Kapitel XV.

Die Bedingungen, unter welchen sich Burgoynes Armee bei Saratoga ergab, wurden niemals erfüllt. Die Soldaten wurden im Wesentlichen als Kriegsgefangene behandelt. Dieses führte zu heftigen Klagen ihrerseits sowohl zu jener Zeit, wie von Seiten deutscher und englischer Geschichtsschreiber bis auf den heutigen Tag. Eswird von Bankroft berichtet, dass bei der Übergabe die Konvention von den Briten dadurch gebrochen worden sei, dass die Kriegskasse und anderes Staatseigentum verheimlicht worden sei, um welches die Vereinigten Staaten auf diese Weise betrogen wurden. Im November 1777 schrieb Burgoyne eine unüberlegte und grundlose Klage gegen die Verletzungen durch die Amerikaner und folgerte daraus, dass er den angeblichen Bruch benutzen könnte, sich und seine Regierung von allen Verpflichtungen zu entbinden. Burgoyne verweigerte auch, die notwendigen Listen aller in die Übergabe einbegriffenen Personen herauszugeben. Der Kongress weigerte sich daraufhin, seine Armee eher einzuschiffen als bis die Kapitulation durch die Regierung von Grossbritannien bestätigt wäre.

Es scheint mir, dass in der Behandlung dieser Angelegenheit der Kongress seine Ehre und die des Landes nicht richtig wahrte. Es war richtig, dass Gates einen schlechten Handel gemacht hatte. Aber dieser Handel war mit Bewusstsein gemacht worden und Burgoynes Soldaten hatten dadurch, dass sie die Waffen streckten, die wichtigsten der ihnen auferlegten Bedingungen erfüllt. Es lag nunmehr den Amerikanern ob, auch ihrerseits dem Vertrage nachzukommen, und schlimmstenfalls eine offenbare Verletzung der untergeordneten Artikel der Kapitulation oder der sehr deutliche Beweis der Absicht auf englischer Seite, das Wort zu brechen, hätte den siegreichen Teil veranlasst haben sollen, die Erfüllung seiner Versprechungen zurückziehen.

Während der Kongress gesonnen war, die deutschen Gefangenen in Amerika zu behalten, beeilte sich ihr eigener Fürst keineswegs, sie wieder nach Europa zurückzuerlangen. Auf die Nachricht der Kapitulation von Saratoga schrieb der Minister des Herzogs von Braunschweig an den englischen Kommissionär, dass man den Leuten, die sich ergeben hätten, die Rückkehrnach Deutschland verwehren sollte, damit sie nicht noch andere von der Einreihung in die Armee abschreckten. »Schickt die Übriggebliebenen auf eine Eurer Inseln in Amerika, steckt sie in Europa auf einer von Euren Inseln, wie z. B. auf der Insel Wight fest.« Auf keinen Fall durften die armen Teufel nach Hause kommen.

Am 17. Oktober 1777 streckten General Burgoynes Soldaten die Waffen in Saratoga. Dies durften sie ohne Beisein irgend einer amerikanischen Truppenabteilung thun. General Riedesel hatte Befehl gegeben, dass die Fahnen der braunschweigischen Regimenter nicht überliefert werden sollten. Er liess die Fahnenstangen verbrennen und verbarg die Fahnentücher, indem er den Amerikanern gegenüber vorgab, dass die letzteren auch verbrannt wären. Er verbarg sie, bis die Gefangenen einige Zeit in Cambridge verweilt hatten und er die Baronin in das Geheimnis eingeweiht hatte. Frau von Riedesel nähte sie mit Hilfe eines »recht ehrlichen Schneiders« in eine Matratze ein, und es wurde unter irgend einem Vorwand ein Offizier durch die Linie nach New-York gesandt, der die Matratze als Teil seines Bettes mitnahm. So wurden die braunschweigischen Fahnen gerettet. Burgoyne hatte sein Ehrenwort gegeben, dass die Offiziere nichts von dem königlichen Eigentum in ihrem Privat-Gepäck mitnehmen würden. Vielleicht meinte man, dass die Fahnen dem Herzog von Braunschweig gehörten und nicht dem König, der sie nur gemietet hatte in Gemeinschaft mit den Verteidigern derselben.

Nachdem die Waffen niedergelegt waren, marschierten die Braunschweiger durch das amerikanische Lager, wo die siegreiche Armee aufgestellt war, um sie zu empfangen. Nicht ein Regiment war richtig uniformiert, sondern jeder Mann war in den Kleidern, die er auf dem Feld, in der Kirche oder im Bierhaus trug. Aber sie standen da wie Soldaten, in guter Ordnung und sehrmilitärisch, zur grossen Verwunderung der deutschen Offiziere. »Die Leute standen so still, dass wir mit Erstaunen erfüllt wurden,« schreibt einer, »nicht ein Mann machte Miene auch nur mit seinem Nebenmanne zu sprechen. Ausserdem standen die Leute alle so aufgerichtet im Gliede, sahen so schön und kräftig aus, dass es ein Vergnügen war sie anzusehen, und wir alle waren verwundert über diesen schönen Menschenschlag..... In der That, Englisch-Amerika übertrifft den grössten Teil von Europa, was die Grösse und Schönheit seiner Männer anlangt.«

Nur wenige Offiziere in Gates Armee trugen Uniformen, und diese wenigen trugen sie nach ihrer eigenen Fantasie, von irgend welchem Tuch, das ihnen in die Hände kam. Grosse und kleine Perrücken, schwarze, weisse und graue zierten oder verunzierten ihre Köpfe. Einige von ihnen sahen aus, als trügen sie ein ganzes Schaf auf ihren Schultern. Diese grossen Perrücken flössten, unserem Braunschweiger zufolge, dem gewöhnlichen Volk grosse Ehrfurcht ein. Unter den Trägern dieser Perrücken waren viele 50 bis 60 Jahre alt, und nunmehr zum ersten Mal in Reihe und Glied, zwar etwas schwerfällig ihrer Erscheinung nach, aber durchaus eifrig, ohne sich zu vernachlässigen, besonders in den Wäldern. »In vollkommenem Ernst,« sagt der deutsche Offizier, »diese ganze Nation hat viel natürliche Beanlagung zum Krieg und Soldatenleben.«

Als die Truppen, die sich ergeben hatten, durch die Reihen der Amerikaner schritten, zeigte ihnen nicht ein Mann von der siegreichen Armee seine Missachtung oder verhöhnte sie wegen ihres Missgeschickes. Die Deutschen bezeugen insgesamt, dass Offiziere sowohl wie Soldaten sie mit Güte und Wohlwollen behandelten. General Gates lud alle höheren Offiziere in sein Zelt ein und behielt die Generäle zum Mittagessen zurück. Schuyler erwies Frau von Riedesel besondere Artigkeit. Er kam ihr entgegen,als sie in das Lager kam, hob ihre Kinder aus dem Wagen, küsste sie und half ihr aus dem Wagen aussteigen. Nach wenigen ermutigenden Worten führte er sie zu General Gates, mit dem sie Burgoyne zusammen stehen sah, der anscheinend auf ganz freundschaftlichem Fuss mit ihm stand. Er sagte zu ihr, dass sie keine Angst haben sollte, denn ihre Leiden hätten nun ein Ende. »Ich antwortete,« schreibt die Baronin, »ich würde freilich Unrecht haben, noch Besorgnisse zu haben, wenn unser Chef keine mehr hätte und ich ihn auf einem so guten Fuss mit General Gates sähe.«

Schuyler hatte Frau von Riedesel und ihren Kindern in seinem eigenen Zelt ein Mittagessen auftragen lassen (»geräucherte Zunge, Beefsteak, Kartoffeln, gute Butter und Brod«), und sie verbrachte drei Tage mit seiner Familie in Albany, wo sie mit der grössten Freundlichkeit behandelt wurde. Burgoyne war auch Schuylers Gast in Albany. Er machte Entschuldigungen dem letzteren gegenüber, dass er ihm sein Haus und seine Scheunen in Saratoga verbrannt hätte. »Das ist das Schicksal des Krieges«, erwiderte der brave Mann, »lassen Sie uns davon nicht weiter reden.«

Die Gefangenen oder »Konventionisten«, wie sie sich nannten, traten nun ihren Marsch durch Massachusetts hindurch an. Das Wetter war kalt und die Wege schlecht. Der Marsch dauerte vom 17. Oktober bis zum 7. November. An einigen Orten weigerten sich die Einwohner, die Gefangenen in ihre Häuser aufzunehmen, und an andern Orten, wo es nötig war Halt zu machen, waren nicht Häuser genug, um sie zu beherbergen. Die Einwohner ihrerseits beklagten sich, dass die durchmarschierenden Gefangenen ihre Gelände verbrannten, ihr Viehfutter unbrauchbar machten und Kleider und Möbel aus ihren Häusern stahlen. Von allen Seiten strömte das Landvolk zusammen, um die Gefangenen zu sehen und man drängte sich in die Häuser, wo sie einquartiert waren, bis die Offiziere anfingen zu argwöhnen, dass die Hauswirte Geld für dieses Schauspiel nähmen.

Auf diese Weise sahen die Deutschen viel von der weiblichen Landbevölkerung, und derselbe Offizier, der die obenerwähnte Beschreibung der amerikanischen Soldaten verfasst hat, hat uns die ersten Eindrücke von Neu-Englands Frauen auf ihn hinterlassen.

