XII.

So erklang desJünglingsWort,Aus der Seele Tiefen!Wahrheit riss die Menge fort,Furcht und Wahn entschliefen.Eine Todten-Pause trugTod inFeindes-Leben;Und das Herz derFreundeschlug,Wiebei Fieber-Beben.Doch — der strengeRichterspricht:»Wahrheit lebt inZeugen!Wem derZeugenMund gebricht,Muss derQualsich beugen!Zeugen, oderFolter-Qual,Will der Zeiten Sitte;Dich befreit, von solcher Wahl,Thräne nicht, noch Bitte.Fühllos, wie die WeltenuhrSchlägt den Takt der Zeiten:Mag Gesetz dem Rechte nurKraft und Sieg bereiten.SollGesetzim Staatenspiel'Bahn der Wahrheit brechen:Darf nicht Mitleid und GefühlRichter-Wort bestechen.Darum,Knechte, führet ihn,Ob er sich bedenke,Nach den Thurm-Gewölben hin,Vor die Marter-Bänke!Dort, wo Heide oder Christ,Schrecken fühlt und Grauen:Mag' er jedes Qualgerüst',Nach der Stufe, schauen!Zeig't ihm jedes Marterholz,Wieder Grad sich nenne!Dass vielleicht gebeugter Stolz,Frei, die Schuld bekenne.« —

So erklang desJünglingsWort,Aus der Seele Tiefen!Wahrheit riss die Menge fort,Furcht und Wahn entschliefen.

Eine Todten-Pause trugTod inFeindes-Leben;Und das Herz derFreundeschlug,Wiebei Fieber-Beben.

Doch — der strengeRichterspricht:»Wahrheit lebt inZeugen!Wem derZeugenMund gebricht,Muss derQualsich beugen!

Zeugen, oderFolter-Qual,Will der Zeiten Sitte;Dich befreit, von solcher Wahl,Thräne nicht, noch Bitte.

Fühllos, wie die WeltenuhrSchlägt den Takt der Zeiten:Mag Gesetz dem Rechte nurKraft und Sieg bereiten.

SollGesetzim Staatenspiel'Bahn der Wahrheit brechen:Darf nicht Mitleid und GefühlRichter-Wort bestechen.

Darum,Knechte, führet ihn,Ob er sich bedenke,Nach den Thurm-Gewölben hin,Vor die Marter-Bänke!

Dort, wo Heide oder Christ,Schrecken fühlt und Grauen:Mag' er jedes Qualgerüst',Nach der Stufe, schauen!

Zeig't ihm jedes Marterholz,Wieder Grad sich nenne!Dass vielleicht gebeugter Stolz,Frei, die Schuld bekenne.« —

Heil, ob Gram und KummerlastTief das Herz bewegen,Warf demRichter, schnell gefasst,Dieses Wortentgegen:»Göttlichwar dasUrgesetzFür der Menschheit Leben;Menschlichwar dasNachgesetz,Das derMenschgegeben.Doch — das Gold von gold'ner Zeit,Die uns Lieder preisen:Sank herab, im Völkerstreit';Wurde Blei und Eisen!Und der Zeiten Stahl und Blei,Würgend um die Wette:Brach des Ringes Gold entzweiAn der Menschen-Kette!So, wieBrennusnach dem Sieg',Einst amRömer-Tage:Warf ihr Schwert, wennZweifelstieg,Themis, in die Waage. —Alsoleg't IhrHerzenein,In dieFolter-Schrauben;Bis zuThatenwird der Schein,Und der Wahn zumGlauben. —Aber, weisesLandgericht!Heilund seine EhreFürchten Eure Folter nicht!Nicht der Qualen Schwere!Bitt're Qual, die mich bedroht,Soll mirsüsserscheinen!Denn mich wird einMartyr-TodMit derBrautvereinen.Da sie fiel, durch Mörderstahl,Die mirGottgegeben:Find ich nur im Leben Qual,Und im Tode Leben.Möge denn, an meinem Muth',Euer Holz und EisenSeine Kraft und seine Wuth,Wie anIhr, beweisen!...EinenWunsch, auf Erden hier.Hab' ich noch zu nennen:Wollet nur ein Grab mitIhr,Gnädig mir vergönnen!Wenn das Opfer Euch erlag:Soll der Vorhang schwinden!Kommen wird einRächer-Tag,Und den Mörder finden.Oh, dieAhnungsagt mir laut,Werdie That begangen;Und, vonWessenStahl dieBrautSolchen Tod empfangen!EineGeisterstimmetönt,Wie aus Gräberhallen:»Diedas Leben dir verschönt,Istfür dichgefallen!«Braut, wir horchen deinem Ruf'!Einigsind dieBeiden!Wer die Zwei zuEinemschuf,Wird sie nimmer scheiden. —Erdenleib, im Erdenrund',Fröhnt derMutter-Scholle;Und derGeist, im Körperwund,Uebt nurSklaven-Rolle.Droben, in derGeister-Bahn,HerrschenGeister-Mächte;Sonnensind dir unterthan,Und PlanetenKnechte.Wie, undErdesoll denGeistWeg vonDirverbannen? —Nein, mitEinemTritte weistSie der Muth von dannen!Bess'reWelt ist aufgethanAllem Erdenblicke;Thaten brechen dir die Bahn,Leiden sind die Brücke.Auf nun,Henker, sei bereit!Sieh die Qual mich tragen;Doch den Sieger auch im StreitSein Geschick erschlagen!" —

Heil, ob Gram und KummerlastTief das Herz bewegen,Warf demRichter, schnell gefasst,Dieses Wortentgegen:

»Göttlichwar dasUrgesetzFür der Menschheit Leben;Menschlichwar dasNachgesetz,Das derMenschgegeben.

Doch — das Gold von gold'ner Zeit,Die uns Lieder preisen:Sank herab, im Völkerstreit';Wurde Blei und Eisen!

Und der Zeiten Stahl und Blei,Würgend um die Wette:Brach des Ringes Gold entzweiAn der Menschen-Kette!

So, wieBrennusnach dem Sieg',Einst amRömer-Tage:Warf ihr Schwert, wennZweifelstieg,Themis, in die Waage. —

Alsoleg't IhrHerzenein,In dieFolter-Schrauben;Bis zuThatenwird der Schein,Und der Wahn zumGlauben. —

Aber, weisesLandgericht!Heilund seine EhreFürchten Eure Folter nicht!Nicht der Qualen Schwere!

Bitt're Qual, die mich bedroht,Soll mirsüsserscheinen!Denn mich wird einMartyr-TodMit derBrautvereinen.

Da sie fiel, durch Mörderstahl,Die mirGottgegeben:Find ich nur im Leben Qual,Und im Tode Leben.

Möge denn, an meinem Muth',Euer Holz und EisenSeine Kraft und seine Wuth,Wie anIhr, beweisen!...

EinenWunsch, auf Erden hier.Hab' ich noch zu nennen:Wollet nur ein Grab mitIhr,Gnädig mir vergönnen!

Wenn das Opfer Euch erlag:Soll der Vorhang schwinden!Kommen wird einRächer-Tag,Und den Mörder finden.

Oh, dieAhnungsagt mir laut,Werdie That begangen;Und, vonWessenStahl dieBrautSolchen Tod empfangen!

