[2]Nach »Die Neuesten Staatsbegebenheiten« 1777, Frankfurt a/M. Seite 110-116. Der Brief, von welchem das oben Angegebene der grösste Teil ist, scheint von einem Jägeroffizier geschrieben zu sein, wahrscheinlich entweder von Major von Prüschenk oder Lieutenant von Grothausen.
[2]Nach »Die Neuesten Staatsbegebenheiten« 1777, Frankfurt a/M. Seite 110-116. Der Brief, von welchem das oben Angegebene der grösste Teil ist, scheint von einem Jägeroffizier geschrieben zu sein, wahrscheinlich entweder von Major von Prüschenk oder Lieutenant von Grothausen.
Der Herausgeber des Frankfurter Magazins, welcher das Obige veröffentlicht, bemerkt, dass viele Briefe von hessischen Offizieren in den Zeitungen erschienen sind; dass diese Offiziere sich selbst einen grossen Teil des Verdienstes am Siege zuschreiben, und dass, hinsichtlich des wohlbekannten Wertes der hessischen Soldaten sie diesen zweifellos haben, aber dass einige von ihnen zu wenig die Widerstandsfähigkeit und die militärische Ausbildung der Amerikaner in Betracht ziehen, »so dass der Ruhm, einen Sieg über einen ein Drittel so starken Feind erfochten zu haben, kein so grosser ist.« Diese Bemerkung ist jedenfalls am Platz, und die Überlegenheit scheint nicht zu hoch angegeben zu sein. Washingtons Armee hatte vor der Schlacht die Linie von Kingsbridge bis Flatbush besetzt. Auf Long Island sind wahrscheinlich nicht mehr wie 8000 Amerikaner gewesen, während die, welche in vorderster Linie engagiert waren, nur 4 oder 5000 zählten, gegen 20,000 Engländer und Deutsche.
Sir William Howe giebt in seinem offiziellen Rapport den Verlust der Amerikaner an Toten, Verwundeten Gefangenen und Ertrunkenen auf 3300 Mann an. Bankroft glaubt aber, dass dies eine grosse Übertreibung ist, denn, wenn man dem Rapport von Washington Vertrauen schenkt und eine genaue Untersuchung anstellt, so erreicht der Gesamtverlust der Amerikaner nicht ganz die Zahl von 1000, von denen 3/4 gefangen genommen wurden. Der englische Verlust war, nach Howe, 17 Offiziere und 301 Unteroffiziere und Gemeine.Die Hessen hatten 2 Tote sowie 2 Offiziere und 23 Mann Verwundete.
»Der Feind,« schreibt Oberst von Heeringen, der Kommandeur eines hessischen Regimentes, »hatte vor seiner Front beinahe undurchdringliches Dickicht, befestigte Linien und Redouten. Die Schützen wurden meistens mit den Bajonetten an den Bäumen aufgespiesst. Dies furchtsame Volk flösst eher Mitleid wie Furcht ein. Sie gebrauchen 1/4 Stunde zum Laden, während dessen lassen wir sie unsere Kugeln und Bajonette fühlen.«
Unter den Gefangenen, die die Hessen machten, waren zwei Generale — Sullivan und Stirling. Nichts legt ein so charakteristisches Zeugnis ab von dem Hass und der Verachtung seitens der hessischen Offiziere gegenüber den undisziplinierten rebellischen Truppen ihrer Gegner, als der Bericht von Heeringens über diese Generale und die anderen Offiziere der amerikanischen Armee. »John Sullivan war ein Rechtsgelehrter und vorher Diener, aber ein Mann von Geist, dessen Verlust die Rebellen sehr beklagen werden. Unter den Gefangenen sind viele sogenannte Obersten, Oberstlieutenants, Majors und andere Offiziere, die indess nichts anderes als Mechaniker, Schneider, Schuster, Perückenmacher, Schneider etc. sind. Einige von ihnen wurden gründlich gehauen von unseren Leuten, die solche Menschen keineswegs für Offiziere gelten lassen wollten. Sullivan wurde zu mir gebracht, ich untersuchte ihn und fand die Originalbefehle Washingtons bei ihm vor, aus denen hervorgeht, dass er die besten Truppen unter seinem Befehl hatte, dass Alles davon abhinge, den Wald zu halten, und dass er 8000 Mann stark war. Die Engländer haben 150 Tote und Verwundete »(318 sagt Sir William Howe)«. Dies verdanken sie mehr ihrem ungeordnetem Angriff, als dem Wert des Feindes. Es sah schrecklich in dem Wald aus, da wenigstens 2000 Tote und Verwundete dalagen. Kolonel John von den Rebellen ist tot. Ein Grenadiernahm ihn gefangen und schenkte ihm grossmütig das Leben, sagte ihm aber, er sollte sich hinter das Bataillon begeben, welches folgte, da der Grenadier Schütze war. Jedoch der Oberst wollte ihn ermorden, von hinten schlauerweise; heimlich zog er eine Pistole heraus, streifte ihn aber nur am Arm, worauf der Letztere ihn mit 3 oder 4 Bajonettstichen niedermachte.«
SCHLACHT VON LONG ISLANDSCHLACHT VON LONG ISLANDAugust 1776.
»Unter den gefangen genommenen Offizieren fand ich nicht einen einzigen, der in fremden Diensten gewesen wäre. Sie sind nichts als Rebellen und hiesige Bürger. Schneider Graul würde eine bedeutende Rolle hier spielen.« Oberst von Heeringen findet es weit ehrenwerter, für anderer Völker Streitigkeiten zu kämpfen, als für die eigenen. Einem Mann, der einst Söldner war, konnte schon eher vergeben werden, wenn er zu den Rebellen gehörte. »Mylord Stirling ist ein échappé de famille und gilt nicht als Lord in England.« Er sieht dem Lord Granby ähnlich wie ein Ei dem andern. General Putnam ist Metzger von Profession. Er kommt mir wie Metzger Fischer in Rinteln vor. Die Rebellen desertieren in grosser Zahl; es ist gar nichts, Obersten, Oberstlieutenants und Majors mit ganzen Trupps von Leuten zu uns übergehen zu sehen. Die genommene Fahne, die von rotem Damast gemacht ist mit dem Motto »Liberty«, erschien mit 60 Mann vor Ralls Regiment. Sie hatten alle ihre Gewehre umgekehrt und die Hüte unter dem Arm, fielen auf die Knie und baten flehentlich um ihr Leben. Kein Regiment ist richtig uniformiert oder bewaffnet. Jeder Mann hat eine schlechte Flinte, solche, mit denen die hessischen Bürger am Himmelfahrtstag ausrücken. Stirlings Regiment jedoch hatte blau und rote Uniform, war drei Bataillone stark und bestand meistens aus Deutschen, die sich aus Pennsylvaniern rekrutierten. Es waren grosse, schöne Leute, die vorzügliche englische Gewehre mit Bajonett hatten. Diesem Regiment standen die Engländer gegenüber undda diese sie für Hessen hielten, so feuerten sie nicht. Doch dieser Irrtum kostete sie Oberst Grant, mehrere andere Offiziere und 80 Mann. Sie bekamen eine Salve. Die Engländer sammelten sich, griffen mit dem Bajonett an, schlugen alles zu Boden, und was nicht massakriert war, wurde gefangen genommen. In kurzer Zeit war das ganze Regiment vernichtet. Die Artillerie der Rebellen ist sehr schlecht, die Kanonen meist von Eisen und auf Schiffskarren gesetzt.
