DER UEBERWURF

»Verehrung dem Erhabenen,Dem heilig auferwachten Herrn!»Verehrung dem Erhabenen,Dem heilig auferwachten Herrn!»Verehrung dem Erhabenen,Dem heilig auferwachten Herrn!«

»Verehrung dem Erhabenen,Dem heilig auferwachten Herrn!»Verehrung dem Erhabenen,Dem heilig auferwachten Herrn!»Verehrung dem Erhabenen,Dem heilig auferwachten Herrn!«

»Verehrung dem Erhabenen,Dem heilig auferwachten Herrn!

»Verehrung dem Erhabenen,

Dem heilig auferwachten Herrn!

»Verehrung dem Erhabenen,Dem heilig auferwachten Herrn!

»Verehrung dem Erhabenen,

Dem heilig auferwachten Herrn!

»Verehrung dem Erhabenen,Dem heilig auferwachten Herrn!«

»Verehrung dem Erhabenen,

Dem heilig auferwachten Herrn!«

88.

Neunter Theil

Achte Rede

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.

Da nun begab sich der ehrwürdige Ānando, zeitig gerüstet, mit Mantel und Schaale versehn, auf den Almosengang nach der Stadt. Als er, von Haus zu Haus tretend, Almosenspeise erhalten, kehrte er zurück, nahm das Mahl ein und machte sich dann auf den Weg nach dem Osthain, zu Mutter Migāros Terrasse, tagüber da zu bleiben.

Um diese Zeit aber zog, früh am Nachmittage, König Pasenadi von Kosalo auf seinem Elephanten Weißer Lotusfürst aus Sāvatthī hinaus. Da sah denn der König den ehrwürdigen Ānando von weitem dahinschreiten,{485}und als er ihn gesehn wandte er sich an seinen Marschall Sirivaḍḍho:

»Ist das nicht, bester Sirivaḍḍho, der ehrwürdige Ānando?«

»Ja, großer König, das ist der ehrwürdige Ānando.«

Da befahl denn der König einem seiner Leute:

»Geh’ hin, lieber Mann, zum ehrwürdigen Ānando und bring’ ihm zu Füßen meinen Gruß dar: ›Der König‹, sage, ›o Herr, Pasenadi von Kosalo, bringt dem ehrwürdigen Ānando zu Füßen Gruß dar‹; und füge hinzu: ›wenn, o Herr‹, lässt er sagen, ›der ehrwürdige Ānando nicht dringend zu thun hat, möge doch, o Herr, derehrwürdige Ānando auf eine Weile nähertreten, von Mitleid bewogen.‹«

»Wohl, o König!« entgegnete da gehorsam jener Mann dem Herrscher. Und er eilte zum ehrwürdigen Ānando hin, bot ehrerbietigen Gruß dar und stand zur Seite. Zur Seite stehend sprach er dann also zum ehrwürdigen Ānando:

»Der König, o Herr, Pasenadi von Kosalo, bringt dem ehrwürdigen Ānando zu Füßen Gruß dar; und er lässt sagen: wenn, o Herr, der ehrwürdige Ānando nicht dringend zu thun hat, möge doch, o Herr, der ehrwürdige Ānando auf eine Weile nähertreten, von Mitleid bewogen.«

Schweigend gewährte der ehrwürdige Ānando die Bitte.

Und König Pasenadi von Kosalo zog nun, so weit man auf Elephanten reiten kann, heran; dann stieg er ab und ging zu Fuße dem ehrwürdigen Ānando entgegen, begrüßte ihn ehrerbietig und stellte sich seitwärts.{486}Seitwärts stehend sprach nun König Pasenadi von Kosalo also zum ehrwürdigen Ānando:

»Wenn, o Herr, der ehrwürdige Ānando nicht dringend zu thun hat, wär’ es schön, o Herr, wenn sich der ehrwürdige Ānando an das Gestade der Aciravatī begeben wollte, von Mitleid bewogen.«

Schweigend gewährte der ehrwürdige Ānando die Bitte.

Und der ehrwürdige Ānando begab sich an das Gestade der Aciravatī und nahm unter einem Baume, auf einem tauglichen Sitze, Platz. Und König Pasenadi von Kosalo zog auf seinem Elephanten heran, so weit manreiten kann; dann stieg er ab und ging zu Fuße zum ehrwürdigen Ānando hin, bot ehrerbietigen Gruß dar und stand seitwärts. Seitwärts stehend sprach nun König Pasenadi von Kosalo also zum ehrwürdigen Ānando:

»Hier, o Herr, möge sich der ehrwürdige Ānando auf die Schabracke hinsetzen!«

»Schon gut, großer König: du setze dich hin; ich bleibe auf meinem Platze.«

Da setzte sich König Pasenadi von Kosalo auf den dargebotenen Sitz. Und er sprach also zum ehrwürdigen Ānando:

»Sagt mir, Herr Ānando: mag wohl Er, der Erhabene, einen Wandel in Werken führen, der ein Aergerniss wäre für Asketen und Priester, verständige Leute?«

»Nicht mag Er, großer König, der Erhabene, einen Wandel in Werken führen, der ein Aergerniss wäre für Asketen und Priester, verständige Leute.«

»Und ferner, Herr Ānando: mag wohl Er, der Erhabene, einen Wandel in Worten, einen Wandel in Gedanken führen,{487}der ein Aergerniss wäre für Asketen und Priester, verständige Leute?«

»Nicht mag Er, großer König, der Erhabene, einen Wandel in Worten, einen Wandel in Gedanken führen, der ein Aergerniss wäre für Asketen und Priester, verständige Leute.«

»Wunderbar, o Herr, außerordentlich, o Herr! Denn was wir, o Herr, durch die Frage nicht auszudrücken vermochten, das hat, o Herr, der ehrwürdige Ānando durch der Frage Beantwortung ausgedrückt. Die da, o Herr, thörig, unbesonnen, ohne Ueberlegung, ohne gründliche Prüfung andere loben und andere tadeln, diekönnen wir nicht ernst nehmen: die aber da, o Herr, weise, besonnen, tiefsinnig, nach Ueberlegung, nach gründlicher Prüfung andere loben und andere tadeln, die können wir ernst nehmen. Was ist das aber, Herr Ānando, für ein Wandel in Werken, der ein Aergerniss ist für Asketen und Priester, verständige Leute?«

»Ein Wandel in Werken, großer König, der unheilsam ist.«

»Was ist aber, o Herr, unheilsamer Wandel in Werken?«

»Ein Wandel in Werken, großer König, der unrecht ist.«

»Was ist aber, o Herr, unrechter Wandel in Werken?«

»Ein Wandel in Werken, großer König, der beschwerhaft ist.«

»Was ist aber, o Herr, beschwerhafter Wandel in Werken?«

»Ein Wandel in Werken, großer König, der Leiden züchtet.«

»Was ist aber, o Herr, ein Wandel in Werken, der Leiden züchtet?«

»Ein Wandel in Werken, großer König, der zu eigener Beschwer, oder zu anderer Beschwer, oder zu beider Beschwer führt, wo da die unheilsamen Dinge sich mehren und die heilsamen Dinge sich mindern: ein Wandel in Werken, großer König,{488}von solcher Art, der ist ein Aergerniss für Asketen und Priester, verständige Leute.«

»Und was ist es, Herr Ānando, für ein Wandel in Worten, Wandel in Gedanken, der ein Aergerniss ist für Asketen und Priester, verständige Leute?«

»Ein Wandel in Worten, in Gedanken, großer König, der unheilsam ist.«

»Was ist aber, o Herr, unheilsamer Wandel in Worten, in Gedanken?«

»Ein Wandel in Worten, in Gedanken, großer König, der unrecht ist.«

»Was ist aber, o Herr, unrechter Wandel in Worten, in Gedanken?«

»Ein Wandel in Worten, in Gedanken, großer König, der beschwerhaft ist.«

»Was ist aber, o Herr, beschwerhafter Wandel in Worten, in Gedanken?«

»Ein Wandel in Worten, in Gedanken, großer König der Leiden züchtet.«

»Was ist aber, o Herr, ein Wandel in Worten, in Gedanken, der Leiden züchtet?«

»Ein Wandel in Worten, in Gedanken, großer König, der zu eigener Beschwer, oder zu anderer Beschwer, oder zu beider Beschwer führt, wo da die unheilsamen Dinge sich mehren und die heilsamen Dinge sich mindern: ein Wandel in Worten, in Gedanken, großer König, von solcher Art, der ist ein Aergerniss für Asketen und Priester, verständige Leute.«