EineGeisterstimmetönt,Wie aus Gräberhallen:»Diedas Leben dir verschönt,Istfür dichgefallen!«

Braut, wir horchen deinem Ruf'!Einigsind dieBeiden!Wer die Zwei zuEinemschuf,Wird sie nimmer scheiden. —

Erdenleib, im Erdenrund',Fröhnt derMutter-Scholle;Und derGeist, im Körperwund,Uebt nurSklaven-Rolle.

Droben, in derGeister-Bahn,HerrschenGeister-Mächte;Sonnensind dir unterthan,Und PlanetenKnechte.

Wie, undErdesoll denGeistWeg vonDirverbannen? —Nein, mitEinemTritte weistSie der Muth von dannen!

Bess'reWelt ist aufgethanAllem Erdenblicke;Thaten brechen dir die Bahn,Leiden sind die Brücke.

Auf nun,Henker, sei bereit!Sieh die Qual mich tragen;Doch den Sieger auch im StreitSein Geschick erschlagen!" —

Alsospricht er, und entschwebt.Laut beweint von Allen:Wie er frei und schön gelebt,Frei und gross zu fallen.

Alsospricht er, und entschwebt.Laut beweint von Allen:Wie er frei und schön gelebt,Frei und gross zu fallen.

Und die Knechte führen ihn,Ob er sich bedenke,Nach den Thurmgewölben hin,Vor die Marterbänke.Dort, wo Heide oder ChristSchrecken fühlt und Grauen:Soll er jedes Qualgerüst',Nach der Stufe, schauen.Folter, die auch Felsen bricht,Oeffnet ihre Schrauben:Blut und Mark, nur Ehre nicht,Peinvoll ihm zu rauben.Und ein Sichel-Mühlwerk steigt,Knirschend, auf und nieder;Und die Eisenjungfrau zeigtIhre Stachelglieder.Eine Hölle zieht herbei,Seinem Muth' entgegen;Doch — er lächelt, wie derMaiUnter Blüthenregen.Himmelfriede, Seelenruh',Sind ihm treu verbunden;Und — seinSchicksalruft ihm zu:"Du hast überwunden!"

Und die Knechte führen ihn,Ob er sich bedenke,Nach den Thurmgewölben hin,Vor die Marterbänke.

Dort, wo Heide oder ChristSchrecken fühlt und Grauen:Soll er jedes Qualgerüst',Nach der Stufe, schauen.

Folter, die auch Felsen bricht,Oeffnet ihre Schrauben:Blut und Mark, nur Ehre nicht,Peinvoll ihm zu rauben.

Und ein Sichel-Mühlwerk steigt,Knirschend, auf und nieder;Und die Eisenjungfrau zeigtIhre Stachelglieder.

Eine Hölle zieht herbei,Seinem Muth' entgegen;Doch — er lächelt, wie derMaiUnter Blüthenregen.

Himmelfriede, Seelenruh',Sind ihm treu verbunden;Und — seinSchicksalruft ihm zu:"Du hast überwunden!"

Während, in der Henker Mitte,Heildurch alle Schrecken zieht;Und, mit jedem neuen Schritte,Neuer Qual entgegensieht:Schwanket noch die Richterwaage;Zweifel wandelt rings im Kreis:Obauch hier dieMarter-FrageMag erpressen Schuldbeweis.

Während, in der Henker Mitte,Heildurch alle Schrecken zieht;Und, mit jedem neuen Schritte,Neuer Qual entgegensieht:

Schwanket noch die Richterwaage;Zweifel wandelt rings im Kreis:Obauch hier dieMarter-FrageMag erpressen Schuldbeweis.

Aber, eh' sie noch entscheiden,Mahnend sich an ihre Pflicht:Tritt derCastellanzu Treiden,Alsosprechend, vor Gericht.»Weise Richter dieser Lande!Säumet mit dem Folterspruch!Denn, statt Ehren, zeugt er Schande,Und noch später Zeiten Fluch.Was vor Unbill uns bewahren,Und den Jüngling retten soll:Mag dem Richter offenbarenEin Bekenntniss, grauenvoll!Elf der Monde, trüb und heiter,Sanken in der Zeiten Meer:Seit ichzweiderLanzenreiterAufnahm, aus demPolen-Heer.Adam JakubowskinannteSich der Eine, Frag'-gerecht;Peter Skudritz, so bekannteSeine Schrift den zweiten Knecht.Beide waren, jung von Jahren,Flüchtig aus dem Polenstreit',Kriegeskundig, diensterfahren,Mir zu dienen, schnell bereit.Manchem Raubthier, unverdrossen,Folgten sie, bei Nacht und Tag';Doch — dasHerzder JagdgenossenBald dembösen Feind'erlag!Nur dem Zank' und Trunk' ergeben,Höhnend Strafen und Gericht;Schonten sie der Hütte Leben,Wie das Burggesinde nicht.So, nach vielen Schuldbeweisen,Sann ich endlich nur darauf:Sie aus meinem Dienst' zu weisen,Nach vollbrachtem Jahreslauf'.Doch — wie Espenzweige beben,Buhlt ein West im Blätterdach:So, mit Zittern, trat so ebenSkudritzein, in mein Gemach.Höllenqual im Schuldgewissen,Wie sie nur einGotterweckt:Haben ihm dasWortentrissen,Das denMörderaufgedeckt.Draussen weilt er, rufgewärtig,Sein Verbrechen zu gesteh'n;Und, zu seinem Ende fertig,Nur um schnellenTodzu fleh'n.«

Aber, eh' sie noch entscheiden,Mahnend sich an ihre Pflicht:Tritt derCastellanzu Treiden,Alsosprechend, vor Gericht.

»Weise Richter dieser Lande!Säumet mit dem Folterspruch!Denn, statt Ehren, zeugt er Schande,Und noch später Zeiten Fluch.

Was vor Unbill uns bewahren,Und den Jüngling retten soll:Mag dem Richter offenbarenEin Bekenntniss, grauenvoll!

Elf der Monde, trüb und heiter,Sanken in der Zeiten Meer:Seit ichzweiderLanzenreiterAufnahm, aus demPolen-Heer.

Adam JakubowskinannteSich der Eine, Frag'-gerecht;Peter Skudritz, so bekannteSeine Schrift den zweiten Knecht.

Beide waren, jung von Jahren,Flüchtig aus dem Polenstreit',Kriegeskundig, diensterfahren,Mir zu dienen, schnell bereit.

Manchem Raubthier, unverdrossen,Folgten sie, bei Nacht und Tag';Doch — dasHerzder JagdgenossenBald dembösen Feind'erlag!

Nur dem Zank' und Trunk' ergeben,Höhnend Strafen und Gericht;Schonten sie der Hütte Leben,Wie das Burggesinde nicht.

So, nach vielen Schuldbeweisen,Sann ich endlich nur darauf:Sie aus meinem Dienst' zu weisen,Nach vollbrachtem Jahreslauf'.

Doch — wie Espenzweige beben,Buhlt ein West im Blätterdach:So, mit Zittern, trat so ebenSkudritzein, in mein Gemach.

Höllenqual im Schuldgewissen,Wie sie nur einGotterweckt:Haben ihm dasWortentrissen,Das denMörderaufgedeckt.