»Die Frauen in allen Gegenden von Boston bis New-York sind schlank und gerade gewachsen, wohlgenährt ohne plump zu sein. Sie haben hübsche, kleine Füsse, gute, kräftige Hände und Arme, eine sehr weisse Haut und eine sehr gesunde Gesichtsfarbe, sodass sie sich nicht zu malen brauchen. Kaum eine von denen, die ich gesehen habe, hatte Pockennarben auf dem Gesicht; denn das Impfen ist hier schon seit vielen Jahren gebräuchlich. Ihre Zähne sind sehr weiss, ihre Lippen schön und ihre Augen lebhaft und lachend. Obendrein haben sie natürliche und ungezwungene Manieren, eine freie und fröhliche Miene, eine natürliche Sicherheit im Auftreten. Sie geben viel auf Reinlichkeit und gutes Schuhwerk. Sie ziehen sich sehr hübsch an, aber ihre Kleider müssen sehr eng anliegen..... Sie locken ihr Haar jeden Tag, machen es von hinten zu einem Chignon zurecht und vorn über ein Kissen von mässiger Höhe. Gewöhnlich gehen sie barhäuptig aus, oder setzen höchstens ein kleines herzförmiges Ding oder irgend eine derartige Kleinigkeit auf ihren Kopf. Hier und da lässt eine Land-Nymphe ihr Haar fliegen und schmückt es mit einem Band. Obschon die Hütte, in der sie leben, ärmlich sein mag, so tragen sie doch einen seidenen Mantel und Handschuh, wenn sie ausgehen. Sie wissen sich sehr hübsch in den Mantel zu hüllen, so dass ein kleiner, weisser Ellbogen daraus hervorguckt. Dann tragen sie eine Art gut gearbeiteten Krempenhut, unter welchem sie mit ihren schelmischen Augen kokett hervorsehen. In den englischen Kolonien haben die Schönen eine Vorliebe fürMäntel von roter Seide oder Wolle. In dieser Art gekleidet, läuft, springt und tanzt das junge Mädchen umher, wünscht Ihnen einen »Guten Morgen« oder giebt, der Frage entsprechend, eine schnippische Antwort. So standen sie zu Dutzenden den ganzen Weg entlang, liessen uns Revue passieren, lachten mokant über uns oder liessen von Zeit zu Zeit eine boshafte Bemerkung fallen und händigten uns einen Apfel ein. Wir dachten erst, dass es Mädchen aus der Stadt wären oder wenigstens von der zweiten Klasse, aber keineswegs! Sie waren die Töchter von armen Bauern, die man an ihrer Kleidung als arme Bauern erkennen konnte.«

Der Offizier fährt mit seinen sozialen Beobachtungen fort. Es scheint, dass in ganz Amerika die Männer den Frauen völlig unterthan sind. Die letzteren gebrauchen ihre Gewalt in Kanada zum Besten der Männer, in New-England aber zu ihrem Ruin. Die Frauen sind extravagant. Wie sie es fertig bekommen, den Männern so schwer zur Last zu fallen, ist unserm guten Deutschen ein Rätsel, da er sieht, dass sie weder kratzen, noch beissen, noch Ohnmachtsanfälle bekommen. Bei all diesem setzten sie ihre Hoffnung auf die britische Krone. Die Frauen tragen jetzt ihren Sonntagsstaat an den Wochentagen. Wenn es abgetragen ist, wird Friede mit Grossbritannien gemacht sein, um dann neu mit allem versorgt zu werden.

Wir kommen nun zu den Negern. Diese findet man auf den meisten Farmen westlich von Springfield. Die schwarze Familie lebt in einem kleinen Hinterhaus. »Die Neger sind sehr fruchtbar hier, wie das übrige Vieh. Die Jüngeren werden sehr gut gefüttert, besonders während sie noch Kälber sind. Überdies ist die Sklaverei sehr erträglich. Der Neger wird als der Knecht des Bauern angesehen; die Negerin thut die ganze grobe Hausarbeit; und die schwarzen Kinder warten die weissen Kinder. Der Neger kann für seinen Herrn zu Feldeziehen, und so sieht man nicht ein Regiment, in welchem sich nicht eine grosse Anzahl Schwarzer befindet; und es giebt gutgewachsene, starke und stämmige Burschen unter ihnen. Es sind auch viele Familien freier Schwarzer hier, die gute Häuser inne haben, Mittel besitzen und ganz nach Art der andern Bewohner leben. Es sieht komisch genug aus, wenn Miss Negerin ihr wolliges Haar über ein Kissen zurechtfrisiert, einen kleinen Hut mit Krempe auf den Kopf setzt, sich in ihren Mantel hüllt und in diesem Putz die Strasse entlanggrätschelt mit einer Negersklavin, die hinter ihr herwatschelt.«

Baronin Riedesel machte ihre ersten Beobachtungen über die Amerikaner. Sie erzählt, dass eines Nachts ihr Mann krank war, und dass die Wache vor seiner Thür trank und Lärm machte. Er schickte hinaus und liess sie bitten ruhig zu sein, worauf sie ihren Lärm noch verdoppelten. Frau von Riedesel ging darauf hinaus, sagte ihnen, dass ihr Mann krank sei und bat sie, sie möchten weniger Geräusch machen. Darauf waren sie sofort ruhig, »ein Beweis«, sagt die Baronin, »das diese Nation auch Achtung vor unserm Geschlecht hat.« Die Bürger-Offiziere waren den Deutschen ein fortwährendes Rätsel. Keine Geschichte war ihnen zu aussergewöhnlich, um sie zu glauben. »Ihre Generale, die uns begleiteten, waren zum Teil vom Schuster-Handwerk und machten an den Rasttagen Stiefel für unsere Offiziere, besserten auch wohl die Schuhe unserer Soldaten aus. Sie setzten einen grossen Wert auf das gemünzte Geld, welches bei ihnen selten war. Einem unserer Offiziere waren seine Stiefel ganz zerrissen. Er sah, dass ein amerikanischer General ein gutes Paar anhatte und sagte ihm zum Spass: »Ich gäbe ihm gern eine Guinee dafür.« Gleich stieg der General vom Pferde, nahm die Guinee, gab seine Stiefeln, und setzte sich mit des Offiziers zerrissenen Stiefeln wieder auf.« General von Riedesels Gemütsstimmung zu jener Zeit war durch mangelhafte Gesundheit und sein Missgeschick verbittert. Wir müssen dies berücksichtigen, wenn wir sein Urteil hören, welches er über die Amerikaner fällt. Allerdings es wird erwähnt, er habe gesagt, dass er nur einen amerikanischen Offizier in Cambridge getroffen, vor dem er Respekt gehabt habe. Von den Mitgliedern des General Court of Massachusetts macht er eine merkwürdige Schilderung. »Man sieht in diesen Männern genau den National-Charakter der Eingeborenen von Neu-England; vornehmlich zeichnen sie sich vor andern durch die Art sich zu kleiden aus. So behaupten sie alle unter einer überaus dicken, runden, gelblichen Stutzperrücke eine recht ehrenhafte Magistratsmiene. Ihre Kleider sind nach der ganz alten englischen Mode, darüber sie im Winter und Sommer einen blauen Roquelaure mit Ärmeln tragen, den sie mit einem ledernen Riemen fest um den Leib schnallen. Selten sieht man einen ohne Peitsche. Meistens sind sie alle untersetzter Natur und mittelmässig gross, sodass es schwer fällt, einen vom andern zu unterscheiden, wenn sie als Delegaten ihrer Townships zu dem Konsul von Boston gefordert werden, oder in Miliz-Angelegenheiten erscheinen müssen. Nicht der zehnte Teil von ihnen kann geschriebene Schrift lesen und noch weniger können sie schreiben. Diese Kunst ist ausser bei Leuten von der Feder nur allein bei dem weiblichen Geschlecht anzutreffen, welches überhaupt gut erzogen wird und daher die Herrschaft über die Männer mehr als eine andere Nation in der Welt zu behaupten weiss. Die Neu-Engländer wollen alle Politici sein, lieben daher die Tavernen und Grog-bowl, bei welchen sie ihre Geschäfte abthun, und vom Morgen bis in die Nacht trinken. Sie sind im allerhöchsten Grad neugierig, leichtgläubig und bis zur Raserei für die Freiheit eingenommen, dabei aber auch zugleich so blind, dass ihnen das schwere Joch der Sklaverei unter ihrem Kongress, worunter sie eigentlich schon jetzt zu sinken anfangen, bisher noch ganz unsichtbar geblieben ist.«

Auf der andern Seite konnten die Amerikaner, wenn wir dem oben erwähnten braunschweigischen Offizier glauben wollen, nicht die gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer Gefangenen verstehen. »Es war den Bewohnern schwer begreiflich zu machen,« sagt er, »dass unsere Offiziere kein Gewerbe trieben.« Sie hatten geglaubt, dass es Eigensinn von ihnen wäre, keine andere Beschäftigung zu haben.