»Und sagt mir, Herr Ānando: hat Er, der Erhabene, die Verleugnung eben aller unheilsamen Dinge empfohlen?«

»Alle unheilsamen Dinge verleugnet hat, großer König, der Vollendete, die heilsamen Dinge erlangt.«

»Und was ist das, Herr Ānando, für ein Wandel in Werken, der kein Aergerniss ist für Asketen und Priester, verständige Leute?«

»Ein Wandel in Werken, großer König, der heilsam ist.«

»Was ist aber, o Herr, heilsamer Wandel in Werken?«

»Ein Wandel in Werken, großer König, der nicht unrecht ist.«

»Was ist aber, o Herr, nicht unrechter Wandel in Werken?«

»Ein Wandel in Werken, großer König, der beschwerlos ist.«

{489}»Was ist aber, o Herr, beschwerloser Wandel in Werken?«

»Ein Wandel in Werken, großer König, der Wohl züchtet.«

»Was ist aber, o Herr, ein Wandel in Werken, der Wohl züchtet?«

»Ein Wandel in Werken, großer König, der weder zu eigener Beschwer, noch zu anderer Beschwer, noch zu beider Beschwer führt, wo da die unheilsamen Dinge sich mindern und die heilsamen Dinge sich mehren: ein Wandel in Werken, großer König, von solcher Art, der ist ein Aergerniss für Asketen und Priester, verständige Leute.«

»Und was ist es, Herr Ānando, für ein Wandel in Worten, Wandel in Gedanken, der kein Aergerniss ist für Asketen und Priester, verständige Leute?«

»Ein Wandel in Worten, in Gedanken, großer König, der heilsam ist.«

»Was ist aber, o Herr, heilsamer Wandel in Worten, in Gedanken?«

»Ein Wandel in Worten, in Gedanken, großer König, der nicht unrecht ist.«

»Was ist aber, o Herr, nicht unrechter Wandel in Worten, in Gedanken?«

»Ein Wandel in Worten, in Gedanken, großer König, der beschwerlos ist.«

»Was ist aber, o Herr, beschwerloser Wandel in Worten, in Gedanken?«

»Ein Wandel in Worten, in Gedanken, großer König, der Wohl züchtet.«

»Was ist aber, o Herr, ein Wandel in Worten, in Gedanken, der Wohl züchtet?«

»Ein Wandel in Worten, in Gedanken, großer König, der weder zu eigener Beschwer, noch zu anderer Beschwer, noch zu beider Beschwer führt, wo da die unheilsamen Dinge sich mindern und die heilsamen Dinge sich mehren: ein Wandel in Worten, in Gedanken, großer König, von solcher Art, der ist kein Aergerniss für Asketen und Priester, verständige Leute.«

»Und sagt mir noch, Herr Ānando: hat Er, der Erhabene, die Erlangung eben aller heilsamen Dinge{490}empfohlen?«

»Alle unheilsamen Dinge verleugnet hat, großer König, der Vollendete, die heilsamen Dinge erlangt.«

»Wunderbar, o Herr, außerordentlich ist es, wie da, o Herr, der ehrwürdige Ānando so wohl gesprochen hat: diese treffliche Rede, o Herr, des ehrwürdigen Ānando hat uns wirklich erfreut und befriedigt. So erfreut und befriedigt, o Herr, hat uns des ehrwürdigen Ānando treffliche Rede, dass wir, o Herr, wenn dem ehrwürdigen Ānando der beste Elephant genehm wäre, eben den besten Elephanten dem ehrwürdigen Ānando geben möchten; dass wir, o Herr, wenn dem ehrwürdigenĀnando das beste Ross genehm wäre, eben das beste Ross dem ehrwürdigen Ānando geben möchten; dass wir, o Herr, wenn dem ehrwürdigen Ānando das reichste Dorf genehm wäre, eben das reichste Dorf dem ehrwürdigen Ānando geben möchten. Aber, o Herr, wir wissen es ja: das ist dem ehrwürdigen Ānando nicht genehm. Da ist mir, o Herr, ein Ueberwurf von Māgadhās König Ajātasattu, dem Sohne der Videherin, in eine Truhe verpackt, zugesandt worden, sechzehn Ellen lang, acht Ellen breit: den möge, o Herr, der ehrwürdige Ānando annehmen, von Mitleid bewogen!«

»Genug, großer König, schon hab’ ich mein Dreiwams.«

»Diese Aciravatī, o Herr, liegt dem ehrwürdigen Ānando und uns vor Augen; und wir wissen, wann es oben im Gebirge gewaltig gewittert hat, dann fließt diese Aciravatī über beide Ufer aus: ebenso nun auch, o Herr, wird sich der ehrwürdige Ānando aus diesem Ueberwurfe ein Dreiwams fertigen, sein bisheriges Dreiwams aber den Ordensbrüdern zuwenden;{491}so wird diese unsere Ehrung gleichsam ein Ueberfließen sein. Möge, o Herr, der ehrwürdige Ānando den Ueberwurf annehmen!«

Da nahm der ehrwürdige Ānando den Ueberwurf an. Und nun wandte sich König Pasenadi von Kosalo also an den ehrwürdigen Ānando:

»Wohl denn, Herr Ānando, jetzt wollen wir aufbrechen: manche Pflicht wartet unser, manche Obliegenheit.«

»Wie es dir nun, großer König, belieben mag.«

Und König Pasenadi von Kosalo, erfreut und befriedigt durch des ehrwürdigen Ānando Rede, stand vonseinem Sitze auf, bot ehrerbietigen Gruß dar, ging rechts herum und entfernte sich.

Da begab sich denn der ehrwürdige Ānando, bald nachdem König Pasenadi von Kosalo gegangen, zum Erhabenen hin, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend erzählte nun der ehrwürdige Ānando das ganze Gespräch mit König Pasenadi von Kosalo Wort für Wort dem Erhabenen; und er reichte den Ueberwurf dem Erhabenen dar. Und der Erhabene wandte sich an die Mönche:

»Gesegnet, ihr Mönche, ist König Pasenadi von Kosalo, hochgesegnet, ihr Mönche, ist König Pasenadi von Kosalo, dem der Anblick Ānandos gegönnt war und seine Gesellschaft.«

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.[187]

89.

Neunter Theil

Neunte Rede

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im Lande der Sakyer, bei Metāḷumpam, einer Burg im Sakyergebiete.

{492}Um diese Zeit nun war König Pasenadi von Kosalo nach Nagarakam gekommen, irgend ein Geschäft zu erledigen.

Und König Pasenadi von Kosalo befahl Dīgho dem Kanzler:

»Lasse mir, bester Kanzler,prächtige Wagen bespannen: wir wollen eine Ausfahrt machen, in die schöne Umgebung hinaus.«

»Wohl, o König!« entgegnete da gehorsam Dīgho der Kanzler dem Herrscher. Und er ließ prächtige Wagen bespannen und dann melden: ›Bereit stehn, o König, die prächtigen Wagen: wie es dir nun belieben mag.‹

Und König Pasenadi von Kosalo bestieg einen prächtigen Wagen und fuhr, gefolgt von manchen anderen, mit überaus reichem königlichen Gepränge aus der Stadt hinaus, nach einem Garten hin. So weit gefahren als man fahren konnte, stieg er vom Wagen ab und begab sich zu Fuß in den Garten. Da sah denn der König, als er im Garten lustwandelnd umherging, mächtige Bäume, erhebend, erheiternd, lärmentrückt, lärmverloren, von den Leuten gemieden, wo Menschen einsam sitzen und nachdenken können. Und es kam ihm bei diesem Anblick eben der Erhabene in den Sinn: ›Diese mächtigen Bäume erheben und erheitern mich, die lärmentrückten, lärmverlorenen, die von den Leuten gemieden werden, wo Menschen einsam sitzen und nachdenken können, wo wir da einst Ihn, den Erhabenen, aufgesucht haben, den Heiligen, vollkommen Erwachten.‹[188]Und König Pasenadi von Kosalo wandte sich also an Dīgho den Kanzler:

{493}»Diese mächtigen Bäume, bester Kanzler, erheben und erheitern mich, die lärmentrückt, lärmverloren von den Leuten gemieden werden, wo Menschen einsam sitzenund nachdenken können, wo wir da einst Ihn, den Erhabenen, aufgesucht haben, den Heiligen, vollkommen Erwachten: wo mag Er doch, bester Kanzler, jetzt weilen, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte?«

»Es giebt, großer König, eine Burg im Sakyergebiete, Metāḷumpam genannt: dort weilt Er jetzt, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte.«

»Wie weit ist es wohl, bester Kanzler, von Nagarakam nach Metāḷumpam, der Sakyerburg?«

»Nicht weit, großer König, neun Meilen: man kann noch vor Abend hingelangen.«

»So lasse denn, bester Kanzler, wieder anspannen: wir wollen ihn, den Erhabenen, besuchen, den Heiligen, vollkommen Erwachten.«

»Wohl, o König!« entgegnete da gehorsam Dīgho der Kanzler dem Herrscher. Und er ließ wieder anspannen und dann melden: ›Bereit stehn, o König, deine Wagen: wie es dir nun belieben mag.‹

Und König Pasenadi von Kosalo bestieg seinen prächtigen Wagen und fuhr, gefolgt von den anderen, von Nagarakam nach Metāḷumpam der Sakyerburg; und er kam noch vor Abend an und ließ sich zum Garten geleiten. So weit gefahren als man fahren konnte, stieg er vom Wagen ab und begab sich zu Fuß in den Garten. Um{494}diese Zeit nun erging sich eine Schaar Mönche im Freien. Da trat König Pasenadi von Kosalo zu den Mönchen heran und sprach also zu ihnen:

»Sagt mir, Verehrte, wo weilt Er, der Erhabene, jetzt, der Heilige, vollkommen Erwachte: denn wir möchten Ihn, den Erhabenen, besuchen, den Heiligen, vollkommen Erwachten.«

»Das Wohnhaus dort, großer König, ist geschlossen; aber geh’ leise, ohne zu eilen, die Freitreppe hinauf, räuspere dich und klopfe an: öffnen wird dir der Erhabene das Thor.«

Da gab König Pasenadi von Kosalo Schwerdt und Krone erst Dīgho dem Kanzler über. Und Dīgho der Kanzler wusste nun: ›Allein will der König jetzt bleiben, ich aber muss hier warten.‹ Und König Pasenadi von Kosalo stieg leise, ohne zu eilen, die Freitreppe zum geschlossenen Wohnhaus empor, räusperte sich und klopfte an. Es öffnete der Erhabene das Thor. Und König Pasenadi von Kosalo trat in das Wohnhaus ein. Und er fiel dem Erhabenen zu Füßen und bedeckte des Erhabenen Füße mit Küssen und umschlang sie mit den Händen. Und er gab sich zu erkennen:

»Pasenadi bin ich, o Herr, der König von Kosalo, Pasenadi bin ich, o Herr, der König von Kosalo.«

»Was hast du, großer König, für eine Veranlassung diesem Körper da so hohe Huldigung darzubringen, Liebesbeweise zu bezeigen?«

»Es ist mir, o Herr, beim Erhabenen diese Ahnung der Wahrheit aufgegangen[189]: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut des Erhabenen Jüngerschaft.‹ Da hab’ ich, o Herr,{495}manche Asketen und Priester gesehn, die eine Zeit lang das Asketenleben führen, zehn Jahre, oder zwanzig Jahre oder dreißig Jahre, oder vierzig Jahre. Später dann leben sie wohlgebadet, wohlgesalbt, mit gepflegtem Haar und Barte, haben sich mit dem Besitz und Genuss der fünf Begehrungen umgeben.[190]Und wiederum hab’ ich, o Herr, Mönche gesehn, diezeitlebens, bis zum letzten Athemzug das vollkommene, vollendete Asketenleben führen: und nicht hab’ ich, o Herr, noch anderswo als hier ein also vollkommenes, vollendetes Asketenleben kennen lernen. Da ist mir denn, o Herr, beim Erhabenen diese Ahnung der Wahrheit aufgegangen: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut des Erhabenen Jüngerschaft.‹

»Weiter sodann, o Herr: es streiten Könige mit Königen, Fürsten mit Fürsten, Priester mit Priestern, Bürger mit Bürgern, streitet die Mutter mit dem Sohne, der Sohn mit der Mutter, der Vater mit dem Sohne, der Sohn mit dem Vater, streitet Bruder mit Bruder, Bruder mit Schwester, Schwester mit Bruder, Freund mit Freund. Hier aber, o Herr, seh’ ich die Mönche einträchtig, einig, ohne Zwist, mild geworden, wie sie einander sanften Auges betrachten: und nicht hab’ ich, o Herr, noch anderswo als hier eine also einträchtige Versammlung kennen lernen. Da ist mir denn, o Herr, beim Erhabenen diese Ahnung der Wahrheit aufgegangen: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung,{496}wohlvertraut des Erhabenen Jüngerschaft.‹

»Weiter sodann, o Herr: ich habe manchen Hain, manchen Garten betreten, besucht. Und ich habe da oft Asketen und Priester bemerkt, elend, abgezehrt, übel anzuschauen, mit gelblichen Flecken auf der Haut, sehnigen, knorrigen Gliedern, die wohl kein Auge, mein’ ich, fesselten, sie anzusehn. Da ist mir, o Herr, der Gedanke gekommen: ›Gewiss führen diese Ehrwürdigen das Asketenleben ungern; oder aber sie haben irgend eine böse Thatbegangen, die verborgen ist; darum sind sie elend, abgezehrt, übel anzuschauen, mit gelblichen Flecken auf der Haut, sehnigen, knorrigen Gliedern, und wollen kein Auge fesseln, sie anzusehn.‹ Und ich trat an sie heran und sprach also: ›Warum doch seid ihr, Ehrwürdige, elend, abgezehrt, übel anzuschauen, mit gelblichen Flecken auf der Haut, sehnigen, knorrigen Gliedern, so dass ihr wohl kein Auge fesseln mögt, euch anzusehn?‹ Und sie gaben mir zur Antwort: ›Fesseln fehlen uns, großer König.‹ Hier aber, o Herr, seh’ ich die Mönche innig angeregt, hoch erheitert, sie scheinen zufrieden, sind frohsinnig, genügsam, nachgiebig, dehmüthig, mild geworden im Herzen. Da ist mir, o Herr, der Gedanke gekommen: ›Gewiss haben diese Ehrwürdigen, vom Erhabenen gewiesen, ein großes, allmälig gemerktes Ergebniss gefunden; darum sind sie innig angeregt, hoch erheitert, scheinen zufrieden, sind frohsinnig, genugsam, nachgiebig, dehmüthig, mild geworden im Herzen.‹ Da ist mir denn, o Herr,{497}beim Erhabenen diese Ahnung der Wahrheit aufgegangen: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut des Erhabenen Jüngerschaft.‹

»Weiter sodann, o Herr: ich kann als König, als Herrscher, dessen Scheitel gesalbt ist, einen zum Tode Verurtheilten hinrichten, oder einen in die Acht zu Erklärenden ächten, oder einen Bannwürdigen bannen lassen. Und während ich, o Herr, zu Gericht sitze kommt es vor, dass Zwischenrede laut wird. Da bitt’ ich vergebens: ›Wollet, ihr Herren, während ich zu Gericht sitze keine Zwischenrede verlauten lassen: die Berathung, meine Herren, sei geschlossen.‹ Aber man lässt mich,o Herr, Zwischenrede vernehmen. Hier aber, o Herr, seh’ ich die Mönche zu einer Zeit wo der Erhabene einer vielhundertköpfigen Schaar die Lehre darlegt; und zu einer solchen Zeit hört man eben bei des Erhabenen Jüngern nicht einmal das Geräusch des Nießens oder Sichräusperns. Eines Tages, o Herr, trug der Erhabene einer vielhundertköpfigen Schaar die Lehre vor. Da ließ einer von des Erhabenen Jüngern ein Räuspern hören. Und einer der Ordensbrüder streifte ihn mit dem Knie an: ›Nicht so laut, Ehrwürdiger, bitte! Möge der Ehrwürdige sich leise verhalten: unser Meister, der Erhabene legt die Lehre dar.‹ Da hab’ ich, o Herr, bei mir gedacht: ›Wunderbar, wahrlich, außerordentlich ist es, dass man da wirklich ohne Zwang, ohne Gewalt eine Versammlung derart wohlgefügig machen kann!‹ Und nicht hab’ ich, o Herr, noch anderswo als hier eine also wohlgefügige Versammlung kennen lernen.{498}Da ist mir denn, o Herr, beim Erhabenen diese Ahnung der Wahrheit aufgegangen: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut des Erhabenen Jüngerschaft.‹

