Einundzwanzigstes KapitelDer Angriff

Silver anzusehen war der Mühe wert. Die Augen traten ihm vor Wut aus den Höhlen. Er klopfte seine Pfeife aus. „Gebt mir die Hand zum Aufstehen“, rief er.

„Ich nicht“, erwiderte der Kapitän.

„Wer gibt mir die Hand zum Aufstehen?“ brüllte er.

Nicht einer von uns rührte sich. Die wüstesten Beschimpfungen ausstoßend kroch er auf dem Sand hin, bis er sich am Tor aufrichten und wieder auf seine Krücke stellen konnte. Dann spuckte er in den Brunnen.

„Da!“ schrie er, „das ist meine Meinung von Euch. Es wird keine Stunde dauern und Euer altes Blockhaus da werde ich anzünden wie eine Rumtonne. Lacht nur, zum Donner, lacht! Ehe eine Stunde vorbei ist, werdet Ihr im Jenseits lachen und die, die gleich sterben, können von Glück sagen!“

Und mit einem schrecklichen Fluch humpelte er fort, wälzte sich den Sand hinunter, kam nach vier oder fünf mißlungenen Versuchen mit Hilfe des Fahnenträgers glücklich über die Umzäunung und verschwand einen Augenblick später zwischen den Bäumen.

Sobald Silver verschwunden war, wandte sich der Kapitän, der ihn genau beobachtet hatte, wieder in das Innere des Hauses und fand keinen einzigen von uns, außer Gray, auf seinem Posten. Das war das erstemal, daß wir ihn wütend sahen.

„Wachen!“ brüllte er, und als wir alle an unsere Plätze gestürzt waren, sagte er: „Gray, deinen Namen werde ich ins Logbuch eintragen. Du bist bei deiner Pflicht geblieben wie ein ordentlicher Seemann. Herr Trelawney, ich bin überrascht über Ihr Benehmen, Herr Doktor, ich glaubte, Ihr hättet des Königs Rock getragen! Wenn Ihr so bei Fontenoy gedient habt, Herr, so wäret Ihr besser in Eurer Koje geblieben.“

Die Leute des Doktors standen alle wieder an ihren Schießscharten, die anderen luden fleißig die übrigen Gewehre und alle hatten einen roten Kopf und ließen die Nase hängen.

Der Kapitän sah eine Weile schweigend zu, dann erst sprach er.

„Leute,“ sagte er, „ich habe Silver absichtlich ordentlich eingeheizt und noch ehe eine Stunde um ist, wird, wie er es verkündigte, die Sache losgehen. Sie sind in der Überzahl, das brauche ich euch nicht erst zu sagen. Aber wir kämpfen in Deckung und noch vor einer Minute hätte ich gesagt wir kämpfen diszipliniert. Ich zweifle nicht daran, daß wir sie hauen können, wenn ihr wollt.“

Dann machte er die Runde und schaute nach, wie er sich ausdrückte, ob alles klar zum Gefecht sei. An den beiden Schmalseiten des Hauses gegen Osten und Westen waren bloß zwei Schießscharten, im Süden beim Tor wieder zwei und nach Norden fünf. Wir sieben verfügten über rund zwanzig Gewehre. Das Brennholz lag in vier tafelförmigen Stößen aufgeschichtet, von denen je einer in der Mitte jeder Seite stand und auf denen Munition und vier geladene Gewehre, den Verteidigern zur Hand, vorbereitet waren. Auch die Entermesser lagen geordnet auf den Tischen.

„Löscht das Feuer“, befahl der Kapitän, „es ist nicht mehr kalt und wir brauchen keinen Rauch in den Augen.“

Herr Trelawney trug den eisernen Korb, der uns als Herd diente, eigenhändig hinaus und erstickte die Funken im Sande.

„Hawkins hat noch nicht gefrühstückt. Hawkins, bediene dich und nimm das Essen auf deinen Posten“, fuhr Kapitän Smollett fort. „Schnell, mein Junge, wir werden unsere Kräfte brauchen. Hunter! Serviert für jeden ein Glas Branntwein.“ Während das geschah machte der Kapitän im stillen seinen Verteidigungsplan fertig.

„Doktor, Ihr nehmt die Tür“, befahl er. „Trachtet Euch nicht zu exponieren, bleibt drinnen und feuert durch die Tür. Hunter nimmt dort die Ostseite. Joyce, Ihr steht nach Westen, mein Junge. Herr Trelawney, Ihr seid der beste Schütze, Ihr und Gray nehmt die lange Nordfront mit den fünf Schießscharten, dort ist es am gefährlichsten. Wenn sie von dort kämen und durch unsere eigenenTore hereinfeuern könnten, dann würde die Sache brenzlig ausschauen. Hawkins, weder du noch ich zählen als Schützen mit. Wir wollen dabeistehen und laden und zugreifen, wo’s nottut.“

Der Kapitän hatte recht, die Kälte war vergangen. Sowie die Sonne sich über den uns umgebenden Baumgürtel erhob, strahlte sie mit voller Kraft auf die Lichtung und vertrieb die Dünste sofort. Bald kochte der Sand und das Harz in den Balken des Blockhauses fing zu sieden an. Jacken und Röcke flogen zur Seite, die Hemdkragen wurden zurückgeschlagen, die Ärmel bis zur Schulter aufgestreift und wir standen jeder auf seinem Posten in einem Fieber von Hitze und Unruhe.

Eine Stunde verging.

„Zum Henker mit ihnen,“ rief der Kapitän, „es fängt an so langweilig zu werden wie eine Windstille. Gray, pfeif um Wind.“

Gerade in diesem Augenblick zeigten sich die ersten Anzeichen des Angriffes.

„Bitte, Herr,“ fragte Joyce, „darf ich feuern, wenn ich einen sehe?“

„Ich hab’s Euch doch gesagt“, rief der Kapitän.

„Danke schön“, erwiderte Joyce, immer mit derselben ruhigen Höflichkeit.

Eine Zeitlang war alles still, doch die Bemerkung hatte unser aller Wachsamkeit geweckt und wir spitzten Augen und Ohren — die Musketiere legten die Hand ans Gewehr, der Kapitän stand mit festgeschlossenem Mund und gerunzelter Stirne in der Mitte des Blockhauses.

So vergingen ein paar Sekunden. Plötzlich riß Joyce seine Flinte in die Höhe und feuerte einen Schuß ab. Kaum war der Knall verklungen, da wurde er schon von außerhalb der Umzäunung her durch eine zerstreute Salve erwidert. Ein Schuß nach dem anderen fiel, hintereinander kamen sie wie ein Rudel Wildgänse. Mehrere Kugeln streiften das Blockhaus, doch keine drang in das Innere. Als der Rauch sich verzogen hatte, schaute die Umzäunung und der Wald ringsum so friedlich drein wie vorher.Nicht ein Blättchen regte sich, nicht einmal das Glitzern eines Gewehrlaufes verriet die Anwesenheit unserer Feinde.

