{275}Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Kosambī, in der Gartenstiftung. Zu jener Zeit nun war unter den Mönchen von Kosambī Zank und Streit ausgebrochen, sie haderten mit einander und scharfe Wortgefechte fanden statt.
Da begab sich denn einer der Mönche dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und stellte sich seitwärts hin. Seitwärts stehend sprach nun jener Mönch zum Erhabenen also:
»Es ist da, o Herr, zu Kosambī unter den Mönchen Zank und Streit ausgebrochen, sie hadern mit einander und scharfe Wortgefechte finden statt. Gut wär’ es, o Herr, wenn sich der Erhabene zu jenen Mönchen hinbegeben wollte, von Mitleid bewogen.«
Schweigend gewährte der Erhabene die Bitte.
Und der Erhabene begab sich zu jenen Mönchen hin und sprach also zu ihnen:
»Genug, ihr Mönche: gemieden sei Zank und Streit, gemieden Zwist und Hader.«
Also ermahnt wandte sich ein anderer der Mönche an den Erhabenen und sagte:
»Möge, o Herr, der Erhabene, der Wahrheit Gebieter, hingehn: selbstgenugsam möge, o Herr, der Erhabene säliger Gegenwart genießen; wir werden uns in diesem Zank und Streite, Zwist und Hader verständigen.«
{276}Und ein zweites Mal, und ein drittes Mal sprach der Erhabene also zu jenen Mönchen:
»Genug, ihr Mönche: gemieden sei Zank und Streit, gemieden Zwist und Hader.«
Und ein zweites Mal, und ein drittes Mal sprach jener andere Mönch also zum Erhabenen:
»Möge, o Herr, der Erhabene, der Wahrheit Gebieter, hingehn: selbstgenugsam möge, o Herr, der Erhabene säliger Gegenwart genießen; wir werden uns in diesem Zank und Streite, Zwist und Hader verständigen.«
Und der Erhabene, zeitig gerüstet, mit Mantel und Schaale versehn, machte sich auf den Gang nach Kosambī um Almosenspeise, trat in der Stadt von Haus zu Hause hin, nahm das Mahl ein, kehrte zurück, räumte sein Lager zurecht, behielt Mantel und Schaale und ließ nun, schon aufgebrochen, folgende Weise verlauten:
»Wo jeder lärmend ein sich mengt,Als Thor Vernunft erlangt man nie;Den Brüderbund, zerbrecht ihr ihn,Hört keiner auf den andern mehr.»Vergessen ward ein weiser SpruchDes Kenners, der erfahren sprach;Die Zunge zügeln, das ist noth,Und lenken sie: man lernt es nicht.»‚Gescholten hat man mich, verletzt,Hat mich besiegt, hat mich verlacht:Wer solchen Sinn im Herzen hegt,Von Feindschaft lässt er nimmer ab.»‚Gescholten hat man mich, verletzt,Hat mich besiegt, hat mich verlacht:Wer solchen Sinn zu bannen weiß,Von Feindschaft lässt er eilig ab.»‚Es wird ja Feindschaft nimmermehrDurch Feindschaft wieder ausgesöhnt:Nichtfeindschaft giebt Versöhnung an;Das ist Gesetz von Ewigkeit.‘{277}»Die Menschen sehn es selten ein,Dass Dulden uns geduldig macht:Doch wer es einsieht, wer es weißGiebt alles Eifern willig auf.[141]»Der Henker, Scherge, Mörder, Dieb,Wer Rinder, Rosse, Schätze rafft,Landstreichersippe, Räubervolk,Zusammen halten solche schon:Warum nur solltet ihr es nicht?»Hat man den abgeklärten Freund gefunden,Der mitgeht, muthig mitbestrebt in Tugend,Entgangen aller dräuenden BedrängnissMit ihm zufrieden wandern mag der weise Mann.»Muss man den abgeklärten Freund vermissen,Der mitgeht, muthig mitbestrebt in Tugend,Als König, der sein Königreich verloren,Alleinig wandern mag man wie der wilde Ilph.»Allein ist bessre Wanderschaft,Mit Thoren schließt man keinen Bund;Alleinig wandre man und meide böse That,Geworden selbstgenugsam wie der wilde Ilph.«
»Wo jeder lärmend ein sich mengt,Als Thor Vernunft erlangt man nie;Den Brüderbund, zerbrecht ihr ihn,Hört keiner auf den andern mehr.»Vergessen ward ein weiser SpruchDes Kenners, der erfahren sprach;Die Zunge zügeln, das ist noth,Und lenken sie: man lernt es nicht.»‚Gescholten hat man mich, verletzt,Hat mich besiegt, hat mich verlacht:Wer solchen Sinn im Herzen hegt,Von Feindschaft lässt er nimmer ab.»‚Gescholten hat man mich, verletzt,Hat mich besiegt, hat mich verlacht:Wer solchen Sinn zu bannen weiß,Von Feindschaft lässt er eilig ab.»‚Es wird ja Feindschaft nimmermehrDurch Feindschaft wieder ausgesöhnt:Nichtfeindschaft giebt Versöhnung an;Das ist Gesetz von Ewigkeit.‘{277}»Die Menschen sehn es selten ein,Dass Dulden uns geduldig macht:Doch wer es einsieht, wer es weißGiebt alles Eifern willig auf.[141]»Der Henker, Scherge, Mörder, Dieb,Wer Rinder, Rosse, Schätze rafft,Landstreichersippe, Räubervolk,Zusammen halten solche schon:Warum nur solltet ihr es nicht?»Hat man den abgeklärten Freund gefunden,Der mitgeht, muthig mitbestrebt in Tugend,Entgangen aller dräuenden BedrängnissMit ihm zufrieden wandern mag der weise Mann.»Muss man den abgeklärten Freund vermissen,Der mitgeht, muthig mitbestrebt in Tugend,Als König, der sein Königreich verloren,Alleinig wandern mag man wie der wilde Ilph.»Allein ist bessre Wanderschaft,Mit Thoren schließt man keinen Bund;Alleinig wandre man und meide böse That,Geworden selbstgenugsam wie der wilde Ilph.«
»Wo jeder lärmend ein sich mengt,Als Thor Vernunft erlangt man nie;Den Brüderbund, zerbrecht ihr ihn,Hört keiner auf den andern mehr.
»Wo jeder lärmend ein sich mengt,
Als Thor Vernunft erlangt man nie;
Den Brüderbund, zerbrecht ihr ihn,
Hört keiner auf den andern mehr.
»Vergessen ward ein weiser SpruchDes Kenners, der erfahren sprach;Die Zunge zügeln, das ist noth,Und lenken sie: man lernt es nicht.
»Vergessen ward ein weiser Spruch
Des Kenners, der erfahren sprach;
Die Zunge zügeln, das ist noth,
Und lenken sie: man lernt es nicht.
»‚Gescholten hat man mich, verletzt,Hat mich besiegt, hat mich verlacht:Wer solchen Sinn im Herzen hegt,Von Feindschaft lässt er nimmer ab.
»‚Gescholten hat man mich, verletzt,
Hat mich besiegt, hat mich verlacht:
Wer solchen Sinn im Herzen hegt,
Von Feindschaft lässt er nimmer ab.
»‚Gescholten hat man mich, verletzt,Hat mich besiegt, hat mich verlacht:Wer solchen Sinn zu bannen weiß,Von Feindschaft lässt er eilig ab.
»‚Gescholten hat man mich, verletzt,
Hat mich besiegt, hat mich verlacht:
Wer solchen Sinn zu bannen weiß,
Von Feindschaft lässt er eilig ab.
»‚Es wird ja Feindschaft nimmermehrDurch Feindschaft wieder ausgesöhnt:Nichtfeindschaft giebt Versöhnung an;Das ist Gesetz von Ewigkeit.‘
»‚Es wird ja Feindschaft nimmermehr
Durch Feindschaft wieder ausgesöhnt:
Nichtfeindschaft giebt Versöhnung an;
Das ist Gesetz von Ewigkeit.‘
{277}»Die Menschen sehn es selten ein,Dass Dulden uns geduldig macht:Doch wer es einsieht, wer es weißGiebt alles Eifern willig auf.[141]
»Die Menschen sehn es selten ein,
Dass Dulden uns geduldig macht:
Doch wer es einsieht, wer es weiß
Giebt alles Eifern willig auf.[141]
»Der Henker, Scherge, Mörder, Dieb,Wer Rinder, Rosse, Schätze rafft,Landstreichersippe, Räubervolk,Zusammen halten solche schon:Warum nur solltet ihr es nicht?
»Der Henker, Scherge, Mörder, Dieb,
Wer Rinder, Rosse, Schätze rafft,
Landstreichersippe, Räubervolk,
Zusammen halten solche schon:
Warum nur solltet ihr es nicht?
»Hat man den abgeklärten Freund gefunden,Der mitgeht, muthig mitbestrebt in Tugend,Entgangen aller dräuenden BedrängnissMit ihm zufrieden wandern mag der weise Mann.
»Hat man den abgeklärten Freund gefunden,
Der mitgeht, muthig mitbestrebt in Tugend,
Entgangen aller dräuenden Bedrängniss
Mit ihm zufrieden wandern mag der weise Mann.
»Muss man den abgeklärten Freund vermissen,Der mitgeht, muthig mitbestrebt in Tugend,Als König, der sein Königreich verloren,Alleinig wandern mag man wie der wilde Ilph.
»Muss man den abgeklärten Freund vermissen,
Der mitgeht, muthig mitbestrebt in Tugend,
Als König, der sein Königreich verloren,
Alleinig wandern mag man wie der wilde Ilph.