»Weiter sodann, o Herr: ich habe da manche gelehrte Adelige gesehn, feine, erprobte Gegenredner, die Haare zu spalten schienen, die mit ihrem Scharfsinn die schönsten Ansichten, so zu sagen, entzweischnitten. Denen war zu Ohren gekommen: ›Der Asket, wahrlich, Herr Gotamo wird auf der Wanderung dieses Dorf oder jene Stadt besuchen!‹ Da stellten sie eine Frage zusammen: ›Diese Frage wollen wir dem Asketen Gotamo vorlegen; giebt er uns auf diese Frage diese Antwort, so werden wir ihm auf diese Weise das Wort verdrehn: giebt eruns aber auf diese Frage jene Antwort, so werden wir ihm auf jene Weise das Wort verdrehn.‹ Und sie hörten: ›Der Asket, wahrlich, Herr Gotamo ist auf der Wanderung in diesem Dorfe oder in jener Stadt angekommen!‹ Und sie begaben sich hin. Und der Erhabene ermunterte, ermuthigte, erregte und erheiterte sie in lehrreichem Gespräche. Und vom Erhabenen in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermuthigt, erregt und erheitert stellten sie dem Erhabenen weder eine Frage, geschweige dass sie ihm das Wort verdrehn wollten, wurden vielmehr des Erhabenen Anhänger. Da ist mir denn, o Herr, beim Erhabenen diese Ahnung der Wahrheit aufgegangen: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut des Erhabenen Jüngerschaft.‹

»Weiter sodann, o Herr: ich habe da manche gelehrte Priester, gelehrte Bürger, gelehrte Asketen gesehn, feine, erprobte Gegenredner, die Haare zu spalten schienen, die mit ihrem Scharfsinn die schönsten Ansichten, so zu sagen, entzweischnitten.{499}Denen war zu Ohren gekommen: ›Der Asket, wahrlich, Herr Gotamo wird auf der Wanderung dieses Dorf oder jene Stadt besuchen!‹ Da stellten sie eine Frage zusammen: ›Diese Frage wollen wir dem Asketen Gotamo vorlegen; giebt er uns auf diese Frage diese Antwort, so werden wir ihm auf diese Weise das Wort verdrehn; giebt er uns aber auf diese Frage jene Antwort, so werden wir ihm auf jene Weise das Wort verdrehn.‹ Und sie hörten: ›Der Asket, wahrlich, Herr Gotamo ist auf der Wanderung in diesem Dorfe oder in jener Stadt angekommen!‹ Und sie begaben sich hin. Und der Erhabene ermunterte,ermuthigte, erregte und erheiterte sie in lehrreichem Gespräche. Und vom Erhabenen in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermuthigt, erregt und erheitert stellten sie dem Erhabenen weder eine Frage, geschweige dass sie ihm das Wort verdrehn wollten, flehten vielmehr den Erhabenen an, sie in den Orden aufzunehmen. Und der Erhabene nahm sie auf. Und in diesen Orden aufgenommen lebten sie einzeln, abgesondert, ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich. Und in gar kurzer Zeit hatten sie jenes Ziel, um dessen willen edle Söhne gänzlich vom Hause fort in die Hauslosigkeit ziehn, die höchste Vollendung der Heiligkeit noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht, verwirklicht und errungen. Und sie sprachen: ›Den Verstand mussten wir verloren haben, den Verstand müssen wir wiedergefunden haben![191]Die wir früher nichts weniger als Asketen waren glaubten ›Wir sind Asketen‹, die wir nichts weniger als Heilige waren glaubten ›Wir sind Heilige‹, die wir nichts weniger als Sieger waren glaubten{500}›Wir sind Sieger‹: jetzt sind wir Asketen, jetzt sind wir Heilige, jetzt sind wir Sieger.‹ Da ist mir denn, o Herr, beim Erhabenen diese Ahnung der Wahrheit aufgegangen: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut des Erhabenen Jüngerschaft.‹

»Weiter sodann, o Herr: Isidatto und Purāṇo, die Kammerherren, die sind meine Diener, meine Werkzeuge: ich geb’ ihnen den Unterhalt, ich fördere ihren Ruhm.[192]Gleichwohl aber bringen sie mir keine solche Huldigung dar wie dem Erhabenen. Eines Tages, o Herr, als ich mit dem Heere ausgezogen war, schlug ich mein Lager mit Isidatto und Purāṇo den Kammerherren ineinem kleinen Gehöfte auf, um sie zu erforschen. Und sie brachten, o Herr, einen großen Theil der Nacht in lehrreichem Gespräche zu; dann legten sie sich nieder, das Haupt dorthin gewandt wo sie wußten dass der Erhabene sei, gegen mich die Füße gewandt. Da hab’ ich, o Herr, bei mir gedacht: ›Wunderbar, wahrlich, außerordentlich ist es! Isidatto und Purāṇo die Kammerherren, die sind meine Diener, meine Werkzeuge: ich geb’ ihnen den Unterhalt, ich fördere ihren Ruhm. Gleichwohl aber bringen sie mir keine solche Huldigung dar wie dem Erhabenen. Gewiss haben diese Ehrwürdigen, vom Erhabenen gewiesen, ein großes, allmälig gemerktes Ergebniss gefunden.‹ Da ist mir denn, o Herr, beim Erhabenen diese Ahnung der Wahrheit aufgegangen: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung,{501}wohlvertraut des Erhabenen Jüngerschaft.‹

»Weiter sodann, o Herr: der Erhabene ist adelig und auch ich bin adelig, der Erhabene ist ein Kosaler und auch ich bin ein Kosaler, der Erhabene ist achtzig Jahre alt und auch ich bin achtzig Jahre alt. Und weil nun[193], o Herr, der Erhabene adelig ist und auch ich adelig bin, der Erhabene ein Kosaler ist und auch ich ein Kosaler bin, der Erhabene achtzig Jahre alt ist und auch ich achtzig Jahre alt bin, darum steht es mir eben an, o Herr, dem Erhabenen so hohe Huldigung darzubringen, Liebesbeweise zu bezeigen. — Wohlan denn, o Herr, jetzt wollen wir gehn: manche Pflicht wartet unser, manche Obliegenheit.«

»Wie es dir nun, großer König, belieben mag.«

Und König Pasenadi von Kosalo stand auf von seinemSitze, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig, ging rechts herum und entfernte sich.

Da wandte sich denn der Erhabene, bald nachdem König Pasenadi von Kosalo gegangen, also an die Mönche:

»Dieser König, ihr Mönche, Pasenadi von Kosalo, hat wahre Denkmale gesprochen. Dann ist er aufgestanden und heimgekehrt. Merkt euch, ihr Mönche, die wahren Denkmale, eignet euch, ihr Mönche, die wahren Denkmale an, hütet, ihr Mönche, die wahren Denkmale: heilsam sind, ihr Mönche, die wahren Denkmale, urasketenthümlich.«

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.

90.

Neunter Theil

Zehnte Rede

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Uruññā, am Zwieselstein, im Wildgarten.

{502}Um diese Zeit nun war König Pasenadi von Kosalo nach Uruññā gekommen, irgend ein Geschäft zu erledigen.