Die deutschen »Konventionisten« wurden in Baracken auf dem Winter Hill bei Cambridge, Massachusetts, untergebracht, die Engländer auf dem benachbarten Prospekt Hill. Diese Baracken waren von den Amerikanern zu ihrem eigenen Gebrauch während der Belagerung von Boston errichtet worden und waren von der leichtesten Bauart. Der Wind blies durch die Wände, der Regen sickerte durch das Dach, der Schnee lag in Haufen auf dem Fussboden. Holz und Stroh war nur sehr knapp vorhanden, und die Uniformen, die einen schweren Feldzug in der Wildnis hatten aushalten müssen, hingen in Fetzen an den frierenden Soldaten herunter. Sie schnitten die Schösse von ihren Röcken ab, um sich Flicken für die übrigen Kleidungsstücke davon zu machen. Selbst im Hospital war es bitter kalt. Hoffnung und Enttäuschungen erfüllten abwechselnd die Brust der Gefangenen, je nachdem die Verhandlungen wegen ihrer Rückkehr nach England wieder aufgenommen oder abgebrochen worden waren. Einmal während ihres dortigen Aufenthaltes kam die Hoffnung auf Befreiung, und es wurden von den Deutschen Vorbereitungen getroffen, die freundliche Flotte zu begrüssen, von den Amerikanern aber, ihre Gefangenen nach Quartieren mehr im Innern des Landes zu transportieren. Die grössten Leiden die vielleicht die Gefangenen auszustehen gehabt hatten, bestanden in der Eintönigkeit ihres Gefangenenlebens. Es gab nichts zu thun, denn ein wenig Exerzieren ohne Gewehre kann schwerlich eine Beschäftigung genannt werden.Wir erfahren aus den Journalen und Briefen der Offiziere die Folgen dieser Unthätigkeit. Es gab Streitigkeiten mit der amerikanischen Wacht-Besatzung. In dieser Hinsicht verhielten sich indessen die Deutschen etwas besser als die Engländer. Riedesels Sorgfalt, die Disziplin unter seinen Leuten aufrecht zu erhalten, hatte man bemerkt, und die Amerikaner machten es sich zur Gewohnheit jeden deutschen Delinquenten seinen eigenen Offizieren zur Bestrafung zu überantworten.

Die Lage der Soldaten, welche nicht in Burgoynes Uebergabe mit eingeschlossen waren, die Gefangenen von Bennington und der Gefechte nördlich Stillwater, war in mancher Hinsicht eine glücklichere. Diese begaben sich zum grösseren Teil in den Dienst Neu-Englischer Farmer. Vielen wurde auch erlaubt, das Lager auf dem Winter Hill zu besuchen, um die »Konventionisten« zum desertieren zu verleiten, wie die Deutschen sagen. Im Frühjahr als die Versuchung, hinaus aufs Land zu kommen, stark wurde, hielt es Riedesel für weise, die Pforte etwas zu öffnen und gab einigen Soldaten Erlaubnis auf den Farmen zu arbeiten, unter der Bedingung einmal in der Woche ins Lager zurückzukommen. Die deutschen Offiziere waren meist in den ungemütlichen Häusern in der Nähe des Hills oder in den Baracken selbst einquartiert. Die Generale hatten indessen gute Häuser in Cambridge. Niemand, ohne Ansehen des Ranges, durfte nach Boston kommen, Baronin Riedesel ging gelegentlich dorthin. Sie sagt, dass die Stadt sehr hübsch wäre, aber bewohnt von heissblütigen Patrioten und voll von gemeinem Volk. Frauen wollten sogar vor ihr ausspucken auf der Strasse. Grosses Verlangen trug die Baronin, Mrs. Carter, die Tochter von General Schuyler, zu besuchen. Diese Dame war sanft und gut wie ihre Eltern, aber ihr Mann, wie Frau von Riedesel meint, böse und falsch. »Sie kamen uns oft zu besuchen und assen auch bei uns mit den andern Generalen. Wir suchten ihnen auf alle Weise unsere Erkenntlichkeitzu bezeigen. Sie schienen auch viel Freundschaft für uns zu haben, und doch war es zur nämlichen Zeit, dass dieser garstige Carter, als General Howe viele Dörfer und kleine Städte angesteckt hatte, den Amerikanern den abscheulichen Vorschlag machte, unseren Generalen die Köpfe abzuhauen, diese in kleine Fässer einzusalzen und den Engländern für jedes angesteckte Dorf oder Städtchen ein solches Fässchen zu überschicken, welcher unmenschliche Vorschlag glücklicherweise nicht angenommen ward.«

»Am 3. Juni 1778 gab ich einen Ball nebst Souper zur Feier des Geburtstages meines Mannes. Ich hatte alle Generale und Offiziere dazu eingeladen. Auch die Carters waren mit dabei. General Burgoyne liess absagen, nachdem er uns bis 8 Uhr abends hatte warten lassen. Er entschuldigte sich immer unter verschiedenem Vorwande zu uns zu kommen, bis zu seiner Abreise nach England, wo er kam und mir grosse Entschuldigungen deshalb machte, worauf ich aber nichts weiter antwortete als, dass es mir würde leid gethan haben, wenn er sich unseretwegen geniert hätte.

»Man tanzte viel, und unser Koch hatte uns ein prächtiges Souper von mehr als 80 Kouverts zubereitet. Überdem war auch noch unser Hof und Garten erleuchtet. Da der Geburtstag des Königs von England Tages darauf als den 4. war, so wurde beschlossen, dass man sich nicht eher trennen wollte, bis man seine Gesundheit getrunken; welches auch mit der herzlichsten Anhänglichkeit an seine Person und sein Interesse ausgeführt wurde.«

»Nie, glaube ich, ist das 'God save the King' mit mehr Enthusiasmus und mit aufrichtigeren Gesinnungen gesungen worden. Sogar meine ältesten beiden kleinen Töchter waren mit dabei, die man heruntergeholt hatte, um die Illumination zu sehen. Alle Augen waren voll Thränen, und es schien, als wenn jeder darauf stolz war, den Mut zu haben, dieses so mitten unter den Feinden zu wagen. Sogar die Carters hatten nicht das Herz sichauszuschliessen. Als die Gesellschaft auseinanderging, sah man das ganze Haus umringt von Amerikanern, die, als sie so viel Leute hineingehen und die Illumination gesehen, den Verdacht geschöpft hatten, dass wir eine Empörung im Sinne hätten; und wenn der mindeste Lärm entstanden wäre, hätte uns dieses können teuer zu stehen kommen.«

»Die Amerikaner, wenn sie ihre Truppen versammeln wollen, setzen brennende Pechfackeln auf die Anhöhen, auf welches Signal Jeder herzueilet. Wir waren einmal Zeugen davon, als der General Howe eine Landung zu Boston versuchen wollte, um die gefangenen Truppen zu befreien. Man erfuhr dieses wie gewöhnlich längst voraus und steckte die Pechtonnen an, worauf man drei oder vier Tage nacheinander eine Menge Leute ohne Schuhe und Strümpfe und die Flinte auf dem Rücken eiligst herzulaufen sah, wodurch bald so viele Leute zusammenkamen, dass eine Landung zu schwer gefallen sein würde.«

Im November 1778 mussten die Braunschweiger die Umgegend von Boston verlassen, wo sie anfingen sich etwas heimisch zu fühlen, und zu dem langen Marsche nach Virginien aufbrechen. Frau von Riedesel begleitete auch hierhin ihren Gemahl; sie hatte eine bequeme englische Kutsche gefunden, in welcher sie die Reise unternehmen konnte. An einem der Orte, an welchem ein Rasttag gehalten wurde, traf sie mit General Lafayette zusammen, den ihr Mann zum Essen lud. Lafayette erzählte ihr viel von der Gnade, die der König von England für ihn gehabt, ihm alles zu zeigen. Die Baronin fragte ihn, wie er es hätte über das Herz bringen können, soviel Gnadenbezeugungen von dem Könige anzunehmen, da er doch im Begriff gewesen wäre abzureisen, um gegen ihn zu fechten. Der Marquis schien etwas beschämt zu sein und antwortete: »Es ist wahr, der Gedanke ging mir durch die Seele, sodass, als mir eines Tages der König anbot, mir seine Flotte zeigen zu lassen, ich erwiderte,dass ich hoffte, sie eines Tages zu sehen, und dann heimlich wegging, um aus der Verlegenheit zu kommen, es noch einmal ablehnen zu müssen.«

Frau von Riedesel hatte auf der Reise Gelegenheit, die Gesinnungen der Bewohner gegen die Gefangenen etwas zu beobachten. In einem Hause, wo sie übernachtete, bemerkte sie eine Menge Fleisch und bat die Wirtin, ihr etwas davon zu überlassen. »Ich habe vielerlei«, antwortete sie, »da ist Rindfleisch, Kalbfleisch und Hammelfleisch.« Der Mund wurde ihr schon wässrig. »Geben sie her«, sagte sie, »ich werde Sie gut bezahlen.« Die Wirtin schlug ihr hierauf ein Schnippchen fast unter der Nase. »Nichts sollt Ihr haben,« schrie sie, »warum seid Ihr aus Euerm Land gekommen, um uns tot zu machen und unser Hab' und Gut aufzuzehren? Nun seid Ihr unsere Gefangenen, so ist nun die Reihe an uns, Euch zu quälen.« »Seht diese armen Kinder,« antwortete die Baronin, »sie kommen fast um vor Hunger.« Die Frau blieb unerbittlich, bis Frau von Riedesels kleines, erst zweieinhalb Jahre altes Töchterchen ihre Hand ergriff und sagte: »Gute Frau, ich bin sehr hungrig.« Darauf nahm sie das Kind mit in die Stube und gab ihm ein Ei. »Nein,« sagte das Kind, »ich habe noch zwei Schwestern.« Das rührte die Frau, sie gab ihr drei Eier und bot der Mutter Brot und Milch an. Frau von Riedesel benutzte diese Gelegenheit, holte ihren Thee herbei, der damals etwas sehr Seltenes war und bot der Frau davon an. Die Baronin ging darauf in die Küche, wo sie deren Mann fand, der einen Schweineschwanz kaute. Diesen reichte er dann seiner Frau, die auch etwas daran kaute und ihn dann zurückgab. Da die Baronin diesem Schauspiel eifrig zusah (»mit Verwunderung und Ekel«), so reichte er ihr auch das beinahe ganz abgenagte Stück hin, und sie konnte nicht anders als es anzunehmen, that so, als ob sie davon ässe und praktizierte es dann sachte in das Feuer. Nun war völliger Friede geschlossen, unddie Baronin Riedesel erhielt ihre Kartoffeln und machte eine gute Suppe davon.

