5. Das Abdrucken von der Platte.
Bevor ich auf dieses Thema näher eingehe, möchte ich dem Anfänger dringend ans Herz legen, diese Disziplin nicht auf die leichte Achsel zu nehmen. Mag sie Schweiß kosten, denn das Abdrucken von der Platte mit unsern primitiven Mitteln erfordert viel Übung und steht an Schwierigkeit dem bisher Gelernten nicht nach, ja kann es unter Umständen noch übertreffen. Trotzdem ist die Erlernung dieser Kunst unerläßlich, wenn der Anfänger mit den Leiden und Freuden der ganzen Technik so recht vertraut werden will. Bei unverdrossener Übung bleibt der Erfolg gewiß nicht aus, und die Freude an einem wohlgelungenen Abdruck wiegt alle Müh’ und vielleicht auch ausgestandenen Ärger reichlich auf. Die Schwierigkeit des Verfahrens liegt darin, daß so viele Faktoren beim Gelingen in Betracht kommen, Faktoren, deren Zusammenwirken man erst durch fortwährendes Üben erkennen und beherrschen lernt.
Gleich hier muß ich einem Mißverständnisse entgegentreten, das geeignet ist, das nun zu Erlernende um seinen Wert zu bringen:Wir dürfen von unsrer Mühe durchaus nicht ein elendes Surrogat für einen mittelst Walzenpressegewonnenen Abzug erwarten; Erfahrung und Übung führen zu Resultaten, die den Vergleich mit einem aus der Presse hervorgegangenen Blatte wohl auszuhalten im stande sind.(Siehe sämtliche Kunstbeilagen.)
Unsre erste Sorge richtet sich auf
Seine Eigenschaften müssen dem Zwecke angemessen sein.
Es muß sich in die feinen Furchen der Kupferplatte eindrücken lassen; um die in diesen Furchen sitzende Druckfarbe aufzunehmen, muß es auch saugfähig genug sein. Diesen Zwecken entspricht in erster Linie »Japanpapier« und das sogenannte »Kupferdruckpapier«. Für unsre Zwecke ist jedoch jedes gute, geschöpfte Papier vorzüglich geeignet. Auch Maschinenpapier kann gut sein; empfehlenswert sind die sehr licht getonten, ziemlich starken Naturpapiere der Papierfabrik Eichmann & Comp. in Arnau. Schöne Drucke liefert »Ingrespapier«, auch »Kohlenskizzenpapier« genannt. Für Probedrucke eignet sich feuchtes Filtrierpapier auch ganz gut. Obwohl es beim Probedruck nicht von Belang ist, empfiehlt sich doch die Wahl eines angenehm lichtgetonten Papiers, da das reine Weiß meist einen kalten Eindruck macht.
Das Papier wird zunächst in Stücke geschnitten, deren Format dem der Kupferplatte entspricht. Es sollum einBeträchtlichesgrößer sein als die Platte. Zum Druck verwendet man es in gefeuchtetem Zustand.
Die in Formate geschnittenen Blätter läßt man einige Zeit in reinem Wasser liegen.[3]Dabei ist Sorge zu tragen, daß die Blätter nicht aneinander kleben, da sonst gewisse Stellen an ihnen trocken bleiben könnten. Man zieht jedes Blatt einzeln zuerst durch’s Wasser und wischt die entstehenden Luftblasen mit einem Schwamm weg, erst dann überläßt man die Papiere sich selbst. Je dicker das Papier, desto länger muß es sich im Wasser befinden; sehr starke und feste Papiere badet man in warmem Wasser. Auf eine Glas- oder Steinplatte legt man mehrere Blätter weißen Filtrierpapieres, darauf ein nasses Druckpapier, dann zwei Filtrierblätter, dann ein nasses Druckpapier, wieder zwei Filtrierblätter u. s. w. Oben schließenmehrereFiltrierblätter ab. Mit einer Holzwalze (Teigwalze) wird jetzt die ganze Lage kräftig gewalzt, damit sich die Nässe durch das ganze Paket gleichmäßig verteile. Schließlich legt man eine Glasplatte oben drauf und beschwert wenn nötig mit mäßigem Gewicht. Japanpapier ist sehr zart und darf nicht so behandelt werden. Es wird in ein Format geschnitten, welches ein wenigkleinerals die Kupferplatte sein muß. Dann werden nasse und trockene Filtrierblätter gemischt und gewalkt. Das Japanpapier kommt sodann introckenemZustandzwischen die feuchten Filtrierblätter. Diese müssen stets größer sein als das Druckpapier; sie sollen das Trocknen der Ränder des letzteren verhindern.