„Habt Ihr Euern Mann getroffen?“ fragte der Kapitän. „Nein, Herr,“ erwiderte Joyce, „ich glaube nicht.“

„Das nächstbeste ist immer die Wahrheit zu sagen,“ murmelte der Kapitän, „lade sein Gewehr, Hawkins. Wieviele waren auf Eurer Seite, Doktor?“

„Ich weiß es genau,“ sagte Dr. Livesay, „auf dieser Seite wurden drei Schüsse abgefeuert. Ich habe drei Blitze gesehen, zwei nahe beisammen, einen weiter westlich.“

„Drei!“ wiederholte der Kapitän. „Und wieviel bei Euch, Herr Trelawney?“

Doch das war nicht so leicht zu beantworten. Von Norden waren viele gekommen — sieben nach der Berechnung des Gutsherrn, acht oder neun nach Grays Schätzung. Aus Osten und Westen war nur ein einziger Schuß abgefeuert worden. Es war daher klar, daß sich der Angriff aus Norden entwickeln würde und daß man von den drei anderen Richtungen aus nur durch Scheinangriffe in Atem erhalten werden sollte. Dennoch änderte Kapitän Smollett nichts an seinen Anordnungen. Er nahm als sicher an, daß, wenn die Meuterer in den Besitz irgendeiner unbeschützten Schießscharte kämen, sie uns wie die Ratten in unserer eigenen Festung niedermachen würden.

Es blieb uns auch nicht mehr viel Zeit zum Nachdenken über eine neue Taktik. Plötzlich sprang mit lautem Kampfgeschrei eine kleine Schar von Seeräubern aus dem Wald an die nördliche Front und rannte geradewegs auf die Umzäunung los. Gleichzeitig wurde das Feuer aus dem Wald wieder eröffnet und eine Büchsenkugel pfiff durch das Tor und zerschmetterte das Gewehr des Doktors.

Die Meuterer wimmelten wie die Affen über den Zaun. Der Squire und Gray feuerten immer wieder. Drei Mann fielen, einer innerhalb des eingezäunten Raumes, die beiden anderen draußen. Doch von denen war einer offenbar mehr erschrecktals verletzt worden, denn er sprang mit einem Satz wieder auf die Füße und verschwand im Dickicht.

Zwei hatten in den Sand gebissen, einer war geflohen, doch vier hatten innerhalb unserer Verteidigungslinie festen Fuß gefaßt und indessen hielten unter dem Schutz des Waldes sieben oder acht Leute, von denen jeder sichtlich mit mehreren Gewehren versehen war, ein hitziges, obwohl nutzloses Feuer auf das Blockhaus aufrecht.

Die vier, die herübergekommen waren, rannten unter lauten Rufen direkt auf das Gebäude zu und die Leute draußen von den Bäumen her ermutigten sie mit Zurufen. Mehrere Schüsse aus dem Blockhause wurden abgefeuert, doch zielten die Schützen so hastig, daß kein einziger traf. In einem Augenblick hatten die Seeräuber den Erdwall erstürmt und waren über uns.

Der Kopf Job Andersons, des Bootsführers, tauchte an der mittleren Schießscharte auf.

„Drauf und dran, alle miteinander!“ brüllte er mit Donnerstimme.

Im selben Augenblick packte ein zweiter Seeräuber Hunters Gewehr bei der Mündung, entriß es ihm, schob es durch die Schießscharte und schlug mit einem betäubenden Kolbenschlag den armen Kerl nieder, daß er bewußtlos zu Boden fiel. Inzwischen war ein dritter unangefochten rund um das Haus gelaufen, erschien plötzlich im Tor und griff mit seinem Entermesser den Doktor an.

Unsere Lage hatte sich vollkommen gewendet. Vor einem Augenblick noch hatten wir geschützt aus einen bloßgestellten Feind gefeuert; nun waren wir ungedeckt und konnten keinen Schlag zurückgeben.

Das Blockhaus stand voll Rauch, dem allein wir unsere verhältnismäßige Sicherheit verdankten. Schreie und Verwirrung, Blitz und Knall von Pistolenschüssen und ein lautes Stöhnen klang in meinen Ohren.

„Heraus Jungen, heraus! und kämpft draußen im Freien! Entermesser!“ schrie der Kapitän.

Ich ergriff ein Entermesser aus dem Haufen und irgendein anderer, der gleichzeitig ein zweites packte, schnitt mich in die Knöchel, was ich kaum fühlte. Ich schoß aus dem Tor hinaus in das helle Sonnenlicht. Jemand war knapp hinter mir, ich weiß nicht wer. Gerade vor mir verfolgte der Doktor seinen Angreifer und gerade als ich hinschaute schlug er auf ihn los, daß dieser hinfiel, mit einem großen Schlitz quer über das Gesicht, und langausgestreckt auf dem Rücken liegen blieb.

„Rund um das Haus, Jungens, rund ums Haus!“ schrie der Kapitän, aber selbst in diesem Getümmel und Durcheinander bemerkte ich eine Veränderung in seiner Stimme.

Mechanisch gehorchte ich, wandte mich nach Osten und lief mit erhobenem Entermesser um die Ecke des Hauses. Im nächsten Augenblick stand ich Job Anderson gegenüber. Er brüllte laut und hob seinen Hirschfänger hoch über den Kopf, daß er im Sonnenlicht glänzte. Ich hatte keine Zeit mich zu fürchten, denn als er zum Hiebe ausholte, sprang ich mit einem Satz zur Seite und rollte, da mein Fuß im weichen Sand abrutschte, kopfüber den Abhang herunter.

Schon als ich aus der Tür gestürzt war, wimmelten die übrigen Meuterer bereits die Palisade hinauf, um uns zu erledigen. Ein Mann in einer roten Nachtmütze war sogar schon auf die Spitze hinaufgekommen und mit einem Fuß drüben. Nun, so schnell war ich hinuntergesaust, daß, als ich wieder auf den Füßen stand, sich alles noch in derselben Bewegung befand, der Kerl mit der roten Nachtmütze immer noch halb drüben und der Kopf eines zweiten gerade über der Spitze der Umzäunung. Und doch hatte sich in dieser winzigen Spanne Zeit der Kampf entschieden und der Sieg war unser.

Gray, der mir auf dem Fuße gefolgt war, schlug den dicken Bootsführer nieder ehe er Zeit hatte zu einem neuen Schlage auszuholen. Ein zweiter wurde gerade als er ins Haus feuern wollte von einer Schießscharte aus niedergeschossen und lag nun im Todeskampfe, die noch rauchende Pistole in der Hand. Einen dritten hatte der Doktor mit einem Schlage erledigt, das hatte ich selbst gesehen. Von den vieren, welche die Palisaden erklettert hatten, war nur einer unverwundet, und der hatte sein Entermesser im Kampf verloren und trachtete in Todesangst rasch zu entkommen.

„Feuert — feuert aus dem Hause!“ schrie der Doktor. „Und ihr Jungen, zurück in Deckung.“ Doch seine Worte wurden nicht beachtet, kein Schuß fiel und der letzte Eindringling entfloh und verschwand mit den übrigen im Walde.

In drei Sekunden blieb von den Angreifern nichts zurück, als die fünf Gefallenen, vier innerhalb und einer außerhalb der Palisaden. Der Doktor, Gray und ich liefen hastig in die Deckung. Die Überlebenden würden rasch wieder bei ihren Gewehren sein und das Feuer konnte jeden Augenblick wieder einsetzen. Der Rauch war inzwischen etwas abgezogen und wir sahen mit einem Blick, welchen Preis uns der Sieg gekostet hatte. Hunter lag bewußtlos neben einer Schießscharte, Joyce neben der seinigen mit einem Schuß durch den Kopf, auf immer verstummt. Und gerade in der Mitte stützte der Squire den Kapitän und einer war so blaß wie der andere.