Dies war nicht der einzige Fall, dass der Baronin und ihren Kindern die Verpflegung vorenthalten oder ihnen wegen der Unterkunft Schwierigkeiten gemacht wurden. Die Leute, bei denen sie wohnte, waren gewöhnlich heissblütige Revolutionäre. Ein anderes Mal hatte sie ihr Nachtquartier in dem Haus eines Oberst Howe, dem sie ein Kompliment zu sagen glaubte, indem sie ihn fragte, ob er ein Verwandter des englischen Generals jenes Namens wäre. »Gott behüte«, antwortete er, »der ist meiner nicht wert.« »Dieser selbige Oberst hatte eine hübsche Tochter, 14 Jahre alt, aber von böser Gemütsart,« sagt Frau von Riedesel. »Ich sass mit ihr vor einem guten Kaminfeuer, sie sah die glühenden Kohlen an und rief aus: »Ha, wenn ich den König von England hier hätte! Mit welchem Vergnügen schnitt ich ihm den Leib auf, riss sein Herz heraus, zerlegte es, briete es auf den Kohlen und verzehrte es dann.« Ich blickte sie mit Abscheu an und sagte ihr: »Ich schäme mich fast, von einem Geschlecht zu sein, das fähig ist, eine solche Lust zu bekommen.«

Mitte Januar 1779 erreichten die Deutschen Charlottesville in Virginia. Hier fanden sie keine Baracken vor und waren genötigt, sie sich selbst zu bauen. Bald war ein Dorf entstanden, und hier und in anderen Teilen von Virginia brachten sie den Rest ihrer Gefangenschaft zu. Für viele dauerte sie noch bis zum Ende des Krieges. Die Soldaten legten sich Gärten und Hühnerhöfe an. Die Offiziere kauften sich gute Reitpferde. In einer der Niederlassungen war von den englischen Soldaten ein kleines Theater gebaut worden, und es wurden Spottstücke aufgeführt, in welchem die Gefangenen über ihre Gewalthaber herzogen, bis man es für nötig hielt, der amerikanischen Miliz das Zusehen zu verbieten. General Riedesel kehrte im Herbst 1779 auf Ehrenwortnach New-York zurück und wurde bald darauf ausgewechselt. Seine Gesundheit hatte durch Überanstrengung, Niedergeschlagenheit und einen leichten Sonnenstich, der ihn in Virginia traf, stark gelitten. Nachdem er ausgewechselt worden war, kehrte er nach Kanada zurück und blieb im Dienst des Königs von England bis zum Ende des Krieges, aber er zog nicht wieder gegen die Amerikaner zu Felde.

Im Sommer 1777 wandte Sir William Howe, anstatt mit Burgoyne gemeinschaftlich zu operieren, seine ganze Aufmerksamkeit auf die Wegnahme von Philadelphia. Er ging einige Meilen von New-Brunswick aus vor, aber es misslang ihm, Washington zu einem entscheidenden Schlag zu verleiten, und so zog er sich nach Amboy zurück. Sodann wiederholte Howe seine Angriffsbewegung, indem er hoffte, dass Washington seine günstige Stellung verlassen haben würde. Er war insofern vom Glücke begünstigt, als die rechte Kolonne ein kleines Gefecht mit einer vorgeschobenen Abteilung Amerikaner unter Stirling hatte, diese vertrieb und ihr 3 Kanonen und 80 Gefangene abnahm. Hierauf kehrte die britische Armee nach Amboy zurück und ging nach Staten-Island über. Hier wurde sie eingeschifft, und am 23. Juli war Sandy Hook geräumt. Diese Truppenmacht bestand aus ungefähr 18000 Mann, von denen weniger als ein viertel Deutsche waren. Die aus 234 Segelschiffen bestehende Flotte langte am 30. Juli bei Cap May an, aber die Fregatten, die zum rekognoszieren vorgeschickt worden waren, meldeten, dass der Delaware stark verteidigt würde, Sir William beschloss, sich Philadelphia durch die Chesa-peake Bay zu nähern. Am 22. August erreichte die Flotte die Mündung des Elk-Flusses, und am 25. und 26. wurden die Truppen in guter Ordnung und ohne feindliche Gegenwehr gelandet.

SCHLACHT VON BRANDYWINESCHLACHT VON BRANDYWINE.Am 11. September 1777.

Am 3. September hatten die Jäger, welche die Avantgarde bildeten, ein heisses Gefecht mit der amerikanischen Arrieregarde, wobei erstere ungefähr 20 Tote und Verwundete verloren. Zwischen 30 und 40 Amerikaner wurden auf dem Gefechtsfelde beerdigt. Von dieser Zeit an waren die Jäger beständig vorn, sie schliefen gewissermassen auf ihren Waffen.

Am 11. September hatte Washingtons Armee auf dem linken Ufer des Brandywine-Flusses Stellung genommen. Das Gros stand bei Chads Furt, während General Sullivan auf dem rechten Flügel die Übergänge weiter oberhalb besetzen sollte. Bei Tagesanbruch traten die Briten von Kennets square, 7 Meilen von Chads Furt, ihren Vormarsch an. Die rechte Kolonne unter General Knyphausen, marschierte gerade auf die amerikanische Front los, in deren Nähe sie ungefähr 10 Uhr morgens anlangte. Hier blieb Knyphausen den grössten Teil des Tages über stehen und unterhielt eine Kanonade, ohne einen ernstlichen Angriff auf den Feind zu machen.

Die zweite Kolonne unter Howe und Cornwallis machte eine weite Umgehung nach links und fand nur geringen Widerstand, bis sie die Gabelung des Brandywine erreicht und glücklich passiert hatte, was eine kleine Abteilung hätte verhindern können. Die Amerikaner hatten aber diese Stelle übersehen. Washington, der durch widersprechende Befehle getäuscht worden war, hatte es nicht gewagt, den Fluss zu überschreiten und Knyphausens Division anzugreifen.

Auf die Nachricht, dass Howe den Brandywine überschritten hätte, ging Sullivan ihm eilig entgegen. Er hatte aber keine Zeit, seine Division ganz zu formieren. Es scheint auch, dass er bei den Anordnungen Fehler gemacht hat. Ungefähr um 1/2 4 Uhr stiessen die hessischen Jäger, die den äussersten linken Flügel bildeten, auf die amerikanische Avantgarde, welche sie auf das Gros zurückdrängten. Ungefähr um diese Zeit wurde der Kampf ein allgemeiner. Sullivans Division wurde zurückgetrieben. Lafayette, der als Freiwilliger diente, erhielt eine Wunde ins Bein. Washington zog Greenes Division und noch zwei andere Brigaden vor, um Sullivans Rückzug zu decken.

Sobald Knyphausen die Kanonen von Cornwallis donnern hörte, überschritt er den Brandywine bei Chads Furt und griff die amerikanischen Verschanzungen an. Diese wurden eine Zeit lang von Wayne verteidigt, aber die Briten waren ihm schon im Rücken, so dass er spät am Nachmittag seine Stellung verlassen und nach Chester hin abziehen musste.

An diesem Tage waren hessische Truppen in beiden Kolonnen der britischen Armee. Die Jäger waren bei der Avantgarde der Division Cornwallis und hatten 40 Mann tot und verwundet. Die Kapitäns Ewald und Wreden erhielten den hessischen Orden »pour la vertu militaire« für ihr Verhalten bei dieser Gelegenheit. Dies war eine grosse Auszeichnung für sie, weil sie die ersten Offiziere vom Rang eines Hauptmanns waren, die mit diesem Orden dekoriert wurden. Der Gesamtverlust der britischen Armee in der Schlacht am Brandywine betrug 622 und der der Amerikaner ungefähr 1000 Mann. Unter den 10 oder 15 Kanonen, die den Amerikanern weggenommen wurden, waren zwei, welche in Trenton mit Ralls Brigade zusammen genommen worden waren.

