Chapter 24

(62)Solcher Art sind die meisten Träume meiner Patienten während der Analyse.(63)Vgl. imAbschnitt VIIüber die »Übertragung«.(64)H.Ellis, der liebenswürdigste Kritiker der »Traumdeutung«, schreibt (p. 169): »Da ist der Punkt, von dem an viele von uns nicht mehr im stande sein werden, F. weiter zu folgen.« Allein H.Ellishat keine Analysen von Träumen angestellt und will nicht glauben, wie unberechtigt das Urteilen nach dem manifesten Trauminhalt ist.(65)Vergleiche über die Reden im Traume imAbschnitte über die Traumarbeit. Ein einziger der Autoren scheint die Herkunft der Traumreden erkannt zu haben,Delboeuf(p. 226), indem er sie mit »clichés« vergleicht.(66)Für Wißbegierige bemerke ich, daß hinter dem Traume sich eine Phantasie verbirgt von unanständigem, sexuell provozierendem Benehmen meinerseits und von Abwehr von Seite der Dame. Wem diese Deutung unerhört erscheinen sollte, den mahne ich an die zahlreichen Fälle, wo Ärzte solche Anklagen von hysterischen Frauen erfahren haben, bei denen die nämliche Phantasie nicht entstellt und als Traum aufgetreten, sondern unverhüllt bewußt und wahnhaft geworden ist. – Mit diesem Traume trat die Patientin in die psychoanalytische Behandlung ein. Ich lernte erst später verstehen, daß sie mit ihm das initiale Trauma wiederholte, von dem ihre Neurose ausging, und habe seither das gleiche Verhalten bei anderen Personen gefunden, die in ihrer Kindheit sexuellen Attentaten ausgesetzt waren und nun gleichsam deren Wiederholung im Traume herbeiwünschen.(67)Eine Ersetzung durch das Gegenteil, wie uns nach der Deutung klar werden wird.(68)Vgl. p. 16, Note.(69)Ich habe seither längst erfahren, daß auch zur Erfüllung solcher lange für unerreichbar gehaltener Wünsche nur etwas Mut erfordert wird.(70)In der ersten Auflage stand hier der Name: Hasdrubal, ein befremdender Irrtum, dessen Aufklärung ich in meiner »Psychopathologie des Alltagslebens« (1901, 1904, 4. Aufl. 1912) gegeben habe.(71)Beide zu diesen Kinderszenen gehörigen Affekte, das Erstaunen und die Ergebung ins Unvermeidliche, fanden sich in einem Traume kurz vorher, der mir zuerst die Erinnerung an dieses Kindererlebnis wiederbrachte.(72)DiePlagiostomenergänze ich nicht willkürlich; sie mahnen mich an eine ärgerliche Gelegenheit von Blamage vor demselben Lehrer.(73)Diese Wiederholung hat sich, scheinbar aus Zerstreutheit, in den Text des Traumes eingeschlichen und wird von mir belassen, da die Analyse zeigt, daß sie ihre Bedeutung hat.(74)Nicht imGerminal, sondern inLa Terre. Ein Irrtum, der mir erst nach der Analyse bemerklich wird. – Ich mache übrigens auf die identischen Buchstaben inHuflattichundFlatusaufmerksam.(75)An diesem Teil des Traumes hat H.Silbererin einer inhaltsreichen Arbeit (Phantasie und Mythos, 1910) zu zeigen versucht, daß die Traumarbeit nicht nur die latenten Traumgedanken, sondern auch die psychischen Vorgänge bei der Traumbildung wiederzugeben vermöge. (»Das funktionale Phänomen«.) Ich meine aber, er übersieht dabei, daß die »psychischen Vorgänge bei der Traumbildung« für mich ein Gedankenmaterialsind wie alles andere. In diesem übermütigen Traum bin ich offenbar stolz darauf, diese Vorgänge entdeckt zu haben.(76)Andere Deutung: Er ist einäugig wieOdhin, der Göttervater. –Odhins Trost.– DerTrostaus der Kinderszene, daß ich ihm ein neues Bett kaufen werde.(77)Dazu einiges Deutungsmaterial: Das Vorhalten des Glases erinnert an die Geschichte vom Bauern, der beim Optiker Glas nach Glas versucht, aber nicht lesen kann. – (Bauernfänger– Mädchenfängerim vorigen Traumstück.) – Die Behandlung des schwachsinnig gewordenen Vaters bei den Bauern inZolasLa Terre. – Die traurige Genugtuung, daß der Vater in seinen letzten Lebenstagen wie ein Kind das Bett beschmutzt hat; daher bin ich im Traume sein Krankenpfleger. – »Denken und Erleben sind hier gleichsam eins« erinnert an ein stark revolutionäres Buchdrama vonOskar Panizza, in dem Gottvater als paralytischer Greis schmählich genug behandelt wird; dort heißt es: Wille und Tat sind bei ihm eins, und er muß von seinem Erzengel, einer Art Ganymed, abgehalten werden zu schimpfen und zu fluchen, weil diese Verwünschungen sich sofort erfüllen würden. – DasPlänemachenist ein aus späterer Zeit der Kritik stammender Vorwurf gegen den Vater, wie überhaupt der ganze rebellische, majestätsbeleidigende und die hohe Obrigkeit verhöhnende Inhalt des Traumes auf Auflehnung gegen den Vater zurückgeht. Der Fürst heißt Landesvater, und der Vater ist die älteste, erste, für das Kind einzige Autorität, aus dessen Machtvollkommenheit im Laufe der menschlichen Kulturgeschichte die anderen sozialen Obrigkeiten hervorgegangen sind (insofern nicht das »Mutterrecht« zur Einschränkung dieses Satzes nötigt.) – Die Fassung im Traume »Denken und Erleben sind Eins«, zielt auf die Erklärung der hysterischen Symptome, zu der auch dasmännliche Glaseine Beziehung hat. Einem Wiener brauchte ich dasPrinzip des »Gschnas«nicht auseinanderzusetzen; es besteht darin, Gegenstände von seltenem und wertvollem Ansehen aus trivialem, am liebsten komischem und wertlosem Material herzustellen, z. B. Rüstungen aus Kochtöpfen, Strohwischen und Salzstangeln, wie es unsere Künstler an ihren lustigen Abenden lieben. Ich hatte nun gemerkt, daß die Hysterischen es ebenso machen; neben dem, was ihnen wirklich zugestoßen ist, gestalten sie sich unbewußt gräßliche oder ausschweifende Phantasiebegebenheiten, die sie aus dem harmlosesten und banalsten Material des Erlebens aufbauen. An diesen Phantasien hängen erst die Symptome, nicht an den Erinnerungen der wirklichen Begebenheiten, seien diese nun ernsthaft oder gleichfalls harmlos. Diese Aufklärung hatte mir über viele Schwierigkeiten hinweggeholfen und machte mir viel Freude. Ich konnte sie mit dem Traumelement des »männlichen Glases« andeuten, weil mir von dem letzten »Gschnasabend« erzählt worden war, es sei dort ein Giftbecher der Lukretia Borgia ausgestellt gewesen, dessen Kern und Hauptbestandteil einUringlasfür Männer, wie es in den Spitälern gebräuchlich ist, gebildet hätte.(78)Die Übereinanderschichtung der Bedeutungen des Traumes ist eines der heikelsten, aber auch inhaltsreichsten Probleme der Traumdeutung. Wer an diese Möglichkeit vergißt, wird leicht irregehen und zur Aufstellung unhaltbarer Behauptungen über das Wesen des Traumes verleitet werden. Doch sind über dieses Thema noch viel zu wenige Untersuchungen angestellt worden. Bisher hat nur die ziemlich regelmäßige Symbolschichtung im Harnreiztraume eine gründliche Würdigung durch O.Rankerfahren (s. u. p. 291).(79)Ich möchte jedermann raten, die in zwei Bänden gesammelten, ausführlichen und genauen Protokolle experimentell erzeugter Träume vonMourly Volddurchzulesen, um sich zu überzeugen, wie wenig Aufklärung der Inhalt des einzelnen Traumes in den angegebenen Versuchsbedingungen findet, und wie gering überhaupt der Nutzen solcher Experimente für das Verständnis der Traumprobleme ist.(80)Vergleiche die Stelle beiGriesingerund die Bemerkung in meinem zweiten Aufsatz über dieAbwehr-Psychoneurosen, Neurologisches Zentralblatt 1896.(81)Der Inhalt dieses Traumes wird in den zwei Quellen, aus denen ich ihn kenne, nicht übereinstimmend erzählt.(82)(und der später zu erwähnenden »sekundären Bearbeitung«).(83)Rankhat in einer Reihe von Arbeiten gezeigt, daß gewisse, durch Organreiz hervorgerufene Weckträume (die Harnreiz- und Pollutionsträume) besonders geeignet sind, den Kampf zwischen dem Schlafbedürfnis und den Anforderungen des organischen Bedürfnisses sowie den Einfluß des letzteren auf den Trauminhalt zu demonstrieren.(84)»Des Kaisers neue Kleider.«(85)Das Kind tritt auch im Märchen auf, denn dort ruft plötzlich ein kleines Kind: »Aber er hat ja gar nichts an.«(86)Eine Anzahl interessanter Nacktheitsträume bei Frauen, die sich ohne Schwierigkeiten auf die infantile Exhibitionslust zurückführen ließen, aber in manchen Zügen von dem oben behandelten »typischen« Nacktheitstraum abweichen, hatFerenczimitgeteilt.(87)Dasselbe bedeutet, aus begreiflichen Gründen, im Traume die Anwesenheit der »ganzen Familie«.(88)Eine Überdeutung dieses Traumes: Auf der Treppe spucken, das führte, da »Spucken« eine Tätigkeit der Geister ist, bei loser Übersetzung zum »esprit d’escalier«. Treppenwitz heißt soviel als Mangel an Schlagfertigkeit. Den habe ich mir wirklich vorzuwerfen. Ob aber die Kinderfrau es an »Schlagfertigkeit« hat fehlen lassen?(89)Vgl. hiezu: Analyse der Phobie eines 5 jährigen Knaben im Jahrbuch für psychoanalytische und psychopathologische Forschungen, Bd. I, 1909, und »Über infantile Sexualtheorien« in Sammlung kl. Schriften z. Neurosenlehre, zweite Folge.(90)Der 3½ jährige Hans, dessen Phobie Gegenstand der Analyse in der vorhin erwähnten Veröffentlichung ist, ruft im Fieber kurz nach der Geburt einer Schwester: Ich will aber kein Schwesterchen haben. In seiner Neurose, 1½ Jahre später, gesteht er den Wunsch, daß die Mutter das Kleine beim Baden in die Wanne fallen lassen möge, damit es sterbe, unumwunden ein. Dabei ist Hans ein gutartiges zärtliches Kind, welches bald auch diese Schwester liebgewinnt und sie besonders gern protegiert.(91)Solche in der Kindheit erlebte Sterbefälle mögen in der Familie bald vergessen worden sein, die psychoanalytische Erforschung zeigt doch, daß sie für die spätere Neurose sehr bedeutungsvoll geworden sind.(92)Beobachtungen, die sich auf das ursprünglich feindselige Verhalten von Kindern gegen Geschwister und einen Elternteil beziehen, sind seither in großer Anzahl gemacht und in der psychoanalytischen Literatur niedergelegt worden. Besonders echt und naiv hat der DichterSpittelerdiese typische kindliche Einstellung aus seiner frühesten Kindheit geschildert: »Übrigens war noch ein zweiter Adolf da. Ein kleines Geschöpf, von dem man behauptete, er wäre mein Bruder, von dem ich aber nicht begriff, wozu er nützlich sei; noch weniger, weswegen man solch ein Wesen aus ihm mache wie von mir selber. Ich genügte für mein Bedürfnis, was brauchte ich einen Bruder? Und nicht bloß unnütz war er, sondern mitunter sogar hinderlich. Wenn ich die Großmutter belästigte, wollte er sie ebenfalls belästigen, wenn ich im Kinderwagen gefahren wurde, saß er gegenüber und nahm mir die Hälfte Platz weg, so daß wir uns mit den Füßen stoßen mußten.«(93)In die nämlichen Worte kleidet der 3½ jährige Hans seine vernichtende Kritik seiner Schwester (l. c.). Er nimmt an, daß sie wegen des Mangels der Zähne nicht sprechen kann.(94)Von einem hochbegabten 10 jährigen Knaben hörte ich nach dem plötzlichen Tode seines Vaters zu meinem Erstaunen folgende Äußerung: Daß der Vater gestorben ist, verstehe ich, aber warum er nicht zum Nachtmahl nach Hause kommt, kann ich mir nicht erklären. – Weiteres Material zu diesem Thema findet sich in der Rubrik »Kinderseele« von »Imago«, Zeitschrift für Anwendung der Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften, Bd. I und II, 1912 und 1913.(95)Wenigstens in einigen mythologischen Darstellungen. Nach anderen wird die Entmannung nur von Kronos an seinem Vater Uranos vollzogen.Über die mythologische Bedeutung dieses Motivs vergl.Otto Rank: Der Mythus von der Geburt des Helden, fünftes Heft der »Schriften zur angew. Seelenkunde, 1909« und »Das Inzestmotiv in Dichtung und Sage«, 1912, Kap. IX, 2.(96)Keine der Ermittlungen der psychoanalytischen Forschung hat so erbitterten Widerspruch, ein so grimmiges Sträuben und – so ergötzliche Verrenkungen der Kritik hervorgerufen wie dieser Hinweis auf die kindlichen, im Unbewußten erhalten gebliebenen Inzestneigungen. Die letzte Zeit hat selbst einen Versuch gebracht, den Inzest, allen Erfahrungen trotzend, nur als »symbolisch« gelten zu lassen.(97)Auch das Große, Überreiche, Übermäßige und Übertriebene der Träume könnte ein Kindheitscharakter sein. Das Kind kennt keinen sehnlicheren Wunsch als groß zu werden, von allem so viel zu bekommen wie die Großen; es ist schwer zu befriedigen, kennt kein Genug, verlangt unersättlich nach Wiederholung dessen, was ihm gefallen oder geschmeckt hat.Maß halten, sich bescheiden, resignieren lernt es erst durch die Kultur der Erziehung. Bekanntlich neigt auch der Neurotiker zur Maßlosigkeit und Unmäßigkeit.(98)Als Prof.Jonesin einem wissenschaftlichen Vortrag vor einer amerikanischen Gesellschaft vom Egoismus der Träume sprach, erhob eine gelehrte Dame gegen diese unwissenschaftliche Verallgemeinerung den Einwand, der Autor könne doch nur über die Träume von Österreichern urteilen und dürfe über die Träume von Amerikanern nichts aussagen. Sie sei für ihre Person sicher, daß alle ihre Träume streng altruistisch seien.