„Der Kapitän ist verwundet“, sagte Herr Trelawney.

„Sind sie davongerannt?“ fragte Herr Smollett.

„Die, die konnten, schon,“ erwiderte der Doktor, „aber fünf davon werden nie mehr rennen.“

„Fünf!“ rief der Kapitän, „na, das ist sehr gut. Fünf gegen drei, da bleiben wir jetzt vier zu neun. Das ist ein besseres Verhältnis als zu Anfang. Da waren wir sieben zu neunzehn, oder glaubten es wenigstens zu sein, und das ist gerade so schlimm.“

Die Meuterer waren bald nur mehr acht an der Zahl, denn der Matrose, den der Schuß Trelawneys an Bord des Schooners getroffen hatte, starb an diesem selben Abend an seiner Wunde, was natürlich den Gegnern erst später bekannt wurde.

Die Meuterer kehrten nicht wieder — nicht einmal ein Schuß kam mehr aus dem Walde. Sie hatten, wie es der Kapitän nannte, „ihre Tagesration bekommen“ und wir blieben Herren des Platzes und konnten nun in Ruhe uns um die Verwundeten kümmern und unser Mittagessen bereiten. Der Squire und ich kochten, der Gefahr trotzend, im Freien und selbst draußen konnten wir kaum zur Besinnung kommen vor Entsetzen über das laute Stöhnen der Patienten des Doktors, das bis zu uns drang.

Von den acht Mann, die im Kampfe gefallen waren, atmeten nur mehr drei — der eine Seeräuber, der an der Schießscharte angeschossen worden war, Hunter und Kapitän Smollett. Und von diesen waren die beiden ersten so gut wie tot. Der Meuterer starb unter dem Messer des Doktors und Hunter kam, trotz aller unserer Bemühungen, nicht mehr zum Bewußtsein. Er lag den ganzen Tag im Sterben und keuchte laut wie der alte Freibeuter daheim während seines Schlaganfalles. Das Brustbein war ihm durch den Schlag zertrümmert worden und sein Schädel beim Fall zerschmettert, und in der nächsten Nacht ging er ohne einen Laut von sich zu geben zu seinem Schöpfer heim.

Die Wunden des Kapitäns waren schwer, doch nicht lebensgefährlich. Kein lebenswichtiges Organ war ernstlich verletzt. Andersons Kugel — denn Job hatte ihn zuerst getroffen — hatte ihm das Schulterblatt zerbrochen und die Lunge leicht gestreift. Der zweite Schuß war in die Wadenmuskeln gedrungen. Er werdesich bestimmt erholen, sagte der Doktor, doch dürfe er wochenlang weder gehen noch den Arm bewegen und womöglich auch nicht sprechen.

Mein Schnitt durch die Knöchel war ein Flohbiß, den Dr. Livesay mit Pflaster flickte und mich noch obendrein dafür bei den Ohren nahm.

Nach dem Essen saßen der Squire und der Doktor eine Weile zur Beratung neben dem Lager des Kapitäns und als sie sich ausgesprochen hatten nahm der Doktor seinen Hut und seine Pistolen, umgürtete sich mit dem Entermesser, steckte die Karte in die Tasche, kletterte mit geschultertem Gewehr auf der Nordseite über die Umzäunung und machte sich vergnügt auf den Weg.

Gray und ich saßen zusammen am anderen Ende des Blockhauses, um während der Beratung unserer Vorgesetzten außer Hörweite zu sein. Gray nahm die Pfeife aus dem Munde und vergaß fast sie wieder hineinzustecken, so paff war er über das Beginnen des Doktors.

„Was, zum Henker, ist in ihn gefahren?“ sagte er, „ist Dr. Livesay verrückt geworden?“

„Kaum“, sagte ich. „Ich glaube, von der ganzen Mannschaft hat er am wenigsten Anlage dazu.“

„Nun, Kamerad,“ meinte Gray, „vielleicht ist er nicht verrückt, doch wenn er es nicht ist dann paß auf was ich dir sage, bin ich es.“

„Ich denke,“ erwiderte ich, „der Doktor hat seinen Plan. Wenn ich nicht sehr irre, ist er Ben Gunn besuchen gegangen.“

Wie sich später herausstellte, war es wirklich so. Doch inzwischen war es im Hause erstickend heiß und der kleine Fleck Sand innerhalb der Umzäunung glühte in der Mittagsonne. Mir ging ein anderer Gedanke durch den Kopf, der keineswegs so richtig war. Ich beneidete den Doktor, der im kühlen Waldesschatten spazieren ging, den angenehmen Duft der Nadelbäume und den Gesang der Vögel genoß, während ich gebraten dasaß und mit meinen Kleidern am heißen Harz hängen blieb, rings um mich so vielBlut und so viel Leichen, daß mich ein Ekel vor dem Hause packte, der fast so stark war wie Furcht.

Die ganze Zeit während ich das Blockhaus und dann das Eßgeschirr aufwusch, wurden Ekel und Neid immer stärker, bis ich endlich, als ich mich zufällig unbeobachtet bei einem Brotkorb fand, den ersten Schritt für meine Flucht vorbereitete und meine beiden Manteltaschen mit Zwieback füllte.

Ich war vielleicht ein Narr und sicherlich war ich im Begriff einen törichten, tollkühnen Schritt zu tun, doch war ich entschlossen alle in meiner Macht stehenden Vorsichtsmaßregeln dabei zu beobachten. Dieser Zwieback würde mich, wenn mir irgend etwas geschehen sollte, wenigstens bis zum Abend des nächsten Tages vor dem ärgsten Hunger schützen.

Ferner nahm ich ein paar Pistolen mit, und da ich bereits ein Pulverhorn und Kugeln hatte, fühlte ich mich mit Waffen wohlversehen.

Der Plan, mit dem ich mich trug, war an und für sich nicht schlecht. Ich wollte die schmale Landzunge, welche im Osten den Ankerplatz von der offenen See trennt, hinuntergehen, den weißen Felsen, den ich am letzten Abend bemerkt hatte, suchen und mich überzeugen, ob Ben Gunn dort sein Boot versteckt habe; was, wie ich noch immer glaube, wohl der Mühe wert war zu unternehmen. Doch da ich sicher war, daß man mir nicht gestatten würde die Umzäunung zu verlassen, wollte ich französischen Abschied nehmen und unbeobachtet hinausschlüpfen. Und das war eine so schlechte Handlungsweise, daß dadurch die ganze Sache zu einem Unrecht wurde. Doch ich war nur ein Bub’ und war fest entschlossen meinen Plan durchzuführen.

Der Zufall wollte es, daß ich eine wundervolle Gelegenheit fand. Der Squire und Gray waren eifrig damit beschäftigt dem Kapitän bei seinen Verbänden Hilfe zu leisten. Der Weg war frei und so machte ich einen Satz über die Umzäunung und mitten hinein in das dichteste Gehölz, und ehe meine Abwesenheit bemerkt wurde, war ich außer Hörweite.

