Drittes Buch.Erstes Kapitel.
Als Termosesow und seine Genossen beim Polizeichef erschienen, hatte Tuberozow schon eine Stunde abseits von den übrigen Gästen mit dem Adelsmarschall Tuganow geplaudert. Der alte Propst brachte dem vornehmen Gaste wieder all die Klagen vor, welche wir in seinem Tagebuche gelesen haben, – und erhielt die alten Scherzworte zur Antwort.
»Was soll aus dieser Zerrüttung noch werden?« fragte der Propst und runzelte die Brauen. Der Adelsmarschall aber erwiderte ihm lachend:
»Wer kann wissen, was noch werden wird, mein Lieber?«
»Ohne Ideale, ohne Glauben, ohne Achtung vor den Taten der großen Vorfahren … Das … das muß Rußland zugrunde richten.«
»Nun, wenn es zugrunde gehen soll, wird es eben zugrunde gehen,« sagte Tuganow gleichgültig und stand auf. »Aber weißt du, – gehen wir wieder zu den Gästen. Unser Gespräch führt doch zu nichts. Du bist ein Maniak.«
Der Propst trat einen Schritt zurück und sagte gekränkt:
»Wieso bin ich ein Maniak?«
»Was drängst du dich den Leuten auf und läßt niemand seine Ruhe? Ideal! Glauben! Was soll man tun, guter Freund, wenn die Zeit dafür vorüber ist?«
Tuberozow lächelte, seufzte leise und antwortete, nicht die Zeit des Glaubens und der Ideale sei vorüber, sondern die Zeit derWorte.
»Nun, so vollbringeTaten, Freund.«
»Auch Taten sind noch nicht genug.«
»Was brauchen wir denn?«
»Großtaten.«
»So vollbringe Großtaten. Aber in welcher Art?«
»Im Geiste der Kraft, im Wehen des Sturmes. Daß die, so das Feuer löschen wollen, selber von der Flamme ergriffen werden.«
»Ja, ja, du willst wieder streiten. Halt lieber Frieden, Vater.«
»Parmen Nikolajewitsch, ich höre so viel von diesem Frieden reden. Aber wie soll man Frieden schließen mit einem, der gar nicht um Pardon bittet? So ein Frieden taugt nicht viel, und unsere Altvordern sagten nicht umsonst: ›Eh du den Gevatter nicht verprügelt hast, kannst du ihm keinen Friedenstrunk reichen‹.«
»Ohne Prügel geht's bei ihm nicht.«
»Gewiß nicht, Freund.«
»Du bist noch der richtige Seminarist.«
»Ich will auch gar nicht den großen Herrn spielen.«
»Sag mal, willst du durchaus leiden? Das tut man nicht einer Kleinigkeit wegen. Spare deine Kräfte für eine bessere Sache.«
»Sparsame Leute gibt es ohne mich genug. Ich muß meine Pflicht erfüllen.«
»Der letzte wäre ich, der dich abhielte, deine Pflicht zu erfüllen, wie dein Gewissen sie dir vorschreibt. Geh hin undversuch es, die Schamlosen zu beschämen. Wenn du es kannst, heißest du Hans. Aber jetzt laß uns zu den Gastgebern gehen. Ich muß bald fort.«
Der Propst folgte ihm. Er versuchte sich zusammenzunehmen, war aber sehr entmutigt. Er hatte etwas ganz anderes von dieser Zusammenkunft erwartet, ohne sich wohl selbst sagen zu können, was eigentlich.