(99)Hinweise auf die Verdichtung im Traume finden sich bei zahlreichen Autoren.Du Preläußert an einer Stelle (p. 85), es sei absolut sicher, daß ein Verdichtungsprozeß der Vorstellungsreihe stattgefunden habe.(100)Man denke zur Würdigung dieser Darstellung des Dichters an diep. 262mitgeteilte Bedeutung der Stiegenträume.(101)Die phantastische Natur der auf die Amme des Träumers bezüglichen Situation wird durch den objektiv erhobenen Umstand erwiesen, daß die Amme in diesem Falle die Mutter war. Ich erinnere übrigens an das aufp. 155erwähnte Bedauern des jungen Mannes der Anekdote, die Situation bei seiner Amme nicht besser ausgenutzt zu haben, welches wohl die Quelle dieses Traumes ist.(102)Dies ist der eigentliche Traumerreger.(103)Zu ergänzen: Solche Lektüre seiGiftfür ein junges Mädchen. Sie selbst hat in ihrer Jugend viel aus verbotenen Büchern geschöpft.(104)Ein weiterer Gedankengang führt zurPenthesileiadesselben Dichters:Grausamkeitgegen den Geliebten.(105)Die nämliche Zerlegung und Zusammensetzung der Silben – eine wahre Silbenchemie – dient uns im Wachen zu mannigfachen Scherzen. »Wie gewinnt man auf die billigste Art Silber? Man begibt sich in eine Allee, in der Silberpappeln stehen, gebietet Schweigen, dann hört das ›Pappeln‹ (Schwätzen) auf, und das Silber wird frei.« Der erste Leser und Kritiker dieses Buches hat mir den Einwand gemacht, den die späteren wahrscheinlich wiederholen werden, »daß der Träumer oft zu witzig erscheine«. Das ist richtig, solange es nur auf den Träumer bezogen wird, involviert einen Vorwurf nur dann, wenn es auf den Traumdeuter übergreifen soll. In der wachen Wirklichkeit kann ich wenig Anspruch auf das Prädikat »witzig« erheben; wenn meine Träume witzig erscheinen, so liegt es nicht an meiner Person, sondern an den eigentümlichen psychologischen Bedingungen, unter denen der Traum gearbeitet wird, und hängt mit der Theorie des Witzigen und Komischen intim zusammen. Der Traum wird witzig, weil ihm der gerade und nächste Weg zum Ausdruck seiner Gedanken gesperrt wird; er wird es notgedrungen. Die Leser können sich überzeugen, daß die Träume meiner Patienten den Eindruck des Witzigen (Witzelnden) im selben und im höheren Grade machen wie die meinen. Immerhin gab mir dieser Vorwurf Anlaß, die Technik des Witzes mit der Traumarbeit zu vergleichen, was in dem 1905 veröffentlichten Buche »Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten« geschehen ist (2. Aufl. 1912).(106)Laskerstarb an progressiver Paralyse, also an den Folgen der beim Weibe erworbenen Infektion (Lues);Lassalle, wie bekannt, im Duell wegen einer Dame.(107)Bei einem an Zwangsvorstellungen leidenden jungen Manne, mit übrigens intakten und hochentwickelten intellektuellen Funktionen, fand ich unlängst die einzige Ausnahme von dieser Regel. Die Reden, die in seinen Träumen vorkamen, stammen nicht von gehörten oder selbst gehaltenen Reden ab, sondern entsprachen dem unentstellten Wortlaute seiner Zwangsgedanken, die ihm im Wachen nur abgeändert zum Bewußtsein kamen.(108)Psychische Intensität, Wertigkeit, Interessebetonung einer Vorstellung ist natürlich von sinnlicher Intensität, Intensität des Vorgestellten, gesondert zu halten.(109)Da ich die Zurückführung der Traumentstellung auf die Zensur als den Kern meiner Traumauffassung bezeichnen darf, schalte ich hier das letzte Stück jener Erzählung »Träumen wie Wachen« aus den »Phantasien eines Realisten« vonLynkeus(Wien, 2. Auflage, 1900) ein, in dem ich diesen Hauptcharakter meiner Lehre wiederfinde:»Von einem Manne, der die merkwürdige Eigenschaft hat, niemals Unsinn zu träumen.« – – – –»Deine herrliche Eigenschaft, zu träumen wie zu wachen, beruht auf deinen Tugenden, auf deiner Güte, deiner Gerechtigkeit, deiner Wahrheitsliebe; es ist die moralische Klarheit deiner Natur, die mir alles an dir verständlich macht.«»Wenn ich es aber recht bedenke,« erwiderte der andere, »so glaube ich beinahe, alle Menschen seien so wie ich beschaffen, und gar niemand träume jemals Unsinn! Ein Traum, an den man sich so deutlich erinnert, daß man ihn nacherzählen kann, der also kein Fiebertraum ist, hatimmerSinn und es kann auch gar nicht anders sein! Denn was miteinander in Widerspruch steht, könnte sich ja nicht zu einem Ganzen gruppieren. Daß Zeit und Raum oft durcheinander gerüttelt werden, benimmt dem wahren Inhalt des Traumes gar nichts, denn sie sind beide gewiß ohne Bedeutung für seinen wesentlichen Inhalt gewesen. Wir machen es ja oft im Wachen auch so; denke an das Märchen, an so viele kühne und sinnvolle Phantasiegebilde, zu denen nur ein Unverständiger sagen würde: ›Das ist widersinnig! Denn das ist nicht möglich‹!«»Wenn man nur die Träume immer richtig zu deuten wüßte, so wie du das eben mit dem meinen getan hast!« sagte der Freund.»Das ist gewiß keine leichte Aufgabe, aber es müßte bei einiger Aufmerksamkeit dem Träumenden selbst wohl immer gelingen. – Warum es meistens nicht gelingt? Es scheint bei Euch etwas Verstecktes in den Träumen zu liegen, etwas Unkeusches eigener und höherer Art, eine gewisse Heimlichkeit in Eurem Wesen, die schwer auszudenken ist; und darum scheint Euer Träumen so oft ohne Sinn, sogar ein Widersinn zu sein. Es ist aber im tiefsten Grunde durchaus nicht so; ja, es kann gar nicht so sein, denn es ist immer derselbe Mensch, ob er wacht oder träumt.«(110)Ich habe die vollständige Analyse und Synthese zweier Träume seither in dem »Bruchstück einer Hysterieanalyse«, 1905, gegeben. Als die vollständigste Deutung eines längeren Traumes muß die Analyse von O.Rank»Ein Traum, der sich selbst deutet« anerkannt werden.(111)Aus einer Arbeit von K.Abel, Der Gegensinn der Urworte, 1884 (siehe mein Referat im Jahrbuch f. Ps.-A. II, 1910) erfuhr ich die überraschende, auch von anderen Sprachforschern bestätigte Tatsache, daß die ältesten Sprachen sich in diesem Punkte ganz ähnlich benehmen wie der Traum. Sie haben anfänglich nur ein Wort für die beiden Gegensätze an den Enden einer Qualitäten- oder Tätigkeitsreihe (starkschwach, altjung, fernnah, binden-trennen) und bilden gesonderte Bezeichnungen für die beiden Gegensätze erst sekundär durch leichte Modifikationen des gemeinsamen Urwortes.Abelweist diese Verhältnisse im großen Ausmaße im Altägyptischen nach, zeigt aber deutliche Reste derselben Entwicklung auch in den semitischen und indogermanischen Sprachen auf.(112)Vgl. die Bemerkung desAristotelesüber die Eignung zum Traumdeuter (p. 74,Anmkg. 28).(113)Wenn ich im Zweifel bin, hinter welcher der im Traume auftretenden Personen ich mein Ich zu suchen habe, so halte ich mich an folgende Regel: Die Person, die im Traume einem Affekt unterliegt, den ich als Schlafender verspüre, die verbirgt mein Ich.(114)Derselben Technik der zeitlichen Umkehrung bedient sich manchmal der hysterische Anfall, um seinen Sinn dem Zuschauer zu verbergen. Ein hysterisches Mädchen hat z. B. in einem Anfalle einen kleinen Roman darzustellen, den sie sich im Anschluß an eine Begegnung in der Stadtbahn im Unbewußten phantasiert hat. Wie der Betreffende, durch die Schönheit ihres Fußes angezogen, sie, während sie liest, anspricht, wie sie dann mit ihm geht und eine stürmische Liebesszene erlebt. Ihr Anfall setzt mit der Darstellung dieser Liebesszene durch die Körperzuckungen ein (dabei Lippenbewegungen fürs Küssen, Verschränkung der Arme für die Umarmung), darauf eilt sie ins andere Zimmer, setzt sich auf einen Stuhl, hebt das Kleid, um den Fuß zu zeigen, tut, als ob sie in einem Buche lesen würde, und spricht mich an (gibt mir Antwort). Vgl. hiezu die Bemerkung desArtemidorus: »Bei der Auslegung von Traumgesichten muß man sie einmal vom Anfang gegen das Ende, das andere Mal vom Ende gegen den Anfang hin ins Auge fassen. . . .«(115)Begleitende hysterische Symptome: Ausbleiben der Periode und große Verstimmung, das Hauptleiden dieser Kranken.(116)Eine Beziehung zu einem Kindheitserlebnis ergibt sich in der vollständigen Analyse durch folgende Vermittlung: – Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohrkann gehen. Und dann die Scherzfrage: Wie alt ist der Mohr, wenn er seine Schuldigkeit getan hat? Ein Jahr, dann kann er gehen. (Ich soll so viel wirres schwarzes Haar mit zur Welt gebracht haben, daß mich die junge Mutter für einen kleinen Mohren erklärte.) – Daß ich den Hut nicht finde, ist ein mehrsinnig verwertetes Tageserlebnis. Unser im Aufbewahren geniales Stubenmädchen hatte ihn versteckt. – Auch die Ablehnung trauriger Todesgedanken verbirgt sich hinter diesem Traumende: Ich habe meine Schuldigkeit noch lange nicht getan; ich darf noch nicht gehen. – Geburt und Tod wie in dem kurz vorher erfolgten Traume vonGoetheund dem Paralytiker (Seite 313).(117)Vgl. Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten, 1905, 2. Aufl. 1912 – und die »Wortbrücken« in den Lösungen neurotischer Symptome.(118)Siehe unten p. 361ff.(119)Reichliches Belegmaterial hiezu in den drei Ergänzungsbänden vonEd. Fuchs’ »Illustr. Sittengeschichte« (Privatdrucke bei A. Langen, München).(120)Zur Deutung dieses als »kausal« zu nehmenden Vortraumessiehe p. 234.(121)Ihr Lebenslauf.(122)Hohe Abkunft, Wunschgegensatz zum Vortraume.(123)Mischgebilde, das zwei Lokalitäten vereinigt, den sogenannten Boden des Vaterhauses, auf dem sie mit dem Bruder spielte, dem Gegenstand ihrer späteren Phantasien, und den Hof eines schlimmen Onkels, der sie zu necken pflegte.(124)Wunschgegensatz zu einer realen Erinnerung vom Hofe des Onkels, daß sie sich im Schlafe zu entblößen pflegte.(125)Wie der Engel in der Verkündigung Mariä einen Lilienstengel.(126)Die Erklärung dieses Mischgebildessiehe p. 237: Unschuld, Periode, Kameliendame.(127)Auf die Mehrheit der ihrer Phantasie dienenden Personen.(128)Ob man sich auch einen herunterreißen darf, i. e. masturbieren.(129)Der Ast hat längst dieVertretungdes männlichen Genitales übernommen, enthält übrigens eine sehr deutliche Anspielung auf den Familiennamen.(130)Bezieht sich wie das Nächstfolgende auf eheliche Vorsichten.(131)Ein analoger »biographischer« Traum ist der unter den Beispielen zur Traumsymbolikp. 268als dritter mitgeteilte; ferner der vonRankausführlich mitgeteilte »Traum, der sich selbst deutet«; einen anderen, der »verkehrt« gelesen werden muß, siehe beiStekelp. 486.(132)Vgl. die Arbeiten vonBleulerund seinen Züricher SchülernMaeder,Abrahamu. a. über Symbolik, und die nicht ärztlichen Autoren, auf welche sie sich beziehen (Kleinpaulu. a.). Das Zutreffendste, was über diesen Gegenstand geäußert worden ist, findet sich in der Schrift von O.Rankund H.Sachs, Die Bedeutung der Psychoanalyse für die Geisteswissenschaften, 1913, Kap. I.(133)So tritt z. B. das auf dem Wasser fahrende Schiff in den Harnträumen ungarischer Träumer auf, obwohl dieser Sprache die Bezeichnung »schiffen« für »urinieren« fremd ist (Ferenczi;vgl. auch p. 271). In den Träumen von Franzosen und anderen Romanen dient das Zimmer zur symbolischen Darstellung der Frau, obwohl diese Völker nichts dem deutschen »Frauenzimmer« Analoges kennen.(134)Ich wiederhole hierüber, was ich an anderer Stelle (Die zukünftigen Chancen der psychoanalytischen Therapie, Zentralbl. f. Psychoanalyse I, Nr. 1/2, 1910) geäußert habe: »Vor einiger Zeit wurde es mir bekannt, daß ein uns ferner stehender Psychologe sich an einen von uns mit der Bemerkung gewendet, wir überschätzten doch gewiß die geheime sexuelle Bedeutung der Träume. Sein häufigster Traum sei, eine Stiege hinauf zu steigen, und da sei doch gewiß nichts Sexuelles dahinter. Durch diesen Einwand aufmerksam gemacht, haben wir dem Vorkommen von Stiegen, Treppen, Leitern im Traum Aufmerksamkeit geschenkt und konnten bald feststellen, daß die Stiege (und was ihr analog ist) ein sicheres Koitussymbol darstellt. Die Grundlage der Vergleichung ist nicht schwer aufzufinden; in rhythmischen Absätzen, unter zunehmender Atemnot kommt man auf eine Höhe und kann dann in ein paar raschen Sprüngen wieder unten sein. So findet sich der Rhythmus des Koitus im Stiegensteigen wieder. Vergessen wir nicht, den Sprachgebrauch heranzuziehen. Er zeigt uns, daß das »Steigen« ohne weiteres als Ersatzbezeichnung der sexuellen Aktion gebraucht wird. Man pflegt zu sagen, der Mann ist ein »Steiger«, »nachsteigen«. Im Französischen heißt die Stufe der Treppe la marche; »un vieux marcheur« deckt sich ganz mit unserem »ein alterSteiger«.«(135)Vgl. im Zbl. für Ps.-A. II, 675 die Zeichnung einer 19 jährigen Manischen: ein Mann mit einer Schlange alsKrawatte, die sich einem Mädchen entgegenwendet. Dazu die Geschichte »Der Schamhaftige« (Anthrop. VI, 334): In eine Badestube trat eine Dame ein und dort befand sich ein Herr, der kaum das Hemd anzulegen vermochte; er war sehr beschämt, deckte sich aber sofort den Hals mit dem Vorderteil des Hemdes zu und sagte: »Bitte um Verzeihung, bin ohneKrawatte.