Das war meine zweite Torheit und sie war viel schlimmer als die erste, denn ich ließ nur zwei gesunde Männer zur Bewachung des Hauses zurück; doch sollte sie späterhin, gleich der ersten, zur Rettung für uns alle werden.

Ich nahm meinen Weg geradeaus zur Ostküste der Insel, da ich entschlossen war die dem Meere zu gelegene Seite der Landzunge hinunterzugehen, um jede Möglichkeit zu vermeiden vom Ankerplatz aus beobachtet zu werden.

Es war schon spät am Nachmittag, doch noch immer warm und sonnig. Als ich mich weiter durch hohes Gebüsch hindurchwand, konnte ich in naher Entfernung nicht nur den unaufhörlichen Donner der Brandung, sondern auch ein gewisses Rauschen der Blätter und Aneinanderschlagen der Zweige hören, das mir anzeigte, daß die Brise stärker als sonst eingesetzt hatte. Bald spürte ich einen kalten Luftzug und nach einigen weiteren Schritten kam ich an den offenen Rand des Waldes und sah das Meer blau und sonnig weit vor mir liegen und die Brandung wallend und schäumend an die Küste anschlagen.

Ich habe um die Schatzinsel die See niemals ruhig gesehen. Wenn die Sonne noch so heiß brannte und kein Lüftchen sich rührte und die Oberfläche des Meeres glatt und blau dalag, schlugen doch diese breiten Wogen Tag und Nacht donnernd und donnernd an die Küste, und ich glaube kaum, daß es einen Platz auf der Insel gibt, wo dieses Getöse nicht ans Ohr dringt.

Ich ging mit großem Entzücken die Küste entlang, bis ich endlich, da ich nun annahm, weit genug nach Süden gekommen zu sein, unter der Deckung dichten Gebüsches vorsichtig den Sattel der Landzunge erklomm. Hinter mir war das Meer, vor mir der Ankerplatz.

Die Seebrise war im Abflauen und es schien als hätte sie sich durch ihre ungewöhnliche Heftigkeit schneller zu Ende geblasen und nun folgten ihr wechselnd leichte Winde aus Süden und Südost, die breite Nebelstreifen mit sich führten. Der Ankerplatz an der Leeseite der Skelettinsel lag noch immer in der bleiernenStille, in der wir ihn zuerst betreten hatten. Die Hispaniola spiegelte sich in dieser ruhigen Wasserfläche von der Spitze, an der die Freibeuterflagge flatterte, bis zur Wasserlinie.

Daneben lag eines der Ruderboote, in dessen Achtersitz Silver saß — ihn konnte ich stets erkennen —, während ein paar seiner Leute sich über die Reeling beugten. Einer von ihnen, mit der roten Mütze, war derselbe Schurke, den ich ein paar Stunden vorher Hals über Kopf über die Palisade fliehen gesehen hatte. Sie schienen zu lachen und zu plaudern, obwohl ich auf diese Entfernung — über eine Meile — natürlich kein Wort ihres Gespräches vernehmen konnte.

Plötzlich erhob sich ein abscheuliches, unmenschliches Gekreisch, das mich zuerst wahnsinnig erschreckte, doch bald erinnerte ich mich wieder an die Stimme des „Kapitän Flint“ und glaubte sogar den Papagei in seinem leuchtenden Gefieder wahrzunehmen, wie er auf dem Handgelenk seines Herrn geduckt dasaß.

Bald darauf fuhr die Jolle gegen das Ufer; der Mann in der roten Mütze aber und sein Gefährte gingen hinunter in die Kabine.

Um diese Zeit war die Sonne hinter dem „Fernrohr“ untergegangen und da der Nebel sich rasch zusammenzog fing es an ernstlich dunkel zu werden und ich sah, daß ich keine Zeit verlieren dürfe, wenn ich das Boot noch an diesem Abend finden wollte.

Der weiße Felsen, der sich deutlich über dem Nebel abzeichnete, war immer noch ein ziemliches Stück entfernt und es dauerte eine gute Weile bis ich durch das Gestrüpp, oft auf allen Vieren kriechend, mich hinarbeitete. Die Nacht war fast niedergesunken, als ich endlich ankam. Genau unter dem Felsen war eine ganz schmale, mit Rasen ausgelegte Vertiefung, die durch die Böschung und dichtes Unterholz, das dort sehr üppig wuchs, verborgen war. In der Mitte der kleinen Schlucht stand wirklich ein Zelt aus Ziegenhäuten, wie es die Zigeuner in England mit sich herumführen.

Ich sprang in die kleine Schlucht hinunter, hob den Zeltvorhang und da stand Ben Gunns Boot — unzweifelhaft sozusagen „zuHause gemacht“: ein rohes, schiefwandiges Fahrzeug aus unbehauenem Holz, dessen Innenseite mit Tierfellen, mit der Haarseite nach innen, belegt war. Das Ding war außerordentlich klein, sogar für mich, und ich vermochte mir kaum vorstellen, wie es einen erwachsenen Mann über Wasser halten konnte. Es hatte einen kleinen, ganz niedrigen Strecksitz im Bug und zum Antrieb ein kurzes Doppelruder. Ich hatte vorher nie ein Fischerboot gesehen wie es die alten Briten benützten, doch habe ich inzwischen welche kennen gelernt und kann keine bessere Vorstellung von Ben Gunns Boot geben, als indem ich es mit dem ältesten und primitivsten Fischerboot vergleiche, das jemals Menschenhände angefertigt haben. Doch besaß es zweifellos einen großen Vorteil vor jenen Booten aus der Vorzeit: es war überaus leicht und tragbar.

Da ich das Boot nun gefunden hatte hätte man denken sollen, daß ich mir vorläufig genug an Durchgängerei geleistet hatte. Doch inzwischen hatte ich einen Plan gefaßt und mich so heftig in ihn verliebt, daß ich ihn, glaube ich, sogar vor Kapitän Smolletts Augen durchgeführt hätte. Er bestand darin unter dem Schutze der Nacht die Hispaniola abzuschneiden und den Wellen und Winden preiszugeben, so daß sie irgendwo an Land treiben mußte. Ich war sicher, daß den Meuterern nach ihrem Mißerfolg am Morgen nichts mehr am Herzen lag als die Anker zu lichten und fortzusegeln und dachte, daß es eine schöne Sache wäre, das zu verhindern. Da ich nun sah wie sie ihre Wachen ohne Boot zurückließen, glaubte ich, daß man dies mit geringer Gefahr durchführen könnte.

Ich setzte mich nieder, um auf die Dunkelheit zu warten und ließ mir inzwischen eine tüchtige Zwiebackmahlzeit gutschmecken. Es war eine Nacht wie sie unter zehntausend für meine Zwecke nicht geeigneter sein konnte. Der Nebel bedeckte nun den ganzen Himmel. Als die letzten Strahlen des Tageslichtes dahinschwanden legte sich vollkommene Finsternis über die Schatzinsel. Und als ich schließlich das Fischerboot schulterte und damit aus der kleinenSchlucht, wo ich mein Abendbrot gegessen hatte, hinausstolperte, waren nur noch zwei Punkte auf dem ganzen Ankerplatz sichtbar.

