Die Geschichte des Revolutionskrieges ist hauptsächlich die Geschichte einer Reihe von wichtigen Unternehmungen, welche mit wechselndem Erfolg gegen verschiedene Teile von Nordamerika geführt wurden. Die kämpfenden Armeen erschienen, fochten und verschwanden wieder. Nur die Stadt New-York blieb vom Sommer 1776 bis zum Herbst 1783 von britischen Truppen besetzt. Auf dem Land, bis auf einen kleinen Tagemarsch von Manhattan Island aus, kehrten die Feindseligkeiten immer wieder. Zu keiner Zeit während der ersten fünf Jahre konnten sich die Bewohner der Dörfer von Central-New-Jersey oder Südwest-Connecticut sicher fühlen. Die Forts am Hudson wurden genommen und wiedergenommen.
Es mag nicht uninteressant sein, an dieser Stelle eine Beschreibung von New-York einzuflechten, wie es mit hessischen Augen während der britischen Besetzung angesehen wurde. Der folgende Auszug ist einem Briefe entnommen, welchen ein Offizier schrieb, der im Sommer 1777 mit Verstärkungen herüber gekommen war und dessen erste Eindrücke folgende sind:
»Nur um Dir einen Begriff von Amerika, oder vielmehr dem kleinen Teilchen von Amerika, so wir jetzo noch inne haben, zu machen: so kann ich nicht unterlassen zu rühmen, dass es ein recht schönes, angenehmes und ebenes Land, und New-York, obgleich der Teil nach der See zu abgebrannt ist, eine der schönsten und pläsantesten Seestädte ist, so ich noch gesehen habe. Denn die Häuser sind nicht nur alle englischer Façon, regulär und schön gebaut, mithin den wahrsten Palästen ähnlich; sondern sie sind auch alle tapeziert und aufs kostbarste ausmöbliert. Es ist deswegen Schade, dass dieses Land, welches auch sehr fruchtbar ist, von solchen b—schen Menschen bewohnt wird, die vor Wollust und Üppigkeit nicht gewusst, was sie haben anfangen wollen, und daher auch nichts anderem als ihrem Hochmut ihren Fall zu danken haben. Jeder, der bei uns ihre Partei nimmt und glaubt, sie hätten eine begründete Ursache zur Rebellion, sollte nur einmal zur Strafe eine zeitlang unter ihnen sein und dabei die hiesige Verfassung kennen (denn der schlechteste Mann hier kann, wenn er nur etwas thun will, leben wie der reichste bei uns) der würde gewiss bald aus einem andern Tone sprechen und mit mir einsehen, dass nicht die Not, wohl aber Frevel und Wollust die Ursache der ganzen Rebellion sei. Denn obgleich die meisten von verlaufenem Lumpengesindel, das von anderen Orten vertrieben worden, abstammen, so sind sie doch so hoffärtig hier und treiben aller Orten, zumalen aber in New-York einen solchen Staat, als wohl nirgend in der Welt getrieben wird. Z. B. so gehen die Weibsleute hier, so fast alle sehr schön sind, es seien, Schusters-, Schneiders- oder Tagelöhners-Frauen (deren letztere jedoch sehr wenig hier sind, weil fast jeder Mensch einige Neger als Sklaven zu seiner Bedienung hat) täglich in zitzenen, nesseltuchenen und seidenen Schlendern. Welcher Staat denn, da sie das viele Geld von den Truppen lösen, indem sie nicht ein Salzkorn umsonst zu geben brauchen, täglich zunimmt. Wobei dann nichts ärgerlicher ist, als dassdiesem Volke, welches im Grunde noch lauter Rebellen sind, von den Soldaten auf expressen Befehl des Königs nicht nur auf das Artigste muss begegnet werden, sondern auch, wie schon gedacht worden, nicht ein Salzkorn umsonst abgefordert werden darf. Es müssten daher auch die armen Soldaten Hungers sterben, wenn ihnen nicht täglich für 3 Pences die Schiffskost geliefert würde, welche täglich aus 1 Pfund Zwieback, eingesalzenem aber fast ungeniessbarem Schweinefleisch, einigen muffigen Erbsen, etwas Hafermehl und etwas Rum besteht, welches sie dann, obgleich sehr viele davon ungesund werden, erhalten muss.«
Bei den Scharmützeln und kleineren Unternehmungen um New-York herum waren die Hessen im Allgemeinen beteiligt und es mag der Mühe wert sein, einen Blick auf einige dieser Ereignisse zu werfen, bevor wir uns zu den wichtigeren Operationen in den Süd-Staaten wenden, durch welche das Schicksal des Landes schliesslich entschieden wurde.
Im zweiten Teil des August 1778 wurde das Jäger-Korps auf den Spyt den Duyvels Hills, bei Courtland's Plantation postirt. In der Frühe des 31. August wurde ein Kapitän mit 150 Jägern, von denen 15 beritten waren, zu einer Rekognoszierung gegen Phillips House vorgeschickt. Sie hatten kaum eine halbe Stunde Weg zurückgelegt, als sie von einer Abteilung Amerikaner und Indianer unter dem Chevalier Armand, welcher sich in einer Schlucht rechts von der Strasse in Hinterhalt gelegt hatte, überrascht wurden. 16 Jäger wurden getötet, verwundet oder gefangen, die Übrigen entkamen. Oberst von Wurmb, welcher das Jäger-Korps kommandierte, eilte zur Unterstützung des Detachements, sobald er das Feuern hörte, herbei, aber Chevalier Armand zog sich mit seinen Gefangenen zurück und überschritt den Phillips Manor bei East Chester, wo die Oberstlieutenants Cathcart, Simcoe und Emmerich mit ihren leichten Truppen standen.
Die Oberstlieutenants erfuhren, dass Armand im Anrücken sei und bereiteten sofort einen Hinterhalt vor. Simcoe und Cathcart auf dem rechten und linken Flügel, zogen ihre Infanterie in die Wälder zurück und stellten sich so auf, dass sie das Defilee beherrschten, welches die Amerikaner und Indianer passieren mussten. Emmerichs Infanterie hatte Aufstellung genommen, um den Angriff zu erwarten, mit dem Befehl, sich vor dem Feinde zurückzuziehen. Emmerich hatte sich mit der Kavallerie hinter einem Hügel aufgestellt, um sich auf den angreifenden Feind zu werfen, sobald er in die Falle gegangen wäre. Kapitän Ewald war mit zwei Kompagnien Jäger von Oberstlieutenant von Wurmb zur Unterstützung von Emmerichs Infanterie vorgeschickt worden.
Der Plan der Oberstlieutenants war mit Erfolg gekrönt worden. Ungefähr um 4 Uhr nachmittags erschienen die Amerikaner und Indianer auf dem Gefechtsfeld. Emmerichs Plänkler zogen sich vor ihnen zurück und lockten sie in ein Feld von indianischem Korn, wo sie plötzlich in Front, Rücken und beiden Flanken angegriffen wurden. Alle Indianer mit Ausnahme von einem, welcher den Hergang erzählen sollte, wurden getötet. Sie gehörten dem Stockbridge-Stamme an und wurden von Sachem Neham geführt. Ungefähr 50 Amerikaner wurden gefangen genommen, Armand aber entkam mit einigen anderen durch die Büsche.
Eelking bemerkt bei dieser Gelegenheit, dass dies ein Beweis ist, dass die Amerikaner die Verwendung von indianischen Bundesgenossen in diesem Kriege ebensowenig verschmähten als die Briten. Man muss aber wohl einen Unterschied machen zwischen der Verwendung von Indianern gegen britische und deutsche Soldaten, wie sie von Seiten der Amerikaner geschah, und der Entsendung derselben gegen die Bewohner von einsamen Farmhäusern und unbeschützten Gehöften, wie es beständig von den Dienern des Königs gehandhabt wurde. Der Stockbridge-Stamm soll durch diese Expedition, wie gesagt wurde, sosehr gelitten haben und so völlig entmutigt worden sein, dass er keinen weiteren Anteil an dem Kriege nahm.
