist reisefertig, bevor der Rekrut seine Kleider bekommt. Der Rekrut betritt ein Haus oder eine Stube zuerst; er verlässt es zuletzt. Bei den Mahlzeiten sitzter mit dem Rücken an der Wand. Erscheint er verdächtig, fliehen zu wollen, so müssen ihm die Hosenträger und -knöpfe abgeschnitten werden, so dass er die Hosen mit der Hand halten muss.

Ein guter Hund, der für dies Geschäft dressiert ist, wird für den Unteroffizier sehr zweckmässig sein. Wenn ein Unteroffizier unglücklicherweise gezwungen ist, einen Rekruten zu töten oder zu verwunden, so muss er eine Bescheinigung von der Ortsbehörde beibringen. Aber kein Dokument kann die Flucht eines Rekruten entschuldigen, ein Vorfall, der in Preussen als ganz unmöglich gar nicht der Erwähnung wert gehalten wird.

Die Leute, die zusammengebracht waren für den Dienst in Amerika, waren vom militärischen Standpunkt aus von sehr verschiedenem Wert. Sie wurden alle von einer englischen Kommission in den Seehäfen in Empfang genommen und vor der Einschiffung gemustert, gewöhnlich durch Oberst Faucitt, welcher die Verträge abgeschlossen hatte; während einige der Regimenter als vorzüglich befunden wurden, zeigte es sich, dass andere zum Teil aus alten Leuten und aus Knaben bestanden, die den Strapazen nicht gewachsen waren. Einige von den Soldaten wurden infolge dessen verworfen, besonders in den letzten Jahren des Krieges, als es in vielen Städten schwieriger wurde, gute Leute zu bekommen.

Es ist nach dem Quellenmaterial schwer zu beurteilen, welche Chancen ein gemeiner Soldat hatte zu avancieren. Seume schreibt, dass er Aussicht auf Avancement hatte, die aber durch die Beendigung des Krieges zerstört wurde, da in Friedenszeiten einer, der nicht adelig war, es nicht weiter als bis zum Feldwebel bringen konnte. Kapp behauptet, die Offiziere gehörten meistens dem niederen Adel an. Die Rangliste der hessischen Offiziere von 1779 weist dies nicht aus. Es zeigt sich, dass zu dieser Zeit mehr als die Hälfte der Offiziere nicht adelig war.

Wir kommen zum Schluss zur Charakterisierung der Offiziere. Ihre Bildung beschränkte sich im Allgemeinen auf ein gewisses Mass von Fertigkeit im Schreiben und auf ein wenig barbarisches Französisch. Sie verstanden weder die Ursache, aus welcher die Amerikaner kämpften, noch vor allen Dingen die Sprache, in welcher die verschiedenen Staatsmänner ihre Ansprüche geltend machten. Doch, wenn sie viel mehr verstanden hätten, als es der Fall war, sie wären auf der Seite königlicher Vorrechte den Rechten des Volkes gegenüber gewesen. Ich weiss mich keines Falles zu erinnern, in dem nur ein an diesem Krieg beteiligter Offizier einen Ausdruck gebraucht hätte, der eine Übereinstimmung mit der geistigen freiheitlichen Bewegung des 18. Jahrhunderts gezeigt hätte. Einmal finden wir sie von dem Despotismus des Kongresses sprechend. Diese absurde Idee war ihnen wahrscheinlich durch die Engländer eingeflösst worden und war von der anti-amerikanischen Presse in Deutschland aufgenommen worden. Es lässt sich schwerlich bezweifeln, dass viele der Offiziere sowohl als Soldaten mit Vergnügen ihrer Thätigkeit in Amerika entgegensahen, schon um die Eintönigkeit des Garnisondienstes zu unterbrechen.

Es bleibt noch zu erwähnen, dass viele der Soldaten, meist solche, die in Gefangenschaft geraten waren, Bürger der Republik wurden, welche sie helfen sollten zu unterdrücken.