Man nahm an, dass die Amerikaner sich eiligst zurückzogen; der Herbsttag neigte sich zu Ende. Zwei Bataillone britischer Grenadiere wurden vorgeschickt, um ein kleines Dorf auf einem Berge jenseits Dilworth zu besetzen. Die Bataillone gingen, ermüdet durch die Anstrengungen des Tages und übermütig gemacht durchihren Sieg, etwas unvorsichtig vor. Die Offiziere hatten nicht den Säbel gezogen. Kapitän Ewald, der die Tête der Kolonne von Cornwallis den ganzen Tag über kommandiert hatte, hatte seine Leute ruhen lassen und war, da er selbst nichts besonderes zu thun gehabt hatte, mit den Grenadieren zusammen vorgeritten, um das Terrain zu rekognoszieren. Plötzlich, 50 Schritt von dem Dorfe entfernt, wurden sie von heftigem Musketenfeuer empfangen. General Macwell hatte sich mit der amerikanischen Arriere-Garde in das Dorf hineingeworfen, um Washingtons Rückzug zu decken. Zu gleicher Zeit beobachtete man, dass eine amerikanische Abteilung um den Berg herumkam, um die Engländer in der linken Flanke zu fassen. Ewald galoppierte zurück, um Unterstützungen heranzuziehen, und brachte zwei englische Regimenter unter General Agnew heran, welche sofort die Amerikaner angriffen und die Grenadiere retteten, die schon beinahe umringt waren. Die Nacht machte dem Gefecht ein Ende. Der englische Verlust in dieser kleinen Affaire war schwer; beinahe die Hälfte der beiden Bataillone und der grösste Teil ihrer Offiziere fielen, laut Bericht von Ewald.

Nachdem die britische Armee bei Head of Elk ausgeschifft war, hatte die englische Flotte die Chesapeake Bay verlassen. Inzwischen waren 7 englische Fregatten und 14 Transportschiffe mit Proviant von New-York im Delaware angelangt und nach Wilmington hinaufgegangen. Zwei Tage nach der Schlacht am Brandywine besetzte Cornwallis diesen Ort, welcher die Basis für die Verpflegung der Armee von nun ab bildete.

Die Engländer gingen weiter vor, ohne auf ernstlichen Widerstand zu stossen, obschon beständig Plänkeleien stattfanden und eine Abteilung unter General Wayne überrascht und geschlagen wurde. Am Morgen des 26. September 1777 rückte Lord Cornwallis an der Spitze von 2 englischen und 2 hessischen Grenadier-Bataillonen in Philadelphia ein und schickte sich an, die Stadt zurVerteidigung einzurichten. Die Haupt-Armee lagerte bei Germantown. Die Hessen bildeten hier den linken Flügel, mit den Jägern vorn an der Strasse nach Lancaster.

Am 3. Oktober 1777 um Mittag erhielt Kapitain Ewald den Besuch eines Mannes (»der keineswegs ein Tory war,« sagt er), dessen Besitztum er bei einer früheren Gelegenheit vor der Plünderung bewahrt hatte. Beim Weggehen sagte der Amerikaner zu ihm: »Mein Freund, seien Sie auf Ihrer Hut diese Nacht und morgen.« Ewald verstand den Wink und berichtete diese Bemerkung seinem Oberst, der es an das Hauptquartier weitermeldete. Die Generale nahmen keine Notiz davon, doch wir werden aus dem folgenden Bericht sehen, dass die Jäger auf einen Angriff vorbereitet waren.

Auszug aus dem »Journal«, geführt bei dem Hochlöblichen Hessischen Feld-Jäger-Korps: »Oktober 4. Die vielen Detachements, welche der General Howe nach Philadelphia und Jersey geschickt, um Mud Island zu belagern und die Stadt zu besetzen, mochten den General Washington bewogen haben, besonders da er eine Verstärkung aus Virginien erhalten, die Königliche Armee zu attaquieren. In dieser Absicht war er aus seinem Lager an der Skibback-Creek aufgebrochen, und gegen 2 Uhr diesen Morgen erhielten wir die Nachricht von dessen Anmarsch. Der Oberstlieutenant von Wurmb rückte mit dem Jäger-Korps sogleich aus, liess den Vorfall an den General Knyphausen melden und besetzte die Brücke bei Van Doerens Haus, so über den Visihigging (Wissahickon) führet. Wir hörten bald darauf das Feuern am rechten Flügel und gegen 1/2-4 Uhr wurde das Jäger-Korps von einem Korps von 4000 Mann mit 4 Sechspfündern attaquiert. Das Korps musste auch wirklich die Brücke verlassen, setzte sich aber auf die gegenüberliegende Höhe und defendierte solche mit dem Büchsenfeuer gegen die wiederholten Versuche des Feindes sie zu forcieren. Die 4 feindlichen Kanonen spielten beständig auf die Jägers, ohne dass unsere Dreipfünder den Feind erreichen konnten. Das Feuer wurde inzwischen allgemein und sehr heftig auf dem rechten Flügel, bis gegen 9 Uhr der General-Lieutenant von Knyphausen sagen liess, dass der feindliche linke Flügel geschlagen sei. Hierauf attaquierte der Oberstlieutenant von Wurmb die Brücke aufs Neue und vertrieb den Feind sowohl von da, als auch der gegenüberliegenden Höhe unter einem heftigen Feuer. Da die Attaque durch ein langes Defilee geschehen musste, so hatte man feindlicherseits Zeit, sich zu retirieren; wir fanden daher auch nur 20 Tote — und da die Jägers auch ohnehin schon sehr fatiguiert und nicht unterstützt wurden, auch nur in 300 Mann bestanden, so geschah keine weitere Verfolgung.

»Im Centro der Armee war der Feind auf die leichte Infanterie gefallen und hatte solche zurückgeschlagen. Der Oberstlieutenant Musgrave warf sich aber mit dem 40. Regiment in ein steinern Haus, welches vom Feind angegriffen wurde, und wo er sich bei aufhielt, sonst hätte er vielleicht geschwinder und noch ehe einmal die Armee alle im Gewehr gewesen, solche attaquieren können. So aber attaquierte die Armee ihn, schlug ihn aus der Stadt heraus und in die Flucht. Er retirierte sich darauf in sein voriges Lager an der Skibback-Creek mit Zurücklassung von 300 Toten, 600 blessierten und 400 Gefangenen. Der unsrige Verlust ist gleichwohlen 400 Tote und Blessierte, unter ersteren befand sich der General Agnew. Lord Cornwallis, welcher das Feuer zu Philadelphia gehört hatte, setzte sogleich von da 3 Grenadier-Bataillons in Marsch. Er für seine Person kam noch zeitig genug, um am letzten Teil der Aktion Anteil zu nehmen, die Bataillons kamen aber zu spät.«

Es war nunmehr für Sir William Howe von der grössten Wichtigkeit seinen Kriegs- und Transportschiffen Eingang auf dem Delaware zwischen Wilmington und Philadelphia zu verschaffen. Auf diese war er in grossemMaasse angewiesen wegen seiner Lebensmittel und zu seiner Verbindung. Der Fluss war etwa 10 Meilen unterhalb Philadelphia durch spanische Reiter gesperrt, welche gedeckt wurden von Fort Mercer bei Redbank auf dem New-Jersey-Ufer und von Fort Mifflin auf einer Insel in der Nähe des gegenüberliegenden Ufers von Pennsylvanien. Zwischen den Forts waren Hindernisse in den Kanal versenkt und diese wurden wieder von Galeeren beschützt. Einige Boote mit Lebensmitteln waren glücklich durch alle diese Hindernisse hindurchgeschlüpft; die freie Schiffahrt auf dem Flusse war für die Briten sehr wesentlich.

Oberst Karl Emil Kurt von Donop war einer der vorzüglichsten hessischen Obersten und war persönlicher Adjutant des Landgrafen gewesen, dessen Günstling er war. Er hatte im vorhergehenden Jahre ein selbständiges Kommando von einiger Wichtigkeit in Bordentown gehabt und hatte nun den Wunsch ausgedrückt wieder detachiert zu werden. Sir William Howe willfahrte ihm. Er wurde abgesandt um Fort Mercer zu nehmen. Donop brach auf am 21. Oktober 1777 mit drei Bataillone Grenadieren, 1 Regiment Infanterie, 4 Kompanien Jägern und 12 berittenen Jägern, alles Hessen, 8 Feldgeschützen, die zu den Regimentern gehörten und 2 englischen Haubitzen. Er soll noch mehr Artillerie verlangt und daraufhin zur Antwort erhalten haben, wenn er sich nicht getraute das Fort anzugreifen, so würden es die Engländer nehmen. »Sagen Sie Ihrem General,« erwiderte er dem Offizier, der diese Botschaft überbrachte, »dass Deutsche sich nicht scheuen, dem Tod ins Auge zu schauen.« Darauf erklärte der Oberst denen, die um ihn waren: »Entweder wird das Fort bald Fort Donop heissen oder ich werde gefallen sein.« Er brach mit seinem Detachement auf und brachte die Nacht in Haddonfield zu. Ungefähr um Mittag des 22. Oktober langte er in Redbank an und ritt vor um das Terrain zu rekognoszieren. Das Fort war ein fünfseitiges Erdwerk mit Graben und Verhau. Es war zuerst von den Amerikanern in zu grossem Massstabe angelegt worden, aber ein Monsieur du Plessis de Mauduit, ein junger französischer Offizier, der von Washington dem General Christoph Greene zur Verteidigung des Forts beigegeben war, hatte die Ausdehnung des Werkes vermindert, sodass es in seiner veränderten Form ein etwas unregelmässiges Fünfeck bildete. Auf drei Seiten des Forts fand der Angreifer gedeckte Annäherung durch die Waldungen bis auf 400 Yards. Auf der Südseite war der Delaware. Die Besatzung bestand aus 300 Mann mit 14 Kanonen.

