Dreizehntes Kapitel.

Dreizehntes Kapitel.

»Hahaha! Da tun Sie recht daran!« rief plötzlich die Serbolowa, die, von den beiden Männern unbemerkt, hinter einem Kirschstrauch gestanden hatte.

Prepotenskij schlug sein aufgeknöpftes Hemd über der Brust zusammen, richtete sich auf und sagte, indem er zugleich die ganz mit Ziegelstaub bestreuten Hosen mit der anderen Hand in die Höhe zog:

»Entschuldigen Sie, Alexandra Iwanowna, daß ich so mangelhaft bekleidet bin …«

»Macht nichts. Mit einem Arbeitsmann rechtet man nicht wegen seiner Toilette. Aber kommen Sie jetzt. Ihre Frau Mutter bittet, zum Essen zu kommen.«

»Nein, Alexandra Iwanowna, ich komme nicht. Ich kann mit meiner Mutter nicht mehr zusammenleben. Zwischen uns ist alles aus.«

»Sie sollten sich schämen, so zu reden. Ihre Mutter liebt Sie doch so sehr.«

»Ihr Vorwurf trifft mich nicht. Sie hält es mit meinen Feinden, sie vergräbt meine Knochen. – Wenn ich mir eine Zigarette an dem Lämpchen vor dem Heiligenbilde anzünde, spielt sie gleich die Gekränkte.«

»Warum müssen Sie aber auch Ihre Zigaretten ausgerechnet am Heiligenlämpchen anstecken? Als ob Sie nicht anderswo Feuer bekommen können!«

»Trotzdem ist das doch zu dumm!«

Alexandra Iwanowna lächelte und sagte:

»Besten Dank!«

»Sie meine ich doch nicht! Ich rede von dem Lämpchen. Feuer ist Feuer.«

»Eben darum können Sie Ihre Zigarette auch sonstwo anzünden.«

»Ach, man kann es ihr doch nie recht machen. Gestern gab ich unserem Hunde etwas Suppe von unserer Schüssel, da fängt die Mutter gleich jämmerlich an zu heulen und schlägt zuletzt vor Ärger die Schüssel in Stücke. ›Ich kann sie nun doch nicht mehr brauchen,‹ meint sie, ›da der Hund sie angerochen hat.‹ Ich bitte Sie, meine Herrschaften, – Sie, Valerian Nikolajewitsch, haben doch auch Physik studiert, kann man etwas ›anriechen‹?! Beriechen kann man eine Sache, herausriechen kann man etwas, – aber anriechen?! Nur ein kompletter Dummkopf kann so reden!«

»Sie hätten dem Hunde sein Essen aber auch in einem andern Gefäß geben können!«

»Gewiß. Aber warum?«

»Um Ihrer Mutter nicht weh zu tun.«

»Ach, so sehen Sie die Sache an! Meiner Ansicht nach ist alles Lavieren eines ehrlichen Menschen unwürdig.«

Die Serbolowa lachte leise, reichte Darjanow den Arm und beide gingen zum Essen, den Lehrer mit seinem Knochenhaufen allein lassend.


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