Die ersten deutschen Truppen, welche nach Amerika gingen, waren die Braunschweiger. Diese marschierten am 22. Februar 1776, 2282 Mann stark, von Braunschweig ab und wurden in Stade, in der Nähe der Elbmündung, eingeschifft. Die zweite Braunschweiger Division, ungefähr 2000 Mann, schiffte sich Ende Mai ein. Die erste hessische Division brach Anfang März von Cassel auf und wurde in Bremerlehe, in der Nähe der Wesermündung, eingeschifft, die zweite Division folgte im Juni; sie zählten zusammen zwischen 12 und 13000 Mann. Sie waren zum grössten Teil ausgezeichnete und wohlausgerüstete Truppen, denn die kleine Armee des Landgrafen galt als eine der besten in Deutschland.

Der Marsch von Braunschweig und Cassel zu den Häfen war eine verhältnismässig einfache Sache. Die Truppen kamen aus den Gebieten der eigenen Fürsten in die hannöverschen Landesteile des Königs von England und diese reichten bis an die See. Der Fürst von Waldeck schickte sein Regiment durch Cassel ohne Störung. Der Graf von Hessen-Hanau, der Markgraf von Anspach-Bayreuth und der Fürst von Anhalt-Zerbst hatten einen längeren Weg zu machen und grössere Schwierigkeiten zu überwinden.

Die Truppen der letzteren sollten auf Booten den Rhein hinuntergeschickt werden. Abgesehen von mehreren kleinen deutschen, am Rhein gelegenen Staaten, welche ihnen den Durchgang verwehren konnten, war Preussen, dessen Territorien sie passieren mussten, im Stande, ihnen grosse Schwierigkeiten zu bereiten. Friedrich der Grosse versagte selbst seinem Neffen, dem Markgrafen von Anspach, seine Einwilligung, sein Land zu passieren. In einem Brief an ihn drückte er ihm sein Befremden aus, dass deutsche Fürsten das Blut ihrer Landeskinder für fremde Interessen opferten. Nebenbei war es ein kleiner Akt der Rache an England wegen dessen schlechten Verhaltens inbetreff des Hafens von Danzig.

Seume hat von seinen Erlebnissen auf der Seereise folgende Beschreibung hinterlassen:

»In den englischen Transportschiffen wurden wir gedrückt, geschichtet und gepöckelt wie die Heringe. Um Platz zu sparen hatte man keine Hängematten sondernVerschläge in der Tabulatur des Verdecks, das schon niedrig genug war, und nun lagen noch zwei Schichten übereinander. Im Verdecke konnte ein ausgewachsener Mann nicht gerade stehen und im Bettverschlage nicht gerade sitzen. Die Bettkasten waren für je sechs Mann. Wenn vier darin lagen, waren sie voll und die beiden letzten mussten hineingezwängt werden. Das war bei warmem Wetter nicht kalt: es war für den Einzelnen gänzlich unmöglich sich umzuwenden und ebenso unmöglich auf dem Rücken zu liegen. Die geradeste Richtung mit der schärfsten Kante war nötig. Wenn wir so auf einer Seite gehörig geschwitzt und gebraten hatten, rief der rechte Flügelmann: Umgewendet! und es wurde umgeschichtet: hatten wir nun auf der andern Seite quantum satis ausgehalten, rief das nämliche der linke Flügelmann. Die Verpflegung hielt gleichen Schritt mit der Unterbringung. Heute Speck und Erbsen und morgen Erbsen und Speck; zuweilen Grütze und Graupen und zum Schmause Pudding, den wir aus muffigem Mehl halb mit Seewasser, halb mit süssem Wasser und altem Schöpsenfett machen mussten. Der Speck mochte wohl vier oder fünf Jahre alt sein, war von beiden Seiten am Rande schwarzstriefig, weiter hinein gelb und hatte nur in der Mitte noch einen kleinen weissen Gang. Ebenso war es mit dem gesalzenen Rindfleisch. In dem Schiffsbrot waren oft viele Würmer, die wir als Schmalz mitessen mussten, wenn wir nicht die schon kleine Portion noch mehr reduzieren wollten: dabei war es so hart, dass wir nicht selten Kanonenkugeln brauchten es nur aus dem gröbsten zu zerbrechen; und doch erlaubte uns der Hunger selten, es einzuweichen; auch fehlte es oft an Wasser. Man sagte uns, und nicht ganz unwahrscheinlich, der Zwieback sei französisch; die Engländer hätten ihn noch im siebenjährigen Kriege den Franzosen abgenommen, seit der Zeit habe er in Portsmouth im Magazin gelegen, und nun füttere man die Deutschen damit, umwieder in Amerika die Franzosen unter Rochambeau und Lafayette, so Gott wolle, tot zu schlagen. Gott muss aber doch nicht recht gewollt haben. Das schwergeschwefelte Wasser lag in tiefer Verderbnis. Wenn ein Fass heraufgeschroten und aufgeschlagen wurde, roch es auf dem Verdeck nach einer Mischung von allen möglichen übeln Gerüchen. Es war angefüllt mit fingerlangen Würmern, und es musste durch Tücher gefüllt werden, bevor man es trinken konnte: und dann musste man immer noch die Nase zuhalten. Rum und manchmal ein wenig starkes Bier verbesserten das Getränk.«