Ewald beschränkte sich nicht nur auf Erzählungen, welche den Ruhm der eigenen Partei verherrlichen. Neben Berichten über Trenton, Redbank und andern wichtigen Begebenheiten, bei welchen Hessen oder Engländer geschlagen wurden, behandelt er in einem besondern Kapitel die kühnen und glücklichen Streiche, die von kleinen Abteilungen Amerikaner geführt wurden. So erzählt er uns, wie im Frühjahr 1777 die Briten eine grosse Menge Fourage in Sag Harbor auf Long-Island angesammelt hatten und wie in Beziehung hierauf Colonel Meigs von Guilford in Connecticut mit weniger als 200 Mann in Walfisch-Booten aufbrach. In einer stürmischen Nacht gingen sie über den Sund, zogen ihre Boote über das Land, setzten sie von neuem aus, landeten bei Sag Harbor, überfielen die Wache, zerstörten die Vorräte, verbrannten mehrere Schiffe, nahmen eine Anzahl Engländer gefangen, bestiegen ihre Boote wieder und erreichten glücklich Guilford. Eine ähnliche Landung wurde in der Cow Bay im November 1780 bei hellem Tage ausgeführt. Im Jahr 1781 wurde ein braunschweigischer Major von seinem Quartier auf der Nordseite von Long-Island weggeschleppt. Es war in der That zur Gewohnheit geworden, dass kleine Häuflein Amerikaner auf der Insel landeten, die englischen und deutschen Soldaten ärgerten und die Tories plünderten. Diese Streifzüge wurden mit grosser Kühnheit ausgeführt und bilden, Ewald zufolge, eine vollkommene Widerlegung der Anschuldigungen wegen Mangels an Mut in diesem Kriege, die einigemal gegen die Amerikaner erhoben worden sind. »Der, welcher gegen diese Nation gekämpft hat,« sagt er, »wird von dem Gegenteil überzeugt sein und wird nicht mit Verachtung von ihr reden.«
Ewald erzählt mit grosser Bewunderung die schneidige Wegnahme von Stony-Point durch die Amerikaner unterAnthony Wayne am 16. Juli 1779. »Verdienen diese Menschen nicht bewundert zu werden, welche noch vor etlichen Jahren Rechtsgelehrte, Ärzte, Geistliche oder Landwirte waren, die in so kurzer Zeit sich zu vortrefflichen Offizieren bildeten, die so viele von unserm Stande beschämen, welche unter den Waffen grau geworden, und denen himmelangst werden würde, wenn sie zur Ausführung eines solchen Plans den Auftrag erhielten? Man wird mir vielleicht antworten, dass diese Menschen von Natur mit grossen Talenten zum Krieg begabt worden sind. Dieses kann wohl der Fall bei einem oder dem andern sein, aber im Ganzen ist die Natur mit ihren Ritterschlägen nicht so verschwenderisch. Man erlaube mir, diese Leute erwählten nicht den Kriegsdienst als einen Zufluchtsort, so wie ihn gewöhnlich der Adel wählt, nicht als ein Zuchthaus für einen ungeratenen Sohn, der auf Akademien nichts hat lernen wollen, wie oft der Fall bei denen von bürgerlichem Stande ist; sondern sie wählten diesen Stand mit dem festen Vornehmen, sich auf alle Art zu beeifern, ihrem Vaterlande mit Nutzen zu dienen und sich durch Verdienste hervorzuthun. In Erstaunen bin ich manchmal geraten, wenn während dem damaligen Kriege etwas Gepäck von den Amerikanern uns in die Hände fiel, wie jeder elende Schnapsack, in welchem oft nur einige Hemden und ein Paar zerrissene Beinkleider steckten, mit militärischen Büchern angefüllt war, z. B. die Instruktion des Königs von Preussen an seine Generale, Thielkes Feld-Ingenieur, die Parteigänger Jenny, Grandmaison und dergleichen mehr, die alle in die englische Sprache übersetzt waren, sind mir hundert mal durch unsere Leute in die Hände geraten. Dieses war eine wahre Anzeige, dass der Offizier in dieser Armee im Lager den Krieg studiert, welches nicht der Fall bei den Gegnern der Amerikaner war, wo man wohl eher die Mantelsäcke mit Puderbeuteln, wohlriechenden Pomadenbüchsen, Karten (keine Land-, sondern Spielkarten), unddann wohl obendrein manchmal mit einigen Romanen oder Schauspielen angefüllt fand.«
Die Briten behielten zwei oder drei Plätze auf der Westseite des Hudson in fortwährendem Besitz. Einer dieser Plätze war Paulus Hook, jetzt Jersey City. Der Hook war eine aus steinigen, felsigen Bergen bestehende Halbinsel und teils vom Hudson, teils von einem Sumpf, der von Bächen und Gräben durchschnitten war, umgeben. Die Stellung, die durch sich selbst stark war, war mit Palisaden, Blockhäusern und Redouten befestigt. Sie war von einem Bataillon New-Jersey-Tories unter Oberstlieutenant Bushkirk besetzt.
Am 18. August 1779 wurde eine Abteilung von 40 Hessen mit 2 Offizieren übergesetzt, um die Besatzung von Paulus Hook zu verstärken, und um 9 Uhr abends an jenem Tag brach Bushkirk zu einer Unternehmung gegen die ungefähr 14 Meilen entfernte neue Brücke über den Hackensack auf. Inzwischen näherte sich Major Henry Lee von Virginia mit ungefähr 300 Mann, unterstützt von Lord Stirling mit weiteren 500 Mann, der neuen Brücke von der entgegengesetzten Richtung her, unter dem Vorwande zu fouragieren. Stirling machte hier Halt, Lee aber kam während der Nacht bis an Paulus Hook heran, indem er an Bushkirk unbemerkt vorbeigegangen war. Lee entsandte einen Offizier mit einer kleinen Abteilung gegen das Fort, um zu rekognoszieren. Der Offizier meldete, dass die Besatzung unbewacht zu sein scheine. Lee ging darauf mit seinem Detachement vor. Sie durchwateten die Gräben, drangen in das Fort ein und überfielen eine Anzahl Provinziale, die in einem Blockhaus schliefen. Darauf näherten sie sich dem zweiten Blockhaus, das von einer kleinen Abteilung Hessen besetzt war. »Wer da!« rief der Posten. »Stony Point!« antworteten die Amerikaner. Der Posten feuerte und machte dadurch Alarm, aber der das Blockhaus befehligende Unteroffizier musste sich mit 10 oder15 Mann ergeben. Lee überfiel und besetzte darauf die Haupt-Redoute, und der ganze Paulus Hook schien ihm schon zu gehören. Da hatten indessen zu ihrem Glück ungefähr 25 Hessen ihren Verstand und ihre Geistesgegenwart beisammen. Sie warfen sich in eine kleine Redoute, wo sie sich mit ihrem Kapitän und Major Sutherland, dem Kommandeur des Postens, vereinigten, und weigerten sich zu ergeben. Lee, der nicht gewusst hatte, dass sich Hessen in dem Fort befanden und der wahrscheinlich ihre Zahl überschätzt hatte, machte sich, noch ehe es Tag wurde, davon, ohne selbst die Kanonen zu vernageln oder das Kriegs-Material zu zerstören. Er nahm ungefähr 150 Gefangene mit. Lee hatte den Befehl erhalten, nicht zu versuchen, den Platz zu behaupten, und ein beschleunigter Rückzug war nötig, um nicht abgeschnitten zu werden; die 25 Hessen hatten aber jedenfalls durch ihr tapferes Verhalten die Wegnahme oder die Zerstörung der Vorräte und Werke in dem Fort verhindert und ihre Partei vor der Schmach einer vollkommenen Niederlage gerettet.
PLAN VON DEM ÜBERFALLeines englischen Postens auf PAULUS HOOK in der Provinz New Jersey um 1/2-2 Uhr
in der Nacht vom 18. zum 19. October 1779.—
A.Annäherung und Stellung der Rebellen auf den Höhen von Bergen zur Deckung des Rückzuges.B.Angriff auf die Brücke und Blockhaus 1, 2 und 3 und auf das Fort C das mit 7 Sechspfündern armiert war, die aber nicht zu Schuss kamen.D.Barracken, in denen die 110 Mann starke englische Besatzung gefangen genommen wurde.E.Schanze, welche ein hessischer Hauptmann, 1 Offizier mit 25 Mann besetzt hielt, woraufhin die Rebellen bei Tagesanbruch mit ihren Gefangenen den Rückzug antraten.
Am 4. September 1779 erhielten die Regimenter von Knyphausen und von Lossberg Befehl, sich mit all' ihrer Baggage und allen transportfähigen Kranken zur Einschiffung bereit zu halten. Ihr Bestimmungsort war Quebec, wovon die Truppe aber damals nichts wusste. Die Regimenter Knyphausen und Lossberg waren zwei von denen, die bei Trenton in Gefangenschaft geraten waren. Alle, die bei dieser Gelegenheit gefangen genommen waren, wurden wieder ausgewechselt, und die beiden Regimenter, deren Überreste zu einem kombiniertenBataillon formiert worden waren, traten nun wieder selbstständig auf.
Wiederhold hatte eine Stelle als Kapitän im Regiment von Knyphausen erhalten. Die beiden Regimenter waren am 8. September auf 6 Schiffen untergebracht worden. Wiederholds Quartier war auf dem Triton, einer Brig, die mit 6 kleinen Kanonen und 2 swivels (ganz kleine Kanonen, die auf Gabeln ruhen) armiert. Die Brig war überfüllt und sehr unbequem eingerichtet, und hatte zuerst eine Bemannung von 7 Mann, einschliesslich des Kapitäns, Kochs und Stuarts. An Hessen befanden sich an Bord ein Oberstlieutenant, der krank war, 2 Kapitäns, 1 Lieutenant, 1 Fähnrich und 1 Arzt, und beinahe 2 Kompagnien Infanterie.
Die Brig ging am Abend des 9. September in See, kam aber sofort in einen starken Wind (gale) hinein und wurde von der Flotte getrennt. Der Kapitän, der keine Befehle wegen seines Reiseziels bekommen hatte, war genötigt, am Morgen des 10. wieder nach Sandy Hook zurückzusteuern. An jenem Tag kam ein Schiff in Sicht, und es wurden Vorbereitungen zum Angriff getroffen, für den Fall, dass es ein amerikanischer Privateer sein sollte. Die Kanonen wurden gereinigt und geladen, und 1 Unteroffizier mit 6 Mann mit ihrer Bedienung betraut. Das Schiff erwies sich jedoch als ein freundliches, ein Transportschiff mit Teilen des 44. englischen Regiments an Bord. Der Triton segelte in Gemeinschaft mit diesem Schiff weiter und vereinigte sich am Morgen des 11. mit der Transport-Flotte, die aus 23 Transportschiffen und Handels-Schaluppen bestand und von 2 kleinen Schiffen mit 20 und 14 Kanonen bedeckt wurde. Von einem dieser Schiffe erhielt der Triton noch 2 Matrosen — junge, unerfahrene Burschen.