Draussen weilt er, rufgewärtig,Sein Verbrechen zu gesteh'n;Und, zu seinem Ende fertig,Nur um schnellenTodzu fleh'n.«

Und derRichter, ohne Säumen,Sendet nun denFrohnsogleich:Nach des Thurmgewölbes Räumen,In der Folter Qualenreich.»Lass den Jüngling eilig führen,Nach dem Kerker, unversehrt!Bis er frei wird, nach Gebühren,Wenn der Tag ihn frei erklärt.«Spricht es; und der PfortenschwelleSind die Blicke zugeneigt:Wo der grauseMordgeselleEin Gespenst der Gräber zeigt.Beben zuckt durch alle Glieder;Tod im Blicke, schreckenbleich:Sinkt er vor den Schranken nieder,Seiner Wildes-Beute gleich!

Und derRichter, ohne Säumen,Sendet nun denFrohnsogleich:Nach des Thurmgewölbes Räumen,In der Folter Qualenreich.

»Lass den Jüngling eilig führen,Nach dem Kerker, unversehrt!Bis er frei wird, nach Gebühren,Wenn der Tag ihn frei erklärt.«

Spricht es; und der PfortenschwelleSind die Blicke zugeneigt:Wo der grauseMordgeselleEin Gespenst der Gräber zeigt.

Beben zuckt durch alle Glieder;Tod im Blicke, schreckenbleich:Sinkt er vor den Schranken nieder,Seiner Wildes-Beute gleich!

»Sag' an, bekenne sonder Scheu:Wie jenerMordgeschehen!Und künde deinem Richter frei,Was du gehört, gesehen!Duaber,Schreiber, sei zur Hand!Und liefre mir den Thatbestand,Nach allen Haupt- und Nebenzügen;Der Pflicht und Wahrheit zu genügen!« —

»Sag' an, bekenne sonder Scheu:Wie jenerMordgeschehen!Und künde deinem Richter frei,Was du gehört, gesehen!Duaber,Schreiber, sei zur Hand!Und liefre mir den Thatbestand,Nach allen Haupt- und Nebenzügen;Der Pflicht und Wahrheit zu genügen!« —