Auf diese Weise zusammengepfercht, in dicker Luft, mit schlechter Nahrung und faulem Wasser, viele von ihnen ungenügend bekleidet, wurden diese Jünglinge, alten Leute, Studenten, Kaufleute und Bauern Monate lang auf dem Atlantischen Ozean herumgeworfen. Viele von den Leiden der Reise waren zweifellos unvermeidlich, und viele von den Rekruten waren schon an ein hartes Leben gewöhnt. Aber Vieles, was sie zu erdulden hatten, war das Resultat von einem absichtlichen Mangel an Fürsorge und grosser Habsucht. Was soll man sagen über das britische Quartiermeister-Departement, das diese Leute auf die See schickte ohne richtiges Essen und Trinken? Was vom Herzog von Braunschweig, welcher seine Unterthanen nach Canada ohne haltbare Schuhe und Strümpfe schickte und ohne Mäntel? Oft haben Menschen ein hartes Leben freudig ertragen, weil sie den Grund verstanden. Aber diese armen Kerle litten für einen Streit, der nicht ihr eigener war, nur um für die Mittel zu sorgen zur Bezahlung der Schulden oder der Vergnügungen ihrer Herren.

Die erste hessische Division, einige 8000 Mann stark, segelte an Sandy Hook am 15. August 1776 vorüber und landete auf Staten Island, empfangen von Artillerie- und Musketen-Salven. Die Division war unter dem Befehl von Generallieutenant Philipp von Heister, einem alten Soldaten des siebenjährigen Kriegs. Es wird erzählt, dass, als Landgraf Friedrich II. ihn zur Führung des hessischen Expeditionkorps berief, er ihn mit den Worten anredete: »Heister, Ihr müsst nach Amerika gehen.« — »Sehr gern, Hochfürstliche Durchlaucht, aber ich nehme mir die Freiheit einige Bitten auszusprechen.« — »Und die wären?« — »Erstens, müssten meine Schulden bezahlt werden, dann müsste für meine Frau und Kinder gesorgt werden, bis ich wiederkomme, und wenn ich fallen sollte, müsste meine Frau eine Pension bekommen.« Als der Landgraf dies lächelnd genehmigte, rief Heister aus: »Nun sollen Ew. Hochfürstliche Durchlaucht sehen, was dieser alte Kopf und diese alten Knochen noch leisten können.«

Die Armee, welche sich auf Staten Island unter dem Oberbefehl Sir William Howes sammelte, zählte nach Ankunft der Hessen zwischen 25 und 30,000 Mann. Sie wurde unterstützt durch eine Flotte unter Sir Williams Bruder, Lord Howe. Die gegnerische Armee unter Washington war etwa aus 13,000-14,000 Mann zusammengesetzt, von denen nicht mehr wie 6000 Mann einige militärische Ausbildung genossen hatten und deren Offiziere im bürgerlichen Leben gross geworden waren.