Und König Pasenadi von Kosalo befahl einem seiner Leute:

»Begieb dich, lieber Mann, zum Erhabenen hin und bring’ dem Erhabenen zu Füßen meinen Gruß dar und wünsche Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke undWohlsein: ›Der König‹, sage, ›o Herr, Pasenadi von Kosalo, bringt dem Erhabenen zu Füßen Gruß dar und wünscht Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein;‹ und füge hinzu: ›heute, o Herr‹, lässt er sagen, ›wird sich der König nach der Mahlzeit, wann er den Morgenimbiss eingenommen, hierher begeben, den Erhabenen zu besuchen.‹«

»Wohl, o König!« entgegnete da gehorsam jener Mann dem Herrscher. Und er begab sich dorthin wo der Erhabene weilte, bot ehrerbietigen Gruß dar und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach er dann also zum Erhabenen:

»Der König, o Herr, Pasenadi von Kosalo, bringt dem Erhabenen zu Füßen Gruß dar und wünscht Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein; und er lässt sagen: heute, o Herr, wird sich der König nach der Mahlzeit, wann er den Morgenimbiss eingenommen, hierher begeben, den Erhabenen zu besuchen.«

Es hatten aber die Schwestern Somā und Sakulā reden hören: ›Heute wird, heißt es, König Pasenadi von Kosalo nach der Mahlzeit, wann er den Morgenimbiss eingenommen, sich hinbegeben, den Erhabenen zu besuchen.‹ Und Somā und Sakulā, die Schwestern, gingen zum König, als er bei Tische war, und sprachen also zu ihm:

{503}»Mögest du, großer König, doch auch unseren Gruß dem Erhabenen zu Füßen darbringen, mit dem Wunsche von Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein: ›Somā‹, sage, ›o Herr, und Sakulā, die Schwestern, bringen dem Erhabenen zu Füßen Gruß dar und wünschen Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein.‹«

Da begab sich denn König Pasenadi von Kosalo nach der Mahlzeit, als er den Morgenimbiss eingenommen, zum Erhabenen hin, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach nun König Pasenadi von Kosalo zum Erhabenen also:

»Somā, o Herr, und Sakulā, die Schwestern, bringen dem Erhabenen zu Füßen Gruß dar und wünschen Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein.«

»Aber sage mir, großer König: haben die Schwestern Somā und Sakulā keinen anderen Boten gefunden?«

»Es hatten, o Herr, die Schwestern Somā und Sakulā reden hören: ›Heute wird, heißt es, König Pasenadi von Kosalo nach der Mahlzeit, wann er den Morgenimbiss eingenommen, sich hinbegeben, den Erhabenen zu besuchen.‹ Und Somā, o Herr, und Sakulā, die Schwestern, kamen zu mir, als ich bei Tische war, und sprachen also zu mir: ›Mögest du, großer König, doch auch unseren Gruß dem Erhabenen zu Füßen darbringen, mit dem Wunsche von Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein: ›Somā‹, sage, ›o Herr, und Sakulā, die Schwestern, bringen dem Erhabenen zu Füßen Gruß dar und wünschen Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein.‹«

{504}»Wohlergehn, großer König, soll es Somā und Sakulā den Schwestern!«

Nun wandte sich König Pasenadi von Kosalo also an den Erhabenen:

»Gehört hab’ ich solches, o Herr: ›Der Asket Gotamo behauptet: ‚Es giebt keinen Asketen oder Priester, der alles weiß, alles versteht, unbeschränkte Wissensklarheit bekennen kann: das ist unmöglich.‘‹ Die dasolches, o Herr, gesagt haben, haben die wirklich, o Herr, des Erhabenen Worte gebraucht und den Erhabenen nicht mit Unrecht angeführt und der Lehre gemäß geredet, so dass sich kein entsprechender Folgesatz als ungehörig erweisen kann?«

»Die da, großer König, solches gesagt haben: ›Der Asket Gotamo behauptet: ‚Es giebt keinen Asketen oder Priester, der alles weiß, alles versteht, unbeschränkte Wissensklarheit bekennen kann: das ist unmöglich‘‹, die haben nicht meine Worte gebraucht und haben mich ohne Grund und mit Unrecht angeführt.«

Auf diesen Bescheid wandte sich König Pasenadi von Kosalo nach Viḍūḍabho, dem Feldherrn, um und fragte ihn:

»Wer hat denn wohl, Feldherr, dieses Gerede bei Hof in Umlauf gebracht?«

»Sañjayo, großer König, der Brāhmane, der Ākāser.«[194]

Da befahl König Pasenadi von Kosalo einem seiner Leute:

{505}»Geh’, lieber Mann, und rufe mir Sañjayo den Brāhmanen, den Ākāser, her: ›Der König‹, sage, ›o Herr, Pasenadi von Kosalo, lässt dich rufen.‹«

»Wohl, o König!« entgegnete da gehorsam jener Mann dem Herrscher. Und er begab sich dorthin wo Sañjayo der Brāhmane, der Ākāser, weilte; und er sprach also zu ihm:

»Der König, o Herr, Pasenadi von Kosalo, lässt dich rufen.«

Nun wandte sich König Pasenadi von Kosalo also an den Erhabenen:

»Vielleicht hat es, o Herr, der Erhabene auf irgend eine andere Weise gemeint, und die Leute haben es wiederum anders aufgenommen. In welchem Sinne gesteht wohl, o Herr, der Erhabene zu, den Ausspruch gethan zu haben?«

»Also gesteh’ ich, großer König, zu, den Ausspruch gethan zu haben: ›Es giebt keinen Asketen oder Priester, der auf einmal alles wissen, alles verstehn kann: das ist unmöglich.‹«

»Begründet ist, o Herr, was der Erhabene gesagt hat, wohlbegründet ist, o Herr, was der Erhabene gesagt hat: ›Es giebt keinen Asketen oder Priester, der auf einmal alles wissen, alles verstehn kann: das ist unmöglich.‹ — Vier giebt es, o Herr, der Kasten: Krieger, Priester, Bürger und Diener. Kann man da nun, o Herr, bei diesen vier Kasten eine Besonderheit, einen Unterschied aufstellen?«

»Vier giebt es, großer König, der Kasten: Krieger, Priester, Bürger und Diener. Da sind, großer König, von diesen vier Kasten zwei als die oberen anerkannt, Krieger und Priester, was Begrüßung, Aufmerksamkeit, Ehrfurcht und Achtung angeht.«

{506}»Nicht frag’ ich, o Herr, den Erhabenen um das äußere Verhältnis: um das innere, o Herr, frag’ ich den Erhabenen. Vier giebt es, o Herr, der Kasten: Krieger, Priester, Bürger und Diener. Kann man da nun, o Herr, bei diesen vier Kasten eine Besonderheit, einen Unterschied aufstellen?«

»Fünf giebt es, großer König, der Kampfeseigenschaften: welche fünf? Da hat, großer König, ein Mönch Zutrauen, er traut der Wachheit des Vollendeten, sozwar: ›Das ist der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene.‹ Rüstig ist er und munter, seine Kräfte sind gleichmäßig gemischt, weder zu kühl noch zu heiß, den mittleren Kampf zu bestehn. Ehrlich ist er und offen und giebt sich der Wahrheit gemäß dem Meister oder erfahrenen Ordensbrüdern zu erkennen. Muth hat er und Kraft unheilsame Dinge zu verleugnen und heilsame Dinge zu erringen, er dauert stark und standhaft aus, giebt den heilsamen Kampf nicht auf. Witzig ist er, mit der Weisheit begabt, die Aufgang und Untergang sieht, mit der heiligen, durchdringenden, die zur völligen Leidensversiegung führt. Das sind, großer König, die fünf Kampfeseigenschaften. Vier giebt es, großer König, der Kasten: Krieger, Priester, Bürger und Diener. Und sind sie, großer König, mit diesen fünf Kampfeseigenschaften begabt, so gereicht es ihnen lange zum Wohle, zum Heile.«

»Vier giebt es, o Herr, der Kasten: Krieger, Priester, Bürger und Diener. Und sind sie, o Herr, mit diesen fünf Kampfeseigenschaften begabt, kann man da noch bei ihnen, o Herr, von einer Besonderheit, von einem Unterschied reden?«

»Das kommt, sag’ ich, großer König, auf die Art und Weise an, wie sie kämpfen.{507}Gleichwie etwa, großer König, wenn da zwei Reitelephanten oder Wagenrosse oder Zugstiere wären, wohlgebändigt, wohlabgerichtet, und zwei Reitelephanten oder Wagenrosse oder Zugstiere, ungebändigt, unabgerichtet; was bedünkt dich,großer König: jene zwei Reitelephanten oder Wagenrosse oder Zugstiere, die wohlgebändigten, wohlabgerichteten, würden nun diese als Gebändigte thun was Gebändigten taugt, als Gebändigte ausführen was Gebändigten obliegt?«