Der Richter sprach es; und bereit,Sind Schreiber und Notare;Und leben soll, für alle Zeit,DieActejener Jahre!Zwei hundert Jahre starben hin;Und Moder barg, und Grabruin:WashierdesMordgesellenKlage,Für uns und Nachwelt bringt zu Tage.»Gericht und Volk von Treiden hier!Du Menschheit voll der Schwächen!Im Staube knieend, lass' mich DirBekennen mein Verbrechen!Weit über Folter, quält und plagtDerGeier, der amHerzennagt;Wann Ihr das Grässliche vernommen,Sind Tod und Henker mir willkommen!Mein Feldgenoss' und WaidkumpanWarAdam Jakubowski,Im Polenheere zugethanDer Fahne vonDrompowski;Voll Muthes, Riese von Gestalt,Und Feind der fremden Herrschgewalt;In Schlachten Held, bei Frauen Sieger;An Kräften Leu, an Wuth ein Tieger!SeinVater, Schulherr einer Stadt,Erzog ihn seinem Dienste;DerKnabe, früh der Schule satt,Ging aus, auf and're Künste.Bei mancher Frucht desGutenbliebDoch Mehr desBösensein Betrieb;So trat derJüngling, aus der Lehre,ZuSiegmund'swildemPolen-Heere.Sein Blick in manche Wissenschaft,Dazu noch manche Gabe;Und Riesenleib, Athletenkraft,Empfahlen ihn demStabe.So stieg er bald, im Kriegeslauf',Bis zum Standarten-Junker auf;Und hat, im Felde nie bezwungen,Des Feldherrn Gnade sich errungen.Er folgte, kämpfend um den Preis,Dem grossen Hauptpaniere;Und drängte sich in jeden KreisDer jungen Offiziere.Denn eitel war er, stolz und kühn;Und sah auf seines Gleichen hin:Wie auf ein Dornenfeld der Schnitter;Wie auf den Sklaventross der Ritter.Sowar er manchem Neidesblick'Unheimlich gross erschienen;Mich aber zwang ein Missgeschick,Nur freundlich ihm zu dienen.Ich folgte seiner Lichtgestalt,Im Bann' von magischer Gewalt;Wie dort, mit ihrem Zauberzwange,Den Vogel zieht die Klapperschlange.Es lag auf mir, wie Berge schwer,Bei jeglichem Vereine;Ich kannte keinen Willen mehr,Sein Wille war der meine.Verwegen, lüstern, frech und wild,Dann wieder sanft und Bruder-mild:Soführte mich sein Doppelwesen,Zum Guten hier, und dort zum Bösen.SeinHauptmann, der mit Vaterhuld,Herab auf ihn gesehen:Liess einmal doch, für schwere Schuld,Verweisan ihn ergehen.Da gab er, wuthentbrannt, sogleich,DemHauptmanneinen Backenstreich;Dassder, betäubt vom Riesenschlage,Vom Stande sank zu Niederlage.Da galt, war Rettung noch versucht,Kein Weilen mehr, noch Säumen;Ermusstegleich, in schneller Flucht,Des Ruhmes Lager räumen.Sein Wort, das flehend zu mir sprach:Es zog mich seinem Schicksal nach;Wir jagten ruchlos in die Ferne;DasGlückmit uns, und seine Sterne!Wir schlichen durch die Wäldernacht,Mit Füchsen um die Wette;Und fanden, war der Tag erwacht,Bei Wölfen unser Bette.Durch Moor und Sümpfe, Berg und Thal,Durch tausend Wege, sonder Wahl,Und durch ein Schlangenheer von Leiden.Errangen wir — denWegvonTreiden.Da zog einRitter, hoch zu Ross',Einher, auf seinem Rappen;Und hinter ihm ein flinker TrossVon Edelknecht und Knappen.Das war derTreidner Castellan,Der mir bis heute wohlgethan;Derwollte, nach vernomm'nen Klagen,Sein Burgasyl uns nicht versagen.Wir dienten ihm, drei Monde lang,Mit Eifer, Lust und Ehren;Doch konnte seinemLiebedrang'Der Junker bald nicht wehren.Kaum war der dritte Tag vorbei:Als er der schönenRosa Mai,Für die er,Vielengleich, entbrannte,Wiestolzer war, die Gluthbekannte.Er folgte, wo sie ging und stand,Gleich wie dem Licht' der Schatten;Und bot ihr, als der Frühling schwand,Sich offen an, zumGatten.DieJungfrausprach: »Bin nicht mehr mein;Muss einesAndernLiebe sein!Denn Herz und Hand, auf Tod und Leben,Sind an den GärtnerHeilvergeben.« —Das fühlt der stolze Junker tief!Der Zahme wird ein Drache;Und, statt derLiebe, die entschlief,Erwacht ein Geist derRache.NurderGedanke war ihm süss:Die gold'ne Frucht, das gold'ne VliessDerLiebe, mitGewaltzu stürmen;Ob Berge von Gefahr sich thürmen.Er wusste durch ein Schmeichelwort,Mich Armen zu bestechen;Und riss mich zum Entschlusse fort,Zu theilen sein Verbrechen.VonRachewurde nur geträumt,Und Herrngebot und Pflicht versäumt;Vondeman, blieb das RäuberlebenDer Hölle treuem Dienst' ergeben.Uns trieb die wilde Jagd umher,Wir höhnten aller Sitte;Und Schmach und Unheil drückte schwer,Selb auf des Armen Hütte!Bis unserHerr, von solcher SchmachGerecht empört, dasUrtheilsprach:Das uns gebot, vonihmundTreiden,Schon mit dem nächsten Mond, zuscheiden.DemGreifgefiel,dieselbeZeit,DenselbenMond zu wählen:Vor allem Volk', in Festlichkeit,Das Brautpaar zu vermählen.Da gab es fürder keine Rast:DieThat, worauf wir lang gefasst,Bevor sich Wind und Wetter wenden,Am nächsten Tage zu vollenden.Es hatten Braut und Bräutigam,Von Tages Werk entbunden,Alltäglich, wenn der Abend kam,ImThalsich eingefunden.Da gähnt, in hoher Felsenwand,EinHöhlenwerk, vonseinerHand;Hinfort benannt nach seinem Namen;Wo sieunderzusammen kamen.Wir wählten, ungestört zu sein,Die sich'reMittagstunde;DieBrautempfing, zum Stelldichein,Am Morgen schon dieKunde:DassHeil, der reisen soll, beklagt,Es sei der Abend ihmversagt;Er hoffe: nach dem Mittagmahle,Die Braut zu seh'n, im Höhlenthale. —Bereit zu Frevel und Gewalt,Zu That der Schande fertig:Sowaren wir derHuldgestalt,Am Felsen schon gewärtig.MitBlumen, nur vonHeilgepflückt,War rings die Höhle neu geschmückt;Wie Flora muss inPrachterscheinen,Wo wir am Sarg der Bräute weinen.Der hohenEdeldamegleich,In festlichem Gewande:Erschien, — doch wie von Ahnung bleich,Die schönste Braut im Lande!Sie sah, bestrahlt von Sonnengold,Hinüber nur, nachSegewold;Gewiegt von Hoffnung und Vertrauen,Den holdenLieblingzu erschauen. —Wohlging es meiner Seele nah':Als ich, im Laub' verborgen,Des trüben AugesThränesah,Wie Perlenthau am Morgen!Doch gab der böse Feind nicht Ruh';Er warf mirHohnes-Blicke zu!Die Schauerstunde war erschienen,Mit ihm verschworen, ihm zu dienen!Indess' ihr Geist den hohlen RaumNach Segewold gemessen;Und Alles, nur den süssen TraumDerLiebenicht vergessen:Erscheinenwir, wie Blitz der Nacht;Wie Donnersturm der Polenschlacht!Und, mit der Hölle vollem Segen,Ertönet ihr dasWortentgegen:»Sei mir willkommen, holdeBraut!Du Schönste aller Zeiten!Dein Leben ist aufHeilgebaut:Ich will dir Heilbereiten.Sei unverzagt, und zittre nicht!Dein todtenkaltes AngesichtSoll ungesäumt, in meinen Armen,Am Feuer dieser Brust erwarmen!« —DieJungfrau, bis zum Tode matt,Bei diesem frechen Hohne:Und bebend, wie ein welkes Blatt,Auf hoher Eichenkrone:Erhob sich bald, in Majestät!Wie Fels in Meereswogen steht!Und wie die Wogen sichempören,Solässt sie nun dasUrtheilhören:»Was hat mein Leben dir gethan?Hinweg von dieser Stelle!Der Weg zumHeilist meine Bahn,Der deine führt zur Hölle!Dirwird die Jungfrau nicht zu Theil;MeinErden-Heil beruht inHeil!Beidirist Unheil und Verderben;DemHeilnur leb' ich, ihm zu sterben.« —Darauf das freche Wort erscholl,Wie aus dem Höllen-Pfuhle:»Der nicht deinGattewerden soll,Umarme dich alsBuhle!Diemir desGattenGlück versagt:SeiDirnemir, auch ungefragt!DeinUnheilwirst du, wohl berathen,Dem liebenHeilja nicht verrathen.« —Mit diesen Worten stürmt er ein,Auf Lebensglück und Ehre;Die zarteJungfraustandallein;Verlassen, ohne Wehre!Sie rang, mit der Verzweiflung Kraft;Bis, in den Staub dahin gerafft,Sie, machtlos, neu sich zu erheben,Nur bat, ihr schnellenTodzu geben. —Ihr Goldgelock in meiner Hand,Sohielt ich sie darnieder;Er aber riss das GürtelbandVon ihrem blauen Mieder.EinRosatuch, das ihm gefiel,Entfallen ihr im Kampfgewühl':ErwählteGott, inseinenHänden,Der Schande Schmach von ihr zu wenden!Dennsie, mit Flötenton, begann:»Dir gilt mein Habsalwenig!Doch wisse: wer dasTuchgewann,Ist reicher, denn ein König!KeinTuch, in allem Erdenreich',Ist dieserWundergabegleich;Zueigensoll es dir gehören,Doch lass' mich ziehen,frei, mitEhren!»Es wohnt im TucheZauber-Macht!Sein Schmuck, in bösen Stunden,Und auch im Dampfe wilder Schlacht:Befreit von Todeswunden.Es rettet Leben Dir und Leib; —Dem starken Mann, dem schwachen Weib',Vermag nicht Blei, noch Stahl und Eisen,Die sich're Seele zu entreissen.