[154]Ist das ευ ακουειν PINDARS. 1. Pythionike i. f., 4. Isthmionike v. 13: das bene audire, der gute Ruf; oder wie unser HARTMANNden Îwein gar schön eröffnet:Swer an rehte güeteWendet sîn gemüete,Dem volget saelde unde êre.Vergl. die 60. u. 76. Rede undDhammapadamv. 1–2.[155]Es ist, wie imBrahmāyusuttamp. 514, zu lesen:tass’ imāni satta ratanāni bhavanti, seyyathīdamādi. Die spectamina munditiae gehören in den Kommentar, der, wie gewöhnlich, manches missverstanden, manches recht volksthümlich weiter ausgeführt hat. Diesem entspricht denn auch ihre Darstellung im Relief, so zu Amarāvati, vorbuddhaghosisch.[156]Vergl. derSmṛtiUrbild:abhibhavati nṛpaḥ sarvabhūtāni tejasā, wieManusVII, 5 etc. Auch das homerische Seitenstück, Od. II, 230/31: προφρων αγανος και ηπιος εστω σκηπτουχοσ βασιλευς, φρεσιν αισιμα ειδως. Dann des PLINIUSGlückwunsch an TRAIANzur Thronbesteigung: Fortem te et hilarem, imperator optime, et privatim et publice opto; sowie das Ideal im Rolandslied, v. 531/33:l’emperere est ber:tant nel vus sai ne preisier ne loer,que plus n’i ait d’onur e de bontet.[157]Vergl. Bd. 2, S. 405, 470, 517. Zur antiken Auffassung der Gesundheit als einer gleichmäßigen Kräfte- und Säftemischung ist bekanntlich die neueste Medizin wiederzurückgekehrt. — Aehnlich hat SHAKESPEARE, Julius Caesar i. f., Brutus preisen lassen:His life was gentle, and the elementsSo mix’d in him that Nature might stand upAnd say to all the world: This was a man.Imgleichen hat er, als höchstes Lob Horatios, blood and judgment well commingled, Hamlet III, 2,74; während SIMONIDESden ganzen Begriff anmuthig epigraphiert, fragm. 116:ουδε καλας σοφιας εστιν φαρις,ει μη τις εχει σεμναν ὑγιειαν.[158]Der viermächtige Heerbann,caturaṉginī senā, dascaturaṉgam balamderSmṛti, stellt die gesammte Kriegsmacht, und zwar Wagen-, Elephanten-, Reiter- und Fußtruppen dar: ist in der Skulptur mit Vorliebe, besonders gelungen und oft prachtvoll zu Amarāvati, behandelt; und wie bei unserem ALEXANDER, ATTILA, NAPOLEONauch in Indien selbstverständliches Attribut des Erderoberers, von der mythischen Larve desNaciketāsbis zur historischen Person Asokos. Purāṇischer Ueberlieferung entstammt es, dass der Titelcakkavattīpopulär geworden und noch heute nicht selten als cognomen erscheint, eben wie bei uns der Name »Kaiser«. — Hier sei noch eine andere Eigenheit einescakkavattībesser untersucht, zu Bd. 2, 1. Aufl. S. 520. Bei der Wiedergabe vonjālahatthapādowar ich unvorsichtig genug einmal einer kommentariellen Tradition gefolgt, die von den fein verschlungenen Linien der Hand- und Fußflächen redet und sie einem Filigrangeflechte ähnlich beschreibt. In Wahrheit aber müssen auch hier die scholastischen Interpreten abgewiesen und die klassischen Texte zur Erklärung herangezogen werden. In der ersten Hälfte des letzten Aktes derS̀akuntalāwird nämlich unser obiges Merkmal einesdhammarājāodercakkavattīrichtig und naturgemäß der aufblühenden Lotusknospe verglichen, wo die aufstrebenden schlanken Blätter den Fingern und die unten zusammenhaltenden Blatthäutchen der Bindehaut am Ursprung der Finger entsprechen. Bei wem sich ein solches Merkmal vollkommen schön entwickelt zeigt, der mag, nach indischer Idealphysiognomik, die Laufbahn eines Welteroberers oder aber eines Weltüberwinders vollenden. So ruft denn der König, als er seines noch unerkannten, löwenwürgenden Heldenknaben emporgestreckte Hand mit der rosig durchsichtigen Bindehaut zwischen den Fingern wahrgenommen, freudig erregt aus:kathaṃ, cakravartilakṣaṇam apy anena dhāryate, tathā hy asyapralobhyavastupraṇayaprasāritovibhāti jālagrathitāṉguliḥ karaḥ,alakṣyapatrāntaram iddharāgayānavoṣasā bhinnam ivaikapaṉkajam.Jālahatthapādo kho pana so bhavaṃ Gotamoheißt daher: »Eine Bindehaut aber an Händen und Füßen hat er, der Herr Gotamo.« — Vergl. noch die als Ausnahme einmal gute Parallele im VII. Kapitel desLalitavistaras:jālāṉgulihastapādaḥ.Die zweiunddreißig Merkmale eines großen Mannes, die unsere Texte angeben, theilen übrigens eine Reihe mehr oder minder gleichartiger und auch gegensätzlicher Kennzeichen mit dreißig Merkmalen SANFRANCESCOS, die CELANOin seiner Vita I cap. 29 i. f. autoptisch überliefert: Facundissimus homo (1), facie hilaris (2), vultu benignus (3), immunis ignaviae (4), insolentiae expers (5), statura mediocris parvitati vicinior (6), caput mediocre ac rotundum (7), facies utcumque oblonga et protensa (8), frons plana et parva (9), mediocres oculi nigri et simplices (10), fusci capilli (11), supercilia recta (12), nasus aequalis subtilis et rectus (13), aures erectae sed parvae (14), tempora plana (15), lingua placabilis ignea et acuta (16), vox vehemens dulcis clara atque sonora (17), dentes coniuncti aequales et albi (18), modica labia atque subtilia (19), barba nigra pilis non plene respersa (20), collum subtile (21), humeri recti (22), brevia brachia (23), tenues manus (24), digiti longi (25), ungues producti (26), crura subtilia (27), parvuli pedes (28), tenuis cutis (29), caro paucissima (30).[159]Cf. die Parallele in derBṛhadāraṇyakopaniṣatIV, 3,32–39:Sa yo manuṣyānāṃ rāddhaḥ samṛddho bhavatyanyeṣām adhipatiḥ, sarvair mānuṣyakair bhogaiḥ saṃpannatamaḥ, sādi.— MERSWIN, Neun Felsen, p. 120.Zu der, wie oben ausgeführt, kaum gleichnissweise andeutbaren Art der Extreme des Daseins mögen hier einige Worte von ROBERTL’ORANGEmitgetheilt sein: »Was würde dieser (Philosoph) sagen, wenn man ihn an einen Ort versetzte, wo allen Sinnen dauernd nur Abscheuliches und obendrein dem Geiste lauter Widersprüche, Undinge, Wahnsinnsvorstellungen dargeboten würden? Und was würde er anderseits sagen, wenn man ihn an einen Ort versetzte, wo allen Sinnen dauernd nur Erfreuliches dargeboten würde und obendrein dem Geiste das, was er sieht, harmonisch, verständlich erschiene? Dass beide Orte existieren, daran dürfen wir nicht zweifeln, nach so vielen, zum Theil wörtlich übereinstimmenden, unabhängigen Zeugnissen glaubwürdiger Menschen — zumal kein Grund a priori dagegen spricht.« Er fügte dann noch hinzu: »Vergleiche übrigens die Worte JAKOBBÖHMES: Wenn alle Berge Bücher wären und alle Seen Tinte und alle Bäume Schreibfedern: noch wäre es nicht genug, um all den Schmerz zu beschreiben.« Indischer Prägnanz in grässlicher Nāśa-Nekadologie zunächstgekommen ist freilich AISCHYLOSmit seinem απεραντος ταρταρος und απεραντον ηικτυον ατης, Prom. 153, 1078. Beide Orte werden von MAKARIOSwundervoll tief dahin ausgelegt, ει ουν ἡ καρδια βαθος τι εχει απεραντον, εκει τρικλινοι και κοιτωνες, θυραι και προθυρα, και διακονιαι πολλαι και διεξοδοι· εκει εστι το εργαστηριον της δικαιοσυνης και αδικιας· εκει εστιν ὁ θανατος, εκει εστιν ἡ ζωη· εκει εστιν ἡ αγαθη εμπορια και ἡ εναντα: Homil. XV § 32 fine, XLIII § 8; ein vollkommen indischer Kommentar zu dem Spruchecittaṃ kāraṇam arthānāṃ|tasmintsati jagattrayaṃ|tasmin kṣīṇe jagatkṣīṇaṃ|taccikitsyaṃ prayatnataḥ|:YogaśikhopaniṣatVI, 59.[160]Der Weise,paṇḍito, ist hier als der Kluge nach der Seite möglicher Zuträglichkeit, wie vorherbālo, der Thor,pariyāyenaentwickelt. — Zum Gleichniss vom Würfelspiele cf. die 60. Rede S. 104–115, Lieder der Mönche v. 462;ChāndogyopaniṣatIV, 1. u. 3. Kapitel. Dieses drastische Bild hat denn auch Asoko wiederholt dargestellt, namentlich auf dem IX. Felsenedikt i. f.:Tato ubhayasa ladhaṃ bhoti, iha ca so aṭho paratra ca anaṃtaṃ puñaṃ prasavati tena dharma[ma]ṃgalena.Item: XI., XIII. Felsened., III. Säulenedikt. — In der gräko-italischen Kultur ist das Gleichniss nicht minder beliebt gewesen, von EPICHARMOS, frgm. v. 280 κυβους απο τυχας βαλειν, bis auf CÄSARS»Iacta alea est« herab. Weitere interessante Nachweise findet man in den Adagia des ERASMUSs. v. alea, und in SCHRADERSReallexikon der indogerm. Alterthumskunde s. v. Spiele. Die selbe, bei uns weniger gebrauchte Metapher vom großen Wurfe hat SCHILLERangewandt, in der Ode an die Freude. In neuerer Zeit ist dafür das große Loos und der Haupttreffer, schon bei JEANPAULzu begegnen, volksthümlich geworden. Vergl. auch PASCALS»Il faut parier«, Pensées II, 3,5.Es verdient Beachtung, dass die Todesstrafe, von der oben S. 309 und besonders wichtig im zweiten Bande S. 434 die Rede ist, auch in Indien für schwere Vergehn stets allgemein üblich gewesen. Nicht als ob man sich etwa zu wundern hätte, den milden Hindu, wie man gern spöttisch sagt, doch nicht so ganz modern nachsichtig, sogar zu Zeiten von antiker Grausamkeit erkennen zu müssen; vielmehr die indischen Juristen, die zumeist von der ehrlichen Anschauung ausgehn, hier eine Ausnahme, gleichsam einen salto mortale machen zu sehn. Denn ein solcher wäre es für den unbiblischen Rechtsverstand, auf Menschenmord Todesstrafe zu setzen, solange der Thiermord, z. B. Metzgerei, Jagd, völlig straflos, ja in gewisser Sanktion bleibt. Oder mit anderen Worten: da der Inder, entgegen dem Christen, das Leben des Menschen im Durchschnitte keineswegs als unendliche Werthgröße betrachtet, sondern nur als das was es ist, nämlich eine dem Grade nach höhere Wesenstufe, dürfte man konsequent erwarten, bei geduldetem Thiermord auch den Menschenmord eben nur geduldet (Krieg, Duell), bez. graduell bestraft zu finden (impetus, dolus). Das ist nun in Indien wirklich, und zwar von den frühesten Rechtslehrern bis zu den spätesten Kasuisten, wenigstens theilweise, zu normieren versucht worden. So sehn wir also hier das ius talionis durchaus nicht unantastbar bestehn; und noch Asoko, der kein stammelnder Moralprediger, wofür ihn der Unverstand hält, sondern selbstbewusst wie ALEXANDERjeder Zoll ein König war, dieser in Krieg und Frieden gleich große, man muss wirklich sagen ideale Monarch berichtet auf seinem V. Säulenedikt i. f., er habe fünfundzwanzigmal seit seiner Thronbesteigung (d. i. jedes Jahr) eine Anzahl Verbrecher begnadigt. Aber eben nur eine Anzahl: wie die Stelle im IV. Säulenedikt besagt, wonāsaṃtaṃals acc. sing. part. praes. act. von √naśzu erklären ist, undjīvitāye tānaṃ nāsaṃtaṃ va nijhapayitavewörtlich heißt, man lässt (die Hinzurichtenden,patavadhā) an das eilige Schwinden ihrer Lebensfrist denken, d. h., wie Asoko des näheren ausführt, drei Tage lang in Gesellschaft ihrer Angehörigen auf den Tod sich vorbereiten, durch Einkehr in sich, Hingabe des letzten Besitzes und Fasten im Anblick des nahen Endes. »Denn mein Wunsch ist es«, so schließt der König dieses Edikt, »dass man also selbst bei der Hinrichtung sich mit dem Jenseits versöhnen kann. Das Volk aber gedeihe vielfach im rechten Wandel, beherrsche sich, reiche Almosen dar.«[161]Das selbe Gleichniss »ex domo in domum videri migrare« bei CORNELIUSNEPOS, Atticus i. f.[162]na kulejeṭṭhāpaccāyī, i. e.na kule jeṭṭhā[ya] paccāyī. — Vergl. das sinngemäßegurūnaṃ apaciti, vuḍh[ā]naṃ suśruṣ[ā]etc. bei Asoko, Felsenedikt IX, IV, Säulenedikt VII, 2,8.[163]mahallako, wörtlich: groß geworden, d. i. in das Alter der Reife eingetreten sein: nicht etwa in das Greisenalter, wie die nordbuddhistischen Lexikographen vermeint haben. Vergl.mahilā=adulta;āyuṣmān, in aetatem esse, etc. — Aehnlich heißt bei uns »zu seinen Jahren gekommen sein« zunächst nur, das Alter der Pubertät erreicht haben: wie z. B. der Sachsenspiegel 1, 42 ausdrücklich erklärt.[164]Genau so der platonische Mythos, den SOKRATES, im Gorgias p. 523/4, vorträgt, wo RHADAMANTHYS, »der Richter aus Asien«, den nackten Geist des Verstorbenen, ερημον παντων των συγγενον και καταλιποντα επι της γης παντα εκεινον τον κοσμον, der gerechten Krisis überantwortet. Noch schöner, ohne Mythos, nur klarManusIV, 239–241; Raṭṭhapālo in der 82. Rede.Jene häufige Übereinstimmung mit den Griechen ist schon dem feinsinnigen Forscher und Beobachter MEGASTHENESaufgefallen, der da, bei STRABOp. 713, von den Indern sagt: περι πολλων δε τοις Ἑλλησιν ὁμοδοξεινπαραπ, und bald darauf, gerade als ob er unsere obige Stelle im Sinne hätte, fortfährt: παραπλεκουσι δε και μυθους, ὡσπερ και Πλατων περι τε αφθαρσιας ψυχηςκαι των παθ’ ᾁδου κρισεων, και αλλα τοιαυτα. — Vergl. übrigens das altägyptische Todtengericht.Geistesverwandt sind bei SHAKESPEAREthe visible spirits of the heavens, thejusticers, Lear IV, 2.[165]Zum letzten Götterboten, dem Lehrer Tod, dem Musageten der Philosophie, wie er von SCHOPENHAUERnach der berühmten sokratischen Definition genannt wird, cf. Lieder der Mönche Seite 285 Anm. 1. — Wie oben der Richter der Schatten im Dialoge die reflektierende Frage stellt, genau entsprechend lässt PETRARCAim ersten Dialoge De contemptu mundi seinen Augustinus, als ob er eben jene Frage vernommen, antworten: »dum aequaevum quisque comitatur ad sepulchrum, necesse est, ipse etiam ad alieni casus praecipitium contremiscat, et de se incipiat esse sollicitus. — Eo autem vehementius movebitur qui iuniorem, qui validiorem formosioremque videat repentina morte subtractum, sese ante circumspiciet et dicet: securius hic habitare videbatur, et tamen eiectus est, nec aetas profuit nec forma nec robur: mihi securitatem quis spopondit deusve magusve? Mortalis sum profecto.