Der eine war ein großes Feuer am Ufer, um das die besiegten Seeräuber zechend auf der morastigen Wiese herumlagen, der zweite ein bloßer Lichtschimmer in der Finsternis, der die Lage des Schiffes anzeigte. Es hatte sich während der Ebbe gedreht — so daß der Bug jetzt mir zugewendet war — und die einzigen Lichter an Bord waren die in der Kabine.

Die Ebbe dauerte schon einige Zeit und ich mußte eine lange Strecke durch den sumpfigen Sand waten, in den ich wiederholt bis über die Knöchel einsank, ehe ich an das zurückflutende Meer kam und endlich mit einigem Aufwand von Kraft und Geschicklichkeit mein Fischerboot mit dem Kiel nach abwärts auf die Wasserfläche setzen konnte.

Das Fischerboot war wirklich für eine Person meiner Größe und meines Gewichtes ein ganz sicheres Fahrzeug — und ich bekam genug Erfahrung, um dies zu wissen — und war ganz flott und geschickt, wenn man es auf dem Wasser sich selbst überließ.

Doch war es infolge seiner Schiefwandigkeit und Unförmigkeit überaus schwer zu lenken. Man konnte machen was man wollte, es drehte sich immer mehr leewärts als irgend etwas, und sich um und umzudrehen war die Kunst, die es am besten verstand. Selbst Ben Gunn gab zu, das es „sich etwas sonderbar benahm, bis man seine Art kannte“.

Sicherlich kannte ich ihre seine Art vorerst nicht. Es drehte sich nach jeder Richtung, nur nicht nach der, in welcher ich es haben wollte. Fast die ganze Zeit ging es nach der Breitseite zu und ich bin überzeugt, daß ich niemals das Schiff erreicht hätte, wenn nicht dieFlut gekommen wäre. Zum Glück riß sie mich mit, ich konnte rudern wie ich wollte. Und die Hispaniola lag gerade auf dem Weg und konnte gar nicht verfehlt werden.

Zuerst tauchte sie vor mir auf wie ein dunkler Fleck, dunkler als die Dunkelheit ringsum, dann begannen ihre Spieren und der Schiffsrumpf Umrisse anzunehmen und im nächsten Augenblick (denn je weiter ich vorwärts kam, desto stärker wurde die Strömung) war ich neben ihrem Kabeltau und hatte es schon ergriffen. Das Kabeltau war straff wie eine Bogensehne gespannt — so stark zog sie an ihrem Anker. Rings um den Schiffsrumpf sprudelte und rauschte die anprallende Strömung in der pechschwarzen Nacht wie ein kleiner Bergfluß — ein Schnitt mit meinem Messer — und die Hispaniola würde mit der Flut forttreiben.

Das wäre soweit ganz gut gewesen, doch ich erinnerte mich gehört zu haben, daß ein straffes Ankertau, plötzlich durchschnitten, ein so gefährliches Ding sei wie ein scheues Pferd. Es war zehn gegen eins zu wetten, daß, wenn ich so tollkühn gewesen wäre, die Hispaniola von ihrem Anker wegzuschneiden, ich und das Fischerboot glatt aus dem Wasser hinausgestoßen worden wären.

Damit war es also nichts und wenn das Glück mich nicht wiederum besonders begünstigt hätte, hätte ich meinen Plan ganz aufgeben müssen. Doch die leichten Winde, die zuerst von Südost und Süden gekommen waren schlugen nach Einbruch der Dunkelheit in Südwest um. Mitten in meinem Sinnen kam ein Windstoß, packte die Hispaniola und zwang sie in die Strömung hinauf. Dabei fühlte ich zu meiner großen Freude wie sich das Ankertau lockerte und die Hand, mit welcher ich es festhielt, eine Sekunde lang ins Wasser tauchte.

Als ich das sah entschloß ich mich rasch, nahm ein Messer, das ich mit den Zähnen aufmachte und schnitt eine Faser nach der anderen durch bis das Fahrzeug nur mehr von zweien gehalten wurde. Dann wartete ich ruhig mit dem Abschneiden dieser letzten beiden, bis eine neue Brise die Spannung noch mehr gelockert haben würde.

Während dieser ganzen Zeit hörte ich aus der Kabine laute Stimmen, doch war ich, um die Wahrheit zu sagen, so ganz mit anderen Gedanken beschäftigt, daß ich kaum hingehört hatte. Jetzt aber begann ich, da ich nichts anderes zu tun hatte, besser aufzupassen.

Die eine Stimme erkannte ich als die des Bootsführers Israel Hands, des einstigen Kanoniers des Kapitän Flint. Die andere gehörte natürlich meinem Freund mit der roten Nachtmütze.

Die beiden waren offenbar arg betrunken und tranken auch jetzt weiter, denn während ich zuhörte, öffnete einer von ihnen mit einem Gröhlen das Heckfenster und warf einen Gegenstand hinaus, den ich sicherlich mit Recht für eine leere Flasche hielt. Doch waren sie nicht nur betrunken sondern auch in furchtbarer Wut. Die Flüche flogen wie Hagelkörner und von Zeit zu Zeit entstand ein so wüster Lärm, daß ich sicher war, die Sache würde mit Schlägen enden. Doch immer wieder legte sich der Streit, die Stimmen wurden ein wenig gedämpfter bis zum nächsten Höhepunkt, der wieder ohne Resultat abklang.

Ich konnte den Schein des großen Wachtfeuers am Ufer durch die Bäume an der Küste hell herüberleuchten sehen. Einer sangein eintöniges, altes Seemannslied mit einem trillernden Refrain am Ende jedes Verses, doch gab es anscheinend überhaupt kein Ende als das der Geduld des Sängers. Ich hatte es auf unserer Reise wiederholt gehört und erinnerte mich zweier Verse daraus:

„Mit fünfundsiebzig die Reise begann,Zurück kam nur ein einziger Mann.“

„Mit fünfundsiebzig die Reise begann,Zurück kam nur ein einziger Mann.“

Ich fand, daß es ein zu schmerzlich passendes Lied für eine Gesellschaft war, die am selben Morgen so grausame Verluste erlitten hatte; doch waren freilich, wie ich sah, alle diese Freibeuter so gefühllos wie das Meer, auf dem sie segelten.

Endlich kam die Brise. Der Schooner neigte sich seitwärts und kam in der Dunkelheit näher. Ich fühlte wiederum das Ankertau schlaffer werden und schnitt mit einem guten, festen Schnitt die letzten Fasern durch.

Die Brise bewegte das Fischerboot nur wenig und ich wurde fast augenblicklich gegen den Bug der Hispaniola getrieben. Gleichzeitig begann sich der Schooner zu drehen und langsam gegen den Strom zu rollen.

Ich arbeitete wie ein Teufel, denn ich erwartete jeden Augenblick versenkt zu werden. Und da ich herausgefunden hatte, daß ich das Fischerboot nicht gerade wegbekommen konnte, ruderte ich es umgekehrt. Endlich war ich von meinem gefährlichen Nachbar befreit und eben als ich den letzten Stoß tat, bekam ich zufällig einen leichten Strick in die Hand, der hinten über Bord hing und packte ihn sofort.

