Die Schlossuhr kündet Mitternacht,Und Schlaf regiert im Hause;NurHeilund seineLiebewachtNoch einsam in der Klause.Die Geisterstunde ging und schwand,Wie Augenblicke schwinden;Doch — was die volle Brust empfand,Liess keine Ruhe finden!Die Schatten der Vergangenheit,Bald heller und bald trüber:Sie zogen aus dem Grab' der Zeit,An seinem Blick vorüber.Dann voll derZukunft-Sorge, schlugDer Geist an ihre Pforte;Und sandte dem Gedankenflug',Geflügelt nach, dieWorte:»Hinweg denn mit dem Wanderstab!Mein Schicksal ist entschieden!Du Wiegenland und Vätergrab',O, grünet fort, im Frieden!Du Paradies der Heimathflur!Des Neckar-Landes Auen!Der Jüngling wird imTraumenurHinfort euch wieder schauen.DerGärtnerzog durch Länder hin,Um fern, im Rosengarten,Der zarten BlumenköniginZu pflegen und zu warten.Und leb' ich nur vereint mitIhr,DerEinzigenauf Erden:Soll auch die starreWüstemirEin GartenGotteswerden!« —
Die Schlossuhr kündet Mitternacht,Und Schlaf regiert im Hause;NurHeilund seineLiebewachtNoch einsam in der Klause.
Die Geisterstunde ging und schwand,Wie Augenblicke schwinden;Doch — was die volle Brust empfand,Liess keine Ruhe finden!
Die Schatten der Vergangenheit,Bald heller und bald trüber:Sie zogen aus dem Grab' der Zeit,An seinem Blick vorüber.
Dann voll derZukunft-Sorge, schlugDer Geist an ihre Pforte;Und sandte dem Gedankenflug',Geflügelt nach, dieWorte:
»Hinweg denn mit dem Wanderstab!Mein Schicksal ist entschieden!Du Wiegenland und Vätergrab',O, grünet fort, im Frieden!
Du Paradies der Heimathflur!Des Neckar-Landes Auen!Der Jüngling wird imTraumenurHinfort euch wieder schauen.
DerGärtnerzog durch Länder hin,Um fern, im Rosengarten,Der zarten BlumenköniginZu pflegen und zu warten.
Und leb' ich nur vereint mitIhr,DerEinzigenauf Erden:Soll auch die starreWüstemirEin GartenGotteswerden!« —
Mitsolcher Tröstungschien dem Gast'Der Wünsche Ziel gefunden;Und einer Zukunft WeltenlastWar seinem Traum geschwunden.Dochdraussenging seinWunderstern,Von Trauerflor umhangen!Und dräuend war, im Osten fern,SeinSchicksalaufgegangen.
Mitsolcher Tröstungschien dem Gast'Der Wünsche Ziel gefunden;Und einer Zukunft WeltenlastWar seinem Traum geschwunden.
Dochdraussenging seinWunderstern,Von Trauerflor umhangen!Und dräuend war, im Osten fern,SeinSchicksalaufgegangen.
Dort, im Schattenkühl derGuttmann'shöhle,Deren Felsendach die Eicheziert;Wo, seitRosen'sHeimgang,PhilomeleTief, wie Schwermuth, Dir die Seele rührt;WoderLiveseinemFreudengotte,Gern und einsam in der Sommernacht,Gaben senkend in den Quell der Grotte,Seine Dankesopfer dargebracht:Dortauch fanden, nach der Tage Sorgen,Unter Blüthenduft im Abendschein,Sichvertrauend und der Welt verborgen,Victor HeilundRosa Maisich ein.
Dort, im Schattenkühl derGuttmann'shöhle,Deren Felsendach die Eicheziert;Wo, seitRosen'sHeimgang,PhilomeleTief, wie Schwermuth, Dir die Seele rührt;
WoderLiveseinemFreudengotte,Gern und einsam in der Sommernacht,Gaben senkend in den Quell der Grotte,Seine Dankesopfer dargebracht:
Dortauch fanden, nach der Tage Sorgen,Unter Blüthenduft im Abendschein,Sichvertrauend und der Welt verborgen,Victor HeilundRosa Maisich ein.
Amorlieh sein Flügelpaar denBeiden,Wann der Sonnengott zu Bette ging;Ihmvon Segewold undIhrvon Treiden,Bis die Grotte dann ihr Glück umfing.Greifen's Tochterwar der Braut Geleite;Kind, das kaum den neunten Frühling sah:Blieb sie gern denLiebenan der Seite;Winkes harrend, ihrem Wunsche nah',
Amorlieh sein Flügelpaar denBeiden,Wann der Sonnengott zu Bette ging;Ihmvon Segewold undIhrvon Treiden,Bis die Grotte dann ihr Glück umfing.
Greifen's Tochterwar der Braut Geleite;Kind, das kaum den neunten Frühling sah:Blieb sie gern denLiebenan der Seite;Winkes harrend, ihrem Wunsche nah',
Aus derFerneschon dieMaidzu schauen,War derJünglingbald bei Nacht bemüht:Noch einzweitesHöhlenwerk zu bauen,Das der Fremdling noch zur Stunde sieht.Droben, demNaturgebäuzur Linken,Das sichuntenwölbt, in Thalesgrund:Seh'n wir heuteVictors Höhlewinken,Dennsein Nameschmückt ihr Felsenrund.
Aus derFerneschon dieMaidzu schauen,War derJünglingbald bei Nacht bemüht:Noch einzweitesHöhlenwerk zu bauen,Das der Fremdling noch zur Stunde sieht.
Droben, demNaturgebäuzur Linken,Das sichuntenwölbt, in Thalesgrund:Seh'n wir heuteVictors Höhlewinken,Dennsein Nameschmückt ihr Felsenrund.