»Freilich, o Herr!«

»Aber die anderen beiden Reitelephanten oder Wagenrosse oder Zugstiere, die nicht gebändigt, nicht abgerichtet sind, würden etwa diese als Ungebändigte thun was Gebändigten taugt, als Ungebändigte ausführen was Gebändigten obliegt, gleichwie jene beiden Reitelephanten oder Wagenrosse oder Zugstiere, die wohlgebändigt, wohlabgerichtet sind?«

»Das nicht, o Herr!«

»Ebenso nun auch, großer König, etwa vermeinen, was da einer durch Zutrauen, Rüstigkeit, ehrliche Offenheit, Tapferkeit, Weisheit erreichen kann, kann ein anderer auch ohne Zutrauen, kränklich, listig, gleißnerisch, feig, ungewitzigt erreichen: das ist unmöglich.«

»Begründet ist, o Herr, was der Erhabene gesagt hat, wohlbegründet ist, o Herr, was der Erhabene gesagt hat. — Vier giebt es, o Herr, der Kasten: Krieger, Priester, Bürger und Diener. Und sind sie, o Herr, mit den fünf Kampfeseigenschaften begabt, und bestehn sie die gewaltigen Kämpfe, kann man da noch bei diesen, o Herr, von einer Besonderheit, von einem Unterschied reden?«

»Da kann, sag’ ich, großer König, bei ihnen von einem Unterschied nicht mehr die Rede sein, Erlösung gegenüber Erlösung. Gleichwie etwa, großer König, wenn ein Mann trockenes Eichenholz nähme,{508}Feuer erweckte,Licht hervorbrächte; und ein anderer Mann trockenes Sālholz nähme, Feuer erweckte, Licht hervorbrächte; und ein anderer Mann trockenes Mangoholz nähme, Feuer erweckte, Licht hervorbrächte; und ein anderer Mann trockenes Feigenholz nähme, Feuer erweckte, Licht hervorbrächte; was bedünkt dich, großer König: bestände da wohl unter diesen Feuern, aus verschiedenem Holze erweckt, irgend ein Unterschied zwischen Flamme und Flamme, Glanz und Glanz, Schein und Schein?«

»Das nicht, o Herr!«

»Ebenso nun auch, großer König, wie das Licht durch Kraft entzündet, im Kampfe erzeugt wird, sag’ ich, giebt es da keinen Unterschied mehr, Erlösung Erlösung gegenüber.«

»Begründet ist, o Herr, was der Erhabene gesagt hat, wohlbegründet ist, o Herr, was der Erhabene gesagt hat. — Wie aber, o Herr: giebt es Götter?«

»Warum denn, großer König, sprichst du also: ›Wie aber, o Herr: giebt es Götter?‹«

»Ich frage, ob die Götter, o Herr, wiederkehren zu dieser Welt, oder ob sie nicht mehr wiederkehren.«

»Götter, großer König, die zugewandt sind, kehren wieder zu dieser Welt: Götter, die abgewandt sind, kehren nicht mehr wieder.«[195]

Auf diese Worte wandte sich Viḍūḍabho der Feldherr also an den Erhabenen:

»Und können, o Herr, die Götter, die zugewandt zu dieser Welt wiederkehren, jene abgewandten Götter, die nicht mehr wiederkehren, von ihrem Orte verjagen und verbannen?«

Da kam nun dem ehrwürdigen Ānando der Gedankein den Sinn: ›Dieser Feldherr Viḍūḍabho ist der Sohn König Pasenadis von Kosalo,{509}und ich bin der Sohn des Erhabenen: jetzt schickt es sich, dass der Sohn den Sohn belehre.‹ Und der ehrwürdige Ānando wandte sich also an Viḍūḍabho den Feldherrn:

»Da will ich dir nun, Feldherr, eben hierüber eine Frage stellen: wie’s dir gutdünkt magst du sie beantworten. Was meinst du wohl, Feldherr: soweit das Gebiet König Pasenadis von Kosalo reicht, wo König Pasenadi von Kosalo die Herrschaft und Obermacht königlich ausübt, vermag da der König einen Asketen oder einen Priester, einen guten oder einen schlechten, einen ächten oder einen unächten, aus diesem Gebiete zu verjagen, zu verbannen?«

»Soweit, Herr, das Gebiet König Pasenadis von Kosalo reicht, wo König Pasenadi von Kosalo die Herrschaft und Obermacht königlich ausübt, da vermag der König einen Asketen oder einen Priester, einen guten oder einen schlechten, einen ächten oder einen unächten, aus diesem Gebiete zu verjagen, zu verbannen.«

»Was meinst du wohl, Feldherr: wo das Gebiet König Pasenadis von Kosalo aufhört, wo König Pasenadi von Kosalo keine Herrschaft und Obermacht königlich ausübt, vermag da der König einen Asketen oder einen Priester, einen guten oder einen schlechten, einen ächten oder einen unächten, aus diesem Gebiete zu verjagen, zu verbannen?«

»Wo, Herr, das Gebiet König Pasenadis von Kosalo aufhört, wo König Pasenadi von Kosalo keine Herrschaft und Obermacht königlich ausübt, nicht vermag da der König einen Asketen oder einen Priester,{510}einen gutenoder einen schlechten, einen ächten oder einen unächten, aus diesem Gebiete zu verjagen, zu verbannen.«

»Was meinst du wohl, Feldherr: hast du von den Dreiunddreißig Göttern gehört?«

»Gewiss, Herr, ich habe von den Dreiunddreißig Göttern gehört: und auch Herr Pasenadi hier, der König von Kosalo, hat von ihnen gehört.«

»Was meinst du wohl, Feldherr: vermag der König die Dreiunddreißig Götter von ihrem Orte zu verjagen, zu verbannen?«

»Nicht einmal sehn, Herr, kann der König die Dreiunddreißig Götter, geschweige denn dass er vermöchte, sie von ihrem Orte zu verjagen, zu verbannen!«

»Ebenso nun auch, Feldherr, können die Götter, die zugewandt zu dieser Welt wiederkehren, jene abgewandten Götter, die nicht mehr wiederkehren, nicht einmal sehn, geschweige denn dass sie vermöchten, sie von ihrem Orte zu verjagen, zu verbannen.«

Da wandte sich nun König Pasenadi von Kosalo an den Erhabenen und sprach:

»Wie heißt, o Herr, dieser Mönch?«

»Ānando heißt er, großer König.«

»Ānando also: wahrlich, wie Ānando sieht er aus![196]Begründet ist, o Herr, was der ehrwürdige Ānando gesagt hat, wohlbegründet ist, o Herr, was der ehrwürdige Ānando gesagt hat. — Wie aber, o Herr: giebt es einen Brahmā?«

»Warum denn, großer König, sprichst du also: ›Wie aber, o Herr: giebt es einen Brahmā?‹«

»Ich frage, ob ein Brahmā, o Herr, wiederkehrt zu dieser Welt, oder ob er nicht mehr wiederkehrt.«

»Ein Brahmā, großer König, der zugewandt ist, kehrt wieder zu dieser Welt:{511}ein Brahmā, der abgewandt ist, kehrt nicht mehr wieder.«

Da trat einer der Leute an den König heran und sprach also zu ihm:

»Sañjayo, großer König, der Brāhmane, der Ākāser, ist gekommen.«

Und König Pasenadi von Kosalo wandte sich also an Sañjayo den Brāhmanen, den Ākāser:

»Wer hat denn wohl, Brāhmane, jenes Gerede bei Hof in Umlauf gebracht?«

»Viḍūḍabho, großer König, der Feldherr.«

»Viḍūḍabho der Feldherr, der sagte: ›Sañjayo, großer König, der Brāhmane, der Ākāser.‹«

Hier brachte einer der Leute dem König die Meldung:

»Die Wagen stehn bereit, großer König.«

Und König Pasenadi von Kosalo sprach nun zum Erhabenen also:

»Ueber die Allwissenheit haben wir, o Herr, den Erhabenen befragt: und die Allwissenheit hat uns der Erhabene erklärt: und es hat uns gefallen und behagt und wir sind es zufrieden. Ueber die Reinheit der vier Kasten haben wir, o Herr, den Erhabenen befragt: und die Reinheit der vier Kasten hat uns der Erhabene erklärt; und es hat uns gefallen und behagt und wir sind es zufrieden. Ueber die Götter haben wir, o Herr, den Erhabenen befragt: und die Götter hat uns der Erhabene erklärt; und es hat uns gefallen und behagt und wir sind es zufrieden. Ueber den Brahmā haben wir, o Herr, den Erhabenen befragt: und den Brahmā hat uns der Erhabene erklärt; und es hat uns gefallen und behagt undwir sind es zufrieden. Ueber was wir eben auch den Erhabenen befragt haben, das hat uns eben auch der Erhabene erklärt; und es hat uns gefallen und behagt und wir sind es zufrieden.{512}— Wohlan denn, o Herr, jetzt wollen wir gehn: manche Pflicht wartet unser, manche Obliegenheit.«

»Wie es dir nun, großer König, belieben mag.«

Und König Pasenadi von Kosalo, durch des Erhabenen Rede erfreut und befriedigt, stand von seinem Sitze auf, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig, ging rechts herum und entfernte sich.[197]

91.