« — Und merkwürdig: die selbe Anschauung findet sich, etwa ein viertel Jahrtausend später, beim gewaltigen Demiourgen des Rinascimento, dem Künstler, von dem VASARIgesagt hat, »non nasceva pensiero in lui, che non vi fusse scolpita la morte«, also bei MICHELANGELOwieder, der, gleichfalls in einem seiner Dialoge, nachdem er in bekannter Weise tiefernst gelächelt, »Io vi dico che in questo mondo è da piangere«, dann fortfährt: »bisogna pensare alla morte. Questo pensiero è solo quello che ci fa riconoscere noi medesimi, che ci mantiene in noi uniti, senza lasciarci rubare dai parenti, dagli amici, dai gran maestri, dall’ ambizione, dall’ avarizia, e dagli altri vizii e peccati, che l’uomo all’uomo rubano, e lo tengono disperso e dissipato, senza mai lasciarlo ritrovarsi e riunirsi. Ed è meraviglioso l’effetto di questo pensiero della morte; il quale, distruggendo ella per natura sua tutte le cose, conserva e mantiene coloro che a lei pensano, e da tutte le umane passioni li difende.« Und noch einmal merkwürdig: wiederum etwa ein viertel Jahrtausend später hat der herrlichste aller Melodiker, also MOZART, dessen Werk allmälig von KÖCHELund JAHNerschlossen zwar heute noch recht ungekannt ist, in der Blüthe seines 31. Jahres genau das Selbe ausgesprochen, hat den Tod als »Schlüssel zu unserer wahren Glücksäligkeit« bezeichnet, und gesagt: »da der Tod, genau zu nehmen, der wahre Endzweck unseres Lebens ist, so habe ich mich seit ein paar Jahren mit diesem wahren, besten Freunde des Menschen so bekannt gemacht, dass sein Bild nicht allein nichts Schreckendes mehr für mich hat, sondern recht viel Beruhigendes und Tröstendes.«Den schlichtesten Auszug der letzten Götterbotschaft geben vielleicht die Lieder der Mönche Seite 173, wo es heißt »Ein einzig Tüchlein deckt ihn, das ist alles, Am Hingeschiednen haftet keine Habe« etc.; sowie der alte Spruch:Povre et riche, par tout le mont,De tout l’avoir qu’assamblé ont,Qu’enportent ils quant ils s’en vont?Un drapelet tant seulement.[166]Vergl. PLATON, Rep. X. No. 14; die Höllenschilderung und den Feuerwirbelsturm imFaust, 2. Theil, bei der Grablegung,Die rothe Brandung schlägt hervor etc.[167]Ειτα βορβορον πολυν και σκωρ αεινων· εν δε τουτῳ κειμενους κτλ. ARISTOPHANES, Batr. 145/6. Von PLATONals alte Ueberlieferung bezeichnet Phaid. p. 69.[168]Ir vleisch die maden âzen | unz ûf daz gebeine. KONRAD, Der werlte lôn 222/3.[169]kukkulanirayo,kukkuranirayo=sārameyādanam, der Hundehölle desBhāgavatapurāṇamV, 26,7; cf. die uralten Höllenhunde desṚg-undAtharvavedas, auch den hesiodischen Κερβερον ωμηστην Αϊδεω κυνα πεντηκοντακεφαλον. Dann: Aen. VI. 417 ff.; Inferno VI, 13 ff.: »Cerbero, fiera crudele e diversa... graffia gli spirti gli scuoia, ed isquatra.« Ebenso hat DANTEdie anderen mehr oder minder traumhaften Höllen, die gleichfalls imBhāgavatapurāṇaml. c., beiManusetc. etc. kurz angedeutet sind, wahrscheinlich vermittelst der sog. Paulusapokalypse überkommen und seiner katholischen Komödie kunstvoll eingefügt. — Auch die höllischen »dogs of war« im Julius Caesar, III, 1,273, gehören hierher.[170]Vergl. die Stygia unda, Aen. VI, 385, bis hinauf zur δεινη Στυξ des HESIOD, Theog. 776͠=demvāḍavam der Smṛti.[171]Vergl.ManausVIII, 271:niḥkṣepyo ’yomayaḥ śaṉkur jvalann āsye daśāṉgulaḥ, mit dem Kommentarlohakīlo ’gninā pradīpto daśāṉgulo mukheṣu kṣeptavyaḥ.— Analog bei uns der nicht etwa nur dantesk visionäre sondern realchristliche »Schwedentrunk«, im dreißigjährigen Kriege vom rechtgläubigen Soldaten dem geplünderten Bauer mit Vorliebe verabfolgt, indem er ihn fesselte, zu Boden warf, ihm ein Sperrholz in den Mund steckte, einen Melkkübel Mistjauche in den Magen goß und ihm dann auf den Bauch trat, dass es wieder herausspritzte: cf. GRIMMSWörterbuch s. v. Schwedentrunk,Simplicissimus I, 4, und zumal des Dr. LAMMERTGeschichte der Seuchen, Hungers- und Kriegsnoth etc. Wiesbaden 1890, S. 132, wo aus einer handschriftlichen Chronik noch viel andere, jeder Phantasie spottende Gräuel enthüllt werden, »unerhörte Martter, davon auch der teuffel in der höll mit Wissenschaft haben mochte, so sie den Menschen angethan.« Auch aus neuerer Zeit erzählen Augenzeugen wie treu noch unsere vereinigten apostolischen Streiter in China höllische Art bewährt haben.Man hat gelegentlich gesagt, die Inder gefielen sich in überschwänglicher Höllenphantasie. Aber leider ist nicht nur unser „Schwedentrunk“ einer teuflischen Wirklichkeit bedenklich nahegekommen. Zahllose Beispiele erscheinen als leibhaftige Zeugen, beweisen wie genau jene Alten ja nicht den satanischen sondern eben den menschlichen Geist auch auf diesem Gebiete beobachtet und geschildert haben. Wir Deutsche stehn da gar nicht so fern ab, wie man meinen möchte, und können uns schon etliche der Akten verrathen lassen, die Dr. LAMMERTein langes Leben hindurch aus Archiven und Urkunden unermüdlich zusammengetragen hat: und manche Zweifel an höllischer Objektität werden da schwinden. Man vergegenwärtige sich etwa folgende typische Fälle, aus tausenden gleicher herausgegriffen, und sei dabei der kantischen Lehre von der Idealität des Raumes und der Zeit wohl eingedenk. Der kgl. Bezirksarzt Dr. LAMMERTalso berichtet l. c. S. 174 f.: „So meldet die Augsburger Chronik am 17. Mai 1634: »Die speerreiterische Soldaten haussen in schwaben sehr tyrannisch, tractieren die bauren mit köpff Reitlen, wasser eingießen, die Mäuler bis auf die Ohren aufschneiden u. dergl.« S. 193 ff.: In Landau und Umgegend steigerte sich der Hunger so, dass die Leichen aus den Gräbern gestohlen und verzehrt wurden. »Auch Lebende wurden hin und her erschlagen und verzehrt; so schlachtete eine Frau ihr eigenes Kind, salzte es ein, verzehrte es; sie starb darüber im Gefängniss.« Nahe bei Zweibrücken stritten zwei Weiber um den Besitz eines von Würmern bedeckten Stückes Aas, wobei eine die andere erwürgte. Rudelweise durchzogen die Wölfe Elsass und Kurpfalz und die sonst blühenden Landstriche hatten das Aussehen verödeter Kirchhöfe. Der Rektor GOTTFRIEDANDREÄ(von Worms) erzählt in seiner Lebensbeschreibung, dass sich die Leute vor den Bäckerläden einander todt gedrückt haben und dass der Magistrat auch hier den Kirchhof mit einer Wache hat versehen müssen; zur selben Zeit sah genannter Rektor vor dem Thore ein todtes Pferd liegen, »dabei sich eine Weibsperson befand, welche das Fleisch abschnitt, in ihr Fürtuch nahm und zugleich roh davon aß, dabei etliche Hunde, welche an der Mitte des Pferdes fraßen und auf dem Kopfe desselben unterschiedliche Raben.« Graf JOHANN VONNASSAU-SAARBRÜCKENsagt in seinem Schreiben an Kaiser FERDINANDaus eigener Erfahrung, dass er in Städte, Flecken und Dörfer gekommen sei, da nicht ein Haus gefunden worden, darin nicht ein vor Hunger verschmachteter Körper gelegen wäre. »Ja, ich habe gesehen, dass die Leut vor Hunger nicht allein allerhand unnatürliche Speisen und sich untereinander selbst aufgefressen, sondern rasend worden, wie die unvernünftigen Thiere, die Sprach verloren, dagegen als Hund und Wölf geheult, nicht mehr aufrecht, sondern auf allen Vieren gelaufen.« CALMETin seiner Geschichte von Lothringen berichtet aus dieser Zeit zum Jahre 1638: Der Hunger war so groß, dass die Menschen Aas, und zuletzt sich selbst aufzehrten. Der Sohn vergriff sich an der Leiche des Vaters, der Vater an jener des Kindes, die Mutter an der Leiche der Tochter, der Reisende schlief nicht sicher neben seinem Reisegefährten, aus Furcht, dass er ihn todtschlage, um an ihm den Hunger zu stillen. Auch in der Mainzer Gegend haben sie (nach KHEVENHILLER) »die Gottesäcker durchsucht, die Gräber aufgebrochen, die Hochgerichte erstiegen und die Todten zur Speise genommen.« S. 219: In Ruppertshofen und Castorf waren alle Männer gestorben. Die Kuhhirtin in Ruppertshofen »hat von ihrem todten Manne gerissen und geschnitten, solches gekocht und mit ihren Kindern gegessen; auch ihrem Vater die Schenkel abgehauen, gewaschen, gekocht, dergleichen den Kopf aufgethan, gesotten und gefressen. Als sie gefragt worden, wie es geschmeckt, hat sie geantwortet, wenn sie nur ein wenig Salz dazu gehabt hätte, hätt’ es gut geschmeckt.« Der Kommandant von Rheinfels, Junker GEORGPHIL.VONBUSECK, hat dies nach genauem Erforschen wahr befunden. Dergleichen Jammerszenen sollen auch in anderen Gegenden, am Rhein, Main, an der Lahn, Dill und Sieg vorgekommen sein. S. 228 f.: Im Fuldaischen und Koburgischen bildeten sich »sogar förmliche Mordbanden, welche in Höhlen oder leerstehenden Häusern wohnten und von diesen aus auf Menschenraub ausgingen.« »Wie im vergangenen, so schlachteten auch in diesem Jahre Mütter ihre Kinder und verzehrten sie, während sich andere ertränkten.« — »Haufen Bettler lauerten auf die Vorübergehenden und tödteten sie, wie denn bei Worms eine solche Bande von ihrem Feuer verjagt und in den Töpfen die schaurigen Ueberbleibsel von Händen und Füßen gefunden wurden.« S. 239: Gefangene, im Stockhause verwahrte weimarische Soldaten, litten so große Noth, dass sie die vor Hunger gestorbenen Kameraden roh auffraßen. S. 132: Vernehmen wir, zu weiterer Beleuchtung des Zeitbildes, noch eine Stimme jener Leidensgenossen über die bestialische Raffiniertheit, mit welcher die schutzlosen Leute von den Mordgesellen gequält, geschunden und zum Tode gebracht wurden. »Zu dieser Zeit«, berichtet eine handschriftliche Chronik von Redwitz, »gieng jammer und Noth an in Unsrem Lande, vnd hat gewehret bis uff das 1637. Jahr, do man den baldt nichts anderst hörte, alss Rauben, stelen, Morden, brennen vnd sengen, die armen Leuth wurden niedergehauen, gestochen, geschossen, auch geraitelt, vielen die Augen ausgestochen, Arm vnd Beine entzwey geschlagen, Ohren vnd Nasen, auch Männliche Glieder vnd Säugende Brüst wurden ab- vnd ausgeschnitten, ettliche von Ferne beim Feuer gebratten, theils im Rauchschloth vffgehenket vnd Fever vnter sie geschieret, ettliche in die Backöffen gestossen, stroh fürgemacht vnd angezündet, Khün vnd schweffel vnter die Nägel gestecket vnd angezündet, die Daumen geschraubet, spitzige Knöbel ins Maul gestecket, dass das Bluth hauffenweiss herauss geloffen, hernacher den gantzen leib, durch den Mundt, mit Urin und Mistwasser gefüllet, die Fuesssohlen aufgeschnitten, hernach Salz hineingestreuet, Riemen auss den leibern geschnitten, und vielen die Rippen in den leib entzwey geschlagen, Jn Summa die grosse pein vnd vorhin unerhörte Martter (davon auch der teuffel in der höll mit Wissenschaft haben mochte) so sie den Menschen angethan, biss sie gestorben vnd verschmachtet oder presshaft worden, ist nicht zu schreiben.«“Das wären denn einige flüchtige Streiflichter in unsere eigene Hölle einer verwichenen Zeit, gräulich genug, um uns die kokytischen Welten der Heiden nicht mehr so fremdartig wie dem Mephistopheles dämmern zu lassen. Andeutungen höllischer Phänomene aus der Gegenwart aber sind ebensowenig da wie dort verschieden: vergl. das unverblümte Wort im Wahrheitpfade1S. 155.[172]Vergl. des DIONYSIUSUeberfahrt in das ungeschaffene Leben, bei ECKHARTp. 530.Das schmerzlich bewegte Aufseufzen des Richters der Schatten, am Ende obiger Symphonia horrifica, erinnert im letzten fernen Grunde an das berühmte, von SCHOPENHAUER, I § 57 i. m., interpretierte ῳμωξεν ιδων εις ουρανον ευρυν des unerbittlich vergeltenden Peliden, Mitte der XXI. Ilias. — Cf. noch Lieder der Mönche v. 217/218.[173]Mit dem siam. Textetaṃ viddhāzu lesen; cf.Muṇḍakopan. II, 2,2:tad veddhavyaṃ(cetasā bhāvanīyam), ib.4:apramattena veddhavyaṃ śaravat.[174]VoncandoMond; vergl.HaimadhātupārāyaṇamI, 313candati dīpyate āhlādayati ca, und die beliebten nom. person. deriv.Candrasomaharidattādi, e. g. auchTheragāthā299Candanound denCandranavihāras, bei FOUCHER, Iconographie bouddhique, Paris 1900, p. 62.[175]Von dem hier so oft genannten Kampfe ζξοχα πβντων gilt Asokos Wort vomdhammavijayo, dem wahren Siege, welchem gegenüber jeder andere, und noch so ungeheuere — der König spricht als Eroberer ganz Hindustans, von Baktrien bis Zeilon, vom Ganges bis zum Indus — nur von recht geringem Geschmacke ist; derdhammavijayoallein, sagt Asoko als erfahrener Held auf dem XIII. Felsenedikt, Girnār l. 11, istsa-rasako, mit ächtem Geschmacke begabt: und nur ihn kann man für sättigend und beschwichtigend halten, den wahren Sieg.Dasmaraṇaṃ suve=demśvomaraṇaṃderSmṛti, e. g.MahābhāratamXII, 152,12, »morgen todt«. — Vergl. JAKOBSEpist. 