Fleiss der Liebe, Fleiss der Hände schufen:Was genSegewoldden Blick gewährt;Doch so manche, sonst bequeme StufenHaben Zeiten und ihr Sohn zerstört!
Fleiss der Liebe, Fleiss der Hände schufen:Was genSegewoldden Blick gewährt;Doch so manche, sonst bequeme StufenHaben Zeiten und ihr Sohn zerstört!
Welche Freude kam auf ihre Seele:Da dieHoldenun dem Ziele nah',Droben aus dem Bauwerk seiner Höhle,DenGeliebtenin der Ferne sah!Und so weilte sie, bei Tagesneige,Mit derSchwester, an derGrotteRand':Bis sie, schauend durch das Grün der Zweige,IhrenFreundauf seinem Wege fand.Wie das ew'ge Licht der Kathedrale,Hing der Abendstern am Himmelsdom;Widerstrahlend, längs dem Zauberthale,Sah der Vollmond aus dem Silberstrom.Unten sang ihr Lied die Grottenquelle;Ferne sprach der Mühle Wasserfall;Und im Laubdach auf der FelsenzelleSchlug die Flötenuhr der Nachtigall.Und dieLiebensassen, wonnetrunken,Hand in Hand, auf moosig weichem Pfühl,In derLiebeSeligkeit versunken,Voll der Andacht, voll von Dankgefühl!
Welche Freude kam auf ihre Seele:Da dieHoldenun dem Ziele nah',Droben aus dem Bauwerk seiner Höhle,DenGeliebtenin der Ferne sah!
Und so weilte sie, bei Tagesneige,Mit derSchwester, an derGrotteRand':Bis sie, schauend durch das Grün der Zweige,IhrenFreundauf seinem Wege fand.
Wie das ew'ge Licht der Kathedrale,Hing der Abendstern am Himmelsdom;Widerstrahlend, längs dem Zauberthale,Sah der Vollmond aus dem Silberstrom.
Unten sang ihr Lied die Grottenquelle;Ferne sprach der Mühle Wasserfall;Und im Laubdach auf der FelsenzelleSchlug die Flötenuhr der Nachtigall.
Und dieLiebensassen, wonnetrunken,Hand in Hand, auf moosig weichem Pfühl,In derLiebeSeligkeit versunken,Voll der Andacht, voll von Dankgefühl!
Gleich dem Blüthenthal vor ihrem Blicke,Gleich des Stromes ungetrübtem Lauf':Fern dem Unheil, fern dem Missgeschicke,Ging die Zukunft ihren Träumen auf.Keine Ahnung jener Schicksalmächte,Die dem Glücke liefern blut'ge Schlacht:Weckte noch den süssen Schlaf der Nächte;Trübte noch der Tage Rosenpracht!Ach, — undmorgen, eh' dem SonnenwagenFolgt der Abendröthe letzte Gluht:Hat Dich,Rosa, schon derMorderschlagen!Trank die Erde schon Dein Heldenblut!
Gleich dem Blüthenthal vor ihrem Blicke,Gleich des Stromes ungetrübtem Lauf':Fern dem Unheil, fern dem Missgeschicke,Ging die Zukunft ihren Träumen auf.
Keine Ahnung jener Schicksalmächte,Die dem Glücke liefern blut'ge Schlacht:Weckte noch den süssen Schlaf der Nächte;Trübte noch der Tage Rosenpracht!
Ach, — undmorgen, eh' dem SonnenwagenFolgt der Abendröthe letzte Gluht:Hat Dich,Rosa, schon derMorderschlagen!Trank die Erde schon Dein Heldenblut!
»JunkerVictorlässt Euch grüssen,Mit demWunsch'an Euer Herz:Ihm noch, tröstlich, zu versüssenBald'gerTrennung-Stunde Schmerz!Hat am Abend noch zu sorgen,Im Geschäfte für denHerrn:Aber schon der nächste MorgenFindet ihn — dem Hausefern.Fräulein möge sich bequemen:Von demTreuennoch ein Wort,Vor der Reise zu vernehmen,Dort, am ihr bewussten Ort'!Heute, nach vollbrachtem Mahle,Bei derMittagsonneStrahl',HarretVictor Heilim Thale;Und — vielleicht — zumletztenMal!«Diese trauervolle Kunde,Nicht der Liebe Träumen hold:Kam derBrautausBoten-Munde,Nach demSchein, vonSegewold.
»JunkerVictorlässt Euch grüssen,Mit demWunsch'an Euer Herz:Ihm noch, tröstlich, zu versüssenBald'gerTrennung-Stunde Schmerz!
Hat am Abend noch zu sorgen,Im Geschäfte für denHerrn:Aber schon der nächste MorgenFindet ihn — dem Hausefern.
Fräulein möge sich bequemen:Von demTreuennoch ein Wort,Vor der Reise zu vernehmen,Dort, am ihr bewussten Ort'!
Heute, nach vollbrachtem Mahle,Bei derMittagsonneStrahl',HarretVictor Heilim Thale;Und — vielleicht — zumletztenMal!«
Diese trauervolle Kunde,Nicht der Liebe Träumen hold:Kam derBrautausBoten-Munde,Nach demSchein, vonSegewold.
Sinnend ob des Wort's Bedeuten,Sprach sie dennoch schnell gefasst:»Wenn sie heut' zuMittagläuten,Bin ich meines Trauten Gast.« —
Sinnend ob des Wort's Bedeuten,Sprach sie dennoch schnell gefasst:»Wenn sie heut' zuMittagläuten,Bin ich meines Trauten Gast.« —
Und der Bote zieht von dannen,Eilig wie Verhängnissflug:Seinem Orte zu, von wannenIhn der Hölle Dämon trug.