»Allein ist bessre Wanderschaft,Mit Thoren schließt man keinen Bund;Alleinig wandre man und meide böse That,Geworden selbstgenugsam wie der wilde Ilph.«
»Allein ist bessre Wanderschaft,
Mit Thoren schließt man keinen Bund;
Alleinig wandre man und meide böse That,
Geworden selbstgenugsam wie der wilde Ilph.«
Als nun der Erhabene, schon aufgebrochen, diese Weise gesagt hatte, ging er hinweg, nach dem Dorfe Niedersoolenbrunn.[142]Damals aber weilte der ehrwürdige Bhagu bei dem Dorfe Niedersoolenbrunn. Und es sah der ehrwürdige Bhagu den Erhabenen von ferne herankommen, und als er ihn gesehn machte er einen Sitz bereit und Wasser für die Füße. Es setzte sich der Erhabene auf den dargebotenen Sitz, und als er saß spülte er sich die Füße ab. Und auch der ehrwürdige Bhagu setzte sich, nach des Erhabenen Begrüßung, zur Seite nieder. An den ehrwürdigen Bhagu, der zur Seite saß, wandte sich nun der Erhabene also:
»Geht es dir, Mönch, leidlich, kommst du wohl aus, ohne Mangel an Nahrung?«
»Leidlich, Erhabener, geht es mir, wohl, Erhabener, komme ich aus, ich ermangle, o Herr, nicht der Nahrung.«
{278}Und der Erhabene ermunterte und ermuthigte, erregte und erheiterte den ehrwürdigen Bhagu in lehrreichem Gespräche, erhob sich alsdann von seinem Sitze und begab sich nach dem östlichen Bambushaine.
Um diese Zeit aber weilte der ehrwürdige Anuruddho,der ehrwürdige Nandiyo und der ehrwürdige Kimbilo im östlichen Bambushaine. Da sah ein Waldhüter den Erhabenen von ferne herankommen, und als er den Erhabenen gesehn sprach er also zu ihm:
»Gehe nicht in diesen Forst, o Asket: drei edle Jünglinge weilen hier, die selbstzufrieden scheinen, störe sie nicht!«
Der ehrwürdige Anuruddho hörte aber des Waldhüters Gespräch mit dem Erhabenen, und als er es gehört sprach er also zum Waldhüter:
»Wehre nicht, Bruder Waldhüter, dem Erhabenen: unser Meister, der Erhabene ist gekommen.«
Und der ehrwürdige Anuruddho begab sich nun zum ehrwürdigen Nandiyo und zum ehrwürdigen Kimbilo und sprach also zu ihnen:
»Kommt herbei, ihr Brüder, kommt herbei, ihr Brüder: unser Meister, der Erhabene ist da.«
Und der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo und der ehrwürdige Kimbilo gingen nun dem Erhabenen entgegen. Einer nahm dem Erhabenen Mantel und Schaale ab, einer machte einen Sitz zurecht, einer brachte Wasser zur Fußwaschung herbei. Es setzte sich der Erhabene auf den dargebotenen Sitz, und als er saß spülte er sich die Füße ab. Jene Ehrwürdigen aber setzten sich, nach des Erhabenen Begrüßung, zur Seite nieder. Und der Erhabene wandte sich nun an den ehrwürdigen Anuruddho, der zur Seite saß, und sprach also:
»Geht es euch, Anuruddher, leidlich, kommt ihr wohl aus, ohne Mangel an Nahrung?«
{279}»Leidlich, Erhabener, geht es uns, wohl, Erhabener,kommen wir aus, wir ermangeln, o Herr, nicht der Nahrung.«
»Vertragt ihr euch aber, Anuruddher, einig, ohne Zwist, mild geworden, und seht euch sanften Auges an?«
»Freilich, o Herr, vertragen wir uns, einig, ohne Zwist, mild geworden, und sehn uns sanften Auges an.«
»Inwiefern aber, Anuruddher, vertragt ihr euch, einig, ohne Zwist, mild geworden, und seht euch sanften Auges an?«
»Da gedenk’ ich, o Herr, also: ›Erreicht habe ich’s, wohl getroffen, fürwahr, der ich mit solchen wahren Asketen vereint lebe.‹ Und ich Glücklicher, o Herr, diene diesen Ehrwürdigen mit liebevoller That, so offen als verborgen, mit liebevollem Wort, so offen als verborgen, mit liebevoller Gesinnung, so offen als verborgen. Und also verweilend, o Herr, denke ich: ›Wenn ich nun meinen eigenen Willen aufgäbe und mich nur dem Willen dieser Ehrwürdigen unterwürfe?‹ Und ich habe, o Herr, meinen eigenen Willen aufgegeben und mich dem Willen dieser Ehrwürdigen unterworfen. Verschieden, o Herr, sind zwar unsere Körper, aber ich glaube wir haben nur einen Willen.«
Und der ehrwürdige Nandiyo, und der ehrwürdige Kimbilo sprach zum Erhabenen:
»Auch ich, o Herr, gedenke also: ›Erreicht habe ich’s, wohl getroffen, fürwahr, der ich mit solchen wahren Asketen vereint lebe.‹ Und ich Glücklicher, o Herr, diene diesen Ehrwürdigen mit liebevoller That, so offen als verborgen, mit liebevollem Wort, so offen als verborgen, mit liebevoller Gesinnung, so offen alsverborgen.{280}Und also verweilend, o Herr, denke ich: ›Wenn ich nun meinen eigenen Willen aufgäbe und mich nur dem Willen dieser Ehrwürdigen unterwürfe?‹ Und ich habe, o Herr, meinen eigenen Willen aufgegeben und mich dem Willen dieser Ehrwürdigen unterworfen. Verschieden, o Herr, sind zwar unsere Körper, aber ich glaube wir haben nur einen Willen.[143]
»Also, o Herr, verweilen wir verträglich, einig, ohne Zwist, mild geworden, und sehn uns sanften Auges an.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Und verweilt ihr auch ernsten Sinnes, Anuruddher, eifrig, unermüdlich?«
»Freilich, o Herr, verweilen wir ernsten Sinnes. eifrig, unermüdlich.«
»Inwiefern aber, Anuruddher, verweilt ihr ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich?«
»Wer da zuerst von uns, o Herr, vom Almosengang aus dem Dorfe zurückkehrt, der bereitet die Plätze und setzt Trinkwasser, Waschwasser und den Spülnapf vor. Wer zuletzt vom Almosengang aus dem Dorfe zurückkehrt, und es ist noch Speise übrig, und er verlangt danach, so nimmt er davon; wo nicht, so wirft er sie fort, auf grasfreien Grund oder in fließendes Wasser. Dann ordnet er die Sitze, räumt Trinkwasser, Waschwasser und Spülnapf weg und fegt den Speiseplatz rein. Wer bemerkt, dass man den Trinknapf oder den Waschkrug oder den Mistkübel nicht mehr braucht, der stellt ihn gesäubert auf. Wenn er es allein nicht kann, so winkt er einen Zweiten herbei, und wir kommen und helfen, ohne dass wir, o Herr, aus solchem Grunde das Schweigen brächen.[144]{281}Und jeden fünften Tag, o Herr, sitzen wir die ganze Nacht hindurch in Gesprächen über dieLehre beisammen. Also, o Herr, verweilen wir ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher, die ihr also ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilet, ein überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«
»Während wir da, o Herr, ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilen, nehmen wir einen Abglanz wahr und den Anblick der Umrisse.[145]Aber dieser Abglanz entschwindet uns alsbald und der Anblick der Umrisse; und diese Erscheinung ergründen wir nicht.«
»Aber diese Erscheinung, Anuruddher, muss nun von euch ergründet werden. Auch ich hatte einst, Anuruddher, noch vor der vollen Erwachung, als unvollkommen Erwachter, Erwachung erst Erringender, einen Abglanz wahrgenommen und den Anblick der Umrisse. Aber dieser Abglanz war mir alsbald entschwunden und der Anblick der Umrisse. Da hab’ ich, Anuruddher, bei mir gedacht:›Was ist wohl der Grund, was ist die Ursach, dass mir der Abglanz entschwindet und der Anblick der Umrisse?‹ Da hab’ ich mir, Anuruddher, gesagt: ›Schwankend war ich geworden;Schwanken aber ist der Anlass gewesen, dass meine Sammlung zerfiel: und weil meine Sammlung zerfiel, ist der Abglanz entschwunden und der Anblick der Umrisse. So will ich darauf hinarbeiten, nicht mehr in Schwanken zu gerathen.‹ Und während ich nun, Anuruddher, ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilte, nahm ich den Abglanz wahr und den Anblick der Umrisse.{282}Aber dieser Abglanz war mir alsbald entschwunden und der Anblick der Umrisse. Da hab’ ich, Anuruddher, bei mir gedacht: ›Was ist wohlder Grund, was ist die Ursach, dass mir der Abglanz entschwindet und der Anblick der Umrisse?‹ Da hab’ ich mir, Anuruddher, gesagt: ›Unachtsam war ich geworden; Unachtsamkeit aber ist der Anlass gewesen, dass meine Sammlung zerfiel: und weil meine Sammlung zerfiel, ist der Abglanz entschwunden und der Anblick der Umrisse. So will ich darauf hinarbeiten, nicht mehr in Schwanken zu gerathen, noch in Unachtsamkeit.‹ Und während ich nun, Anuruddher, ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilte, nahm ich den Abglanz wahr und den Anblick der Umrisse. Aber dieser Abglanz war mir alsbald entschwunden und der Anblick der Umrisse. Da hab’ ich, Anuruddher, bei mir gedacht: ›Was ist wohl der Grund, was ist die Ursach, dass mir der Abglanz entschwindet und der Anblick der Umrisse?‹ Da hab’ ich mir, Anuruddher, gesagt: ›Matt und müde war ich geworden; matte Müde aber ist der Anlass gewesen, dass meine Sammlung zerfiel: und weil meine Sammlung zerfiel, ist der Abglanz entschwunden und der Anblick der Umrisse. So will ich darauf hinarbeiten, nicht mehr in Schwanken zu gerathen, noch in Unachtsamkeit, noch in matte Müde.‹ Und während ich nun, Anuruddher, ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilte, nahm ich den Abglanz wahr und den Anblick der Umrisse. Aber dieser Abglanz war mir alsbald entschwunden und der Anblick der Umrisse. Da hab’ ich, Anuruddher, bei mir gedacht: ›Was ist wohl der Grund, was ist die Ursach, dass mir der Abglanz entschwindet und der Anblick der Umrisse?‹ Da hab’ ich mir, Anuruddher, gesagt: ›Entsetzt war ich geworden; Entsetzen aber ist der Anlass gewesen, dass meine Sammlung zerfiel: und weil meineSammlung zerfiel, ist der Abglanz entschwunden und der Anblick der Umrisse.