[3]Für Handabzüge muß das Papier besonders weich sein.
[3]Für Handabzüge muß das Papier besonders weich sein.
[3]Für Handabzüge muß das Papier besonders weich sein.
Bretter aus Holz dürfen zum Pressennichtverwendet werden, weil sie sich infolge der Feuchtigkeit werfen würden. Wohl aber kann man zwei Bretter auf je einer Seite mit dünnem Zink- oder Aluminiumblech überziehen; das Arbeiten mit ihnen ist angenehmer als das mit den zerbrechlichen Glas- oder schweren Steinplatten.
Am andern Tage ist das Papier meist schon zum Drucken geeignet. Es muß seine matte,glanzloseOberfläche haben, sonst ist es zu naß und zur Verwendung noch nicht tauglich. In einem solchen Falle lege man trockene Filtrierblätter ein.
Das Papier verliert nur sehr langsam von seiner Feuchtigkeit unter der Presse; eventuell können beim Nachsehen einige Blätter Filtrierpapier mit dem Schwamm nachgefeuchtet werden.
Zum Drucken bedienen wir uns einer eigenen Firnisfarbe, der sogenannten »Kupferdruckfarbe«. Die Selbstbereitung dieser Farbe ist nicht allzuschwierig und stellt sich recht billig. Es führt sie nicht jede Farbenhandlung – in kleineren Städten wird sie überhaupt nicht zu haben sein; deshalbhalte ich es für wichtig, auf die Selbstbereitung hier einzugehen:
Auf einer ebenen Steinplatte wird, (um gleich eine spezielle Farbe zu nennen) Kasslerbraun, ein Pulver, aufgeschüttet und mit Leinöl und Kupferdruckfirnis mittelst eines Spachtels zu einem Teig verarbeitet. Das Verreiben geschieht mittelst eines Stein- oder Glasläufers, bis der Brei recht glatt ist. Ist dies erreicht, dann wird dieser Masse etwa die Hälfte ihres Volumens braune Schmierseife zugesetzt und neuerdings innig verrieben. Die Farbe darf zuletzt nicht »rinnen«, sondern muß die Konsistenz einer festen Salbe besitzen. Gegebenenfalls verreibt man noch etwas trockenes Farbenpulver bis zur gewünschten Festigkeit. Bei dieser Gelegenheit kann man statt Kasslerbraun Rebenschwarz (Pulverfarbe) zusetzen, wenn man warmtoniges Schwarz dem vielleicht allzurötlichen Braun vorzieht.
Wie leicht einzusehen, hat die Schmierseife den Zweck, das Haften der Ölfarbe am feuchten Papier zu ermöglichen; auch zieht sich dieselbe beim Einschwärzen nicht zäh über die Kupferplatte, sondern läßt sich von den blanken Stellen glatt wegwischen, während sie die Striche füllt. Die Druckfarbe ist, wie der Fachausdruck lautet: »streng« oder »kurz«. Nach vollendeter Arbeit wird die Druckfarbe in eine Farbendose aus Blech mit hermetisch schließendem Deckel eingefüllt. Kupferdruckfarbe ist in Tuben oder Dosen gebrauchsfertig im Handel und wird in Geschäften für Malerrequisiten geführt.
Abb. 8. Der Druckballen(der untere Teil im Längsschnitt.)
Abb. 8. Der Druckballen(der untere Teil im Längsschnitt.)