Und der Bote zieht von dannen,Eilig wie Verhängnissflug:Seinem Orte zu, von wannenIhn der Hölle Dämon trug.
Todeskälte, Fieberbeben,Namenloses Weh' und Leid:Ueberzog Dein Rosenleben,Rosa, wundersüsse Maid!
Todeskälte, Fieberbeben,Namenloses Weh' und Leid:Ueberzog Dein Rosenleben,Rosa, wundersüsse Maid!
»Heute, nach vollbrachtem Mahle.Bei derMittagsonneStrahl,HarretVictor Heilim Thale;Und — vielleicht — zumletztenMal?«»Welch Gebot ist dir geworden?Welche Sendung trägt dich fort? —Wer, um unser Glück zu morden,Sprach dir solches Unheilwort? —Dich, meinLeben, soll ich meiden,Noch imFrühlingdeiner Bahn?Von demHimmelsoll ich scheiden,Der sich kaum mir aufgethan? —Träger Morgen, nimm dir Schwingen!Mittagstunde, komm herbei!Sich're Kunde mir zu bringen,Ob mein Traum zu Ende sei. —Kommen willich, zu dir eilen:Einer flücht'gen Stunde Frist,Glücklich noch, beiDemzu weilen,Dessen Glück mein Himmel ist.« —
»Heute, nach vollbrachtem Mahle.Bei derMittagsonneStrahl,HarretVictor Heilim Thale;Und — vielleicht — zumletztenMal?«
»Welch Gebot ist dir geworden?Welche Sendung trägt dich fort? —Wer, um unser Glück zu morden,Sprach dir solches Unheilwort? —
Dich, meinLeben, soll ich meiden,Noch imFrühlingdeiner Bahn?Von demHimmelsoll ich scheiden,Der sich kaum mir aufgethan? —
Träger Morgen, nimm dir Schwingen!Mittagstunde, komm herbei!Sich're Kunde mir zu bringen,Ob mein Traum zu Ende sei. —
Kommen willich, zu dir eilen:Einer flücht'gen Stunde Frist,Glücklich noch, beiDemzu weilen,Dessen Glück mein Himmel ist.« —
Alsotönt der Jungfrau Klage;Und sie eilt im Flügelschritt';Und den Pflegern ihrer TageTheilt sie schnell dieKundemit.Bergend in der Brust die Wunde,Ruhig scheinend, ohne Ruh',Sprach sie; — und der bösen KundeHörenbangdieLiebenzu.Inn'reWarnerstimmensprechen,Zweifelstürmt die alte Brust:Rosaweiss den Sturm zu brechen,Sich nurfrommerThat bewusst.Weich, wie Flötenklänge wehen,Zärtlich, wie das Auge sprach,Sendet sie der Blicke FlehenNoch einmal dieWortenach:»Möge Vaterhuld gestatten,Was die Mutter nie versagt!Jener Gang im Abendschatten,Sei zuMittagheut' gewagt!« —
Alsotönt der Jungfrau Klage;Und sie eilt im Flügelschritt';Und den Pflegern ihrer TageTheilt sie schnell dieKundemit.
Bergend in der Brust die Wunde,Ruhig scheinend, ohne Ruh',Sprach sie; — und der bösen KundeHörenbangdieLiebenzu.
Inn'reWarnerstimmensprechen,Zweifelstürmt die alte Brust:Rosaweiss den Sturm zu brechen,Sich nurfrommerThat bewusst.
Weich, wie Flötenklänge wehen,Zärtlich, wie das Auge sprach,Sendet sie der Blicke FlehenNoch einmal dieWortenach:
»Möge Vaterhuld gestatten,Was die Mutter nie versagt!Jener Gang im Abendschatten,Sei zuMittagheut' gewagt!« —
Und dieLieben? — Sie gewährenIhr, zu Tages heller Zeit,Neu, den alten Gang in Ehren,Und dieSchwesterzum Geleit'.
Und dieLieben? — Sie gewährenIhr, zu Tages heller Zeit,Neu, den alten Gang in Ehren,Und dieSchwesterzum Geleit'.
Dann enteilt sie; wählt zum Kleide,Aus dem hellgebohnten Schrein,Ihren Festtagschmuck von Seide,Perlen auch und Edelstein.Alles muss den Reiz erheben,Was die schöne Welt entzückt;Was da ziert derLiebeLeben,Und — dieBrautimSargeschmückt.Dann derLiebezu genügen,Wählt sie noch einBusentuch,DessenRand, in gold'nen Zügen,Darbot diesenRömerspruch:»Lass' desMuthesFahne wehen.Wenn den Stab dein Schicksal bricht!Lass' deinLebenuntergehen,Aber deineEhrenicht!«
Dann enteilt sie; wählt zum Kleide,Aus dem hellgebohnten Schrein,Ihren Festtagschmuck von Seide,Perlen auch und Edelstein.
Alles muss den Reiz erheben,Was die schöne Welt entzückt;Was da ziert derLiebeLeben,Und — dieBrautimSargeschmückt.
Dann derLiebezu genügen,Wählt sie noch einBusentuch,DessenRand, in gold'nen Zügen,Darbot diesenRömerspruch:
»Lass' desMuthesFahne wehen.Wenn den Stab dein Schicksal bricht!Lass' deinLebenuntergehen,Aber deineEhrenicht!«
»Ja,« so sprach sie, »diese Gabe,Seiner Liebe Brautgeschenk:Soll mich finden bis zum Grabe,Treu, des Treuen eingedenk!« —
»Ja,« so sprach sie, »diese Gabe,Seiner Liebe Brautgeschenk:Soll mich finden bis zum Grabe,Treu, des Treuen eingedenk!« —
Rosenroth, wieRosen'sWangen,Malet sich des Tuches Grund;Zarte, gold'ne Sterne prangen,Mitten d'rauf, im Zirkelrund.Also, wie zum Hochzeittage,Schmuckreich, glänzend angethan:Eilt sie, mit dem Glockenschlage;Und die Schwester geht voran.Leuthahüpft im Jubelreigen,Durch den Hain, ihr Königreich;Rosafolgt, in düst'rem Schweigen,Ihrem Todesengel gleich!Oft noch, wie vonAhnungbange,Wendet sie den feuchten Blick,Auf des Lebens letztem Gange,Nach demVaterhauszurück!Und mit Augen, deren MildeNur von Glück und Segen sprach:Schauen ihrem Engelbilde,Lange noch, dieLiebennach.