Nach Ankunft vor dem Fort sandte Donop einen Adjutanten, um die Besatzung zur Uebergabe aufzufordern. »Der König von England gebietet seinen aufrührerischen Unterthanen die Waffen niederzulegen«, lautete die Aufforderung »und sie werden gewarnt, dass, wenn sie solange zögern bis es zum Kampf kommen wird, kein Pardon gegeben werden wird.« Der Adjutant berichtete, dass er nur wenig Leute in dem Fort gesehen habe.

Oberst von Donop stellte sein kleines Korps in Schlachtordnung auf. Seine rechte Flanke nahm Anlehnung an den Fluss, an welchem er seine 8 Dreipfünder und 2 Haubitzen plaziert hatte. Diese wurden von einem Bataillon Grenadieren und von Jägern gedeckt, welche Flanke und Rücken gegen Truppen decken sollten, welche etwa von den Schiffen im Delaware ausgeschifft werden möchten. Die hessische Angriffslinie nahm den grösseren Teil des ganzen Weges um das Fort herum auf der Landseite ein; der Angriff wurde gleichzeitig von Norden und Süden gemacht. An der Tête eines jeden Bataillons befand sich ein Offizier, der die Sappeure kommandierte und 100 Mann mit Faschinen, die eilig in den Wäldern gemacht worden waren.

Ungefähr um 4 Uhr war alles bereit. Donop forderte darauf seine Offiziere mit einigen Worten auf, sich tapfer zu verhalten. Sie stiegen alle ab und zogen ihre Säbel,nahmen ihre Plätze in der Front ihrer Bataillone ein, und der Angriff begann. Die Hessen gingen im Laufschritt vor, überstiegen die alten nicht mehr gebrauchten Linien mit ihrem Schlachtruf, erreichen den Verhau, wurden aber durch Wolfsgruben und einen Graben überrascht, zu dessen Füllung sie nicht genug Faschinen hatten. Drei amerikanische Galeeren, die im Flusse lagen, unterhielten ein lebhaftes Feuer auf die hessische rechte Flanke. Einige der Hessen erklommen den Wall des Hauptforts. Sie wurden sofort zurückgeworfen. Donop wurde, von einer Musketenkugel in die Hüfte getroffen, tötlich verwundet. 22 Offiziere waren tot oder verwundet, darunter die Kommandeure sämtlicher Bataillone. Die Hessen machten Kehrt und zogen sich zurück, indem sie viele Verwundete liegen liessen. Oberstlieutenant von Linsingen sammelte die Trümmer der Brigade und brachte sie am nächsten Tage unbelästigt nach Philadelphia. Zwei englische Schiffe, welche versucht hatten, sich an dem Kampfe zu beteiligen, waren auf den Grund gelaufen. Eins davon flog am nächsten Tag durch das Feuer der amerikanischen Galeren und schwimmenden Batterien in die Luft; das andere war in Brand gesteckt und verlassen worden.

Die Hessen waren zurückgegangen, die Nacht war hereingebrochen, und ein Teil der Besatzung kam aus dem Fort heraus, um den Verhau wiederherzustellen und für die Verwundeten zu sorgen. Mehrere hessische Grenadiere wurden dicht hinter der Brustwehr vorgefunden, wohin sie sich verkrochen hatten und wo die Kugeln über ihre Köpfe hinweggingen. Die armen Kerls konnten ohne Unterstützung nichts machen und fürchteten sich, wegzulaufen. Sie wurden in das Fort aufgenommen. Unter denen, die heraus kamen, um den Verhau wieder in Stand zu setzen, war auch Kapitain du Plessis. Diesen rief Donop mit den Worten an: »Wer Du auch sein magst, trage mich von hier weg.« Du Plessis liess denOberst in das Fort tragen. Als er hineingebracht wurde, riefen einige Soldaten laut, die entweder nicht wussten, dass seine Wunde tötlich war, oder noch aufgeregt von der Schlacht und eingedenk der Drohungen, mit denen sie noch vor wenigen Stunden begrüsst worden waren: »Wohlan, ist es ausgemacht, dass kein Quartier gegeben werden soll?« »Ich bin in Eurer Hand,« antwortete der Oberst, »Ihr könnt Euch rächen.« Du Plessis hatte keine Schwierigkeit, die Soldaten zu beschwichtigen, und schenkte dann seine ganze Aufmerksamkeit dem verwundeten Manne. »Mein Herr,« sagte der Letztere, »Sie scheinen ein Fremder zu sein; wer sind Sie?« »Ein französischer Offizier,« antwortete du Plessis. »Dann bin ich zufrieden,« sagte Donop auf Französisch, »ich sterbe in den Armen der Ehre.«

Der hessische Oberst lebte noch drei Tage nach dem Angriff und unterhielt sich viel mit du Plessis. Er bat den Letzteren, ihm zu sagen, wenn der Tod nahe sein würde. Du Plessis willfahrte seiner Bitte. »Das ist ein frühes Ende für eine schöne Laufbahn,« sagte Donop, »aber ich sterbe als das Opfer meines Ehrgeizes und der Habsucht meines Monarchen.«[4]

[4]Eelking bestreitet die Richtigkeit des letzten Teils der Worte des sterbenden Donop.

[4]Eelking bestreitet die Richtigkeit des letzten Teils der Worte des sterbenden Donop.

Die Zahl der bei Redbank gefallenen, verwundeten und gefangen genommenen Hessen betrug 379, einschliesslich 22 Offiziere. Die Amerikaner hatten 37 Tote und Verwundete.

Diese brillante Verteidigung gewährte jedoch nicht andauernd dem Sieger die Gewalt über den Fluss. Am 9. November eröffneten die britischen Batterien das Feuer auf Fort Mifflin. Das Bombardement dauerte 6 Tage und Nächte. Mehr als 12000 Schüsse sollen dabei gefallen sein. Am 15. kam auch noch die englische Flotte, um sich an dem Kampf zu beteiligen. Ein Kriegsschiff mit 16 Vierundzwanzig-Pfündern und ein grosser Indiaman mit 3 Kanonen von demselben Kaliber wurden so nahean das Fort herangebracht, dass man von ihrem Takelwerk Handgranaten hineinschleudern konnte. 5 grosse Schiffe hatten auf der andern Seite Aufstellung genommen. Die Landbatterien hatten 30 Geschütze. Die Blockhäuser des Forts, die gute Dienste geleistet hatten, waren in Stücke zerschossen worden. Eine Menge Kanonen waren zum Schweigen gebracht. In der Nacht vom 15. zog sich die Besatzung nach Fort Mercer zurück. Cornwallis wurde abgesandt, um es einzuschliessen, so dass Washington nicht im Stande war, es zu verstärken. Das Fort wurde am 20. November verlassen, die Baracken angezündet und die Magazine in die Luft gesprengt. Die amerikanischen Schiffe auf dem Flusse wurden ebenfalls verbrannt. Cornwallis vervollständigte die Zerstörung des Forts, dessen Wälle rasiert wurden.

Philadelphia scheint den Hessen nicht recht gefallen zu haben. Wiederhold nennt, nachdem er aus der Gefangenschaft zurückgekehrt ist und nach seinem gefühlvollen Abschied in Fredericksburg, die Quäker-Stadt »einen Sammelplatz aller Religionen und Nationen, folglich ein Mischmasch aller Sekten und Glaubensgenossen, nicht weniger ein confluens canaillorum«, und glaubt, »dass es den Städten Sodom und Gomorrah in Ansehung aller Laster nichts nachgiebt«.

Ein anderer Offizier beklagt sich über das Klima und sagt, dass die Wälder und Moräste das Land ungesund machen. Diesem Beobachter zufolge erreichen die Pflanzen und Tiere in Pennsylvanien nicht ihre eigentliche Grösse, und die Menschen sind krank und neigen zu Geisteskrankheiten, »eine Verrückung der Sinne, dievom gepressten, nicht vom kochenden Blut herrührt ... Von 100 Leuten hat nicht einer eine gesunde Gesichtsfarbe.« Es ist wahrscheinlich, dass die Schwierigkeit, in der halbblockierten Stadt frische Lebensmittel zu bekommen, nicht ohne Einfluss auf dieses Urteil gewesen ist.