‹ Gleichwie etwa, Anuruddher, wenn ein Mann auf der Landstraße hinschritte, und es träten ihm von beiden Seiten Mörder entgegen; da würde er alsbald in Entsetzen gerathen: ebenso nun auch, Anuruddher, war ich entsetzt geworden; Entsetzen aber ist der Anlass gewesen, dass meine Sammlung zerfiel: und weil meine Sammlung zerfiel, ist der Abglanz entschwunden und der Anblick der Umrisse. ›So will ich darauf hinarbeiten, nicht mehr in Schwanken zu gerathen, noch in Unachtsamkeit, noch in matte Müde, noch in Entsetzen.‹ Und während ich nun, Anuruddher, ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilte, nahm ich den Abglanz wahr und den Anblick der Umrisse. Aber dieser Abglanz war mir alsbald entschwunden und der Anblick der Umrisse. Da hab’ ich, Anuruddher, bei mir gedacht: ›Was ist wohl der Grund, was ist die Ursach, dass mir der Abglanz entschwindet und der Anblick der Umrisse?‹{283}Da hab’ ich mir, Anuruddher, gesagt: ›Entzückt war ich geworden; Entzücken aber ist der Anlass gewesen, dass meine Sammlung zerfiel: und weil meine Sammlung zerfiel, ist der Abglanz entschwunden und der Anblick der Umrisse.‹ Gleichwie etwa, Anuruddher, wenn ein Mann einer Schatzgrube nachspürte[146]und auf einmal fünf Schatzgruben entdeckte; da würde er alsbald in Entzücken gerathen: ebenso nun auch, Anuruddher, war ich entzückt geworden; Entzücken aber ist der Anlass gewesen, dass meine Sammlung zerfiel: und weil meine Sammlung zerfiel, ist der Abglanz entschwunden und der Anblick der Umrisse. ›So will ich darauf hinarbeiten, nicht mehr in Schwanken zu gerathen, nochin Unachtsamkeit, noch in matte Müde, noch in Entsetzen, noch in Entzücken.‹ Und während ich nun, Anuruddher, ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilte, nahm ich den Abglanz wahr und den Anblick der Umrisse. Aber dieser Abglanz war mir alsbald entschwunden und der Anblick der Umrisse. Da hab’ ich, Anuruddher, bei mir gedacht: ›Was ist wohl der Grund, was ist die Ursach, dass mir der Abglanz entschwindet und der Anblick der Umrisse?‹ Da hab’ ich mir, Anuruddher, gesagt: ›Schwerfällig war ich geworden; Schwerfälligkeit aber ist der Anlass gewesen, dass meine Sammlung zerfiel: und weil meine Sammlung zerfiel, ist der Abglanz entschwunden und der Anblick der Umrisse. So will ich darauf hinarbeiten, nicht mehr in Schwanken zu gerathen, noch in Unachtsamkeit, noch in matte Müde, noch in Entsetzen, noch in Entzücken, noch in Schwerfälligkeit.‹ Und während ich nun, Anuruddher, ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilte, nahm ich den Abglanz wahr und den Anblick der Umrisse. Aber dieser Abglanz war mir alsbald entschwunden und der Anblick der Umrisse. Da hab’ ich, Anuruddher, bei mir gedacht: ›Was ist wohl der Grund, was ist die Ursach, dass mir der Abglanz entschwindet und der Anblick der Umrisse?‹ Da hab’ ich mir, Anuruddher, gesagt: ›Zu straff gespannt war ich geworden; zu straffe Spannung aber ist der Anlass gewesen, dass meine Sammlung zerfiel: und weil meine Sammlung zerfiel, ist der Abglanz entschwunden und der Anblick der Umrisse.‹ Gleichwie etwa, Anuruddher, wenn ein Mann eine Wachtel mit beiden Händen fest umklammert hielte, sie alsbald verschmachten müsste: ebenso nun auch, Anuruddher, war ich zu straffgespannt geworden; zu straffe Spannung aber ist der Anlass gewesen, dass meine Sammlung zerfiel: und weil meine Sammlung zerfiel, ist der Abglanz entschwunden und der Anblick der Umrisse. ›So will ich darauf hinarbeiten, nicht mehr in Schwanken zu gerathen, noch in Unachtsamkeit, noch in matte Müde, noch in Entsetzen, noch in Entzücken, noch in Schwerfälligkeit, noch in zu straffe Spannung.‹ Und während ich nun, Anuruddher, ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilte, nahm ich den Abglanz wahr und den Anblick der Umrisse. Aber dieser Abglanz war mir alsbald entschwunden und der Anblick der Umrisse. Da hab’ ich, Anuruddher, bei mir gedacht: ›Was ist wohl der Grund, was ist die Ursach, dass mir der Abglanz entschwindet und der Anblick der Umrisse?‹{284}Da hab’ ich mir, Anuruddher, gesagt: ›Zu schlaff gespannt war ich geworden; zu schlaffe Spannung aber ist der Anlass gewesen, dass meine Sammlung zerfiel: und weil meine Sammlung zerfiel, ist der Abglanz entschwunden und der Anblick der Umrisse.‹ Gleichwie etwa, Anuruddher, wenn ein Mann eine Wachtel lose umklammert hielte, sie alsbald seiner Hand entflatterte: ebenso nun auch, Anuruddher, war ich zu schlaff gespannt geworden; zu schlaffe Spannung aber ist der Anlass gewesen, dass meine Sammlung zerfiel: und weil meine Sammlung zerfiel, ist der Abglanz entschwunden und der Anblick der Umrisse. ›So will ich darauf hinarbeiten, nicht mehr in Schwanken zu gerathen, noch in Unachtsamkeit, noch in matte Müde, noch in Entsetzen, noch in Entzücken, noch in Schwerfälligkeit, noch in zu straffe Spannung, noch in zu schlaffe Spannung.‹ Und während ich nun, Anuruddher,ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilte, nahm ich den Abglanz wahr und den Anblick der Umrisse. Aber dieser Abglanz war mir alsbald entschwunden und der Anblick der Umrisse. Da hab’ ich, Anuruddher, bei mir gedacht: ›Was ist wohl der Grund, was ist die Ursach, dass mir der Abglanz entschwindet und der Anblick der Umrisse?‹ Da hab’ ich mir, Anuruddher, gesagt: ›Beifällig war ich geworden; Beifall aber ist der Anlass gewesen, dass meine Sammlung zerfiel: und weil meine Sammlung zerfiel, ist der Abglanz entschwunden und der Anblick der Umrisse. So will ich darauf hinarbeiten, nicht mehr in Schwanken zu gerathen, noch in Unachtsamkeit, noch in matte Müde, noch in Entsetzen, noch in Entzücken, noch in Schwerfälligkeit, noch in zu straffe Spannung, noch in zu schlaffe Spannung, noch in Beifall.‹ Und während ich nun, Anuruddher, ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilte, nahm ich den Abglanz wahr und den Anblick der Umrisse. Aber dieser Abglanz war mir alsbald entschwunden und der Anblick der Umrisse. Da hab’ ich, Anuruddher, bei mir gedacht: ›Was ist wohl der Grund, was ist die Ursach, dass mir der Abglanz entschwindet und der Anblick der Umrisse?‹ Da hab’ ich mir, Anuruddher, gesagt: ›Vielheit hatte ich wahrgenommen; Vielheitwahrnehmen aber ist der Anlass gewesen, dass meine Sammlung zerfiel: und weil meine Sammlung zerfiel, ist der Abglanz entschwunden und der Anblick der Umrisse.{285}So will ich darauf hinarbeiten, nicht mehr in Schwanken zu gerathen, noch in Unachtsamkeit, noch in matte Müde, noch in Entsetzen, noch in Entzücken, noch in Schwerfälligkeit, noch in zu straffe Spannung,noch in zu schlaffe Spannung, noch in Beifall, noch in Vielheitwahrnehmen.‹ Und während ich nun, Anuruddher, ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilte, nahm ich den Abglanz wahr und den Anblick der Umrisse. Aber dieser Abglanz war mir alsbald entschwunden und der Anblick der Umrisse. Da hab’ ich, Anuruddher, bei mir gedacht: ›Was ist wohl der Grund, was ist die Ursach, dass mir der Abglanz entschwindet und der Anblick der Umrisse?‹ Da hab’ ich mir, Anuruddher, gesagt: ›Zu scharf hatte ich die Umrisse betrachtet; zu scharfe Betrachtung der Umrisse aber ist der Anlass gewesen, dass meine Sammlung zerfiel: und weil meine Sammlung zerfiel, ist der Abglanz entschwunden und der Anblick der Umrisse. So will ich darauf hinarbeiten, nicht mehr in Schwanken zu gerathen, noch in Unachtsamkeit, noch in matte Müde, noch in Entsetzen, noch in Entzücken, noch in Schwerfälligkeit, noch in zu straffe Spannung, noch in zu schlaffe Spannung, noch in Beifall, noch in Vielheitwahrnehmen, noch in zu scharfe Betrachtung der Umrisse.‹
»So hatte ich denn, Anuruddher, Schwanken als Herzensverschlackung richtig entdeckt und schaffte das Schwanken, die Herzensverschlackung, ab; hatte Unachtsamkeit als Herzensverschlackung richtig entdeckt und schaffte die Unachtsamkeit, die Herzensverschlackung, ab; hatte matte Müde als Herzensverschlackung richtig entdeckt und schaffte die matte Müde, die Herzensverschlackung, ab; hatte Entsetzen als Herzensverschlackung richtig entdeckt und schaffte das Entsetzen, die Herzensverschlackung, ab;{286}hatte Entzücken als Herzensverschlackung richtig entdeckt undschaffte das Entzücken, die Herzensverschlackung, ab; hatte Schwerfälligkeit als Herzensverschlackung richtig entdeckt und schaffte die Schwerfälligkeit, die Herzensverschlackung, ab; hatte zu straffe Spannung als Herzensverschlackung richtig entdeckt und schaffte die zu straffe Spannung, die Herzensverschlackung, ab; hatte zu schlaffe Spannung als Herzensverschlackung richtig entdeckt und schaffte die zu schlaffe Spannung, die Herzensverschlackung, ab; hatte Beifall als Herzensverschlackung richtig entdeckt und schaffte den Beifall, die Herzensverschlackung, ab; hatte Vielheitwahrnehmen als Herzensverschlackung richtig entdeckt und schaffte das Vielheitwahrnehmen, die Herzensverschlackung, ab; hatte zu scharfe Betrachtung der Umrisse als Herzensverschlackung richtig entdeckt und schaffte die zu scharfe Betrachtung der Umrisse, die Herzensverschlackung, ab.