Rosenroth, wieRosen'sWangen,Malet sich des Tuches Grund;Zarte, gold'ne Sterne prangen,Mitten d'rauf, im Zirkelrund.
Also, wie zum Hochzeittage,Schmuckreich, glänzend angethan:Eilt sie, mit dem Glockenschlage;Und die Schwester geht voran.
Leuthahüpft im Jubelreigen,Durch den Hain, ihr Königreich;Rosafolgt, in düst'rem Schweigen,Ihrem Todesengel gleich!
Oft noch, wie vonAhnungbange,Wendet sie den feuchten Blick,Auf des Lebens letztem Gange,Nach demVaterhauszurück!
Und mit Augen, deren MildeNur von Glück und Segen sprach:Schauen ihrem Engelbilde,Lange noch, dieLiebennach.
Sinnend geht sie weit und weiter,Näher doch dem frühen Grab'!Engel, auf der Himmelsleiter,Steigen ihrem Traum' herab.Doch, die guten Engelweinen!Schmerz umflort ihr Angesicht!Und — dieZeichen, die erscheinen,Melden Glück der Liebe nicht.
Sinnend geht sie weit und weiter,Näher doch dem frühen Grab'!Engel, auf der Himmelsleiter,Steigen ihrem Traum' herab.
Doch, die guten Engelweinen!Schmerz umflort ihr Angesicht!Und — dieZeichen, die erscheinen,Melden Glück der Liebe nicht.
Raben, Krähen, Dohlen kreisen,Wie zu wehren diesem Gang';Und es tönt, in Schauerweisen,Um sie her wie Grabgesang!
Raben, Krähen, Dohlen kreisen,Wie zu wehren diesem Gang';Und es tönt, in Schauerweisen,Um sie her wie Grabgesang!
Durch des Thales grüne Matten,Sucht und wählt sie neue Bahn;Sieh, da starrt ein bleicherSchattenSie mit Todes-Augen an!Horch! undGeisterworteschallen,Wie aus Gräbern, hohl und tief:»Weh', der Würfel ist gefallen!Todesbraut— dein Schicksal rief!«
Durch des Thales grüne Matten,Sucht und wählt sie neue Bahn;Sieh, da starrt ein bleicherSchattenSie mit Todes-Augen an!
Horch! undGeisterworteschallen,Wie aus Gräbern, hohl und tief:»Weh', der Würfel ist gefallen!Todesbraut— dein Schicksal rief!«
Doch, von Schrecken ungeblendet,Muthbewehrt am Schauerort,Ruft, demSchattenzugewendet,Rosa Mai— desBannesWort:»Bist duGottes: lass' mich wandern!Hab' in deinem GrabeRuh'!Aber dienest du demAndern,Weiche — deiner Hölle zu!«
Doch, von Schrecken ungeblendet,Muthbewehrt am Schauerort,Ruft, demSchattenzugewendet,Rosa Mai— desBannesWort:
»Bist duGottes: lass' mich wandern!Hab' in deinem GrabeRuh'!Aber dienest du demAndern,Weiche — deiner Hölle zu!«
Und sie sah das Bild entschwinden,Wesenlos, in blauer Luft;Doch, von seinerHeimathkündenSchwefeldampf und Moderduft.
Und sie sah das Bild entschwinden,Wesenlos, in blauer Luft;Doch, von seinerHeimathkündenSchwefeldampf und Moderduft.
Rosaweilt nun, an den Stufen,Deren Weg zurGrotteführt;Aber —and'reStimmen rufen,Deren »Ach« dieFelsenrührt:»Nah' ist,Jungfrau, dein Verderben!Nah' der Rose Blüthenfall!« —Doch die Geistertöne sterben,Ohne Frucht, im Widerhall.Muth und Kraft der Liebesiegen;Das Phantom der Schrecken weicht;Und sie hat den Fels erstiegen,Und der Grotte Ziel erreicht.Ringsum, nach dem Stern des Lebens,Wendet sie den Blick umher:Doch ihr Auge sucht vergebens!Rosafand — die Grotteleer.
Rosaweilt nun, an den Stufen,Deren Weg zurGrotteführt;Aber —and'reStimmen rufen,Deren »Ach« dieFelsenrührt:
»Nah' ist,Jungfrau, dein Verderben!Nah' der Rose Blüthenfall!« —Doch die Geistertöne sterben,Ohne Frucht, im Widerhall.
Muth und Kraft der Liebesiegen;Das Phantom der Schrecken weicht;Und sie hat den Fels erstiegen,Und der Grotte Ziel erreicht.
Ringsum, nach dem Stern des Lebens,Wendet sie den Blick umher:Doch ihr Auge sucht vergebens!Rosafand — die Grotteleer.
Bleich und kalt, inWeh'begraben.Schaut sie nach dem Thalgefild;Einsam, schweigend und erhaben,Wie am Grab' ein Marmorbild!Soermass, am Felsenhügel,Ariadneden Betrug:Der ihr Glück, mit Windesflügel,Flüchtig, in dieFernetrug. —
Bleich und kalt, inWeh'begraben.Schaut sie nach dem Thalgefild;Einsam, schweigend und erhaben,Wie am Grab' ein Marmorbild!
