Zweites Kapitel.

Zweites Kapitel.

Die beiden alten Herren saßen schon in dem kleinen Wohnzimmer, als die Hausfrau Warnawa und Termosesow hineinführte. Die Mehrzahl der andern Gäste befand sich im Saal. Man plauderte, spielte Klavier und versuchte zu singen. Die Biziukina, welche sich sonst überall zu Hause fühlte, hatte nicht den Mut, ihren Kavalieren ins Wohnzimmer zu folgen; da ihr andererseits die Gesellschaft der Damen nicht sympathisch war, nahm sie nahe der Tür Platz.

Das Wohnzimmer war ein schmaler Raum. Auf dem Sofa vor dem Tisch saßen Tuganow und Tuberozow, während der sanfte Benefaktow, Darjanow und der Kreisadelsmarschall Plodomasow auf Stühlen Platz genommen hatten. Achilla stand hinter einem leeren Sessel und stützte die Hand auf die Lehne. Die Biziukina bemerkte, wie Termosesow das Zimmer betrat, sich höchst ehrerbietig verneigte, und – was wohl keiner für möglich gehalten hatte – plötzlich auf Tuberozow zuschritt und um seinen Segen bat. Am meisten erstaunt darüber war wohl Vater Sawelij selbst. Er wußte im ersten Augenblick nicht recht, was er tun sollte, und als er dem Gast den erbetenen Segen erteilte, sah man ihm die Verwirrung deutlich an. Als Termosesow aber seine Hand küssen wollte, verlor der Propst so vollkommen die Fassung, daß er mit einer schnellen, energischen Bewegung Termosesows Handnach unten zog und so fest drückte und schüttelte, als wäre es die Hand seines besten Freundes.

Termosesow bat auch Zacharia um seinen Segen, und der sanfte Benefaktow erwies sich diesmal findiger als Tuberozow. Er erteilte dem Gast nicht nur den Segen, sondern schob auch ganz ungeniert sein gelbes Händchen an den Mund des Abenteurers.

Einmal im Zuge, ging Termosesow nun noch auf Achilla zu, um sich von ihm auch segnen zu lassen. Aber dieser machte einen gewandten Kratzfuß und meinte:

»Ich bin bloß Diakon.«

Hierauf drückten sie einander die Hände und Achilla lud Termosesow ein, es sich in dem Lehnsessel, hinter dem er stand, bequem zu machen. Termosesow jedoch lehnte diese Ehre höflich ab und setzte sich auf den zunächst stehenden Stuhl, während Prepotenskij, den hergebrachten Anschauungen seiner »Richtung« treu bleibend, sich möglichst weit entfernte, um gegenüber der weitgeöffneten Saaltür Platz zu nehmen.

Hiermit wollte er erstens andeuten, daß er mit der Gesellschaft im Wohnzimmer nichts gemein habe, und dann konnte er von seinem Platz aus die Biziukina sehen, welche alles hören sollte, was er sagte. Der Lehrer empfand die dringende Notwendigkeit, sein Ansehen wieder zu heben, welches durch das Erscheinen Termosesows stark beeinträchtigt worden war, und wartete auf eine günstige Gelegenheit, Streit vom Zaun zu brechen und der Biziukina, wenn auch nicht die Überlegenheit seines Geistes, so doch wenigstens die Reinheit seiner Überzeugung zu beweisen. Und da derjenige, welcher Streit sucht, in jedem Wort einen willkommenen Anlaß erblickt, so brauchte Warnawa auch nicht lange in Schweigen zu verharren.


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