4,14, Korinther I, 15,30&55, und den Scheidegruß des Eremiten ANTONIOS, Anm. 27, ferner das Adagium στιγμω χρονου, von DEMETRIOSPHALEREUSüberliefert, und GOETHE, Aus meinem Leben I, 3 i. m. Auch den schönen Spruch »Chi tempo aspetta, tempo perde«, bei RINALDOD’AQUINO, um 1250; sowie das Wort des Königs D. Rodrigo, im D. Quijote II, 26 i. m.:Ayer fuí señor de España,Y hoy no tengo una almenaQue pueda decir que es mia.[176]Hier vergl. man die 57. Rede; sowie auch der 98sten drittletzten Vers,kammunā vattatī loko: vielleicht zeigt dieser Ausspruch, nächst den zur 57. Rede beigebrachten orakelartigen Stellen derBṛhadāraṇyakopaniṣat, die früheste und ergo schärfste Prägung des faustischen Wortes: »Im Anfang war die That.« — Genau entsprechend hat der Pythagoriker TIMAIOSgelehrt: ταν ψυχαν των μεν δειλων ες γυναικεια σκανεα ποθ’ ὑβριν εκδιδομενα, των δε μιαιφονων ες θηριων σωματα ποτι κολασιν, λαγνων δ’ ες συων η καπρων μορφας, κουφων δε και μετεωρων ες πτηνων αεροπορων, αργων δε αι απρακτων αμαθων τε και ανοητων ες ταν των ενυδρων ιδεαν, De anima mundi i. f. Eine solche Palingenesie hat auchLAO-TSE, Kap. 23, dargestellt; ja sogar unser MEISTERECKHART, p. 333, 334, 589, der mit siegreicher Geisteskraft ausführt, wie die Natur aus einem Kraut, das im Garten wächst, allmälig den Menschen zu entwickeln vermag: den Menschen, der „aller Kreatur Wesen hat, mit den Steinen, mit den Bäumen, und fürbass mit allen anderen Kreaturen.“ In diesem Sinne will er auch seine 56., so geheimnissvolle, aus verborgenster Tiefe schöpfende Rede verstanden wissen, mit dem indo-aegypto-empedokleischen Thema: »Daz edelste, daz an dem menschen ist, daz ist bluot, sô ez wol wil; aber daz ergeste, daz an dem menschen ist, daz ist bluot, sô ez übel wil.« — Vergl. noch die schöne Stelle in JAKOBSEp. 3,13: Τις σοφος και επιστημων εν ὑμιν, δειξατω εκ της καλης αναστροφης τα εργα αυτου εν πραϋτητι σοφιας, und insbesondere ib. 17 mit oben S. 366 dem Uebergange, der zur Anmuth führt.[177]Vergl. der 124. Rede Anfang, S. 251: und wiederum der 85. Rede Ende, S. 471. — Beide modi sindpariyāyenaanwendbar, nachDhammapadamv. 64 u. 65, oder weil, nach HIPPOKRATES, ὁ βιος βραχυς, ἡ δε τεχνη μακρη, ὁ δε καιρος οξυς, ἡ δε πειρα σφαλερη, ἡ δε κρισις χαλεπη, Aphor. I, 1.[178]Diese knappe, so kühn wie besonnen dargestellte Logik aller Möglichkeit ist zwar oft versucht worden, hat aber in der wichtigsten Frage, aus Mangel deutlicher Begriffe, nur paradoxe Thesen ergeben; so z. B. bei MAKARIOS, nach FLOSSp. 148, »qui se ipsum cogit ad omnia, is est monachus«, bei ECKHARTp. 358 u. 447, wo er sagt: »Socrates sprichet, daz tugende machent unmüglîchiu dinc müglich.« Cf. noch Lieder der Mönche v. 536 Anm. Negativ aber doch identisch ist auch der, freilich trivial gewordene, Satz LESSINGS»Kein Mensch muss müssen.« Erst in der Lehre von der Vereinigung der Natur und Freiheit, der größten aller Leistungen des menschlichen Tiefsinns, wie SCHOPENHAUERsie nennt, hat KANTdie vollkommene Auflösung und Ausführung des Problems gegeben.Zur heißen Busse,ātappametc. S. 376–378, cf. das vedischetapas, bez. die ebenso übermächtigendedīkṣā, von √dakṣtüchtig sein: entspricht der ασκησις, bez. μελετη in der Anmerkung 101; auch dem αναμιμνησκεσθαι, σοχιαν τε και αρετην ασκειν PLATONS, und nicht minder GOETHESAllen GewaltenZum Trutz sich erhalten,Nimmer sich beugen,Kräftig sich zeigen,Rufet die ArmeDer Götter herbei.Die geistige Einigung, dercetosamādhi, ibid., hat ein schönes Analogon in der pythagorischen συναρμογα und im gleichen ἑν γενεσθαι και τον ανθρωπον δει: und ist dann von unserem großen BRUNO, wie mir DELORENZOmittheilt, sehr innig erkannt worden, da er im Spaccio, ziemlich gegen Ende, jene libertà di spirito preist, »a cui tal volta amministra il monachismo (non dico quello de’ cocchiaroni), l’eremo, la solitudine: che sogliono parturir quel divino sigillo, ch’ è la buona contrazione.« Es ist, im Grunde genommen, ECKHARTSund LAOSRückkehr zur Einfalt.[179]Ὁ τοιουτος παντα τα του κοσμου πραγματα ενδοξα, πλουτον και τρυφην, και πασαν απολαυσιν, αυτην αυτην τε την γμωσιν, και παντα τα του αιωνος τουτου βδελυκτα ἡγειται και μισητα, MAKARIOS, Homil. IX § 8 i. f.[180]Cf. die 22. Rede, p. 140.[181]purisadammo; analogpuruṣapaśusin derChāndogyopaniṣatII, 6, und το θρεμμα ανθρωπος im PLATON, De legibus p. 777.[182]Vergl. den »desiderio della bellezza«, nach PLATON, bei MICHELANGELO, wie e. g. in den Rime e prose, Chieti 1847, p. 174.[183]Dieaṭṭha disāacht Richtungen bezeichnen s. v. a. die acht Freiungenaṭṭha vimokhāder 77. Rede, passim; vergl. auch Lieder der Mönche, Anmerkung zu v. 1172. — Die Makarismen MATTH. V, 3–10, im Mittelalterdie aht saelekeitengenannt, bieten ein christliches Gegenstück dar; desgl. die, wiederum andersartigen, octo beatitudines der Scholastiker, vielleicht auch schon des IRENÄUSAbhandlung περι ογδοαδος; mehr noch das Durchwandeln der sechserlei Bilder, in FRITZLARSBlume der Schauung. Ueber die Unmittelbarkeit, S. 392, sagt ECKHART, S. 5: Als nû ie ein meister wîser unde mehtiger ist, alsô ouch sîn werc unmitelîcher geschiht und einveldiger ist.Zur ganzen Stelle oben S. 390, ‚Dann habt ihr auf eines gestützt ein anderes abzustoßen‘, sei der geübteren Beobachtung ein gewiss analoger Spruch GOETHESempfohlen, aus der Säligen Sehnsucht, im West-östlichen Divan, 1. Buch, vorletzter Vers:Und so lang du Das nicht hast,Dieses: Stirb und werde!Bist du nur ein trüber GastAuf der dunkeln Erde.Der selbe Gedanke, »Dies um Das«, ist imTao-te-kingwiederholt vorgetragen.Die Reihenfolge der Thiere auf S. 394, wie im Gleichnisse der 125. Rede S. 258, ist auch auf den schönen Friesen und Reliefgruppen rein indischer Meisterskulptur noch ebenso erhalten: es geht der Elephant voran, dann folgt das Ross, der Stier etc. Cf. e. g. REA, South Indian Buddhist Antiquities, Madras 1894, S. 36 und Tafel XXII. — Vorzüglich ausgeführte Elephanten und Rosse bietet später die hochentwickelte Bildhauerkunst von Amarāvati, nahe der Krischna Mündung, etwa 600 Jahre nach Gotamo. Kräftig, anmuthig, edel, zugleich individuell sehr verschieden, je nach dem gewählten Moment, und immer ungemein anschaulich, lebendig, durchgeistigt, im ganzen und im einzelnen wie bei den besten Antiken feinsinnig beobachtet und fixiert: sei es nun in einem sanft blickenden oder aber wild anstürmenden Elephantenauge oder in der seiden glänzenden muskelgeschwellten Haut oder in der wogenden Macht der zermalmenden Vorderfüße; sei es wieder an den ausdrucksvoll erregten Ohren der Rosse, ihrem stolz geschwungenen Nacken, den beweglichen Nüstern, dem rhythmischen Tritt ihrer leichten zierlichen Hufe u. s. w., u. s. w. Photographien der Reste und Fragmente — die Muhammedaner haben natürlich auch hier was sie konnten dem Erdboden gleichgemacht und kein einziges Stück unversehrt lassen, und die moderne Sammelwuth hat die Zerstörung so ziemlich vollendet — findet man, freilich dazu noch in einem gar dürftig verkleinerten Maaßstabe, in FERGUSSONSTree and Serpent Worship, London 1868: als Beispiel der Rosse namentlich auf Tafel 59,1, 82,1, 96,1; der Elephanten auf Tafel 61,1, 64,1, 91,3. Vergl. auch die z. Th. ergänzenden Blätter in BURGESS’ Archaeological Survey of Southern India (Amarāvati and Jaggayyapeta), London 1887, e. g. No. 27,1,2,5, etc.[184]Die letzten Ausführungen Mahākaccānos entsprechen demBṛhadāraṇyakamIV, 3,17:Sa yad atra kiṃcit paśyaty, ananvāgatas tena bhavaty: asaṉgo hyayaṃ puruṣa ity. Evam evaitad Yājñavalkyādi.Ebenso ECKHARTp. 144 l. 1–2. Cf. noch Faust v. 11954/57: Ohne Erdenrest, »Und wär’ er von Asbest, Er ist nicht reinlich.« Die Darstellung des innen zuständigen Herzens, S. 401 f., hat ein mythisch gegründetes Gegenstück in der Schilderung der Menschen auf dem siebenten der Neun Felsen im Buche MERSWINS, p. 103. — Wie auch nur Gedanken nachspüren unförderlich sei wo Einigung noth, S. 400͠=sarvacintāvivarjitas, e. g.Nādabindūp. ed. Bomb. v. 51, hat unser WALTHERschon tief und klar erkannt, 56,23,24:Liezen mich gedanke frî,So ’nwiste ich niht umb’ ungemach.
[154]Ist das ευ ακουειν PINDARS. 1. Pythionike i. f., 4. Isthmionike v. 13: das bene audire, der gute Ruf; oder wie unser HARTMANNden Îwein gar schön eröffnet:Swer an rehte güeteWendet sîn gemüete,Dem volget saelde unde êre.Vergl. die 60. u. 76. Rede undDhammapadamv. 1–2.
[154]Ist das ευ ακουειν PINDARS. 1. Pythionike i. f., 4. Isthmionike v. 13: das bene audire, der gute Ruf; oder wie unser HARTMANNden Îwein gar schön eröffnet:
Swer an rehte güeteWendet sîn gemüete,Dem volget saelde unde êre.
Swer an rehte güeteWendet sîn gemüete,Dem volget saelde unde êre.
Swer an rehte güeteWendet sîn gemüete,Dem volget saelde unde êre.
Swer an rehte güete
Wendet sîn gemüete,
Dem volget saelde unde êre.
Vergl. die 60. u. 76. Rede undDhammapadamv. 1–2.
[155]Es ist, wie imBrahmāyusuttamp. 514, zu lesen:tass’ imāni satta ratanāni bhavanti, seyyathīdamādi. Die spectamina munditiae gehören in den Kommentar, der, wie gewöhnlich, manches missverstanden, manches recht volksthümlich weiter ausgeführt hat. Diesem entspricht denn auch ihre Darstellung im Relief, so zu Amarāvati, vorbuddhaghosisch.
[155]Es ist, wie imBrahmāyusuttamp. 514, zu lesen:tass’ imāni satta ratanāni bhavanti, seyyathīdamādi. Die spectamina munditiae gehören in den Kommentar, der, wie gewöhnlich, manches missverstanden, manches recht volksthümlich weiter ausgeführt hat. Diesem entspricht denn auch ihre Darstellung im Relief, so zu Amarāvati, vorbuddhaghosisch.
[156]Vergl. derSmṛtiUrbild:abhibhavati nṛpaḥ sarvabhūtāni tejasā, wieManusVII, 5 etc. Auch das homerische Seitenstück, Od. II, 230/31: προφρων αγανος και ηπιος εστω σκηπτουχοσ βασιλευς, φρεσιν αισιμα ειδως. Dann des PLINIUSGlückwunsch an TRAIANzur Thronbesteigung: Fortem te et hilarem, imperator optime, et privatim et publice opto; sowie das Ideal im Rolandslied, v. 531/33:l’emperere est ber:tant nel vus sai ne preisier ne loer,que plus n’i ait d’onur e de bontet.
[156]Vergl. derSmṛtiUrbild:abhibhavati nṛpaḥ sarvabhūtāni tejasā, wieManusVII, 5 etc. Auch das homerische Seitenstück, Od. II, 230/31: προφρων αγανος και ηπιος εστω σκηπτουχοσ βασιλευς, φρεσιν αισιμα ειδως. Dann des PLINIUSGlückwunsch an TRAIANzur Thronbesteigung: Fortem te et hilarem, imperator optime, et privatim et publice opto; sowie das Ideal im Rolandslied, v. 531/33:
l’emperere est ber:tant nel vus sai ne preisier ne loer,que plus n’i ait d’onur e de bontet.
l’emperere est ber:tant nel vus sai ne preisier ne loer,que plus n’i ait d’onur e de bontet.
l’emperere est ber:tant nel vus sai ne preisier ne loer,que plus n’i ait d’onur e de bontet.
l’emperere est ber:
tant nel vus sai ne preisier ne loer,
que plus n’i ait d’onur e de bontet.
[157]Vergl. Bd. 2, S. 405, 470, 517. Zur antiken Auffassung der Gesundheit als einer gleichmäßigen Kräfte- und Säftemischung ist bekanntlich die neueste Medizin wiederzurückgekehrt. — Aehnlich hat SHAKESPEARE, Julius Caesar i. f., Brutus preisen lassen:His life was gentle, and the elementsSo mix’d in him that Nature might stand upAnd say to all the world: This was a man.Imgleichen hat er, als höchstes Lob Horatios, blood and judgment well commingled, Hamlet III, 2,74; während SIMONIDESden ganzen Begriff anmuthig epigraphiert, fragm. 116:ουδε καλας σοφιας εστιν φαρις,ει μη τις εχει σεμναν ὑγιειαν.
[157]Vergl. Bd. 2, S. 405, 470, 517. Zur antiken Auffassung der Gesundheit als einer gleichmäßigen Kräfte- und Säftemischung ist bekanntlich die neueste Medizin wiederzurückgekehrt. — Aehnlich hat SHAKESPEARE, Julius Caesar i. f., Brutus preisen lassen:
His life was gentle, and the elementsSo mix’d in him that Nature might stand upAnd say to all the world: This was a man.
His life was gentle, and the elementsSo mix’d in him that Nature might stand upAnd say to all the world: This was a man.
His life was gentle, and the elementsSo mix’d in him that Nature might stand upAnd say to all the world: This was a man.
His life was gentle, and the elements
So mix’d in him that Nature might stand up
And say to all the world: This was a man.
Imgleichen hat er, als höchstes Lob Horatios, blood and judgment well commingled, Hamlet III, 2,74; während SIMONIDESden ganzen Begriff anmuthig epigraphiert, fragm. 116:
ουδε καλας σοφιας εστιν φαρις,ει μη τις εχει σεμναν ὑγιειαν.
ουδε καλας σοφιας εστιν φαρις,ει μη τις εχει σεμναν ὑγιειαν.
ουδε καλας σοφιας εστιν φαρις,ει μη τις εχει σεμναν ὑγιειαν.
ουδε καλας σοφιας εστιν φαρις,
ει μη τις εχει σεμναν ὑγιειαν.