Die Hessen waren sehr erstaunt über den Reichtum und die Fruchtbarkeit, welche sie auf Staten Island vorfanden. Die Kolonisten lebten in bequemen Wohnhäusern,von Gemüse- und Obstgärten umgeben. Ihre hellroten, von zwei kleinen Pferden gezogenen Wagen erregten die Bewunderung der Deutschen. Ein Kolonist auf Staten Island lebte so angenehm wie ein deutscher Landedelmann, und es erschien den Hessen aussergewöhnlich, dass dies Volk sich gegen eine Regierung auflehnte, unter welcher es sich so vieler Segnungen erfreute. Viele Amerikaner waren bei der Annäherung der Hessen aus ihren Besitztümern geflohen und die, welche blieben, machten zuerst Miene, sich widerspenstig zu zeigen; aber als sie sahen, dass auf strenge Disziplin gehalten und regelrechte Requisitionen unternommen wurden, kehrten die Flüchtlinge zurück und es kam bald untereinander zu erträglichen, wenn nicht herzlichen Beziehungen. Die britische Regierung hoffte noch die Kolonisten zu versöhnen mit dem Mutterland, und strenge Befehle waren zur Vermeidung von Exzessen gegeben worden.

Sir William Howe begann mit der Vereinigung seiner Truppen die Vorbereitungen zum Angriff auf die Amerikaner. Die britische Avantgarde unter Sir Henry Clinton, vereinigt mit den hessischen Jägern und Grenadieren, die vom Oberst von Donop befehligt wurden, überschritten die Narrows of Long Island am 22. August 1776. Ein Tagebuch, welches im folgenden Jahr in einem »Magazin« in Frankfurt veröffentlicht wurde, giebt einen genauen Bericht über diese Operation und von denen, die noch folgten:

»22. August. Wir lichteten die Anker und segelten direkt gegen Long Island. Die Kriegsschiffe kamen bis auf Schussweite an das Ufer heran und richteten ihre Kanonen auf das Gestade. Um 8 Uhr morgens wimmelte es an der ganzen Küste von Booten. Um 1/2 9 Uhr hisste der Admiral die rote Flagge auf, und in einem Moment erreichten sämtliche Boote die Küste. Die Engländer und Schotten mit der Artillerie wurden zuerst ausgeschifft, und dann die Brigade Donop (die einzigen Hessenhier). Nicht eine Seele machte Widerstand gegen unser Landen. Dies war der zweite Fehler der Rebellen seitdem ich in Amerika bin. Der erste Fehler, den sie machten, war auf Staten Island, denn sie hätten dort einen grossen Teil der Unsrigen mit 2 6 Pfündern vernichten können, und jetzt hätten sie uns auch in eine schlimme Lage bringen können. Wir marschierten ebenfalls ungehindert durch Gravesend und kamen gegen Abend in Flatbush an. 300 Riflemen waren kurze Zeit vor uns dort gewesen. Wir schickten ihnen einige Kanonenschüsse nach, stellten unsere Pickets und schliefen ruhig die ganze Nacht. Ich machte eine Beute von 2 Pferden, von denen ich eines dem Oberst schickte, das andere meinem Diener als Packpferd gab.

