II. Ordnung: Myxosporidien.
Die Myxosporidien kommen vorzugsweise an und in den verschiedensten Organen derFischevor, wo sie sowohl frei in natürlichen Körperhöhlen (Leibeshöhle, Schwimmblase, Gallen- und Harnblase) wie auch im Bindegewebe liegend angetroffen werden. Ausserdem schmarotzen sie auch beiWürmern,Arthropoden, beiAmphibienundReptilien.
Hinsichtlich derFischeführtGurley[51]66 verschiedene Fischarten an, bei welchen Myxosporidien schmarotzen. Daneben giebtes noch manche andere Fischarten, bei denen man bisher noch niemals Myxosporidien beobachtete. Unter denAmphibienbeobachtet man sie bei Fröschen, Kröten und Wassersalamandern; unter denReptiliensind Schildkröten, Krokodile, Schlangen und Eidechsen zu nennen.
Am meisten sind die Myxosporidien bisher in Europa und Amerika gefunden worden. Einzelne Arten werden an bestimmten Orten regelmässig gefunden, andere treten gelegentlich z. B. bei Fischen so massenhaft auf, dass sie schwere Seuchen unter den befallenen Thieren hervorrufen.
Geschichtlichmöge erwähnt sein, dass die Parasitenauf und in dem Körper der Fischezuerst vonGluge[52](1838) und unabhängig von diesem von Joh.Müller[53](1841) beschrieben worden sind.Müllersah kleine beschalte Körperchen besonders in gelb-weissen Pusteln der äusseren Haut kranker Fische, ausserdem auch an den Kiemen und in inneren Organen und glaubte es handele sich um eine durch belebte Spermatozoen erzeugte Ausschlagskrankheit, weshalb er die in den Knötchen gefundenen Körperchen,Psorospermien[54]nannte. NachGlugeundMüllersind dann die Myxosporidien von zahlreichen anderen Forschern (Leydig,Lieberkühn,Bütschli(1881), welcher die Bezeichnung Myxosporidien vorschlug,Balbiani,Railliet, L.Pfeiffer,Thélohanu. a.) in und auf dem Körper zahlreicher Fischarten und anderer Thiere gefunden worden.
BezüglichBau und Entwickelungsgangder Thiere möge nur das Nachfolgende hier erwähnt sein.
Was zunächst dieFormder Myxosporidien betrifft, so ist dieselbe sowohl bei den einzelnen Thierarten, wie auch bei den einzelnen Individuen sehr verschieden und sehr veränderlich. Es kommen langgestreckte und ganz unregelmässige Formen vor; die letzteren besonders bei den freien Myxosporidien. Ebenso unterliegt dieGrössevielfachen Schwankungen. In inneren Organen (Gallen-, Harn- und Schwimmblase) kommen mikroskopisch kleine, auf derHaut und in den Kiemen mit blossem Auge erkennbare Myxosporidien vor.
Ueber dieVermehrung und Entwickelung der Myxosporidiensind die Ansichten noch getheilt. Die wichtigsten Arbeiten hierüber liegen vonLieberkühn,BalbianiundBütschlivor, deren Ergebnisse vonThélohan[55]bestätigt und erweitert worden sind. Nach den Untersuchungen dieser Autoren beginnt dieSporenbildungmit der Bildung zahlreicher Keime in der Plasmamasse (Primitivkugeln). Aus den Keimen der Primitivkugeln entstehen durch Theilung zahlreiche Tochterkerne. Dann beginnt durch Theilung der Primitivkugel in zwei Hälften (Sporoblast) die Sporoblastenbildung. Die Ausbildung derSporenerfolgt nun in der Weise, dass sich in jedem Sporoblast drei Kerne entwickeln, von denen sich zwei in die sog.Polkörperchenumwandeln. Später entsteht dann diePolkapselund aus der Hülle der Sporoblasten eine sehr widerstandsfähige Sporenwand. Die Zahl der Sporen ist bei den verschiedenen Arten eine sehr verschiedene. Werden nun die Sporen mit der Nahrung in den Verdauungskanal geeigneter Wirthsthiere gebracht, so treten unter der Einwirkung der Verdauungssäfte die Polfäden aus ihren Kapseln heraus, und dringen wahrscheinlich in die Verdauungsschleimhaut ein, um so die schnelle Entfernung der Sporen aus dem Darmkanal zu verhüten. Nach etwa 24 Stunden sollen sich dann die Sporen öffnen, den Amöboidkern austreten lassen, welcher dann unter langsamen Bewegungen diejenigen Organe und Gewebe aufsuchen soll, in denen die weitere Entwickelung vor sich gehen kann.
Hinsichtlich derpathologischen Bedeutung der Myxosporidiensei bemerkt, dass seuchenartig auftretende Muskelerkrankungen durch Infektion mit Myxosporidien seit langer Zeit bei denBarbenin den Flussgebieten des Rheins, der Mosel, der Saar, der Seine, Marne und Aisne beobachtet sind. Die ersten genaueren Angaben über solche unter Beulenbildungen in der Haut aufgetretene Fischseuchen liegen aus dem Jahre 1870 von M.Mégninvor. Dann folgen zahlreiche Mittheilungen u. a. von M. A.Railliet(1890),Ludwig(1888), L.Pfeiffer(1889), T. W.Müller(1890) u. A. L.Pfeifferzeigte, dass es sich dabei um eine von den Muskeln ausgehende Infektion handelt. Die kranken Fische sind schon äusserlich an weissfarbigen Schwellungen der Haut und tiefen, kraterförmigen Geschwüren erkennbar, welche am Kopf, am Rumpf und am Schwanz vorhanden sind. In den Geschwüren sind Myxosporidien und Bacillen, durch deren Ansiedlung wohl die Geschwüre erzeugt werden, massenhaft nachzuweisen (L.Pfeiffer). Die erste Ansiedlung der Myxosporidien findet im Innern der Muskelzellen statt. Nach den Untersuchungen vonThélohanwird durch das Eindringen der Myxosporidien zunächst eine hyaline Degeneration der Muskelfasern hervorgerufen, es kommt dann zu einer starken Bindegewebswucherung, wobei die Muskelfasern zu Grunde gehen. Schliesslich kann man dann sowohl in den unter Einwirkung von besonderen Bacillen entstehenden Geschwüren wie auch in den bindegewebigen Cysten die Sporen der Myxosporidien nachweisen. L.Pfeifferfand kleine Tumoren sowohl auf Pleura und Peritoneum, wie auch in der Gallenblase, Schwimmblase, Milz und selbst in den Gefässwandungen der kranken Fische. Die Erkrankung hat viel Aehnlichkeit mit den noch zu erwähnenden Sarkosporidieninfektionen beim Pferd, Schaf und Schwein.