Drittes Kapitel.

Drittes Kapitel.

Ein Tag verging wie der andere. Die Stadt unterhielt sich mit Neuigkeiten, die mit unserer Geschichte nichts zu tun haben. Tuberozow blieb in Acht und Bann und seine Freunde schienen sich vollständig damit beruhigt zu haben, daß »hier nichts zu machen« wäre. Die Feinde des Propstes zeigten sich etwas besser als die Freunde: wenigstens einige von ihnen hatten ihn nicht vergessen. Für ihn setzte sich zum Beispiel die feine Frau Postmeisterin ein, die Termosesow die ihr angetane schwere Beleidigung nicht vergessen konnte und noch weniger geneigt war, der Gesellschaft ihre Schadenfreude zu verzeihen. Sie wollte ihr vielmehr zeigen, daß sie allein feinfühliger, klüger, weitsichtiger, ja auch ehrlicher sei, als sie alle.

Dazu bot sich ihr nun eine Gelegenheit, die sie wiederum sehr fein und boshaft auszunutzen wußte. Sie beschloß, die Gesellschaft durch unerhörten Glanz zu blenden und ihre Autorität in den Augen der biedern Stargoroder auf eine bisher nie dagewesene Höhe zu heben.

Etwa sechs Werst von der Stadt entfernt hatte eine Petersburger Dame, Frau Mordokonaki, ihren Sommeraufenthalt auf einem wunderschönen Landgut. Der alte Mann dieser jungen und sehr hübschen Frau hatte, als er noch Branntweinpächter war, bei einer der Postmeisterstöchter Pate gestanden. Das schien nun der Frau Postmeisterin eine völliggenügende Veranlassung, die junge Gattin des alten Mordokonaki zum Namenstag des Patenkindes ihres Mannes einzuladen, und bei der Gelegenheit wollte sie die Bitte aussprechen, die bekannte Philantropin und Freundin der Kirche möge sich doch des verfolgten Tuberozow annehmen.

Das war nicht übel ausgedacht. Die junge und fabelhaft reiche »Wohltäterin« hatte Einfluß in der Residenz und genoß bei den Gewalthabern im Gouvernement hohe Achtung. Jedenfalls hätte sie, wenn sie wollte, für den gemaßregelten Propst mehr tun können, als sonst jemand. Ob sie es aber wollte? Darum eben sollte die ganze Gesellschaft sie bitten.

Die Dame langweilte sich in ihrer Einsamkeit und nahm daher die Einladung der Postmeisterin dankend an. Die giftige Frau Postmeisterin triumphierte. Sie zweifelte nun nicht mehr, daß sie die Honoratioren der Stadt durch ihr unerwartetes Eintreten für den alten Tuberozow verblüffen werde, und daß infolgedessen alle sich notgedrungen ihr anschließen würden, gleichsam als Chorus, als zweite Garnitur.

Die Postmeisterin schwelgte in solcherlei süßen Träumen, – bis endlich der Tag ihrer Erfüllung gekommen war.


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