Soermass, am Felsenhügel,Ariadneden Betrug:Der ihr Glück, mit Windesflügel,Flüchtig, in dieFernetrug. —
Endlich naht es, — auf den Zehen!Doch der Ton der Tritte gleicht —Wolfesgang', der ungesehen,Leise nach demRaubeschleicht.Wie ein Tiger gräbt die ZähneTief dem Opfer in die Brust;Wie bei Nacht die GrabhyäneNährt an Leichen Würgerlust:Alsonaht in Gluht und Feuer,UngezähmterGierdeRaub,Rosa, Dir, dasUngeheuer!Tränkt mit Blut der Höhle Staub!
Endlich naht es, — auf den Zehen!Doch der Ton der Tritte gleicht —Wolfesgang', der ungesehen,Leise nach demRaubeschleicht.
Wie ein Tiger gräbt die ZähneTief dem Opfer in die Brust;Wie bei Nacht die GrabhyäneNährt an Leichen Würgerlust:
Alsonaht in Gluht und Feuer,UngezähmterGierdeRaub,Rosa, Dir, dasUngeheuer!Tränkt mit Blut der Höhle Staub!
Fremdling! soll ichMehrDir sagen?Heute,Fremdling, frage nicht!Aber, wird einMorgentagen:Folge mir — zumWeltgericht!
Fremdling! soll ichMehrDir sagen?Heute,Fremdling, frage nicht!Aber, wird einMorgentagen:Folge mir — zumWeltgericht!
Versammelt war dasLandgericht,ZuNeuenhof, beiTreiden:Um über Klage von GewichtSo eben zu entscheiden.Da kam, entsandt von diesem Schloss,Wie Sturm, ein Reiter, hoch zu Ross;Und brachte, spät am Tage,Noch diese Schauerklage:»Erschlagen hat, in blinder Wuth,Ein wildesUngeheuer:EinMägdlein, fromm und engelgut,Uns Allen werth und theuer!Sie war dieBrautvom GärtnerHeil;Im Blute lag das kurzeBeil,Daser, in diesen Tagen,Im Gürtel stets getragen.Ihr Blut bedeckt den BodenstaubDerihrgeweihtenHöhle;Nicht aber sann auf schnöden RaubDie freche Mörderseele.Der Mörder will nicht Räuber sein;Nicht Perle fehlt, noch Edelstein;Wir fanden ihr Geschmeide,Und ihr Gewand von Seide.Doch zeugen Spuren, am Gewand',Von Kämpfen um ihr Leben;Und Beilschlag, von verruchter Hand,Hat ihr den Tod gegeben.EinRosatuch, von Blut befleckt,Das, faltenreich, denHalsbedeckt:Kann, vondemselbenEisen,Des Schlages Kraft beweisen.Will aber diese Waffe zwarDen jungenHeilverrathen:So zeugt dagegen, offenbar,Ein Heer von Edelthaten.Sein Leben leuchtet makelrein!Und reiner mag kein Engel sein:Wieer, von uns gepriesen,In Wort und That bewiesen.Er übte magische Gewalt,Und flocht nurLiebesbande;DenEdlenehrte Jung und Alt,Und Herr und Knecht im Lande.Die Töchter blickten, nah' und fern,Nach ihm, wie nach dem Morgenstern;Und er gewann Vertrauen,Bei Männervolk und Frauen.Er eilte, wie seinHerzgebot:Dem Armen, wie dem Reichen,Bei Sturmesnacht, bei Todesnoth,Die Bruderhand zu reichen.Er half, mit jedem Tage neu,Geschäftig, ohne Mühenscheu;Und ohneDankes-Ehren,NochLohneszu begehren.Kein Wunder, wenn dieschönste Maid,Für die sein Herz entbrannte,Ihr liebes Weh' und süsses Leid,Auchihm, wieer, bekannte!Der blasseNeid, bei stillem Groll,Warselberdoch desLobesvoll:Es sei, sich zu verbinden,Kein schön'res Paar zu finden.Und VaterGreifund seinGemahl,Ein Paar, so fromm und bieder:Sie sahen auf so edle WahlMit Segenblick danieder.Gegeben war derTreueRing;Und bei Trompetenschall begingDie alte Burg von Treiden —VerlobungfestderBeiden.
Versammelt war dasLandgericht,ZuNeuenhof, beiTreiden:Um über Klage von GewichtSo eben zu entscheiden.Da kam, entsandt von diesem Schloss,Wie Sturm, ein Reiter, hoch zu Ross;Und brachte, spät am Tage,Noch diese Schauerklage:
»Erschlagen hat, in blinder Wuth,Ein wildesUngeheuer:EinMägdlein, fromm und engelgut,Uns Allen werth und theuer!Sie war dieBrautvom GärtnerHeil;Im Blute lag das kurzeBeil,Daser, in diesen Tagen,Im Gürtel stets getragen.
Ihr Blut bedeckt den BodenstaubDerihrgeweihtenHöhle;Nicht aber sann auf schnöden RaubDie freche Mörderseele.Der Mörder will nicht Räuber sein;Nicht Perle fehlt, noch Edelstein;Wir fanden ihr Geschmeide,Und ihr Gewand von Seide.
Doch zeugen Spuren, am Gewand',Von Kämpfen um ihr Leben;Und Beilschlag, von verruchter Hand,Hat ihr den Tod gegeben.EinRosatuch, von Blut befleckt,Das, faltenreich, denHalsbedeckt:Kann, vondemselbenEisen,Des Schlages Kraft beweisen.
Will aber diese Waffe zwarDen jungenHeilverrathen:So zeugt dagegen, offenbar,Ein Heer von Edelthaten.Sein Leben leuchtet makelrein!Und reiner mag kein Engel sein:Wieer, von uns gepriesen,In Wort und That bewiesen.