»So verweilte ich denn, Anuruddher, ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich, und nahm nun wohl den Abglanz wahr, aber nicht den Anblick der Umrisse; und nahm wohl den Anblick der Umrisse wahr, aber nicht den Abglanz: eine ganze Nacht hindurch, einen ganzen Tag hindurch, eine ganze Nacht, einen ganzen Tag hindurch. Da hab’ ich, Anuruddher, bei mir gedacht: ›Was ist wohl der Grund, was ist die Ursach, dass ich nun wohl den Abglanz wahrnehme, aber nicht den Anblick der Umrisse; und wohl den Anblick der Umrisse wahrnehme, aber nicht den Abglanz: eine ganze Nacht hindurch, einen ganzen Tag hindurch, eine ganze Nacht, einen ganzen Tag hindurch?‹ Da hab’ ich mir, Anuruddher, gesagt: ›Zu einer Zeit wo ich ohne auf die Erscheinungder Umrisse achtzuhaben auf die Erscheinung des Abglanzes achthabe, nehm’ ich da wohl den Abglanz wahr, aber nicht den Anblick der Umrisse; und wieder zu einer Zeit wo ich ohne auf die Erscheinung des Abglanzes{287}achtzuhaben auf die Erscheinung der Umrisse achthabe, nehm’ ich da wohl den Anblick der Umrisse wahr, aber nicht den Abglanz: eine ganze Nacht hindurch, einen ganzen Tag hindurch, eine ganze Nacht, einen ganzen Tag hindurch.‹
»So verweilte ich denn, Anuruddher, ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich, und nahm einen bestimmten Abglanz wahr und den Anblick bestimmter Umrisse; und nahm unermesslichen Abglanz wahr und den Anblick unermesslicher Umrisse: eine ganze Nacht hindurch, einen ganzen Tag hindurch, eine ganze Nacht, einen ganzen Tag hindurch. Da hab’ ich, Anuruddher, bei mir gedacht: ›Was ist wohl der Grund, was ist die Ursach, dass ich einen bestimmten Abglanz wahrnehme und den Anblick bestimmter Umrisse; und unermesslichen Abglanz wahrnehme und den Anblick unermesslicher Umrisse: eine ganze Nacht hindurch, einen ganzen Tag hindurch, eine ganze Nacht, einen ganzen Tag hindurch?‹ Da hab’ ich mir, Anuruddher, gesagt: ›Zu einer Zeit wo meine Sammlung eine bestimmte ist, ist da mein Auge ein bestimmtes, und mit einem bestimmten Auge nehm’ ich einen bestimmten Abglanz wahr und den Anblick bestimmter Umrisse; und wieder zu einer Zeit wo meine Sammlung unermesslich ist, ist da mein Auge unermesslich, und mit dem unermesslichen Auge nehm’ ich unermesslichen Abglanz wahr und den Anblick unermesslicher Umrisse: eine ganze Nacht hindurch, einenganzen Tag hindurch, eine ganze Nacht, einen ganzen Tag hindurch.‹
»Sobald nun von mir, Anuruddher, Schwanken als Herzensverschlackung richtig entdeckt worden und das Schwanken, die Herzensverschlackung, abgeschafft war; Unachtsamkeit als Herzensverschlackung richtig entdeckt worden und die Unachtsamkeit, die Herzensverschlackung, abgeschafft war;{288}matte Müde als Herzensverschlackung richtig entdeckt worden und die matte Müde, die Herzensverschlackung, abgeschafft war; Entsetzen als Herzensverschlackung richtig entdeckt worden und das Entsetzen, die Herzensverschlackung, abgeschafft war; Entzücken als Herzensverschlackung richtig entdeckt worden und das Entzücken, die Herzensverschlackung, abgeschafft war; Schwerfälligkeit als Herzensverschlackung richtig entdeckt worden und die Schwerfälligkeit, die Herzensverschlackung, abgeschafft war; zu straffe Spannung als Herzensverschlackung richtig entdeckt worden und die zu straffe Spannung, die Herzensverschlackung, abgeschafft war; zu schlaffe Spannung als Herzensverschlackung richtig entdeckt worden und die zu schlaffe Spannung, die Herzensverschlackung, abgeschafft war; Beifall als Herzensverschlackung richtig entdeckt worden und der Beifall, die Herzensverschlackung, abgeschafft war; Vielheitwahrnehmen als Herzensverschlackung richtig entdeckt worden und das Vielheitwahrnehmen, die Herzensverschlackung, abgeschafft war; zu scharfe Betrachtung der Umrisse als Herzensverschlackung richtig entdeckt worden und die zu scharfe Betrachtung der Umrisse, die Herzensverschlackung, abgeschafft war: da hab’ ich mir,Anuruddher, gesagt: ›Was bei mir Herzensverschlackung gewesen hab’ ich abgeschafft. Wohl denn: jetzt will ich dreifach die Sammlung vollbringen.‹
»So hab’ ich denn, Anuruddher, mit Sinnen und Gedenken Sammlung vollbracht, habe ohne Sinnen, nur gedenkend Sammlung vollbracht, habe ohne Sinnen und Gedenken Sammlung vollbracht; und habe erheiternde Sammlung vollbracht, habe entheiternde Sammlung vollbracht,{289}habe hellmüthige Sammlung vollbracht; und habe gleichmüthige Sammlung vollbracht.
»Sobald nun von mir, Anuruddher, mit Sinnen und Gedenken Sammlung vollbracht war, ohne Sinnen, nur gedenkend Sammlung vollbracht war, ohne Sinnen und Gedenken Sammlung vollbracht war; und erheiternde Sammlung vollbracht war, entheiternde Sammlung vollbracht war, hellmüthige Sammlung vollbracht war; und gleichmüthige Sammlung vollbracht war: da ist mir dann das Wissen und der Anblick aufgegangen:
Auf ewig bin erlöst ich,Das ist das letzte Leben,Und nicht mehr giebt es Wiedersein.«
Auf ewig bin erlöst ich,Das ist das letzte Leben,Und nicht mehr giebt es Wiedersein.«
Auf ewig bin erlöst ich,Das ist das letzte Leben,Und nicht mehr giebt es Wiedersein.«
Auf ewig bin erlöst ich,
Das ist das letzte Leben,
Und nicht mehr giebt es Wiedersein.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Anuruddho über das Wort des Erhabenen.[147]
129.
Dreizehnter Theil
Neunte Rede
{290}Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Drei giebt es, ihr Mönche, beim Thoren der Kennzeichen des Thoren, der Merkmale des Thoren, der Offenbarungen des Thoren: und welche drei? Da mag, ihr Mönche, der Thor Uebelgedachtes denken und Uebelgesprochenes sprechen und übelgethane That begehn. Wär’ es nicht, ihr Mönche, des Thoren Art Uebelgedachtes zu denken und Uebelgesprochenes zu sprechen und übelgethane That zu begehn, welcher Weise könnte ihn wohl erkennen: ›Ein Thor ist es, ein schlechter Mensch‹? Weil nun aber, ihr Mönche, der Thor Uebelgedachtes denkt und Uebelgesprochenes spricht und übelgethane That begeht, darum erkennen ihn Weise: ›Ein Thor ist es, ein schlechter Mensch.‹
»Ein solcher Thor nun, ihr Mönche, wird in dreifachem Maaße schon bei Lebzeiten Trauer und Trübsinn erfahren. Wenn sich, ihr Mönche, der Thor in Gesellschaft befindet oder auf der Straße befindet oder auf dem Markte befindet, so führen die Leute von ihm veranlasste, auf ihn bezügliche Gespräche. Wenn, ihr Mönche, der Thor Lebendiges umbringt, Nichtgegebenesnimmt, Ausschweifung begeht, Lüge spricht, berauschende und berückende Getränke, betäubende und bethörende Mittel gebraucht, so wird ihm da also, ihr Mönche, zumuthe: ›Haben die Leute davon Anlass, darauf Beziehung im Gespräche genommen, so ist dergleichen bei mir anzutreffen: auch mich kann das angehn.‹{291}Das wird, ihr Mönche, der Thor zuerst schon bei Lebzeiten als Trauer und Trübsinn erfahren.
