Sechzehntes Kapitel.

Sechzehntes Kapitel.

Während draußen die Menge sich drängte und lärmte, ging es im Hause nicht weniger erregt zu. Der Polizeichef, Rittmeister Porochontzew, kam in Barchentunterhosen und einer Flanelljacke in die Kanzlei gestürzt und sah tatsächlich den Teufel mit Hörnern und Klauen kläglich zusammengekauert am Boden hocken und ihm gegenüber auf dem Sofa, das sonst die Bittsteller einzunehmen pflegten, eine unförmliche zitternde Masse, bedeckt mit einem Soldatenmantel und zwei Schafpelzen: der Diakon.

Um den Teufel herum gruppierten sich in den verschiedensten Stellungen sämtliche Stargoroder Honoratioren, auf deren Gesichtern nichts von dem Grauen zu lesen war, das die Nähe des bösen Geistes ihnen von Rechts wegen hätte einflößen sollen. Jeder sah, daß dieser Teufel ein ganz jämmerliches Geschöpf war, welches vor Kälte bebte und schlecht und recht in die traurigen Reste eines Kosakenmantels aus haarigem Filz gewickelt war, den der Diakon Achilla einmal dem Kommissar Danilka geschenkt hatte, weil das Kleidungsstück zu nichts sonst zu gebrauchen war. Auf des Teufels Kopfe, den ein Fetzen desselben Mantels bedeckte, ragten zwei mit einem schmutzigen Bindfaden ungeschickt befestigte Kuhhörner empor, und an den Händen, die in ein paar Stückchen Schaffell gewickelt waren, baumelten zwei gewöhnliche Eisenhaken, wie man sie zum Aufwinden vonGetreidesäcken verwendet. Das merkwürdigste aber war, daß einer der Soldaten, als er mit der Hand unter den Anzug des Teufels griff, eine Schnur zu packen bekam, an der ein altes Messingkreuzchen mit der Aufschrift: »Es stehe Gott auf, daß seine Feinde zerstreuet werden« hing.

»Ich sagte doch, daß alles Betrug wäre,« bemerkte der Propst Grazianskij.

»Ja, ja, dem Kostüm nach ist es ein richtiger Teufel, aber das Kreuzlein läßt auf anderes schließen,« stimmte Zacharia ihm bei, trat auf das rätselhafte Geschöpf zu und fragte: »Hör mal, mein Lieber, wer bist du? He? Hörst du, was ich dir sage? … Lieber Freund! … Heda! … Hörst du? … Sprich doch! … Sonst gibt es Prügel! … So rede doch!«

Hier mischte sich der Polizeichef ein und fing selbst an, den Teufel auszufragen, aber ebenso erfolglos.

Der Teufel, der allmählich warm wurde und zu sich kam, rückte nur sachte hin und her und verkroch sich wie eine Schildkröte immer tiefer in seinen Mantel.

Von den verschiedenen Seiten wurden allerlei Meinungen darüber laut: was man jetzt mit diesem Teufel anfangen sollte. Der Polizeichef neigte zu der Ansicht, man müsse ihn, so wie er sei, zum Gouverneur schicken und berief sich dabei auf das alte Gesetz über Ungeheuer und Mißgeburten. Aber alle waren so neugierig, daß sie sich diesem Beschluß energisch widersetzten und die mannigfaltigsten Gründe anführten, um den Polizeichef zu überzeugen, daß der Dämon unbedingt sofort entlarvt werden müsse, um die allgemeine, brennende Neugier endlich zu stillen!

Zwei der Anwesenden nahmen an den Debatten keinen Anteil: der Bürgermeister und Vater Zacharia, denn beide waren in Spezialuntersuchungen vertieft. Der Bürgermeister schlich sich immer ganz leise an den Teufel heran,bald von der einen, bald von der anderen Seite, machte das Zeichen des Kreuzes über ihn und sprang dann geschwind wieder zur Seite, um nicht mit dem Bösen gemeinsam in die Tiefe zu versinken. Zacharia aber riß ihn an den Hörnern und flüsterte ihm zu:

»Hör mal, mein Lieber, sag mir nur das eine: warst du es, der beim Vater Propst die Decke entlang gelaufen ist? Gesteh's und du bekommst keine Schläge.«

»Ich war's,« stöhnte der Teufel dumpf.

Diese ersten Worte des Dämons riefen unter den Anwesenden eine unerwartete Panik hervor, welche durch das wilde Geschrei des draußen stehenden Volkes noch verstärkt wurde. Die Menge hatte die Geduld verloren und drängte ins Haus mit der Forderung, der Teufel solle ihr ausgeliefert werden, wobei ganz laut der Verdacht geäußert wurde, die Polizei beabsichtige, sich vom Teufel »schmieren« zu lassen und ihn dann unbehelligt in sein höllisches Reich heimzusenden. Einige machten den Vorschlag, die Tür aufzubrechen und den Teufel mit Gewalt den Händen der gesetzlichen Obrigkeit zu entreißen. Dieser Drohung folgte ihre Verwirklichung auf dem Fuße, denn man schlug donnernd gegen die Türe. Jedoch der Rittmeister fand das richtige Gegenmittel. Er gab dem Revieraufseher ein Zeichen, worauf dieser sofort die Feuerspritze aus dem Schuppen zog, mit dem Schlauch auf den Zaun kletterte und einen Strahl eiskalten Wassers über die Menge ergoß. Hiermit war das Signal zu einem wilden Tohuwabohu gegeben. Die Menge fuhr zurück, schrie, pfiff, lachte, dann aber wurden die heiteren Gesichter plötzlich ganz ernst, die Leute bissen die Zähne zusammen und drängten von neuem vorwärts. Das kalte Sturzbad hatte seine Schrecken verloren, die Tür krachte, Steine flogen ins Fenster, der Aufseher wurde an den Beinen vom Zaunheruntergerissen, die Menge bemächtigte sich der Spritze und besprengte nun den Aufseher vor den Augen seiner Vorgesetzten. Der Polizeichef und die Honoratioren stürzten in die innern Gemächer und schlossen die Türen hinter sich zu, der Hauptmann Powerdownia aber, der ihnen nicht so schnell hatte folgen können, rannte in der Kanzlei hin und her und schrie:

»Meine Herren! Keine Furcht! Gott mit uns! Wer Waffen hat … rettet euch!«

Sein Blick fiel auf den geöffneten Aktenschrank, er sprang geschwind hinein und schlug die Tür hinter sich zu, durch die zerschlagenen Fensterscheiben aber kamen immer mehr Steine geflogen, und der Teufel selbst schrie laut auf vor Entsetzen und Verzweiflung.


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