Warum ich das tat, ist kaum zu erklären. Es geschah zuerst aus bloßem Instinkt. Doch als ich ihn erst gepackt hatte und sah, daß er fest hielt, bekam meine Neugier die Oberhand und ich beschloß einen Blick durch das Kabinenfenster zu werfen. Ich zog mich an dem Strick hinauf und als ich mich nahe genug glaubte, erhob ich mich, der unerhörten Gefahr nicht achtend, in halber Körperhöhe und konnte nun das Dach und einen Teil des Inneren der Kabine überblicken.

Um diese Zeit glitt der Schooner mit seinem winzigen Begleiter schon ziemlich rasch durch das Wasser und wir kamen in die Nähe des Lagerfeuers. Das Schiff sprach laut, wie die Seeleute sagen, es wälzte sich mit fortwährendem Geplätscher über die unendlichen Wellen und ehe ich durch das Fenster hineinblicken konnte war es mir unverständlich, wieso die Wachen nicht aufgeschreckt worden waren. Doch war der eine Blick, den ich von meinem wackligen Boot aus wagte, hinreichend, um alles zu verstehen, denn ich sah Hands und seinen Gefährten in tödlichem Ringen, einer die Hand an der Kehle des anderen, wütend ineinander verschlungen.

Ich fiel wieder auf meinen kleinen Sitz zurück und wirklich gerade noch zur rechten Zeit, denn ich war fast über Bord geflogen. Ich konnte im Augenblick nichts sehen als diese beiden wild geröteten Gesichter wie sie unter der rauchenden Lampe gegeneinander schwankten und schloß die Augen, um sie wieder an die Dunkelheit zu gewöhnen.

Die endlose Ballade war schließlich doch zu einem Abschluß gekommen und die ganze übrige Gesellschaft beim Lagerfeuer sang den Schlußchor, den ich so oft gehört hatte:

„Fünfzehn Mann auf des toten Manns Kiste,Jo-ho-ho und ein Fläschchen Rum,Schnaps stand stets auf der HöllenfahrtslisteJo-ho-ho und ein Fläschchen Rum.“

„Fünfzehn Mann auf des toten Manns Kiste,Jo-ho-ho und ein Fläschchen Rum,Schnaps stand stets auf der HöllenfahrtslisteJo-ho-ho und ein Fläschchen Rum.“

Während ich darüber nachsann, wie doch Schnaps in diesem Augenblick in der Kabine der Hispaniola zur Höllenfahrt vorbereitete, wurde ich durch einen plötzlichen Ruck des Fischerbootes überrascht. Gleichzeitig schwankte es und schien seinen Kurs zu ändern während seine Schnelligkeit befremdlich zunahm.

Ich öffnete sofort die Augen. Rund um mich schoben sich kleine Wellen, deren Kämme aufleuchteten. Die Hispaniola, in deren Kielwasser ich immer noch herumgewirbelt wurde, schien in ihrem Kurse zu schwanken und ich sah ihre Spiere durch die finstere Nacht hin und hergehen, und als ich näher zusah, sah ich, daß sie nach Süden zog.

Ich blickte zurück und das Herz schlug mir gegen die Rippen. Dort gerade hinter mir glühte der Schein des Lagerfeuers. Die Strömung hatte sich im rechten Winkel gedreht und hatte das große Schiff um das kleine auf den Wellen tanzende Fischerboot herumgefegt. Schneller und schneller, immer höher gingen die Wellen, immer lauter rollten sie es durch die Meerenge in die offene See.

Plötzlich drehte sich der Schooner vor mir mit einem heftigen Ruck um etwa zwanzig Grade und fast im selben Augenblick erschollen Schreie vom Bord des Schiffes. Ich hörte wie die Leiter der Lukenkappe von stampfenden Füßen erzitterte und wußte nun, daß die beiden Trunkenbolde endlich in ihrem Kampf innehielten und das Unheil zu begreifen begannen.

Ich legte mich flach auf den Boden des jämmerlichen, kleinen Schiffleins und empfahl meine Seele ihrem Schöpfer. Es schien sicher, daß wir, wenn wir aus der Meerenge hinauskämen, in die Gewalt der tobenden Wellen kommen müßten, wo alle meine Sorgen ihr rasches Ende finden würden. Und trotzdem ich vielleicht den Tod ertragen konnte, dem nahenden Geschick entgegenzuschauen war mir unerträglich.

Ich muß stundenlang so dagelegen sein, fortwährend von den Wellen auf und ab geworfen, manchmal vom sprühenden Seeschaum bespritzt und immerfort in Erwartung des Todes. Allmählich überwältigte mich die Müdigkeit. Betäubung und gelegentlich Erstarrung überfielen mich inmitten all dieser Schrecknisse, bis mich endlich der Schlaf in die Arme nahm. Und da lag ich nun in meinem von den Wogen herumgeworfenen Fischerboot und träumte von der Heimat und dem alten „Admiral Benbow“.

Es war heller Tag, als ich erwachte und sah, daß ich mich im Südwesten der Schatzinsel befand. Die Sonne war schon aufgegangen,doch war sie noch durch die hohe Wand des „Fernrohrs“ verdeckt, das auf dieser Seite in ungeheuren Klippen fast bis zum Meer herabkam. Der Haulbowlinegipfel und der Mizzenmasthügel standen seitlich von mir, der eine kahl und dunkel, der andere von vierzig bis fünfzig Fuß hohen Schluchten durchzogen, an deren Boden sich große Massen abgesplitterter Felsen türmten. Ich war kaum eine Viertelmeile vom Lande entfernt und mein erster Gedanke war daher, heranzurudern und zu landen. Diese Absicht mußte ich bald aufgeben. Zwischen den abgebröckelten Felsen brach sich die Brandung mit lautem Widerhall und hohe Springfluten stiegen und fielen, folgten einander von Sekunde zu Sekunde. Wenn ich mich in die Nähe wagte mußte ich entweder, an die felsige Küste geschleudert, den Tod finden oder vergeblich meine Kraft dabei verbrauchen, die vorstehenden Felsen zu erklimmen.

Doch das war nicht alles, denn plötzlich sah ich auf flachen Felsblöcken in Rudeln kriechend oder mit lautem Anprall in die See plumsend, riesige, schleimige Ungeheuer — weiche Schnecken von unglaublicher Größe schienen sie mir — die, vierzig oder sechzig beisammen, mit dem Lärm ihres Gekläffes die Felsen widerhallen machten.

Später erfuhr ich, daß das vollkommen harmlose Seelöwen waren, doch ihr Anblick, dazu die steilen Uferfelsen und die heftige Brandung, genügten, mich von der Landung hier abstehen zu lassen und ich war entschlossen lieber auf dem Meere zu verhungern als noch solche Gefahren zu bestehen.

Indessen lag vor mir eine bessere Landungsmöglichkeit. Nördlich vom Haulbowlinekopf erstreckt sich eine schmale Landzunge, die bei niedriger Flut einen langen Strich gelben Sandes zurückläßt. Nördlich davon liegt ein anderes Kap — das Waldkap — wie es auf der Karte bezeichnet war — unter hohen, grünen Nadelbäumen versteckt, welche bis zum Seeufer herabreichen.