Die Flotte stach sofort nach Ankunft des Triton in See, und am 11. und 12. verlief alles gut. Am 13. aber trat stürmisches Wetter ein, welches den 14. über andauerte. Am 15. nahm der Wind noch mehr zu und wurde des Abends zu einem wahren Orkan. Die Flotte wurde vollkommen zerstreut, die Nacht war stockfinster. Ungefähr um 9 Uhr abends brach der Hauptmast unter der untersten Querstange ab, und bevor dieser mit seinem Tauwerk gänzlich weggeräumt war, brach der Vordermast kurz über dem Verdeck ab und stürzte über Bord. Die Brig wurde nun, den Wellen preisgegeben, hin und hergeworfen und lag oft ganz auf der Seite. Während der Kapitän im Begriff war, ein Kajütenfenster mit einem darklight (Totenfenster) zu vernageln und Wiederhold mit einem Licht zu seiner Hilfe bei ihm stand, stürzte eine Welle mit solcher Gewalt hinein, dass beide kopfüber in die Kajüte geworfen wurden.
Darauf entstand eine neue Gefahr. Auf dem Deck hatte sich eine Kanone nach der andern losgerissen, rollte hin und her und stürzte schliesslich über das Geländer in die See. Vier davon gingen nacheinander auf diese Weise verloren, nahmen sogar den grossen eisernen Kessel noch mit, der gross genug war, um für die ganze Schiffsbesatzung darin zu kochen. Die fünfte Kanone öffnete sich selbst durch Hin- und Herrollen die hatch (eine Öffnung im Verdeck), hob sich von ihrer Lafette ab und stürzte durch diese Öffnung in den untern Schiffsraum, wo sie auf eine dem Kapitän Wiederhold gehörende grosse Kiste fiel, die Wein, Spiritus, Essig, Senf und dergleichen enthielt. Die Kiste und ihr Inhalt wurde in tausend Stücke zerschmettert, aber sie hatte dem fallenden Geschützrohr Einhalt gethan und den Boden der Brig vor einer schweren Beschädigung bewahrt.
Die sechste Kanone aber, gerade über der Kajüte auf dem Hinterdecke, rollte noch immer hin und her und hatte bereits das Steuerrad und alles was ihr in den Weg kam, zertrümmert. Vier von den Matrosen konnten oder wollten nicht mehr arbeiten und hatten sich in ihre Betten gelegt. Niemand anders wollte sich, aus Furchtzerquetscht zu werden, der Kanone nähern. Die Soldaten lagen unter Seufzen, Weinen oder Beten umher und erwarteten ihr letztes Stündlein. Der Oberstlieutenant war zu krank, um irgend etwas zu thun. Wiederhold versuchte nun seine Leute zu ermutigen und sagte ihnen, dass Gott, der sie in dieser grossen Gefahr schweben liesse, sie auch wieder daraus erlösen könnte, wenn jeder nur thun wollte was er könnte, zuerst versuchen zu helfen, die Kanone über Bord zu werfen und dann an den Pumpen zu arbeiten, um das Schiff wenigstens bis zum andern Morgen über Wasser zu halten; dann würde ihnen der Himmel wohl Hülfe senden und entweder besseres Wetter oder ein Schiff zu ihrer Erlösung schicken.
Wiederholds eindringliches Zureden war zuerst erfolglos. Einige der Soldaten »waren ganz wie verstockt, andere antworteten sie seien krank.« Wiederhold stellte ihnen vor, dass er selbst schon seit vier Wochen am kalten Fieber litte, trotzdem hätte er, da niemand zur Rettung etwas beitragen wollte, sich herausgemacht, um etwas für die Erhaltung aller zu thun. Er zweifelte auch nicht, sagte er, dass Leute unter ihnen wären, die mehr Kräfte als er und so viel Liebe für ihn hätten, dass sie ihm folgen würden und thun, was er ihnen sagte. Er versprach, bei ihnen auf dem Verdeck zu bleiben, selbst Hand anzulegen und ihr Schicksal zu teilen, in der Hoffnung das Schiff und alles an Bord zu retten. Noch wollte niemand folgen, bis Wiederhold schliesslich rief: »Ist denn gar kein Unteroffizier da, der gesund ist, der Ambition und ein hessisches Herz hat, dass der mir folgen und helfen will?« Hierauf kamen ein Sergeant und zwei Korporals, denen etwa 15 bis 20 Mann folgten. »Nun wohlan,« sagt Wiederhold, »kommt, lasst uns erst die Kanone in die See zu schmeissen suchen.« Nach mehreren Versuchen, bei welchen sie in beständiger Gefahr waren zerquetscht zu werden oder mit der Kanone über Bord zu gehen, gelang es ihnen, ihrer Herr zu werdenund sie über Bord zu werfen. Hierbei wurde einem Soldaten der Arm zweimal gebrochen und Wiederholds kleiner Finger zerquetscht.
Nun fing die Arbeit an den Pumpe an, in Ablösungen von 4 Mann. Jede Ablösung konnte es aber nur jedesmal 6 oder 8 Minuten aushalten und mussten sich entweder anbinden oder an dem Stumpf des grossen Mastes festhalten, um nicht von den Wellen weggespült zu werden. Gegen 3 oder 4 morgens aber brach die Pumpe und konnte in der Dunkelheit nicht ausgebessert werden, so dass sie sich mit Ausschöpfen vermittelst eines Eimers behelfen mussten, bis es Tag wurde und sie die Pumpe wieder in Stand setzen konnten.
Während die Leute in der Dunkelheit arbeiteten, fiel ein Mann über Bord, erfasste aber im Fallen ein Tau und rief und schrie um Hilfe. Niemand konnte ihn sehen oder wusste, wo er war. »Wo bist du denn,« fragte Wiederhold. »Hier hänge ich an dem Schiff und wenn ihr mir nicht bald helft, so kann ich mich nicht länger halten, muss in die See fallen und ersaufen.« Seine Kameraden suchten an ihn heran zu kommen, aber bevor sie ihn erreichen konnten, war eine Welle geschwinder als sie und spülte ihn wieder an Bord; und Wiederhold sagt in seinem Tagebuch »er lebt noch und ist gesund.«
Während aller dieser Arbeit bemerkte Wiederhold, dass der Schiffs-Kapitän und einige Bootsleute mit einer Laterne um die auf dem Schiffe befestigten Boote herumgingen und versuchten, wie er glaubte, eins davon los zu machen. Wiederhold fragte den Kapitän, was er denn da mache. »O, nichts,« antwortete dieser, »ich sehe nur, ob sie fest genug sind.« Unter irgend einem Vorwand bat ihn Wiederhold darauf, ihm die Laterne für einen Augenblick zu leihen, und nachdem er sie hergegeben und dieselbe einem Soldaten eingehändigt hatte, nahm Wiederhold den Kapitain am Arm, führte ihn in die Kajüte hinunter und setzte ihn dort in Arrest unter Bewachung von zwei Offizieren. Dies geschah aus Besorgnis, dass der Kapitän mit seinen Matrosen sich von der Brig heimlich entfernen und die Soldaten ihrem Schicksal überlassen könnten. Bei Tagesanbruch fand man die Boote von den Wellen völlig zerstört. Sie wurden über Bord geworfen und der Schiffs-Kapitän wurde wieder in Freiheit gesetzt.
Am 16. September lies der Wind etwas nach und am 17. klärte sich der Himmel auf. Die Beobachtungen, die man um Mittag anstellte, ergaben 37° 19' nördlicher Breite, so dass die Brig bis auf die Höhe der Kaps von Virginien nach Süden hin getrieben war. Von der Länge hatten sie keine Ahnung.
Die losgerissenen Segelstangen, Taue und das zerbrochene Geländer wurden nun weggeräumt und der Schiffsboden untersucht, aber kein Leck darin gefunden. Die Soldaten kamen an Deck und trockneten ihre Kleider, denn sie hatten keinen trockenen Faden an sich, selbst nicht in ihren Tornistern, alles war mit Salzwasser und Schlamm durchnässt. Die Matrosen befestigten an dem Stumpf des Hauptmastes einen Hilfsmast, und Tags darauf noch einen am Vordermast.
Am 19. wurde von den Mannschaften eine Betstunde abgehalten, um Gott für ihre Errettung aus Sturm und Not zu danken. Es wurde ein Lied gesungen und der 107. Psalm vorgelesen. Selbst die Matrosen, die kein Wort von dem, was die Deutschen redeten, verstanden, waren sehr andächtig und beteten für sich.
Der Triton nahm langsam seinen Weg in nördlicher Richtung und hatte leidliches Wetter. Einige Schiffe kamen in Sicht, keins aber kam ihnen zu Hilfe. Wiederhold ersann einen Plan, wie er mit seinem kaum lenkbaren Wrack einem Privateer, der ihn angreifen würde, Widerstand leisten könnte. Er nahm sich vor, seine Leute unter Deck verborgen zu halten, eine Bootladung Amerikaner an Bord des Triton zu locken und sie danngefangen zu nehmen. Der Privateer würde dann aus Besorgnis, seine eigenen Leute zu treffen, nicht feuern und das Schiff auch nicht ersteigen können wegen der überlegenen Zahl an Hessen. Es war vielleicht ein Glück für Wiederhold und die Seinigen, dass die Umstände es verhinderten, diesen ingenieusen Plan zur Ausführung bringen zu suchen.