Es ist behauptet worden, dass in dieser Schlacht die Engländer und Hessen keinen Pardon gaben, wenn er verlangt wurde. Oberst von Heeringen sagt: »Die Engländer gaben selten Pardon und forderten beständig die Unsrigen auf, dasselbe zu thun.« Man sagt auch von den Amerikanern, dass sie geglaubt haben, die Hessen gäben keinen Pardon und dass sie infolge dessen mit einer eigentümlichen Verzweiflung gefochten haben sollen, nachdem sie alle Hoffnungen aufgegeben hatten. Die Thatsache, dass sie beiderseitig sich nicht verstanden, mag dahin geführt haben, die Möglichkeit der Übergabe zu verringern; auch mag zur Erhöhung der Wut beigetragen haben, dass einige Amerikaner die, welche sie gefangen genommen, verräterisch angegriffen hatten. »Sie waren,« sagt Lieutenant Rüffer in seinem Tagebuch, »so furchtsam, dass sie es vorzogen zu fallen, als Pardon anzunehmen, da ihre Generale und Offiziere ihnen gesagt hatten, sie würden gehängt.« Sicherlich der komischste Beweis von Feigheit, der jemals gegen Soldaten erbracht worden ist.
Nach dem Verlust einer so wichtigen Stellung und von so vielen Leuten im Verhältnis zur Zahl seiner kleinen Armee, fand es Washington nicht ratsam, die Befestigungen von Brooklyn länger zu halten zu suchen; nachdem er gesehen hatte, dass die englische Flotte sich anschickte den East River in Besitz zu nehmen und seine Rückzugslinie abzuschneiden, verliess er Long Island in der Nachtvom 29. zum 30. August und ging nach New-York über, wohin alle Vorräte und Kanonen, ausgenommen einige schwere Geschütze, die im Schmutz stecken blieben, gebracht wurden. Eine Mythe durchlief die Reihen der Hessen, wonach ein Befehl Washingtons in dem eroberten Lager gefunden worden sei, welcher sagte, da es doch unmöglich sei, solchen grausamen und schrecklichen Feinden, wie den Hessen, Widerstand zu leisten, so möchte jeder sehen, wie er am besten entkommen könnte. Dies war also die erste Schlacht der deutschen Truppen in der neuen Welt. Die Verachtung, die sie vor einem solchen rebellischen und undisziplinierten Feinde hatten, war nur vermehrt worden, eine Verachtung, welche völlig auszurotten, nur eine lange Reihe von Kriegs- und Unglücksjahren im Stande war.
Es existiert nicht mehr Vieles, was den jetzigen Einwohner von New-York an die kleine Stadt erinnern könnte, die vor 100 Jahren an der Südspitze von Manhattan Island lag. Es war ein hübscher Ort, mit grossen bequemen Häusern, die meist von gelben Ziegelsteinen gebaut waren. Die Räume darin waren kärglich eingerichtet, der Fussboden mit Sand bestreut, und die Wände mit hohem, gemalten Täfelwerk versehen. Die Büffets, die in den besseren Häusern von solidem Mahagoni waren, waren mit glänzendem zinnernen Gerät besetzt, oft auch mit solidem Silber für besondere Gelegenheiten. Die Strassen waren krumm und hatten Rinnen in der Mitte, waren aber vollständig rein und mit Bäumen besetzt. Vor dem Kriege hatte der Ort über20000 Einwohner gehabt, viele aber waren bei der Annäherung der streitenden Armeen geflohen. Es gab dort viele Tories, besonders unter den Reichen.
Zur Zeit, als Washington sich von Brooklyn zurückzog, wurde New-York verteidigt durch ein permanentes Fort, mit Namen Fort George, im Westen von einer Batterie, und durch provisorische Werke, die am Ufer entlang an verschieden Stellen aufgeworfen waren. Im Norden, landeinwärts, wurde der Broadway in der Nähe des Bowling Green durch eine Schanze gesperrt, und eine zweite befand sich in der Gegend des heutigen Centre-Market. Jenseits der Befestigungen lag eine Gegend, »die schönste, die ich je gesehen habe,« sagt ein hessischer Offizier.[3]Kornfelder, Wiesen und Obstgärten bedeckten das reizende Gelände, und von den Gipfeln der Berge und Hügel schauten die alten Kolonialhäuser, jedes mit einer Piazza und mit einer Ballustrade umgeben, herab in die lächelnde Landschaft. Der hessische Lieutenant bezeichnet sie in seinem Enthusiasmus mit Schlössern. Doch in der That, es war eine Vornehmheit in der Bauart der besten Wohnhäuser der damaligen Zeit, welche diese Bezeichnung nicht ganz unberechtigt erscheinen lässt.
[3]Lieutenant Hinrichs.
[3]Lieutenant Hinrichs.
Trotz aller Anstrengungen Washingtons und des Kongresses, im Besitz von New-York zu bleiben, war die Stadt doch völlig widerstandsunfähig. Die Engländer hatten völlige Herrschaft über den Hafen, und eine bedeutende Übermacht zu Lande. Als infolgedessen am 15. September 1776 die königlichen Truppen auf der Insel landeten, war die einzige Sorge Washingtons, der mehrere Tage lang Waffen und Vorräte wegschaffen liess, die Nachhut seiner Armee in Marsch zu setzen, bevor ihm der Rückzug von den Engländern abgeschnitten werden konnte. Die Landung war unter dem Schutz vonenglischen Kriegsschiffen an einer Stelle, Kips Bay genannt, (in der Nähe der östl. 34. Strasse) ausgeführt worden. Unser hessischer Lieutenant nennt es 4 Meilen von New-York, er überschätzt aber die Entfernung. Die Hessen waren in der Avantgarde, und wie gewöhnlich bildeten sie die Jäger und die Grenadiere unter von Donop. Diese marschierte unmittelbar auf New-York, während die englische leichte Infanterie und die Highlanders sich beeilten, den Inselberg, oder jetzt Murrayhill, zu besetzen. Unterdessen zogen die Amerikaner unter dem alten Israel Putmann in Eile auf den Strassen ab, die dem North River am nächsten lagen, in der Richtung auf Bloomingdale.
Der Landung der Briten war kein Widerstand geleistet worden. Die neuenglische Miliz, die dieselbe hätte etwas aufhalten können, benahm sich sehr schlecht, und zog sich die heftigste Missbilligung seitens Washingtons zu. Es wird erzählt, dass ein Teil der amerikanischen Armee zweifellos abgeschnitten worden wäre infolge dieser Panik, wenn nicht Mrs. Murray Sir William Howe durch ihre gastliche Aufnahme und die Anziehungskraft ihres alten Madeira aufgehalten hätte. Diese schätzenswerte Dame hielt den britischen General 2 Stunden lang bei guter Laune, während ihre zerlumpten und hungrigen Landsleute seinen Krallen entwischten. Niemals hat wohl die Gastfreundschaft von Murray-Hill einer bessern Sache gedient.
Am 16. September fand ein heftiges Gefecht in der Nähe von Manhattanville statt. Ein Teil der britischen Infanterie und zwei Bataillone Highlanders wurden zurückgeschlagen und waren in einer etwas prekären Lage, als die allgegenwärtigen Jäger und Grenadiere zu ihrer Unterstützung heranrückten; ebenso waren einige andere deutsche Regimenter in Bewegung gesetzt worden. Washington, der fürchtete, dass der Feind eine grössere Truppenmacht, als es in Wirklichkeit der Fall war, vorschieben würde, ordnete den Rückzug an. Die Engländer verloren 280 an Toten und Verwundeten, die Amerikaner ungefähr 60. Dies Gefecht, in dem die letzteren sich sehr gut benahmen und den Engländern einen verhältnismässig schweren Verlust beibrachten, trug wesentlich dazu bei, ihren Mut neu zu beleben nach den Rückzügen und Misserfolgen der vergangenen Tage.