Ich erinnerte mich an das, was Silver über die Strömung gesagt hatte, die der ganzen Westküste der Schatzinsel entlang nach Norden geht, und da ich aus meiner Lage ersah, daß ich bereits von ihr getragen wurde, zog ich es vor den Haulbowlinekopf hinter mir zu lassen und meine Kräfte für einen Landungsversuch an dem weniger gefährlich aussehenden Waldkap aufzusparen.

Die Wogen rollten hoch, aber gleichmäßig, der Wind blies stetig und mild vom Süden her und die Wellen stiegen und fielen ohne sich an der Strömung zu brechen.

Wäre es anders gewesen, hätte ich längst umgekommen sein müssen. So aber schwamm mein kleines Boot überraschend leicht und sicher dahin.

Oft sah ich, wie ich da auf dem Boden lag und nach dem Dollbord blickte, einen hohen, blauen Berg sich nahe vor mir erheben. Doch das Fischerboot sprang dann nur ein wenig in die Höhe, tanzte wie wenn es auf Federn ginge, und senkte sich jenseits des Wellenberges wieder leicht wie ein Vogel in die Mulde.

Nach einer Weile wuchs meine Kühnheit und ich versuchte meine Ruderkünste. Doch schon ein kleiner Wechsel im Gleichgewicht erzeugte heftige Veränderungen im Benehmen eines solchen Fischerbootes. Denn kaum hatte ich mich nur ein wenig bewegt, gab es sofort seine freundlich tänzelnde Bewegung auf und lief geradeaus einen so steilen Wasserberg hinab, daß ich ganz schwindligwurde, dann steckte es seine Nase, während der Gischt hochaufspritzte, tief in die Seite der nächsten Welle hinein.

Ich wurde durchnäßt und erschreckt und nahm sofort meine frühere Lage ein, worauf auch das Fischerboot zur Besinnung zu kommen schien und mich so sanft wie früher durch die Wellen führte. Es schien klar, daß es keine Einmischung duldete. Doch wann konnte ich hoffen, da ich auf keine Weise seinen Lauf beeinflussen durfte, an Land zu kommen?

Ich fing an mich entsetzlich zu fürchten, doch verlor ich trotzdem nicht den Kopf. Langsam und mit äußerster Vorsicht bei meinen Bewegungen, schöpfte ich mit meiner Mütze das Wasser aus dem Boot; dann, mit den Augen ein wenig über dem Bootrand, begann ich zu studieren, wie es das Boot fertigbrachte, um so ruhig zwischen den höchsten Wellen durchzukommen.

Ich fand heraus, daß jede Welle durchaus nicht der große, weiche, glatte Berg war, als der sie vom Ufer oder von einem Schiffsdeck aus erschien, sondern in Wirklichkeit wie irgendein Gebirge auf dem trockenen Lande aus Spitzen, ebenen Flächen und Tälern bestand. Das Fischerboot schlängelte sich, wenn man es sich selbst überließ, ganz auf eigene Faust durch diese tieferen Teile und vermied die steilen Abhänge und hohen Gipfel der Wellen.

Nun gut, dachte ich, es ist also klar, daß ich ruhig liegen muß, um nicht das Gleichgewicht zu stören, doch ist es ebenso klar, daß ich das Ruder an ruhigen Stellen von Zeit zu Zeit benützen kann, um das Boot mit ein oder zwei Schlägen mehr landwärts zu lenken. Gesagt, getan. Da lag ich also auf meinen Ellbogen in der anstrengendsten Haltung und machte von Zeit zu Zeit einen oder zwei schwache Ruderschläge, um die Bootspitze landwärts zu drehen.

Es war eine sehr ermüdende und langsame Arbeit, doch gewann ich sichtlich Boden und als wir nahe an das Waldkap kamen, sah ich, daß ich zwar unfehlbar diesen Punkt verfehlen werde, doch war ich nur mehr einige hundert Meter östlich davon.Ich konnte die luftigen, grünen Baumspitzen sich im Winde bewegen sehen und war ganz sicher, daß ich am nächsten Vorgebirge unbedingt würde landen können.

Es war höchste Zeit, denn der Durst begann mich zu quälen. Die glühende Sonne über mir, ihr tausendfacher Widerschein von den Wellen her, das Seewasser, das mich bespritzte und auf mir trocknete, das sogar meine Lippen mit Salz förmlich zusammenbuk, all das brannte mir in der Kehle und quälte mein Gehirn. Als ich die Bäume so nahe sah, wurde ich vor Sehnsucht beinahe krank. Doch die Strömung führte mich bald weiter und als ich wieder die offene See vor mir sah, hatte ich einen Augenblick, der meine Gedanken in ganz andere Bahnen lenkte.

Gerade vor mir sah ich die Hispaniola unter Segel. Doch war ich vor Durst so außer mir, daß ich kaum wußte, ob ich froh oder traurig wäre, wenn sie mich überfahren würde. Ehe ich aber zu einem Schlusse gekommen war, hatte mich die Überraschung ganz überwältigt und ich konnte nur hinstarren und staunen.

Die prachtvoll weiße Leinwand der Hispaniola blinkte wie Schnee oder Silber in der Sonne. Als ich sie zuerst sichtete waren alle Segel gespannt und sie nahm den Kurs ungefähr Nordwest. Ich nahm an, daß die Leute an Bord um die Insel herum wollten, um wieder zurück zum Ankerplatz zu gelangen. Plötzlich fing sie an sich mehr und mehr nach Westen zu wenden, so daß ich schon glaubte man habe mich von dort gesichtet und jage mir nach. Schließlich aber stand sie eine ganze Zeitlang hilflos vor dem Winde mit schlaffen Segeln.

„Ungeschickte Kerle,“ dachte ich mir, „die müssen noch immer ganz betrunken sein!“ Und ich stellte mir vor, wie Kapitän Smollett sie behandelt hätte. Inzwischen wiederholte sich immer wieder dasselbe Manöver: Das Schiff segelte ein paar Minuten rasch, blieb wieder liegen und pendelte dann wieder hin und her, hinauf und hinunter, nach Norden, Süden, Osten und Westen, und jede solche Bewegung endete wie sie begonnen hatte, mit schlaff herunterhängendem Segel. Es wurde mir nun klar, daß niemandsteuerte. Doch wenn es so war, wo waren die Matrosen? Entweder tödlich besoffen oder sie hatten das Schiff verlassen, dachte ich, und vielleicht könnte ich, wenn ich an Bord gelangte, das Schiff seinem Kapitän zurückgeben.

Die Strömung trug in gleichem Tempo Fischerboot und Schooner nach Süden. Der Schooner segelte so wild und unregelmäßig und lag nach jedem Anlauf so lange still, daß er gar nicht vorwärts kam. Wenn ich es nur wagen könnte mich aufzusetzen und zu rudern, war ich sicher ihn einholen zu können. Dieser Plan hatte einen abenteuerlichen Beigeschmack, der mich begeisterte, und der Gedanke an den Wasserbehälter in der Kabine erhöhte meinen Mut.

Ich setzte mich auf, wurde fast im selben Augenblick wiederum mit einem Strahl von Gischt überschüttet, doch blieb ich fest bei meiner Absicht und machte mich daran mit aller Kraft und Vorsicht der steuerlosen Hispaniola nachzurudern. Einmal geriet ich in so schwere See, daß ich mit klopfendem Herzen innehalten und Wasser ausschöpfen mußte. Doch nach und nach wußte ich, was ich zu tun hatte und führte mein Fischerboot, trotzdem ich hie und da einen Wasserstrahl ins Gesicht und das Boot einen Stoß in den Bug bekam, sicher durch die Wellen.