Am Morgen des 25. September kamen die Kaps des Delaware in Sicht. Da sie nun genau wussten, wo sie waren, so gingen sie wieder weiter in See, um den Privateers aus dem Wege zu gehen. Der Wind war gut und die Hessen hofften Sandy Hook in achtundvierzig Stunden zu erreichen. Der Morgen des 26. war sehr schön. Bei Tagesanbruch wurden zwei Schiffe in einiger Entfernung gesehen. Wiederhold sprang voller Freude in die Kajüte und berichtete dem Oberstlieutenant und den anderen Offizieren das Gesehene. Alle zogen sich an und eilten an Deck, in der Hoffnung, dass es Schiffe seien, die von New-York ausgeschickt wären, um vor dem Hafen zu kreuzen und den Schiffen Hilfe zu leisten, die bei dem letzten Sturme Schaden gelitten hätten. Die fremden Schiffe segelten auf den Triton los und stellten sich als einen Schooner und eine Schaluppe heraus. »Aber o! wie sahen wir uns in unserer Hoffnung betrogen,« ruft Wiederhold aus, »denn, nachdem sie so nahe kamen und sie ihre aus 13 Streifen bestehende Flagge wehen liessen, so war unsere Freude in Leid verwandelt.«
Der Schooner hatte 14 Geschütze und hiess »Mars«. Die Schaluppe, Comet genannt, hatte 10 Geschütze und wurde von Kapitän Decatur kommandiert. Um 8 Uhr morgens lagen beide mit den Breitseiten am Triton. Sie erteilten dem Kapitän des letzteren Befehl, ein Segel herabzulassen und das Steuerruder am Steuerbord anzubinden. Sodann schickte jeder Privateer 1 Offizier und 5 Mann an Bord; der Mars nahm den Triton ins Schlepptauund brachte ihn in die Barnegat Bucht, wo er vor Anker ging. Der Mars, welcher den Kapitän und mehrere Seeleute des Triton an Bord genommen hatte, geriet zwischen Klippen und kenterte. Nur zwei von der Bemannung ertranken; alle hatten schwimmen müssen, um sich zu retten. Dies ereignete sich auf zwei Kanonenschussweiten von dem Fleck, wo der Triton vor Anker lag. Der Kapitän des Mars hatte vorher befohlen, dass der hessische Oberstlieutenant auch an Bord kommen sollte, glücklicherweise aber war er durch sein Kranksein daran gehindert.
Am 29. September wurde der Triton nach dem Little Egg-Hafen gebracht. Hier wurden die Gefangenen ausgeschifft. Sie kamen durch Philadelphia und wurden schliesslich in Reading einquartiert. Die Offiziere wurden ausgewechselt und kehrten im Dezember 1780 nach New-York zurück.
Von den 6 Schiffen, in welchen die Regimenter von Knyphausen und Lossberg untergebracht waren, kehrte eins mit seiner Besatzung glücklich nach New-York zurück; über das Schicksal von einem habe ich nichts Bestimmtes ausfindig machen können; eins wurde mit Mann und Maus vom Meere verschlungen; zwei wurden durch den Sturm seeuntüchtig gemacht und nachher von amerikanischen Privateers genommen.
Das noch übrige (sechste) Schiff, der »Badger«, mit einer Abteilung des Regiments Lossberg, verlor seinen Vorder-und Hauptmast im Sturm. Es wurde dann von zwei kleinen Privateers angegriffen, die sie zwei Tage lang verfolgten und beschossen, dann aber wegen der entschlossenen Haltung der Hessen wieder abziehen mussten. Am 9. Oktober jedoch griff ein Privateer mit 12 Geschützen den Badger an, und letzterer, der keine Kanonen hatte, war gezwungen sich zu ergeben. Ein Lieutenant, drei Fähnriche und 20 Mann, sowie die gesamte Ausrüstung der übrigen Hessen wurden an Bord des Privateer gebracht.Letzterer scheint zunächst den Badger, auf dem ein hessischer Kapitän, der krank war, mit einem Arzt und den meisten Gemeinen verblieben, noch in seiner Gewalt behalten zu haben. Den Journalen nach steht fest, dass die Fregatte Solebay am folgenden Tag den Badger von dem Privateer befreite und glücklich nach New-York brachte.
Das Bündnis zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten erhöhte die Möglichkeit der schliesslichen Unabhängigkeit der letzteren. Es war deshalb wichtig, den Amerikanern so viel Gebiet als möglich streitig zu machen, wenn auch nicht ihre Haupt-Armee vernichtet werden könnte. Lord George Germaine hoffte, dass die dünn bevölkerten südlichen Provinzen schnell zum Gehorsam zurückzubringen wären und dass die königliche Autorität vom Golf von Mexico bis zum Susquehanna-Fluss hergestellt werden würde.
Ein weiterer Vorteil sollte dadurch gewonnen werden, dass man die Nord- und Südstaaten gleichzeitig besetzte. Der Sommer und Herbst waren die Zeit der Thätigkeit in den ersteren, Winter und Frühjahr in den letzteren. Der britische General, der seine Truppen zur See befördern konnte, brauchte nur, wenn das Wetter die Operationen behinderte, in den betreffenden Landesteilen soviel Truppen zurückzulassen, als zur Verteidigung nötig waren, und behielt so überall das Übergewicht, welches sehr wichtig war.
Am 6. November 1778 wurden ungefähr 3500 Mann unter Oberstlieutenant Campbell in New-York eingeschifft. Zwei hessische Regimenter nahmen an dieser Expedition teil. Die Transportschiffe wurden durch schlechtes Wetteram Auslaufen verhindert und konnten nicht vor dem 27. Sandy Hook verlassen. Sie erreichten Savannah erst am 24. Dezember nach stürmischer Überfahrt. Die Truppe landete am 29. und schlug einige 800 Amerikaner, die den Versuch machten, Widerstand zu leisten, töteten und verwundeten ungefähr 80 und machten 400 Gefangene. Beinahe 50 Kanonen, beträchtliche Vorräte und mehrere Schiffe fielen in die Hände der Briten, deren Verlust, eingerechnet Hessen und Tories, 20 Mann tot und verwundet betrug.
Die Stadt Savannah bestand aus ungefähr 600 leicht gebauten Häusern. Die meisten Einwohner waren mit den Rebellen weggelaufen und hatten soviel Sachen mitgenommen, als sie nur tragen konnten. Mahagonie-Möbel lagen zerbrochen in den Strassen — ein trauriger Anblick. Die Hessen, erzählt man, hätten nicht geplündert, wie die andern Truppen. Sie waren in den neuen Baracken der Stadt einquartiert.
Im Januar langte General Prevost von St. Augustin an, um den Befehl über die Armee zu übernehmen. Darauf begann die zahllose Reihe von Märschen, welche diese südliche Kampagne auszeichnete. Augusta wurde besetzt, dann wieder aufgegeben. General Lincoln ging mit einer amerikanischen Armee gegen Augusta vor, General Prevost entschlüpfte ihm aber heimlich und bedrohte Charleston. Lincoln kehrte von Georgia zurück und Prevost zog sich nach Johns Island an der Küste von Süd-Karolina zurück. Schliesslich wurde Beaufort eingenommen und Johns Island von den Briten verlassen, deren Haupt-Armee nach Savannah zurückkehrte.
Während dieses Feldzuges ereigneten sich eine oder zwei Begebenheiten, die besonders die Hessen betrafen. An einem Fleck, Stono Ferry genannt, war ein kleines Befestigungswerk errichtet worden, ursprünglich ein Brückenkopf. Es war von Johns Island durch eine Wasserstrasse getrennt, und die Brücke, welche es einstdeckte, war abgebrochen worden. Das Befestigungswerk war von dem Regiment von Trümbach, einem Bataillon Hochländern, im Ganzen 500 Mann, besetzt. Dieser Posten wurde am 19. Juni 1779 von Lincolns Armee angegriffen. Die Hessen wichen zuerst zurück, wurden aber von den Hochländern unterstützt. Sie sammelten sich und gingen wieder vor. Die Amerikaner zogen sich dann bei dem Herannahen von deutschen und schottischen Verstärkungen zurück.
Ungefähr zu dieser Zeit kam es in den Gewässern um Johns Island zu zwei verschiedenen Gefechten zwischen hessischer Artillerie und kleinen Schiffen, beziehungsweise Galeeren des Feindes. Bei beiden Gelegenheiten waren die Hessen siegreich, zwangen den Feind zum Rückzug und machten die beteiligten Schiffe kampfunfähig. Es wird erzählt, dass auf einem derselben, der Rattlesnake, mehrere Kanonen und Fahnen, welche von Ralls Brigade erbeutet waren, wieder genommen wurden. Auf welche Weise diese Trophäen nach Süd-Karolina kamen, wird nicht erwähnt.
Am 4. September 1779 erschien die französische Flotte unter Graf d'Estaing plötzlich vor der Mündung des Savannah-Flusses. Sofort wurden alle ausserhalb liegenden Detachements der britischen Armee nach Savannah berufen. Am 23. vereinigten sich Lincoln und seine Leute mit den Franzosen, die von Charleston kamen, und Freiwillige von Süd-Karolina strömten in ihr Lager. Während nun d'Estaing regelrechte Laufgräben anlegte, verstärkten die Soldaten der Besatzung mit den Negern der Stadt zusammen eiligst die Befestigungswerke. Für die französische Flotte war es in Betreff der Jahreszeit zu spät geworden, um mit Sicherheit an der Küste zu bleiben. d'Estaing beschloss einen Angriff zu versuchen. Dieser aber hätte vorher gemacht werden sollen, bevor britische Verstärkungen von Beaufort her eingetroffen und bevor ihre Werke verstärkt worden waren, oder erhätte aufgeschoben werden sollen, bis diese lahm gelegt waren. Der Angriff wurde am 9. Oktober unternommen. Franzosen sowohl wie Amerikaner schlugen sich tapfer und pflanzten ihre Banner auf den Wällen von Savannah auf, doch wurden sie mit grossen Verlusten zurückgeschlagen. Oberst von Porbeck vom Regiment von Wissenbach wurde in Prevosts Bericht lobend erwähnt. Eine Woche später segelten die Franzosen ab, während ein Teil der Amerikaner mit Lincoln nach Charleston zurückkehrte und die übrigen sich in ihre Heimat zerstreuten.