Philadelphia hat seit 1778 sein Aussehen wahrscheinlich weniger verändert als irgend eine andere grosse Stadt der Nord-Staaten. Der hessische Offizier lobt die geraden Strassen, die Seitenwege mit breiten Steinen, die Dachrinnen und Dächer. Er lacht über die Einfalt der Kaufleute, die anzeigen »Tabak, so gut als der bestimportierte«, und stellt die Künste und Industrie als noch sehr in der Kindheit begriffen hin. Keinerlei Arbeit in Elfenbein, Stahl, Stuck, Knochen, Stickerei oder Seide wird gefertigt. »Die Engländer schicken ihnen alles dies, und alles, was sie schicken, ist willkommen. Und obendrein ist der Amerikaner und besonders der Philadelphier so eingebildet, zu glauben, kein Land auf der Erde wäre schöner, glücklicher, reicher oder blühender als ihr kaum knospender Staat.« Dies ist jedoch nicht die Ansicht des Briefschreibers. »Wollte mir der achtbare Graf Pen das ganze Land gegen mein Patent abtreten,« sagt er, »mit der Bedingung, dass ich zeitlebens hier wohnen sollte: kaum thäte ich es.«

Anfang Dezember rückte Sir William Howe von Philadelphia ab, um einen Entscheidungskampf herbeizuführen. Die Armeen standen sich drei Tage lang in der Nähe von Chestnut-Hill, ungefähr 11 Meilen von der Stadt, gegenüber. Ihre Märsche, Contremärsche und Plänkeleien deuteten auf Vorbereitungen zur Schlacht hin; als aber der englische General merkte, dass Washingtons Stellung zu stark war, um sie anzugreifen, zog er sich stille wieder nach Philadelphia zurück.

Zwei Fouragierungen wurden im Laufe dieses Monats unternommen, zu dessen Ende die britische Armee Winterquartiere bezog. 11 Redouten wurden zwischen demDelaware und Schuylkill gebaut; deren Linie lief die Morris-Höhen entlang; jede war von einem Kapitän und 50 Mann besetzt, die alle 24 Stunden abgelöst wurden. Die Picketlinie wurde am Schuylkill den Provinzialen, am Delaware den hessischen Jägern anvertraut; letztere waren bei Holland Ferry und Greenwich Point postiert.

Während Washingtons Armee bei Valley Forge beinahe an allem, was zum Leben notwendig ist, Mangel litt, hatten die Briten in Philadelphia alles, was sie wollten, und verbrachten den Winter in Ruhe, Gesundheit und Fröhlichkeit. Sie lagen dort nicht sehr eng; viele Häuser der abwesenden Rebellen wurden zu Barracken benutzt. Ein Teil der Soldaten fand bei den Einwohnern, die in der Stadt verblieben waren, Quartier. Der Dienst war leicht. Sir William Howe, der bereits um seine Abberufung gebeten hatte, war froh und wohlgemut. Die Stadt schien nicht sehr voll von Soldaten zu sein. Den Amerikanern gelang es nur insoweit, ihnen die Zufuhr abzuschneiden, als durch sie dieselbe sehr verteuert wurde.

Am 18. Mai 1778 wurde für Sir William Howe eine Abschiedsfeier veranstaltet, und am 19. und 20. machte dieser General einen vergeblichen Versuch, ein Korps von 2500 Mann unter General Lafayette, der sich in die Nähe von Philadelphia gewagt hatte, gefangen zu nehmen. Am 24. übergab Howe das Kommando an Sir Henry Clinton. Bevor er Amerika verliess, sandte er schmeichelhafte Schreiben an die Kapitäns Ewald und Wreden von den Jägern.

Inzwischen war in Philadelphia das Gerücht laut geworden, dass der König von Frankreich einen Vertrag mit den rebellischen Kolonien abgeschlossen hätte, und dass bald eine französische Flotte den Eingang zur Delaware Bay bedrohen und die Verbindung zu Wasser mit New-York abschneiden könnte. Mit andern Worten, wie die guten Deutschen es sich auslegten: »eine starke französische Flotte mit vielen Tausend Landtruppen undKavallerie war von Brest ausgelaufen und nach Amerika unterwegs, unter dem Vorwand, Bundesgenossen des Kongress zu sein, in Wirklichkeit aber mit der Absicht, auf diesem Kontinent festen Fuss zu fassen.«

Es war das Nahen der französischen Flotte, und gleichzeitig waren es die aus England erhaltenen Befehle, welche Sir Henry Clinton veranlassten, Philadelphia aufzugeben und sich nach New-York zurückzuziehen. Ein Teil der Baggage der Armee wurde an Bord der englischen Schiffe gebracht, und ungefähr 3000 Tory-Einwohner bereiteten sich vor, ihren Beschützern zu folgen und ihr Heimatland zu verlassen. Die Strassen, welche wie die einer deutschen Stadt in glücklicher Zeit ausgesehen hatten, waren nun verlassen. Vor vielen Häusern standen Haufen von Möbeln, um versteigert zu werden. Die Einwohner gingen mit traurigen Gesichtern einher, manche aber frohlockten im Stillen.

Im Laufe des November waren die anspachischen Regimenter von New-York nach Philadelphia gebracht worden. Sie wurden nun wieder zu Schiff nach New-York befördert, anstatt an dem Marsch durch New-Jersey teilzunehmen. Unter den Amerikanern ging das Gerücht, dass der britische Befehlshaber sich auf diese beiden Regimenter nicht hätte verlassen können. Die Deutschen meinten, dass sie ihre Unfähigkeit im Marschieren bewiesen hätten. Es waren die Regimenter, die bei Ochsenfurt gemeutert hatten.

Vom 14. bis 18. Juni 1778 dauerte die Räumung Philadelphias seitens der Engländer und Hessen. Trotzdem, dass viel Baggage zur See befördert worden war, zählte der Train doch noch 1500 Wagen. Die Schiffe auf den Werften und Stapeln wurden verbrannt. Die Amerikaner störten weder diese Vorbereitungen, noch bedrängten sie die abziehenden Truppen ernstlich. Am 18. Juni begann der Abmarsch der Armee. Der Weg führte über Haddonfield, Mount Holly, Monmouth CourtHouse und die Neversink Hills nach Sandy Hook. Amerikanische Streifparteien zerstörten die Brücken vor der Front der Briten und belästigten Flanken und Rücken der Armee. Die Hitze war schrecklich; viele Leute starben am Sonnenstich. Die New-Jersey-Moskitos thaten ihre Arbeit derartig, dass die Gesichter der Soldaten bis zur Unkenntlichkeit angeschwollen waren. Bis zum 25. Juni war beinahe ein Drittel der Hessen infolge der Hitze marschunfähig an den Strassenrändern liegen geblieben. Es kamen auch viele Desertionen vor.

Es ist merkwürdig, dass es angesichts dieser Schwierigkeiten den Amerikanern nicht gelang, den Rückzug erheblich mehr zu erschweren. Viele von Washingtons Unterführern hielten es für unangebracht, den zurückgehenden Feind anzugreifen. Diese Ansicht war hauptsächlich durch Charles Lee vertreten, der als ältester General-Major wohl im Stande war, die Ausführung von Washingtons Plänen beträchtlich zu verhindern. Das Gefecht von Monmouth Court House war für keinen der beiden Teile ein wirklicher Sieg. Die Amerikaner wurden durch Clintons Arrieregarde zurückgedrängt und infolge Lees Unfähigkeit und Unthätigkeit beinahe in die Flucht geschlagen. Es ist Thatsache, dass Washington seine Leute zum Stehen brachte und einen Angriff abschlug, aber der eigentliche Zweck dieses Tages wurde nicht erreicht. Clinton setzte seinen Marsch mit dem Verlust von kaum einem Wagen fort. In der ersten Woche des Juli erreichte die britische Armee Sandy Hook, von wo sie zu Wasser nach New-York übergeführt wurde.

Im November 1776, als die Unterwerfung des Landes in vollem Gange war, detachierte Sir William Howeungefähr 7000 Mann, von denen etwa die Hälfte Hessen waren, zur Besetzung von Newport. Dieses Korps landete ohne Gegenwehr und verbrachte drei Jahre in Rhode Island, davon den grössten Teil in Unthätigkeit. Nur die letzten Jahre machte sich der Mangel an Mehl und Holz fühlbar. Unzweifelhaft konnten die Leute irgendwo anders besser verwendet werden. Mit 6000 oder selbst mit 4000 Mann mehr unter seinem Kommando hätte Clinton wohl erfolgreicher und wirksamer auftreten können, als er zum Beistand Burgoynes vorging. Es lässt sich aber annehmen, dass, nachdem Sir William Howe Newport in Besitz genommen und keinen bessern Gebrauch mit diesen Truppen zu machen wusste, er wohl fürchtete, an Prestige zu verlieren, wenn er die Stadt wieder aufgeben würde. Im Sommer 1777, vor Eröffnung der Campagne, nahm er einige Regimenter aus der Besatzung heraus.

Im Ganzen glaube ich nicht, dass der Dienst in Rhode Island für die Soldaten sehr beschwerlich gewesen ist. Wenn auch das Mehl knapp war, so war doch Fleisch in Menge vorhanden. Die Bewohner waren zuerst sehr scheu und schlossen ihre Familien ganz ab. Auf Shelter Island lief das Landvolk bei Annäherung der fremden Eindringlinge weg. Sie glaubten, sagt einer, dass die Hessen kleine Kinder aufässen. »Aber mit der Zeit,« schreibt ein Offizier, »wurden sie vertrauter mit uns, lernten unser gebrochenes Englisch verstehen, zeigten uns ihre Familien und liessen ihre Furcht vor uns verschwinden.«

Nachdem man auf guten Fuss mit einander gekommen war, genoss man die grösste Behaglichkeit in den gastfreien Häusern von Newport. Die Einwohner bewirteten ganz nach englischer Sitte. Alle Gerichte wurden auf einmal auf dem Tische aufgetragen. Jeder Gast ass und trank nach Belieben, ohne dass er genötigt wurde. Suppe gab es selten, aber es standen immer vier oder fünf Sorten Gemüse auf dem Tisch, und Kartoffelngab es zu jedem Gericht. Die Liste der Getränke, welche das vor mir liegende Journal enthält, führt auf: Punsch, Cider, starkes Bier, Porter, Grog, Madeira, Portwein, Claret, Sherry, Toddy, Sangaree und Syllabub. Man trank sich während des Mahles einander zu, und richtige Toaste wurden ausgebracht, nachdem das Tischtuch weggenommen war. Die Toaste gingen rechts herum, die Flasche zur Linken.