[158]Der viermächtige Heerbann,caturaṉginī senā, dascaturaṉgam balamderSmṛti, stellt die gesammte Kriegsmacht, und zwar Wagen-, Elephanten-, Reiter- und Fußtruppen dar: ist in der Skulptur mit Vorliebe, besonders gelungen und oft prachtvoll zu Amarāvati, behandelt; und wie bei unserem ALEXANDER, ATTILA, NAPOLEONauch in Indien selbstverständliches Attribut des Erderoberers, von der mythischen Larve desNaciketāsbis zur historischen Person Asokos. Purāṇischer Ueberlieferung entstammt es, dass der Titelcakkavattīpopulär geworden und noch heute nicht selten als cognomen erscheint, eben wie bei uns der Name »Kaiser«. — Hier sei noch eine andere Eigenheit einescakkavattībesser untersucht, zu Bd. 2, 1. Aufl. S. 520. Bei der Wiedergabe vonjālahatthapādowar ich unvorsichtig genug einmal einer kommentariellen Tradition gefolgt, die von den fein verschlungenen Linien der Hand- und Fußflächen redet und sie einem Filigrangeflechte ähnlich beschreibt. In Wahrheit aber müssen auch hier die scholastischen Interpreten abgewiesen und die klassischen Texte zur Erklärung herangezogen werden. In der ersten Hälfte des letzten Aktes derS̀akuntalāwird nämlich unser obiges Merkmal einesdhammarājāodercakkavattīrichtig und naturgemäß der aufblühenden Lotusknospe verglichen, wo die aufstrebenden schlanken Blätter den Fingern und die unten zusammenhaltenden Blatthäutchen der Bindehaut am Ursprung der Finger entsprechen. Bei wem sich ein solches Merkmal vollkommen schön entwickelt zeigt, der mag, nach indischer Idealphysiognomik, die Laufbahn eines Welteroberers oder aber eines Weltüberwinders vollenden. So ruft denn der König, als er seines noch unerkannten, löwenwürgenden Heldenknaben emporgestreckte Hand mit der rosig durchsichtigen Bindehaut zwischen den Fingern wahrgenommen, freudig erregt aus:kathaṃ, cakravartilakṣaṇam apy anena dhāryate, tathā hy asyapralobhyavastupraṇayaprasāritovibhāti jālagrathitāṉguliḥ karaḥ,alakṣyapatrāntaram iddharāgayānavoṣasā bhinnam ivaikapaṉkajam.Jālahatthapādo kho pana so bhavaṃ Gotamoheißt daher: »Eine Bindehaut aber an Händen und Füßen hat er, der Herr Gotamo.« — Vergl. noch die als Ausnahme einmal gute Parallele im VII. Kapitel desLalitavistaras:jālāṉgulihastapādaḥ.Die zweiunddreißig Merkmale eines großen Mannes, die unsere Texte angeben, theilen übrigens eine Reihe mehr oder minder gleichartiger und auch gegensätzlicher Kennzeichen mit dreißig Merkmalen SANFRANCESCOS, die CELANOin seiner Vita I cap. 29 i. f. autoptisch überliefert: Facundissimus homo (1), facie hilaris (2), vultu benignus (3), immunis ignaviae (4), insolentiae expers (5), statura mediocris parvitati vicinior (6), caput mediocre ac rotundum (7), facies utcumque oblonga et protensa (8), frons plana et parva (9), mediocres oculi nigri et simplices (10), fusci capilli (11), supercilia recta (12), nasus aequalis subtilis et rectus (13), aures erectae sed parvae (14), tempora plana (15), lingua placabilis ignea et acuta (16), vox vehemens dulcis clara atque sonora (17), dentes coniuncti aequales et albi (18), modica labia atque subtilia (19), barba nigra pilis non plene respersa (20), collum subtile (21), humeri recti (22), brevia brachia (23), tenues manus (24), digiti longi (25), ungues producti (26), crura subtilia (27), parvuli pedes (28), tenuis cutis (29), caro paucissima (30).
[158]Der viermächtige Heerbann,caturaṉginī senā, dascaturaṉgam balamderSmṛti, stellt die gesammte Kriegsmacht, und zwar Wagen-, Elephanten-, Reiter- und Fußtruppen dar: ist in der Skulptur mit Vorliebe, besonders gelungen und oft prachtvoll zu Amarāvati, behandelt; und wie bei unserem ALEXANDER, ATTILA, NAPOLEONauch in Indien selbstverständliches Attribut des Erderoberers, von der mythischen Larve desNaciketāsbis zur historischen Person Asokos. Purāṇischer Ueberlieferung entstammt es, dass der Titelcakkavattīpopulär geworden und noch heute nicht selten als cognomen erscheint, eben wie bei uns der Name »Kaiser«. — Hier sei noch eine andere Eigenheit einescakkavattībesser untersucht, zu Bd. 2, 1. Aufl. S. 520. Bei der Wiedergabe vonjālahatthapādowar ich unvorsichtig genug einmal einer kommentariellen Tradition gefolgt, die von den fein verschlungenen Linien der Hand- und Fußflächen redet und sie einem Filigrangeflechte ähnlich beschreibt. In Wahrheit aber müssen auch hier die scholastischen Interpreten abgewiesen und die klassischen Texte zur Erklärung herangezogen werden. In der ersten Hälfte des letzten Aktes derS̀akuntalāwird nämlich unser obiges Merkmal einesdhammarājāodercakkavattīrichtig und naturgemäß der aufblühenden Lotusknospe verglichen, wo die aufstrebenden schlanken Blätter den Fingern und die unten zusammenhaltenden Blatthäutchen der Bindehaut am Ursprung der Finger entsprechen. Bei wem sich ein solches Merkmal vollkommen schön entwickelt zeigt, der mag, nach indischer Idealphysiognomik, die Laufbahn eines Welteroberers oder aber eines Weltüberwinders vollenden. So ruft denn der König, als er seines noch unerkannten, löwenwürgenden Heldenknaben emporgestreckte Hand mit der rosig durchsichtigen Bindehaut zwischen den Fingern wahrgenommen, freudig erregt aus:kathaṃ, cakravartilakṣaṇam apy anena dhāryate, tathā hy asya
pralobhyavastupraṇayaprasāritovibhāti jālagrathitāṉguliḥ karaḥ,alakṣyapatrāntaram iddharāgayānavoṣasā bhinnam ivaikapaṉkajam.
pralobhyavastupraṇayaprasāritovibhāti jālagrathitāṉguliḥ karaḥ,alakṣyapatrāntaram iddharāgayānavoṣasā bhinnam ivaikapaṉkajam.
pralobhyavastupraṇayaprasāritovibhāti jālagrathitāṉguliḥ karaḥ,alakṣyapatrāntaram iddharāgayānavoṣasā bhinnam ivaikapaṉkajam.
pralobhyavastupraṇayaprasārito
vibhāti jālagrathitāṉguliḥ karaḥ,
alakṣyapatrāntaram iddharāgayā
navoṣasā bhinnam ivaikapaṉkajam.
Jālahatthapādo kho pana so bhavaṃ Gotamoheißt daher: »Eine Bindehaut aber an Händen und Füßen hat er, der Herr Gotamo.« — Vergl. noch die als Ausnahme einmal gute Parallele im VII. Kapitel desLalitavistaras:jālāṉgulihastapādaḥ.
Die zweiunddreißig Merkmale eines großen Mannes, die unsere Texte angeben, theilen übrigens eine Reihe mehr oder minder gleichartiger und auch gegensätzlicher Kennzeichen mit dreißig Merkmalen SANFRANCESCOS, die CELANOin seiner Vita I cap. 29 i. f. autoptisch überliefert: Facundissimus homo (1), facie hilaris (2), vultu benignus (3), immunis ignaviae (4), insolentiae expers (5), statura mediocris parvitati vicinior (6), caput mediocre ac rotundum (7), facies utcumque oblonga et protensa (8), frons plana et parva (9), mediocres oculi nigri et simplices (10), fusci capilli (11), supercilia recta (12), nasus aequalis subtilis et rectus (13), aures erectae sed parvae (14), tempora plana (15), lingua placabilis ignea et acuta (16), vox vehemens dulcis clara atque sonora (17), dentes coniuncti aequales et albi (18), modica labia atque subtilia (19), barba nigra pilis non plene respersa (20), collum subtile (21), humeri recti (22), brevia brachia (23), tenues manus (24), digiti longi (25), ungues producti (26), crura subtilia (27), parvuli pedes (28), tenuis cutis (29), caro paucissima (30).
[159]Cf. die Parallele in derBṛhadāraṇyakopaniṣatIV, 3,32–39:Sa yo manuṣyānāṃ rāddhaḥ samṛddho bhavatyanyeṣām adhipatiḥ, sarvair mānuṣyakair bhogaiḥ saṃpannatamaḥ, sādi.— MERSWIN, Neun Felsen, p. 120.Zu der, wie oben ausgeführt, kaum gleichnissweise andeutbaren Art der Extreme des Daseins mögen hier einige Worte von ROBERTL’ORANGEmitgetheilt sein: »Was würde dieser (Philosoph) sagen, wenn man ihn an einen Ort versetzte, wo allen Sinnen dauernd nur Abscheuliches und obendrein dem Geiste lauter Widersprüche, Undinge, Wahnsinnsvorstellungen dargeboten würden? Und was würde er anderseits sagen, wenn man ihn an einen Ort versetzte, wo allen Sinnen dauernd nur Erfreuliches dargeboten würde und obendrein dem Geiste das, was er sieht, harmonisch, verständlich erschiene? Dass beide Orte existieren, daran dürfen wir nicht zweifeln, nach so vielen, zum Theil wörtlich übereinstimmenden, unabhängigen Zeugnissen glaubwürdiger Menschen — zumal kein Grund a priori dagegen spricht.« Er fügte dann noch hinzu: »Vergleiche übrigens die Worte JAKOBBÖHMES: Wenn alle Berge Bücher wären und alle Seen Tinte und alle Bäume Schreibfedern: noch wäre es nicht genug, um all den Schmerz zu beschreiben.« Indischer Prägnanz in grässlicher Nāśa-Nekadologie zunächstgekommen ist freilich AISCHYLOSmit seinem απεραντος ταρταρος und απεραντον ηικτυον ατης, Prom. 153, 1078. Beide Orte werden von MAKARIOSwundervoll tief dahin ausgelegt, ει ουν ἡ καρδια βαθος τι εχει απεραντον, εκει τρικλινοι και κοιτωνες, θυραι και προθυρα, και διακονιαι πολλαι και διεξοδοι· εκει εστι το εργαστηριον της δικαιοσυνης και αδικιας· εκει εστιν ὁ θανατος, εκει εστιν ἡ ζωη· εκει εστιν ἡ αγαθη εμπορια και ἡ εναντα: Homil. XV § 32 fine, XLIII § 8; ein vollkommen indischer Kommentar zu dem Spruchecittaṃ kāraṇam arthānāṃ|tasmintsati jagattrayaṃ|tasmin kṣīṇe jagatkṣīṇaṃ|taccikitsyaṃ prayatnataḥ|:YogaśikhopaniṣatVI, 59.
[159]Cf. die Parallele in derBṛhadāraṇyakopaniṣatIV, 3,32–39:Sa yo manuṣyānāṃ rāddhaḥ samṛddho bhavatyanyeṣām adhipatiḥ, sarvair mānuṣyakair bhogaiḥ saṃpannatamaḥ, sādi.— MERSWIN, Neun Felsen, p. 120.
Zu der, wie oben ausgeführt, kaum gleichnissweise andeutbaren Art der Extreme des Daseins mögen hier einige Worte von ROBERTL’ORANGEmitgetheilt sein: »Was würde dieser (Philosoph) sagen, wenn man ihn an einen Ort versetzte, wo allen Sinnen dauernd nur Abscheuliches und obendrein dem Geiste lauter Widersprüche, Undinge, Wahnsinnsvorstellungen dargeboten würden? Und was würde er anderseits sagen, wenn man ihn an einen Ort versetzte, wo allen Sinnen dauernd nur Erfreuliches dargeboten würde und obendrein dem Geiste das, was er sieht, harmonisch, verständlich erschiene? Dass beide Orte existieren, daran dürfen wir nicht zweifeln, nach so vielen, zum Theil wörtlich übereinstimmenden, unabhängigen Zeugnissen glaubwürdiger Menschen — zumal kein Grund a priori dagegen spricht.« Er fügte dann noch hinzu: »Vergleiche übrigens die Worte JAKOBBÖHMES: Wenn alle Berge Bücher wären und alle Seen Tinte und alle Bäume Schreibfedern: noch wäre es nicht genug, um all den Schmerz zu beschreiben.« Indischer Prägnanz in grässlicher Nāśa-Nekadologie zunächstgekommen ist freilich AISCHYLOSmit seinem απεραντος ταρταρος und απεραντον ηικτυον ατης, Prom. 153, 1078. Beide Orte werden von MAKARIOSwundervoll tief dahin ausgelegt, ει ουν ἡ καρδια βαθος τι εχει απεραντον, εκει τρικλινοι και κοιτωνες, θυραι και προθυρα, και διακονιαι πολλαι και διεξοδοι· εκει εστι το εργαστηριον της δικαιοσυνης και αδικιας· εκει εστιν ὁ θανατος, εκει εστιν ἡ ζωη· εκει εστιν ἡ αγαθη εμπορια και ἡ εναντα: Homil. XV § 32 fine, XLIII § 8; ein vollkommen indischer Kommentar zu dem Spruchecittaṃ kāraṇam arthānāṃ|tasmintsati jagattrayaṃ|tasmin kṣīṇe jagatkṣīṇaṃ|taccikitsyaṃ prayatnataḥ|:YogaśikhopaniṣatVI, 59.
[160]Der Weise,paṇḍito, ist hier als der Kluge nach der Seite möglicher Zuträglichkeit, wie vorherbālo, der Thor,pariyāyenaentwickelt. — Zum Gleichniss vom Würfelspiele cf. die 60. Rede S. 104–115, Lieder der Mönche v. 462;ChāndogyopaniṣatIV, 1. u. 3. Kapitel. Dieses drastische Bild hat denn auch Asoko wiederholt dargestellt, namentlich auf dem IX. Felsenedikt i. f.:Tato ubhayasa ladhaṃ bhoti, iha ca so aṭho paratra ca anaṃtaṃ puñaṃ prasavati tena dharma[ma]ṃgalena.Item: XI., XIII. Felsened., III. Säulenedikt. — In der gräko-italischen Kultur ist das Gleichniss nicht minder beliebt gewesen, von EPICHARMOS, frgm. v. 280 κυβους απο τυχας βαλειν, bis auf CÄSARS»Iacta alea est« herab. Weitere interessante Nachweise findet man in den Adagia des ERASMUSs. v. alea, und in SCHRADERSReallexikon der indogerm. Alterthumskunde s. v. Spiele. Die selbe, bei uns weniger gebrauchte Metapher vom großen Wurfe hat SCHILLERangewandt, in der Ode an die Freude. In neuerer Zeit ist dafür das große Loos und der Haupttreffer, schon bei JEANPAULzu begegnen, volksthümlich geworden. Vergl. auch PASCALS»Il faut parier«, Pensées II, 3,5.Es verdient Beachtung, dass die Todesstrafe, von der oben S. 309 und besonders wichtig im zweiten Bande S. 434 die Rede ist, auch in Indien für schwere Vergehn stets allgemein üblich gewesen. Nicht als ob man sich etwa zu wundern hätte, den milden Hindu, wie man gern spöttisch sagt, doch nicht so ganz modern nachsichtig, sogar zu Zeiten von antiker Grausamkeit erkennen zu müssen; vielmehr die indischen Juristen, die zumeist von der ehrlichen Anschauung ausgehn, hier eine Ausnahme, gleichsam einen salto mortale machen zu sehn. Denn ein solcher wäre es für den unbiblischen Rechtsverstand, auf Menschenmord Todesstrafe zu setzen, solange der Thiermord, z. B. Metzgerei, Jagd, völlig straflos, ja in gewisser Sanktion bleibt. Oder mit anderen Worten: da der Inder, entgegen dem Christen, das Leben des Menschen im Durchschnitte keineswegs als unendliche Werthgröße betrachtet, sondern nur als das was es ist, nämlich eine dem Grade nach höhere Wesenstufe, dürfte man konsequent erwarten, bei geduldetem Thiermord auch den Menschenmord eben nur geduldet (Krieg, Duell), bez. graduell bestraft zu finden (impetus, dolus). Das ist nun in Indien wirklich, und zwar von den frühesten Rechtslehrern bis zu den spätesten Kasuisten, wenigstens theilweise, zu normieren versucht worden. So sehn wir also hier das ius talionis durchaus nicht unantastbar bestehn; und noch Asoko, der kein stammelnder Moralprediger, wofür ihn der Unverstand hält, sondern selbstbewusst wie ALEXANDERjeder Zoll ein König war, dieser in Krieg und Frieden gleich große, man muss wirklich sagen ideale Monarch berichtet auf seinem V. Säulenedikt i. f., er habe fünfundzwanzigmal seit seiner Thronbesteigung (d. i. jedes Jahr) eine Anzahl Verbrecher begnadigt. Aber eben nur eine Anzahl: wie die Stelle im IV. Säulenedikt besagt, wonāsaṃtaṃals acc. sing. part. praes. act. von √naśzu erklären ist, undjīvitāye tānaṃ nāsaṃtaṃ va nijhapayitavewörtlich heißt, man lässt (die Hinzurichtenden,patavadhā) an das eilige Schwinden ihrer Lebensfrist denken, d. h., wie Asoko des näheren ausführt, drei Tage lang in Gesellschaft ihrer Angehörigen auf den Tod sich vorbereiten, durch Einkehr in sich, Hingabe des letzten Besitzes und Fasten im Anblick des nahen Endes. »Denn mein Wunsch ist es«, so schließt der König dieses Edikt, »dass man also selbst bei der Hinrichtung sich mit dem Jenseits versöhnen kann. Das Volk aber gedeihe vielfach im rechten Wandel, beherrsche sich, reiche Almosen dar.«
[160]Der Weise,paṇḍito, ist hier als der Kluge nach der Seite möglicher Zuträglichkeit, wie vorherbālo, der Thor,pariyāyenaentwickelt. — Zum Gleichniss vom Würfelspiele cf. die 60. Rede S. 104–115, Lieder der Mönche v. 462;ChāndogyopaniṣatIV, 1. u. 3. Kapitel. Dieses drastische Bild hat denn auch Asoko wiederholt dargestellt, namentlich auf dem IX. Felsenedikt i. f.:Tato ubhayasa ladhaṃ bhoti, iha ca so aṭho paratra ca anaṃtaṃ puñaṃ prasavati tena dharma[ma]ṃgalena.Item: XI., XIII. Felsened., III. Säulenedikt. — In der gräko-italischen Kultur ist das Gleichniss nicht minder beliebt gewesen, von EPICHARMOS, frgm. v. 280 κυβους απο τυχας βαλειν, bis auf CÄSARS»Iacta alea est« herab. Weitere interessante Nachweise findet man in den Adagia des ERASMUSs. v. alea, und in SCHRADERSReallexikon der indogerm. Alterthumskunde s. v. Spiele. Die selbe, bei uns weniger gebrauchte Metapher vom großen Wurfe hat SCHILLERangewandt, in der Ode an die Freude. In neuerer Zeit ist dafür das große Loos und der Haupttreffer, schon bei JEANPAULzu begegnen, volksthümlich geworden. Vergl. auch PASCALS»Il faut parier«, Pensées II, 3,5.