« — —Sofort der wildeJunkerspricht:»Lass' deine Künste fahren!Mich retten deine Zauber nicht;Mich soll derMuthbewahren!Wenn Schwert und Panzer nicht beschirmt,Wo mir der Tod entgegenstürmt;Nicht Muth und Kraft mir Sieg verleihen,Kann mich deinFlitternicht befreien.« —Er wirft die gold'ne BusenzierDer keuschen Brust entgegen;Und fühlt nur freche LustbegierDas Räuberherz bewegen.Er stürmt auf sie, wie Wetterstrahl!Da bleibt ihr nur dieTodeswahl;Und horch! ihr Schicksal zu beschämen,Lässt muthvollsiedasWortvernehmen:»DenZauber, der im Tuche wohnt,Soll deine That beweisen!Vertraue mir! das Tuch verschontDen Leib vor deinem Eisen.Mich lähmt kein Schlag von dieser Welt;Und auch kein Tropfen Blutes fällt:Ob Dolche, Schwerter, Lanzenspitzen,Des Feindes, auf mich niederblitzen.»Umringt den Hals meinRosatuch,Wie gleich es mag geschehen:So bet' ich meinen Zauberspruch,Dann sollt ihr Wunder sehen.Erhebe deinen Stahl der Schlacht!Fall' aus mit deiner Riesenmacht!Nur ziele muthig nach der Kehle!Dannsicherbleibt mir Leib und Seele.« —Wie nun den weissen Hals umwandDas Tuch von Gold und Seide:Entriss mit Ingrimm seine HandDen Würgerstahl der Scheide.Besessen, wie von Tiegerwuth,In seinem Blick' der Hölle Gluth:Soliess, demSatanheimgefallen,Der Wüthrichdiesen Ruferschallen:»Istalsodem, so wäre schierDein Flitterstaat zu loben;Sei denn bereit! ich will an dirDesTuches Kraft erproben.DasEinesoll entschieden sein:DasTuchist, oderDubist mein!MeinSchicksalruft! es soll erklären,Ob deineWundersichbewähren!« — —Ich sah nun, kurze Weile fort,Den Rosenmund sich regen;Mir aber klang das leise Wort,Als wär' esZauber-Segen.Es war jungfräulichesGebet,Um letzte Kraft, vonGotterfleht!Dashab' ich gläubig erst empfunden,Da schon ihr Leben war entschwunden.Sie warf den milden ScheideblickNachSegewoldhinüber;Da mass sie das verlorne Glück!Da ward ihr Auge trüber!Doch schnell die Augen abgewandt,Den letzten Blick zuGottgesandt:Lag sie bereit, dahin zu gehen —Dem grossen Tod' das schöne Leben. —O, weh' mir, dem es nicht gelang,Ihr Schicksal noch zu wenden!Denn eilig schon der Mörder schwangDen Stahl mit beiden Händen!Und, zielend nach demRosatuch',Vertrauend auf den Zauberspruch:So liess er, meinem Blick zum Grausen,Den Schlag, wie Blitz, darniedersausen! — —Entflogen war des Lebens Traum! —Weit offen gähnt die Wunde!KeinAcherscholl! sie zuckte kaum,Mit dem nun bleichen Munde!Sie starb, mit allem Heldenmuth'!Ein Purpurquell von klarem Blut',Beschloss, als rauchende Fontäne,Die hoch erhab'neTrauer-Scene!...Dem Markstein an der Grenze gleich,Gebannt an seine Stelle:So standenBeide, starr und bleich,DerMordund seinGeselle! —EinAngstruf, den ich laut vernahm,Der aus der nahen Tiefe kam:Vermochte nicht mit seinem Schrecken,DerZeugenFurcht in mir zu wecken. —Das Tüchlein blieb ein Zaubertuch,Für uns von Weltenschwere!Es trug in sich der Nachwelt Fluch;DerJungfrau— Preis und Ehre!Der Mörder sah zum Opfer hin,WieKainnach dem Mord erschien:Und nach hinabgewürgtem Grimme,Vernahm ich derVerzweiflungStimme:»O,du, getaucht in Martyrblut:DuGott-gesandteGabe!DuZaubertuch, das Wunder thut,Im Sarge noch und Grabe!Gespinnst, wie du der Welt dich nennst:Gesponnen mir zum Nachtgespenst'!Gewebe, mir zurQualgewoben:Lass dich von deinerJungfrauloben!»OSchönheit, wie noch keine war!Von mir in Staub getreten!Hierist mein Tempel und Altar!Hierlern' ich heute beten! —Gebet? — Was solch einMörderspricht:Erhört ein Gott im Himmel nicht!Mirsoll kein Paradies mehr grünen;Ich muss hinfort derHölledienen»DieEhre— war deinZauber-Spruch,Dein Tuch dein Ritterorden!Miraber ist der Zeiten Fluch,Und Schmach zu Theil geworden.Ichfolgedir, in schnellemTod,Doch nicht zu deinem Morgenroth!Mein Schwert empfängt die Felsenquelle;Den Leib der Strang, den Geist die Hölle!»DirFrieden, Leib in deinem Blut!DirFreudedort, du Engelseele!Dein Grablied sei dein Heldenmuth!Dein Denkmal diese Zauberhöhle!DeinGeist, verklärt inLiebe, steigt,Wenn Hoffnung mir und Glaube schweigt.Ich— bin ein Labsal nur denRaben:Dichwird derew'ge Ruhmbegraben!»Dulächelstnoch imTodemild,Als ob du mir verziehen!Ich— werde deinemSchattenbild'Im Tode nicht entfliehen! —Hinaus! hinweg, von dieser Welt!Die Bühnebrach, der Vorhangfällt!Komm',Hölledu, mit deinen Qualen:Ich will dir meine Schuld bezahlen.« —Nach diesem stürmt er wild hinab,Den Richter in der Seele:ZumOpferam Sibyllengrab'Der altenLiven-Höhle.Da winkt ihm, unter festem Dach,Und schweigsam, wie einLethe-Bach,Und eisigkalt, doch rein und helle:Im Felsenbett', dieFelsenquelle.Nun senkt er vor dem klaren Strom'Den Mörderstahl danieder;Und hohl ertönt im FelsendomDasWortdesFlucheswider:»EinOpferpriesterkomm' ich heut'!Dem Opfer fehlt noch Grabgeläut;So lass' denn,Quelle,dicherwählen,Von uns dem Volke zu erzählen!»Du nahmest im Jahrtausendlauf',Bei deinem Tropfen-Spiele,So mancheThräneschweigend auf,Und Opfergabenviele!Hier tränktest du den müden Gast;Hier fand er Schattenkühl' und Rast!Dir Dank für Labe zu beweisen.Empfange nun mein Mördereisen!»Es soll, von edlem Blut' geweiht,Zu dir hinab versinken;Dann lass' mich AllvergessenheitAus deinem Borne trinken! —Ein Opferlamm, so weiss und rein,Geschlachtet auf dem Opferstein:EinTugend-Leben, kranzumwunden,Hat sterbend hier denPreisgefunden!»DuBerggeist, der inTiefenthrontIn unentweihter Stille!Du,Nixe, die denQuellbewohnt!Begraben du,Sibylle!Du reiner, flüssiger Kristall!Und du im Lenze,Nachtigall!Verkündet, wann ich längst gefallen,DerJungfrau Lobin diesen Hallen!« — —Nach diesem, warf die MörderfaustDen Mordstahl in die Quelle;Und, wie zumHohne, zischt und braustDie wild empörte Welle.Darauf zumirderArgespricht:»Verfolge meine Wege nicht!Ergreife schnell die Flucht, und weiche,Bevor ich würge dich zur Leiche!« — —Gejagt, von unsichtbarer Macht,Durch hell besonnte Fluren,Entschwand er in des Waldes Nacht;Ich — folgte seinen Spuren.Es trieb mich, ohne Rast und Ruh',Den dicht belaubtenHöhenzu;Wo quälend, unter Laub der Bäume,DerSchlafmich senkt inTodesträume!Ich sah gezückt das MordgewehrDie Schauerlüfte spalten;Gespenster zogen um mich her,In blutigen Gestalten;Bis nun dieTodesbrauterschien,In weisser Hand derPalmeGrün;Siegprangend, über Mord erhaben,Umschwebt von tausend Engelknaben!Sowar ich unter meinem Baum,Verborgen, nicht geborgen;Bis endlich aus dem schweren TraumMich weckt der junge Morgen.MeinersterBlick, aus dem Versteck,Erlugte, mir zu neuem Schreck:DenMörder, starr und ohne Leben;Derselbersich denTodgegeben!Da hing, vergebens lang gesucht:DerFlüchtling— eineLeiche—Wie eineGift-belad'ne Frucht —Am Stamm der höchsten Eiche!Sein Angesicht, wie Asche grau;Die Lippe Schaum, die Zunge blau;Wie Wolfbrut fletschend, mit den Zähnen;Das Haar gesträubt, wie von Hyänen! —Und sieh, meinWeltenrichterkam,Herab in seinem Grimme!Das Ohr in meiner Brust vernahmDie Donner seiner Stimme. —Gewissen— bleibt kein leeres Wort!Gewissen— treibt die Sünder fort:Wastiefim Busen sie bewahren,Dem hellenTag'zu offenbaren.Sotrat ich vor die Schranken her, —Nicht, Mitleid zu erweinen;Ich will, vonSchuldbeladenschwer,In voller Schuld erscheinen.DemMörderwar ich zugesellt!Und,Feinddes Lebens dieser Welt:Verlang' ich,Todmir zu gewähren;DochfreidenJünglingzu erklären.« —Sosprach er; und die Halle glichDem Grabe der Karthause;Und nur dem lautenAchentwichDes Volkes Todtenpause.Doch schien dem hohen Landgericht'Noch eineFragevon Gewicht:DerMordgesellesoll besagen,Was sich mitLeuthazugetragen.Mit Staunen ob der Frage, schweigtDer bleiche Mordgeselle;Doch sieh, vonGreifgetragen, zeigtDasKindsich an der Schwelle!Die Tochter war noch schreckenblass:Und jedes Auge wurde nass:Da rührend nun die Gottgesandte,Wassievernommen, auch bekannte.