Die sorgfältig gereinigte Platte wird nun etwas angewärmt und auf ein Brett gelegt. Mit einem schmalen Spachtel nimmt man etwas Kupferdruckfarbe auf eine Glas- oder Steinplatte. Hier wird sie mit dem Druckballen zunächst auseinandergewalzt. Auf der Bildfläche der Kupferplatte verreibt man ein entsprechendes Quantum Druckfarbe mit dem Druckballen, indem man ihn in wiegender Bewegung weiterschiebt und dabei auch tüchtig niederdrückt, bis die ganze Platte schwarz ist. Einen solchen Ballen stellt man sich auf folgende Weise her:
Auf einer kreisförmigen, dicken Holzscheibe (Durchmesser etwa 8cm) wird im Mittelpunkte ein zylindrisches Holzstück, (eine lange Spule oder dergl.) befestigt; dann wird ein Säckchen mit Wolle gefüllt und so auf die Scheibe gelegt, daß die verbundene Öffnung auf das Holz zu liegen kommt, während die andere Seite des Säckchens eine pralle Halbkugelfläche bildet. Über das Säckchen und die Scheibespannt man nun sehr straff ein Stück geschmeidiges, schwarzes Chevreauxleder (Glanzseite außen) und bindet es mit Draht oder dünner Rebschnur in vielen Windungen äußerst fest um die Handhabe. Den Durchschnitt dieses Druckballens zeigtAbb. 8, die AnwendungAbb. 9.
Abb. 9. Das Handhaben des Druckballens (Einschwärzen.)
Abb. 9. Das Handhaben des Druckballens (Einschwärzen.)
Das Verreiben muß sorgfältig und gründlich vorgenommen werden, damit die Farbe alle Furchen auf der Platte ausfüllt. Ist dies erreicht, dann wird die Platte unter leichtem Druck mit einem trockenen Lappen blankgewischt. Gewaschene Organsinestücke eignen sich am besten dazu; sehr brauchbar sind die Reste von alten Spitzenvorhängen.Besonders reine Drucke erzielt man, wenn man nach erfolgtem Blankwischen den Handballen in Schlemmkreide taucht und die Platte damit noch sehr sanft überfährt. Sind jedoch Handabzüge beabsichtigt, so wird dieses Abwischen meist zu viel Farbe von der Platte wegnehmen. Es müßte dann umso kräftiger mit dem Beinstab gerieben werden, um den Erfolg zu erzielen, den der gewaltige Druck der Stahlwalzen bringt. Da ist es besser, die Farbe von der eingeschwärzten Platte mit einem breiten Spachtel aus Ebonit oder Celluloid abzuziehen in ähnlicher Weise wie man Paletten reinigt (Abb. 10). Die Schneide muß ganz gerade und an den Ecken abgerundet sein. Der Spachtel darf auch nicht steil gehalten werden! Jeder Zug geschieht mit erneut gereinigtem Werkzeug. Man setzt diese Arbeit bei größter Vorsicht so lange fort, bis das schwarze Bild vollends klar sichtbar ist.
Abb. 10. Spachtel zum Abziehen der Druckfarbe.
Abb. 10. Spachtel zum Abziehen der Druckfarbe.
(Nicht für Anfänger!)
Die so eingeschwärzte Platte wird mit einemsauberen Lappen an den Kanten bis scharf an die Bildränder geputzt, um die letzte Spur von Farbe davon zu entfernen. Auf ein Reißbrett wird starker Pappendeckel gelegt, auf diesen dann die Druckplatte (Bildseite nach oben!) Das gefeuchtete Druckpapier wird vorerst mit einer milden Borstenbürste auf der Bildseite gebürstet. Durch diese Aufrauhung wird die Papierfläche für die Druckfarbe empfänglicher. Das Papier wird dann mit der gebürsteten Seite nach unten vorsichtig und mit Berücksichtigung der zentrischen Lage auf die Plattegelegt, indem man es an zwei diagonalliegenden Ecken anfaßt und langsam niedersenkt. Man faßt das Papier bei allen nun folgenden Hantierungen mit zwei aus dünnem Kupferblech bestehenden gefalteten Blättchen an, damit es von den Fingern nicht durch die an ihnen haftende Kupferdruckschwärze beschmutzt werde. Vorher schon wurde ein Rahmen aus starker Pappe geschnitten, in den die Plattelockerhineinpaßt, dessen ausgeschnittene Rechteckseiten also um 2mmgrößer sind als die Plattenkanten. Der Rand des Rahmens muß sehr breit sein; er soll das Druckpapier ganz verdecken. (Abb. 11).