»23. August. — Heute Morgen früh wurde der rechte Flügel unserer Avantgarde angegriffen. Wir brachten 2 Geschütze in Stellung und warfen sie zurück. Es regnete Kugeln. Hauptmann Congreve und ein Konstabler wurden an meiner Seite verwundet, ein Engländer bekam einen Schuss durch und durch. Am Nachmittag griffen sie auf der linken Seite des Dorfes an und zündeten mehrere Häuser an, worauf wir uns in das Dorf zurückzogen. Lieutenant von Donop wurde an der Brust verwundet; die Kugel streifte eine Rippe. Ich avancierte auf dem rechten Flügel und besetzte einen grossen Garten mit 150 Mann Jägern und leichter Infanterie. Als der Feind von hier gewichen war, unterstützte ich Lieutenant von Donop. Die Rebellen besetzten die Strasse mit 2 Kanonen und unsere schottischen Hochländer bauten eine Batterie über den Weg mit Schiessscharten für 2 Kanonen. Ich hatte diese Arbeit zu decken und hatte den äussersten Posten, wurde indessen wenig belästigt.

»24. August. — Ein heisser Tag. Die Rebellen näherten sich zweimal und schossen mit Haubitzen, so dass unsere gesamte Artillerie in Stellung gebracht werden musste. Um Mittag schlief ich ein wenig, wurdeaber durch zwei Kanonenkugeln geweckt, die mich mit Erde bedeckten. Die Rebellen haben einige sehr gute Schützen, doch manche darunter haben sehr schlechte Gewehre. Aber sie sind listig wie die Jäger. Sie erklimmen Bäume, kriechen auf dem Bauch wohl 150 Schritte vorwärts, schiessen und gehen ebenso schnell wieder zurück. Sie machen sich Deckungen von Ästen etc. Aber heute hatten sie grosse Verluste durch unsere »Grünjacken«, denn wir lassen unsere Leute nicht eher schiessen, als bis sie einen Mann gut auf's Korn nehmen können, so dass sie nicht mehr wagen, irgend etwas gegen uns zu unternehmen.

»25. August. — Wir verbarrikadierten uns in dem Dorf; des nachts sollten sich unsere Jäger gehörig ausruhen. Gegen 2 Uhr weckten uns die Rebellen aus unserem Schlummer; wir beruhigten sie schnell mit zwei Kanonen und einigen Flintenschüssen. Heute wurden wir wieder angegriffen, aber nachdem mehrere von ihnen ins Gras gebissen hatten, zogen sie sich zurück. Long Island ist eine wunderschöne Insel, ein Arkadien. Die entzückendste Gegend, voll von Wiesen, Kornfeldern, allen Arten von Obstbäumen und gut gebauten Häusern. Es war noch eine grosse Menge Vieh da, obwohl die Rebellen eine Menge mitgenommen hatten. Die meisten der Einwohner waren aus ihren Behausungen geflohen. Die Rebellen avancierten mit Macht. General Cornwallis wollte Oberst Donop zurückziehen, aber er blieb wo er war und verschanzte sich.

»26. August. — An diesem Tag wurden wir sehr beunruhigt und während der Nacht fortwährend geweckt durch die Allarmierung der Vorposten. Dies war nicht durch Angriffe der Rebellen verursacht, sondern meistens durch Deserteure, die zu uns übergehen wollten; und wenn die Engländer und die hessischen Grenadiere sie herankommen hörten, gaben sie sofort Pelotonfeuer, fallssie nicht sofort eine Antwort bekamen. Heute traf General von Heister mit 6 Bataillonen bei uns ein.«

»27. August. — Unserm Oberst war versprochen worden, den ersten Angriff zu machen, doch er hörte, dass die Engländer heute angreifen würden, und er hatte weder gestern Abend noch heute Morgen einen Befehl bekommen. Gegen 10 Uhr standen wir unter den Waffen (der Oberst hatte mit General von Heister gesprochen) und gegen 11 waren wir alle in Schlachtordnung. Auf unserer rechten und linken Seite gingen die Engländer vor und vernichteten die, die wir zurückwarfen. Auf dem linken Flügel, wo ich die Avantgarde (50 Jäger und 20 Grenadiere) kommandierte, stand Oberst Block mit seinem Bataillon. Hinter mir hatte ich Kapitän Mallet mit einer Kompagnie als Reserve. Im Zentrum griff Hauptmann von Wrede an und hatte das Bataillon von Minnigerode hinter sich. Auf dem rechten Flügel stürmte Kapitän Lory vor, unterstützt durch die 3 übrig gebliebenen Kompagnien des Bataillons Linsingen.«