«(136)Bei aller Verschiedenheit derSchernerschen Auffassung von der Traumsymbolik und der hier entwickelten, muß ich doch hervorheben, daßSchernerals der eigentliche Entdecker der Symbolik im Traume anerkannt werden sollte, und daß die Erfahrungen der Psychoanalyse sein für phantastisch gehaltenes vor rund 50 Jahren veröffentlichtes Buch nachträglich zu Ehren gebracht haben.(137)Aus »Nachträge zur Traumdeutung«. Zentralblatt für Psychoanalyse I, Nr. 5/6, 1911.(138)Vgl. ein solches Beispiel in der Mitteilung vonKirchgraber(Zentralbl. f.Ps.-A.III, 1912, p. 95). VonStekel(Jahrbuch, Bd. I, p. 475) wird ein Traum mitgeteilt, in welchem der Hut mit schiefstehender Feder in der Mitte den (impotenten) Mann symbolisiert.(139)Oder Kapelle = Vagina.(140)Symbol des Koitus.(141)Mons veneris.(142)Crines pubis.(143)Dämonen in Mänteln und Kapuzen sind nach der Aufklärung eines Fachmannes phallischer Natur.(144)Die beiden Hälften des Hodensackes.(145)Alfred Robitsekim Zentralblatt f. Ps.-A. II, 1911, p. 340.(146)»The World of Dreams«, London 1911, p. 168.(147)Das Ausreißen eines Zahnes durch einen anderen ist zumeist als Kastration zu deuten (ähnlich wie das Haareschneiden durch den Friseur;Stekel). Es ist zu unterscheiden zwischen Zahnreizträumen und Zahnarztträumen überhaupt, wie solche z. B.Coriat(Zentralbl. f. Ps.-A. III, 440) mitgeteilt hat.(148)Nach einer Mitteilung von C. G.Junghaben die Zahnreizträume bei Frauen die Bedeutung von Geburtsträumen.(149)Vgl. hiezu den »biographischen« Traum aufp. 289.(150)Da die Träume vom Zahnziehen oder Zahnausfall im Volksglauben auf den Tod eines Angehörigen gedeutet werden, die Psychoanalyse ihnen aber solche Bedeutung höchstens im oben angedeuteten parodistischen Sinn zugestehen kann, schalte ich hiereinenvonOtto Rankzur Verfügung gestellten »Zahnreiztraum« ein:»Zum Thema der Zahnreizträume ist mir von einem Kollegen, der sich seit einiger Zeit für die Probleme der Traumdeutung lebhafter zu interessieren beginnt, der folgende Bericht zugekommen:›Mir träumte kürzlich, ich sei beim Zahnarzt, der mir einen rückwärtigen Zahn des Unterkiefers ausbohrt. Er arbeitet so lange herum, bis der Zahn unbrauchbar geworden ist. Dann faßt er ihn mit der Zange und zieht ihn mit einer spielenden Leichtigkeit heraus, die mich in Verwunderung setzt. Er sagt, ich solle mir nichts daraus machen, denn das sei gar nicht der eigentlich behandelte Zahn und legt ihn auf den Tisch, wo der Zahn (wie mir nun scheint, ein oberer Schneidezahn) in mehrere Schichten zerfällt. Ich erhebe mich vom Operationsstuhl, trete neugierig näher und stelle interessiert eine medizinische Frage. Der Arzt erklärt mir, während er die einzelnen Teilstücke des auffallend weißen Zahnes sondert und mit einem Instrument zermalmt (pulverisiert), daß das mit der Pubertät zusammenhängt und daß die Zähne nur vor der Pubertät so leicht herausgehen; bei Frauen sei das hiefür entscheidende Moment die Geburt eines Kindes. – Ich merke dann (wie ich glaube im Halbschlaf), daß dieser Traum von einer Pollution begleitet war, die ich aber nicht mit Sicherheit an eine bestimmte Stelle des Traumes einzureihen weiß; am ehesten scheint sie mir noch beim Herausziehen des Zahnes eingetreten zu sein.Ich träume dann weiter einen mir nicht mehr erinnerlichen Vorgang, der damit abschloß, daß ich Hut und Rock in der Hoffnung, man werde mir die Kleidungsstücke nachbringen, irgendwo (möglicherweise in der Garderobe des Zahnarztes) zurücklassend und bloß mit dem Überrock bekleidet mich beeilte, einen abgehenden Zug noch zu erreichen. Es gelang mir auch im letzten Moment, auf den rückwärtigen Waggon aufzuspringen, wo bereits jemand stand. Ich konnte jedoch nicht mehr in das Innere des Wagens gelangen, sondern mußte in einer unbequemen Stellung, aus der ich mich mit schließlichem Erfolg zu befreien versuchte, die Reise mitmachen. Wir fahren durch ein großes Tunnel, wobei in der Gegenrichtung zwei Züge wie durch unseren Zug hindurchfahren, als ob dieser das Tunnel wäre. Ich schaue wie von außen durch ein Waggonfenster hinein.Als Material zu einer Deutung dieses Traumes ergeben sich folgende Erlebnisse und Gedanken desVortages:I. Ich stehe tatsächlich seit kurzem in zahnärztlicher Behandlung und habe zur Zeit des Traumes kontinuierlich Schmerzen in dem Zahn des Unterkiefers, der im Traume ausgebohrt wird und an dem der Arzt auch in Wirklichkeit schon länger herumarbeitet, als mir lieb ist. Am Vormittag des Traumtages war ich neuerlich wegen der Schmerzen beim Arzt gewesen, der mir nahegelegt hatte, einen anderen als den behandelten Zahn im selben Kiefer ziehen zu lassen, von dem wahrscheinlich der Schmerz herrühren dürfte. Es handelte sich um einen eben durchbrechenden ›Weisheitszahn‹. Ich hatte bei der Gelegenheit auch eine darauf bezügliche Frage an sein ärztliches Gewissen gestellt.II. Am Nachmittag desselben Tages war ich genötigt, einer Dame gegenüber meine üble Laune mit den Zahnschmerzen entschuldigen zu müssen, worauf sie mir erzählte, sie habe Furcht, sich eine Wurzel ziehen zu lassen, deren Krone fast gänzlich abgebröckelt sei. Sie meinte, das Ziehen wäre bei den Augenzähnen besonders schmerzhaft und gefährlich, obwohl ihr anderseits eine Bekannte gesagt habe, daß es bei den Zähnen des Oberkiefers (um einen solchen handelte es sich bei ihr) leichter gehe. Diese Bekannte habe ihr auch erzählt, ihr sei einmal in der Narkose ein falscher Zahn gezogen worden, eine Mitteilung, welche ihre Scheu vor der notwendigen Operation nur vermehrt habe. Sie fragte mich dann, ob unter Augenzähnen Backen- oder Eckzähne zu verstehen seien und was über diese bekannt sei. Ich machte sie einerseits auf den abergläubischen Einschlag in all diesen Meinungen aufmerksam, ohne jedoch die Betonung des richtigen Kernes mancher volkstümlicher Anschauungen zu versäumen. Sie weiß darauf von einem ihrer Erfahrung nach sehr alten und allgemein bekannten Volksglauben zu berichten, der behauptet:Wenn eine Schwangere Zahnschmerzen hat, so bekommt sie einen Buben.III. Dieses Sprichwort interessierte mich mit Rücksicht auf die vonFreudin seiner Traumdeutung (2. Aufl., p. 193 f.) mitgeteilte typische Bedeutung der Zahnreizträume als Onanieersatz, da ja auch in dem Volksspruch der Zahn und das männliche Genitale (Bub) in eine gewisse Beziehung gebracht werden. Ich las also am Abend desselben Tages die betreffende Stelle in der Traumdeutung nach und fand dort unter anderem die im folgenden wiedergegebenen Ausführungen, deren Einfluß auf meinen Traum ebenso leicht zu erkennen ist wie die Einwirkung der beiden vorgenannten Erlebnisse.Freudschreibt von den Zahnreizträumen, ›daß bei Männern nichts anderes als das Onaniegelüste derPubertätszeitdie Triebkraft dieser Träume abgebe‹. (p. 193.) Ferner: ›Ich meine, daß auch die häufigen Modifikationen des typischen Zahnreiztraumes, z. B. daß ein anderer dem Träumer den Zahn auszieht und ähnliches, durch die gleiche Aufklärung verständlich werden. Rätselhaft mag es aber scheinen, wieso der Zahnreiz zu dieser Bedeutung gelangen kann. Ich mache hier auf die so häufigeVerlegung von unten nach oben(im vorliegenden Traume auch vom Unterkiefer in den Oberkiefer) aufmerksam, die im Dienste der Sexualverdrängung steht und vermöge welcher in der Hysterie allerlei Sensationen und Intentionen, die sich an den Genitalien abspielen sollten, wenigstens an anderen einwandfreien Körperstellen realisiert werden können‹ (p. 194). ›Aber ich muß auch auf einen anderen im sprachlichen Ausdruck enthaltenen Zusammenhang hinweisen. In unseren Landen existiert eine unfeine Bezeichnung für den masturbatorischen Akt: sich einen ausreißen oder sich einen herunterreißen‹ (p. 195). Dieser Ausdruck war mir schon in früher Jugend als Bezeichnung für die Onanie geläufig und von hier aus wird der geübte Traumdeuter unschwer den Zugang zum Kindheitsmaterial, das diesem Traume zu grunde liegen mag, finden. Ich erwähne nur noch, daß die Leichtigkeit, mit der im Traume der Zahn, der sich nach dem Ziehen in einen oberen Schneidezahn verwandelt, herausgeht, mich an einen Vorfall meiner Kinderzeit erinnert, wo ich mir einen wackligenoberen Vorderzahnleicht und schmerzlosselbst ausriß. Dieses Ereignis, das mir heute noch in allen seinen Einzelheiten deutlich erinnerlich ist, fällt in dieselbe frühe Zeit, in die bei mir die ersten bewußten Onanieversuche zurückgehen (Deckerinnerung).Der HinweisFreudsauf eine Mitteilung von C. G.Jung, wonach die Zahnreizträumebei Frauen die Bedeutung von Geburtsträumenhaben (Traumdeutung S. 194 Anmkg.) sowie der Volksglaube von der Bedeutung des Zahnschmerzes bei Schwangeren haben die Gegenüberstellung der weiblichen Bedeutung gegenüber der männlichen (Pubertät) im Traume veranlaßt. Dazu erinnere ich mich eines früheren Traumes, wo mir bald, nachdem ich aus der Behandlung eines Zahnarztes entlassen worden war, träumte, daß mir die eben eingesetzten Goldkronen herausfielen, worüber ich mich wegen des bedeutenden Kostenaufwandes, den ich damals noch nicht ganz verschmerzt hatte, im Traume sehr ärgerte. Dieser Traum wird mir jetzt im Hinblick auf ein gewisses Erlebnis als Anpreisung der materiellen Vorzüge der Masturbation gegenüber der in jeder Form ökonomisch nachteiligeren Objektliebe verständlich (Goldkronen) und ich glaube, daß die Mitteilung jener Dame über die Bedeutung des Zahnschmerzes beiSchwangerendiese Gedankengänge in mir wiederwachrief.‹So weit die ohne weiteres einleuchtende und wie ich glaube auch einwandfreie Deutung des Kollegen, der ich nichts hinzuzufügen habe, als etwa den Hinweis auf den wahrscheinlichen Sinn des zweiten Traumteiles, der über die Wortbrücken: Zahn-(ziehen–Zug; reißen–reisen) den allem Anschein nach unter Schwierigkeiten vollzogenen Übergang des Träumers von der Masturbation zum Geschlechtsverkehr (Tunnel, durch den die Züge in verschiedenen Richtungen hinein- und herausfahren) sowie die Gefahren desselben (Schwangerschaft; Überzieher) darstellt.Dagegen scheint mir der Fall theoretisch nach zwei Richtungen interessant. Erstens ist es beweisend für den vonFreudaufgedeckten Zusammenhang, daß die Ejakulation im Traume beim Akt des Zahnziehens erfolgt. Sind wir doch genötigt, die Pollution, in welcher Form immer sie auftreten mag, als eine masturbatorische Befriedigung anzusehen, welche ohne Zuhilfenahme mechanischer Reizungen zustande kommt. Dazu kommt, daß in diesem Falle die pollutionistische Befriedigung nicht wie sonst an einem, wenn auch nur imaginierten Objekte erfolgt, sondern objektlos, wenn man so sagen darf, rein autoerotisch ist und höchstens einen leisen homosexuellen Einschlag (Zahnarzt) erkennen läßt.Der zweite Punkt, der mir der Hervorhebung wert erscheint, ist folgender: Es liegt der Einwand nahe, daß dieFreudsche Auffassung hier ganz überflüssigerweise geltend gemacht zu werden suche, da doch die Erlebnisse desVortagesallein vollkommen hinreichen, uns den Inhalt des Traumes verständlich zu machen. Der Besuch beim Zahnarzt, das Gespräch mit der Dame und die Lektüre der Traumdeutung erklärten hinreichend, daß der auch nachts durch Zahnschmerzen beunruhigte Schläfer diesen Traum produziere; wenn man durchaus wolle sogar zur Beseitigung des schlafstörenden Schmerzes (mittels der Vorstellung von der Entfernung des schmerzenden Zahnes bei gleichzeitiger Übertönung der gefürchteten Schmerzempfindung durch Libido). Nun wird man aber selbst bei den weitestgehenden Zugeständnissen in dieser Richtung die Behauptung nicht ernsthaft vertreten wollen, daß die Lektüre derFreudschen Aufklärungen den Zusammenhang von Zahnziehen und Masturbationsakt in dem Träumer hergestellt oder auch nur wirksam gemacht haben könnte, wenn er nicht, wie der Träumer selbst eingestanden hat (›sich einen ausreißen‹) längst vorgebildet gewesen wäre. Was vielmehr diesen Zusammenhang neben dem Gespräch mit der Dame belebt haben mag, ergibt die spätere Mitteilung des Träumers, daß er bei der Lektüre der Traumdeutung aus begreiflichen Gründen an diese typische Bedeutung der Zahnreizträume nicht recht glauben mochte und den Wunsch hegte, zu wissen, ob dies für alle derartigen Träume zutreffe. Der Traum bestätigt ihm nun das wenigstens für seine eigene Person und zeigt ihm so, warum er daran zweifeln mußte. Der Traum ist also auch in dieser Hinsicht die Erfüllung eines Wunsches: nämlich sich von der Tragweite und der Haltbarkeit dieserFreudschen Auffassung zu überzeugen.«

