Zweiundzwanzigstes Kapitel.

Zweiundzwanzigstes Kapitel.

Das war der Entwurf zu einer Predigt, die Sawelij am folgenden Tage zu halten beabsichtigte und auch wirklich vor der versammelten Beamtenschaft hielt, – um damit nicht nur seiner Tätigkeit als Prediger, sondern auch seiner ganzen Amtstätigkeit ein jähes Ende zu bereiten.

Die Intelligenz von Stargorod war der Meinung, es sei keine Predigt, sondern ein Aufruf zur Revolution, und wenn der Propst weiterhin so reden würde, werde sich bald kein Beamter auch nur auf der Straße zeigen dürfen. Sogar die besten Freunde Sawelijs warfen ihm unvorsichtige Aufhetzung der Leidenschaften des Pöbels vor. Eine Ausnahme machten nur die beiden Fremden: Bornowolokow und Termosesow. Sie hatten die Predigt ebenfalls angehört, aber nichts dazu gesagt und keinerlei Verstimmung gezeigt. Im Gegenteil, als sie aus der Kirche kamen, war Termosesow mit gefalteten Händen auf Bornowolokow zugegangen und hatte mit freudestrahlendem Gesicht gesagt: »Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren.«

»Was soll das heißen?« fragte der Vorgesetzte.

»Das soll heißen, daß ich Sie verlasse. Leben Sie wohl und lassen Sie sich's gut gehen, aber erweisen Sie mir noch einen letzten Liebesdienst: melden Sie der Obrigkeit, der Pope, über den Sie schon einmal berichteten, hätte heute, aller Ehrfurcht bar, die einem so hohen Festtage geziemte,eine äußerst empörende Rede gehalten, über welche der von Ihnen eigens dazu abdelegierte Sekretär Termosesow die Ehre haben werde, persönlich eingehend Bericht zu erstatten.«

»Hol Sie der Teufel! Schreiben Sie's auf, ich will's unterzeichnen.«

Die Freunde wollten sich eben voneinander verabschieden, als der Kleinbürger Danilka, bleich und entsetzt, von Wasser triefend, in zerfetztem Hemde hineingestürzt kam, Bornowolokow zu Füßen fiel und jammerte:

»Gnädiger Herr, schicken Sie mich fort, soweit Sie wollen, – aber hier kann ich nicht bleiben! Sie stehen alle am Ufer und jeder will mir in die Fresse fahren!«

Und Danilka erzählte, man hätte schon gedroht, ihn totzuschlagen, weil er sich über den Propst beschwert hätte, – und zum Beweis zeigte er sein nasses und zerrissenes Gewand; das Volk hätte ihn eben von der Brücke in den Fluß geworfen.

»Famos! Aufruhr und Empörung!« rief Termosesow freudig und setzte, mitten im Zimmer stehend, seine Mütze auf. »Sehn Sie, so macht man's!« fügte er zu Bornowolokow gewandt hinzu.

Und dann reiste er ab. Unmittelbar darauf verließ auch Bornowolokow die Stadt in entgegengesetzter Richtung, um anderweitig für Ordnung und Gesetzlichkeit zu wirken.


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