Er übte magische Gewalt,Und flocht nurLiebesbande;DenEdlenehrte Jung und Alt,Und Herr und Knecht im Lande.Die Töchter blickten, nah' und fern,Nach ihm, wie nach dem Morgenstern;Und er gewann Vertrauen,Bei Männervolk und Frauen.
Er eilte, wie seinHerzgebot:Dem Armen, wie dem Reichen,Bei Sturmesnacht, bei Todesnoth,Die Bruderhand zu reichen.Er half, mit jedem Tage neu,Geschäftig, ohne Mühenscheu;Und ohneDankes-Ehren,NochLohneszu begehren.
Kein Wunder, wenn dieschönste Maid,Für die sein Herz entbrannte,Ihr liebes Weh' und süsses Leid,Auchihm, wieer, bekannte!Der blasseNeid, bei stillem Groll,Warselberdoch desLobesvoll:Es sei, sich zu verbinden,Kein schön'res Paar zu finden.
Und VaterGreifund seinGemahl,Ein Paar, so fromm und bieder:Sie sahen auf so edle WahlMit Segenblick danieder.Gegeben war derTreueRing;Und bei Trompetenschall begingDie alte Burg von Treiden —VerlobungfestderBeiden.
Der Gartenkünste Meister liess,Bei nimmermüdem Streben,FürSegewoldein ParadiesAuf Oeden sich erheben.Und noch einneues Werkerstand,Von seiner Kunst und Meisterhand:DieGrottesein, auf Höhen,Soll ferne Zeit noch sehen.DieLiven-GrotteschufNatur;Dieseine, hoch daneben:Sieht unter sich, in Thalesflur,Der Landschaft Reiz und Leben.Da mass die JungfrauSegewold;Und sah, bestrahlt von Abendgold,Den Liebling täglich eilen,Sein Glück mit ihr zu theilen.Hier mochte sie, auf grüner Bank,Den Bräutigam erwarten:Der, wenn sein Tag hinuntersank,Verliess den Blüthengarten.MitBlumenwar, von ihm gepflückt,Die Grotte täglich neu geschmückt;Bis ihr von RosenstundenDieletzteheut' geschwunden!Dennheut', in früher Morgenstund',(Was nie bisher geschehen!)LiessHeilan sie, durchBoten-Mund,Den lautenWunschergehen:Sie möge nach dem Mittagmahl',Zum Gange nach dem Höhlenthal',In Liebe sich bequemen,Und — »Scheidegruss« vernehmen!Er habe noch der Arbeit VielAm Abend, zu besorgen;Und — Fahrt ins Weite sei das Ziel,Schon für den nächsten Morgen.Er wolle, wenn sein Glück entweicht,Die Braut, zumletztenMal vielleicht,In seiner Grotte schauen;Und And'res —Gottvertrauen.DieEltern, um ihr Wort befragt,Den Gang ihr zu gewähren:Sie mögen, was sienieversagt,Auch heute nicht verwehren. —ObAhnung, ob esLaunewar:Geschmückt, wie vor dem Traualtar,Erscheint, im Festgewande,Die schönste Braut im Lande.Und sieh, der letzte Gang beginnt!Er nimmt sie fort vonTreiden!Sie aber wandelt still und sinnt,Und weilet noch im Scheiden! —Dann, wie der Sonne MajestätIn Wolken freundlich untergeht,Und stirbt, im Abendrothe:GehtRosa-Mai— zumTode!...
Der Gartenkünste Meister liess,Bei nimmermüdem Streben,FürSegewoldein ParadiesAuf Oeden sich erheben.Und noch einneues Werkerstand,Von seiner Kunst und Meisterhand:DieGrottesein, auf Höhen,Soll ferne Zeit noch sehen.
DieLiven-GrotteschufNatur;Dieseine, hoch daneben:Sieht unter sich, in Thalesflur,Der Landschaft Reiz und Leben.Da mass die JungfrauSegewold;Und sah, bestrahlt von Abendgold,Den Liebling täglich eilen,Sein Glück mit ihr zu theilen.
Hier mochte sie, auf grüner Bank,Den Bräutigam erwarten:Der, wenn sein Tag hinuntersank,Verliess den Blüthengarten.MitBlumenwar, von ihm gepflückt,Die Grotte täglich neu geschmückt;Bis ihr von RosenstundenDieletzteheut' geschwunden!
Dennheut', in früher Morgenstund',(Was nie bisher geschehen!)LiessHeilan sie, durchBoten-Mund,Den lautenWunschergehen:Sie möge nach dem Mittagmahl',Zum Gange nach dem Höhlenthal',In Liebe sich bequemen,Und — »Scheidegruss« vernehmen!
Er habe noch der Arbeit VielAm Abend, zu besorgen;Und — Fahrt ins Weite sei das Ziel,Schon für den nächsten Morgen.Er wolle, wenn sein Glück entweicht,Die Braut, zumletztenMal vielleicht,In seiner Grotte schauen;Und And'res —Gottvertrauen.
DieEltern, um ihr Wort befragt,Den Gang ihr zu gewähren:Sie mögen, was sienieversagt,Auch heute nicht verwehren. —ObAhnung, ob esLaunewar:Geschmückt, wie vor dem Traualtar,Erscheint, im Festgewande,Die schönste Braut im Lande.
Und sieh, der letzte Gang beginnt!Er nimmt sie fort vonTreiden!Sie aber wandelt still und sinnt,Und weilet noch im Scheiden! —Dann, wie der Sonne MajestätIn Wolken freundlich untergeht,Und stirbt, im Abendrothe:GehtRosa-Mai— zumTode!...