Der Verfasser, der diese Formation der Truppen beschreibt, berichtet nur von der Brigade, in welcher er diente. Die Hessen, welche das Zentrum der britischen Streitkräfte bildeten, waren an der Strasse von Flatbush aufgestellt. Der rechte Flügel unter Clinton und Lord Percy, mit Sir William Howe, war früh am Morgen aufgebrochen und es gelang ihm, den linken Flügel der amerikanischen Stellung bei Bedford zu umfassen und ihnen in den Rücken zu kommen. Nachdem Heister zur Rechten Kanonendonner gehört hatte, befahl er den Angriff der Hessen. Die Schlacht war im Wesentlichen gewonnen und verloren, bevor der erste Schuss gefallen war, indem die Amerikaner überflügelt wurden. Die Letzteren sahen sich in Gefahr, von ihren befestigten Werken abgeschnitten zu werden und flohen. Einige ertranken im Gowanus Creek auf der Flucht. Zwei ganze Regimenter wären wahrscheinlich gefangen genommen,wenn sich nicht General Stirling mit fünf Kompagnien Marylanders, mit denen er den Rückzug deckte, geopfert hätte. Von diesen fünf Kompagnien entrannen nur acht Mann dem Tod oder der Gefangenschaft.

Kehren wir zu dem Tagebuch unseres hessischen Offiziers zurück.

»Meine Jäger waren so hitzig, dass ich, kaum im Wald angelangt, mich mit meiner Truppe allein befand. Ich kam in die Mitte des Lagers der Rebellen, wo sie noch waren; sah zu meiner Linken ihr grosses Lager, zur Rechten ein befestigtes Werk; vor mir formierten sich 50-60 Mann zu einer Kolonne. Aber wir liessen ihnen keine Zeit und schlugen sie vollständig zurück. Viele wurden getroffen und noch mehr gefangen genommen. Ich verlor nicht einen einzigen Mann, so sehr fürchteten sich die Rebellen vor unsern Jägern. Auf dem linken Flügel ging es ebenso gut. Wir verloren einige Leute; abgesehen von einem Jäger, der im Dorf gefallen war, hatten wir keinen Toten. Am ersten Tag machten wir mehr als 500 Gefangene, unter denen General Stirling und ein anderer General waren; Oberst Johnson war gefallen. General Stirling ist einer der bedeutendsten unter den Rebellen, der, das Schwert in der Hand, die Leute zwang, gegen ihren König zu kämpfen. So lange wir keine Pferde hatten, wurden die Gefangenen an die Geschütze gespannt, später wurden sie an Bord der Kriegsschiffe gebracht. In zwei Tagen hatten wir 1100 Mann gefangen genommen. Die Rebellen sahen sehr zerlumpt aus und hatten keine Hemden an. Unsere Hessen marschierten wie Hessen; sie marschierten tadellos, und die Engländer wie die tapfersten und besten Soldaten, sie verloren daher mehr wie wir. Dies war ein glücklicher Tag für uns. Die Rebellen hatten eine sehr günstige Stellung im Wald und wir eine sehr schlechte am Dorfe Flatbush. Anfangs machten sie einen guten Gebrauch von ihrer Stellung, sie brannten ein Haus abund legten Feuer an eine Scheune bei unseren Vorposten. Aber als wir sie angriffen in ihren Schlupfwinkeln, liefen sie, wie es der Pöbel immer macht.«[2]


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