(62)Solcher Art sind die meisten Träume meiner Patienten während der Analyse.

(62)Solcher Art sind die meisten Träume meiner Patienten während der Analyse.

(63)Vgl. imAbschnitt VIIüber die »Übertragung«.

(63)Vgl. imAbschnitt VIIüber die »Übertragung«.

(64)H.Ellis, der liebenswürdigste Kritiker der »Traumdeutung«, schreibt (p. 169): »Da ist der Punkt, von dem an viele von uns nicht mehr im stande sein werden, F. weiter zu folgen.« Allein H.Ellishat keine Analysen von Träumen angestellt und will nicht glauben, wie unberechtigt das Urteilen nach dem manifesten Trauminhalt ist.

(64)H.Ellis, der liebenswürdigste Kritiker der »Traumdeutung«, schreibt (p. 169): »Da ist der Punkt, von dem an viele von uns nicht mehr im stande sein werden, F. weiter zu folgen.« Allein H.Ellishat keine Analysen von Träumen angestellt und will nicht glauben, wie unberechtigt das Urteilen nach dem manifesten Trauminhalt ist.

(65)Vergleiche über die Reden im Traume imAbschnitte über die Traumarbeit. Ein einziger der Autoren scheint die Herkunft der Traumreden erkannt zu haben,Delboeuf(p. 226), indem er sie mit »clichés« vergleicht.

(65)Vergleiche über die Reden im Traume imAbschnitte über die Traumarbeit. Ein einziger der Autoren scheint die Herkunft der Traumreden erkannt zu haben,Delboeuf(p. 226), indem er sie mit »clichés« vergleicht.

(66)Für Wißbegierige bemerke ich, daß hinter dem Traume sich eine Phantasie verbirgt von unanständigem, sexuell provozierendem Benehmen meinerseits und von Abwehr von Seite der Dame. Wem diese Deutung unerhört erscheinen sollte, den mahne ich an die zahlreichen Fälle, wo Ärzte solche Anklagen von hysterischen Frauen erfahren haben, bei denen die nämliche Phantasie nicht entstellt und als Traum aufgetreten, sondern unverhüllt bewußt und wahnhaft geworden ist. – Mit diesem Traume trat die Patientin in die psychoanalytische Behandlung ein. Ich lernte erst später verstehen, daß sie mit ihm das initiale Trauma wiederholte, von dem ihre Neurose ausging, und habe seither das gleiche Verhalten bei anderen Personen gefunden, die in ihrer Kindheit sexuellen Attentaten ausgesetzt waren und nun gleichsam deren Wiederholung im Traume herbeiwünschen.

(66)Für Wißbegierige bemerke ich, daß hinter dem Traume sich eine Phantasie verbirgt von unanständigem, sexuell provozierendem Benehmen meinerseits und von Abwehr von Seite der Dame. Wem diese Deutung unerhört erscheinen sollte, den mahne ich an die zahlreichen Fälle, wo Ärzte solche Anklagen von hysterischen Frauen erfahren haben, bei denen die nämliche Phantasie nicht entstellt und als Traum aufgetreten, sondern unverhüllt bewußt und wahnhaft geworden ist. – Mit diesem Traume trat die Patientin in die psychoanalytische Behandlung ein. Ich lernte erst später verstehen, daß sie mit ihm das initiale Trauma wiederholte, von dem ihre Neurose ausging, und habe seither das gleiche Verhalten bei anderen Personen gefunden, die in ihrer Kindheit sexuellen Attentaten ausgesetzt waren und nun gleichsam deren Wiederholung im Traume herbeiwünschen.

(67)Eine Ersetzung durch das Gegenteil, wie uns nach der Deutung klar werden wird.

(67)Eine Ersetzung durch das Gegenteil, wie uns nach der Deutung klar werden wird.

(68)Vgl. p. 16, Note.

(68)Vgl. p. 16, Note.

(69)Ich habe seither längst erfahren, daß auch zur Erfüllung solcher lange für unerreichbar gehaltener Wünsche nur etwas Mut erfordert wird.

(69)Ich habe seither längst erfahren, daß auch zur Erfüllung solcher lange für unerreichbar gehaltener Wünsche nur etwas Mut erfordert wird.

(70)In der ersten Auflage stand hier der Name: Hasdrubal, ein befremdender Irrtum, dessen Aufklärung ich in meiner »Psychopathologie des Alltagslebens« (1901, 1904, 4. Aufl. 1912) gegeben habe.

(70)In der ersten Auflage stand hier der Name: Hasdrubal, ein befremdender Irrtum, dessen Aufklärung ich in meiner »Psychopathologie des Alltagslebens« (1901, 1904, 4. Aufl. 1912) gegeben habe.

(71)Beide zu diesen Kinderszenen gehörigen Affekte, das Erstaunen und die Ergebung ins Unvermeidliche, fanden sich in einem Traume kurz vorher, der mir zuerst die Erinnerung an dieses Kindererlebnis wiederbrachte.

(71)Beide zu diesen Kinderszenen gehörigen Affekte, das Erstaunen und die Ergebung ins Unvermeidliche, fanden sich in einem Traume kurz vorher, der mir zuerst die Erinnerung an dieses Kindererlebnis wiederbrachte.

(72)DiePlagiostomenergänze ich nicht willkürlich; sie mahnen mich an eine ärgerliche Gelegenheit von Blamage vor demselben Lehrer.

(72)DiePlagiostomenergänze ich nicht willkürlich; sie mahnen mich an eine ärgerliche Gelegenheit von Blamage vor demselben Lehrer.

(73)Diese Wiederholung hat sich, scheinbar aus Zerstreutheit, in den Text des Traumes eingeschlichen und wird von mir belassen, da die Analyse zeigt, daß sie ihre Bedeutung hat.

(73)Diese Wiederholung hat sich, scheinbar aus Zerstreutheit, in den Text des Traumes eingeschlichen und wird von mir belassen, da die Analyse zeigt, daß sie ihre Bedeutung hat.

(74)Nicht imGerminal, sondern inLa Terre. Ein Irrtum, der mir erst nach der Analyse bemerklich wird. – Ich mache übrigens auf die identischen Buchstaben inHuflattichundFlatusaufmerksam.

(74)Nicht imGerminal, sondern inLa Terre. Ein Irrtum, der mir erst nach der Analyse bemerklich wird. – Ich mache übrigens auf die identischen Buchstaben inHuflattichundFlatusaufmerksam.

(75)An diesem Teil des Traumes hat H.Silbererin einer inhaltsreichen Arbeit (Phantasie und Mythos, 1910) zu zeigen versucht, daß die Traumarbeit nicht nur die latenten Traumgedanken, sondern auch die psychischen Vorgänge bei der Traumbildung wiederzugeben vermöge. (»Das funktionale Phänomen«.) Ich meine aber, er übersieht dabei, daß die »psychischen Vorgänge bei der Traumbildung« für mich ein Gedankenmaterialsind wie alles andere. In diesem übermütigen Traum bin ich offenbar stolz darauf, diese Vorgänge entdeckt zu haben.

(75)An diesem Teil des Traumes hat H.Silbererin einer inhaltsreichen Arbeit (Phantasie und Mythos, 1910) zu zeigen versucht, daß die Traumarbeit nicht nur die latenten Traumgedanken, sondern auch die psychischen Vorgänge bei der Traumbildung wiederzugeben vermöge. (»Das funktionale Phänomen«.) Ich meine aber, er übersieht dabei, daß die »psychischen Vorgänge bei der Traumbildung« für mich ein Gedankenmaterialsind wie alles andere. In diesem übermütigen Traum bin ich offenbar stolz darauf, diese Vorgänge entdeckt zu haben.

(76)Andere Deutung: Er ist einäugig wieOdhin, der Göttervater. –Odhins Trost.– DerTrostaus der Kinderszene, daß ich ihm ein neues Bett kaufen werde.

(76)Andere Deutung: Er ist einäugig wieOdhin, der Göttervater. –Odhins Trost.– DerTrostaus der Kinderszene, daß ich ihm ein neues Bett kaufen werde.

(77)Dazu einiges Deutungsmaterial: Das Vorhalten des Glases erinnert an die Geschichte vom Bauern, der beim Optiker Glas nach Glas versucht, aber nicht lesen kann. – (Bauernfänger– Mädchenfängerim vorigen Traumstück.) – Die Behandlung des schwachsinnig gewordenen Vaters bei den Bauern inZolasLa Terre. – Die traurige Genugtuung, daß der Vater in seinen letzten Lebenstagen wie ein Kind das Bett beschmutzt hat; daher bin ich im Traume sein Krankenpfleger. – »Denken und Erleben sind hier gleichsam eins« erinnert an ein stark revolutionäres Buchdrama vonOskar Panizza, in dem Gottvater als paralytischer Greis schmählich genug behandelt wird; dort heißt es: Wille und Tat sind bei ihm eins, und er muß von seinem Erzengel, einer Art Ganymed, abgehalten werden zu schimpfen und zu fluchen, weil diese Verwünschungen sich sofort erfüllen würden. – DasPlänemachenist ein aus späterer Zeit der Kritik stammender Vorwurf gegen den Vater, wie überhaupt der ganze rebellische, majestätsbeleidigende und die hohe Obrigkeit verhöhnende Inhalt des Traumes auf Auflehnung gegen den Vater zurückgeht. Der Fürst heißt Landesvater, und der Vater ist die älteste, erste, für das Kind einzige Autorität, aus dessen Machtvollkommenheit im Laufe der menschlichen Kulturgeschichte die anderen sozialen Obrigkeiten hervorgegangen sind (insofern nicht das »Mutterrecht« zur Einschränkung dieses Satzes nötigt.) – Die Fassung im Traume »Denken und Erleben sind Eins«, zielt auf die Erklärung der hysterischen Symptome, zu der auch dasmännliche Glaseine Beziehung hat. Einem Wiener brauchte ich dasPrinzip des »Gschnas«nicht auseinanderzusetzen; es besteht darin, Gegenstände von seltenem und wertvollem Ansehen aus trivialem, am liebsten komischem und wertlosem Material herzustellen, z. B. Rüstungen aus Kochtöpfen, Strohwischen und Salzstangeln, wie es unsere Künstler an ihren lustigen Abenden lieben. Ich hatte nun gemerkt, daß die Hysterischen es ebenso machen; neben dem, was ihnen wirklich zugestoßen ist, gestalten sie sich unbewußt gräßliche oder ausschweifende Phantasiebegebenheiten, die sie aus dem harmlosesten und banalsten Material des Erlebens aufbauen. An diesen Phantasien hängen erst die Symptome, nicht an den Erinnerungen der wirklichen Begebenheiten, seien diese nun ernsthaft oder gleichfalls harmlos. Diese Aufklärung hatte mir über viele Schwierigkeiten hinweggeholfen und machte mir viel Freude. Ich konnte sie mit dem Traumelement des »männlichen Glases« andeuten, weil mir von dem letzten »Gschnasabend« erzählt worden war, es sei dort ein Giftbecher der Lukretia Borgia ausgestellt gewesen, dessen Kern und Hauptbestandteil einUringlasfür Männer, wie es in den Spitälern gebräuchlich ist, gebildet hätte.