DieFreudesieht die Stunde nurWieAugenblickentschwunden;DerSehnsucht— dehnt die ZeitenuhrZu Tagen oft Sekunden!Vergebens fleht derAltenBlickDie Tochter ihrem Haus zurück!Siewandelt hoch — und ferne —Auf unbekanntem Sterne!Nicht heiter, wie der Bach entweicht,Nicht, wie die Quelle munter:Nur trüb', wie Sumpfgewässer, schleichtDer träge Tag hinunter! —Der Westen glüht, die Sonne sinkt;Und Schattenkühl im Thale winkt:Da schmachtet Herzverlangen,DieTöchterzu empfangen!
DieFreudesieht die Stunde nurWieAugenblickentschwunden;DerSehnsucht— dehnt die ZeitenuhrZu Tagen oft Sekunden!Vergebens fleht derAltenBlickDie Tochter ihrem Haus zurück!Siewandelt hoch — und ferne —Auf unbekanntem Sterne!
Nicht heiter, wie der Bach entweicht,Nicht, wie die Quelle munter:Nur trüb', wie Sumpfgewässer, schleichtDer träge Tag hinunter! —Der Westen glüht, die Sonne sinkt;Und Schattenkühl im Thale winkt:Da schmachtet Herzverlangen,DieTöchterzu empfangen!
Nun wird es laut am Eisenthor!Und sieh, empört, voll Grauen:TrittHeilvonSegewold, hervor,Gespenstern gleich zu schauen!Wie Donner, trifft sein Wuthgeschrei:»Herbei, duVater Greif, herbei!Im Blute liegt, erschlagen,Die du zur Welt getragen!« —
Nun wird es laut am Eisenthor!Und sieh, empört, voll Grauen:TrittHeilvonSegewold, hervor,Gespenstern gleich zu schauen!Wie Donner, trifft sein Wuthgeschrei:»Herbei, duVater Greif, herbei!Im Blute liegt, erschlagen,Die du zur Welt getragen!« —
DieHölleflammt in seinemWort!IhrHohnertönt im Schalle!Dann eilig stürmt derWildefort;Und hinter ihm — wir Alle.Wir folgen seiner Tritte Spur,Den Berg hinab, in Thales Flur;Empor dann, am Gelände,Zum Werke seiner Hände.Unddort— inseinerGrotte lag:Die weiland Segenreiche!DieJungfrau, todt durch Mörderschlag,Nun Marmor-starre Leiche!Sie lag in Blut, von Blut bedeckt;Und — vondemselbenBlut beflecktLag jenesBeildaneben,Das ihr den Tod gegeben!Wer solches Beil seineigennennt:KannMehrvom Morde sagen;Weraber, der den Jüngling kennt,Darf hier einUrtheilwagen? —Es ist, was ihm Verdammniss droht,SeinWerkzeughier, von Blute roth:Wenn volle ThatenreihenIhn dort zumHeldenweihen. —Und so verlangt die erste Pflicht:Uns,Herr! anEuchzu wenden;Euch— werden seineThatennicht,Noch hier seinEisen, blenden.Wir leben sorgvoll, ohne Ruh'!Und senden Euch denWagenzu;BeiBitte, nicht zu weilen,NachTreidensBurg zu eilen!«
DieHölleflammt in seinemWort!IhrHohnertönt im Schalle!Dann eilig stürmt derWildefort;Und hinter ihm — wir Alle.Wir folgen seiner Tritte Spur,Den Berg hinab, in Thales Flur;Empor dann, am Gelände,Zum Werke seiner Hände.
Unddort— inseinerGrotte lag:Die weiland Segenreiche!DieJungfrau, todt durch Mörderschlag,Nun Marmor-starre Leiche!Sie lag in Blut, von Blut bedeckt;Und — vondemselbenBlut beflecktLag jenesBeildaneben,Das ihr den Tod gegeben!
Wer solches Beil seineigennennt:KannMehrvom Morde sagen;Weraber, der den Jüngling kennt,Darf hier einUrtheilwagen? —Es ist, was ihm Verdammniss droht,SeinWerkzeughier, von Blute roth:Wenn volle ThatenreihenIhn dort zumHeldenweihen. —
Und so verlangt die erste Pflicht:Uns,Herr! anEuchzu wenden;Euch— werden seineThatennicht,Noch hier seinEisen, blenden.Wir leben sorgvoll, ohne Ruh'!Und senden Euch denWagenzu;BeiBitte, nicht zu weilen,NachTreidensBurg zu eilen!«
Auf,Gericht, bei Morgenroth!Oeffne deine Schranken!Und es sei derJungfrau TodSeele der Gedanken!Fern dem Wahne, fern der Scheu,Wirf den Schein danieder;Und vernimm, der Wahrheit treu,Zeugen für und wider!Dort die Leiche, dort das Beil,Dort das Blut im Staube!Hier dieKlage, hier derHeil,Hier gesunk'ner Glaube! —
Auf,Gericht, bei Morgenroth!Oeffne deine Schranken!Und es sei derJungfrau TodSeele der Gedanken!
Fern dem Wahne, fern der Scheu,Wirf den Schein danieder;Und vernimm, der Wahrheit treu,Zeugen für und wider!
Dort die Leiche, dort das Beil,Dort das Blut im Staube!Hier dieKlage, hier derHeil,Hier gesunk'ner Glaube! —
Und sofort zu Kampfe zog,WiderHeil, dieKlage;Und des LandesRichterwogMit derThemisWaage.Heil, der Jüngling, trat hervor,Todesbleich die Wangen;Wie der Mond den Schein verlor,Von Gewölk umfangen.Tief gesunken und zerstört,Heldenthum's Ruine;Schmerz-gebrochen, Gram-verzehrt,Stand er auf der Bühne.Und der hoheRichterspricht:»Lass' dich,Jüngling, fragen!Kennst dudiese Waffenicht,Und, wer sie getragen?Dicherkennt an solcher Spur,Wer sie aufgefunden;Und mitsolcherWaffe nurSchlägt mansolcheWunden. —War es nicht der Bote dein:Der, von Dir verblendet,DeineBraut, durch leeren Schein,In denTodgesendet?Gieb das zarteKindzurück:Das, durchdichentschwunden;Dessen Spur auchVater-BlickNirgend noch gefunden!« —
Und sofort zu Kampfe zog,WiderHeil, dieKlage;Und des LandesRichterwogMit derThemisWaage.