Abb. 11. Die Druckplatte im Spannrahmen.
Abb. 11. Die Druckplatte im Spannrahmen.
Dieser Rahmen wird derart auf das Druckpapier gelegt, daß letzteres von der untenliegenden Platte in den Ausschnitt des ersteren gepreßt wird. (Abb. 12). Platte, Papier und Rahmen liegen nun unverrückbar aufeinander. Über den Rahmen wird nun ein Blatt sehr zähen, glatten Packpapiers gelegt, welches viel größer sein muß als die Kupferplatte. Zur folgenden Manipulation bedienen wir uns eines Beinstabes, welcher die Form und Größe einer rechteckig gegossenen Siegellackstange hat.
Abb. 12. Die Druckplatte im Spannrahmen (Querschnitt.)
Abb. 12. Die Druckplatte im Spannrahmen (Querschnitt.)
Der Querschnitt dieses Stabes ist ein Rechteck,von 2cm: 1cmSeitenlänge. Am Ende des Stabes sind die Basiskanten leicht abgerundet, damit das damit zu bearbeitende Papier nicht verletzt werde. Im Notfalle leistet eine Tischgabel mit prismatischem Beingriff ganz denselben Dienst; nur müssen die Kanten, wie gesagt, abgerundet sein.
Mit der linken Hand drücken wir das oben liegende Reibpapier flach an, während wir mit dem Beinstab in der rechten parallel zu einer Plattenkante in engem Zickzack über das freie Rechteck des Rahmens derart reiben, daß die Strichflächen übereinandergreifen. Dieses Reiben muß mit Nachdruck erfolgen; das Druckpapier soll auf diese Weise in die feinsten Furchen der Platte gepreßt werden. Die Handhabung zeigtAbb. 13. Sorgfältig zu achten ist darauf, daß kein Streifen von der Reibung verschont bleibe; also recht langsam mit den einzelnen Strichen weiterrücken! Am besten gelingt die Sache wie folgt: Erst von rechts nach links reiben, dann ebenso langsam zurück; dann im rechten Winkel dazu wieder über die Platte und zurück. Diese Arbeit wird stehend verrichtet, denn sie erfordert freie Beweglichkeit. Ist das Druckpapier nicht zu stark, so sieht man bei abgenommenem Reibpapier, daß es in die Furchen bereits eingedrückt ist. Bei minder dicken Papieren schimmert auch die Druckfarbe durch. So unmerklich fast diese Erscheinung auch ist, so dient sie doch zur Orientierung, wo und ob vielleicht irgendwo nachzureiben ist; man kann dann mit mehr Beruhigung annehmen, daß alle Teiledes Bildes mit dem Beinstabe übergangen wurden. Japanpapier erfordert eine sehr geringe Kraftanwendung, das Bild erscheint beim Reiben auf der Rückseite sehr deutlich mit all’ seinem Detail. Auch Filtrierpapier verlangt eine minder kräftige Behandlung. Im allgemeinen muß umso kräftiger gerieben werden, je trockener das Papier ist. Sollte der Beinstab auf dem Reibpapier nicht glatt laufen, so kann letzteres mit Graphit besser gleitend gemacht werden. Es genügt vollkommen, wenn man das Reibpapier mit sehr weichem Bleistift bestreicht.
Abb. 13. Das Anfertigen eines Abzugs mit dem Beinstab.
Abb. 13. Das Anfertigen eines Abzugs mit dem Beinstab.
Nach Beendigung unserer Arbeit wird zuerst das Reibpapier beiseite gelegt, dann der Papprahmen abgehoben. Wir sehen das Papier fest ander Platte haften. Mit einiger Vorsicht ziehen wir es an einer Ecke in die Höhe, indem wir dafür Sorge tragen, daß das Bild nicht die Platte streift, und der Abdruck ist fertig. Der erste wird nicht auch schon der beste sein, aber das,waserreicht wurde, wird, so mangelhaft es auch immerhin ausgefallen sein mag, gewiß zu wiederholten Versuchen aneifern; man bedenke nur, wieviele Faktoren hier das Gelingen beeinflussen! Gewiß wird der, welcher sich vor dem Abziehen des Druckpapieres noch einmal fragt: »War das Druckpapier nicht vielleicht zu trocken, war es zu naß?; ist die Druckfarbe nicht vielleicht zu dünn, oder zu steif gewesen?; habe ich zu lang gerieben, zu wenig, oder zu kräftig –?« nicht von einem glücklichen Zufall erwarten wollen, daß der erste Abdruck nichts mehr zu wünschen übrig lasse! Hier heißt’s eben »Erfahrung sammeln, Übung erlangen!« und daß dies nur von fleißigem, unausgesetztem Überlegen und Probieren zu erwarten ist – wer möcht’ es leugnen?!