Sir Henry Clinton war der erste Befehlshaber dieses Korps, Lord Percy war sein Nachfolger. Letzterer legte das Kommando im Mai 1777 nieder, um nach England zurückzukehren. Die Hoffnungen, die ihn nach Amerika geführt hatten, waren getäuscht worden, denn man erzählte sich, dass er beim Verlassen der Heimat geschworen hätte, nicht ohne den Olivenzweig des Friedens zurückkehren zu wollen. Er war beliebt in Newport, und die Einwohner sandten ihm eine Ergebenheits-Adresse bei seiner Abreise, indem sie ihm eine glückliche und angenehme Reise und eine lang andauernde gute Gesundheit wünschten. »Euer Excellenz erhabener Rang und Charakter,« fügten sie hinzu, »lassen es unnötig erscheinen, Ihnen irgend eine andere Segnung des Lebens zu wünschen.« Als Antwort versicherte ihnen seine Lordschaft, dass es die Pflicht und der Wille eines jeden britischen und hessischen Soldaten gewesen wäre, alle unschuldigen und friedlichen Einwohner zu beschützen.

Die Bewohner von Newport waren mit General-Major Prescott, Lord Percys Nachfolger, weniger zufrieden. Sie hatten aber nicht lange unter ihm zu leiden. Der General hatte sich als Hauptquartier ein einsames Haus ungefähr 4 Meilen von Newport und eine Meile von der nächst gelegenen Truppe ausersehen. Betreffs seiner Sicherheit war er nur auf eine kleine Wache und ein Schiff angewiesen, welches nicht weit von dem Hause vor Anker lag. In der Nacht des 10. Juli 1777, ungefähr um Mitternacht, landete eine Abteilung Amerikanerunter Oberst Barton auf zwei Walfischbooten beim Redwood Creek, schlich sich über die Felder an Prescotts Hauptquartier heran, überwältigte die Wache, brach in das Haus ein, zog den General und seinen Adjutanten aus ihren Betten heraus und schleppte sie mit sich, ohne ihnen selbst Zeit zu lassen sich anzuziehen. Die Boote liefen glücklich Spiessruthen zwischen den britischen Schiffen und beförderten die Gefangenen nach Providence.

Das Kommando ging nun an Majorgeneral Pigot über, und die Dinge nahmen ihren alten Lauf. Beständig wurden Streifzüge nach den benachbarten Inseln und auch auf dem Festland unternommen, um Lebensmittel oder Holz zu holen. Ende Juli wurde wegen Mangel an Nahrung in Newport ein Transport Frauen und Kinder nach Providence gesandt. Es ist aber nicht anzunehmen, dass die Soldaten ernstlich Not gelitten haben. Im Ganzen verlief das Jahr 1777 und die erste Hälfte von 1778 ruhig, obwohl die Amerikaner manchmal thaten, als ob sie die Insel angreifen wollten. Inzwischen hatte Burgoyne Ticonderoga genommen, war auf Albany vorgegangen und hatte sich bei Saratoga übergeben. Howe hatte Philadelphia eingenommen, Clinton es wieder verlassen; der König von Frankreich hatte den Krieg erklärt, und Stunden der Angst waren für die kleine Armee in Newport im Anzug.

Am 15. Juli 1778 kam General Prescott, der ausgewechselt worden war, von New-York mit Verstärkungen. Unter diesen waren die beiden anspachischen Regimenter. Er verkündigte, dass die französische Flotte auf dem Wege nach Amerika wäre, und am 29. erschien auch diese Flotte vor Newport. Sie wurde von Graf d'Estaing befehligt und bestand aus 5 Schiffen mit 74 Geschützen, 6 mit 64 und 3 mit 26 Geschützen. Um 11 Uhr morgens lagen diese Schiffe vor dem Hafen vor Anker. Die Insel Connanicut wurde alsbald von den Deutschen geräumt und von den Franzosen besetzt, die dort einige Vorräte,welche man nicht Zeit genug hatte mitzunehmen, in Besitz nahmen. Die englischen und hessischen Soldaten erwarteten eine sofortige Landung des Feindes auf Rhode Island. Die Stadt war in der grössten Verwirrung und die Tories in Verzweiflung.

Der französische Admiral indessen nutzte seinen Vorteil nicht alsogleich aus. Es dauerte bis zum 8. August, bis er sich den Eintritt in den Hafen erzwang, wozu er die Batterien von Brentons Neck, Kings Fort, Goat Island und North Point zu passieren hatte. Die Kanonade dauerte 1-1/2 Stunden, und das Ende davon war, dass die Flotte bei Connanicut vor Anker ging. Nicht ein Mann in der Stadt war verwundet worden, aber die Schiffe hatten starken Schaden gelitten.

Die Regimenter, welche ausserhalb Newport gestanden hatten, wurden nunmehr herangeholt. General Sullivan war mit einer Rebellen-Armee auf Rhode Island gelandet. Die britischen und deutschen Soldaten standen wie die Schafe in dichtem Gedränge in der Stadt. Sie waren ganz erschöpft von den unausgesetzten Strapazen, denn seit dem Erscheinen der französischen Flotte war jeder brauchbare Mann bei den Verschanzungs-Arbeiten thätig gewesen. 4 Fregatten und 2 kleinere Schiffe waren verbrannt und 1 Fregatte, sowie ein anderes Schiff im Meere versenkt worden, um sie nicht in die Hände des Feindes fallen zu lassen. In Newport herrschte grosse Besorgnis, aber am 9. August kam Hilfe. Eine englische Flotte von 36 Segeln unter Lord Howe erschien vor Point Judith. Graf d'Estaing lichtete am nächsten Morgen die Anker, um ihm entgegenzugehen, wobei er sich einer scharfen Kanonade von Seiten der Strand-Batterien aussetzte. Die englische Flotte wich zurück, gefolgt von der französischen. Der 10. war ein Tag der Ungewissheit. Am 11. erhob sich ein heftiger Sturm, welcher beide Flotten zerstreute.

Die französische war es, welche am ersten wieder in Sicht kam. »Nun war alle unsere Hoffnung vergebens,«schreibt der hessische Quartiermeister, »wir sahen uns schon in Gedanken, weil unsere Macht gegen ein so starkes Korps von der Land- und Seeseite zu schwach war, in den Händen unserer Feinde.« Plötzlich, zur Freude und Überraschung der Besatzung, segelte die Flotte fort.

Noch eine Woche länger blieb Sullivan vor den Verschanzungen von Newport, während seine Miliz-Armee immer mehr zusammenschmolz. Am Abend des 28. zog er sich nach dem Nordende der Insel zurück; die Engländer folgten ihm am 29. morgens. Die Amerikaner machten jedoch Kehrt, versetzten ihren Verfolgern noch einen Schlag und verliessen, ohne weiter belästigt zu werden, die Insel. Diese Unternehmung war sehr fehlerhaft geleitet worden. Die Verluste in der Affaire vom 29. betrugen auf jeder Seite zwischen 200 und 300 Mann; hierunter waren 128 Deutsche. Es war gut für die Amerikaner, dass sie sich davon machten, denn am 1. September langte Sir Henry Clinton mit einer Flotte und Verstärkungen im Hafen von Newport an.

Noch länger als ein Jahr verblieben die Briten und Deutschen zwecklos und unthätig auf Rhode Island. Schliesslich im Oktober 1779 wurde wieder eine Flotte auf hoher See sichtbar, aber als sie den Sund entlang segelte, wurde sie als freundlich erkannt. Es ergab sich, dass sie aus Transportschiffen bestand, welche die Besatzung mitnehmen sollte. Sofort wurde die Baggage an Bord der Schiffe gebracht, der Vorrat an Brennmaterialien aber im Stich gelassen. Das traurige Schauspiel, Tory-Familien aus ihrer Heimat fliehen zu sehen, wiederholte sich hier. Es waren mehr da, welche mitgenommen werden wollten, als man in die Schiffe aufnehmen konnte; manche wurden daher gezwungen da zu bleiben und sich der Rache ihrer Nachbarn auszusetzen.

Herzliche Beziehungen waren im Laufe der drei Jahre zwischen den Hessen und Bewohnern von Newportentstanden. General Prescott fürchtete, dass einzelne Soldaten Lust hätten, da zu bleiben, und gab den Befehl, dass an dem Tage, an welchem die Truppen eingeschifft würden, alle Häuser geschlossen werden, und sich niemand, besonders keine Frauen, an den Fenstern zeigen sollten. Mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen marschierten die Regimenter durch die entleerten Strassen und besetzten dann die Boote, welche sie nach den Schiffen befördern sollten. Die feindliche Besetzung von Rhode Island war beendet.


Back to IndexNext