Der Richter sprach es; und bereit,Sind Schreiber und Notare;Und leben soll, für alle Zeit,DieActejener Jahre!Zwei hundert Jahre starben hin;Und Moder barg, und Grabruin:WashierdesMordgesellenKlage,Für uns und Nachwelt bringt zu Tage.

»Gericht und Volk von Treiden hier!Du Menschheit voll der Schwächen!Im Staube knieend, lass' mich DirBekennen mein Verbrechen!Weit über Folter, quält und plagtDerGeier, der amHerzennagt;Wann Ihr das Grässliche vernommen,Sind Tod und Henker mir willkommen!

Mein Feldgenoss' und WaidkumpanWarAdam Jakubowski,Im Polenheere zugethanDer Fahne vonDrompowski;Voll Muthes, Riese von Gestalt,Und Feind der fremden Herrschgewalt;In Schlachten Held, bei Frauen Sieger;An Kräften Leu, an Wuth ein Tieger!

SeinVater, Schulherr einer Stadt,Erzog ihn seinem Dienste;DerKnabe, früh der Schule satt,Ging aus, auf and're Künste.Bei mancher Frucht desGutenbliebDoch Mehr desBösensein Betrieb;So trat derJüngling, aus der Lehre,ZuSiegmund'swildemPolen-Heere.

Sein Blick in manche Wissenschaft,Dazu noch manche Gabe;Und Riesenleib, Athletenkraft,Empfahlen ihn demStabe.So stieg er bald, im Kriegeslauf',Bis zum Standarten-Junker auf;Und hat, im Felde nie bezwungen,Des Feldherrn Gnade sich errungen.

Er folgte, kämpfend um den Preis,Dem grossen Hauptpaniere;Und drängte sich in jeden KreisDer jungen Offiziere.Denn eitel war er, stolz und kühn;Und sah auf seines Gleichen hin:Wie auf ein Dornenfeld der Schnitter;Wie auf den Sklaventross der Ritter.

Sowar er manchem Neidesblick'Unheimlich gross erschienen;Mich aber zwang ein Missgeschick,Nur freundlich ihm zu dienen.Ich folgte seiner Lichtgestalt,Im Bann' von magischer Gewalt;Wie dort, mit ihrem Zauberzwange,Den Vogel zieht die Klapperschlange.

Es lag auf mir, wie Berge schwer,Bei jeglichem Vereine;Ich kannte keinen Willen mehr,Sein Wille war der meine.Verwegen, lüstern, frech und wild,Dann wieder sanft und Bruder-mild:Soführte mich sein Doppelwesen,Zum Guten hier, und dort zum Bösen.

SeinHauptmann, der mit Vaterhuld,Herab auf ihn gesehen:Liess einmal doch, für schwere Schuld,Verweisan ihn ergehen.Da gab er, wuthentbrannt, sogleich,DemHauptmanneinen Backenstreich;Dassder, betäubt vom Riesenschlage,Vom Stande sank zu Niederlage.

Da galt, war Rettung noch versucht,Kein Weilen mehr, noch Säumen;Ermusstegleich, in schneller Flucht,Des Ruhmes Lager räumen.Sein Wort, das flehend zu mir sprach:Es zog mich seinem Schicksal nach;Wir jagten ruchlos in die Ferne;DasGlückmit uns, und seine Sterne!

Wir schlichen durch die Wäldernacht,Mit Füchsen um die Wette;Und fanden, war der Tag erwacht,Bei Wölfen unser Bette.Durch Moor und Sümpfe, Berg und Thal,Durch tausend Wege, sonder Wahl,Und durch ein Schlangenheer von Leiden.Errangen wir — denWegvonTreiden.

Da zog einRitter, hoch zu Ross',Einher, auf seinem Rappen;Und hinter ihm ein flinker TrossVon Edelknecht und Knappen.Das war derTreidner Castellan,Der mir bis heute wohlgethan;Derwollte, nach vernomm'nen Klagen,Sein Burgasyl uns nicht versagen.

Wir dienten ihm, drei Monde lang,Mit Eifer, Lust und Ehren;Doch konnte seinemLiebedrang'Der Junker bald nicht wehren.Kaum war der dritte Tag vorbei:Als er der schönenRosa Mai,Für die er,Vielengleich, entbrannte,Wiestolzer war, die Gluthbekannte.

Er folgte, wo sie ging und stand,Gleich wie dem Licht' der Schatten;Und bot ihr, als der Frühling schwand,Sich offen an, zumGatten.DieJungfrausprach: »Bin nicht mehr mein;Muss einesAndernLiebe sein!Denn Herz und Hand, auf Tod und Leben,Sind an den GärtnerHeilvergeben.« —

Das fühlt der stolze Junker tief!Der Zahme wird ein Drache;Und, statt derLiebe, die entschlief,Erwacht ein Geist derRache.NurderGedanke war ihm süss:Die gold'ne Frucht, das gold'ne VliessDerLiebe, mitGewaltzu stürmen;Ob Berge von Gefahr sich thürmen.

Er wusste durch ein Schmeichelwort,Mich Armen zu bestechen;Und riss mich zum Entschlusse fort,Zu theilen sein Verbrechen.VonRachewurde nur geträumt,Und Herrngebot und Pflicht versäumt;Vondeman, blieb das RäuberlebenDer Hölle treuem Dienst' ergeben.

Uns trieb die wilde Jagd umher,Wir höhnten aller Sitte;Und Schmach und Unheil drückte schwer,Selb auf des Armen Hütte!Bis unserHerr, von solcher SchmachGerecht empört, dasUrtheilsprach:Das uns gebot, vonihmundTreiden,Schon mit dem nächsten Mond, zuscheiden.

DemGreifgefiel,dieselbeZeit,DenselbenMond zu wählen:Vor allem Volk', in Festlichkeit,Das Brautpaar zu vermählen.Da gab es fürder keine Rast:DieThat, worauf wir lang gefasst,Bevor sich Wind und Wetter wenden,Am nächsten Tage zu vollenden.

Es hatten Braut und Bräutigam,Von Tages Werk entbunden,Alltäglich, wenn der Abend kam,ImThalsich eingefunden.Da gähnt, in hoher Felsenwand,EinHöhlenwerk, vonseinerHand;Hinfort benannt nach seinem Namen;Wo sieunderzusammen kamen.