Zehnter Theil

Erste Rede

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit wanderte der Erhabene im Videher-Lande von Ort zu Ort, von vielen Mönchen begleitet, einer Schaar von fünfhundert Mönchen.

Um diese Zeit nun weilte Brahmāyu der Priester zu Mithilā, alt und greis, hochbetagt, dem Ende nahe, ausgelebt, im hundertzwanzigsten Lebensjahre[198], ein Meister der drei Veden, sammt ihrer Auslegung und Deutung, sammt ihrer Laut- und Formenlehre, und ihren Sagen zufünft, der Gesänge kundig und ein Erklärer, der die Merkmale eines großen Weltweisen aufwies. Und es hörte Brahmāyu der Priester reden: ›Der Asket, wahrlich,{513}Herr Gotamo, der Sakyersohn, der dem Erbe der Sakyer entsagt hat, wandert im Videher-Lande von Ort zu Ort, von vielen Mönchen begleitet, einer Schaar von fünfhundert Mönchen. Diesen Herrn Gotamo aber begrüßt man allenthalben mit dem frohen Ruhmesrufe, so zwar: ‚Das ist der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene. Er zeigt diese Welt mitihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Büßern und Priestern, Göttern und Menschen, nachdem er sie selbst verstanden und durchdrungen hat. Er verkündet die Lehre, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, er legt das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum dar. Glücklich wer da nun solche Heilige sehn kann!‘‹

Damals nun hatte Brahmāyu der Priester einen jungen Brāhmanen als Schüler bei sich, Uttaro mit Namen, der ebenso gelehrt wie er selbst war. Und Brahmāyu der Priester wandte sich also an Uttaro den jungen Brāhmanen:

{514}»Komm’, lieber Uttaro, und geh’ zum Asketen Gotamo hin und erforsche den Asketen Gotamo, ob er wirklich so ist, wie ihn der Ruf begrüßt, oder nicht so ist; und ob da Herr Gotamo solche Art hat, oder nicht hat: durch dich wollen wir ihn, den Herrn Gotamo, kennen lernen.«

»Auf welche Weise aber, Herr, soll ich ihn, den Herrn Gotamo, erforschen, ob Herr Gotamo wirklich so ist, wie ihn der Ruf begrüßt, oder nicht so ist; und ob da Herr Gotamo solche Art hat, oder nicht hat?«

»Es werden, lieber Uttaro, in unseren Sprüchen zweiunddreißig Merkmale eines großen Mannes genannt, mit denen begabt ein solcher nur zwei Bahnen betreten kann, keine dritte. Wenn er im Hause bleibt, wird er König werden, Kaiser, ein gerechter und wahrer Herrscher[199], ein Sieger bis zur Mark der See, der seinem Reiche Sicherheit schafft, mit sieben Juwelen begabt ist. Das aber sind seine sieben Juwelen, und zwar: das besteLand, der beste Elephant, das beste Ross, die beste Perle, das beste Weib, der beste Bürger, und siebentens der beste Staatsmann. Und er wird über tausend Söhne haben, tapfer, heldensam, Zerstörer der feindlichen Heere. So wird er diese Erde bis zum Ozean hin, ohne Stock undohne Stahl gerecht obsiegend, beherrschen. Wenn er aber aus dem Hause in die Hauslosigkeit zieht, wird er heilig werden, vollkommen auferwacht, der Welt den Schleier hinwegnehmen. Wohl hab’ ich dir schon, lieber Uttaro,{515}die Sprüche gesagt, und du hast sie bei dir behalten.«

»Ja, Herr!« entgegnete da Uttaro der junge Brāhmane, Brahmāyu dem Priester zustimmend. Und er erhob sich von seinem Sitze, bot ehrerbietigen Gruß dar, ging rechts herum und begab sich nach Videhā, auf die Wanderung zum Erhabenen hin. Von Ort zu Ort wandernd kam er dorthin wo der Erhabene weilte. Und er tauschte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend gedachte nun Uttaro der junge Brāhmane bei sich[200]: ›Begabt ist der Asket Gotamo mit den zweiunddreißig Merkmalen eines großen Mannes; wie, wenn ich nun dem Asketen Gotamo nachfolgte, um sein Betragen kennen zu lernen?‹{516}Und Uttaro der junge Brāhmane folgte dem Erhabenen sieben Monate nach, dem untrennbaren Schatten gleich.

Als nun sieben Monate um waren kehrte Uttaro der junge Brāhmane von Videhā wieder nach Mithilā zurück. Von Ort zu Ort wandernd kam er dorthin wo Brahmāyu der Priester weilte. Dort angelangt bot er ehrerbietigen Gruß dar und setzte sich zur Seite nieder. Und anUttaro, der da zur Seite saß, wandte sich nun Brahmāyu der Priester also:

»Ist denn, lieber Uttaro, der Herr Gotamo wirklich so, wie ihn der Ruf begrüßt, oder ist er nicht so? Und hat er, der Herr Gotamo, solche Art und keine andere?«

»Wie er eben wirklich ist, Herr, begrüßt Herrn Gotamo der Ruf, nicht anders; und solche Art hat er, der Herr Gotamo, und keine andere. Begabt ist Herr Gotamo mit den zweiunddreißig Merkmalen eines großen Mannes. Wohlgefestet sind die Füße des Herrn Gotamo: und das ist eben eines der Merkmale eines großen Mannes, das Herrn Gotamo eignet. Unten sind bei Herrn Gotamo, an den Sohlen der Füße, Räder zu sehn, mit tausend Speichen, mit Felge und Nabe und allen Abzeichen geziert.[201]Schmal ist die Ferse des Herrn Gotamo, lang sind die Zehen. Sanft und zart sind Hände und Füße des Herrn Gotamo.Die Bindehaut zwischen Fingern und Zehen ist breit geschweift wie ein Netz. Muschelwölbig ist der Rist. Gazellenbeinig ist Herr Gotamo[202];{517}stehend kann Herr Gotamo, ohne sich zu beugen, mit beiden Handflächen die Kniee befühlen und berühren.[203]In der Vorhaut verborgen ist das Schaamglied.[204]Gülden leuchtet der Körper des Herrn Gotamo, wie Gold erglänzt seine Haut. Sie ist geschmeidig, so geschmeidig, dass kein Staub und Schmutz daran haften bleibt. Einzelflaumig ist Herr Gotamo, je einzeln ist das Flaumhaar in der Pore gewachsen. Nach oben gerichtet ist der Flaum des Herrn Gotamo, die Flaumhaare sind nach oben gewachsen. Schwarz wie Augenschminke, wie Ringe geringelt, rechts herum sind sie gedreht. Heilig erhaben ragt HerrGotamo empor, ist gar heiter anzuschauen.[205]Wie beim Löwen ist der Vorderleib des Herrn Gotamo, mit der breiten Brust. Eine Klafter hoch ist Herr Gotamo; seine Körperlänge entspricht seiner Armweite: seine Armweite entspricht seiner Körperlänge. Gleichgeformte Schultern hat Herr Gotamo. Mächtige Ohrmuscheln hat Herr Gotamo[206]. Ein Löwenkinn hat Herr Gotamo. Alle Zähne hat Herr Gotamo[207]; gleichmäßig gefügt, nicht auseinanderstehend, glänzend weiß ist das Gebiss. Gewaltig ist die Zunge des Herrn Gotamo. Heilig tönt seine Stimme, wie Waldvogelsang. Tiefschwarz sind die Augen des Herrn Gotamo; die Wimpern wie beim Rinde.{518}Eine Flocke ist Herrn Gotamo zwischen den Brauen gewachsen, weiß und weich wie Baumwolle.[208]Einen Scheitelkamm hat Herr Gotamo: und auch das ist eines der Merkmale eines großen Mannes, das Herrn Gotamo eignet. Das sind, Herr, die zweiunddreißig Merkmale eines großen Mannes, mit denen Herr Gotamo begabt ist.[209]