Der britische General hatte strengen Befehl gegeben, das persönliche Eigentum zu respektieren, worauf sofort die reichen Besitzer der Landhäuser, die bei Annäherung der königlichen Streitkräfte geflohen waren und ihre Besitzung dem Schutz der Dienerschaft anvertraut hatten, zurückzukehren anfingen. Lieutenant Hinrichs von den hessischen Jägern, welcher am 15. Sept. Befehl erhalten hatte, Plünderungen zu verhüten, hatte sich hierbei die Dankbarkeit der Einwohner erworben. Er war in dem Gefecht am 16. verwundet und gezwungen worden sich nach ruhiger und guter Pflege umzusehen. Er suchte Schutz bei einer Witwe, namens Ogylby (Ogilvie?) in der Nähe von Hornhook am East River, und sah zu seiner Befriedigung die ganze Familie sich wieder vereinigen nach der durch die Kriegsgefahren verursachten Trennung. Grossvater, -mutter, Enkelkinder, zusammen mit ihren schwarzen Sklaven und deren Kindern sahen sich wieder und umarmten sich mit so viel Herzlichkeit, dass unser gutherziger Lieutenant sehr gerührt wurde und eine fieberhafte Nacht verbrachte. Es ist unnötig zu erwähnen, dass seine Wirte ihn mit der grössten Güte behandelten. Er wurde von dieser wie von andern Wunden, die er im Verlauf der Revolution erhielt, geheilt und starb als preussischer Generallieutenant im Jahr 1834.
Die Stadt New-York war nur fünf Tage in den Händen der Briten gewesen, als in der Nacht vom 20. zum 21. Septbr. in einer kleinen Schenke in der Nähe von Whitehall Slip Feuer ausbrach. Das Wetter war trocken und heiss gewesen. Starker Wind blies vonSüd-West. Das Feuer breitete sich mit fürchterlicher Heftigkeit aus. Die Ostseite von Broadway war bis Exchange Place abgebrannt. Als der Wind sich nach Südosten gedreht hatte, sprang das Feuer von Broadway nach Morris Street über und dehnte sich bis Barclay Street aus, wobei die alte Trinity Church abbrannte, St. Pauls aber verschont blieb. Schliesslich wurde man Herr des Feuers, besonders durch die Anstrengungen von Soldaten und Seeleuten. Bankroft behauptet bestimmt, dass dies Feuer nicht durch Brandstiftung verursacht wurde; die Briten und Hessen aber waren damals anderer Ansicht und einige moderne Geschichtsschreiber schenken ihren Berichten Glauben. Sir William Howe stellte in seinem Bericht fest, dass an verschiedenen Stellen Feuer angelegt worden sei. Eelking sagt, dass Donop in seinem Tagebuch verzeichnet habe, dass der Brand von einem amerikanischen Oberst Namens Scott, der früher Advokat gewesen war, in Szene gesetzt worden sei.
Dieser hätte dazu 40 verwegene Leute verwendet, die, mit allerhand Brennstoffen versehen, an verschiedene, im Besitz von Tories befindliche Häuser Feuer gelegt hätten. Dieser Geschichte zufolge wurde Scott verhaftet und der ganze Plan geschrieben bei ihm vorgefunden. Die Meinung derer, welche glauben, dass das Feuer von den Whigs angelegt worden sei, wird durch die zweifellose Thatsache bekräftigt, dass mehrere einflussreiche Amerikaner zur Verbrennung New-Yorks geraten hatten, und dass der Plan von Washington dem Kongress vorgelegt, aber verworfen wurde. Andrerseits lässt sich sagen, dass Panik und Leidenschaft, Geschichten von Brandlegung und Gewaltthätigkeiten, die beständigen Begleiterscheinungen einer grossen Feuersbrunst sind.
Berichte, die aus damaliger Zeit stammen, sollte man immer mit der grössten Vorsicht aufnehmen. Die Geschichte, welche Scott betrifft, ist, soviel ich weiss, durchaus unbegründet. Nur soviel ist sicher, dass verschiedene Personen während des Umsichgreifens des Feuers von englischen Soldaten getötet worden sind, und Bankroft sagt, dass ein armer Mensch, der zu den Tories gehörte, an den Beinen aufgehängt wurde, bis er starb.
Am 10. Oktober 1776 schiffte General Howe den grössten Teil seiner Truppen aus in der Absicht, noch einmal zu versuchen Washingtons Rückzugslinie abzuschneiden und ihn in Manhatten Island einzuschliessen. Vier Tage lang waren die Briten durch widrige Winde im East River festgehalten worden und waren nur soweit gekommen, Hellgate am Nachmittag des 14. zu passieren. Die Flotte lag die nächste Nacht vor Anker und brach am andern Morgen um 6 Uhr auf, wurde aber durch Winde und Sturmfluten aufgehalten, und erreichte Frogs Neck (oder Frogs Point, wie es Washington nennt), nicht vor Einbruch der Dunkelheit. Hier hatte Howe einstweilen seine Avantgarde gelandet, Washington aber war ihm zuvorgekommen und hatte die Übergänge, die zum Festland führen, besetzt. Howe beschloss infolge dessen vorzustossen und die Landung bei East Chester zu bewerkstelligen. Dies gelang ihm am 18. Oktober nach einem heftigen Gefecht. Die britische Armee stand jene Nacht unter Waffen mit dem linken Flügel an eine kleine Bucht bei East Chester angelehnt, mit dem rechten bei New-Rochelle. Unterdessen marschierten die Amerikaner eiligst auf White Plains, wo sie eine starke Stellung einnahmen und befestigten. Gerade in diesem kritischen Zeitpunkt vereinigte sich die zweite hessische Division mit dem Rest der Armee. Sie bestand aus 3997 Mann unter dem Kommando von Generallieutenant Wilhelm von Knyphausen, und hatte Cassel Anfang Mai verlassen. Das Waldeck'sche Regiment, 670 Mann stark, und die zweite Waldeck'sche Jäger-Kompagnie unter Hauptmann Ewald waren mit dieser Division gekommen. Auf diese Weise waren die deutschen Korps unter demKommando von General von Heister auf ungefähr 13,400 Mann gebracht worden. Die neue Division war zurückgelassen worden um New-Rochelle zu halten, während die Briten auf White Plains vorgingen.