»Weiter sodann, ihr Mönche, sieht der Thor wie Könige einen Räuber, einen Verbrecher ergreifen lassen und mancherlei Strafen verhängen, als wie Peitschen-, Stock- oder Ruthenhiebe; Handverstümmlung, Fußverstümmlung oder Verstümmlung der Hände und Füße; Ohrenverstümmlung, Nasenverstümmlung, Verstümmlung der Ohren und der Nase; den Breikessel, die Muschelrasur, das Drachenmaul; den Pechkranz, die Fackelhand; das Spießruthenlaufen, das Rindenliegen, den Marterbock; das Angelfleisch, den Münzengriff, die Laugenätze; den Schraubstock, das Bastgeflecht; die siedende Oelbeträufelung, das Zerreißen durch Hunde, die lebendige Pfählung, die Enthauptung. Da wird, ihr Mönche, dem Thoren also zumuthe: ›Um welcher Uebelthaten willen Könige einen Räuber, einen Verbrecher ergreifen lassen und so mancherlei Strafen verhängen, dergleichen ist ja bei mir anzutreffen: auch mich kann das angehn. Wenn Könige auch mich kennten, sie ließen auch mich ergreifen und so mancherlei Strafen verhängen.‹ Das aber wird, ihr Mönche, der Thor zuzweit schon bei Lebzeiten als Trauer und Trübsinn erfahren.
{292}»Weiter sodann, ihr Mönche: wenn der Thor aufeinem Stuhle Platz genommen oder auf ein Lager sich hingelegt hat oder auf der Erde ausruht, so sind es die bösen Thaten, die er früher gethan, schlechte Handlungen in Werken, in Worten, in Gedanken, die um diese Zeit über ihn kommen, über ihn niedersinken, über ihn herabziehn. Gleichwie etwa, ihr Mönche, die Schatten der Gipfel hoher Gebirge um Sonnenuntergang über die Ebene kommen, über sie niedersinken, über sie herabziehn: ebenso nun auch, ihr Mönche, sind es, wenn der Thor auf einem Stuhle Platz genommen oder auf ein Lager sich hingelegt hat oder auf der Erde ausruht, die bösen Thaten, die er früher gethan, schlechte Handlungen in Werken, in Worten, in Gedanken, die um diese Zeit über ihn kommen, über ihn niedersinken, über ihn herabziehn. Da wird, ihr Mönche, dem Thoren also zumuthe: ›Nicht hab’ ich doch günstig gewirkt, habe nicht heilsam gewirkt, habe keinerlei Scheu gekannt: Böses hab’ ich gethan, grausam bin ich gewesen, Frevel hab’ ich verübt; wo da ungünstig wirken, unheilsam wirken, keinerlei Scheu kennen, Böses thun, grausam sein, Frevel verüben hingelangen lässt, dahin werd’ ich nach dem Tode gelangen.‹ So wird er bekümmert, beklommen, er jammert, schlägt sich stöhnend die Brust, geräth in Verzweiflung. Das aber wird, ihr Mönche, der Thor zudritt schon bei Lebzeiten als Trauer und Trübsinn erfahren.
»Ein solcher Thor nun, ihr Mönche, der in Werken übel gewandelt, in Worten übel gewandelt, in Gedanken übel gewandelt ist, gelangt bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt. Mag nun einer, ihr Mönche, mit rechter Rede sagen ›Einzig unerwünscht,einzig unbegehrt, einzig unangenehm‹, mag er es eben von höllischer Welt mit rechter Rede sagen: ›Einzig unerwünscht, einzig unbegehrt, einzig unangenehm‹; da man es ja, ihr Mönche,{293}auch im Gleichnisse nicht wohl darthun kann, wie tief die Leiden höllischer Welten reichen.«
Auf diese Worte wandte sich einer der Mönche an den Erhabenen und fragte:
»Kann man aber, o Herr, ein Gleichniss geben?«
»Man kann es, Mönch«, sprach der Erhabene. »Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn man einen Räuber, einen Verbrecher ergriffe und vor den Herrscher brächte: ›Hier, o König, ist ein Räuber, ein Verbrecher: was du ihm bestimmst, diese Strafe gebiete!‹ Und der König verkündete ihm: ›Geht, ihr Leute, und gebt diesem Manne am Morgen hundert Klingenhiebe.‹ Und man gäbe ihm am Morgen hundert Klingenhiebe. Da fragte der König zu Mittag: ›Sagt doch, was macht jener Mann?‹ — ›Er ist noch, o König, am Leben.‹ Und der König verkündete ihm: ›Geht, ihr Leute, und gebt dem Manne zu Mittag hundert Klingenhiebe.‹ Und man gäbe ihm zu Mittag hundert Klingenhiebe. Da fragte der König am Abend: ›Sagt doch, was macht jener Mann?‹ — ›Er ist noch, o König, am Leben.‹ Und der König verkündete ihm: ›Geht, ihr Leute, und gebt dem Manne am Abend hundert Klingenhiebe.‹ Und man gäbe ihm am Abend hundert Klingenhiebe. Was meint ihr wohl, Mönche: würde da nicht dieser Mann, mit dreihundert Klingenhieben gezüchtigt, infolge davon Trauer und Trübsinn erfahren?«
»Auch nur, o Herr, mit einem Klingenhiebe gezüchtigtwürde dieser Mann infolge davon Trauer und Trübsinn erfahren, geschweige denn mit dreihundert Klingenhieben.«
Da hob nun der Erhabene einen mäßigen, handgroßen Stein auf und wandte sich an die Mönche:
»Was meint ihr wohl, Mönche: was ist größer, dieser mäßige, handgroße Stein, den ich da habe, oder der Himālayo, der König der Berge?«
{294}»Geringfügig ist, o Herr, dieser mäßige, handgroße Stein, den der Erhabene da hat: gegen den Himālayo, den König der Berge, kann er nicht gezählt, nicht gerechnet, nicht verglichen werden.«
»Ebenso nun auch, ihr Mönche, kann was ein Mensch, mit dreihundert Klingenhieben gezüchtigt, infolge davon an Trauer und Trübsinn erfährt gegen das Leiden höllischer Welt nicht gezählt, nicht gerechnet, nicht verglichen werden. Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter Fünffache Schmiede geheißene Strafe durchmachen. Einen glühenden Eisenkeil bohren sie ihm in die eine Hand, einen glühenden Eisenkeil bohren sie ihm in die andere Hand, einen glühenden Eisenkeil bohren sie ihm in den einen Fuß, einen glühenden Eisenkeil bohren sie ihm in den anderen Fuß, einen glühenden Eisenkeil bohren sie ihm mitten in die Brust. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.
»Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter überfallen und mit Aexten zerspalten; Fuß oben, Kopf unten anpacken und mit Messern zerschlitzen. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühlezu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.
»Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter an einen Wagen schirren und treiben ihn über eine feurige, flammende, flackernde Fläche hinüber, herüber. Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter einen hohen, glühenden, feurigen, flammenden, flackernden Felsen emporklimmen, herabklimmen. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht{295}sein böses Werk erschöpft ist.
»Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter Fuß oben, Kopf unten anpacken und in einen siedenden, feurigen, flammenden, flackernden Schmelzofen werfen, wo er bis zu schaumigem Gischte aufgekocht wird und also bald emporsteigt und bald herabsinkt und bald queerdurchtreibt. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.[148]
»Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter in die Erzhölle werfen. Die Erzhölle aber, ihr Mönche, hat vier Winkel und vier Thore, genau nach den Seiten vertheilt, ist mit eisernem Walle umschlossen, mit Eisen überwölbt. Ihr Boden, aus Eisen bestanden, von glühender Röthe durchdrungen, erstreckt sich rings umher dreihundert Meilen weit überall hin. Wollte ich gleich, ihr Mönche, auf mancherlei Weise höllische Dinge euch deuten, so könnte man es doch, ihr Mönche, nicht wohl durch Worte erfassen, wie tief die Leiden höllischer Welten reichen. —
»Es giebt, ihr Mönche, thiergewordene Wesen, die Gras fressen; sie befeuchten das Gras mit Speichel und zerkauen es zwischen den Zähnen. Was sind das aber, ihr Mönche, für thiergewordene Wesen, die Gras fressen? Rosse, Rinder, Esel, Ziegen, Antilopen, und was es sonst noch irgend an thiergewordenen Wesen giebt, die Gras fressen. Ein solcher Thor nun, ihr Mönche, der da früher geschmäckig war, der da böse Thaten gethan, wird bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit jenen Wesen wiederkehren, die als Grasfresser leben.