»Im Gange schreitet Herr Gotamo mit dem rechten Fuße voran. Er macht keine zu großen, macht keine zu kleinen Schritte. Er geht nicht zu schnell, geht nicht zu langsam. Beim Gehn stößt er nicht mit den Waden[210], nicht mit den Knöcheln aneinander; er dreht die Schenkel nicht nach oben, nicht nach unten, nicht einwärts, nicht auswärts. Während Herr Gotamo hinschreitet ist sein Körper gerade gerichtet, schwankt nicht[211], tritt nicht mit Leibeswucht auf. Beim Umblicken blickt Herr Gotamo mit dem ganzen Körper um. Er schaut nicht hinauf, er schaut nicht herab, lässt die Blicke nicht hin- und herschweifen, er blickt vier Spannen weit vor sich[212]:so hat er höhere, unbehinderte Wissensklarheit gewonnen.

»Beim Betreten eines Hauses dreht er den Körper nicht nach oben, nicht nach unten, nicht einwärts, nicht auswärts. Nicht zu ferne, nicht zu nahe tritt er an den Stuhl heran, ohne ihn mit der Hand anzufassen nimmt er Platz, er lässt sich nicht jählig nieder. Und hat er im Hause Platz genommen, so macht er keine unnütze Handbewegung, keine unnütze Fußbewegung. Er sitzt da und hat nicht Wade über Wade geschlagen,{519}nicht Knöchel über Knöchel geschlagen, nicht das Kinn in die Hand gestützt. Im Hause hat er sich niedergesetzt und bangt und bebt nicht und zittert und zagt nicht: ohne Bangen und Beben, ohne Zittern und Zagen, frei von Angst, mit Einsicht umgethan, nimmt Herr Gotamo Platz im Hause.

»Nimmt er Wasser in der Almosenschaale entgegen, so dreht er die Schaale nicht nach oben, nicht nach unten, nicht einwärts, nicht auswärts, er lässt sich das Wasser eingießen, nicht zu wenig, nicht zu viel. Er wäscht die Schaale aus ohne zu plätschern, ohne sie umzustülpen, er stellt sie nicht auf den Boden um sich die Hände zu waschen; indem er die Schaale wäscht wäscht er die Hände: indem er die Hände wäscht wäscht er die Schaale. Dann gießt er das Wasser weg, nicht zu ferne, nicht zu nahe, verspritzt es nicht.

»Nimmt er den Reisbrei entgegen, so dreht er die Schaale nicht nach oben, nicht nach unten, nicht einwärts, nicht auswärts, er lässt sich den Reisbrei einfüllen, nicht zu wenig, nicht zu viel. Die Brühe aber nimmt Herr Gotamo nur als Brühe hinzu und taucht den Bissen nichtmehr als nöthig ein. Zwei- bis dreimal lässt Herr Gotamo den Bissen im Munde herumgehn bevor er ihn verschlingt, so dass kein Reiskorn unzerkaut in den Magen gelangt, so dass kein Reiskorn im Munde zurückbleibt: dann nimmt er den nächsten Bissen auf. Den Geschmack empfindet Herr Gotamo indem er die Nahrung einnimmt, aber er genießt ihn nicht. Achtfach ausgezeichnet ist die Nahrung,{520}die Herr Gotamo einnimmt, nicht zur Letzung noch Ergetzung, nicht zur Schmuckheit und Zier, sondern nur um diesen Körper zu erhalten, zu fristen, um Schaden zu verhüten, um ein heiliges Leben führen zu können: ›So werd’ ich das frühere Gefühl abtödten und ein neues Gefühl nicht aufkommen lassen, und ich werde ein Fortkommen haben, ohne Tadel bestehn, mich wohl befinden.‹

»Nimmt er, nach dem Mahle, Wasser in der Almosenschaale entgegen, so dreht er die Schaale nicht nach oben, nicht nach unten, nicht einwärts, nicht auswärts, er lässt sich das Wasser eingießen, nicht zu wenig, nicht zu viel. Er wäscht die Schaale aus ohne zu plätschern, ohne sie umzustülpen, er stellt sie nicht auf den Boden um sich die Hände zu waschen; indem er die Schaale wäscht wäscht er die Hände: indem er die Hände wäscht wäscht er die Schaale. Dann gießt er das Wasser weg, nicht zu ferne, nicht zu nahe, verspritzt es nicht. Er stellt die Schaale, wann er gespeist, nicht gleich auf den Boden hin[213], nicht zu ferne, nicht zu nahe, er hebt sie nicht unnöthig auf, behält sie auch nicht zu lange.

»Nach dem Mahle sitzt er eine Weile schweigsam da; doch nicht zu lange lässt er sich genügen. Es genügt ihm, dass er gespeist hat; weder tadelt er das Mahl nochverlangt er wiederum: vielmehr ermuntert er nun die Umsitzenden in lehrreichem Gespräche, ermuthigt sie, erregt und erheitert sie. Und hat er die Umsitzenden in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermuthigt, erregt und erheitert, so steht er von seinem Sitze auf und geht fort. Er geht nicht zu schnell, geht nicht zu langsam, und geht nicht als ob er sich fortschleichen wollte.

{521}»Und des Herrn Gotamo Gewand ist nicht zu hoch geschürzt und nicht zu tief geschürzt, es liegt am Körper nicht zu knapp und nicht zu lose an; und es wird Herrn Gotamo vom Wind nicht aufgeweht, und nicht bleibt Herrn Gotamo am Körper Staub und Schmutz haften.

»Er sucht den Waldhain auf und sitzt an einem geeigneten Orte nieder. Dann spült er die Füße ab, nicht aber lässt sich Herr Gotamo der Füße Schmuckheit angelegen sein. Hat er die Füße abgespült, so setzt er sich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade aufgerichtet, und pflegt der Einsicht. Er denkt weder zu eigener Beschwer, noch zu des Nächsten Beschwer, noch zu beider Beschwer: sich selber zum Wohle, dem Nächsten zum Wohle, beiden zum Wohle, der ganzen Welt zum Wohle denkend sitzt Herr Gotamo da.

»Er weilt im Waldhaine, und legt den Leuten die Lehre dar, redet ihnen nicht zu, redet ihnen nicht ab, ermuntert sie vielmehr in lehrreichem Gespräche, ermuthigt sie, erregt und erheitert sie. Achtfach ausgezeichnet ist die Stimme, die aus dem Munde des Herrn Gotamo hervorgeht: deutlich und verständlich, angenehm und ansprechend, gebunden, nicht gebrochen, tief und volltönig. Wie da Herr Gotamo in einer Versammlung zu sprechen pflegt, geht der Klang seiner Stimme nichtüber die Versammlung hinaus. Und sind die Versammelten von Herrn Gotamo in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermuthigt, erregt und erheitert worden, so stehn sie von ihren Sitzen auf und entfernen sich indem sie sich umwenden,{522}nur ungern Abschied nehmen.[214]

»Gesehn haben wir, Herr, den Herrn Gotamo gehn, gesehn stillestehn, gesehn in das Haus eintreten[215], gesehn im Hause schweigsam sitzen, gesehn im Hause Nahrung einnehmen, gesehn nach dem Mahle schweigsam sitzen,gesehn nach dem Mahle freundlich sein, gesehn zum Waldhaine schreiten, gesehn im Waldhaine schweigsam sitzen, gesehn im Waldhaine den Leuten die Lehre darlegen. Also und also ist er, der Herr Gotamo: und noch mehr als das.«

Als Brahmāyu der Priester diesen Bericht vernommen erhob er sich von seinem Sitze, entblößte eine Schulter, verneigte sich ehrerbietig nach der Richtung wo der Erhabene weilte, und ließ dann dreimal den Gruß ertönen:


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