»Alter Winkel in Olmütz«, Radierung von Alois L. SeiboldWiedergabe eines mit dem Beinstab gewonnenen Plattenabzuges
»Alter Winkel in Olmütz«, Radierung von Alois L. SeiboldWiedergabe eines mit dem Beinstab gewonnenen Plattenabzuges
Manchmal kommt es vor, daß der Druck nicht von der Platte will und zu fasern oder gar zu reißen droht. In diesem Falle legt man die Druckplatte samt dem Papier auf eine heiße Metallplatte und wartet eine kleine Weile. Von der durchwärmten Platte läßt sich der Druck dann leicht und ohne zu reißen abheben.
Das in den vorigen Absätzen erörterte Druckverfahren beschränkt sich lediglich auf ein Arbeitenim stillen Kämmerlein, und wenn auch die Fertigkeit des Radierers im Abdrucken zu einem so hohen Grade gebracht werden kann, daß das Erzeugnis der Hand dem des Walzendruckes nicht nachsteht und in allen Ehren ein Geschenkblatt für einen engeren Kreis von Freunden repräsentieren kann, so ist eine größere Auflage von Abdrücken in dieser Weise zum mindesten nicht rationell. Für Massenauflage bedienen wir uns der Kupferdruckpresse.Abb. 14.Das Prinzip des Abdruckens bleibt das gleiche, nur daß hier das Anpressen des Druckpapieres an die eingeschwärzte Platte von zwei Walzen besorgt wird. Unsre heutigen Druckwalzen bestehen aus Stahl, und die Achsenlager der oberen Walze sind nicht in fester Verbindung mit dem Tragrahmen, sondern verschiebbar. Sie drücken nach oben gegen eine dicke Einlage aus Pappendeckel oder Leder, also gegen eine sehr starke Federung. Mittelst Stellschrauben läßt sich diese obere Walze für verschiedene Spannungen einstellen. Die obere der beiden Walzen wird von einem Kurbelrad mit Zahnrad-Übersetzung in Bewegung gesetzt.[4]
[4]Früher diente ein Hebelkreuz zum Drehen der aus hartem Holze hergestellten Walzen.
[4]Früher diente ein Hebelkreuz zum Drehen der aus hartem Holze hergestellten Walzen.
[4]Früher diente ein Hebelkreuz zum Drehen der aus hartem Holze hergestellten Walzen.
Zwischen den beiden Walzen befindet sich eine sehr starke Eisenplatte, die zur Aufnahme von Druckplatte, Papier und Filz dient. Sie soll mit dünnem Zinkblech belegt sein, damit das feuchte Druckpapier auf ihr nicht Rostflecken verursache. Mittelst der Kurbel erfolgt unter großer Spannungder Walzen das Durchziehen des Druckobjektes, das andere Tischblatt nimmt dasselbe auf.
Abb. 14. Schema einer Walzenpresse.
Abb. 14. Schema einer Walzenpresse.
Dem Kupferdrucker stehen Mittel zu Gebote, das Ansehen einer Radierung in gewissem Maße zu heben. Mit unsren bescheidenen Mitteln schon können wir selbst die Wirkung des resultierenden Bildes verändern. Zu solchen Mitteln gehört das »Tonen« der Platte: Bevor dieselbe abgedruckt wird, kann sie noch eine feine Lasur von Druckfarbe als Überzug erhalten. Man erreicht dies durch Überwischen der bereits »reingewischten« Platte mit dem Ballen der Hand oder durch sehr sanftes Streichen mit dem locker gehaltenen Wischtuch. Die Wirkung einer derartigen Behandlung zeigt sich im Abdruck als ein die Härten der Strichlagen verbindender Ton, der namentlich bei Drucken auf weißem Papier angenehm empfunden wird.