(77)Dazu einiges Deutungsmaterial: Das Vorhalten des Glases erinnert an die Geschichte vom Bauern, der beim Optiker Glas nach Glas versucht, aber nicht lesen kann. – (Bauernfänger– Mädchenfängerim vorigen Traumstück.) – Die Behandlung des schwachsinnig gewordenen Vaters bei den Bauern inZolasLa Terre. – Die traurige Genugtuung, daß der Vater in seinen letzten Lebenstagen wie ein Kind das Bett beschmutzt hat; daher bin ich im Traume sein Krankenpfleger. – »Denken und Erleben sind hier gleichsam eins« erinnert an ein stark revolutionäres Buchdrama vonOskar Panizza, in dem Gottvater als paralytischer Greis schmählich genug behandelt wird; dort heißt es: Wille und Tat sind bei ihm eins, und er muß von seinem Erzengel, einer Art Ganymed, abgehalten werden zu schimpfen und zu fluchen, weil diese Verwünschungen sich sofort erfüllen würden. – DasPlänemachenist ein aus späterer Zeit der Kritik stammender Vorwurf gegen den Vater, wie überhaupt der ganze rebellische, majestätsbeleidigende und die hohe Obrigkeit verhöhnende Inhalt des Traumes auf Auflehnung gegen den Vater zurückgeht. Der Fürst heißt Landesvater, und der Vater ist die älteste, erste, für das Kind einzige Autorität, aus dessen Machtvollkommenheit im Laufe der menschlichen Kulturgeschichte die anderen sozialen Obrigkeiten hervorgegangen sind (insofern nicht das »Mutterrecht« zur Einschränkung dieses Satzes nötigt.) – Die Fassung im Traume »Denken und Erleben sind Eins«, zielt auf die Erklärung der hysterischen Symptome, zu der auch dasmännliche Glaseine Beziehung hat. Einem Wiener brauchte ich dasPrinzip des »Gschnas«nicht auseinanderzusetzen; es besteht darin, Gegenstände von seltenem und wertvollem Ansehen aus trivialem, am liebsten komischem und wertlosem Material herzustellen, z. B. Rüstungen aus Kochtöpfen, Strohwischen und Salzstangeln, wie es unsere Künstler an ihren lustigen Abenden lieben. Ich hatte nun gemerkt, daß die Hysterischen es ebenso machen; neben dem, was ihnen wirklich zugestoßen ist, gestalten sie sich unbewußt gräßliche oder ausschweifende Phantasiebegebenheiten, die sie aus dem harmlosesten und banalsten Material des Erlebens aufbauen. An diesen Phantasien hängen erst die Symptome, nicht an den Erinnerungen der wirklichen Begebenheiten, seien diese nun ernsthaft oder gleichfalls harmlos. Diese Aufklärung hatte mir über viele Schwierigkeiten hinweggeholfen und machte mir viel Freude. Ich konnte sie mit dem Traumelement des »männlichen Glases« andeuten, weil mir von dem letzten »Gschnasabend« erzählt worden war, es sei dort ein Giftbecher der Lukretia Borgia ausgestellt gewesen, dessen Kern und Hauptbestandteil einUringlasfür Männer, wie es in den Spitälern gebräuchlich ist, gebildet hätte.

(78)Die Übereinanderschichtung der Bedeutungen des Traumes ist eines der heikelsten, aber auch inhaltsreichsten Probleme der Traumdeutung. Wer an diese Möglichkeit vergißt, wird leicht irregehen und zur Aufstellung unhaltbarer Behauptungen über das Wesen des Traumes verleitet werden. Doch sind über dieses Thema noch viel zu wenige Untersuchungen angestellt worden. Bisher hat nur die ziemlich regelmäßige Symbolschichtung im Harnreiztraume eine gründliche Würdigung durch O.Rankerfahren (s. u. p. 291).

(78)Die Übereinanderschichtung der Bedeutungen des Traumes ist eines der heikelsten, aber auch inhaltsreichsten Probleme der Traumdeutung. Wer an diese Möglichkeit vergißt, wird leicht irregehen und zur Aufstellung unhaltbarer Behauptungen über das Wesen des Traumes verleitet werden. Doch sind über dieses Thema noch viel zu wenige Untersuchungen angestellt worden. Bisher hat nur die ziemlich regelmäßige Symbolschichtung im Harnreiztraume eine gründliche Würdigung durch O.Rankerfahren (s. u. p. 291).

(79)Ich möchte jedermann raten, die in zwei Bänden gesammelten, ausführlichen und genauen Protokolle experimentell erzeugter Träume vonMourly Volddurchzulesen, um sich zu überzeugen, wie wenig Aufklärung der Inhalt des einzelnen Traumes in den angegebenen Versuchsbedingungen findet, und wie gering überhaupt der Nutzen solcher Experimente für das Verständnis der Traumprobleme ist.

(79)Ich möchte jedermann raten, die in zwei Bänden gesammelten, ausführlichen und genauen Protokolle experimentell erzeugter Träume vonMourly Volddurchzulesen, um sich zu überzeugen, wie wenig Aufklärung der Inhalt des einzelnen Traumes in den angegebenen Versuchsbedingungen findet, und wie gering überhaupt der Nutzen solcher Experimente für das Verständnis der Traumprobleme ist.

(80)Vergleiche die Stelle beiGriesingerund die Bemerkung in meinem zweiten Aufsatz über dieAbwehr-Psychoneurosen, Neurologisches Zentralblatt 1896.

(80)Vergleiche die Stelle beiGriesingerund die Bemerkung in meinem zweiten Aufsatz über dieAbwehr-Psychoneurosen, Neurologisches Zentralblatt 1896.

(81)Der Inhalt dieses Traumes wird in den zwei Quellen, aus denen ich ihn kenne, nicht übereinstimmend erzählt.

(81)Der Inhalt dieses Traumes wird in den zwei Quellen, aus denen ich ihn kenne, nicht übereinstimmend erzählt.

(82)(und der später zu erwähnenden »sekundären Bearbeitung«).

(82)(und der später zu erwähnenden »sekundären Bearbeitung«).

(83)Rankhat in einer Reihe von Arbeiten gezeigt, daß gewisse, durch Organreiz hervorgerufene Weckträume (die Harnreiz- und Pollutionsträume) besonders geeignet sind, den Kampf zwischen dem Schlafbedürfnis und den Anforderungen des organischen Bedürfnisses sowie den Einfluß des letzteren auf den Trauminhalt zu demonstrieren.

(83)Rankhat in einer Reihe von Arbeiten gezeigt, daß gewisse, durch Organreiz hervorgerufene Weckträume (die Harnreiz- und Pollutionsträume) besonders geeignet sind, den Kampf zwischen dem Schlafbedürfnis und den Anforderungen des organischen Bedürfnisses sowie den Einfluß des letzteren auf den Trauminhalt zu demonstrieren.

(84)»Des Kaisers neue Kleider.«

(84)»Des Kaisers neue Kleider.«

(85)Das Kind tritt auch im Märchen auf, denn dort ruft plötzlich ein kleines Kind: »Aber er hat ja gar nichts an.«

(85)Das Kind tritt auch im Märchen auf, denn dort ruft plötzlich ein kleines Kind: »Aber er hat ja gar nichts an.«

(86)Eine Anzahl interessanter Nacktheitsträume bei Frauen, die sich ohne Schwierigkeiten auf die infantile Exhibitionslust zurückführen ließen, aber in manchen Zügen von dem oben behandelten »typischen« Nacktheitstraum abweichen, hatFerenczimitgeteilt.

(86)Eine Anzahl interessanter Nacktheitsträume bei Frauen, die sich ohne Schwierigkeiten auf die infantile Exhibitionslust zurückführen ließen, aber in manchen Zügen von dem oben behandelten »typischen« Nacktheitstraum abweichen, hatFerenczimitgeteilt.

(87)Dasselbe bedeutet, aus begreiflichen Gründen, im Traume die Anwesenheit der »ganzen Familie«.

(87)Dasselbe bedeutet, aus begreiflichen Gründen, im Traume die Anwesenheit der »ganzen Familie«.

(88)Eine Überdeutung dieses Traumes: Auf der Treppe spucken, das führte, da »Spucken« eine Tätigkeit der Geister ist, bei loser Übersetzung zum »esprit d’escalier«. Treppenwitz heißt soviel als Mangel an Schlagfertigkeit. Den habe ich mir wirklich vorzuwerfen. Ob aber die Kinderfrau es an »Schlagfertigkeit« hat fehlen lassen?

(88)Eine Überdeutung dieses Traumes: Auf der Treppe spucken, das führte, da »Spucken« eine Tätigkeit der Geister ist, bei loser Übersetzung zum »esprit d’escalier«. Treppenwitz heißt soviel als Mangel an Schlagfertigkeit. Den habe ich mir wirklich vorzuwerfen. Ob aber die Kinderfrau es an »Schlagfertigkeit« hat fehlen lassen?

(89)Vgl. hiezu: Analyse der Phobie eines 5 jährigen Knaben im Jahrbuch für psychoanalytische und psychopathologische Forschungen, Bd. I, 1909, und »Über infantile Sexualtheorien« in Sammlung kl. Schriften z. Neurosenlehre, zweite Folge.

(89)Vgl. hiezu: Analyse der Phobie eines 5 jährigen Knaben im Jahrbuch für psychoanalytische und psychopathologische Forschungen, Bd. I, 1909, und »Über infantile Sexualtheorien« in Sammlung kl. Schriften z. Neurosenlehre, zweite Folge.

(90)Der 3½ jährige Hans, dessen Phobie Gegenstand der Analyse in der vorhin erwähnten Veröffentlichung ist, ruft im Fieber kurz nach der Geburt einer Schwester: Ich will aber kein Schwesterchen haben. In seiner Neurose, 1½ Jahre später, gesteht er den Wunsch, daß die Mutter das Kleine beim Baden in die Wanne fallen lassen möge, damit es sterbe, unumwunden ein. Dabei ist Hans ein gutartiges zärtliches Kind, welches bald auch diese Schwester liebgewinnt und sie besonders gern protegiert.

(90)Der 3½ jährige Hans, dessen Phobie Gegenstand der Analyse in der vorhin erwähnten Veröffentlichung ist, ruft im Fieber kurz nach der Geburt einer Schwester: Ich will aber kein Schwesterchen haben. In seiner Neurose, 1½ Jahre später, gesteht er den Wunsch, daß die Mutter das Kleine beim Baden in die Wanne fallen lassen möge, damit es sterbe, unumwunden ein. Dabei ist Hans ein gutartiges zärtliches Kind, welches bald auch diese Schwester liebgewinnt und sie besonders gern protegiert.

(91)Solche in der Kindheit erlebte Sterbefälle mögen in der Familie bald vergessen worden sein, die psychoanalytische Erforschung zeigt doch, daß sie für die spätere Neurose sehr bedeutungsvoll geworden sind.

(91)Solche in der Kindheit erlebte Sterbefälle mögen in der Familie bald vergessen worden sein, die psychoanalytische Erforschung zeigt doch, daß sie für die spätere Neurose sehr bedeutungsvoll geworden sind.

(92)Beobachtungen, die sich auf das ursprünglich feindselige Verhalten von Kindern gegen Geschwister und einen Elternteil beziehen, sind seither in großer Anzahl gemacht und in der psychoanalytischen Literatur niedergelegt worden. Besonders echt und naiv hat der DichterSpittelerdiese typische kindliche Einstellung aus seiner frühesten Kindheit geschildert: »Übrigens war noch ein zweiter Adolf da. Ein kleines Geschöpf, von dem man behauptete, er wäre mein Bruder, von dem ich aber nicht begriff, wozu er nützlich sei; noch weniger, weswegen man solch ein Wesen aus ihm mache wie von mir selber. Ich genügte für mein Bedürfnis, was brauchte ich einen Bruder? Und nicht bloß unnütz war er, sondern mitunter sogar hinderlich. Wenn ich die Großmutter belästigte, wollte er sie ebenfalls belästigen, wenn ich im Kinderwagen gefahren wurde, saß er gegenüber und nahm mir die Hälfte Platz weg, so daß wir uns mit den Füßen stoßen mußten.«

(92)Beobachtungen, die sich auf das ursprünglich feindselige Verhalten von Kindern gegen Geschwister und einen Elternteil beziehen, sind seither in großer Anzahl gemacht und in der psychoanalytischen Literatur niedergelegt worden. Besonders echt und naiv hat der DichterSpittelerdiese typische kindliche Einstellung aus seiner frühesten Kindheit geschildert: »Übrigens war noch ein zweiter Adolf da. Ein kleines Geschöpf, von dem man behauptete, er wäre mein Bruder, von dem ich aber nicht begriff, wozu er nützlich sei; noch weniger, weswegen man solch ein Wesen aus ihm mache wie von mir selber. Ich genügte für mein Bedürfnis, was brauchte ich einen Bruder? Und nicht bloß unnütz war er, sondern mitunter sogar hinderlich. Wenn ich die Großmutter belästigte, wollte er sie ebenfalls belästigen, wenn ich im Kinderwagen gefahren wurde, saß er gegenüber und nahm mir die Hälfte Platz weg, so daß wir uns mit den Füßen stoßen mußten.«

(93)In die nämlichen Worte kleidet der 3½ jährige Hans seine vernichtende Kritik seiner Schwester (l. c.). Er nimmt an, daß sie wegen des Mangels der Zähne nicht sprechen kann.