Hauptmann Ewald und seine zweite Jäger-Kompagnie brauchten nicht lange zu warten bevor sie in Aktion kamen. Am 23. Oktober stiessen sie bei einer Rekognoszierung auf eine überlegene Zahl feindlicher Schützen und würden zurückgetrieben sein, wenn ihnen nicht die Hochländer zu Hilfe gekommen wären. Ein Lieutenant und sechs Mann wurden verwundet; von diesen starben vier nachher. Dies ist der deutsche Bericht in Eelkings Buch. Ich will auch den Bericht wiedergeben, welchen General Washingtons Stabschef in seinem Rapport an den Präsident des Kongresses giebt: »Am Mittwoch war ebenfalls ein scharfes Scharmützel zwischen einem Teil von General Hands Schützen, ungefähr 240, und beinahe derselben Anzahl hessischer Jäger, in welchem die letzteren geschlagen wurden. Unsere Leute beerdigten 10 derselben auf dem Gefechtsfelde, machten zwei Gefangene, von denen einer schwer verwundet war. Wir hatten keinen andern Verlust als einen, wie anzunehmen, tödlich Verwundeten.«
Am 28. Oktober fand Sir William Howe die Armee Washingtons vorteilhaft hinter dem Dorf White Plains postiert. Sie zählte etwas mehr als 13000 Mann, von denen etwa 1500 Chatterton Hill auf dem äussersten rechten Flügel der amerikanischen Stellung besetzt hielten, die von der Hauptmacht durch den Bronx-Fluss getrennt wurden. Sir William beschloss, diesen rechten Flügel anzugreifen. Ein englisches und zwei hessische Regimenter, unterstützt durch die hessischen Grenadiere, durchwateten die Bronx und erkletterten die steilen und felsigen Hänge des Berges. Das Regiment von Lossberg musste durch einen brennenden Wald angreifen und dem heftigsten Feuer der Amerikaner die Stirn bieten. SeinVerlust an Toten und Verwundeten betrug nahezu 50 Mann. Das Resultat des Kampfes würde zweifelhaft geworden sein, wenn nicht Oberst Rall, der sein eigenes Regiment und das nach Knyphausen benannte kommandierte, auch die Bronx durchwatet, die Amerikaner in der Flanke gefasst und die in der Front angreifenden Truppen unterstützt hätte. Der Fluss war tief und die hessischen Soldaten zögerten hineinzugehen. Aber die Lieutenants Wiederhold und Briede sprangen zuerst hinein, um sie durch ihr Beispiel anzufeuern. Von dem erstem dieser Offiziere werden wir noch mehr hören. Der zweite fiel wenige Tage später bei der Einnahme von Fort Washington.
Ein Teil der Amerikaner focht ganz gut bei dieser Gelegenheit, gegen eine weit überlegene Zahl. Sie hatten einen zweifellosen Vorteil durch ihre Stellung und machten einen guten Gebrauch davon, indem sie dem Feinde einen Verlust von ungefähr 280 Toten und Verwundeten beibrachten. Howe erwähnt in seinen Berichten den guten Dienst, den die englische und hessische Artillerie leistete. Heisters General-Adjutant sagt, dass die hessischen Feld-Geschütze einen solchen »Donner« machten, dass man weder hören noch sehen konnte. Die Amerikaner hatten nur drei kleine Kanonen auf dem Berge.
Die amerikanische Armee war zu dieser Zeit hauptsächlich aus Milizen, die von den verschiedenen Staaten nach kurzen Dienstperioden gesandt worden waren, zusammengesetzt. Diese Milizen waren in hohem Masse schlecht bewaffnet und in Lumpen, undiszipliniert und befehligt von Offizieren, die erst vor wenigen Monaten den Schreibpult oder Pflug verlassen hatten. Während einige von diesen improvisierten Offizieren Leute von Charakter und Talent waren, hatten andere nur das Verdienst, Geschicklichkeit im Ausheben von Leuten zu besitzen. Die ausgehobenen Leute aber wollten einen solchen Offizier nicht als ihresgleichen betrachten und behandeln»und in seiner Eigenschaft als Offizier nicht höher achten als einen Besenstiel,« sagt Washington. Einige der Amerikaner hatten sich durch tapfere Thaten hervorgethan, aber, wie alle rohen Rekruten, veranlassten sie Paniken, oft in ganz unvernünftiger Weise. Diese Thatsachen müssen fortwährend bedacht werden, wenn nicht die Geschichte der Revolution unverständlich werden soll. Sir William Howe andererseits kommandierte eine reguläre, disziplinierte Armee, welche kaum in Europa übertroffen wurde und mit Allem zur Führung eines Krieges Wünschenswerten versehen war.
Nach dem Gefecht von Chatterton Hill standen sich die Armeen drei Tage lang gegenüber und verstärkten ihre Verschanzungen. In der Nacht des 31. Oktober zog sich Washington in eine starke Stellung oberhalb White Plains zurück und Howe lenkte, nachdem er am folgenden Morgen die amerikanische Arriergarde belästigt hatte, seine Aufmerksamkeit einer neuen Idee zu.
Auf dem höchsten Punkt von New-York Island, wo sich ein Berg 238 Fuss über das Niveau des Hudson erhebt, hatten die Amerikaner ein fünfseitiges Erdwerk gebaut, welches sie Fort Washington nannten. Das Fort war mit 34 Kanonen armiert, hatte aber keine Kasematten. Das Vorfeld eignete sich gut zur Verteidigung und war besetzt von kleineren Werken von geringer Stärke. Das Ganze bildete eine Barriere über das obere Ende von Manhattan Island, um die Engländer zu verhindern, eine Expedition zu Lande zu machen und sich weder sichere noch bequeme Winterquartiere in New-York zu verschaffen. Auf der Jersey-Seite des Hudson, gegenüber Fort Washington, lag Fort Lee. Zwischen diesen hatte General Putnam es unternommen, eine unpassierbare Barriere, die den Fluss gegen die Briten verschliessen sollte, zu bauen. Die Werke waren unter dem unmittelbaren Kommando von General Greene. Am Morgen des 9. Oktober indessen waren dieHindernisse durchbrochen worden, und an den Forts vorbei fuhren zwei britische Schiffe von 44 Geschützen jedes, eine Fregatte von 20 Geschützen und 3 oder 4 Tender, welche 2 amerikanische Ruder-Galeeren auf dem Flusse genommen oder zerstört hatten. Angesichts dieser Thatsachen wollte Washington das nach ihm benannte Fort verlassen, welches in Gefahr war, umzingelt zu werden. Greene war entgegengesetzter Ansicht und der Kongress teilte dessen verblendete Idee. Die Autorität des Höchstkommandierenden war so beschränkt, dass es ihm nicht gelang, seinen eigenen Ansichten Geltung zu verschaffen. Anstatt die Besatzung von Fort Washington zurückzuziehen, wurde sie verstärkt, bis Oberstlieutenant Magaw, der es befehligte, beinahe 3000 Mann unter seinem Kommando hatte. Die Stellung, die besetzt werden sollte, war 2-1/2 Meile lang und schloss eine Redoute auf Laurel Hill mit ein.
Es war am 16. November 1776, als dieses Fort durch die Armee von Sir William Howe gestürmt wurde. Der Angriff wurde gleichzeitig von 4 Kolonnen gemacht, die gegen 4 verschiedene Punkte vorgingen, diejenige, welche den Hauptstoss führte und welcher der Ruhm des Tages gehörte, war aus Hessen unter Knyphausen zusammengesetzt. Diese Truppe setzte nach New-York Island über bei Kings-Bridge früh um 1/2-5 Uhr und war in zwei Kolonnen geteilt, die rechte unter Oberst Rall, die linke unter Generalmajor Schmidt. In letzterer war Wiederhold mit der Avantgarde. Während längerer Zeit mussten die Deutschen ruhig halten bleiben, bis die englischen Kolonnen zum Angriff angesetzt waren und denselben einleiteten. Unterdessen hatte Cornwallis die amerikanische Batterie auf Laurel Hill genommen. Earl Percy mit zwei englischen und einer hessischen Brigade hatte die amerikanischen Werke im Süden bedroht, und Oberst Sterling mit den Hochländern war hinter der Truppenabteilung, die Percy gegenüberstand, über denHarlem River gegangen und drohte dessen Rückzugslinie abzuschneiden. Hierbei mussten die Hochländer ein steiles Ufer hinauf angreifen und verloren dabei 90 Mann. Oberst Cadwalader, der in dieser Gegend die Amerikaner kommandierte, war gezwungen sich zurückzuziehen, und seine Leute, anstatt sich ausserhalb des Forts Washington zu sammeln, hatten sich in das Fort hinein gedrängt und behinderten dadurch die Vertheidigungs-Massregeln der eigenen Besatzung.