Es verdient Beachtung, dass die Todesstrafe, von der oben S. 309 und besonders wichtig im zweiten Bande S. 434 die Rede ist, auch in Indien für schwere Vergehn stets allgemein üblich gewesen. Nicht als ob man sich etwa zu wundern hätte, den milden Hindu, wie man gern spöttisch sagt, doch nicht so ganz modern nachsichtig, sogar zu Zeiten von antiker Grausamkeit erkennen zu müssen; vielmehr die indischen Juristen, die zumeist von der ehrlichen Anschauung ausgehn, hier eine Ausnahme, gleichsam einen salto mortale machen zu sehn. Denn ein solcher wäre es für den unbiblischen Rechtsverstand, auf Menschenmord Todesstrafe zu setzen, solange der Thiermord, z. B. Metzgerei, Jagd, völlig straflos, ja in gewisser Sanktion bleibt. Oder mit anderen Worten: da der Inder, entgegen dem Christen, das Leben des Menschen im Durchschnitte keineswegs als unendliche Werthgröße betrachtet, sondern nur als das was es ist, nämlich eine dem Grade nach höhere Wesenstufe, dürfte man konsequent erwarten, bei geduldetem Thiermord auch den Menschenmord eben nur geduldet (Krieg, Duell), bez. graduell bestraft zu finden (impetus, dolus). Das ist nun in Indien wirklich, und zwar von den frühesten Rechtslehrern bis zu den spätesten Kasuisten, wenigstens theilweise, zu normieren versucht worden. So sehn wir also hier das ius talionis durchaus nicht unantastbar bestehn; und noch Asoko, der kein stammelnder Moralprediger, wofür ihn der Unverstand hält, sondern selbstbewusst wie ALEXANDERjeder Zoll ein König war, dieser in Krieg und Frieden gleich große, man muss wirklich sagen ideale Monarch berichtet auf seinem V. Säulenedikt i. f., er habe fünfundzwanzigmal seit seiner Thronbesteigung (d. i. jedes Jahr) eine Anzahl Verbrecher begnadigt. Aber eben nur eine Anzahl: wie die Stelle im IV. Säulenedikt besagt, wonāsaṃtaṃals acc. sing. part. praes. act. von √naśzu erklären ist, undjīvitāye tānaṃ nāsaṃtaṃ va nijhapayitavewörtlich heißt, man lässt (die Hinzurichtenden,patavadhā) an das eilige Schwinden ihrer Lebensfrist denken, d. h., wie Asoko des näheren ausführt, drei Tage lang in Gesellschaft ihrer Angehörigen auf den Tod sich vorbereiten, durch Einkehr in sich, Hingabe des letzten Besitzes und Fasten im Anblick des nahen Endes. »Denn mein Wunsch ist es«, so schließt der König dieses Edikt, »dass man also selbst bei der Hinrichtung sich mit dem Jenseits versöhnen kann. Das Volk aber gedeihe vielfach im rechten Wandel, beherrsche sich, reiche Almosen dar.«
[161]Das selbe Gleichniss »ex domo in domum videri migrare« bei CORNELIUSNEPOS, Atticus i. f.[162]na kulejeṭṭhāpaccāyī, i. e.na kule jeṭṭhā[ya] paccāyī. — Vergl. das sinngemäßegurūnaṃ apaciti, vuḍh[ā]naṃ suśruṣ[ā]etc. bei Asoko, Felsenedikt IX, IV, Säulenedikt VII, 2,8.
[161]Das selbe Gleichniss »ex domo in domum videri migrare« bei CORNELIUSNEPOS, Atticus i. f.
[162]na kulejeṭṭhāpaccāyī, i. e.na kule jeṭṭhā[ya] paccāyī. — Vergl. das sinngemäßegurūnaṃ apaciti, vuḍh[ā]naṃ suśruṣ[ā]etc. bei Asoko, Felsenedikt IX, IV, Säulenedikt VII, 2,8.
[163]mahallako, wörtlich: groß geworden, d. i. in das Alter der Reife eingetreten sein: nicht etwa in das Greisenalter, wie die nordbuddhistischen Lexikographen vermeint haben. Vergl.mahilā=adulta;āyuṣmān, in aetatem esse, etc. — Aehnlich heißt bei uns »zu seinen Jahren gekommen sein« zunächst nur, das Alter der Pubertät erreicht haben: wie z. B. der Sachsenspiegel 1, 42 ausdrücklich erklärt.
[163]mahallako, wörtlich: groß geworden, d. i. in das Alter der Reife eingetreten sein: nicht etwa in das Greisenalter, wie die nordbuddhistischen Lexikographen vermeint haben. Vergl.mahilā=adulta;āyuṣmān, in aetatem esse, etc. — Aehnlich heißt bei uns »zu seinen Jahren gekommen sein« zunächst nur, das Alter der Pubertät erreicht haben: wie z. B. der Sachsenspiegel 1, 42 ausdrücklich erklärt.
[164]Genau so der platonische Mythos, den SOKRATES, im Gorgias p. 523/4, vorträgt, wo RHADAMANTHYS, »der Richter aus Asien«, den nackten Geist des Verstorbenen, ερημον παντων των συγγενον και καταλιποντα επι της γης παντα εκεινον τον κοσμον, der gerechten Krisis überantwortet. Noch schöner, ohne Mythos, nur klarManusIV, 239–241; Raṭṭhapālo in der 82. Rede.Jene häufige Übereinstimmung mit den Griechen ist schon dem feinsinnigen Forscher und Beobachter MEGASTHENESaufgefallen, der da, bei STRABOp. 713, von den Indern sagt: περι πολλων δε τοις Ἑλλησιν ὁμοδοξεινπαραπ, und bald darauf, gerade als ob er unsere obige Stelle im Sinne hätte, fortfährt: παραπλεκουσι δε και μυθους, ὡσπερ και Πλατων περι τε αφθαρσιας ψυχηςκαι των παθ’ ᾁδου κρισεων, και αλλα τοιαυτα. — Vergl. übrigens das altägyptische Todtengericht.Geistesverwandt sind bei SHAKESPEAREthe visible spirits of the heavens, thejusticers, Lear IV, 2.
[164]Genau so der platonische Mythos, den SOKRATES, im Gorgias p. 523/4, vorträgt, wo RHADAMANTHYS, »der Richter aus Asien«, den nackten Geist des Verstorbenen, ερημον παντων των συγγενον και καταλιποντα επι της γης παντα εκεινον τον κοσμον, der gerechten Krisis überantwortet. Noch schöner, ohne Mythos, nur klarManusIV, 239–241; Raṭṭhapālo in der 82. Rede.
Jene häufige Übereinstimmung mit den Griechen ist schon dem feinsinnigen Forscher und Beobachter MEGASTHENESaufgefallen, der da, bei STRABOp. 713, von den Indern sagt: περι πολλων δε τοις Ἑλλησιν ὁμοδοξεινπαραπ, und bald darauf, gerade als ob er unsere obige Stelle im Sinne hätte, fortfährt: παραπλεκουσι δε και μυθους, ὡσπερ και Πλατων περι τε αφθαρσιας ψυχηςκαι των παθ’ ᾁδου κρισεων, και αλλα τοιαυτα. — Vergl. übrigens das altägyptische Todtengericht.
Geistesverwandt sind bei SHAKESPEAREthe visible spirits of the heavens, thejusticers, Lear IV, 2.
[165]Zum letzten Götterboten, dem Lehrer Tod, dem Musageten der Philosophie, wie er von SCHOPENHAUERnach der berühmten sokratischen Definition genannt wird, cf. Lieder der Mönche Seite 285 Anm. 1. — Wie oben der Richter der Schatten im Dialoge die reflektierende Frage stellt, genau entsprechend lässt PETRARCAim ersten Dialoge De contemptu mundi seinen Augustinus, als ob er eben jene Frage vernommen, antworten: »dum aequaevum quisque comitatur ad sepulchrum, necesse est, ipse etiam ad alieni casus praecipitium contremiscat, et de se incipiat esse sollicitus. — Eo autem vehementius movebitur qui iuniorem, qui validiorem formosioremque videat repentina morte subtractum, sese ante circumspiciet et dicet: securius hic habitare videbatur, et tamen eiectus est, nec aetas profuit nec forma nec robur: mihi securitatem quis spopondit deusve magusve? Mortalis sum profecto.« — Und merkwürdig: die selbe Anschauung findet sich, etwa ein viertel Jahrtausend später, beim gewaltigen Demiourgen des Rinascimento, dem Künstler, von dem VASARIgesagt hat, »non nasceva pensiero in lui, che non vi fusse scolpita la morte«, also bei MICHELANGELOwieder, der, gleichfalls in einem seiner Dialoge, nachdem er in bekannter Weise tiefernst gelächelt, »Io vi dico che in questo mondo è da piangere«, dann fortfährt: »bisogna pensare alla morte. Questo pensiero è solo quello che ci fa riconoscere noi medesimi, che ci mantiene in noi uniti, senza lasciarci rubare dai parenti, dagli amici, dai gran maestri, dall’ ambizione, dall’ avarizia, e dagli altri vizii e peccati, che l’uomo all’uomo rubano, e lo tengono disperso e dissipato, senza mai lasciarlo ritrovarsi e riunirsi. Ed è meraviglioso l’effetto di questo pensiero della morte; il quale, distruggendo ella per natura sua tutte le cose, conserva e mantiene coloro che a lei pensano, e da tutte le umane passioni li difende.« Und noch einmal merkwürdig: wiederum etwa ein viertel Jahrtausend später hat der herrlichste aller Melodiker, also MOZART, dessen Werk allmälig von KÖCHELund JAHNerschlossen zwar heute noch recht ungekannt ist, in der Blüthe seines 31. Jahres genau das Selbe ausgesprochen, hat den Tod als »Schlüssel zu unserer wahren Glücksäligkeit« bezeichnet, und gesagt: »da der Tod, genau zu nehmen, der wahre Endzweck unseres Lebens ist, so habe ich mich seit ein paar Jahren mit diesem wahren, besten Freunde des Menschen so bekannt gemacht, dass sein Bild nicht allein nichts Schreckendes mehr für mich hat, sondern recht viel Beruhigendes und Tröstendes.«Den schlichtesten Auszug der letzten Götterbotschaft geben vielleicht die Lieder der Mönche Seite 173, wo es heißt »Ein einzig Tüchlein deckt ihn, das ist alles, Am Hingeschiednen haftet keine Habe« etc.; sowie der alte Spruch:Povre et riche, par tout le mont,De tout l’avoir qu’assamblé ont,Qu’enportent ils quant ils s’en vont?Un drapelet tant seulement.
[165]Zum letzten Götterboten, dem Lehrer Tod, dem Musageten der Philosophie, wie er von SCHOPENHAUERnach der berühmten sokratischen Definition genannt wird, cf. Lieder der Mönche Seite 285 Anm. 1. — Wie oben der Richter der Schatten im Dialoge die reflektierende Frage stellt, genau entsprechend lässt PETRARCAim ersten Dialoge De contemptu mundi seinen Augustinus, als ob er eben jene Frage vernommen, antworten: »dum aequaevum quisque comitatur ad sepulchrum, necesse est, ipse etiam ad alieni casus praecipitium contremiscat, et de se incipiat esse sollicitus. — Eo autem vehementius movebitur qui iuniorem, qui validiorem formosioremque videat repentina morte subtractum, sese ante circumspiciet et dicet: securius hic habitare videbatur, et tamen eiectus est, nec aetas profuit nec forma nec robur: mihi securitatem quis spopondit deusve magusve? Mortalis sum profecto.« — Und merkwürdig: die selbe Anschauung findet sich, etwa ein viertel Jahrtausend später, beim gewaltigen Demiourgen des Rinascimento, dem Künstler, von dem VASARIgesagt hat, »non nasceva pensiero in lui, che non vi fusse scolpita la morte«, also bei MICHELANGELOwieder, der, gleichfalls in einem seiner Dialoge, nachdem er in bekannter Weise tiefernst gelächelt, »Io vi dico che in questo mondo è da piangere«, dann fortfährt: »bisogna pensare alla morte. Questo pensiero è solo quello che ci fa riconoscere noi medesimi, che ci mantiene in noi uniti, senza lasciarci rubare dai parenti, dagli amici, dai gran maestri, dall’ ambizione, dall’ avarizia, e dagli altri vizii e peccati, che l’uomo all’uomo rubano, e lo tengono disperso e dissipato, senza mai lasciarlo ritrovarsi e riunirsi. Ed è meraviglioso l’effetto di questo pensiero della morte; il quale, distruggendo ella per natura sua tutte le cose, conserva e mantiene coloro che a lei pensano, e da tutte le umane passioni li difende.« Und noch einmal merkwürdig: wiederum etwa ein viertel Jahrtausend später hat der herrlichste aller Melodiker, also MOZART, dessen Werk allmälig von KÖCHELund JAHNerschlossen zwar heute noch recht ungekannt ist, in der Blüthe seines 31. Jahres genau das Selbe ausgesprochen, hat den Tod als »Schlüssel zu unserer wahren Glücksäligkeit« bezeichnet, und gesagt: »da der Tod, genau zu nehmen, der wahre Endzweck unseres Lebens ist, so habe ich mich seit ein paar Jahren mit diesem wahren, besten Freunde des Menschen so bekannt gemacht, dass sein Bild nicht allein nichts Schreckendes mehr für mich hat, sondern recht viel Beruhigendes und Tröstendes.«
Den schlichtesten Auszug der letzten Götterbotschaft geben vielleicht die Lieder der Mönche Seite 173, wo es heißt »Ein einzig Tüchlein deckt ihn, das ist alles, Am Hingeschiednen haftet keine Habe« etc.; sowie der alte Spruch:
Povre et riche, par tout le mont,De tout l’avoir qu’assamblé ont,Qu’enportent ils quant ils s’en vont?Un drapelet tant seulement.