(93)In die nämlichen Worte kleidet der 3½ jährige Hans seine vernichtende Kritik seiner Schwester (l. c.). Er nimmt an, daß sie wegen des Mangels der Zähne nicht sprechen kann.

(94)Von einem hochbegabten 10 jährigen Knaben hörte ich nach dem plötzlichen Tode seines Vaters zu meinem Erstaunen folgende Äußerung: Daß der Vater gestorben ist, verstehe ich, aber warum er nicht zum Nachtmahl nach Hause kommt, kann ich mir nicht erklären. – Weiteres Material zu diesem Thema findet sich in der Rubrik »Kinderseele« von »Imago«, Zeitschrift für Anwendung der Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften, Bd. I und II, 1912 und 1913.

(94)Von einem hochbegabten 10 jährigen Knaben hörte ich nach dem plötzlichen Tode seines Vaters zu meinem Erstaunen folgende Äußerung: Daß der Vater gestorben ist, verstehe ich, aber warum er nicht zum Nachtmahl nach Hause kommt, kann ich mir nicht erklären. – Weiteres Material zu diesem Thema findet sich in der Rubrik »Kinderseele« von »Imago«, Zeitschrift für Anwendung der Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften, Bd. I und II, 1912 und 1913.

(95)Wenigstens in einigen mythologischen Darstellungen. Nach anderen wird die Entmannung nur von Kronos an seinem Vater Uranos vollzogen.Über die mythologische Bedeutung dieses Motivs vergl.Otto Rank: Der Mythus von der Geburt des Helden, fünftes Heft der »Schriften zur angew. Seelenkunde, 1909« und »Das Inzestmotiv in Dichtung und Sage«, 1912, Kap. IX, 2.

(95)Wenigstens in einigen mythologischen Darstellungen. Nach anderen wird die Entmannung nur von Kronos an seinem Vater Uranos vollzogen.

Über die mythologische Bedeutung dieses Motivs vergl.Otto Rank: Der Mythus von der Geburt des Helden, fünftes Heft der »Schriften zur angew. Seelenkunde, 1909« und »Das Inzestmotiv in Dichtung und Sage«, 1912, Kap. IX, 2.

(96)Keine der Ermittlungen der psychoanalytischen Forschung hat so erbitterten Widerspruch, ein so grimmiges Sträuben und – so ergötzliche Verrenkungen der Kritik hervorgerufen wie dieser Hinweis auf die kindlichen, im Unbewußten erhalten gebliebenen Inzestneigungen. Die letzte Zeit hat selbst einen Versuch gebracht, den Inzest, allen Erfahrungen trotzend, nur als »symbolisch« gelten zu lassen.

(96)Keine der Ermittlungen der psychoanalytischen Forschung hat so erbitterten Widerspruch, ein so grimmiges Sträuben und – so ergötzliche Verrenkungen der Kritik hervorgerufen wie dieser Hinweis auf die kindlichen, im Unbewußten erhalten gebliebenen Inzestneigungen. Die letzte Zeit hat selbst einen Versuch gebracht, den Inzest, allen Erfahrungen trotzend, nur als »symbolisch« gelten zu lassen.

(97)Auch das Große, Überreiche, Übermäßige und Übertriebene der Träume könnte ein Kindheitscharakter sein. Das Kind kennt keinen sehnlicheren Wunsch als groß zu werden, von allem so viel zu bekommen wie die Großen; es ist schwer zu befriedigen, kennt kein Genug, verlangt unersättlich nach Wiederholung dessen, was ihm gefallen oder geschmeckt hat.Maß halten, sich bescheiden, resignieren lernt es erst durch die Kultur der Erziehung. Bekanntlich neigt auch der Neurotiker zur Maßlosigkeit und Unmäßigkeit.

(97)Auch das Große, Überreiche, Übermäßige und Übertriebene der Träume könnte ein Kindheitscharakter sein. Das Kind kennt keinen sehnlicheren Wunsch als groß zu werden, von allem so viel zu bekommen wie die Großen; es ist schwer zu befriedigen, kennt kein Genug, verlangt unersättlich nach Wiederholung dessen, was ihm gefallen oder geschmeckt hat.Maß halten, sich bescheiden, resignieren lernt es erst durch die Kultur der Erziehung. Bekanntlich neigt auch der Neurotiker zur Maßlosigkeit und Unmäßigkeit.

(98)Als Prof.Jonesin einem wissenschaftlichen Vortrag vor einer amerikanischen Gesellschaft vom Egoismus der Träume sprach, erhob eine gelehrte Dame gegen diese unwissenschaftliche Verallgemeinerung den Einwand, der Autor könne doch nur über die Träume von Österreichern urteilen und dürfe über die Träume von Amerikanern nichts aussagen. Sie sei für ihre Person sicher, daß alle ihre Träume streng altruistisch seien.

(98)Als Prof.Jonesin einem wissenschaftlichen Vortrag vor einer amerikanischen Gesellschaft vom Egoismus der Träume sprach, erhob eine gelehrte Dame gegen diese unwissenschaftliche Verallgemeinerung den Einwand, der Autor könne doch nur über die Träume von Österreichern urteilen und dürfe über die Träume von Amerikanern nichts aussagen. Sie sei für ihre Person sicher, daß alle ihre Träume streng altruistisch seien.

(99)Hinweise auf die Verdichtung im Traume finden sich bei zahlreichen Autoren.Du Preläußert an einer Stelle (p. 85), es sei absolut sicher, daß ein Verdichtungsprozeß der Vorstellungsreihe stattgefunden habe.

(99)Hinweise auf die Verdichtung im Traume finden sich bei zahlreichen Autoren.Du Preläußert an einer Stelle (p. 85), es sei absolut sicher, daß ein Verdichtungsprozeß der Vorstellungsreihe stattgefunden habe.

(100)Man denke zur Würdigung dieser Darstellung des Dichters an diep. 262mitgeteilte Bedeutung der Stiegenträume.

(100)Man denke zur Würdigung dieser Darstellung des Dichters an diep. 262mitgeteilte Bedeutung der Stiegenträume.

(101)Die phantastische Natur der auf die Amme des Träumers bezüglichen Situation wird durch den objektiv erhobenen Umstand erwiesen, daß die Amme in diesem Falle die Mutter war. Ich erinnere übrigens an das aufp. 155erwähnte Bedauern des jungen Mannes der Anekdote, die Situation bei seiner Amme nicht besser ausgenutzt zu haben, welches wohl die Quelle dieses Traumes ist.

(101)Die phantastische Natur der auf die Amme des Träumers bezüglichen Situation wird durch den objektiv erhobenen Umstand erwiesen, daß die Amme in diesem Falle die Mutter war. Ich erinnere übrigens an das aufp. 155erwähnte Bedauern des jungen Mannes der Anekdote, die Situation bei seiner Amme nicht besser ausgenutzt zu haben, welches wohl die Quelle dieses Traumes ist.

(102)Dies ist der eigentliche Traumerreger.

(102)Dies ist der eigentliche Traumerreger.

(103)Zu ergänzen: Solche Lektüre seiGiftfür ein junges Mädchen. Sie selbst hat in ihrer Jugend viel aus verbotenen Büchern geschöpft.

(103)Zu ergänzen: Solche Lektüre seiGiftfür ein junges Mädchen. Sie selbst hat in ihrer Jugend viel aus verbotenen Büchern geschöpft.

(104)Ein weiterer Gedankengang führt zurPenthesileiadesselben Dichters:Grausamkeitgegen den Geliebten.

(104)Ein weiterer Gedankengang führt zurPenthesileiadesselben Dichters:Grausamkeitgegen den Geliebten.

(105)Die nämliche Zerlegung und Zusammensetzung der Silben – eine wahre Silbenchemie – dient uns im Wachen zu mannigfachen Scherzen. »Wie gewinnt man auf die billigste Art Silber? Man begibt sich in eine Allee, in der Silberpappeln stehen, gebietet Schweigen, dann hört das ›Pappeln‹ (Schwätzen) auf, und das Silber wird frei.« Der erste Leser und Kritiker dieses Buches hat mir den Einwand gemacht, den die späteren wahrscheinlich wiederholen werden, »daß der Träumer oft zu witzig erscheine«. Das ist richtig, solange es nur auf den Träumer bezogen wird, involviert einen Vorwurf nur dann, wenn es auf den Traumdeuter übergreifen soll. In der wachen Wirklichkeit kann ich wenig Anspruch auf das Prädikat »witzig« erheben; wenn meine Träume witzig erscheinen, so liegt es nicht an meiner Person, sondern an den eigentümlichen psychologischen Bedingungen, unter denen der Traum gearbeitet wird, und hängt mit der Theorie des Witzigen und Komischen intim zusammen. Der Traum wird witzig, weil ihm der gerade und nächste Weg zum Ausdruck seiner Gedanken gesperrt wird; er wird es notgedrungen. Die Leser können sich überzeugen, daß die Träume meiner Patienten den Eindruck des Witzigen (Witzelnden) im selben und im höheren Grade machen wie die meinen. Immerhin gab mir dieser Vorwurf Anlaß, die Technik des Witzes mit der Traumarbeit zu vergleichen, was in dem 1905 veröffentlichten Buche »Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten« geschehen ist (2. Aufl. 1912).

(105)Die nämliche Zerlegung und Zusammensetzung der Silben – eine wahre Silbenchemie – dient uns im Wachen zu mannigfachen Scherzen. »Wie gewinnt man auf die billigste Art Silber? Man begibt sich in eine Allee, in der Silberpappeln stehen, gebietet Schweigen, dann hört das ›Pappeln‹ (Schwätzen) auf, und das Silber wird frei.« Der erste Leser und Kritiker dieses Buches hat mir den Einwand gemacht, den die späteren wahrscheinlich wiederholen werden, »daß der Träumer oft zu witzig erscheine«. Das ist richtig, solange es nur auf den Träumer bezogen wird, involviert einen Vorwurf nur dann, wenn es auf den Traumdeuter übergreifen soll. In der wachen Wirklichkeit kann ich wenig Anspruch auf das Prädikat »witzig« erheben; wenn meine Träume witzig erscheinen, so liegt es nicht an meiner Person, sondern an den eigentümlichen psychologischen Bedingungen, unter denen der Traum gearbeitet wird, und hängt mit der Theorie des Witzigen und Komischen intim zusammen. Der Traum wird witzig, weil ihm der gerade und nächste Weg zum Ausdruck seiner Gedanken gesperrt wird; er wird es notgedrungen. Die Leser können sich überzeugen, daß die Träume meiner Patienten den Eindruck des Witzigen (Witzelnden) im selben und im höheren Grade machen wie die meinen. Immerhin gab mir dieser Vorwurf Anlaß, die Technik des Witzes mit der Traumarbeit zu vergleichen, was in dem 1905 veröffentlichten Buche »Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten« geschehen ist (2. Aufl. 1912).

(106)Laskerstarb an progressiver Paralyse, also an den Folgen der beim Weibe erworbenen Infektion (Lues);Lassalle, wie bekannt, im Duell wegen einer Dame.

(106)Laskerstarb an progressiver Paralyse, also an den Folgen der beim Weibe erworbenen Infektion (Lues);Lassalle, wie bekannt, im Duell wegen einer Dame.

(107)Bei einem an Zwangsvorstellungen leidenden jungen Manne, mit übrigens intakten und hochentwickelten intellektuellen Funktionen, fand ich unlängst die einzige Ausnahme von dieser Regel. Die Reden, die in seinen Träumen vorkamen, stammen nicht von gehörten oder selbst gehaltenen Reden ab, sondern entsprachen dem unentstellten Wortlaute seiner Zwangsgedanken, die ihm im Wachen nur abgeändert zum Bewußtsein kamen.

(107)Bei einem an Zwangsvorstellungen leidenden jungen Manne, mit übrigens intakten und hochentwickelten intellektuellen Funktionen, fand ich unlängst die einzige Ausnahme von dieser Regel. Die Reden, die in seinen Träumen vorkamen, stammen nicht von gehörten oder selbst gehaltenen Reden ab, sondern entsprachen dem unentstellten Wortlaute seiner Zwangsgedanken, die ihm im Wachen nur abgeändert zum Bewußtsein kamen.

(108)Psychische Intensität, Wertigkeit, Interessebetonung einer Vorstellung ist natürlich von sinnlicher Intensität, Intensität des Vorgestellten, gesondert zu halten.

(108)Psychische Intensität, Wertigkeit, Interessebetonung einer Vorstellung ist natürlich von sinnlicher Intensität, Intensität des Vorgestellten, gesondert zu halten.