Im Sommer 1779 plante Sir Henry Clinton eine Unternehmung gegen Charleston. Die Ausführung wurde wegen der Nähe der französischen Flotte verschoben, doch als diese nach Europa zurückging, wurde ein Korps von ungefähr 8500 Mann in New-York formiert. Dasselbe bestand aus Engländern, Tories und Hessen. Von den Hessen waren die 4 Grenadier-Bataillone, 1 Regiment Infanterie und ungefähr 250 Jäger ausgewählt. Bei den letzteren befanden sich Kapitän Ewald und Lieutenant Hinrichs. Generallieutenant von Knyphausen war als Befehlshaber in New-York belassen worden. Sir Henry Clinton befehligte die Expedition persönlich. Die Soldaten wurden um den 19. Dezember eingeschifft, konnten aber wegen des Wetters nicht vor dem 29. in See gehen. Die Fahrt war eine sehr stürmische, und als in den ersten Tagen des Februar 1780 der Hauptteil der Flotte an der Mündung des Savannah-Flusses ankam, fehlten eine Menge Transportschiffe. Eine Barke, die Anna, mit 30 hessischen und anspachischen Jägern und andern Soldaten, hatte Anfang Januar die Masten verloren und war von einem Kriegsschiff ins Schlepptau genommen. Bei einem darauffolgenden Sturm riss das Tau, und die Anna fiel nun als segelloser Schiffs-Rumpf dem Spiel der Wellen anheim. Während acht Wochen wurde diese Barke mit 250 Seelen an Bord von den westlichen Winden fortgetrieben. Siewar nur für einen Monat und für 100 Mann verproviantiert, so dass sich bald Hungersnot einstellte. Die Hunde wurden geschlachtet; zuletzt wurden die Knochen zu Mehl gerieben und dieses mit der Brühe aus den Fleischfässern und Hobelspänen zu einer Mahlzeit bereitet. Schon machte der Kapitän den schrecklichen Vorschlag, mit Menschenfleisch das elende Leben zu fristen und zuerst die Frauen zu opfern, aber alle wiesen solches mit Abscheu zurück. Endlich zeigte sich Land, es war die irische Küste. Das Schiff strich aber an einer Klippe an und erhielt ein Leck. Die Verzweiflung steigerte sich, als man bemerkte, dass der Kapitän von der Küste abhielt. Auf Befragen gab er an, dass hier keine erlaubte Anfahrt sei und den königlichen Lootsen 30 Guineen bezahlt werden müssten. Daraufhin wurde er in dem unteren Schiffsraum festgesetzt, und der Obersteuermann übernahm das Kommando der Barke. Dieser brachte sie bis vor St. Ives in Cornwallis, von wo, auf Notschüsse hin, zwei Boote mit einem Lootsen und einem Schiffszimmermann zur Hilfe herbeieilten. Der letztere war angesichts der verhungerten Hessen derartig erschrocken, dass er eiligst wieder von dannen ruderte. Dem Lootsen gelang es, die Barke an das Land heran zu bringen, gerade als sie anfing zu sinken, und die Bemannung wurde schliesslich gerettet.
Die englische Flotte wartete bei Tybee Island bis zum 9. Februar 1780, um die zerstreuten Transportschiffe wieder zu sammeln. Darauf ging sie wieder in See, und am 11. drangen alle Schiffe bis auf die grossen Kriegsschiffe in die Mündung des North Edisto River ein; bei Simons Island wurden die Truppen ausgeschifft. Einen ganzen Monat lang brachten die Soldaten emsig Vorräte und Geschütze an Land, um dort festen Fuss zu fassen, sie drangen dabei über die sandigen Inseln südwestlich von Charleston Harbor vor. Nicht vor dem 12. März wurde das Feuer von Wappoo Neck aus auf die Stadt eröffnet, und erst am 29. ging die britische Armee überden Ashley-Fluss. Inzwischen stiegen die Schanzen aus dem Sand bei Charleston wie die Pilze empor.
Weder der Landung, noch dem Vordringen der feindlichen Armee wurde ein ernstlicher Widerstand entgegengesetzt. Die Gelegenheit, um Widerstand zu leisten oder wenigstens um die Briten zu beunruhigen, war jedenfalls genügend vorhanden, doch wäre hierfür ein fähigerer und mehr energischer Befehlshaber als Lincoln nötig gewesen. Die Angreifer waren nach einer langen und beschwerlichen Reise gelandet und hatten keine Pferde, um ihre Kanonen und Vorräte herbeizuschaffen. Das einzig richtige Verhalten für Lincoln wäre wohl gewesen, wenn er Washington nachgeahmt hätte in seinem Feldzug vor den Ereignissen von Philadelphia. Er hätte eine Schlacht wagen und falls er geschlagen worden wäre, Charleston aufgeben und seine Armee zum Schutz der Südstaaten erhalten sollen. Diese waren nun dem Morden und Plündern überliefert. Der Krieg in den Karolinas und in Virginien kennzeichnete sich durch einen gewissen Grad von Barbarei, der in den östlichen und Mittel-Staaten seinesgleichen nicht fand, ausgenommen die kleinen Plündereien in der Umgebung von New-York. Schon im vorhergehenden Jahre hatten Prevosts Soldaten diese barbarische Art der Kriegführung begonnen. Die Spuren ihrer Thätigkeit waren in jedem Hause auf den Inseln, die sie bei Charleston besetzt hatten, sichtbar.
Während Lincoln seine Erdwerke in der Stadt aufwarf, erhielten die Engländer Verstärkungen von Savannah her. Die Kriegsschiffe, mit Ausnahme der schwersten, wurden gehoben, über die Sandbank gebracht und wiederhergestellt. Fort Moultrie verteidigte währenddessen die Stadt, die amerikanischen und französischen Schiffe den Hafen; zwischen diesem und Charleston hatten die Belagerten Schiffe versenkt, um die Einfahrt zu sperren. Kleine Abteilungen Amerikaner beobachteten die Bewegungen der Briten. Am 26. März unternahmen SirHenry Clinton und mehrere Generale einen Ritt, um Colonel Patterson entgegenzugehen, welcher Verstärkungen von Savannah brachte. Sie kehrten glücklich zurück, obwohl sie ohne Escorte waren; ein Tory-Oberst und ein Hospital-Inspektor aber, die eine kurze Strecke hinter ihnen her ritten, wurden gefangen genommen.
Ewald erzählt mit Befriedigung, wie er einmal auf Johns Island in South Karolina im Frühjahr 1780 eine Stellung rekognosziert hätte, indem er ruhig bis an einen feindlichen Posten herangegangen wäre, seinen Hut abgenommen und eine Unterhaltung mit dem befehligenden Offizier angeknüpft hätte. Dieser Aussenposten war von Pulaskis Legion gestellt worden, deren Offiziere Polen und Franzosen waren, in deren Galanterie der deutsche Kapitän Vertrauen hatte — eine Galanterie, für die die eingeborenen Amerikaner kein Verständnis haben konnten noch wollten.
Am 30. März 1780 lagerte die englische Armee einige 3000 Yards vor den Linien von Charleston. Gegen Abend standen die Pickets der hessischen Jäger etwa eine Meile vor der Stadt. Vor ihnen lag eine flache, sandige Ebene ohne jedes Haus oder einen Baum oder Busch. Die einzig mögliche Deckung gewährten einige Gräben. In der Nacht auf den 31. März wurde die erste Parallele eröffnet. Am folgenden Morgen begannen die Einwohner ihre Familien und Wertgegenstände auf Booten den Cooper River hinauf zu befördern, der einzige Weg, der offen geblieben war. Stromabwärts kamen am 7. April 700 Virginian Continentals zur Verstärkung der Besatzung. Sie wurden mit Glockengeläute und Artillerie-Salven empfangen. Nacht auf Nacht wurde die Arbeit in den Trancheen fortgesetzt. Die Artillerie des Verteidigers bemühte sich vergeblich, diese Arbeit zu stören.
Am Nachmittag des 8. April war der Himmel mit Wolken bedeckt, es war Flut eingetreten und der Wind blies stark von Süden her. Sieben Kriegsschiffe und einTransportschiff, in einer Linie hintereinander segelnd, näherten sich Fort Moultrie. An der Spitze befand sich Admiral Arbuthnot in einem kleinen Boot, mit dem Blei in der Hand, um die Tiefe zu messen. Das Feuer vom Fort aus war furchtbar. Der »Roebuck«, das Têtenschiff, segelte dicht an die Werke heran, gab eine Breitseite ab und fuhr unverletzt weiter in den Hafen. Das zweite Schiff verlor ein Stück von einem Mast. Ein anderes legte sich dicht vor das Fort und unterhielt ein unaufhörliches Feuer, so dass das ganze Schiff wie ein langer Blitzstrahl erschien. Das ganze Geschwader gelangte in den Hafen mit Ausnahme des Transportschiffes, welches auf den Grund fuhr und in Brand gesteckt wurde. Das schöne Bild wurde von Tausenden von Zuschauern beobachtet. Die Amerikaner versammelten sich auf den Wällen der Stadt, die Engländer und Deutschen stiegen auf ihre Belagerungswerke. Die Operationen in der Bai hatten ihr Interesse so sehr in Anspruch genommen, dass das Gefecht an Land so lange unterbrochen wurde. Sobald das zweite Schiff das Fort passiert hatte, verschwanden die Amerikaner von den Wällen von Charleston und bald darauf sah man eine Menge kleiner Boote auf dem Cooper River, welche die Furchtsamern der Einwohner wegbeförderten.