Ich kam dem Schooner nun rasch näher und konnte das Metall des Helms in der Sonne glitzern sehen, doch noch immer war keine Seele auf Deck zu erblicken. Es blieb keine andere Wahl als anzunehmen, daß das Schiff verlassen worden war, und wenn nicht, so lagen die Leute betrunken unter Deck, wo ich sie einsperren konnte und das Schiff zu meiner Verfügung hätte.

Eine Zeitlang tat es das für mich unangenehmste — es stand still. Es stand fast nach Süden, natürlich fortwährend gierend. So oft es zurückfiel, füllten sich die Segel ein wenig und dann drehte es sich gleich gegen den Wind. Ich sagte schon, daß dies für mich das Schlechteste war, das geschehen konnte; denn so hilflos der Schooner in solcher Lage auch aussah, er fuhr fort von mir davonzulaufen, nicht bloß so schnell ihn die Strömung stieß,sondern mit dem ganzen Gewicht seiner Abtrift. Doch schließlich hatte ich Glück. Die Brise legte sich sekundenlang und da die Strömung das Schiff allmählich herumzog, drehte es sich langsam um seine Achse und wandte mir endlich das Achterdeck zu mit dem immer noch weitgeöffneten Kabinenfenster und der Lampe über dem Tische, die in den Tag hinein weiterbrannte. Das Hauptsegel hing wie eine Fahne herab. Die Hispaniola stand still bis auf die durch die Strömung erzeugte Bewegung.

Während der letzten Minuten war ich etwas zurückgeblieben, doch jetzt verdoppelte ich meine Anstrengungen und nahm die Jagd von neuem auf.

Ich war keine hundert Meter mehr von ihr entfernt, als der Wind mit einem Schlag wieder einsetzte und schon flog sie wie eine Schwalbe wieder weit fort.

Meine erste Regung war Verzweiflung, die sich jedoch sofort in Freude verwandelte. Denn sie drehte sich bis sie mit der Breitseite zu mir stand, kam näher und hatte bald die Hälfte, dann zwei Drittel und endlich drei Viertel der Entfernung zwischen uns wieder eingebracht. Ich konnte die Wellen weiß unter ihrem Bug hervorschimmern sehen. Ungeheuer groß erschien sie mir von meiner tiefen Stellung aus dem Fischerboot heraus.

Und da begann ich plötzlich zu begreifen. Ich hatte kaum Zeit zu denken — kaum Zeit zu handeln und mich zu retten. Ich war auf der Spitze eines Wellenberges und schon beugte sich der Schooner über den nächsten. Der Bugspriet stand über meinem Kopfe. Ich sprang auf die Füße, faßte mit der einen Hand den Klüverbaum, während mein Fuß zwischen dem Stag und der Brasse stand. Und als ich dort noch keuchend hing, zeigte mir ein dumpfer Schlag an, daß der Schooner sich gesenkt und mein Fischerboot getroffen hatte und daß ich nunmehr allein auf die Hispaniola angewiesen war.

Kaum hatte ich den Bugspriet erfaßt, als der Klüverbaum den anderen Bug mit einem schußähnlichen Knall traf. Der Schooner zitterte bis in den Kiel unter der Umsteuerung, doch im nächsten Augenblick flog der Klüver, während die anderen Segel weiter angespannt waren, wieder zurück.

Das hätte mich fast in die See gestoßen; darum verlor ich jetzt keine Zeit, sondern kroch den Bugspriet entlang und taumelte, mit dem Kopf nach vorne, auf Deck. Ich war auf der Leeseite des Vorderkastells, und das Hauptsegel, das noch gespannt war, verbarg mir einen Teil des Achterdecks. Keine Seele war zu sehen. Der Fußboden, welcher seit der Meuterei nicht mehr aufgewaschen worden war, zeigte viele Fußspuren und eine leere Flasche, der der Hals abgebrochen war, tummelte sich wie ein lebendiges Wesen im Speigat herum.

Plötzlich kam die Hispaniola richtig in den Wind. Die Klüver hinter mir krachten laut, das Steuerruder schlug an und das ganze Schiff hob sich und erzitterte, während sich der Hauptmast nach innen drehte, die Segel sich lüfteten und mir das Achterdeck enthüllten.

Da waren auch die beiden Wachen:

Rotmütze lag auf dem Rücken, steif wie ein Stück Holz, die Arme weit ausgestreckt und durch die geöffneten Lippen zeigte er seine Zähne; Israel Hands an die Reeling gelehnt, das Kinn auf die Brust herabgefallen, die Hände offen vor sich hingestreckt, mit einem Gesicht, das weiß war wie Wachs.

Eine Zeitlang fuhr das Schiff fort zu bocken und sich zu bäumen wie ein ungebärdiges Roß, die Segel füllten sich bald auf der einen, bald auf der anderen Seite und die Spiere schwang auf und ab, bis der Mast unter dem Druck laut ächzte. Dann und wann sprang eine Wolke leichten Schaumes über die Reeling und manchmal schlug der Schiffsbug schwer gegen die Dünung.

Das große, aufgetakelte Schiff brachte natürlich eine viel größere Bewegung hervor als mein kleines, schiefwandiges Fischerboot, das jetzt auf dem Boden der See ruhte.

Bei jedem Sprung des Schooners glitt die Rotmütze hin und her, was geisterhaft anzusehen war und auch seine Haltung und sein starres Grinsen, das die Zähne entblößte wurde durch die heftige Bewegung nicht verändert. Bei jedem Sprung schien auch Hands mehr in sich selbst hineinzusinken und sich auf das Deck niederzulassen, so daß seine Füße immer weiter hinausglitten und der ganze Körper mehr zum Achterdeck zu gebogen wurde, bis schließlich sein Gesicht von mir aus nicht mehr zu sehen war und ich außer seinem Ohr und einer zerzausten Locke seines Backenbartes nichts mehr von ihm erblicken konnte.

Gleichzeitig bemerkte ich rund um die beiden Männer Spritzer dunklen Blutes auf dem Boden und begann als sicher anzunehmen, daß sie einander in ihrer trunkenen Wut getötet hatten.

Während ich noch entgeistert hinsah, drehte sich Israel Hands in einem ruhigen Moment als das Schiff stillstand teilweise herum und arbeitete sich mit einem Stöhnen wieder in die Lage hinüber, in der ich ihn zuerst erblickt hatte. Das Stöhnen, das mir seine Schmerzen und seine tödliche Schwäche verriet und die Art, in der seine Kinnbacken aufgerissen herunterhingen, ging mir zu Herzen, doch wenn ich an das Gespräch dachte, das ich aus dem Äpfelfaß belauscht hatte, verließ mich jedes Mitleid. Ich schritt hinüber bis zum Hauptmast.

„Kommt an Bord, Herr Hands“, sagte ich ironisch. Er rollte finster die Augen, doch war er zu schwach, um Erstaunen zu zeigen, er konnte nur das eine Wort hervorbringen: „Branntwein!“


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