Sechstes Kapitel.
Die Wirkung dieses Todes auf Achilla war entsetzlich. Er weinte und schluchzte nicht wie ein Mann, sondern wie ein nervöses Weib, das einen Verlust beklagt, den es nicht überleben zu können meint. Übrigens war das Hinscheiden des Propstes Tuberozow auch für die ganze Stadt ein großes Ereignis: es gab nicht ein Haus, in dem man nicht für den Entschlafenen gebetet hätte.
In dem Totenhause drängten sich die Menschen: die einen kamen, um dem Verschiedenen ihr letztes Lebewohl zu sagen, die andern, um zu sehen, wie der Priester im Sarge aussah. In der Nacht, die dem Tode des Propstes folgte, kam vom Konsistorium die Aufhebung des über den Verstorbenen verhängten Banns, und so konnte Sawelij denn in vollem Ornat bestattet werden. Riesengroß, lang lag er da, die Scheitelkappe auf dem Haupte. Totenmessen wurden im Hause unausgesetzt gelesen, und so viel eifrige Priester auch kamen und die auf dem Betpult liegenden Gewänder und Binden anlegten, um die Messe zu singen, – jeden bat der Diakon Achilla um seinen Segen, daß er das Orarion anlegen und mitsingen dürfe.
Am zweiten Tage war der Sarg fertig, und nun begann, nach einer alten örtlichen Sitte, die auch heute noch in einigen Gegenden bei der Einsargung von Geistlichen ausgeübt wird, eine feierliche und schauerliche Zeremonie. Die versammelteGeistlichkeit, mit Kerzen in den Händen, in Trauergewändern, trug den toten Sawelij dreimal um den mächtigen Sarg herum, und Achilla hielt in der Hand des Toten ein rauchendes Weihrauchgefäß, so daß es aussah, als weihe der Tote selbst seine letzte kalte Wohnstätte. Dann legte man den entschlafenen Propst in den Sarg, und alle gingen fort bis auf Achilla; er verweilte die ganze Nacht bei seinem toten Freunde allein, und da geschah etwas, das Achilla selbst nicht bemerkte; wohl aber sahen es die andern für ihn.