I. Ordnung: Gregarinen[50],Gregariniden.

I. Ordnung: Gregarinen[50],Gregariniden.

Figur 2.Jugendform einer Gregarine(Oocephalus hispanus) nachAl. Schneider. Dietypische Gestalt zeigt die dreihintereinander liegendenAbschnitte und die sichscharf abhebende helleCutikula.

Figur 2.

Jugendform einer Gregarine(Oocephalus hispanus) nachAl. Schneider. Dietypische Gestalt zeigt die dreihintereinander liegendenAbschnitte und die sichscharf abhebende helleCutikula.

Allgemeines.Die Gregarinen sind einzellige Parasiten von kugeliger, ovaler oder langgestreckter Gestalt, zuweilen aus 2–3 hintereinanderliegenden Abschnitten bestehend, und erwachsen von einer festen Cutikula umgeben. Sie sind während ihrer Jugend ausschliessliche Zellschmarotzer und werden vorwiegend in den Epithelien der Magenschleimhaut gefunden, von wo sie erst später in das Darmlumen entleert werden. Ausser im Magen- und Darmkanal sind sie auch in der Leibeshöhle und in den Geschlechtsorganen vonwirbellosenThieren, besonders beiArthropodenundWürmern, seltener bei Echinodermen gefunden worden.Bei Vertebraten sind sie bisher nicht gefunden worden.

Die Parasiten wurden schon 1787 vonCavoliniim Darm eines Krebses gesehen und später vonDufour, welcher ihnen den noch heute gebräuchlichen Namen gegeben hat, bei zahlreichen Insekten.

DieerwachsenenGregariniden sind einzellige Organismen, deren länglicher Leib entweder einheitlich bleibt und niemals encystirt (Monocystidae) oder in zwei oder drei Abtheilungen zerfällt (Polycystidae); erstere leben frei in der Leibeshöhle niederer Thiere, nur ausnahmsweise in einem Organ (in den sog. Hoden der Regenwürmer), letztere im Darm, besonders der Arthropoden. DieLängedes Körpers schwankt zwischen 0,01–0,02–16 mm. Manchmal grenzt sich vom grösseren Hinterabschnitt ein kleiner vorderer ab,dann geht die Cutikula, senkrecht zur Längsachse eine Querscheidewand bildend, durch die ganze Breite des Körpers. DieVermehrungder Gregariniden erfolgt durch Vereinigung von zwei oder drei Thieren (Konjugation) meist mit nachfolgender Encystirung, wobei eine sehr feste, widerstandsfähige Membran abgesondert wird. Eine Verschmelzung der encystirten Individuen tritt meist nicht ein.

Figur 3.a) Monocystis agilis aus den Samenblasenvom Regenwurm.b) Gregarina cuncataaus dem Darm vom Mehlkäfer.c) Stylorhynchus obligacanthus ausdem Darm einer Libelle.(NachLeuckart.)

Figur 3.

a) Monocystis agilis aus den Samenblasenvom Regenwurm.b) Gregarina cuncataaus dem Darm vom Mehlkäfer.c) Stylorhynchus obligacanthus ausdem Darm einer Libelle.(NachLeuckart.)

Sind 2 oder 3 Individuen in einer Cyste vereinigt, so sporuliren sie gesondert. Die Cysten der mehrkammerigen Gregarinen werden vor Beginn aller Theilungserscheinungen mit dem Koth der Wirthsthiere ausgestossen. Diese Cysten reifen, sobald sie im Freien unter günstige Bedingungen gelangen. Dann folgt dieeigentliche Vermehrungdurch Theilung des Gregarinenkerns. Die kleinen Kerne vertheilen sich gleichmässig auf der Oberfläche des Cysteninhaltes. Schliesslich zerfällt der Cysteninhalt in kleine Plasmakugeln, deren jede einen Kern einschliesst — die sog.Sporoblasten. Ausserdem bleibt noch etwas unverbrauchtes Protoplasma der sog.Restkörperzurück. Die entstandenen Sporoblasten scheiden um sich eine feste Hülle ab und werden so zuSporen. In den Sporen geht von Neuem eine mehrfache Kerntheilung vor sich. Die dadurch entstandenen 6–8 Kerne vertheilen sich wieder auf das vorhandene Protoplasma. Durch Trennung der kernhaltigen Protoplasmatheile von einander entstehen die eigentlichenKeime(Keimstäbchen oder Sporozoiten,die jungen Gregarinen).

DieForm der Sporenist für die einzelnen Arten charakteristisch; einzelne Sporen besitzen keine Hülle (Gymnosporen), andere sind beschalt (Angiosporen), oder haben zwei verschieden dicke Hüllen. DieGestaltder Sporozoiten ist meistsichelförmig. Selten sind mehr als 8 Sichelkeime in einer Spore eingeschlossen.

Hinsichtlich der weiterenEntwickelung der Gregarinensei noch bemerkt, dass sich die Sporen in der Regel in den Cysten ausserhalb des Trägers der Gregarinen entwickeln. Die Sporulation kann in zwei Wochen beendet sein. Nach erfolgter Reife entleeren die Cysten ihren Sporeninhalt entweder durch einfache Ruptur derCystenhülle oder durch Mitwirkung des aufquellenden Restkörpers oder endlich durch besondereSporodukte.Es ist ausreichender Grund zu der Annahme, sagt Braun, dass der Genuss reifer Sporen, vielleicht auch reifer Cysten, die betreffenden Thiere mit Gregarinen infizirt.Die Sporen werden durch den Darmsaft zum Aufspringen gebracht, (von A.Schneiderbeobachtet) und lassen ihren Inhalt austreten. Die sichelförmigen Keimstäbchen (Sporozoiten) machen kreisbogenartige Bewegungen, jedoch keine amöboiden oder Schwimmbewegungen. So dringen sie wahrscheinlich in die Darmepithelien ein (intracellulärer Parasitismus der jungen Gregarinen), wachsen dann über die infizirte Epithelzelle in das Lumen des Darmes hinein, es tritt Abschnürung der beiden Theile ein; später fällt die Gregarine vom Darmepithel ab, um sich zu konjugiren und ihre Weiterentwickelung durchzumachen (Braun). Die in der Leibeshöhle schmarotzenden Monocystideen durchsetzen jedoch, als Sporen in den Darm eingeführt, sogleich die ganze Darmwand, um sich in der Leibeshöhle anzusiedeln.

Eintheilung der Gregariniden.L. Légergiebt folgende Unterabtheilungen an:

1. Unterordnung: Gymnosporen, Sporen nackt, ohne Hülle; a) Familie Gymnosporiden (Porospora, im Darm des Hummers). 2. Unterordnung: Angiosporea, Sporen mit einfacher oder doppelter Hülle; a) Polycystidea und b) Monocystidea, welche vielfach in der Leibeshöhle von Würmern und Echinodermen vorkommen.

Da, wie schon erwähnt, die Gregarinen bisher mit Sicherheit bei Wirbeltieren noch nicht beobachtet worden sind, so mögen diese Angaben genügen.


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