Es war zwischen zehn und elf Uhr. Der Moment für die Hessen zu attaquieren, war schliesslich gekommen. Sie wateten durch einen Sumpf und erklommen den steilen, felsigen Berg, auf den das Fort gebaut war. Vergebens feuerten die Scharfschützen auf sie, vergebens überschüttete sie die Artillerie mit einem Hagel von Granaten und Kartätschen. Knyphausen selbst war fortwährend im stärksten Feuer, »so dass es ein Wunder war,« schreibt Wiederhold, »dass er davon kam ohne totgeschossen oder verwundet zu werden.« Der Boden war so steil dort, dass die Leute sich am Gesträuch hinaufziehen mussten. Schliesslich erreichten sie die Höhe, wo eine ebene Stelle war. »Vorwärts, Grenadiere!« rief Rall. Die Tamboure schlugen, die Hornisten bliesen, die Leute schrieen Hurrah! Hessen und Amerikaner mengten sich massenweise untereinander und alle stürzten sich wild durch einander auf das Fort los.
Die Aussenwerke waren genommen und ihre Verteidiger zurückgetrieben, die die Verwirrung in dem Hauptfort noch vermehrten. Oberst Rall rief einen von seinen Kapitäns zu sich. »Hohenstein,« sagte er, »Sie sprechen englisch und französisch; nehmen Sie einen Tambour, befestigen Sie ein weisses Tuch an einem Kurzgewehr, gehen Sie in das Fort und fordern Sie die Übergabe.« »Ich that dies sofort,« schreibt der Kapitän, »allein sie feuerten beständig auf mich und den Tambour, bis wir auf die Glacies kamen, wo die Rebellen uns mitgeschlossenen Augen hinauf geleiteten. Ich verlangte den Kommandanten zu sprechen. Sie schickten mir einen Oberst (Cadwalader) zu, welcher Unterkommandant war, dem ich folgende Bedingung stellte: Er sollte sofort mit der Besatzung aus dem Fort herausmarschieren, und sie sollten vor General von Knyphausen die Waffen strecken. Die ganze Munition, der Proviant und alles was dem Kongress gehörte, sollte getreulich angegeben werden; dagegen ich ihm meine Parole gäbe, dass alle vom Kommandanten an, einem jeden seine Equipage sollte belassen werden, und endlich sollte eine weisse Fahne sofort aufgehisst werden, um alle Feindseligkeiten abzubrechen. Der Kommandant forderte vier Stunden Bedenkzeit, die ich ihm indessen verweigerte, und gestattete ich ihm nur eine halbe Stunde, um sich mit seinen Offizieren zu besprechen. Als die halbe Stunde verflossen war, kam der Kommandant selbst, sein Schicksal schien ihm ungünstig. Deswegen sagte er: »Die Hessen machen Unmöglichkeiten möglich.« Darauf sagte ich ihm: »General von Knyphausen steht 100 Schritt von hier. Kommen Sie auf meine Parole mit und sehen Sie zu, ob er Ihnen bessere Bedingungen stellen wird.« Er war damit zufrieden und ging mit mir.«
Magaw ergab sich Knyphausen, trotz der Nachricht von Washington, der ihn zu entsetzen versprach, wenn er bis zur Nacht aushalten könnte. Der Platz war indessen unhaltbar. Die Deutschen verloren 56 Offiziere und Leute tot und 276 Verwundete bei dem Angriff, die Engländer mehr als 120. Die Amerikaner verloren weniger als 150 Tote und Verwundete, aber ungefähr 2800 Gefangene, unter denen einige der besten Soldaten waren. Sie verloren auch einen grossen Teil ihrer Artillerie, viele Waffen und Ausrüstungsstücke.
Der Quartiermeister von dem Grenadier-Bataillon von Minnigerode sagt, indem er von dieser Schlacht spricht, dass, wenn nicht die Gefangenen gewesen wären, derVerlust der Deutschen weit grösser gewesen sein würde, als der von den Rebellen, und dass dies von der Art komme, wie die letzteren fechten. »Sie liegen einzeln hinter Bäumen, Büschen, Steinmauern und Felssteinen, schiessen auf grosse Distancen und mit Sicherheit und laufen ganz schnell weg, sobald sie gefeuert haben. Die Deutschen können nicht ein Drittel so weit schiessen und können viel weniger laufend sie erreichen, und das Terrain hier ist so, dass man die Feld-Artillerie bei einer Attaque selten heraufbekommen kann.«
Die Hessen sollen während des Angriffs kein Pardon gegeben haben den Scharfschützen, die sie in den Aussenwerken und in den Gehölzen fanden. Die Amerikaner, von denen viele dies gesehen haben müssen, waren natürlich mutlos zur Zeit der Übergabe. Der Volksmund hatte böse Feinde aus den Hessen gemacht. Kapitän von Malsburg erzählt, dass, als er in das Fort hineinkam, er sich umgeben fand von Offizieren, denen Furcht und Besorgnis auf den Gesichtern geschrieben stand. Sie luden ihn ein in ihre Kaserne, drangen ihm Punsch, Wein und Kuchen auf, machten ihm Komplimente wegen seiner Freundlichkeit, welche sie zu erstaunen schien, und sagten, sie hätten so etwas nicht von einem hessischen Offizier erwartet. Sie baten um seinen Schutz, und er dagegen hielt ihnen eine Strafpredigt über die Sünde der Empörung gegen ihren guten König.
Die Besatzung marschierte aus zwischen den Regimentern Rall und Lossberg hindurch, legte die Waffen nieder und übergab ihre Fahnen, die gelb, weiss und hellblau waren. Knyphausen soll auf diese »mit Verachtung« geblickt haben. Diese Haltung ist bezeichnend für das hessische Bewusstsein ihrer Stärke, doch der amerikanische Leser muss Trost finden in der Thatsache, dass innerhalb sechs Wochen die Fahnen der Regimenter Rall und von Lossberg wieder in den Händen von Washingtons Armee waren.
Die Hessen erwarben sich grossen Ruhm bei dieser Aktion. Schmidt, Stirn und Rall, und die Truppen unter deren Befehl wurden in den Tagesbefehlen ehrenvoll erwähnt, und das genommene Fort wurde Fort Knyphausen genannt.