»Es giebt, ihr Mönche, thiergewordene Wesen, die Mist fressen; haben die von weitem schon Mistgeruch gewittert, so eilen sie herbei: ›Daran wollen wir uns laben, daran wollen wir uns laben.‹ Gleichwie etwa, ihr Mönche,{296}Priester beim Opfergeruche herbeieilen: ›Daran wollen wir uns laben, daran wollen wir uns laben‹: ebenso nun auch, ihr Mönche, giebt es thiergewordene Wesen, die Mist fressen; haben die von weitem schon Mistgeruch gewittert, so eilen sie herbei: ›Daran wollen wir uns laben, daran wollen wir uns laben.‹ Was sind das aber, ihr Mönche, für thiergewordene Wesen, die Mist fressen? Hühner, Schweine, Hunde, Schackale, und was es sonst noch irgend an thiergewordenen Wesen giebt, die Mist fressen. Ein solcher Thor nun, ihr Mönche, der da früher geschmäckig war, der da böse Thaten gethan, wird bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit jenen Wesen wiederkehren, die als Mistfresser leben.[149]
»Es giebt, ihr Mönche, thiergewordene Wesen, die im Dunkeln entstehn, im Dunkeln vergehn, im Dunkelnersterben. Was sind das aber, ihr Mönche, für thiergewordene Wesen, die im Dunkeln entstehn, im Dunkeln vergehn, im Dunkeln ersterben? Käfer, Motten, Asseln, und was es sonst noch irgend an thiergewordenen Wesen giebt, die im Dunkeln entstehn, im Dunkeln vergehn, im Dunkeln ersterben. Ein solcher Thor nun, ihr Mönche, der da früher geschmäckig war, der da böse Thaten gethan, wird bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit jenen Wesen wiederkehren, die im Dunkeln entstehn, im Dunkeln vergehn, im Dunkeln ersterben.[150]
»Es giebt, ihr Mönche, thiergewordene Wesen, die im Wasser entstehn, im Wasser vergehn, im Wasser ersterben. Was sind das aber, ihr Mönche, für thiergewordene Wesen, die im Wasser entstehn, im Wasser vergehn, im Wasser ersterben? Fische, Schildkröten, Krokodile, und was es sonst noch irgend an thiergewordenen Wesen giebt,{297}die im Wasser entstehn, im Wasser vergehn, im Wasser ersterben. Ein solcher Thor nun, ihr Mönche, der da früher geschmäckig war, der da böse Thaten gethan, wird bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit jenen Wesen wiederkehren, die im Wasser entstehn, im Wasser vergehn, im Wasser ersterben.
»Es giebt, ihr Mönche, thiergewordene Wesen, die in Unrath entstehn, in Unrath vergehn, in Unrath ersterben. Was sind das aber, ihr Mönche, für thiergewordene Wesen, die in Unrath entstehn, in Unrath vergehn, in Unrath ersterben? Es sind, ihr Mönche, Wesen, die da in faulendem Fische entstehn, in faulendem Fische vergehn, in faulendem Fische ersterben, oder infaulendem Fleische, oder in faulender Speise, oder in Pfuhl oder Pfütze entstehn, in Pfuhl oder Pfütze vergehn, in Pfuhl oder Pfütze ersterben, und was es sonst noch irgend an thiergewordenen Wesen giebt, die in Unrath entstehn, in Unrath vergehn, in Unrath ersterben. Ein solcher Thor nun, ihr Mönche, der da früher geschmäckig war, der da böse Thaten gethan, wird bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit jenen Wesen wiederkehren, die in Unrath entstehn, in Unrath vergehn, in Unrath ersterben.[151]Wollte ich gleich, ihr Mönche, auf mancherlei Weise Dinge der Thierheit euch deuten, so könnte man es doch, ihr Mönche, nicht wohl durch Worte erfassen, wie tief die Leiden der Thierheit reichen.
»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Mann eine einkehlige Reuse in den Ozean würfe; die würde da vom östlichen Winde nach Westen getrieben, vom westlichen Winde nach Osten getrieben, vom nördlichen Winde nach Süden getrieben,{298}vom südlichen Winde nach Norden getrieben; und es wäre da eine einäugige Schildkröte, die alle hundert Jahre einmal emportauchte; was meint ihr nun, Mönche: sollte da etwa die einäugige Schildkröte mit ihrem Halse in jene einkehlige Reuse hineingerathen?«
»Wohl kaum, o Herr; oder doch nur, o Herr, irgend einmal vielleicht, im Verlaufe langer Zeiten.«
»Eher noch mag, ihr Mönche, die einäugige Schildkröte mit ihrem Halse in jene einkehlige Reuse hineingerathen: aber schwieriger, sag’ ich, ihr Mönche, ist Menschenthum erreichbar, sobald der Thor einmal in die Tiefe hinabgesunken. Und warum das? Weil es dort,ihr Mönche, keinen gerechten Wandel, geraden Wandel, kein heilsames Wirken, hülfreiches Wirken giebt: einer den anderen auffressen ist dort, ihr Mönche, der Brauch, den Schwachen ermorden.[152]
»Ein solcher Thor nun, ihr Mönche, wenn der irgend einmal vielleicht, im Verlaufe langer Zeiten, Menschenthum erwirbt, so ist es ein niederer Stand, wie der von Treibern oder von Jägern, von Korbflechtern oder von Radmachern oder von Gärtnern: in einem solchen Stande wird er neugeboren, in einem bedürftigen, an Speise und Trank darbenden, der sich kümmerlich fortbringt, wo man kümmerlich Kost und Gewand erhält. Und er ist hässlich, unschön, unansehnlich, mit Gebrechen behaftet, ist einäugig oder lahm, er hinkt oder ist halb vom Schlage gerührt, es mangelt ihm an Speise und Trank und Kleidung, an Wagen und Schmuck und duftenden Salben, an Lager und Obdach und Licht. Und er wandelt übel in Werken, wandelt übel in Worten, wandelt übel in Gedanken; und ist er in Werken übel gewandelt, in Worten übel gewandelt, in Gedanken übel gewandelt, so gelangt er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, wieder in höllische Welt.
»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Würfelspieler eben auf den ersten Misswurf um sein Kind spielen, um sein Weib spielen,{299}um sein ganzes Hab und Gut spielen und endlich sich selber in Knechtschaft dahingeben mag; geringfügig ist da, ihr Mönche, der Misswurf, wann der Würfelspieler eben auf den ersten Misswurf um sein Kind spielen, um sein Weib spielen, um sein ganzes Hab und Gut spielen und endlich sich selber inKnechtschaft dahingehen mag: sondern es ist eben das ein gewichtigerer Misswurf als jener, wann der Thor in Werken übel gewandelt, in Worten übel gewandelt, in Gedanken übel gewandelt ist und bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt wiederkehrt.
»Das ist, ihr Mönche, der vollkommen ausgefüllte Rang des Thoren.[153]
»Drei giebt es, ihr Mönche, beim Weisen der Kennzeichen des Weisen, der Merkmale des Weisen, der Offenbarungen des Weisen: und welche drei? Da mag, ihr Mönche, der Weise Wohlgedachtes denken und Wohlgesprochenes sprechen und wohlgethane That begehn. Wär’ es nicht, ihr Mönche, des Weisen Art Wohlgedachtes zu denken und Wohlgesprochenes zu sprechen und wohlgethane That zu begehn, welcher Weise könnte ihn wohl erkennen: ›Ein Weiser ist es, ein guter Mensch‹? Weil nun aber, ihr Mönche, der Weise Wohlgedachtes denkt und Wohlgesprochenes spricht und wohlgethane That begeht, darum erkennen ihn Weise: ›Ein Weiser ist es, ein guter Mensch.‹
»Ein solcher Weise nun, ihr Mönche, wird in dreifachem Maaße schon bei Lebzeiten Freude und Frohsinn erfahren. Wenn sich, ihr Mönche, der Weise in Gesellschaft befindet oder auf der Straße befindet oder auf dem Markte befindet, so führen die Leute von ihm veranlasste, auf ihn bezügliche Gespräche. Wenn, ihr Mönche, der Weise von Todtschlag absteht, von Diebstahl sich zurückhält, keine Ausschweifung begeht, keine Lüge spricht, berauschende und berückende Getränke,betäubende und bethörende Mittel meidet, so wird ihm da also, ihr Mönche, zumuthe:{300}›Haben die Leute davon Anlass, darauf Beziehung im Gespräche genommen, so ist dergleichen bei mir anzutreffen: auch mich kann das angehn.‹ Das wird, ihr Mönche, der Weise zuerst schon bei Lebzeiten als Freude und Frohsinn erfahren.[154]
»Weiter sodann, ihr Mönche, sieht der Weise wie Könige einen Räuber, einen Verbrecher ergreifen lassen und mancherlei Strafen verhängen, als wie Peitschen-, Stock- oder Ruthenhiebe; Handverstümmlung, Fußverstümmlung oder Verstümmlung der Hände und Füße; Ohrenverstümmlung, Nasenverstümmlung, Verstümmlung der Ohren und der Nase; den Breikessel, die Muschelrasur, das Drachenmaul; den Pechkranz, die Fackelhand; das Spießruthenlaufen, das Rindenliegen, den Marterbock; das Angelfleisch, den Münzengriff, die Laugenätze; den Schraubstock, das Bastgeflecht; die siedende Oelbeträufelung, das Zerreißen durch Hunde, die lebendige Pfählung, die Enthauptung. Da wird, ihr Mönche, dem Weisen also zumuthe: ›Um welcher Uebelthaten willen Könige einen Räuber, einen Verbrecher{301}ergreifen lassen und so mancherlei Strafen verhängen, dergleichen ist ja bei mir nicht anzutreffen: und mich kann das nicht angehn.‹ Das aber wird, ihr Mönche, der Weise zuzweit schon bei Lebzeiten als Freude und Frohsinn erfahren.