Wir wählten, ungestört zu sein,Die sich'reMittagstunde;DieBrautempfing, zum Stelldichein,Am Morgen schon dieKunde:DassHeil, der reisen soll, beklagt,Es sei der Abend ihmversagt;Er hoffe: nach dem Mittagmahle,Die Braut zu seh'n, im Höhlenthale. —

Bereit zu Frevel und Gewalt,Zu That der Schande fertig:Sowaren wir derHuldgestalt,Am Felsen schon gewärtig.MitBlumen, nur vonHeilgepflückt,War rings die Höhle neu geschmückt;Wie Flora muss inPrachterscheinen,Wo wir am Sarg der Bräute weinen.

Der hohenEdeldamegleich,In festlichem Gewande:Erschien, — doch wie von Ahnung bleich,Die schönste Braut im Lande!Sie sah, bestrahlt von Sonnengold,Hinüber nur, nachSegewold;Gewiegt von Hoffnung und Vertrauen,Den holdenLieblingzu erschauen. —

Wohlging es meiner Seele nah':Als ich, im Laub' verborgen,Des trüben AugesThränesah,Wie Perlenthau am Morgen!Doch gab der böse Feind nicht Ruh';Er warf mirHohnes-Blicke zu!Die Schauerstunde war erschienen,Mit ihm verschworen, ihm zu dienen!

Indess' ihr Geist den hohlen RaumNach Segewold gemessen;Und Alles, nur den süssen TraumDerLiebenicht vergessen:Erscheinenwir, wie Blitz der Nacht;Wie Donnersturm der Polenschlacht!Und, mit der Hölle vollem Segen,Ertönet ihr dasWortentgegen:

»Sei mir willkommen, holdeBraut!Du Schönste aller Zeiten!Dein Leben ist aufHeilgebaut:Ich will dir Heilbereiten.Sei unverzagt, und zittre nicht!Dein todtenkaltes AngesichtSoll ungesäumt, in meinen Armen,Am Feuer dieser Brust erwarmen!« —

DieJungfrau, bis zum Tode matt,Bei diesem frechen Hohne:Und bebend, wie ein welkes Blatt,Auf hoher Eichenkrone:Erhob sich bald, in Majestät!Wie Fels in Meereswogen steht!Und wie die Wogen sichempören,Solässt sie nun dasUrtheilhören:

»Was hat mein Leben dir gethan?Hinweg von dieser Stelle!Der Weg zumHeilist meine Bahn,Der deine führt zur Hölle!Dirwird die Jungfrau nicht zu Theil;MeinErden-Heil beruht inHeil!Beidirist Unheil und Verderben;DemHeilnur leb' ich, ihm zu sterben.« —

Darauf das freche Wort erscholl,Wie aus dem Höllen-Pfuhle:»Der nicht deinGattewerden soll,Umarme dich alsBuhle!Diemir desGattenGlück versagt:SeiDirnemir, auch ungefragt!DeinUnheilwirst du, wohl berathen,Dem liebenHeilja nicht verrathen.« —

Mit diesen Worten stürmt er ein,Auf Lebensglück und Ehre;Die zarteJungfraustandallein;Verlassen, ohne Wehre!Sie rang, mit der Verzweiflung Kraft;Bis, in den Staub dahin gerafft,Sie, machtlos, neu sich zu erheben,Nur bat, ihr schnellenTodzu geben. —

Ihr Goldgelock in meiner Hand,Sohielt ich sie darnieder;Er aber riss das GürtelbandVon ihrem blauen Mieder.EinRosatuch, das ihm gefiel,Entfallen ihr im Kampfgewühl':ErwählteGott, inseinenHänden,Der Schande Schmach von ihr zu wenden!

Dennsie, mit Flötenton, begann:»Dir gilt mein Habsalwenig!Doch wisse: wer dasTuchgewann,Ist reicher, denn ein König!KeinTuch, in allem Erdenreich',Ist dieserWundergabegleich;Zueigensoll es dir gehören,Doch lass' mich ziehen,frei, mitEhren!

»Es wohnt im TucheZauber-Macht!Sein Schmuck, in bösen Stunden,Und auch im Dampfe wilder Schlacht:Befreit von Todeswunden.Es rettet Leben Dir und Leib; —Dem starken Mann, dem schwachen Weib',Vermag nicht Blei, noch Stahl und Eisen,Die sich're Seele zu entreissen.« — —

Sofort der wildeJunkerspricht:»Lass' deine Künste fahren!Mich retten deine Zauber nicht;Mich soll derMuthbewahren!Wenn Schwert und Panzer nicht beschirmt,Wo mir der Tod entgegenstürmt;Nicht Muth und Kraft mir Sieg verleihen,Kann mich deinFlitternicht befreien.« —

Er wirft die gold'ne BusenzierDer keuschen Brust entgegen;Und fühlt nur freche LustbegierDas Räuberherz bewegen.Er stürmt auf sie, wie Wetterstrahl!Da bleibt ihr nur dieTodeswahl;Und horch! ihr Schicksal zu beschämen,Lässt muthvollsiedasWortvernehmen:

»DenZauber, der im Tuche wohnt,Soll deine That beweisen!Vertraue mir! das Tuch verschontDen Leib vor deinem Eisen.Mich lähmt kein Schlag von dieser Welt;Und auch kein Tropfen Blutes fällt:Ob Dolche, Schwerter, Lanzenspitzen,Des Feindes, auf mich niederblitzen.

»Umringt den Hals meinRosatuch,Wie gleich es mag geschehen:So bet' ich meinen Zauberspruch,Dann sollt ihr Wunder sehen.Erhebe deinen Stahl der Schlacht!Fall' aus mit deiner Riesenmacht!Nur ziele muthig nach der Kehle!Dannsicherbleibt mir Leib und Seele.« —

Wie nun den weissen Hals umwandDas Tuch von Gold und Seide:Entriss mit Ingrimm seine HandDen Würgerstahl der Scheide.Besessen, wie von Tiegerwuth,In seinem Blick' der Hölle Gluth:Soliess, demSatanheimgefallen,Der Wüthrichdiesen Ruferschallen:

»Istalsodem, so wäre schierDein Flitterstaat zu loben;Sei denn bereit! ich will an dirDesTuches Kraft erproben.DasEinesoll entschieden sein:DasTuchist, oderDubist mein!MeinSchicksalruft! es soll erklären,Ob deineWundersichbewähren!« — —

Ich sah nun, kurze Weile fort,Den Rosenmund sich regen;Mir aber klang das leise Wort,Als wär' esZauber-Segen.Es war jungfräulichesGebet,Um letzte Kraft, vonGotterfleht!Dashab' ich gläubig erst empfunden,Da schon ihr Leben war entschwunden.

Sie warf den milden ScheideblickNachSegewoldhinüber;Da mass sie das verlorne Glück!Da ward ihr Auge trüber!Doch schnell die Augen abgewandt,Den letzten Blick zuGottgesandt:Lag sie bereit, dahin zu gehen —Dem grossen Tod' das schöne Leben. —

O, weh' mir, dem es nicht gelang,Ihr Schicksal noch zu wenden!Denn eilig schon der Mörder schwangDen Stahl mit beiden Händen!Und, zielend nach demRosatuch',Vertrauend auf den Zauberspruch:So liess er, meinem Blick zum Grausen,Den Schlag, wie Blitz, darniedersausen! — —

Entflogen war des Lebens Traum! —Weit offen gähnt die Wunde!KeinAcherscholl! sie zuckte kaum,Mit dem nun bleichen Munde!Sie starb, mit allem Heldenmuth'!Ein Purpurquell von klarem Blut',Beschloss, als rauchende Fontäne,Die hoch erhab'neTrauer-Scene!...