Povre et riche, par tout le mont,De tout l’avoir qu’assamblé ont,Qu’enportent ils quant ils s’en vont?Un drapelet tant seulement.
Povre et riche, par tout le mont,De tout l’avoir qu’assamblé ont,Qu’enportent ils quant ils s’en vont?Un drapelet tant seulement.
Povre et riche, par tout le mont,
De tout l’avoir qu’assamblé ont,
Qu’enportent ils quant ils s’en vont?
Un drapelet tant seulement.
[166]Vergl. PLATON, Rep. X. No. 14; die Höllenschilderung und den Feuerwirbelsturm imFaust, 2. Theil, bei der Grablegung,Die rothe Brandung schlägt hervor etc.
[166]Vergl. PLATON, Rep. X. No. 14; die Höllenschilderung und den Feuerwirbelsturm imFaust, 2. Theil, bei der Grablegung,
Die rothe Brandung schlägt hervor etc.
Die rothe Brandung schlägt hervor etc.
Die rothe Brandung schlägt hervor etc.
Die rothe Brandung schlägt hervor etc.
[167]Ειτα βορβορον πολυν και σκωρ αεινων· εν δε τουτῳ κειμενους κτλ. ARISTOPHANES, Batr. 145/6. Von PLATONals alte Ueberlieferung bezeichnet Phaid. p. 69.
[167]Ειτα βορβορον πολυν και σκωρ αεινων· εν δε τουτῳ κειμενους κτλ. ARISTOPHANES, Batr. 145/6. Von PLATONals alte Ueberlieferung bezeichnet Phaid. p. 69.
[168]Ir vleisch die maden âzen | unz ûf daz gebeine. KONRAD, Der werlte lôn 222/3.
[168]Ir vleisch die maden âzen | unz ûf daz gebeine. KONRAD, Der werlte lôn 222/3.
[169]kukkulanirayo,kukkuranirayo=sārameyādanam, der Hundehölle desBhāgavatapurāṇamV, 26,7; cf. die uralten Höllenhunde desṚg-undAtharvavedas, auch den hesiodischen Κερβερον ωμηστην Αϊδεω κυνα πεντηκοντακεφαλον. Dann: Aen. VI. 417 ff.; Inferno VI, 13 ff.: »Cerbero, fiera crudele e diversa... graffia gli spirti gli scuoia, ed isquatra.« Ebenso hat DANTEdie anderen mehr oder minder traumhaften Höllen, die gleichfalls imBhāgavatapurāṇaml. c., beiManusetc. etc. kurz angedeutet sind, wahrscheinlich vermittelst der sog. Paulusapokalypse überkommen und seiner katholischen Komödie kunstvoll eingefügt. — Auch die höllischen »dogs of war« im Julius Caesar, III, 1,273, gehören hierher.
[169]kukkulanirayo,kukkuranirayo=sārameyādanam, der Hundehölle desBhāgavatapurāṇamV, 26,7; cf. die uralten Höllenhunde desṚg-undAtharvavedas, auch den hesiodischen Κερβερον ωμηστην Αϊδεω κυνα πεντηκοντακεφαλον. Dann: Aen. VI. 417 ff.; Inferno VI, 13 ff.: »Cerbero, fiera crudele e diversa... graffia gli spirti gli scuoia, ed isquatra.« Ebenso hat DANTEdie anderen mehr oder minder traumhaften Höllen, die gleichfalls imBhāgavatapurāṇaml. c., beiManusetc. etc. kurz angedeutet sind, wahrscheinlich vermittelst der sog. Paulusapokalypse überkommen und seiner katholischen Komödie kunstvoll eingefügt. — Auch die höllischen »dogs of war« im Julius Caesar, III, 1,273, gehören hierher.
[170]Vergl. die Stygia unda, Aen. VI, 385, bis hinauf zur δεινη Στυξ des HESIOD, Theog. 776͠=demvāḍavam der Smṛti.
[170]Vergl. die Stygia unda, Aen. VI, 385, bis hinauf zur δεινη Στυξ des HESIOD, Theog. 776͠=demvāḍavam der Smṛti.
[171]Vergl.ManausVIII, 271:niḥkṣepyo ’yomayaḥ śaṉkur jvalann āsye daśāṉgulaḥ, mit dem Kommentarlohakīlo ’gninā pradīpto daśāṉgulo mukheṣu kṣeptavyaḥ.— Analog bei uns der nicht etwa nur dantesk visionäre sondern realchristliche »Schwedentrunk«, im dreißigjährigen Kriege vom rechtgläubigen Soldaten dem geplünderten Bauer mit Vorliebe verabfolgt, indem er ihn fesselte, zu Boden warf, ihm ein Sperrholz in den Mund steckte, einen Melkkübel Mistjauche in den Magen goß und ihm dann auf den Bauch trat, dass es wieder herausspritzte: cf. GRIMMSWörterbuch s. v. Schwedentrunk,Simplicissimus I, 4, und zumal des Dr. LAMMERTGeschichte der Seuchen, Hungers- und Kriegsnoth etc. Wiesbaden 1890, S. 132, wo aus einer handschriftlichen Chronik noch viel andere, jeder Phantasie spottende Gräuel enthüllt werden, »unerhörte Martter, davon auch der teuffel in der höll mit Wissenschaft haben mochte, so sie den Menschen angethan.« Auch aus neuerer Zeit erzählen Augenzeugen wie treu noch unsere vereinigten apostolischen Streiter in China höllische Art bewährt haben.Man hat gelegentlich gesagt, die Inder gefielen sich in überschwänglicher Höllenphantasie. Aber leider ist nicht nur unser „Schwedentrunk“ einer teuflischen Wirklichkeit bedenklich nahegekommen. Zahllose Beispiele erscheinen als leibhaftige Zeugen, beweisen wie genau jene Alten ja nicht den satanischen sondern eben den menschlichen Geist auch auf diesem Gebiete beobachtet und geschildert haben. Wir Deutsche stehn da gar nicht so fern ab, wie man meinen möchte, und können uns schon etliche der Akten verrathen lassen, die Dr. LAMMERTein langes Leben hindurch aus Archiven und Urkunden unermüdlich zusammengetragen hat: und manche Zweifel an höllischer Objektität werden da schwinden. Man vergegenwärtige sich etwa folgende typische Fälle, aus tausenden gleicher herausgegriffen, und sei dabei der kantischen Lehre von der Idealität des Raumes und der Zeit wohl eingedenk. Der kgl. Bezirksarzt Dr. LAMMERTalso berichtet l. c. S. 174 f.: „So meldet die Augsburger Chronik am 17. Mai 1634: »Die speerreiterische Soldaten haussen in schwaben sehr tyrannisch, tractieren die bauren mit köpff Reitlen, wasser eingießen, die Mäuler bis auf die Ohren aufschneiden u. dergl.« S. 193 ff.: In Landau und Umgegend steigerte sich der Hunger so, dass die Leichen aus den Gräbern gestohlen und verzehrt wurden. »Auch Lebende wurden hin und her erschlagen und verzehrt; so schlachtete eine Frau ihr eigenes Kind, salzte es ein, verzehrte es; sie starb darüber im Gefängniss.« Nahe bei Zweibrücken stritten zwei Weiber um den Besitz eines von Würmern bedeckten Stückes Aas, wobei eine die andere erwürgte. Rudelweise durchzogen die Wölfe Elsass und Kurpfalz und die sonst blühenden Landstriche hatten das Aussehen verödeter Kirchhöfe. Der Rektor GOTTFRIEDANDREÄ(von Worms) erzählt in seiner Lebensbeschreibung, dass sich die Leute vor den Bäckerläden einander todt gedrückt haben und dass der Magistrat auch hier den Kirchhof mit einer Wache hat versehen müssen; zur selben Zeit sah genannter Rektor vor dem Thore ein todtes Pferd liegen, »dabei sich eine Weibsperson befand, welche das Fleisch abschnitt, in ihr Fürtuch nahm und zugleich roh davon aß, dabei etliche Hunde, welche an der Mitte des Pferdes fraßen und auf dem Kopfe desselben unterschiedliche Raben.« Graf JOHANN VONNASSAU-SAARBRÜCKENsagt in seinem Schreiben an Kaiser FERDINANDaus eigener Erfahrung, dass er in Städte, Flecken und Dörfer gekommen sei, da nicht ein Haus gefunden worden, darin nicht ein vor Hunger verschmachteter Körper gelegen wäre. »Ja, ich habe gesehen, dass die Leut vor Hunger nicht allein allerhand unnatürliche Speisen und sich untereinander selbst aufgefressen, sondern rasend worden, wie die unvernünftigen Thiere, die Sprach verloren, dagegen als Hund und Wölf geheult, nicht mehr aufrecht, sondern auf allen Vieren gelaufen.« CALMETin seiner Geschichte von Lothringen berichtet aus dieser Zeit zum Jahre 1638: Der Hunger war so groß, dass die Menschen Aas, und zuletzt sich selbst aufzehrten. Der Sohn vergriff sich an der Leiche des Vaters, der Vater an jener des Kindes, die Mutter an der Leiche der Tochter, der Reisende schlief nicht sicher neben seinem Reisegefährten, aus Furcht, dass er ihn todtschlage, um an ihm den Hunger zu stillen. Auch in der Mainzer Gegend haben sie (nach KHEVENHILLER) »die Gottesäcker durchsucht, die Gräber aufgebrochen, die Hochgerichte erstiegen und die Todten zur Speise genommen.« S. 219: In Ruppertshofen und Castorf waren alle Männer gestorben. Die Kuhhirtin in Ruppertshofen »hat von ihrem todten Manne gerissen und geschnitten, solches gekocht und mit ihren Kindern gegessen; auch ihrem Vater die Schenkel abgehauen, gewaschen, gekocht, dergleichen den Kopf aufgethan, gesotten und gefressen. Als sie gefragt worden, wie es geschmeckt, hat sie geantwortet, wenn sie nur ein wenig Salz dazu gehabt hätte, hätt’ es gut geschmeckt.« Der Kommandant von Rheinfels, Junker GEORGPHIL.VONBUSECK, hat dies nach genauem Erforschen wahr befunden. Dergleichen Jammerszenen sollen auch in anderen Gegenden, am Rhein, Main, an der Lahn, Dill und Sieg vorgekommen sein. S. 228 f.: Im Fuldaischen und Koburgischen bildeten sich »sogar förmliche Mordbanden, welche in Höhlen oder leerstehenden Häusern wohnten und von diesen aus auf Menschenraub ausgingen.« »Wie im vergangenen, so schlachteten auch in diesem Jahre Mütter ihre Kinder und verzehrten sie, während sich andere ertränkten.« — »Haufen Bettler lauerten auf die Vorübergehenden und tödteten sie, wie denn bei Worms eine solche Bande von ihrem Feuer verjagt und in den Töpfen die schaurigen Ueberbleibsel von Händen und Füßen gefunden wurden.« S. 239: Gefangene, im Stockhause verwahrte weimarische Soldaten, litten so große Noth, dass sie die vor Hunger gestorbenen Kameraden roh auffraßen. S. 132: Vernehmen wir, zu weiterer Beleuchtung des Zeitbildes, noch eine Stimme jener Leidensgenossen über die bestialische Raffiniertheit, mit welcher die schutzlosen Leute von den Mordgesellen gequält, geschunden und zum Tode gebracht wurden. »Zu dieser Zeit«, berichtet eine handschriftliche Chronik von Redwitz, »gieng jammer und Noth an in Unsrem Lande, vnd hat gewehret bis uff das 1637. Jahr, do man den baldt nichts anderst hörte, alss Rauben, stelen, Morden, brennen vnd sengen, die armen Leuth wurden niedergehauen, gestochen, geschossen, auch geraitelt, vielen die Augen ausgestochen, Arm vnd Beine entzwey geschlagen, Ohren vnd Nasen, auch Männliche Glieder vnd Säugende Brüst wurden ab- vnd ausgeschnitten, ettliche von Ferne beim Feuer gebratten, theils im Rauchschloth vffgehenket vnd Fever vnter sie geschieret, ettliche in die Backöffen gestossen, stroh fürgemacht vnd angezündet, Khün vnd schweffel vnter die Nägel gestecket vnd angezündet, die Daumen geschraubet, spitzige Knöbel ins Maul gestecket, dass das Bluth hauffenweiss herauss geloffen, hernacher den gantzen leib, durch den Mundt, mit Urin und Mistwasser gefüllet, die Fuesssohlen aufgeschnitten, hernach Salz hineingestreuet, Riemen auss den leibern geschnitten, und vielen die Rippen in den leib entzwey geschlagen, Jn Summa die grosse pein vnd vorhin unerhörte Martter (davon auch der teuffel in der höll mit Wissenschaft haben mochte) so sie den Menschen angethan, biss sie gestorben vnd verschmachtet oder presshaft worden, ist nicht zu schreiben.«“Das wären denn einige flüchtige Streiflichter in unsere eigene Hölle einer verwichenen Zeit, gräulich genug, um uns die kokytischen Welten der Heiden nicht mehr so fremdartig wie dem Mephistopheles dämmern zu lassen. Andeutungen höllischer Phänomene aus der Gegenwart aber sind ebensowenig da wie dort verschieden: vergl. das unverblümte Wort im Wahrheitpfade1S. 155.
[171]Vergl.ManausVIII, 271:niḥkṣepyo ’yomayaḥ śaṉkur jvalann āsye daśāṉgulaḥ, mit dem Kommentarlohakīlo ’gninā pradīpto daśāṉgulo mukheṣu kṣeptavyaḥ.— Analog bei uns der nicht etwa nur dantesk visionäre sondern realchristliche »Schwedentrunk«, im dreißigjährigen Kriege vom rechtgläubigen Soldaten dem geplünderten Bauer mit Vorliebe verabfolgt, indem er ihn fesselte, zu Boden warf, ihm ein Sperrholz in den Mund steckte, einen Melkkübel Mistjauche in den Magen goß und ihm dann auf den Bauch trat, dass es wieder herausspritzte: cf. GRIMMSWörterbuch s. v. Schwedentrunk,Simplicissimus I, 4, und zumal des Dr. LAMMERTGeschichte der Seuchen, Hungers- und Kriegsnoth etc. Wiesbaden 1890, S. 132, wo aus einer handschriftlichen Chronik noch viel andere, jeder Phantasie spottende Gräuel enthüllt werden, »unerhörte Martter, davon auch der teuffel in der höll mit Wissenschaft haben mochte, so sie den Menschen angethan.« Auch aus neuerer Zeit erzählen Augenzeugen wie treu noch unsere vereinigten apostolischen Streiter in China höllische Art bewährt haben.