»Weiter sodann, ihr Mönche: wenn der Weise auf einem Stuhle Platz genommen oder auf ein Lager sich hingelegt hat oder auf der Erde ausruht, so sind es die günstigen Thaten, die er früher gethan, gute Handlungen in Werken, in Worten, in Gedanken, die um diese Zeitüber ihn kommen, über ihn niedersinken, über ihn herabziehn. Gleichwie etwa, ihr Mönche, die Schatten der Gipfel hoher Gebirge um Sonnenuntergang über die Ebene kommen, über sie niedersinken, über sie herabziehn: ebenso nun auch, ihr Mönche, sind es, wenn der Weise auf einem Stuhle Platz genommen oder auf ein Lager sich hingelegt hat oder auf der Erde ausruht, die günstigen Thaten, die er früher gethan, gute Handlungen in Werken, in Worten, in Gedanken, die um diese Zeit über ihn kommen, über ihn niedersinken, über ihn herabziehn. Da wird, ihr Mönche, dem Weisen also zumuthe: ›Nicht hab’ ich doch Böses gethan, bin nicht grausam gewesen, habe keinen Frevel verübt: günstig hab’ ich gewirkt, heilsam hab’ ich gewirkt, habe Scheu gekannt; wo da nicht Böses thun, nicht grausam sein, keinen Frevel verüben, günstig wirken, heilsam wirken, Scheu kennen hingelangen lässt, dahin werd’ ich nach dem Tode gelangen.‹ So wird er nicht bekümmert, nicht beklommen, er jammert nicht, schlägt sich nicht stöhnend die Brust, geräth nicht in Verzweiflung.{302}Das aber wird, ihr Mönche, der Weise zudritt schon bei Lebzeiten als Freude und Frohsinn erfahren.
»Ein solcher Weise nun, ihr Mönche, der in Werken wohl gewandelt, in Worten wohl gewandelt, in Gedanken wohl gewandelt ist, gelangt bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt. Mag nun einer, ihr Mönche, mit rechter Rede sagen ›Einzig erwünscht, einzig begehrt, einzig angenehm‹, mag er es eben von himmlischer Welt mit rechter Rede sagen: ›Einzig erwünscht, einzig begehrt, einzig angenehm‹; da man es ja, ihr Mönche, auch im Gleichnissenicht wohl darthun kann, wie hoch die Freuden himmlischer Welten reichen.«
Auf diese Worte wandte sich einer der Mönche an den Erhabenen und fragte:
»Kann man aber, o Herr, ein Gleichniss geben?«
»Man kann es, Mönch«, sprach der Erhabene. »Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein König Kaiser geworden ist, mit den sieben Juwelen begabt und den vier Vermögen: da wird er infolge davon Freude und Frohsinn erfahren. Das aber sind seine sieben Juwelen, und zwar[155]: das beste Land, der beste Elephant, das beste Ross, die beste Perle, das beste Weib, der beste Bürger, und siebentens der beste Staatsmann. Ein König, ihr Mönche, als Kaiser ist mit diesen sieben Juwelen begabt.{307}Was aber sind die vier Vermögen? Da ist, ihr Mönche, der König als Kaiser schön, hold, liebenswürdig, mit höchster Anmuth begabt, weit mehr als andere Menschen. Ein König, ihr Mönche, als Kaiser ist zuerst mit diesem Vermögen begabt.[156]Weiter sodann, ihr Mönche: ein König als Kaiser hat lange Lebensdauer, langen Bestand, weit mehr als andere Menschen. Ein König, ihr Mönche, als Kaiser ist zuzweit mit diesem Vermögen begabt. Weiter sodann, ihr Mönche: ein König als Kaiser ist gesund und munter, seine Kräfte sind gleichmäßig gemischt, weder zu kühl noch zu heiß, weit besser als bei anderen Menschen. Ein König, ihr Mönche, als Kaiser ist zudritt mit diesem Vermögen begabt.[157]Weiter sodann, ihr Mönche: ein König als Kaiser ist Priestern und Hausvätern lieb und werth. Gleichwie etwa, ihr Mönche, ein Vater den Kindern lieb ist und werth, ebenso nun auch, ihr Mönche, ist ein König als KaiserPriestern und Hausvätern lieb und werth. Und einem Könige, ihr Mönche, als Kaiser sind Priester und Hausväter lieb und werth. Gleichwie etwa, ihr Mönche, einem Vater die Kinder lieb sind und werth,{308}ebenso nun auch, ihr Mönche, sind einem Könige als Kaiser Priester und Hausväter lieb und werth. Vormals, ihr Mönche, geschah es, da ein König als Kaiser, gefolgt von dem viermächtigen Heerbanne[158], zur Frühjahrsfeier hinauszog, dass ihm Priester und Hausväter entgegengingen und also sprachen: ›Verweile, Gebieter, auf deinem Zuge, auf dass wir länger deinen Anblick erschauen.‹ Und auch ein König, ihr Mönche, als Kaiser mahnte den Wagenlenker: ›Ohne Eile, Wagenlenker, lasse weiter uns fahren, auf dass ich länger den Anblick der Priester und Hausväter vor mir habe.‹ Ein König, ihr Mönche, als Kaiser ist zuviert mit diesem Vermögen begabt. Ein König, ihr Mönche, als Kaiser ist mit diesen vier Vermögen begabt. Was meint ihr nun, Mönche: könnte da nicht ein König als Kaiser, mit den sieben Juwelen begabt und den vier Vermögen, daran Freude und Frohsinn erfahren?«
»Auch nur, o Herr, mit einem einzigen der Juwelen begabt könnte ein König als Kaiser daran Freude und Frohsinn erfahren, geschweige denn mit den sieben Juwelen, mit den vier Vermögen.«
Da hob nun der Erhabene einen mäßigen, handgroßen Stein auf und wandte sich an die Mönche:
»Was meint ihr wohl, Mönche: was ist größer, dieser mäßige, handgroße Stein, den ich da habe, oder der Himālayo, der König der Berge?«
»Geringfügig ist, o Herr, dieser mäßige, handgroße Stein, den der Erhabene da hat: gegen den Himālayo,den König der Berge, kann er nicht gezählt, nicht gerechnet, nicht verglichen werden.«
»Ebenso nun auch, ihr Mönche, kann was ein solcher König als Kaiser, mit den sieben Juwelen begabt und den vier Vermögen, dabei an Freude und Frohsinn erfährt gegen himmlische Freude nicht gezählt,{309}nicht gerechnet, nicht verglichen werden.[159]
»Ein solcher Weise nun, ihr Mönche, wenn der irgend einmal vielleicht, im Verlaufe langer Zeiten, Menschenthum erwirbt, so ist es ein hoher Stand, wie der von mächtigen Fürsten oder von mächtigen Priestern oder von mächtigen Bürgern: in einem solchen Stande wird er neugeboren, in einem wohlhabenden, mächtig bemittelten, mächtig begüterten, der reichlich mit Gold und Silber, reichlich mit Besitz und Hausrath, reichlich mit Geld und Gut versehn ist. Und er ist schön, hold, liebenswürdig, mit höchster Anmuth begabt, entbehrt nicht Speise und Trank und Kleidung, Wagen und Schmuck und duftende Salben, Lager und Obdach und Licht. Und er wandelt wohl in Werken, wandelt wohl in Worten, wandelt wohl in Gedanken; und ist er in Werken wohl gewandelt, in Worten wohl gewandelt, in Gedanken wohl gewandelt, so gelangt er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, wieder in himmlische Welt.
»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Würfelspieler eben auf den ersten Hauptwurf mächtigen Reichthum gewinnen mag; geringfügig ist da, ihr Mönche, der Hauptwurf, wann der Würfelspieler eben auf den ersten Hauptwurf mächtigen Reichthum gewinnen mag: sondern es ist eben das ein gewichtigerer Hauptwurf alsjener, wann der Weise in Werken wohl gewandelt, in Worten wohl gewandelt, in Gedanken wohl gewandelt ist und bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt wiederkehrt.
»Das ist, ihr Mönche, der vollkommen ausgefüllte Rang des Weisen.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.[160]
130.
Dreizehnter Theil
Zehnte Rede
{310}Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da zwei Häuser wären, mit Thüren, und es betrachtete ein scharfsehender Mann, in der Mitte stehend, die Menschen, wie sie das Haus betreten und verlassen, kommen und gehn[161]: ebenso nun auch, ihr Mönche, seh’ ich mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, erkenne wie die Wesen jenach den Thaten wiederkehren. ›Diese lieben Wesen sind freilich in Thaten dem Guten zugethan, in Worten dem Guten zugethan, in Gedanken dem Guten zugethan, tadeln nicht Heiliges, achten Rechtes, thun Rechtes; bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, kehren sie auf gute Fährte, in himmlische Welt wieder. Und auch diese lieben Wesen sind in Thaten dem Guten zugethan, in Worten dem Guten zugethan, in Gedanken dem Guten zugethan, tadeln nicht Heiliges, achten Rechtes, thun Rechtes; bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, kehren sie unter die Menschen wieder. Jene lieben Wesen sind aber in Thaten dem Schlechten zugethan, in Worten dem Schlechten zugethan, in Gedanken dem Schlechten zugethan, tadeln Heiliges, achten Verkehrtes, thun Verkehrtes; bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, kehren sie in das Gespensterreich wieder.{311}Und auch jene lieben Wesen sind in Thaten dem Schlechten zugethan, in Worten dem Schlechten zugethan, in Gedanken dem Schlechten zugethan, tadeln Heiliges, achten Verkehrtes, thun Verkehrtes; bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, kehren sie in die Thierheit wieder. Und auch jene lieben Wesen sind in Thaten dem Schlechten zugethan, in Worten dem Schlechten zugethan, in Gedanken dem Schlechten zugethan, tadeln Heiliges, achten Verkehrtes, thun Verkehrtes; bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, kehren sie abwärts, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt wieder.
