Siebentes Kapitel.

Siebentes Kapitel.

Der Fürst Bornowolokow und sein Sekretär Termosesow erschienen. Bei genauer Betrachtung machten sie einen viel interessanteren Eindruck, als sie Tuberozow bei ihrer flüchtigen Begegnung vorgekommen waren.

Der Revisor selbst sah wie ein eingeschlafener Stichling aus. Er war klein, mit gesträubten Haaren, breiten Schultern und Augen, über denen ein feuchter, schläfriger Schleier lag. Er schien zu nichts fähig und zu nichts brauchbar. Er war eben kein Mensch, sondern ein schläfriger Stichling, der sich in allen Meeren und Seen herumgetrieben hatte, nun aber eingeschlafen und so mit Tang bewachsen war, daß in ihm nichts mehr glühte und leuchtete.

Termosesow dagegen erinnerte an einen Kentauren. Er war riesengroß, wie es nur ein Mann sein kann, aber der Bau seines mächtigen Körpers hatte etwas Weibliches. Die Schultern waren sehr schmal, die Hüften übermäßig breit und voll wie Pferdeschinken, die Knie fleischig und rund, die Arme dürr und sehnig; der Hals lang, aber nicht mit stark hervortretendem Adamsapfel, wie bei den meisten hochgewachsenen Menschen, sondern mit einer Vertiefung, wie bei einem Pferde. Um den Kopf flatterte eine mächtige Mähne nach allen Seiten; das Gesicht, mit einer langen, armenischen Nase und einer unverhältnismäßig großen Oberlippe, die schwer auf der untern lastete, war von sehr dunkler Färbung;die Augen waren braun mit tiefschwarzen Pupillen, der Blick scharf und klug.

Die Biziukina beobachtete alles durch das Fenster, ohne von den Fremden gesehen zu werden, und zermarterte sich das Hirn, wer von den beiden wohl der Revisor Bornowolokow und wer Termosesow sei. Endlich kam sie zu dem Schlusse, der Große müßte unbedingt der Fürst Bornowolokow sein, denn er hatte eine Mütze mit einer Kokarde auf dem Kopfe, der andere im Reitfrack und dem bunten Mützchen aber war sicher Termosesow, der unabhängige Mann, der in einem ganz freien Dienstverhältnis zum Fürsten stand. Allein noch eine zweite Frage quälte die Hausfrau: wie sollte sie die Gäste empfangen? Sollte sie ihnen entgegengehen? Das wäre gar zu zeremoniell gewesen. Nichts tun, dasitzen und warten, bis sie kommen? … Das wirkte zu gezwungen! Ein Buch vornehmen? Ja, das wäre das Richtigste, das Natürlichste!

Und sie ergriff das erste beste Buch, blickte aber noch einmal darüber hinweg durch das Fenster und bemerkte, daß Termosesow, den sie für Bornowolokow hielt, ziemlich schmutzige Hände hatte, während ihre wohlgepflegten, müßigen Hände rein waren, wie weißer Schaum.

Sofort nahm Madame Biziukina etwas Erde aus einem auf dem Fensterbrett stehenden Blumentopf, zerrieb sie zwischen ihren Handflächen und setzte sich mit ihrem Buche auf einen Stuhl in der Nähe des Fensters, die Beine übereinanderschlagend.

In diesen Augenblick ließ sich im Hausflur eine fröhliche, recht freundliche Baßstimme vernehmen, und in das Vorzimmer traten beide Gäste: zuerst Termosesow und hinter ihm Fürst Bornowolokow.


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