Man hat gelegentlich gesagt, die Inder gefielen sich in überschwänglicher Höllenphantasie. Aber leider ist nicht nur unser „Schwedentrunk“ einer teuflischen Wirklichkeit bedenklich nahegekommen. Zahllose Beispiele erscheinen als leibhaftige Zeugen, beweisen wie genau jene Alten ja nicht den satanischen sondern eben den menschlichen Geist auch auf diesem Gebiete beobachtet und geschildert haben. Wir Deutsche stehn da gar nicht so fern ab, wie man meinen möchte, und können uns schon etliche der Akten verrathen lassen, die Dr. LAMMERTein langes Leben hindurch aus Archiven und Urkunden unermüdlich zusammengetragen hat: und manche Zweifel an höllischer Objektität werden da schwinden. Man vergegenwärtige sich etwa folgende typische Fälle, aus tausenden gleicher herausgegriffen, und sei dabei der kantischen Lehre von der Idealität des Raumes und der Zeit wohl eingedenk. Der kgl. Bezirksarzt Dr. LAMMERTalso berichtet l. c. S. 174 f.: „So meldet die Augsburger Chronik am 17. Mai 1634: »Die speerreiterische Soldaten haussen in schwaben sehr tyrannisch, tractieren die bauren mit köpff Reitlen, wasser eingießen, die Mäuler bis auf die Ohren aufschneiden u. dergl.« S. 193 ff.: In Landau und Umgegend steigerte sich der Hunger so, dass die Leichen aus den Gräbern gestohlen und verzehrt wurden. »Auch Lebende wurden hin und her erschlagen und verzehrt; so schlachtete eine Frau ihr eigenes Kind, salzte es ein, verzehrte es; sie starb darüber im Gefängniss.« Nahe bei Zweibrücken stritten zwei Weiber um den Besitz eines von Würmern bedeckten Stückes Aas, wobei eine die andere erwürgte. Rudelweise durchzogen die Wölfe Elsass und Kurpfalz und die sonst blühenden Landstriche hatten das Aussehen verödeter Kirchhöfe. Der Rektor GOTTFRIEDANDREÄ(von Worms) erzählt in seiner Lebensbeschreibung, dass sich die Leute vor den Bäckerläden einander todt gedrückt haben und dass der Magistrat auch hier den Kirchhof mit einer Wache hat versehen müssen; zur selben Zeit sah genannter Rektor vor dem Thore ein todtes Pferd liegen, »dabei sich eine Weibsperson befand, welche das Fleisch abschnitt, in ihr Fürtuch nahm und zugleich roh davon aß, dabei etliche Hunde, welche an der Mitte des Pferdes fraßen und auf dem Kopfe desselben unterschiedliche Raben.« Graf JOHANN VONNASSAU-SAARBRÜCKENsagt in seinem Schreiben an Kaiser FERDINANDaus eigener Erfahrung, dass er in Städte, Flecken und Dörfer gekommen sei, da nicht ein Haus gefunden worden, darin nicht ein vor Hunger verschmachteter Körper gelegen wäre. »Ja, ich habe gesehen, dass die Leut vor Hunger nicht allein allerhand unnatürliche Speisen und sich untereinander selbst aufgefressen, sondern rasend worden, wie die unvernünftigen Thiere, die Sprach verloren, dagegen als Hund und Wölf geheult, nicht mehr aufrecht, sondern auf allen Vieren gelaufen.« CALMETin seiner Geschichte von Lothringen berichtet aus dieser Zeit zum Jahre 1638: Der Hunger war so groß, dass die Menschen Aas, und zuletzt sich selbst aufzehrten. Der Sohn vergriff sich an der Leiche des Vaters, der Vater an jener des Kindes, die Mutter an der Leiche der Tochter, der Reisende schlief nicht sicher neben seinem Reisegefährten, aus Furcht, dass er ihn todtschlage, um an ihm den Hunger zu stillen. Auch in der Mainzer Gegend haben sie (nach KHEVENHILLER) »die Gottesäcker durchsucht, die Gräber aufgebrochen, die Hochgerichte erstiegen und die Todten zur Speise genommen.« S. 219: In Ruppertshofen und Castorf waren alle Männer gestorben. Die Kuhhirtin in Ruppertshofen »hat von ihrem todten Manne gerissen und geschnitten, solches gekocht und mit ihren Kindern gegessen; auch ihrem Vater die Schenkel abgehauen, gewaschen, gekocht, dergleichen den Kopf aufgethan, gesotten und gefressen. Als sie gefragt worden, wie es geschmeckt, hat sie geantwortet, wenn sie nur ein wenig Salz dazu gehabt hätte, hätt’ es gut geschmeckt.« Der Kommandant von Rheinfels, Junker GEORGPHIL.VONBUSECK, hat dies nach genauem Erforschen wahr befunden. Dergleichen Jammerszenen sollen auch in anderen Gegenden, am Rhein, Main, an der Lahn, Dill und Sieg vorgekommen sein. S. 228 f.: Im Fuldaischen und Koburgischen bildeten sich »sogar förmliche Mordbanden, welche in Höhlen oder leerstehenden Häusern wohnten und von diesen aus auf Menschenraub ausgingen.« »Wie im vergangenen, so schlachteten auch in diesem Jahre Mütter ihre Kinder und verzehrten sie, während sich andere ertränkten.« — »Haufen Bettler lauerten auf die Vorübergehenden und tödteten sie, wie denn bei Worms eine solche Bande von ihrem Feuer verjagt und in den Töpfen die schaurigen Ueberbleibsel von Händen und Füßen gefunden wurden.« S. 239: Gefangene, im Stockhause verwahrte weimarische Soldaten, litten so große Noth, dass sie die vor Hunger gestorbenen Kameraden roh auffraßen. S. 132: Vernehmen wir, zu weiterer Beleuchtung des Zeitbildes, noch eine Stimme jener Leidensgenossen über die bestialische Raffiniertheit, mit welcher die schutzlosen Leute von den Mordgesellen gequält, geschunden und zum Tode gebracht wurden. »Zu dieser Zeit«, berichtet eine handschriftliche Chronik von Redwitz, »gieng jammer und Noth an in Unsrem Lande, vnd hat gewehret bis uff das 1637. Jahr, do man den baldt nichts anderst hörte, alss Rauben, stelen, Morden, brennen vnd sengen, die armen Leuth wurden niedergehauen, gestochen, geschossen, auch geraitelt, vielen die Augen ausgestochen, Arm vnd Beine entzwey geschlagen, Ohren vnd Nasen, auch Männliche Glieder vnd Säugende Brüst wurden ab- vnd ausgeschnitten, ettliche von Ferne beim Feuer gebratten, theils im Rauchschloth vffgehenket vnd Fever vnter sie geschieret, ettliche in die Backöffen gestossen, stroh fürgemacht vnd angezündet, Khün vnd schweffel vnter die Nägel gestecket vnd angezündet, die Daumen geschraubet, spitzige Knöbel ins Maul gestecket, dass das Bluth hauffenweiss herauss geloffen, hernacher den gantzen leib, durch den Mundt, mit Urin und Mistwasser gefüllet, die Fuesssohlen aufgeschnitten, hernach Salz hineingestreuet, Riemen auss den leibern geschnitten, und vielen die Rippen in den leib entzwey geschlagen, Jn Summa die grosse pein vnd vorhin unerhörte Martter (davon auch der teuffel in der höll mit Wissenschaft haben mochte) so sie den Menschen angethan, biss sie gestorben vnd verschmachtet oder presshaft worden, ist nicht zu schreiben.«“
Das wären denn einige flüchtige Streiflichter in unsere eigene Hölle einer verwichenen Zeit, gräulich genug, um uns die kokytischen Welten der Heiden nicht mehr so fremdartig wie dem Mephistopheles dämmern zu lassen. Andeutungen höllischer Phänomene aus der Gegenwart aber sind ebensowenig da wie dort verschieden: vergl. das unverblümte Wort im Wahrheitpfade1S. 155.
[172]Vergl. des DIONYSIUSUeberfahrt in das ungeschaffene Leben, bei ECKHARTp. 530.Das schmerzlich bewegte Aufseufzen des Richters der Schatten, am Ende obiger Symphonia horrifica, erinnert im letzten fernen Grunde an das berühmte, von SCHOPENHAUER, I § 57 i. m., interpretierte ῳμωξεν ιδων εις ουρανον ευρυν des unerbittlich vergeltenden Peliden, Mitte der XXI. Ilias. — Cf. noch Lieder der Mönche v. 217/218.
[172]Vergl. des DIONYSIUSUeberfahrt in das ungeschaffene Leben, bei ECKHARTp. 530.
Das schmerzlich bewegte Aufseufzen des Richters der Schatten, am Ende obiger Symphonia horrifica, erinnert im letzten fernen Grunde an das berühmte, von SCHOPENHAUER, I § 57 i. m., interpretierte ῳμωξεν ιδων εις ουρανον ευρυν des unerbittlich vergeltenden Peliden, Mitte der XXI. Ilias. — Cf. noch Lieder der Mönche v. 217/218.
[173]Mit dem siam. Textetaṃ viddhāzu lesen; cf.Muṇḍakopan. II, 2,2:tad veddhavyaṃ(cetasā bhāvanīyam), ib.4:apramattena veddhavyaṃ śaravat.
[173]Mit dem siam. Textetaṃ viddhāzu lesen; cf.Muṇḍakopan. II, 2,2:tad veddhavyaṃ(cetasā bhāvanīyam), ib.4:apramattena veddhavyaṃ śaravat.
[174]VoncandoMond; vergl.HaimadhātupārāyaṇamI, 313candati dīpyate āhlādayati ca, und die beliebten nom. person. deriv.Candrasomaharidattādi, e. g. auchTheragāthā299Candanound denCandranavihāras, bei FOUCHER, Iconographie bouddhique, Paris 1900, p. 62.
[174]VoncandoMond; vergl.HaimadhātupārāyaṇamI, 313candati dīpyate āhlādayati ca, und die beliebten nom. person. deriv.Candrasomaharidattādi, e. g. auchTheragāthā299Candanound denCandranavihāras, bei FOUCHER, Iconographie bouddhique, Paris 1900, p. 62.
[175]Von dem hier so oft genannten Kampfe ζξοχα πβντων gilt Asokos Wort vomdhammavijayo, dem wahren Siege, welchem gegenüber jeder andere, und noch so ungeheuere — der König spricht als Eroberer ganz Hindustans, von Baktrien bis Zeilon, vom Ganges bis zum Indus — nur von recht geringem Geschmacke ist; derdhammavijayoallein, sagt Asoko als erfahrener Held auf dem XIII. Felsenedikt, Girnār l. 11, istsa-rasako, mit ächtem Geschmacke begabt: und nur ihn kann man für sättigend und beschwichtigend halten, den wahren Sieg.Dasmaraṇaṃ suve=demśvomaraṇaṃderSmṛti, e. g.MahābhāratamXII, 152,12, »morgen todt«. — Vergl. JAKOBSEpist. 4,14, Korinther I, 15,30&55, und den Scheidegruß des Eremiten ANTONIOS, Anm. 27, ferner das Adagium στιγμω χρονου, von DEMETRIOSPHALEREUSüberliefert, und GOETHE, Aus meinem Leben I, 3 i. m. Auch den schönen Spruch »Chi tempo aspetta, tempo perde«, bei RINALDOD’AQUINO, um 1250; sowie das Wort des Königs D. Rodrigo, im D. Quijote II, 26 i. m.:Ayer fuí señor de España,Y hoy no tengo una almenaQue pueda decir que es mia.
[175]Von dem hier so oft genannten Kampfe ζξοχα πβντων gilt Asokos Wort vomdhammavijayo, dem wahren Siege, welchem gegenüber jeder andere, und noch so ungeheuere — der König spricht als Eroberer ganz Hindustans, von Baktrien bis Zeilon, vom Ganges bis zum Indus — nur von recht geringem Geschmacke ist; derdhammavijayoallein, sagt Asoko als erfahrener Held auf dem XIII. Felsenedikt, Girnār l. 11, istsa-rasako, mit ächtem Geschmacke begabt: und nur ihn kann man für sättigend und beschwichtigend halten, den wahren Sieg.
Dasmaraṇaṃ suve=demśvomaraṇaṃderSmṛti, e. g.MahābhāratamXII, 152,12, »morgen todt«. — Vergl. JAKOBSEpist. 4,14, Korinther I, 15,30&55, und den Scheidegruß des Eremiten ANTONIOS, Anm. 27, ferner das Adagium στιγμω χρονου, von DEMETRIOSPHALEREUSüberliefert, und GOETHE, Aus meinem Leben I, 3 i. m. Auch den schönen Spruch »Chi tempo aspetta, tempo perde«, bei RINALDOD’AQUINO, um 1250; sowie das Wort des Königs D. Rodrigo, im D. Quijote II, 26 i. m.:
Ayer fuí señor de España,Y hoy no tengo una almenaQue pueda decir que es mia.
Ayer fuí señor de España,Y hoy no tengo una almenaQue pueda decir que es mia.
Ayer fuí señor de España,Y hoy no tengo una almenaQue pueda decir que es mia.
Ayer fuí señor de España,
Y hoy no tengo una almena
Que pueda decir que es mia.
[176]Hier vergl. man die 57. Rede; sowie auch der 98sten drittletzten Vers,kammunā vattatī loko: vielleicht zeigt dieser Ausspruch, nächst den zur 57. Rede beigebrachten orakelartigen Stellen derBṛhadāraṇyakopaniṣat, die früheste und ergo schärfste Prägung des faustischen Wortes: »Im Anfang war die That.« — Genau entsprechend hat der Pythagoriker TIMAIOSgelehrt: ταν ψυχαν των μεν δειλων ες γυναικεια σκανεα ποθ’ ὑβριν εκδιδομενα, των δε μιαιφονων ες θηριων σωματα ποτι κολασιν, λαγνων δ’ ες συων η καπρων μορφας, κουφων δε και μετεωρων ες πτηνων αεροπορων, αργων δε αι απρακτων αμαθων τε και ανοητων ες ταν των ενυδρων ιδεαν, De anima mundi i. f. Eine solche Palingenesie hat auchLAO-TSE, Kap. 23, dargestellt; ja sogar unser MEISTERECKHART, p. 333, 334, 589, der mit siegreicher Geisteskraft ausführt, wie die Natur aus einem Kraut, das im Garten wächst, allmälig den Menschen zu entwickeln vermag: den Menschen, der „aller Kreatur Wesen hat, mit den Steinen, mit den Bäumen, und fürbass mit allen anderen Kreaturen.“ In diesem Sinne will er auch seine 56., so geheimnissvolle, aus verborgenster Tiefe schöpfende Rede verstanden wissen, mit dem indo-aegypto-empedokleischen Thema: »Daz edelste, daz an dem menschen ist, daz ist bluot, sô ez wol wil; aber daz ergeste, daz an dem menschen ist, daz ist bluot, sô ez übel wil.« — Vergl. noch die schöne Stelle in JAKOBSEp. 3,13: Τις σοφος και επιστημων εν ὑμιν, δειξατω εκ της καλης αναστροφης τα εργα αυτου εν πραϋτητι σοφιας, und insbesondere ib. 17 mit oben S. 366 dem Uebergange, der zur Anmuth führt.
[176]Hier vergl. man die 57. Rede; sowie auch der 98sten drittletzten Vers,kammunā vattatī loko: vielleicht zeigt dieser Ausspruch, nächst den zur 57. Rede beigebrachten orakelartigen Stellen derBṛhadāraṇyakopaniṣat, die früheste und ergo schärfste Prägung des faustischen Wortes: »Im Anfang war die That.« — Genau entsprechend hat der Pythagoriker TIMAIOSgelehrt: ταν ψυχαν των μεν δειλων ες γυναικεια σκανεα ποθ’ ὑβριν εκδιδομενα, των δε μιαιφονων ες θηριων σωματα ποτι κολασιν, λαγνων δ’ ες συων η καπρων μορφας, κουφων δε και μετεωρων ες πτηνων αεροπορων, αργων δε αι απρακτων αμαθων τε και ανοητων ες ταν των ενυδρων ιδεαν, De anima mundi i. f. Eine solche Palingenesie hat auchLAO-TSE, Kap. 23, dargestellt; ja sogar unser MEISTERECKHART, p. 333, 334, 589, der mit siegreicher Geisteskraft ausführt, wie die Natur aus einem Kraut, das im Garten wächst, allmälig den Menschen zu entwickeln vermag: den Menschen, der „aller Kreatur Wesen hat, mit den Steinen, mit den Bäumen, und fürbass mit allen anderen Kreaturen.“ In diesem Sinne will er auch seine 56., so geheimnissvolle, aus verborgenster Tiefe schöpfende Rede verstanden wissen, mit dem indo-aegypto-empedokleischen Thema: »Daz edelste, daz an dem menschen ist, daz ist bluot, sô ez wol wil; aber daz ergeste, daz an dem menschen ist, daz ist bluot, sô ez übel wil.« — Vergl. noch die schöne Stelle in JAKOBSEp. 3,13: Τις σοφος και επιστημων εν ὑμιν, δειξατω εκ της καλης αναστροφης τα εργα αυτου εν πραϋτητι σοφιας, und insbesondere ib. 17 mit oben S. 366 dem Uebergange, der zur Anmuth führt.
[177]Vergl. der 124. Rede Anfang, S. 251: und wiederum der 85. Rede Ende, S. 471. — Beide modi sindpariyāyenaanwendbar, nachDhammapadamv. 64 u. 65, oder weil, nach HIPPOKRATES, ὁ βιος βραχυς, ἡ δε τεχνη μακρη, ὁ δε καιρος οξυς, ἡ δε πειρα σφαλερη, ἡ δε κρισις χαλεπη, Aphor. I, 1.