Heil, der Jüngling, trat hervor,Todesbleich die Wangen;Wie der Mond den Schein verlor,Von Gewölk umfangen.
Tief gesunken und zerstört,Heldenthum's Ruine;Schmerz-gebrochen, Gram-verzehrt,Stand er auf der Bühne.
Und der hoheRichterspricht:»Lass' dich,Jüngling, fragen!Kennst dudiese Waffenicht,Und, wer sie getragen?
Dicherkennt an solcher Spur,Wer sie aufgefunden;Und mitsolcherWaffe nurSchlägt mansolcheWunden. —
War es nicht der Bote dein:Der, von Dir verblendet,DeineBraut, durch leeren Schein,In denTodgesendet?
Gieb das zarteKindzurück:Das, durchdichentschwunden;Dessen Spur auchVater-BlickNirgend noch gefunden!« —
Heil, im Auge seineBraut,Die der Mord erschlagen:Schien mit allem Tod' vertraut,Nicht mit solchen Klagen.Nun, bekannt mit seinem Loos,Rings um sich Verderben,Sprach derJüngling, ruhig gross,Wie der Held im Sterben:»JenesBeil, meinKlägerhier,Meine Lieblingshabe:Wie es frommte mir undIhr,Folg' es mir zu Grabe!Solchein Werkzeug nur alleinSollte mich begleiten:Ihr, im weichen Sandgestein,Obdach zu bereiten.Zürne nicht, verklärteBraut!Wenn ichnichtverhehle:Dass ich nur fürDichgebautJene zweiteHöhle.Wasdem Blicke dort erstand,Stufen und Gelände:Schuf dasBeilin meiner Hand;Schufen diese Hände.Sank dennHeilso tief herab:Sich ein Werk voll Grauen, —SeinerBrautein frühes Grab —Schmachvoll zu erbauen? —Doch, wir stehen vorGericht;Und die Richter sagen:Jenes Beil im Blute spricht,Erhat sie erschlagen!...Höret nun von mir Bescheid,Auf diezweiteKlage!Neues Weh' und neues LeidWeckt dieBoten-Frage.Glaubet! meine Seele weissNoch von keinemBoten:Der dieBraut, auf mein Geheiss,Sandte zu denTodten.Nur bei TagesUntergeh'nWar es uns beschieden:Dort zu feiern Wiederseh'n,In der Höhle Frieden.Alsowar es Fug und BrauchFür die Zwei geblieben;Sobetrat ich,gesternauch.Meine Bahn zurLieben:Noch zu enden war ein Theil,Hoch am Grottenrande;Und ich zog mein liebes BeilAus dem Gürtelbande.Aber, als ich wohlgemuthMeinAsylerreiche:Weh', da lag, in ihrem Blut',Meiner JungfrauLeiche!Da entsank das Beil der Hand;Kraftlos sank ich nieder;Und — am Eis der Todten fandMein Gefühl sich wieder!...Von demKindeweiss ich nurDieseszu gestehen:Dass vonLeuthakeine Spur.Gestern war zu sehen.« —
Heil, im Auge seineBraut,Die der Mord erschlagen:Schien mit allem Tod' vertraut,Nicht mit solchen Klagen.
Nun, bekannt mit seinem Loos,Rings um sich Verderben,Sprach derJüngling, ruhig gross,Wie der Held im Sterben:
»JenesBeil, meinKlägerhier,Meine Lieblingshabe:Wie es frommte mir undIhr,Folg' es mir zu Grabe!
Solchein Werkzeug nur alleinSollte mich begleiten:Ihr, im weichen Sandgestein,Obdach zu bereiten.
Zürne nicht, verklärteBraut!Wenn ichnichtverhehle:Dass ich nur fürDichgebautJene zweiteHöhle.
Wasdem Blicke dort erstand,Stufen und Gelände:Schuf dasBeilin meiner Hand;Schufen diese Hände.
Sank dennHeilso tief herab:Sich ein Werk voll Grauen, —SeinerBrautein frühes Grab —Schmachvoll zu erbauen? —
Doch, wir stehen vorGericht;Und die Richter sagen:Jenes Beil im Blute spricht,Erhat sie erschlagen!...
Höret nun von mir Bescheid,Auf diezweiteKlage!Neues Weh' und neues LeidWeckt dieBoten-Frage.
Glaubet! meine Seele weissNoch von keinemBoten:Der dieBraut, auf mein Geheiss,Sandte zu denTodten.
Nur bei TagesUntergeh'nWar es uns beschieden:Dort zu feiern Wiederseh'n,In der Höhle Frieden.
Alsowar es Fug und BrauchFür die Zwei geblieben;Sobetrat ich,gesternauch.Meine Bahn zurLieben:
Noch zu enden war ein Theil,Hoch am Grottenrande;Und ich zog mein liebes BeilAus dem Gürtelbande.
Aber, als ich wohlgemuthMeinAsylerreiche:Weh', da lag, in ihrem Blut',Meiner JungfrauLeiche!
Da entsank das Beil der Hand;Kraftlos sank ich nieder;Und — am Eis der Todten fandMein Gefühl sich wieder!...
Von demKindeweiss ich nurDieseszu gestehen:Dass vonLeuthakeine Spur.Gestern war zu sehen.« —