»Ein solcher, ihr Mönche, wird von den höllischen Wächtern unter den Armen ergriffen und vor den Richter der Schatten gebracht: ›Da ist, o König, ein Mann, derunbarmherzig war, kein Entsagen kannte, keine Lauterkeit, vor keinem ehrwürdigen Haupte Achtung hatte[162]; ihm soll der König die Strafe erkennen.‹ Ein solcher, ihr Mönche, wird vom Richter der Schatten über den ersten Götterboten befragt, ausgeforscht, unterrichtet: ›Lieber Mann, hast du nicht bei den Menschen den ersten Götterboten erscheinen sehn?‹ Er aber antwortet: ›Ich hab’ ihn nicht gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, hast du nicht bei den Menschen ein kleines Kind, einen unvernünftigen Säugling, mit Koth und Harn beschmutzt daliegen sehn?‹ Er aber antwortet: ›Das hab’ ich gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, da du verständig geworden, erwachsen warst[163], hast du bedacht: ‚Auch ich bin der Geburt unterworfen, habe die Geburt nicht überstanden; wohl denn, günstig will ich wirken, in Werken, in Worten, in Gedanken‘?‹ Er aber antwortet: ›Ich konnt’ es nicht, o Herr, war unachtsam, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann,{312}aus Unachtsamkeit hast du nicht günstig gewirkt in Werken, in Worten, in Gedanken: da wird man dir, lieber Mann, eben nur also begegnen wie einem Unachtsamen. Das aber nun, was du dort Böses begangen, hat nicht die Mutter gethan und nicht der Vater, hat nicht der Bruder gethan und nicht die Schwester, hat kein Freund und Genosse gethan, hat kein Verwandter und Gevatter gethan, hat kein Asket und Priester gethan, hat keine Gottheit gethan: du selber hast dort böse That gethan, du selber hast die Ernte davon einzutragen.‹[164]
»Ein solcher, ihr Mönche, vom Richter der Schattenalso über den ersten Götterboten belehrt, wird über den zweiten Götterboten befragt, ausgeforscht, unterrichtet: ›Lieber Mann, hast du nicht bei den Menschen den zweiten Götterboten erscheinen sehn?‹ Er aber antwortet: ›Ich hab’ ihn nicht gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, hast du nicht bei den Menschen ein Weib oder einen Mann gesehn, im achtzigsten oder neunzigsten oder hundertsten Lebensjahre, gebrochen, giebelförmig geknickt, abgezehrt, auf Krücken gestützt schlotternd dahinschleichen, siech, welk, zahnlos, mit gebleichten Strähnen, kahlem, wackelndem Kopfe, verrunzelt, die Haut voller Flecken?‹ Er aber antwortet: ›Das hab’ ich gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, da du verständig geworden, erwachsen warst, hast du bedacht: ‚Auch ich bin dem Alter unterworfen, habe das Alter nicht überstanden; wohl denn, günstig will ich wirken, in Werken, in Worten, in Gedanken‘?‹ Er aber antwortet: ›Ich konnt’ es nicht, o Herr, war unachtsam, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, aus Unachtsamkeit hast du nicht günstig gewirkt in Werken, in Worten, in Gedanken: da wird man dir, lieber Mann, eben nur also begegnen wie einem Unachtsamen. Das aber nun, was du dort Böses begangen, hat nicht die Mutter gethan und nicht der Vater,{313}hat nicht der Bruder gethan und nicht die Schwester, hat kein Freund und Genosse gethan, hat kein Verwandter und Gevatter gethan, hat kein Asket und Priester gethan, hat keine Gottheit gethan: du selber hast dort böse That gethan, du selber hast die Ernte davon einzutragen.‹
»Ein solcher, ihr Mönche, vom Richter der Schatten also über den zweiten Götterboten belehrt, wird über den dritten Götterboten befragt, ausgeforscht, unterrichtet: ›Lieber Mann, hast du nicht bei den Menschen den dritten Götterboten erscheinen sehn?‹ Er aber antwortet: ›Ich hab’ ihn nicht gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, hast du nicht bei den Menschen ein Weib oder einen Mann gesehn, unwohl, leidend, schwerkrank, mit Koth und Harn beschmutzt daliegend, von anderen gehoben, von anderen bedient?‹ Er aber antwortet: ›Das hab’ ich gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, da du verständig geworden, erwachsen warst, hast du bedacht: ‚Auch ich bin der Krankheit unterworfen, habe die Krankheit nicht überstanden; wohl denn, günstig will ich wirken, in Werken, in Worten, in Gedanken‘?‹ Er aber antwortet: ›Ich konnt’ es nicht, o Herr, war unachtsam, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, aus Unachtsamkeit hast du nicht günstig gewirkt in Werken, in Worten, in Gedanken: da wird man dir, lieber Mann, eben nur also begegnen wie einem Unachtsamen. Das aber nun, was du dort Böses begangen, hat nicht die Mutter gethan und nicht der Vater, hat nicht der Bruder gethan und nicht die Schwester, hat kein Freund und Genosse gethan, hat kein Verwandter und Gevatter gethan, hat kein Asket und Priester gethan, hat keine Gottheit gethan:{314}du selber hast dort böse That gethan, du selber hast die Ernte davon einzutragen.‹
»Ein solcher, ihr Mönche, vom Richter der Schatten also über den dritten Götterboten belehrt, wird über denvierten Götterboten befragt, ausgeforscht, unterrichtet: ›Lieber Mann, hast du nicht bei den Menschen den vierten Götterboten erscheinen sehn?‹ Er aber antwortet: ›Ich hab’ ihn nicht gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, hast du nicht bei den Menschen gesehn wie Könige einen Räuber, einen Verbrecher ergreifen lassen und mancherlei Strafen verhängen, als wie Peitschen-, Stock- oder Ruthenhiebe; Handverstümmlung, Fußverstümmlung oder Verstümmlung der Hände und Füße; Ohrenverstümmlung, Nasenverstümmlung, Verstümmlung der Ohren und der Nase; den Breikessel, die Muschelrasur, das Drachenmaul; den Pechkranz, die Fackelhand; das Spießruthenlaufen, das Rindenliegen, den Marterbock; das Angelfleisch, den Münzengriff, die Laugenätze; den Schraubstock, das Bastgeflecht; die siedende Oelbeträufelung, das Zerreißen durch Hunde, die lebendige Pfählung, die Enthauptung?‹ Er aber antwortet: ›Das hab’ ich gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, da du verständig geworden, erwachsen warst, hast du bedacht: ‚Wer da wahrlich Uebelthaten verübt, wird schon bei Lebzeiten mit gar mancher Strafe gestraft: wie erst mag es dann drüben sein! Wohl denn, günstig will ich wirken,{315}in Werken, in Worten, in Gedanken‘?‹ Er aber antwortet: ›Ich konnt’ es nicht, o Herr, war unachtsam, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, aus Unachtsamkeit hast du nicht günstig gewirkt in Werken, in Worten, in Gedanken: da wird man dir, lieber Mann, eben nur also begegnen wie einem Unachtsamen. Das aber nun, was du dort Böses begangen, hat nicht dieMutter gethan und nicht der Vater, hat nicht der Bruder gethan und nicht die Schwester, hat kein Freund und Genosse gethan, hat kein Verwandter und Gevatter gethan, hat kein Asket und Priester gethan, hat keine Gottheit gethan: du selber hast dort böse That gethan, du selber hast die Ernte davon einzutragen.‹
»Ein solcher, ihr Mönche, vom Richter der Schatten also über den vierten Götterboten belehrt, wird über den fünften Götterboten befragt, ausgeforscht, unterrichtet: ›Lieber Mann, hast du nicht bei den Menschen den fünften Götterboten erscheinen sehn?‹ Er aber antwortet: ›Ich hab’ ihn nicht gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, hast du nicht bei den Menschen ein Weib oder einen Mann gesehn, einen Tag oder zwei Tage oder drei Tage nach dem Verscheiden, aufgedunsen, blauschwarz gefärbt, in Fäulniss übergegangen?‹ Er aber antwortet: ›Das hab’ ich gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, da du verständig geworden, erwachsen warst, hast du bedacht: ‚Auch ich bin dem Sterben unterworfen, habe das Sterben nicht überstanden; wohl denn, günstig will ich wirken, in Werken, in Worten, in Gedanken‘?‹ Er aber antwortet: ›Ich konnt’ es nicht, o Herr, war unachtsam, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, aus Unachtsamkeit hast du nicht günstig gewirkt in Werken, in Worten, in Gedanken: da wird man dir, lieber Mann, eben nur also begegnen wie einem Unachtsamen. Das aber nun, was du dort Böses begangen, hat nicht die Mutter gethan und nicht der Vater,{316}hat nicht der Bruder gethan und nicht dieSchwester, hat kein Freund und Genosse gethan, hat kein Verwandter und Gevatter gethan, hat kein Asket und Priester gethan, hat keine Gottheit gethan: du selber hast dort böse That gethan, du selber hast die Ernte davon einzutragen.‹ Und hat einen solchen, ihr Mönche, der Richter der Schatten über den fünften Götterboten befragt, ausgeforscht, unterrichtet, so verstummt er.[165]
»Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter Fünffache Schmiede geheißene Strafe durchmachen. Einen glühenden Eisenkeil bohren sie ihm in die eine Hand, einen glühenden Eisenkeil bohren sie ihm in die andere Hand, einen glühenden Eisenkeil bohren sie ihm in den einen Fuß, einen glühenden Eisenkeil bohren sie ihm in den anderen Fuß, einen glühenden Eisenkeil bohren sie ihm mitten in die Brust. So hat er da schmerzliche,{317}brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.
»Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter überfallen und mit Aexten zerspalten; Fuß oben, Kopf unten anpacken und mit Messern zerschlitzen; lassen ihn an einen Wagen schirren und treiben ihn über eine feurige, flammende, flackernde Fläche hinüber, herüber; lassen ihn einen hohen, glühenden, feurigen, flammenden, flackernden Felsen emporklimmen, herabklimmen; lassen ihn Fuß oben, Kopf unten anpacken und in einen siedenden, feurigen, flammenden, flackernden Schmelzofen werfen, wo er bis zu schaumigem Gischte aufgekocht wird und also bald emporsteigt und bald herabsinkt und bald queerdurchtreibt. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zuempfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.