Die Verbindung zwischen Fort Moultrie und Charleston war nunmehr abgeschnitten. Jedoch fand die britische Flotte ihr weiteres Vordringen durch eine Linie von versenkten Schiffen gehindert und konnte nicht den Cooper River hinaufsegeln, um die amerikanischen Werke im Rücken zu fassen. Da einige Schiffe im Fluss den Operationen des Belagerers hinderlich waren, wurden mehrere grosse Ruderboote über Land geschleppt. Das zu diesem Zweck gebrauchte Transportmittel wurde von hundertundvierunddreissig Negern gezogen. Die Arbeit an den Approchen ging unaufhörlich weiter, jedoch die Belagerung wurde dadurch, dass einige der schweren Geschütze unddie meisten Pferde auf See verloren gegangen waren, etwas verlangsamt. Der Belagerungs-Park wurde durch Schiffsgeschütze versorgt, die mit grosser Mühe über Land von James Island her gebracht wurden. Am 13. April wurde von der hessischen Artillerie lebhaft gefeuert, wodurch mehrere Häuser in Brand gerieten. Sir Henry Clinton befahl seinen Batterien, das Feuer zu mässigen, damit der Brand gelöscht werden könnte. In der folgenden Nacht wurde die zweite Parallele eröffnet, bald darauf aber begannen die Amerikaner Gegen-Approchen anzulegen, so dass nicht nur Artillerie-, sondern auch Musketen-Feuer zur Verwendung kam. Jedoch am 20. waren die Belagerungsarbeiten so weit vorgeschritten, dass die Jäger im Stande waren, Leute durch die Schiessscharten der Befestigungswerke zu treffen und das Bedienen der Geschütze sehr gefährlich zu machen. Die dritte Parallele wurde in der darauffolgenden Nacht eröffnet und am 21. bot Lincoln, der am Tage, nachdem die Flotte Fort Moultrie passiert, seine Übergabe verweigert hatte, die Kapitulation an. Die Feindseligkeiten wurden sechs Stunden lang aufgehoben, aber nach Ablauf derselben erneuert, da die Generale sich über die Bedingungen nicht einigen konnten. Am 24. machten die Amerikaner einen Ausfall und drangen an einzelnen Stellen bis zur zweiten Parallele vor, wurden aber sofort wieder in die Stadt zurückgeworfen. Am 26. nahmen die Briten ein Fort in Besitz, welches den Cooper River beherrschte, sodass die Belagerten nunmehr völlig in Charleston eingeschlossen waren.
In der Nacht zum 3. Mai ruderte eine Abteilung aus dem Lager des Angreifers heimlich an einen Dreimaster heran, welcher dicht vor der Stadt lag. Sie erkletterten das Deck, welches sie unverteidigt fanden, lichteten die Anker und nahmen das Schiff mit in die britischen Linien. Am nächsten Morgen, als sie bei der Untersuchung ihrer Beute hinunter stiegen, ergab essich, dass es ein Lazarethschiff war, gefüllt mit Pockenkranken.
Die Belagerung näherte sich ihrem Ende. In der Nacht zum 7. Mai 1780 wurde Fort Moultrie von Seeleuten genommen. Am 8. wurden die Verhandlungen wegen der Übergabe wieder aufgenommen, jedoch abermals abgebrochen; bis schliesslich am 11. Clintons Bedingungen durchgesetzt wurden, welche darin bestanden, dass die Besatzung mit verhüllten Fahnen und klingendem Spiel (aber nicht mit einem englischen oder hessischen Marsch) ausmarschieren und ausserhalb derselben die Waffen niederlegen sollten. Die Continentals wurden kriegsgefangen, die Miliz sollte auf Ehrenwort in die Heimat zurückkehren. Auf Grund dieser Kapitulation marschierten die Continentals am 12. aus; die Musik spielte einen türkischen Marsch. Die Offiziere durften ihre Säbel behalten, mussten sie aber einige Tage später abliefern, weil sie »Unordnung« in der Stadt hervorrufen würden. Die Besatzung war in einen sehr zerlumpten und bedauerlichen Zustand herabgesunken. Sie war nicht viel mehr als halb so stark als die Belagerer, die amerikanische Miliz mit inbegriffen. Die Continentals waren ungefähr 2500 Mann stark, die englische Armee wenigstens 12000 Mann. Die Stadt war nur durch Erdwerke verteidigt, und eigentlich mehr ein verschanztes Lager als eine Festung. Der Verlust der Belagerer an Toten und Verwundeten ist in einem hessischen Journal auf 265 Mann angegeben.
Die Stadt Charleston hatte ungefähr 15000 Einwohner und war eine der reichsten und schönsten Städte in Nord-Amerika. Die grossen und schönen Häuser waren nicht dicht nebeneinander gebaut, sondern es war der bessern Luft wegen viel freier Raum gelassen. Sie waren sehr gut eingerichtet mit Mahagoni-Möbeln und Silbergerät, und es wurde viel auf Reinlichkeit gehalten. Die Strassen waren ungepflastert und sandig, hatten aber auf den Seiteneinen schmalen Fussweg. Selbst im Mai war der Staub unerträglich. Die meisten reichen Familien waren bei der Annäherung der Briten geflohen. Es waren auch viel Deutsche und deutsche Juden in der Stadt, und viele Ärzte wegen des ungesunden Klimas. Die Frauen, wenigstens die meisten von denen, die zurückgeblieben waren, waren bleich und hässlich. Der Ort war natürlich voll von Negern, die die Hälfte der Bevölkerung ausmachten.
Die Neger waren im britischen Lager angesammelt, zwei Transporte von ihnen waren Ende Februar von Savannah aus geholt worden. Die Sklaven der Rebellen waren konfisziert worden. Diese Sklaven in Süd-Karolina waren die am meisten heruntergekommenen auf dem Kontinent und von ihren frühern Besitzern am schlechtesten behandelt worden. Die Feldarbeiter unter ihnen erhielten, einem hessischen Journal zufolge, täglich gewöhnlich ein Quart Reis oder Indian corn, das sie halb gekocht assen, da sie es in dieser Zubereitung nahrhafter fanden als ganz gekocht. Viele hatten kaum einen Lappen, um ihre Blössen zu bedecken. Nur wenige verstanden Englisch. Am 31. Mai bekam jedes Regiment, das nach New-York ging, zehn Sklaven. Die Neger bildeten einen Teil der Kriegsbeute, und Tausende wurden zum Verkauf nach West-Indien verschifft.
Anfang Juni segelte Sir Henry Clinton nach New-York. Mit ihm gingen die hessischen Grenadiere und Jäger, einige hessische Regimenter blieben zurück.
Die Expeditionen nach Savannah und Charleston waren nicht die am weitesten entfernten, an denen die deutschen Hilfstruppen beteiligt waren. Im Herbst 1778 wurden ungefähr 1200 Mann Waldecker und Provinzials unter Generalmajor John Campbell abgesandt, um die Garnisonen von West-Florida zu verstärken. Sie segelten Anfang November, liefen Jamaica an und landeten Ende Januar 1779 in Pensacola. Pensacola war damals eineStadt von ungefähr 200 hölzernen Häusern, die durch Forts aus Holz und Sand verteidigt wurde. Sie lag in einer Sandwüste, die von dichten, unermesslichen Wäldern umgeben war. Nach Georgia reiste man auf dem alten Handelsweg vier Wochen lang. Die Wälder wurden durch Indianer beunruhigt, die von den Briten für jeden feindlichen Skalp drei Pfund Sterling erhielten. Die Waldecker fanden unter den Indianern einen Landsmann, Namens Brandenstein, der in seiner Jugend aus dem waldeck'schen Dienst desertiert war und nach vielen Abenteuern die Sitten und Gewohnheiten eines indianischen Kriegers angenommen hatte.
Die Besatzung von Pensacola war zuerst damit beschäftigt, die Stadt zur Verteidigung einzurichten. Oberstlieutenant Dickson, ein englischer Offizier, hielt Baton Rouge. Im Lauf des Sommers 1779 wurden ihm drei Kompagnien Waldecker zur Verstärkung zugesandt. Inzwischen war zwischen England und Spanien Krieg ausgebrochen. Don Bernardo de Galvez, der spanische Gouverneur von New-Orleans, war ein junger und energischer Mann. Er erbeutete mehrere kleine Schiffe auf dem Mississippi und in der Nähe seiner Mündung. Im September wurden 53 Waldecker auf dem Lake Pontchartrain zu Gefangenen gemacht. Die Spanier gingen gegen Baton Rouge vor und begannen nach zwei vergeblichen Versuchen, die Werke mit Sturm zu nehmen, eine regelrechte Belagerung. Dickson kapitulierte, und die Besatzung marschierte mit allen Kriegsehren aus dem Fort heraus. Sie zählten über 400, die Belagerer unter Galvez zwischen 1400 und 2000 Mann. Beinahe die Hälfte der kapitulierenden Besatzung waren Waldecker, und mehr als 30 waren von dem Regiment gefallen oder verwundet.
Die Nachricht von Dicksons Übergabe erreichte Pensacola am 20. Oktober, wurde aber zuerst mit Unglauben aufgenommen. »Ist dies nicht ein verwünschtesLand, um Krieg darin zu führen,« schreibt der Waldecker Kaplan, »wo der grössere Teil des Korps seit fünf Wochen gefangen genommen, 1200 Meilen Landes im Besitz des Feindes sind, und der kommandierende General weiss es noch nicht einmal mit Bestimmtheit.«
Im März 1780 rückte ein Teil der Besatzung von Pensacola zum Entsatz von Mobile aus, kam aber zur Rettung dieser Stadt zu spät. Bald nach Rückkehr der Truppen nach Pensacola kam vor dem Hafen eine spanische Flotte von 21 Schiffen in Sicht, verschwand aber drei Tage später wieder. Die Spanier hatten das Land bis zum Pertido River in Besitz, überschritten diesen einmal im April, wurden aber von den Indianern zurückgeworfen. Indes waren letztere sehr unzuverlässige Hilfstruppen. Der Rest des Jahres 1780 verlief ohne jegliches Ereignis von Bedeutung in Florida.