(109)Da ich die Zurückführung der Traumentstellung auf die Zensur als den Kern meiner Traumauffassung bezeichnen darf, schalte ich hier das letzte Stück jener Erzählung »Träumen wie Wachen« aus den »Phantasien eines Realisten« vonLynkeus(Wien, 2. Auflage, 1900) ein, in dem ich diesen Hauptcharakter meiner Lehre wiederfinde:»Von einem Manne, der die merkwürdige Eigenschaft hat, niemals Unsinn zu träumen.« – – – –»Deine herrliche Eigenschaft, zu träumen wie zu wachen, beruht auf deinen Tugenden, auf deiner Güte, deiner Gerechtigkeit, deiner Wahrheitsliebe; es ist die moralische Klarheit deiner Natur, die mir alles an dir verständlich macht.«»Wenn ich es aber recht bedenke,« erwiderte der andere, »so glaube ich beinahe, alle Menschen seien so wie ich beschaffen, und gar niemand träume jemals Unsinn! Ein Traum, an den man sich so deutlich erinnert, daß man ihn nacherzählen kann, der also kein Fiebertraum ist, hatimmerSinn und es kann auch gar nicht anders sein! Denn was miteinander in Widerspruch steht, könnte sich ja nicht zu einem Ganzen gruppieren. Daß Zeit und Raum oft durcheinander gerüttelt werden, benimmt dem wahren Inhalt des Traumes gar nichts, denn sie sind beide gewiß ohne Bedeutung für seinen wesentlichen Inhalt gewesen. Wir machen es ja oft im Wachen auch so; denke an das Märchen, an so viele kühne und sinnvolle Phantasiegebilde, zu denen nur ein Unverständiger sagen würde: ›Das ist widersinnig! Denn das ist nicht möglich‹!«»Wenn man nur die Träume immer richtig zu deuten wüßte, so wie du das eben mit dem meinen getan hast!« sagte der Freund.»Das ist gewiß keine leichte Aufgabe, aber es müßte bei einiger Aufmerksamkeit dem Träumenden selbst wohl immer gelingen. – Warum es meistens nicht gelingt? Es scheint bei Euch etwas Verstecktes in den Träumen zu liegen, etwas Unkeusches eigener und höherer Art, eine gewisse Heimlichkeit in Eurem Wesen, die schwer auszudenken ist; und darum scheint Euer Träumen so oft ohne Sinn, sogar ein Widersinn zu sein. Es ist aber im tiefsten Grunde durchaus nicht so; ja, es kann gar nicht so sein, denn es ist immer derselbe Mensch, ob er wacht oder träumt.«

(109)Da ich die Zurückführung der Traumentstellung auf die Zensur als den Kern meiner Traumauffassung bezeichnen darf, schalte ich hier das letzte Stück jener Erzählung »Träumen wie Wachen« aus den »Phantasien eines Realisten« vonLynkeus(Wien, 2. Auflage, 1900) ein, in dem ich diesen Hauptcharakter meiner Lehre wiederfinde:

»Von einem Manne, der die merkwürdige Eigenschaft hat, niemals Unsinn zu träumen.« – – – –

»Deine herrliche Eigenschaft, zu träumen wie zu wachen, beruht auf deinen Tugenden, auf deiner Güte, deiner Gerechtigkeit, deiner Wahrheitsliebe; es ist die moralische Klarheit deiner Natur, die mir alles an dir verständlich macht.«

»Wenn ich es aber recht bedenke,« erwiderte der andere, »so glaube ich beinahe, alle Menschen seien so wie ich beschaffen, und gar niemand träume jemals Unsinn! Ein Traum, an den man sich so deutlich erinnert, daß man ihn nacherzählen kann, der also kein Fiebertraum ist, hatimmerSinn und es kann auch gar nicht anders sein! Denn was miteinander in Widerspruch steht, könnte sich ja nicht zu einem Ganzen gruppieren. Daß Zeit und Raum oft durcheinander gerüttelt werden, benimmt dem wahren Inhalt des Traumes gar nichts, denn sie sind beide gewiß ohne Bedeutung für seinen wesentlichen Inhalt gewesen. Wir machen es ja oft im Wachen auch so; denke an das Märchen, an so viele kühne und sinnvolle Phantasiegebilde, zu denen nur ein Unverständiger sagen würde: ›Das ist widersinnig! Denn das ist nicht möglich‹!«

»Wenn man nur die Träume immer richtig zu deuten wüßte, so wie du das eben mit dem meinen getan hast!« sagte der Freund.

»Das ist gewiß keine leichte Aufgabe, aber es müßte bei einiger Aufmerksamkeit dem Träumenden selbst wohl immer gelingen. – Warum es meistens nicht gelingt? Es scheint bei Euch etwas Verstecktes in den Träumen zu liegen, etwas Unkeusches eigener und höherer Art, eine gewisse Heimlichkeit in Eurem Wesen, die schwer auszudenken ist; und darum scheint Euer Träumen so oft ohne Sinn, sogar ein Widersinn zu sein. Es ist aber im tiefsten Grunde durchaus nicht so; ja, es kann gar nicht so sein, denn es ist immer derselbe Mensch, ob er wacht oder träumt.«

(110)Ich habe die vollständige Analyse und Synthese zweier Träume seither in dem »Bruchstück einer Hysterieanalyse«, 1905, gegeben. Als die vollständigste Deutung eines längeren Traumes muß die Analyse von O.Rank»Ein Traum, der sich selbst deutet« anerkannt werden.

(110)Ich habe die vollständige Analyse und Synthese zweier Träume seither in dem »Bruchstück einer Hysterieanalyse«, 1905, gegeben. Als die vollständigste Deutung eines längeren Traumes muß die Analyse von O.Rank»Ein Traum, der sich selbst deutet« anerkannt werden.

(111)Aus einer Arbeit von K.Abel, Der Gegensinn der Urworte, 1884 (siehe mein Referat im Jahrbuch f. Ps.-A. II, 1910) erfuhr ich die überraschende, auch von anderen Sprachforschern bestätigte Tatsache, daß die ältesten Sprachen sich in diesem Punkte ganz ähnlich benehmen wie der Traum. Sie haben anfänglich nur ein Wort für die beiden Gegensätze an den Enden einer Qualitäten- oder Tätigkeitsreihe (starkschwach, altjung, fernnah, binden-trennen) und bilden gesonderte Bezeichnungen für die beiden Gegensätze erst sekundär durch leichte Modifikationen des gemeinsamen Urwortes.Abelweist diese Verhältnisse im großen Ausmaße im Altägyptischen nach, zeigt aber deutliche Reste derselben Entwicklung auch in den semitischen und indogermanischen Sprachen auf.

(111)Aus einer Arbeit von K.Abel, Der Gegensinn der Urworte, 1884 (siehe mein Referat im Jahrbuch f. Ps.-A. II, 1910) erfuhr ich die überraschende, auch von anderen Sprachforschern bestätigte Tatsache, daß die ältesten Sprachen sich in diesem Punkte ganz ähnlich benehmen wie der Traum. Sie haben anfänglich nur ein Wort für die beiden Gegensätze an den Enden einer Qualitäten- oder Tätigkeitsreihe (starkschwach, altjung, fernnah, binden-trennen) und bilden gesonderte Bezeichnungen für die beiden Gegensätze erst sekundär durch leichte Modifikationen des gemeinsamen Urwortes.Abelweist diese Verhältnisse im großen Ausmaße im Altägyptischen nach, zeigt aber deutliche Reste derselben Entwicklung auch in den semitischen und indogermanischen Sprachen auf.

(112)Vgl. die Bemerkung desAristotelesüber die Eignung zum Traumdeuter (p. 74,Anmkg. 28).

(112)Vgl. die Bemerkung desAristotelesüber die Eignung zum Traumdeuter (p. 74,Anmkg. 28).

(113)Wenn ich im Zweifel bin, hinter welcher der im Traume auftretenden Personen ich mein Ich zu suchen habe, so halte ich mich an folgende Regel: Die Person, die im Traume einem Affekt unterliegt, den ich als Schlafender verspüre, die verbirgt mein Ich.

(113)Wenn ich im Zweifel bin, hinter welcher der im Traume auftretenden Personen ich mein Ich zu suchen habe, so halte ich mich an folgende Regel: Die Person, die im Traume einem Affekt unterliegt, den ich als Schlafender verspüre, die verbirgt mein Ich.

(114)Derselben Technik der zeitlichen Umkehrung bedient sich manchmal der hysterische Anfall, um seinen Sinn dem Zuschauer zu verbergen. Ein hysterisches Mädchen hat z. B. in einem Anfalle einen kleinen Roman darzustellen, den sie sich im Anschluß an eine Begegnung in der Stadtbahn im Unbewußten phantasiert hat. Wie der Betreffende, durch die Schönheit ihres Fußes angezogen, sie, während sie liest, anspricht, wie sie dann mit ihm geht und eine stürmische Liebesszene erlebt. Ihr Anfall setzt mit der Darstellung dieser Liebesszene durch die Körperzuckungen ein (dabei Lippenbewegungen fürs Küssen, Verschränkung der Arme für die Umarmung), darauf eilt sie ins andere Zimmer, setzt sich auf einen Stuhl, hebt das Kleid, um den Fuß zu zeigen, tut, als ob sie in einem Buche lesen würde, und spricht mich an (gibt mir Antwort). Vgl. hiezu die Bemerkung desArtemidorus: »Bei der Auslegung von Traumgesichten muß man sie einmal vom Anfang gegen das Ende, das andere Mal vom Ende gegen den Anfang hin ins Auge fassen. . . .«

(114)Derselben Technik der zeitlichen Umkehrung bedient sich manchmal der hysterische Anfall, um seinen Sinn dem Zuschauer zu verbergen. Ein hysterisches Mädchen hat z. B. in einem Anfalle einen kleinen Roman darzustellen, den sie sich im Anschluß an eine Begegnung in der Stadtbahn im Unbewußten phantasiert hat. Wie der Betreffende, durch die Schönheit ihres Fußes angezogen, sie, während sie liest, anspricht, wie sie dann mit ihm geht und eine stürmische Liebesszene erlebt. Ihr Anfall setzt mit der Darstellung dieser Liebesszene durch die Körperzuckungen ein (dabei Lippenbewegungen fürs Küssen, Verschränkung der Arme für die Umarmung), darauf eilt sie ins andere Zimmer, setzt sich auf einen Stuhl, hebt das Kleid, um den Fuß zu zeigen, tut, als ob sie in einem Buche lesen würde, und spricht mich an (gibt mir Antwort). Vgl. hiezu die Bemerkung desArtemidorus: »Bei der Auslegung von Traumgesichten muß man sie einmal vom Anfang gegen das Ende, das andere Mal vom Ende gegen den Anfang hin ins Auge fassen. . . .«

(115)Begleitende hysterische Symptome: Ausbleiben der Periode und große Verstimmung, das Hauptleiden dieser Kranken.

(115)Begleitende hysterische Symptome: Ausbleiben der Periode und große Verstimmung, das Hauptleiden dieser Kranken.

(116)Eine Beziehung zu einem Kindheitserlebnis ergibt sich in der vollständigen Analyse durch folgende Vermittlung: – Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohrkann gehen. Und dann die Scherzfrage: Wie alt ist der Mohr, wenn er seine Schuldigkeit getan hat? Ein Jahr, dann kann er gehen. (Ich soll so viel wirres schwarzes Haar mit zur Welt gebracht haben, daß mich die junge Mutter für einen kleinen Mohren erklärte.) – Daß ich den Hut nicht finde, ist ein mehrsinnig verwertetes Tageserlebnis. Unser im Aufbewahren geniales Stubenmädchen hatte ihn versteckt. – Auch die Ablehnung trauriger Todesgedanken verbirgt sich hinter diesem Traumende: Ich habe meine Schuldigkeit noch lange nicht getan; ich darf noch nicht gehen. – Geburt und Tod wie in dem kurz vorher erfolgten Traume vonGoetheund dem Paralytiker (Seite 313).

(116)Eine Beziehung zu einem Kindheitserlebnis ergibt sich in der vollständigen Analyse durch folgende Vermittlung: – Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohrkann gehen. Und dann die Scherzfrage: Wie alt ist der Mohr, wenn er seine Schuldigkeit getan hat? Ein Jahr, dann kann er gehen. (Ich soll so viel wirres schwarzes Haar mit zur Welt gebracht haben, daß mich die junge Mutter für einen kleinen Mohren erklärte.) – Daß ich den Hut nicht finde, ist ein mehrsinnig verwertetes Tageserlebnis. Unser im Aufbewahren geniales Stubenmädchen hatte ihn versteckt. – Auch die Ablehnung trauriger Todesgedanken verbirgt sich hinter diesem Traumende: Ich habe meine Schuldigkeit noch lange nicht getan; ich darf noch nicht gehen. – Geburt und Tod wie in dem kurz vorher erfolgten Traume vonGoetheund dem Paralytiker (Seite 313).

(117)Vgl. Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten, 1905, 2. Aufl. 1912 – und die »Wortbrücken« in den Lösungen neurotischer Symptome.

(117)Vgl. Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten, 1905, 2. Aufl. 1912 – und die »Wortbrücken« in den Lösungen neurotischer Symptome.

(118)Siehe unten p. 361ff.

(118)Siehe unten p. 361ff.

(119)Reichliches Belegmaterial hiezu in den drei Ergänzungsbänden vonEd. Fuchs’ »Illustr. Sittengeschichte« (Privatdrucke bei A. Langen, München).

(119)Reichliches Belegmaterial hiezu in den drei Ergänzungsbänden vonEd. Fuchs’ »Illustr. Sittengeschichte« (Privatdrucke bei A. Langen, München).

(120)Zur Deutung dieses als »kausal« zu nehmenden Vortraumessiehe p. 234.

(120)Zur Deutung dieses als »kausal« zu nehmenden Vortraumessiehe p. 234.

(121)Ihr Lebenslauf.

(121)Ihr Lebenslauf.

(122)Hohe Abkunft, Wunschgegensatz zum Vortraume.

(122)Hohe Abkunft, Wunschgegensatz zum Vortraume.

(123)Mischgebilde, das zwei Lokalitäten vereinigt, den sogenannten Boden des Vaterhauses, auf dem sie mit dem Bruder spielte, dem Gegenstand ihrer späteren Phantasien, und den Hof eines schlimmen Onkels, der sie zu necken pflegte.

(123)Mischgebilde, das zwei Lokalitäten vereinigt, den sogenannten Boden des Vaterhauses, auf dem sie mit dem Bruder spielte, dem Gegenstand ihrer späteren Phantasien, und den Hof eines schlimmen Onkels, der sie zu necken pflegte.