Dem Markstein an der Grenze gleich,Gebannt an seine Stelle:So standenBeide, starr und bleich,DerMordund seinGeselle! —EinAngstruf, den ich laut vernahm,Der aus der nahen Tiefe kam:Vermochte nicht mit seinem Schrecken,DerZeugenFurcht in mir zu wecken. —

Das Tüchlein blieb ein Zaubertuch,Für uns von Weltenschwere!Es trug in sich der Nachwelt Fluch;DerJungfrau— Preis und Ehre!Der Mörder sah zum Opfer hin,WieKainnach dem Mord erschien:Und nach hinabgewürgtem Grimme,Vernahm ich derVerzweiflungStimme:

»O,du, getaucht in Martyrblut:DuGott-gesandteGabe!DuZaubertuch, das Wunder thut,Im Sarge noch und Grabe!Gespinnst, wie du der Welt dich nennst:Gesponnen mir zum Nachtgespenst'!Gewebe, mir zurQualgewoben:Lass dich von deinerJungfrauloben!

»OSchönheit, wie noch keine war!Von mir in Staub getreten!Hierist mein Tempel und Altar!Hierlern' ich heute beten! —Gebet? — Was solch einMörderspricht:Erhört ein Gott im Himmel nicht!Mirsoll kein Paradies mehr grünen;Ich muss hinfort derHölledienen

»DieEhre— war deinZauber-Spruch,Dein Tuch dein Ritterorden!Miraber ist der Zeiten Fluch,Und Schmach zu Theil geworden.Ichfolgedir, in schnellemTod,Doch nicht zu deinem Morgenroth!Mein Schwert empfängt die Felsenquelle;Den Leib der Strang, den Geist die Hölle!

»DirFrieden, Leib in deinem Blut!DirFreudedort, du Engelseele!Dein Grablied sei dein Heldenmuth!Dein Denkmal diese Zauberhöhle!DeinGeist, verklärt inLiebe, steigt,Wenn Hoffnung mir und Glaube schweigt.Ich— bin ein Labsal nur denRaben:Dichwird derew'ge Ruhmbegraben!

»Dulächelstnoch imTodemild,Als ob du mir verziehen!Ich— werde deinemSchattenbild'Im Tode nicht entfliehen! —Hinaus! hinweg, von dieser Welt!Die Bühnebrach, der Vorhangfällt!Komm',Hölledu, mit deinen Qualen:Ich will dir meine Schuld bezahlen.« —

Nach diesem stürmt er wild hinab,Den Richter in der Seele:ZumOpferam Sibyllengrab'Der altenLiven-Höhle.Da winkt ihm, unter festem Dach,Und schweigsam, wie einLethe-Bach,Und eisigkalt, doch rein und helle:Im Felsenbett', dieFelsenquelle.

Nun senkt er vor dem klaren Strom'Den Mörderstahl danieder;Und hohl ertönt im FelsendomDasWortdesFlucheswider:»EinOpferpriesterkomm' ich heut'!Dem Opfer fehlt noch Grabgeläut;So lass' denn,Quelle,dicherwählen,Von uns dem Volke zu erzählen!

»Du nahmest im Jahrtausendlauf',Bei deinem Tropfen-Spiele,So mancheThräneschweigend auf,Und Opfergabenviele!Hier tränktest du den müden Gast;Hier fand er Schattenkühl' und Rast!Dir Dank für Labe zu beweisen.Empfange nun mein Mördereisen!

»Es soll, von edlem Blut' geweiht,Zu dir hinab versinken;Dann lass' mich AllvergessenheitAus deinem Borne trinken! —Ein Opferlamm, so weiss und rein,Geschlachtet auf dem Opferstein:EinTugend-Leben, kranzumwunden,Hat sterbend hier denPreisgefunden!

»DuBerggeist, der inTiefenthrontIn unentweihter Stille!Du,Nixe, die denQuellbewohnt!Begraben du,Sibylle!Du reiner, flüssiger Kristall!Und du im Lenze,Nachtigall!Verkündet, wann ich längst gefallen,DerJungfrau Lobin diesen Hallen!« — —

Nach diesem, warf die MörderfaustDen Mordstahl in die Quelle;Und, wie zumHohne, zischt und braustDie wild empörte Welle.Darauf zumirderArgespricht:»Verfolge meine Wege nicht!Ergreife schnell die Flucht, und weiche,Bevor ich würge dich zur Leiche!« — —

Gejagt, von unsichtbarer Macht,Durch hell besonnte Fluren,Entschwand er in des Waldes Nacht;Ich — folgte seinen Spuren.Es trieb mich, ohne Rast und Ruh',Den dicht belaubtenHöhenzu;Wo quälend, unter Laub der Bäume,DerSchlafmich senkt inTodesträume!

Ich sah gezückt das MordgewehrDie Schauerlüfte spalten;Gespenster zogen um mich her,In blutigen Gestalten;Bis nun dieTodesbrauterschien,In weisser Hand derPalmeGrün;Siegprangend, über Mord erhaben,Umschwebt von tausend Engelknaben!

Sowar ich unter meinem Baum,Verborgen, nicht geborgen;Bis endlich aus dem schweren TraumMich weckt der junge Morgen.MeinersterBlick, aus dem Versteck,Erlugte, mir zu neuem Schreck:DenMörder, starr und ohne Leben;Derselbersich denTodgegeben!

Da hing, vergebens lang gesucht:DerFlüchtling— eineLeiche—Wie eineGift-belad'ne Frucht —Am Stamm der höchsten Eiche!Sein Angesicht, wie Asche grau;Die Lippe Schaum, die Zunge blau;Wie Wolfbrut fletschend, mit den Zähnen;Das Haar gesträubt, wie von Hyänen! —

Und sieh, meinWeltenrichterkam,Herab in seinem Grimme!Das Ohr in meiner Brust vernahmDie Donner seiner Stimme. —Gewissen— bleibt kein leeres Wort!Gewissen— treibt die Sünder fort:Wastiefim Busen sie bewahren,Dem hellenTag'zu offenbaren.

Sotrat ich vor die Schranken her, —Nicht, Mitleid zu erweinen;Ich will, vonSchuldbeladenschwer,In voller Schuld erscheinen.DemMörderwar ich zugesellt!Und,Feinddes Lebens dieser Welt:Verlang' ich,Todmir zu gewähren;DochfreidenJünglingzu erklären.« —

Sosprach er; und die Halle glichDem Grabe der Karthause;Und nur dem lautenAchentwichDes Volkes Todtenpause.Doch schien dem hohen Landgericht'Noch eineFragevon Gewicht:DerMordgesellesoll besagen,Was sich mitLeuthazugetragen.

Mit Staunen ob der Frage, schweigtDer bleiche Mordgeselle;Doch sieh, vonGreifgetragen, zeigtDasKindsich an der Schwelle!Die Tochter war noch schreckenblass:Und jedes Auge wurde nass:Da rührend nun die Gottgesandte,Wassievernommen, auch bekannte.


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