Anfang Januar 1781 machte Oberst von Hanxleden mit 115 Weissen und 300 Choctaws eine Expedition gegen French Village. Sie fanden aber einen hartnäckigen Widerstand und wurden zurückgeschlagen. Die Zahl der Toten und Verwundeten auf englischer Seite war beträchtlich; unter den Gefallenen befand sich auch Oberst von Hanxleden. Am 9. März erschien eine spanische Flotte von 38 Schiffen vor Pensacola, und während der folgenden Nacht wurde ein Truppen-Korps auf der Insel Santa Rosa ausgeschifft, welche am Eingang des Hafens liegt. Von da ab nahm die Belagerung des Ortes ihren regelmässigen Fortgang. Am 19. lief die Flotte, indem sie einen günstigen Wind benutzte, bei den Befestigungswerken vorbei, in die Bai ein. Von Zeit zu Zeit erhielten die Spanier Verstärkungen. Am 15. April brachte ein Deserteur die Nachricht, dass Galvez 10000 Mann stark sei. Der Schreiber des Waldecker Journals erwähnt diese Truppenzahl als fünfzehnmal stärker als die in Pensacola, woraus man entnehmen kann, dass General Campbell zwischen 6 und 700 Weisse befehligte. DieIndianer leisteten, obwohl dem Trunk ergeben, barbarisch und undiszipliniert, den Engländern gute Dienste. Schliesslich, am Morgen des 8. Mai, krepierte eine Bombe in dem Pulver-Magazin einer der Redouten, durch die viele pennsylvanische Tories, die das Werk besetzt hielten, getötet wurden und eine grosse Verwirrung entstand. Hieraufhin verstärkten die Spanier ihr Feuer, und am Nachmittag desselben Tages zog General Campbell die weisse Flagge auf und ergab sich unter der Bedingung, dass die ganze Besatzung nach New-York eingeschifft werden und bis zur Auswechselung nicht mehr gegen Spanien oder dessen Verbündete kämpfen sollte. Da zu jener Zeit die Vereinigten Staaten nicht mit Spanien verbündet waren, so konnten die Waldecker sofort gegen die Amerikaner Verwendung finden.
Als Sir Henry Clinton im Dezember 1779 nach Charleston segelte, legte er das Kommando über die Besatzung von New-York in die Hände des Generallieutenants von Knyphausen. Die regulären Truppen in und ausserhalb der Stadt bestanden aus etwa 6000 Engländern, Hessen und Anspachern. Durch Bewaffnung der Einwohner und Matrosen derjenigen Schiffe, welche im zugefrorenen Hafen lagen, gelang es Knyphausen, seine Truppen nahezu zu verdoppeln; die neuen Rekruten waren immerhin gut genug, um hinter den Befestigungswerken verwendet zu werden. Washington hingegen befehligte eine kleine, schlecht verpflegte und unbezahlte Armee, die im Frühjahr 1780 kaum 7000 Reguläre stark war, und selbst von diesen konnte nur die Hälfte dem Garnisondienst zur Verwendung im Felde entzogen werden.
Der Winter war ungewöhnlich kalt. Sowohl der North- und East-River und Long-Island-Sound, als auch der Kanal zwischen Staten-Island und dem New-Jersey-Ufer waren zugefroren. Dies begünstigte Unternehmungen, die fortwährend auf beiden Seiten gemacht wurden. Im Januar landete Lord Stirling auf Staten-Island, fand aber die dortige Besatzung in Bereitschaft und kehrte nach New-Jersey mit seinen Leuten zurück, von denen viele durch Erfrieren von Gliedern stark gelitten hatten. Knyphausen traf Vorbereitungen, durch das Treibeis im Hafen hindurch Verstärkungen nach der Insel zu senden.
Ende dieses Monats und anfangs Februar fanden Unternehmungen gegen Elisabethtown Newark und Youngs House statt, bei denen die Briten viele Gefangene machten.
Mit dem Jahr 1780 war ein frischer Geist in die Kriegführung hineingekommen. Howe und Burgoyne hatten gehofft, nicht nur zu erobern, sondern auch zu versöhnen. Haus und Eigentum von Nichtkombattanten war bis zu einem gewissen Grade verschont geblieben. Clinton und Cornwallis, die nach den Weisungen von Lord George Germaine verfuhren, gaben diese Politik der Versöhnung auf. Expeditionen wurden nur zum Zwecke der Plünderung und Verwüstung unternommen. Bei diesen wurden auch die Hessen verwendet. Am Abend des 22. März 1780 z. B. wurde eine Abteilung von 400 Mann, Briten und Hessen, über den Hudson gesetzt. Ungefähr um 3 Uhr morgens erreichten sie Haecensack, welches zu damaliger Zeit ein schönes, reiches Dorf war. Es wurde kein Widerstand geleistet. Nicht ein amerikanischer Soldat war im Orte, und niemand konnte die Barbareien verhindern, welche verübt wurden. Die Briten und Hessen brachen in die Häuser ein und beluden sich mit Beute. Alle männlichen Einwohner, deren sie habhaft werden konnten, wurden gefangen genommen, und nachdem das Rauben zu Ende war, steckten sie das Stadthaus und einige der Haupt-Wohngebäude in Brand.Bei Tagesanbruch kamen 5 oder 600 Amerikaner von Pollingtown zu Hilfe, und es hätte den Eindringlingen schlecht ergehen können, wenn nicht ein Detachement von ungefähr 400 Mann unter dem Parteigänger Emmerich zu ihrer Unterstützung herangekommen wäre. Sie wurden nach dem Hudson zurückgeworfen. Aus dem Tagebuch des anspach'schen Musketiers Doehla entnimmt Eelking folgende Stelle: »Wir machten beträchtliche Beute an Geld, silbernen Uhren, silbernen Tellern und Löffeln, Haushalts-Gegenständen, Kleidern, feinem englischen Leinen, seidenen Strümpfen, Handschuhen, Halstüchern und andern wertvollen seidenen Sachen und Stoffen. Meine eigene Beute, die ich glücklich zurückbrachte, bestand in zwei silbernen Uhren, drei Paar silbernen Schnallen, einem Paar Frauen-Strümpfen in Wolle, einem Paar Strümpfen für Männer, zwei Hemden und vier Vorhemden von feinem englischen Leinen, zwei feinen Tischtüchern, einem silbernen Löffel und einem Theelöffel, fünf spanischen Dollars und sechs Yorkschillings an Geld. Das andere, nämlich elf Stücke feines Leinen und über zwei Dutzend seidene Tücher, sechs silberne Teller und ein silberner Trinkbecher, was ich alles in ein Bündel zusammengeschnürt hatte, musste ich wegen des eiligen Marsches wegwerfen und den nacheilenden Feinden überlassen.«
Knyphausen behauptet, den Amerikanern im Laufe des Winters einen Verlust an 65 Toten und 320 Gefangenen zugefügt zu haben. Der beginnende Sommer gab Gelegenheit zu wichtigerer Thätigkeit. Am Abend des 6. Juni 1780 wurde die erste der fünf Divisionen des britischen Expeditions-Korps auf New-Jersey bei Elizabethtown-Point gelandet, die vier andern Divisionen folgten am nächsten Tage. Diese setzten sich aus beinahe sämtlichen regulären Truppen zusammen, die Knyphausen zu seiner Verfügung hatte. Die erste und zweite Division drangen durch Elizabethtown und Connecticut Farms vor,wo sie ziemlichen Widerstand fanden. Bei letzterem Ort machte die Armee Halt, die Jäger wurden gegen Springfield vorgeschoben. Zu jener Zeit waren die Jäger nur 300 Mann stark, da ein Teil des Korps in Charleston war, ein anderer in Kavallerie, oder besser gesagt berittene Jäger umgewandelt worden war. Diese 300 hatten an diesem Tage am meisten auszuhalten. Die Amerikaner fochten mit grosser Ausdauer und griffen wiederholt mit dem Bajonnet an. Ungefähr um 1 Uhr bekamen die Jäger Unterstützung, und der Feind wurde nach Springfield zurückgetrieben. Es begann nun ein heftiges Feuer, ungefähr um 4 Uhr nachmittags aber wurden die Jäger zurückbeordert in ihre erste Stellung, wo die Armee biwakierte. Kaum als die Pickets in einigen Häusern vor der Front postiert waren, wurden sie angegriffen. Die Jäger feuerten und schlugen die Amerikaner eine weite Strecke zurück. Die Häuser wurden verbrannt. Drei Geschütze wurden in Stellung gebracht, der Feind aber erneuerte nicht seinen Angriff. Die Jäger verloren an diesem Tage 55 Mann an Toten und Verwundeten. Während der Dämmerung brachten Deserteure die Nachricht, dass Washington mit seiner Hauptarmee während der Nacht in Springfield erwartet würde. Daraufhin brach Knyphausen um 11 Uhr abends auf und kehrte nach Elizabethtown Point zurück. Am nächsten Tage griff Lord Stirling mit der amerikanischen Avantgarde ein englisches Regiment an, dieses wurde aber von zwei deutschen Regimentern unterstützt, infolgedessen die Amerikaner nach Elizabethtown zurückgeschlagen wurden. Im Lauf der nächsten Tage fanden ununterbrochen Scharmützel statt. Am 13. machten die berittenen Jäger den Versuch, ein amerikanisches Kavallerie-Picket zu überfallen und gefangen zu nehmen, ihr Vorhaben wurde aber verraten, und das Picket entkam. »Es ist beinahe unmöglich, den Feind bei irgend einer Gelegenheit zu überraschen,« sagt das Journal des Jäger-Korps, »weil jedesHaus, in dessen Nähe man kommt, sozusagen ein vorgeschobenes Picket ist; denn der Farmer, oder sein Sohn, oder Knecht, und selbst seine Frau und Tochter schiessen mit einer Flinte oder benutzen Schleichwege, um das Herannahen des Feindes zu melden.«
Am 19. Juni hielt Sir Henry Clinton, der eben von Charleston mit den hessischen Grenadieren und dem Jäger-Detachement, den britischen Grenadieren und der leichten Infanterie und den Provincial Queens Rangers zurückgekehrt war, über Knyphausens Armee Revue ab. Es wurden Vorbereitungen zum Vormarsch getroffen, und am 23. rückten vier deutsche Regimenter, die Jäger, sechs Regimenter Engländer und Tories gegen Springfield vor. Eine Zeit lang hielten die Amerikaner die Stellung bei Connecticut Farms, zogen sich aber bald nach dem Schlachtfeld vom 7. zurück, während die englische Armee sich auf den Höhen diesseits Springfield entwickelte. Der Passaic River lag zwischen den beiden Stellungen, die Amerikaner unter Major Lee hielten die Brücke. Die Hessen durchwateten den Strom angesichts eines heftigen Feuers, während ein englisches Regiment die Brücke angriff, wodurch Lee bis auf die Höhen jenseits der Stadt zurückgeworfen wurde, wo er sich mit einem stärkeren Korps vereinigte. Die Stadt Springfield wurde genommen, und jenseits derselben schlugen sich die Jäger der Avantgarde eine Stunde lang mit dem Feinde herum. Darauf steckten die Briten die Stadt in Brand und zogen sich zurück. Die Jäger bildeten nunmehr die Arrieregarde und konnten kaum zwischen den brennenden Häusern hindurchkommen. Die Amerikaner drängten scharf nach und erschwerten ihnen den Rückzug. Ungefähr zwei Meilen von Elizabethtown wurden die Jäger von einem englischen Regiment aufgenommen, und der Rückzug wurde bis Elizabethtown Point fortgesetzt. Hier nahmen die Truppen ihre alten Stellungen ein, bekamen aber während der Nacht den Befehl, aus dem Lager aufzubrechen und nach Staten Island überzugehen. Dies geschah, und die Schiffbrücke, die am 11. zwischen der Insel und dem Festlande gebaut war, wurde sofort abgebrochen, während ein hessisches Regiment in dem Brückenkopf auf dem Jersey-Ufer verblieb, bis diese Operation vollendet war. Ungefähr um 3 Uhr morgens war die ganze Armee übergegangen. Der Verlust der Jäger am Tage vorher war beträchtlich, vierundzwanzig Tote und Verwundete bei dem Angriff auf die Brücke über den Passaic-River, und wahrscheinlich ebensoviel jenseits des Flusses und auf dem Rückzuge.