Nach der Einnahme von Fort Washington zeigte Sir William Howe eine ungewohnte Thätigkeit. Das Fort war am 16. November 1776 gefallen und am 20. ging die britische Armee über den Hudson nach New-Jersey hinein. Fort Lee war hiermit nutzlos und unfähig zur Verteidigung geworden. Es wurde schleunigst geräumt und die Geschütze, Zelte und der Proviant darin im Stich gelassen. Mehr als 2000 Leute unter General Greene, die seine Besatzung gebildet hatten, entkamen notdürftig über den Hackensack, indem sie 73 Kranke zurückliessen. Der Zustand von Washingtons Armee war ein verzweifelter. Die Dienstzeit von vielen Milizen lief am 30. November ab. Diese waren nicht im mindesten zu bewegen sich wieder einreihen zu lassen, selbst für eine kurze Zeit, ebenso wie die Miliz von New-Jersey nicht ausrücken wollte, um ihren eigenen Staat zu beschützen; eine Brigade derselben löste sich auf an dem Tag, an dem die Briten in New-Brunswick einrückten. Washington hatte ein Detachement unter Lee östlich des Hudson gelassen, doch Lee missachtete nun Washingtons wiederholten Befehl sich mit ihm zu vereinigen und murrte, anstatt zu handeln. Ungefähr 2400 Mann unter Lord Stirling waren detachiert zum Schutz von Nord-New-Jersey und nach 4 Tagen beordert, den oberen Lauf des Delaware zu verteidigen; und der Oberbefehlshaber hatte auf einmal 3500 Mann weniger unter sich. DerMarsch der Briten durch New-Jersey wurde kaum gestört, obwohl sich Washington langsam vor ihnen zurückzog und die Brücken zerstörte. Am 8. Dezember zog er sich über den Delaware zurück und liess auf 70 Meilen alle Boote an dasjenige Ufer des Flusses bringen, an dem er sich befand. Es entstand eine Panik in Philadelphia, und der Kongress siedelte nach Baltimore über. Washington fühlte sich nicht im Stande, mit seiner Truppenmacht den Übergang der Briten über den Fluss zu verhindern. Howe war indessen nicht der Mann, einen Winterfeldzug mit Energie zu betreiben. Er kehrte nach New-York zurück indem er Cornwallis und nachher Grant den Oberbefehl in New-Jersey überliess. Bankroft erzählt uns, dass der Staat der Plünderung und der Gewaltthätigkeit preisgegeben war, und dass alle Versuche, die Hessen davon abzuhalten, aufgegeben wurden unter der Entschuldigung, dass die Gewohnheit des Plünderns das Desertieren verhindern würde. »Man machte sie glauben,« führt er nach dem offiziellen Bericht eines britischen Offiziers an, »bevor sie Hessen-Cassel verliessen, sie sollten nach Amerika kommen, um sich ihr Privat-Vermögen zu gründen, und bisher haben sie in der That nach diesem Prinzip gehandelt.« Washington, auf der andern Seite, schreibt am 5. Februar 1777: »Eine Thatsache muss ich zu Gunsten der Hessen anführen, und die ist, dass unsere Leute, die gefangen genommen worden waren, im Allgemeinen darin übereinstimmen, dass sie von diesen eine viel bessere Behandlung erfuhren, als von den britischen Offizieren und Soldaten.«
OPERATIONEN IN NEW JERSEY UND PENNSYLVANIEN.OPERATIONEN IN NEW JERSEY UND PENNSYLVANIEN. 1776.
Washington war in dem Glauben, dass die Operationen schnell wieder aufgenommen werden, und die Briten auf Philadelphia marschieren würden, so bald der Delaware zugefroren sein würde. Ein Brief, der einen oder zwei Tage vor Weihnachten aufgefangen wurde, bestärkte ihn in seiner Meinung. Es wurde vonder grössten Wichtigkeit, einen Streich zu führen, bevor der Feind sich anschicken würde, wieder vorzugehen und noch vor dem letzten Dezembertag, an dem die Dienstzeit von vielen seiner Leute ablaufen würde.
Die Art und Weise, in welcher General Grant, der britische Befehlshaber in New-Jersey, über die Truppen verfügte, war folgende: »Princetown und New-Brunswick wurden durch die englische Detachements gehalten.« Von Donop, der die hessischen Grenadiere und die 42. Hochländer kommandierte, stand in Bordentown. Rall, mit der Brigade, die für einige Zeit unter seinem Befehl gestanden hatte, 50 hessischen Jägern, 20 englischen leichten Dragonern und 6 Geschützen hatte Quartier in Trenton bezogen. Ralls Brigade war aus 3 hessischen Regimentern zusammengesetzt, welche die Namen Rall, von Knyphausen und von Lossberg trugen. Sie war von Qualität nicht wesentlich verschieden von anderen hessischen Brigaden. Das Regiment von Lossberg hatte sich besonders ausgezeichnet bei Chatterton Hill. Das Regiment Rall war aus schlechtem Material gebildet, es war eins von denen, welche in der Eile formiert wurden, um die Zahl der Soldaten voll zu machen, die der Landgraf zu stellen hatte, aber Cornwallis berichtete lange nachher einem Komitee des Hauses der Gemeinen, dass sich Ralls Brigade bei Fort Washington die Bewunderung der ganzen Armee errang.
Die Regimenter Rall und von Lossberg waren in dem nördlichen Teil von Trenton einquartiert, das Regiment von Knyphausen im südlichen, auf beiden Seiten der Brücke über den Assanpink. Auf dieser Brücke war eine Wache von 12 Mann aufgestellt. Die Soldaten lagen in den verschiedenen Häusern zerstreut, und bei gutem Wetter standen die Geschütze im Freien, von 2 oder 3 Leuten bewacht. Pickets waren auf den Strassen westlich des Nebenflusses vorgeschoben. Die Hauptwache bestand aus einem Offizier und 70 Mann.
Oberst Rall war ein tollkühner Offizier von der alten Schule. Man sagte, er habe darum gebeten, nach Trenton gelegt zu werden, weil er es für einen gefährlichen Posten hielt. Bei Chatterton Hill hatte er seine Sache sehr gut gemacht; er hatte mit seiner Brigade den amerikanischen rechten Flügel geworfen und das Schicksal des Tages entschieden. Er hatte einen Hauptanteil an der Erstürmung von Fort Washington genommen. Derselbe verwegene Geist, welcher in früheren Jahren ihn veranlasste mit den Russen unter Orloff als Volontär gegen die Türken zu kämpfen, leitete ihn bei jenen Gelegenheiten. Die Leichtigkeit, mit welcher er Siege erfochten hatte, seitdem er in Amerika war, hatte ihn mit einem übermütigen Vertrauen erfüllt. Die lumpigen Gesellen, welche durch New-Jersey hindurchgetrieben waren, möchten wohl eine Patrouille gefangen nehmen oder ein Picket zurückwerfen, aber sie wären, wie er dachte, ganz unfähig zu einem ernstlichen Angriff auf eine hessische Brigade. »Erdwerke!« sagte er mit einem Fluch zu Major von Dechow, der ihm riet, die Stadt zu befestigen; »lasst sie nur kommen! Wir werden sie mit dem Bajonnet empfangen;« und als derselbe Offizier ihn bat, einige Schuhe von New-York kommen zu lassen, erwiderte er, dass das Alles Unsinn sei. Er und seine Brigade wollten barfuss über das Eis nach Philadelphia laufen, und wenn der Herr Major keinen Teil an dieser Ehre haben wollte, möchte er nur wegbleiben. General Grant, der englische Oberbefehlshaber in New-Jersey, teilte Ralls Verachtung der Rebellen. Als derselbe ihm vorschlug, ein Detachement nach Maidenhead zu schicken, um die Verbindung zwischen Princetown und Trenton offen zu halten, antwortete er spöttisch, dass er die Jerseys mit einer Korporalschaft im Zaume halten wollte. Von Donop, der in Bordentown kommandierte, schickte einen Ingenieur-Hauptmann nach Trenton, um Rall zu bewegen, anzuordnen, dass der Ort verteidigungsfähigeingerichtet werde, aber letzterer ging nicht darauf ein. Erdwerke wären unnötig, sagte er. Die Rebellen wären Taugenichtse. Sie wären schon mehrmals unterhalb der Brücke gelandet und hätten unbelästigt davon kommen können, aber jetzt hätte er (Rall) Massregeln ergriffen. Wenn sie wiederkämen, wollte er sie nach guter Art zurückjagen. Er hoffte, Washington würde auch mit herüberkommen, dann könnte er ihn gefangen nehmen. Ralls Sorglosigkeit schien seinen Untergebenen so gefährlich, dass die Offiziere von dem Regiment Lossberg in einem Brief dem General von Heister Vorstellungen machten, aber zu spät.