[177]Vergl. der 124. Rede Anfang, S. 251: und wiederum der 85. Rede Ende, S. 471. — Beide modi sindpariyāyenaanwendbar, nachDhammapadamv. 64 u. 65, oder weil, nach HIPPOKRATES, ὁ βιος βραχυς, ἡ δε τεχνη μακρη, ὁ δε καιρος οξυς, ἡ δε πειρα σφαλερη, ἡ δε κρισις χαλεπη, Aphor. I, 1.
[178]Diese knappe, so kühn wie besonnen dargestellte Logik aller Möglichkeit ist zwar oft versucht worden, hat aber in der wichtigsten Frage, aus Mangel deutlicher Begriffe, nur paradoxe Thesen ergeben; so z. B. bei MAKARIOS, nach FLOSSp. 148, »qui se ipsum cogit ad omnia, is est monachus«, bei ECKHARTp. 358 u. 447, wo er sagt: »Socrates sprichet, daz tugende machent unmüglîchiu dinc müglich.« Cf. noch Lieder der Mönche v. 536 Anm. Negativ aber doch identisch ist auch der, freilich trivial gewordene, Satz LESSINGS»Kein Mensch muss müssen.« Erst in der Lehre von der Vereinigung der Natur und Freiheit, der größten aller Leistungen des menschlichen Tiefsinns, wie SCHOPENHAUERsie nennt, hat KANTdie vollkommene Auflösung und Ausführung des Problems gegeben.Zur heißen Busse,ātappametc. S. 376–378, cf. das vedischetapas, bez. die ebenso übermächtigendedīkṣā, von √dakṣtüchtig sein: entspricht der ασκησις, bez. μελετη in der Anmerkung 101; auch dem αναμιμνησκεσθαι, σοχιαν τε και αρετην ασκειν PLATONS, und nicht minder GOETHESAllen GewaltenZum Trutz sich erhalten,Nimmer sich beugen,Kräftig sich zeigen,Rufet die ArmeDer Götter herbei.Die geistige Einigung, dercetosamādhi, ibid., hat ein schönes Analogon in der pythagorischen συναρμογα und im gleichen ἑν γενεσθαι και τον ανθρωπον δει: und ist dann von unserem großen BRUNO, wie mir DELORENZOmittheilt, sehr innig erkannt worden, da er im Spaccio, ziemlich gegen Ende, jene libertà di spirito preist, »a cui tal volta amministra il monachismo (non dico quello de’ cocchiaroni), l’eremo, la solitudine: che sogliono parturir quel divino sigillo, ch’ è la buona contrazione.« Es ist, im Grunde genommen, ECKHARTSund LAOSRückkehr zur Einfalt.
[178]Diese knappe, so kühn wie besonnen dargestellte Logik aller Möglichkeit ist zwar oft versucht worden, hat aber in der wichtigsten Frage, aus Mangel deutlicher Begriffe, nur paradoxe Thesen ergeben; so z. B. bei MAKARIOS, nach FLOSSp. 148, »qui se ipsum cogit ad omnia, is est monachus«, bei ECKHARTp. 358 u. 447, wo er sagt: »Socrates sprichet, daz tugende machent unmüglîchiu dinc müglich.« Cf. noch Lieder der Mönche v. 536 Anm. Negativ aber doch identisch ist auch der, freilich trivial gewordene, Satz LESSINGS»Kein Mensch muss müssen.« Erst in der Lehre von der Vereinigung der Natur und Freiheit, der größten aller Leistungen des menschlichen Tiefsinns, wie SCHOPENHAUERsie nennt, hat KANTdie vollkommene Auflösung und Ausführung des Problems gegeben.
Zur heißen Busse,ātappametc. S. 376–378, cf. das vedischetapas, bez. die ebenso übermächtigendedīkṣā, von √dakṣtüchtig sein: entspricht der ασκησις, bez. μελετη in der Anmerkung 101; auch dem αναμιμνησκεσθαι, σοχιαν τε και αρετην ασκειν PLATONS, und nicht minder GOETHES
Allen GewaltenZum Trutz sich erhalten,Nimmer sich beugen,Kräftig sich zeigen,Rufet die ArmeDer Götter herbei.
Allen GewaltenZum Trutz sich erhalten,Nimmer sich beugen,Kräftig sich zeigen,Rufet die ArmeDer Götter herbei.
Allen GewaltenZum Trutz sich erhalten,Nimmer sich beugen,Kräftig sich zeigen,Rufet die ArmeDer Götter herbei.
Allen Gewalten
Zum Trutz sich erhalten,
Nimmer sich beugen,
Kräftig sich zeigen,
Rufet die Arme
Der Götter herbei.
Die geistige Einigung, dercetosamādhi, ibid., hat ein schönes Analogon in der pythagorischen συναρμογα und im gleichen ἑν γενεσθαι και τον ανθρωπον δει: und ist dann von unserem großen BRUNO, wie mir DELORENZOmittheilt, sehr innig erkannt worden, da er im Spaccio, ziemlich gegen Ende, jene libertà di spirito preist, »a cui tal volta amministra il monachismo (non dico quello de’ cocchiaroni), l’eremo, la solitudine: che sogliono parturir quel divino sigillo, ch’ è la buona contrazione.« Es ist, im Grunde genommen, ECKHARTSund LAOSRückkehr zur Einfalt.
[179]Ὁ τοιουτος παντα τα του κοσμου πραγματα ενδοξα, πλουτον και τρυφην, και πασαν απολαυσιν, αυτην αυτην τε την γμωσιν, και παντα τα του αιωνος τουτου βδελυκτα ἡγειται και μισητα, MAKARIOS, Homil. IX § 8 i. f.
[179]Ὁ τοιουτος παντα τα του κοσμου πραγματα ενδοξα, πλουτον και τρυφην, και πασαν απολαυσιν, αυτην αυτην τε την γμωσιν, και παντα τα του αιωνος τουτου βδελυκτα ἡγειται και μισητα, MAKARIOS, Homil. IX § 8 i. f.
[180]Cf. die 22. Rede, p. 140.
[180]Cf. die 22. Rede, p. 140.
[181]purisadammo; analogpuruṣapaśusin derChāndogyopaniṣatII, 6, und το θρεμμα ανθρωπος im PLATON, De legibus p. 777.
[181]purisadammo; analogpuruṣapaśusin derChāndogyopaniṣatII, 6, und το θρεμμα ανθρωπος im PLATON, De legibus p. 777.
[182]Vergl. den »desiderio della bellezza«, nach PLATON, bei MICHELANGELO, wie e. g. in den Rime e prose, Chieti 1847, p. 174.
[182]Vergl. den »desiderio della bellezza«, nach PLATON, bei MICHELANGELO, wie e. g. in den Rime e prose, Chieti 1847, p. 174.
[183]Dieaṭṭha disāacht Richtungen bezeichnen s. v. a. die acht Freiungenaṭṭha vimokhāder 77. Rede, passim; vergl. auch Lieder der Mönche, Anmerkung zu v. 1172. — Die Makarismen MATTH. V, 3–10, im Mittelalterdie aht saelekeitengenannt, bieten ein christliches Gegenstück dar; desgl. die, wiederum andersartigen, octo beatitudines der Scholastiker, vielleicht auch schon des IRENÄUSAbhandlung περι ογδοαδος; mehr noch das Durchwandeln der sechserlei Bilder, in FRITZLARSBlume der Schauung. Ueber die Unmittelbarkeit, S. 392, sagt ECKHART, S. 5: Als nû ie ein meister wîser unde mehtiger ist, alsô ouch sîn werc unmitelîcher geschiht und einveldiger ist.Zur ganzen Stelle oben S. 390, ‚Dann habt ihr auf eines gestützt ein anderes abzustoßen‘, sei der geübteren Beobachtung ein gewiss analoger Spruch GOETHESempfohlen, aus der Säligen Sehnsucht, im West-östlichen Divan, 1. Buch, vorletzter Vers:Und so lang du Das nicht hast,Dieses: Stirb und werde!Bist du nur ein trüber GastAuf der dunkeln Erde.Der selbe Gedanke, »Dies um Das«, ist imTao-te-kingwiederholt vorgetragen.Die Reihenfolge der Thiere auf S. 394, wie im Gleichnisse der 125. Rede S. 258, ist auch auf den schönen Friesen und Reliefgruppen rein indischer Meisterskulptur noch ebenso erhalten: es geht der Elephant voran, dann folgt das Ross, der Stier etc. Cf. e. g. REA, South Indian Buddhist Antiquities, Madras 1894, S. 36 und Tafel XXII. — Vorzüglich ausgeführte Elephanten und Rosse bietet später die hochentwickelte Bildhauerkunst von Amarāvati, nahe der Krischna Mündung, etwa 600 Jahre nach Gotamo. Kräftig, anmuthig, edel, zugleich individuell sehr verschieden, je nach dem gewählten Moment, und immer ungemein anschaulich, lebendig, durchgeistigt, im ganzen und im einzelnen wie bei den besten Antiken feinsinnig beobachtet und fixiert: sei es nun in einem sanft blickenden oder aber wild anstürmenden Elephantenauge oder in der seiden glänzenden muskelgeschwellten Haut oder in der wogenden Macht der zermalmenden Vorderfüße; sei es wieder an den ausdrucksvoll erregten Ohren der Rosse, ihrem stolz geschwungenen Nacken, den beweglichen Nüstern, dem rhythmischen Tritt ihrer leichten zierlichen Hufe u. s. w., u. s. w. Photographien der Reste und Fragmente — die Muhammedaner haben natürlich auch hier was sie konnten dem Erdboden gleichgemacht und kein einziges Stück unversehrt lassen, und die moderne Sammelwuth hat die Zerstörung so ziemlich vollendet — findet man, freilich dazu noch in einem gar dürftig verkleinerten Maaßstabe, in FERGUSSONSTree and Serpent Worship, London 1868: als Beispiel der Rosse namentlich auf Tafel 59,1, 82,1, 96,1; der Elephanten auf Tafel 61,1, 64,1, 91,3. Vergl. auch die z. Th. ergänzenden Blätter in BURGESS’ Archaeological Survey of Southern India (Amarāvati and Jaggayyapeta), London 1887, e. g. No. 27,1,2,5, etc.
[183]Dieaṭṭha disāacht Richtungen bezeichnen s. v. a. die acht Freiungenaṭṭha vimokhāder 77. Rede, passim; vergl. auch Lieder der Mönche, Anmerkung zu v. 1172. — Die Makarismen MATTH. V, 3–10, im Mittelalterdie aht saelekeitengenannt, bieten ein christliches Gegenstück dar; desgl. die, wiederum andersartigen, octo beatitudines der Scholastiker, vielleicht auch schon des IRENÄUSAbhandlung περι ογδοαδος; mehr noch das Durchwandeln der sechserlei Bilder, in FRITZLARSBlume der Schauung. Ueber die Unmittelbarkeit, S. 392, sagt ECKHART, S. 5: Als nû ie ein meister wîser unde mehtiger ist, alsô ouch sîn werc unmitelîcher geschiht und einveldiger ist.
Zur ganzen Stelle oben S. 390, ‚Dann habt ihr auf eines gestützt ein anderes abzustoßen‘, sei der geübteren Beobachtung ein gewiss analoger Spruch GOETHESempfohlen, aus der Säligen Sehnsucht, im West-östlichen Divan, 1. Buch, vorletzter Vers:
Und so lang du Das nicht hast,Dieses: Stirb und werde!Bist du nur ein trüber GastAuf der dunkeln Erde.
Und so lang du Das nicht hast,Dieses: Stirb und werde!Bist du nur ein trüber GastAuf der dunkeln Erde.
Und so lang du Das nicht hast,Dieses: Stirb und werde!Bist du nur ein trüber GastAuf der dunkeln Erde.
Und so lang du Das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunkeln Erde.
Der selbe Gedanke, »Dies um Das«, ist imTao-te-kingwiederholt vorgetragen.
Die Reihenfolge der Thiere auf S. 394, wie im Gleichnisse der 125. Rede S. 258, ist auch auf den schönen Friesen und Reliefgruppen rein indischer Meisterskulptur noch ebenso erhalten: es geht der Elephant voran, dann folgt das Ross, der Stier etc. Cf. e. g. REA, South Indian Buddhist Antiquities, Madras 1894, S. 36 und Tafel XXII. — Vorzüglich ausgeführte Elephanten und Rosse bietet später die hochentwickelte Bildhauerkunst von Amarāvati, nahe der Krischna Mündung, etwa 600 Jahre nach Gotamo. Kräftig, anmuthig, edel, zugleich individuell sehr verschieden, je nach dem gewählten Moment, und immer ungemein anschaulich, lebendig, durchgeistigt, im ganzen und im einzelnen wie bei den besten Antiken feinsinnig beobachtet und fixiert: sei es nun in einem sanft blickenden oder aber wild anstürmenden Elephantenauge oder in der seiden glänzenden muskelgeschwellten Haut oder in der wogenden Macht der zermalmenden Vorderfüße; sei es wieder an den ausdrucksvoll erregten Ohren der Rosse, ihrem stolz geschwungenen Nacken, den beweglichen Nüstern, dem rhythmischen Tritt ihrer leichten zierlichen Hufe u. s. w., u. s. w. Photographien der Reste und Fragmente — die Muhammedaner haben natürlich auch hier was sie konnten dem Erdboden gleichgemacht und kein einziges Stück unversehrt lassen, und die moderne Sammelwuth hat die Zerstörung so ziemlich vollendet — findet man, freilich dazu noch in einem gar dürftig verkleinerten Maaßstabe, in FERGUSSONSTree and Serpent Worship, London 1868: als Beispiel der Rosse namentlich auf Tafel 59,1, 82,1, 96,1; der Elephanten auf Tafel 61,1, 64,1, 91,3. Vergl. auch die z. Th. ergänzenden Blätter in BURGESS’ Archaeological Survey of Southern India (Amarāvati and Jaggayyapeta), London 1887, e. g. No. 27,1,2,5, etc.
[184]Die letzten Ausführungen Mahākaccānos entsprechen demBṛhadāraṇyakamIV, 3,17:Sa yad atra kiṃcit paśyaty, ananvāgatas tena bhavaty: asaṉgo hyayaṃ puruṣa ity. Evam evaitad Yājñavalkyādi.Ebenso ECKHARTp. 144 l. 1–2. Cf. noch Faust v. 11954/57: Ohne Erdenrest, »Und wär’ er von Asbest, Er ist nicht reinlich.« Die Darstellung des innen zuständigen Herzens, S. 401 f., hat ein mythisch gegründetes Gegenstück in der Schilderung der Menschen auf dem siebenten der Neun Felsen im Buche MERSWINS, p. 103. — Wie auch nur Gedanken nachspüren unförderlich sei wo Einigung noth, S. 400͠=sarvacintāvivarjitas, e. g.Nādabindūp. ed. Bomb. v. 51, hat unser WALTHERschon tief und klar erkannt, 56,23,24:Liezen mich gedanke frî,So ’nwiste ich niht umb’ ungemach.
[184]Die letzten Ausführungen Mahākaccānos entsprechen demBṛhadāraṇyakamIV, 3,17:Sa yad atra kiṃcit paśyaty, ananvāgatas tena bhavaty: asaṉgo hyayaṃ puruṣa ity. Evam evaitad Yājñavalkyādi.Ebenso ECKHARTp. 144 l. 1–2. Cf. noch Faust v. 11954/57: Ohne Erdenrest, »Und wär’ er von Asbest, Er ist nicht reinlich.« Die Darstellung des innen zuständigen Herzens, S. 401 f., hat ein mythisch gegründetes Gegenstück in der Schilderung der Menschen auf dem siebenten der Neun Felsen im Buche MERSWINS, p. 103. — Wie auch nur Gedanken nachspüren unförderlich sei wo Einigung noth, S. 400͠=sarvacintāvivarjitas, e. g.Nādabindūp. ed. Bomb. v. 51, hat unser WALTHERschon tief und klar erkannt, 56,23,24:
Liezen mich gedanke frî,So ’nwiste ich niht umb’ ungemach.
Liezen mich gedanke frî,So ’nwiste ich niht umb’ ungemach.
Liezen mich gedanke frî,So ’nwiste ich niht umb’ ungemach.
Liezen mich gedanke frî,
So ’nwiste ich niht umb’ ungemach.