Diese Expedition nach Springfield war der letzte Versuch, den Sir Henry Clinton machte, um Washingtons Hauptarmee in New-Jersey anzugreifen. Der übrige Teil des Jahres verlief, abgesehen von dem Verrat Arnolds und der Hinrichtung von André in den Nordstaaten, ohne besonders wichtige Ereignisse; auch ist in der ersten Hälfte des Jahres 1781 kein Zusammenstoss zu verzeichnen, welcher als etwas anderes als ein Scharmützel gelten könnte.
Am Abend des 2. Juli 1781 war der Parteigänger Emmerich mit hundert Mann nach Philipps House marschiert. Während der Nacht hatte Oberstlieutenant von Wurmb die Meldung bekommen, dass die amerikanische Armee auf New-York im Anmarsch wäre, und dass deren Avantgarde bei Sing-Sing beobachtet worden sei. Es wurde deshalb ein Oberstlieutenant mit 200 Jägern und 30 Kavalleristen bei Morgengrauen abgesandt, um Nachrichten zu bringen und den Rückzug Emmerichs zu decken. Der Oberstlieutenant ging über Kingsbridge den Harlem Creek entlang, gleichzeitig einen Unteroffizier und 10 Mann mit dem Auftrag entsendend, die Ruinen des Forts Independence, welches seine Strasse beherrschte, zu rekognoszieren. Beim Erreichen der Höhe, auf welcher das Fort erbaut worden war, bemerkte der die Rekognoszierungs-Patrouille befehligende Sergeant Rübenkönig in nächsterNähe einige Leute. Nicht im Stande, in der Morgendämmerung zu unterscheiden, wer sie wären, ging er ihnen allein entgegen und glaubte die blauen Röcke mit den strohfarbenen Besätzen des Regiments von Donop, von welchem ein Teil unter Emmerichs Kommando war, zu erkennen. Er hätte ihnen beinahe »Guten Morgen« gewünscht, als ein halbes Dutzend Leute auf ihn los sprang, ihn bei den Haaren und dem Bandolier seiner Patronentasche fasste und versuchte, ihn festzuhalten. Rübenkönig aber entwand sich ihren Händen und eilte unter dem Ruf: »Rebellen, Rebellen!« zu seiner Abteilung.
Die Avantgarde der Jäger befand sich unterdessen auf dem Engweg zwischen dem Hügel, auf welchem das Fort war, und Harlem River. Die Leute hatten ihren Rückweg durch einen Morast zu machen. Die Stelle, wo die Hauptabteilung aufmarschiert war, war eng und unvorteilhaft. Der erste Ansturm gegen die Amerikaner wurde abgeschlagen, wobei die Deutschen in Unordnung zurückgingen. Darauf attackierte die Kavallerie ohne Erfolg, die Amerikaner aber zogen sich nach den Ruinen des Forts zurück, wodurch die Jäger Zeit fanden, sich in Ordnung und in einer günstigen Stellung zu sammeln. Schliesslich wurden die Amerikaner aus ihrer Stellung vertrieben, wohl infolge der Annäherung von Verstärkungen auf Seiten der Deutschen, denn Oberstlieutenant von Wurmb traf um diese Zeit ein. Sie zogen sich auf eine Höhe in einer Entfernung von ungefähr 1000 Yards zurück, etwa 6-700 Mann stark. Emmerich hatte sich mit seiner Abteilung inzwischen über den Spyt den Duyvel Creek zurückgezogen, und war, da die Brücke in Händen des Feindes war, von den Jägern abgeschnitten worden. Das ganze Korps mit der Kavallerie ging deshalb vor, um die Brücke zu nehmen; die Amerikaner zogen sich langsam zurück. Wurmb machte hier, nachdem er seinen Auftrag soweit ausgeführt, und in dem Glauben, der Feindwollte ihn in einen Hinterhalt locken, mit seinem Detachement Halt und schickte Meldung an das Hauptquartier. Am Nachmittag ging die amerikanische Armee vor und lagerte auf Valentines Hill in einer Ausdehnung von Courtlands Reach bis Spyt den Duyvel. Der hessische Verlust in diesem Gefecht betrug 30 Mann tot und verwundet.
Am 6. Juli 1781 vereinigte sich die französische Armee unter Rochambeau mit der von Washington vor New-York; länger als einen Monat bestand die Kriegführung in Scharmützeln; Sir Henry Clinton machte sich nämlich darauf gefasst, in New-York belagert zu werden, sobald die französische Flotte von West-Indien ankommen würde.
Am 18. August 1781 wurde das Übergehen des Feindes über den North-River gemeldet. Doch noch immer wurden Clintons Augen nicht geöffnet. Vergebens machte Oberstlieutenant von Wurmb von den Jägern, der die Erlaubnis hatte, auf eigene Faust Spione auszuschicken, den Oberkommandierenden darauf aufmerksam, dass die vereinigte Armee auf dem Marsche nach Virginia begriffen sei. Der Oberstlieutenant nahm dies aus zwei Gründen an. Der erste war, dass Vorbereitungen getroffen wurden, die Amerikaner und Franzosen auf der Strasse durch New-Jersey mit Lebensmitteln und Fourage zu verproviantieren; der zweite, dass der Oberstlieutenant gehört hatte, eine Amerikanerin, die Gattin eines höhern französischen Offiziers, wäre angewiesen worden, nach Trenton zu gehen. General Clinton liess sich nicht überzeugen, bis es zu spät war, dieser Bewegung entgegen zu treten.
Selbst nachdem ihm Washingtons Plan klar geworden war, war er nicht gewillt, seine ganze verfügbare Streitmacht wenigstens zu einer Diversion zu Gunsten von Lord Cornwallis zu verwenden. Es lässt sich jetzt schwer sagen, ob eine Unternehmung gegen Philadelphia oderden Hudson hinauf eine Umkehr der Verbündeten von Ihrem Zug nach dem Süden veranlasst haben würde. Clinton indessen begnügte sich damit, Vorbereitungen zur Einschiffung eines Korps nach Yorktown zu treffen, und ein Detachement unter Benedict Arnold, der kurz vorher von Virginia zurückgekehrt war, nach der Küste von Connecticut zu entsenden. Arnold erreichte an der Spitze von zwei englischen Regimentern und 100 hessischen Jägern am 6. September New-London und stürmte das Fort, dessen kleine Besatzung eine verzweifelte Gegenwehr machte. Arnold steckte einen Teil der Stadt, die Magazine und die Schiffe auf dem Stapel in Brand. Die Schiffe im Hafen entkamen den Fluss hinauf.
Nicht vor dem 19. Oktober kam die britische Flotte dazu, in See zu stechen, um Lord Cornwallis zu Hilfe zu kommen. Die hessischen Grenadiere und die andern Truppen waren an Bord der Kriegsschiffe genommen worden. Am 28. Oktober traf die Flotte am Eingang in die Chesapeake Bay ein, und erhielt vom Ufer aus die Nachricht von der Übergabe Cornwallis. »Diese zweite Burgoynade,« schreibt ein hessischer Offizier, »wird jedenfalls viel dazu beitragen, den Krieg zu einem unglücklichen Ende zu bringen.« Diese Voraussagung hat sich vom Standpunkt des Offiziers aus bewahrheitet. Doch jetzt müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf die Ereignisse lenken, die zur Katastrophe von Yorktown führten.