Ralls Verachtung vor seinem Feind verführte ihn, die einfachsten Massregeln zu vernachlässigen. Er revidierte selten einen Posten, selten zog er einen Offizier zu Rate. Er verweigerte es, einen Platz für die Sicherheit der Baggage im Fall eines Angriffes zu bezeichnen. »Unsinn,« sagte er, als er aufgefordert wurde, dies zu thun, »die Rebellen werden uns nicht schlagen.« Doch die Leute wurden fortwährend angestrengt durch unnötigen Wachtdienst und Hinundhermarschieren. Am 22. Dezember bekamen zwei Dragoner, die mit einem Brief nach Princetown geschickt worden waren, Feuer aus einem Walde heraus. Einer von ihnen fiel, der andere ritt zurück nach Trenton und meldete den Vorfall. Darauf schickte Rall 3 Offiziere mit 800 Mann und 1 Kanone, um diesen Brief zu befördern, zur grossen Heiterkeit der Engländer. Das Detachement hatte bei schlechtem Wetter biwakieren und am nächsten Morgen zurückmarschieren müssen. Ein Sergeant und 15 Mann würden für diesen Dienst vollkommen genügt haben.
Am 24. Dezember 1776 war eine Rekognoszierungs-Abteilung in der Richtung auf Pennington vorgeschickt worden, wurde aber nach einem Marsche von einigen Meilen zurückberufen. In der Morgendämmerung des25. wurde auf die Pickets nördlich der Stadt von einer kleinen Rekognoszierungs-Abteilung der Amerikaner ein Angriff gemacht. Der Feind wurde zurückgeschlagen mit einem Verlust von 6 Verwundeten auf Seite der Deutschen. Eine Patrouille von 30 Mann unter einem Fähnrich wurde eine oder zwei Meilen zur Verfolgung der zurückgehenden Amerikaner vorgeschickt, konnte sie aber nicht mehr einholen. Das Picket an dem Schnittpunkt der obern Strasse am Fluss mit der nach Pennington wurde daraufhin durch 10 Mann verstärkt unter Lieutenant Wiederhold, so dass es nunmehr aus 25 Mann im Ganzen bestand. Rall war nun der Ansicht, dass alle Gefahr vorüber war. Er war kürzlich gewarnt worden, dass ein Angriff bevorstände, und nahm als ganz bestimmt an, dass das Geplänkel, in welches die Pickets engagiert worden waren, der Angriff war, vor dem er gewarnt wurde. Leslie, der in Princetown kommandierte, hatte melden lassen, dass Washington sich vorbereitete, den Delaware zu überschreiten, aber Rall gab nicht ernstlich Acht darauf. Er befahl nur seinem eigenen Regiment, welches du jour hatte, in den Quartieren zu bleiben. Er hatte allerdings Grund sich sicher zu fühlen. Es war ihm bekannt, dass keine grosse Truppenmacht in seinem Teil von New-Jersey belassen war. Washingtons Armee lag jenseits des Delaware, eine zerlumpte, halbbewaffnete Bande von armen Teufeln, die bis vor kurzem von Staat zu Staat und von Fluss zu Fluss getrieben worden waren. Grosse Eisschollen schwammen, durch den Strom getrieben, im Delaware hin und her und machten jegliches Übergehen gefährlich. Die Nacht war stürmisch, selbst für Dezember, und bevor es Morgen wurde, fegten Schlossen und Schnee durch die Strassen. Aber drinnen war Alles fröhlich und lustig. Es war Weihnachtsabend. Die Deutschen, die in Trenton gemütlich hausten, konnten über den Sturm lachen und ruhig schlafen.
Weit anders wurde die Nacht von der amerikanischen Armee verbracht! Die Truppen, unter dem unmittelbaren Befehl von Washington in ihrem Lager auf der Pennsylvanischen Seite des Delaware oberhalb Trenton, zählten nur 2400 Mann, die im Stande waren, eine anstrengende Unternehmung zu machen. Diese brachen um 3 Uhr nachmittags am Weihnachtstag auf, jeder Mann hatte Verpflegung für 3 Tage und 40 Patronen. Sie führten 18 Feldgeschütze mit sich. Diese Truppenmacht erreichte die Fähre von Mac Konkey in der Abenddämmerung. Hier wurden die Boote durch Glovers Seeleute von Marblehead bemannt, und zwischen den schwimmenden Eisschollen hindurch wurde die kleine Armee über den Fluss gerudert. Ihr Zustand war so erbärmlich, dass ein Bote, der ihr gefolgt war, leicht ihre Spur verfolgen konnte »an dem Blut im Schnee von den Füssen der Leute, die zerrissene Schuhe trugen.«
Inzwischen hatte Cadwalader den Fluss bei Dunks Fähre, unterhalb Trenton, überschritten, aber das Eis hatte sich gegen des Jersey-Ufer hin gepackt, und wenngleich die Fussmannschaften hinüber konnten, so war doch für die Artillerie keine Hoffnung dafür vorhanden. Die 1800 Mann, die diesen Teil der Unternehmung ausmachten, warteten vergeblich während der Dezembernacht. Um 4 Uhr morgens beorderte Cadwalader, der sicher glaubte, dass Washington, gleichwie er selbst, wegen der Schwierigkeiten, mit der die Expedition zu kämpfen hatte, umgekehrt wäre, seine halberfrorenen Leute nach ihrem kalten Lager zurück. »Die Nacht,« schreibt Thomas Rodney »war eine so bitterkalte, wie ich sie niemals erlebt habe.« Der Fluss war so schwierig zu überschreiten und so voll von Eis, dass es 4 Uhr wurde am Morgen des 26. Dezember bis die Truppen mit der Artillerie alle hinüber und marschbereit waren. Sie hatten noch 9 Meilen zu marschieren, um Trenton zu erreichen, und der Sturm hatte sich mit furchtbarer Heftigkeit erhoben.Die zitternden Soldaten erklommen einen steilen Berg und stiegen auf die Strasse hinab, wo die Bäume ihnen ein wenig Schutz gegen den Nordost-Sturm geben sollten. In Birmingham wurde die Armee in zwei Kolonnen geteilt. Die rechte unter Sullivan marschierte längs des Flusses, die linke unter Washington auf der obern Strasse. Nach einer Weile meldete Sullivan durch einen seiner Adjutanten an Washington, dass das Pulver nass geworden wäre.
»Dann sagen Sie dem General,« antwortete Washington, »er solle mit dem Bajonnet angreifen und in die Stadt eindringen, denn die Stadt müsste genommen werden, und ich wäre fest entschlossen sie zu nehmen.« —
Es war ungefähr 1 Stunde nach Tagesanbruch als Lieutenant Wiederhold seine Aussenposten eingezogen hatte. Es war eine kalte Nacht gewesen mit Schnee und Schlossen. Die kleine Abteilung verbarg sich in einer Hütte, die als Wachthaus diente. Wiederhold trat zufällig an die Thüre und sah hinaus. Plötzlich waren die Amerikaner vor ihm. Er rief: »An die Gewehre!«, und es wurden Schüsse gewechselt.