Hier gilt eben auch der goldene Satz von der Ehrlichkeit in den Mitteln, der jedwedes Kunstschaffenbeseelen soll. Darum lernen wir ja mit zielbewußtem Bemühen die Platte selbst mit den Mitteln der Ätzkunst in einen Zustand zu bringen, daß sie unsre künstlerische Endabsicht klar wiedergebe. Was darüber hinausgeht, ein Herumklügeln und Herumwitzeln mit Druckfarbe und Wischlappen ist nach meiner bescheidenen Meinung keine reine Technik mehr. Oder sollen wir, wenn wir mit Nadel und Ätzwasser zu Ende sind, gar noch anfangen die Platte überdies zu »bemalen«, bevor wir sie abdrucken?
Der Kupferdrucker beginnt, nachdem er die Platte blankgewischt, damit, Druckfarbe als mehr oder minder tiefen Farbenton auf die Platte zu bringen. Dort wo das technische Können oder die Geduld des Radierers versagt, muß der Drucker nachhelfen und Töne auf die Platte bringen – womöglich noch in verschiedenen Farben – um über die Kargheit, über die Leere der Zeichnung hinwegzutäuschen. Das ist Verwilderung des Stiles, die sich in letzter Zeit namentlich auf dem Gebiete der Radierung breit macht und mit ihren Talmi-Effekten den Laien verblüffen will. Ein Auge, das im Genießen von Radierungen geschult ist, wird auf den ersten Blick diese groben, unsachlichen Effekte von der Noblesse einer reinen Technik zu unterscheiden wissen.
»Motiv aus Obersteiermark«, Original-Radierung von Alois L. Seibold
»Motiv aus Obersteiermark«, Original-Radierung von Alois L. Seibold
Zum Technischen muß noch erwähnt werden, daß die Zahl der möglichen Abdrücke von einer Kupferplatte keineswegs unbeschränkt ist. 200 Abdrücke wird gewiß jede Platte zu liefern im standesein. Kräftige Arbeiten erlauben wohl deren 300 bis 400 von noch gutem Ansehen. Die Ätzung schleift sich nämlich bei dem vielen Einschwärzen langsam ab und hat im Abdruck das Verschwinden zarterer Partien und das Flauwerden tiefer Schattentöne zur Folge.
Ein »Aufätzen«[5]der Platte bringt nicht selten eine Störung der harmonischen Tonwirkung mit sich.
[5]d. h. Radieren und Ätzen der neuerlich grundierten Platte.
[5]d. h. Radieren und Ätzen der neuerlich grundierten Platte.
[5]d. h. Radieren und Ätzen der neuerlich grundierten Platte.
Man hilft sich über diesen Übelstand mittelst der galvanischen Verstählung der Platte hinweg.
Der unendlich feine Überzug von galvanisch auf das Kupfer niedergeschlagenem Eisen schützt die Platte vor allzufrüher Abnützung und gestattet eine Auflage von etwa 2000 Abdrücken.
Auch die Vervielfältigung der ganzen Platte auf galvanoplastischem Wege ist ein gutes Mittel zur Vergrößerung der Auflage von Radierungen; bei dem heutigen Stande der galvanoplastischen Technik sind solche Duplikatplatten von wunderbarer Feinheit und Schärfe.
In seltenen Fällen wird einer Radierung beschieden sein, in geradezu fabrikmäßiger Weise vervielfältigt zu werden. Ich möchte sogar meinen, daß dadurch der innere Wert einer Radierung ein wenig heruntergedrückt wird, denn es wird sich nie vermeiden lassen, daß eine gewisse Partie der Auflage Feinheiten aufweist, die den übrigen Blättern fehlen. Die intime, ich möchte sagen liebevolle Behandlung, die jeder einzelne Abzug verlangt, ist nicht gut vereinbarlich mit Riesenauflagen; da ist der Holzschnitt, die Zinkotypie, überhaupt der Hochdruck am Platze.