»Die Aussenwachen leisteten nur geringen Widerstand,« sagt Washington, »obschon sie ihrer Zahl nach sich sehr tapfer hielten, indem sie zurückgehend fortwährend, hinter Häusern gedeckt, feuerten. Zugleich sahen wir, wie sich ihre Hauptabteilung formierte; — aber nach ihren Bewegungen zu urteilen, schien sie unentschlossen, was zu thun.«
Trommeln und Hörner erschallten in den Strassen von Trenton. Rall war noch im Bett und völlig schlaftrunken. Lieutenant Biel, der als Brigadeadjutant fungierte, scheute sich zuerst, ihn aufzuwecken, und eilte zu der Hauptwache, um einen Lieutenant und 40 Mann den Pickets als Unterstützung zu senden. Als er zum Hauptquartier zurückkehrte, lag Rall in seinem Nachthemd zum Fenster hinaus und schrie: »Was ist denn los?« Der Adjutant erwiderte ihm, ob er nicht das Feuern gehörthabe. Rall sagte, er würde sofort unten sein, und in einem Moment war er angezogen und vor der Thüre. Eine Kompagnie von dem Regiment von Lossberg, welche Quartiere an der Strasse nach Pennington hatte, und als Avantgarde fungierte, hatte diese Strasse besetzt und empfing die fliehenden Pickets, musste sich aber sogleich in die Stadt zurückziehen. Washington drang bei King- und Queenstreet (jetzt Warren- und Greenstreet) ein, und Sullivan von der Strasse am Fluss in die Secondstreet. Einem Teil von Ralls Regiment gelang es, sofort sich zu formieren, und nach einer Weile erschien Rall selbst zu Pferde. Lieutenant Wiederhold meldete ihm, dass der Feind im Vordringen sei, und zwar nicht nur oberhalb der Stadt, sondern auch zur Rechten und Linken. Rall fragte, wie stark der Feind wäre. Wiederhold antwortete, dass er es nicht angeben könnte, aber er hätte 4 oder 5 Bataillone aus dem Walde kommen sehen und dass drei davon auf ihn gefeuert hätten, bevor er sich zurückzog. Rall rief, es sollte avanciert werden aber er schien verwirrt und nicht imstande, einen richtigen Entschluss zu fassen. Seine Truppen waren noch in Unordnung. Rall wandte sich zur Rechten in einen Garten mit Äpfelbäumen östlich der Stadt, und versuchte die Strasse nach Princeton in seine Gewalt zu bekommen. Aber er wurde durch Hands Regiment Pennsylvania zurückgeschlagen. Er beschloss darauf, sich einen Weg in die Stadt wieder zu erzwingen mit seinem und dem Regiment von Lossberg, wenigstens mit so vielen Leuten als zusammengebracht werden konnten. Dies soll er versucht haben, um seine Baggage und die Beute der vorhergehenden Wochen wegzuschaffen. Indessen wurde er durch einen Hagel von Blei aus Fenstern und Thorwegen, von hinter Bäumen und Mauern her empfangen. Die Munition der Hessen war nass von dem Schneesturm. Die Amerikaner erneuten den Angriff und die Hessen wurden weiter zurückgeworfen, als sie gekommen waren. — Rall wurde durcheine Kugel tötlich verwundet, und die beiden deutschen Regimenter, in die grösste Verwirrung gebracht, streckten die Waffen.
Dem Regiment Knyphausen ging es wenig besser. Als Rall den Obstgarten verliess und sich wieder gegen Trenton wendete, beschloss Major von Dechow, sich einen Weg rückwärts über die Assanpink-Brücke zu bahnen und sich nach Bordentown durchzuschlagen, wo Donops Truppenabtheilung lag. Aber es war unmöglich dies auszuführen, da Sullivan schon die Brücke besetzt hatte. Zwei Geschütze steckten tief in einer morastigen Stelle und es wurde viel Zeit verloren bei dem Versuche sie herauszuziehen. Dechow wurde verwundet. Einigen Soldaten gelang es, den Strom zu durchwaten, aber die bei weitem grössere Zahl wurde umringt und an Lord Stirling übergeben, mit Ausnahme der Privatbaggage und der Säbel der Offiziere. Die, welche entkamen, nahmen ihren Weg nach Princeton. Auch die Jäger und englischen Dragoner entkamen und erreichten Bordentown. Lieutenant Grothausen von den Jägern wurde angeschuldigt, zu früh zurückgegangen zu sein. Er war mit 50 Mann an der untern Flussstrasse postirt gewesen und zog sich bei der Annäherung von Sullivan vor diesem über die Assanpink-Brücke zurück. Nach Bankroft betrug die Gesamtzahl derer, die auf diese Weise durchkamen, 162. Washington giebt in seinem ersten Bericht an den Kongress die Zahl derer, welche sich ergaben, auf 23 Offiziere und 886 Mann an. Einige, die nachher in Trenton gefunden wurden, erhöhten die Zahl auf 1000.
Die Nachricht von dem Siege der Amerikaner wurde in New-York mit Kummer und Entrüstung aufgenommen.
Der alte Heister, der bei Sir William Howe nicht mehr in Gunst stand, mag darin ein Vorzeichen seiner Abberufung gesehen haben. Er berichtete am 5. Januar an Schlieffen, den Minister des Landgrafen, das Vorgefallene. Seinem Märchen zufolge, das er berichtete, war RallsBrigade von 10 000 Mann überrascht worden und das Desaster durch die Tollkühnheit des Obersten verursacht worden, indem er gegen die Übermacht vorgegangen wäre, anstatt sich sofort über den Assanpink zurückzuziehen. Heister giebt den Verlust von 15 Fahnen zu.
Der Landgraf von Hessen-Kassel war sehr ergrimmt. Er war der Ansicht, dass solch ein Vorfall unmöglich gewesen wäre, wenn nicht alle Disziplin gelockert wäre. Er befahl, dass eine Untersuchung eingeleitet werden sollte, sobald die Offiziere, die als Gefangene in amerikanische Hände gefallen seien, ausgewechselt sein würden, und drohte, dass die, welche wegen schlechten Verhaltens für schuldig erachtet würden, zur strengsten Verantwortung gezogen werden sollten. Auch erklärte er, den Regimentern, welche ihre Fahnen verloren hätten, solche nicht eher wieder zu verleihen, als bis sie eine gleiche Anzahl vom Feinde genommen hätten. Er schrieb an Knyphausen, er hoffe, dass Alle, ebenso wie er, mit grossem Kummer und mit Scham erfüllt seien, dass es notwendig wäre, diese Scharte wieder auszuwetzen und dass Knyphausen nicht ruhen dürfte, bis seine Truppen die Erinnerung an diese unglückliche Affaire durch eine grosse Zahl von ausserordentlichen Thaten verwischt hätten. Der Landgraf kannte sich nicht in seinem Zorne. Der eigentliche Sünder gegen die militärischen Regeln starb in Oberst Rall. Es war die Ansicht von Soldaten jener Zeit und ist die Meinung von denen die die Angelegenheit seitdem studiert haben, dass die Niederlage und Gefangennahme der hessischen Brigade in Trenton durch einfache militärische Vorsichtsmassregeln von Seiten ihres Führers hätte verhindert werden können. Cornwallis sagte später einem Komitee des Hauses der Gemeinen, dass nach Donops Meinung Rall hätte aushalten können bis Donop zu seiner Unterstützung von Bordentown herangekommen wäre, wenn er die Befehle Sir William Howes befolgt und Redouten gebaut hätte. Rall war mehrfach von seinen untergebenen Offizieren gedrängt worden dies zu thun. Dass die unter seinem Kommando Befindlichen zur Lockerung der Disziplin beitrugen, wozu sie durch das Beispiel ihres Führers notwendigerweise verführt wurden, war natürlich. Alle fochten tapfer, viele wurden verwundet, doch war der Verlust an Gemeinen nur gering. Dass ein früherer Rückzug den Hessen ermöglicht hätte zu entkommen, ist richtig. Aber man sollte Soldaten nicht ernstlich dafür tadeln, dass sie ihr Terrain festhalten, wenn sie überfallen werden, auch ist Ralls Fehler, wenn es einer war, zu versuchen, sich seinen Weg eher in der Richtung auf Princeton als auf Bordentown zu bahnen, nicht auf die Rechnung seiner Untergebenen zu schreiben.