(124)Wunschgegensatz zu einer realen Erinnerung vom Hofe des Onkels, daß sie sich im Schlafe zu entblößen pflegte.

(124)Wunschgegensatz zu einer realen Erinnerung vom Hofe des Onkels, daß sie sich im Schlafe zu entblößen pflegte.

(125)Wie der Engel in der Verkündigung Mariä einen Lilienstengel.

(125)Wie der Engel in der Verkündigung Mariä einen Lilienstengel.

(126)Die Erklärung dieses Mischgebildessiehe p. 237: Unschuld, Periode, Kameliendame.

(126)Die Erklärung dieses Mischgebildessiehe p. 237: Unschuld, Periode, Kameliendame.

(127)Auf die Mehrheit der ihrer Phantasie dienenden Personen.

(127)Auf die Mehrheit der ihrer Phantasie dienenden Personen.

(128)Ob man sich auch einen herunterreißen darf, i. e. masturbieren.

(128)Ob man sich auch einen herunterreißen darf, i. e. masturbieren.

(129)Der Ast hat längst dieVertretungdes männlichen Genitales übernommen, enthält übrigens eine sehr deutliche Anspielung auf den Familiennamen.

(129)Der Ast hat längst dieVertretungdes männlichen Genitales übernommen, enthält übrigens eine sehr deutliche Anspielung auf den Familiennamen.

(130)Bezieht sich wie das Nächstfolgende auf eheliche Vorsichten.

(130)Bezieht sich wie das Nächstfolgende auf eheliche Vorsichten.

(131)Ein analoger »biographischer« Traum ist der unter den Beispielen zur Traumsymbolikp. 268als dritter mitgeteilte; ferner der vonRankausführlich mitgeteilte »Traum, der sich selbst deutet«; einen anderen, der »verkehrt« gelesen werden muß, siehe beiStekelp. 486.

(131)Ein analoger »biographischer« Traum ist der unter den Beispielen zur Traumsymbolikp. 268als dritter mitgeteilte; ferner der vonRankausführlich mitgeteilte »Traum, der sich selbst deutet«; einen anderen, der »verkehrt« gelesen werden muß, siehe beiStekelp. 486.

(132)Vgl. die Arbeiten vonBleulerund seinen Züricher SchülernMaeder,Abrahamu. a. über Symbolik, und die nicht ärztlichen Autoren, auf welche sie sich beziehen (Kleinpaulu. a.). Das Zutreffendste, was über diesen Gegenstand geäußert worden ist, findet sich in der Schrift von O.Rankund H.Sachs, Die Bedeutung der Psychoanalyse für die Geisteswissenschaften, 1913, Kap. I.

(132)Vgl. die Arbeiten vonBleulerund seinen Züricher SchülernMaeder,Abrahamu. a. über Symbolik, und die nicht ärztlichen Autoren, auf welche sie sich beziehen (Kleinpaulu. a.). Das Zutreffendste, was über diesen Gegenstand geäußert worden ist, findet sich in der Schrift von O.Rankund H.Sachs, Die Bedeutung der Psychoanalyse für die Geisteswissenschaften, 1913, Kap. I.

(133)So tritt z. B. das auf dem Wasser fahrende Schiff in den Harnträumen ungarischer Träumer auf, obwohl dieser Sprache die Bezeichnung »schiffen« für »urinieren« fremd ist (Ferenczi;vgl. auch p. 271). In den Träumen von Franzosen und anderen Romanen dient das Zimmer zur symbolischen Darstellung der Frau, obwohl diese Völker nichts dem deutschen »Frauenzimmer« Analoges kennen.

(133)So tritt z. B. das auf dem Wasser fahrende Schiff in den Harnträumen ungarischer Träumer auf, obwohl dieser Sprache die Bezeichnung »schiffen« für »urinieren« fremd ist (Ferenczi;vgl. auch p. 271). In den Träumen von Franzosen und anderen Romanen dient das Zimmer zur symbolischen Darstellung der Frau, obwohl diese Völker nichts dem deutschen »Frauenzimmer« Analoges kennen.

(134)Ich wiederhole hierüber, was ich an anderer Stelle (Die zukünftigen Chancen der psychoanalytischen Therapie, Zentralbl. f. Psychoanalyse I, Nr. 1/2, 1910) geäußert habe: »Vor einiger Zeit wurde es mir bekannt, daß ein uns ferner stehender Psychologe sich an einen von uns mit der Bemerkung gewendet, wir überschätzten doch gewiß die geheime sexuelle Bedeutung der Träume. Sein häufigster Traum sei, eine Stiege hinauf zu steigen, und da sei doch gewiß nichts Sexuelles dahinter. Durch diesen Einwand aufmerksam gemacht, haben wir dem Vorkommen von Stiegen, Treppen, Leitern im Traum Aufmerksamkeit geschenkt und konnten bald feststellen, daß die Stiege (und was ihr analog ist) ein sicheres Koitussymbol darstellt. Die Grundlage der Vergleichung ist nicht schwer aufzufinden; in rhythmischen Absätzen, unter zunehmender Atemnot kommt man auf eine Höhe und kann dann in ein paar raschen Sprüngen wieder unten sein. So findet sich der Rhythmus des Koitus im Stiegensteigen wieder. Vergessen wir nicht, den Sprachgebrauch heranzuziehen. Er zeigt uns, daß das »Steigen« ohne weiteres als Ersatzbezeichnung der sexuellen Aktion gebraucht wird. Man pflegt zu sagen, der Mann ist ein »Steiger«, »nachsteigen«. Im Französischen heißt die Stufe der Treppe la marche; »un vieux marcheur« deckt sich ganz mit unserem »ein alterSteiger«.«

(134)Ich wiederhole hierüber, was ich an anderer Stelle (Die zukünftigen Chancen der psychoanalytischen Therapie, Zentralbl. f. Psychoanalyse I, Nr. 1/2, 1910) geäußert habe: »Vor einiger Zeit wurde es mir bekannt, daß ein uns ferner stehender Psychologe sich an einen von uns mit der Bemerkung gewendet, wir überschätzten doch gewiß die geheime sexuelle Bedeutung der Träume. Sein häufigster Traum sei, eine Stiege hinauf zu steigen, und da sei doch gewiß nichts Sexuelles dahinter. Durch diesen Einwand aufmerksam gemacht, haben wir dem Vorkommen von Stiegen, Treppen, Leitern im Traum Aufmerksamkeit geschenkt und konnten bald feststellen, daß die Stiege (und was ihr analog ist) ein sicheres Koitussymbol darstellt. Die Grundlage der Vergleichung ist nicht schwer aufzufinden; in rhythmischen Absätzen, unter zunehmender Atemnot kommt man auf eine Höhe und kann dann in ein paar raschen Sprüngen wieder unten sein. So findet sich der Rhythmus des Koitus im Stiegensteigen wieder. Vergessen wir nicht, den Sprachgebrauch heranzuziehen. Er zeigt uns, daß das »Steigen« ohne weiteres als Ersatzbezeichnung der sexuellen Aktion gebraucht wird. Man pflegt zu sagen, der Mann ist ein »Steiger«, »nachsteigen«. Im Französischen heißt die Stufe der Treppe la marche; »un vieux marcheur« deckt sich ganz mit unserem »ein alterSteiger«.«

(135)Vgl. im Zbl. für Ps.-A. II, 675 die Zeichnung einer 19 jährigen Manischen: ein Mann mit einer Schlange alsKrawatte, die sich einem Mädchen entgegenwendet. Dazu die Geschichte »Der Schamhaftige« (Anthrop. VI, 334): In eine Badestube trat eine Dame ein und dort befand sich ein Herr, der kaum das Hemd anzulegen vermochte; er war sehr beschämt, deckte sich aber sofort den Hals mit dem Vorderteil des Hemdes zu und sagte: »Bitte um Verzeihung, bin ohneKrawatte.«

(135)Vgl. im Zbl. für Ps.-A. II, 675 die Zeichnung einer 19 jährigen Manischen: ein Mann mit einer Schlange alsKrawatte, die sich einem Mädchen entgegenwendet. Dazu die Geschichte »Der Schamhaftige« (Anthrop. VI, 334): In eine Badestube trat eine Dame ein und dort befand sich ein Herr, der kaum das Hemd anzulegen vermochte; er war sehr beschämt, deckte sich aber sofort den Hals mit dem Vorderteil des Hemdes zu und sagte: »Bitte um Verzeihung, bin ohneKrawatte.«

(136)Bei aller Verschiedenheit derSchernerschen Auffassung von der Traumsymbolik und der hier entwickelten, muß ich doch hervorheben, daßSchernerals der eigentliche Entdecker der Symbolik im Traume anerkannt werden sollte, und daß die Erfahrungen der Psychoanalyse sein für phantastisch gehaltenes vor rund 50 Jahren veröffentlichtes Buch nachträglich zu Ehren gebracht haben.

(136)Bei aller Verschiedenheit derSchernerschen Auffassung von der Traumsymbolik und der hier entwickelten, muß ich doch hervorheben, daßSchernerals der eigentliche Entdecker der Symbolik im Traume anerkannt werden sollte, und daß die Erfahrungen der Psychoanalyse sein für phantastisch gehaltenes vor rund 50 Jahren veröffentlichtes Buch nachträglich zu Ehren gebracht haben.

(137)Aus »Nachträge zur Traumdeutung«. Zentralblatt für Psychoanalyse I, Nr. 5/6, 1911.

(137)Aus »Nachträge zur Traumdeutung«. Zentralblatt für Psychoanalyse I, Nr. 5/6, 1911.

(138)Vgl. ein solches Beispiel in der Mitteilung vonKirchgraber(Zentralbl. f.Ps.-A.III, 1912, p. 95). VonStekel(Jahrbuch, Bd. I, p. 475) wird ein Traum mitgeteilt, in welchem der Hut mit schiefstehender Feder in der Mitte den (impotenten) Mann symbolisiert.

(138)Vgl. ein solches Beispiel in der Mitteilung vonKirchgraber(Zentralbl. f.Ps.-A.III, 1912, p. 95). VonStekel(Jahrbuch, Bd. I, p. 475) wird ein Traum mitgeteilt, in welchem der Hut mit schiefstehender Feder in der Mitte den (impotenten) Mann symbolisiert.

(139)Oder Kapelle = Vagina.

(139)Oder Kapelle = Vagina.

(140)Symbol des Koitus.

(140)Symbol des Koitus.

(141)Mons veneris.

(141)Mons veneris.

(142)Crines pubis.

(142)Crines pubis.

(143)Dämonen in Mänteln und Kapuzen sind nach der Aufklärung eines Fachmannes phallischer Natur.

(143)Dämonen in Mänteln und Kapuzen sind nach der Aufklärung eines Fachmannes phallischer Natur.

(144)Die beiden Hälften des Hodensackes.

(144)Die beiden Hälften des Hodensackes.

(145)Alfred Robitsekim Zentralblatt f. Ps.-A. II, 1911, p. 340.

(145)Alfred Robitsekim Zentralblatt f. Ps.-A. II, 1911, p. 340.

(146)»The World of Dreams«, London 1911, p. 168.

(146)»The World of Dreams«, London 1911, p. 168.

(147)Das Ausreißen eines Zahnes durch einen anderen ist zumeist als Kastration zu deuten (ähnlich wie das Haareschneiden durch den Friseur;Stekel). Es ist zu unterscheiden zwischen Zahnreizträumen und Zahnarztträumen überhaupt, wie solche z. B.Coriat(Zentralbl. f. Ps.-A. III, 440) mitgeteilt hat.

(147)Das Ausreißen eines Zahnes durch einen anderen ist zumeist als Kastration zu deuten (ähnlich wie das Haareschneiden durch den Friseur;Stekel). Es ist zu unterscheiden zwischen Zahnreizträumen und Zahnarztträumen überhaupt, wie solche z. B.Coriat(Zentralbl. f. Ps.-A. III, 440) mitgeteilt hat.

(148)Nach einer Mitteilung von C. G.Junghaben die Zahnreizträume bei Frauen die Bedeutung von Geburtsträumen.

(148)Nach einer Mitteilung von C. G.Junghaben die Zahnreizträume bei Frauen die Bedeutung von Geburtsträumen.

(149)Vgl. hiezu den »biographischen« Traum aufp. 289.

(149)Vgl. hiezu den »biographischen« Traum aufp. 289.

(150)Da die Träume vom Zahnziehen oder Zahnausfall im Volksglauben auf den Tod eines Angehörigen gedeutet werden, die Psychoanalyse ihnen aber solche Bedeutung höchstens im oben angedeuteten parodistischen Sinn zugestehen kann, schalte ich hiereinenvonOtto Rankzur Verfügung gestellten »Zahnreiztraum« ein:»Zum Thema der Zahnreizträume ist mir von einem Kollegen, der sich seit einiger Zeit für die Probleme der Traumdeutung lebhafter zu interessieren beginnt, der folgende Bericht zugekommen:›Mir träumte kürzlich, ich sei beim Zahnarzt, der mir einen rückwärtigen Zahn des Unterkiefers ausbohrt. Er arbeitet so lange herum, bis der Zahn unbrauchbar geworden ist. Dann faßt er ihn mit der Zange und zieht ihn mit einer spielenden Leichtigkeit heraus, die mich in Verwunderung setzt. Er sagt, ich solle mir nichts daraus machen, denn das sei gar nicht der eigentlich behandelte Zahn und legt ihn auf den Tisch, wo der Zahn (wie mir nun scheint, ein oberer Schneidezahn) in mehrere Schichten zerfällt. Ich erhebe mich vom Operationsstuhl, trete neugierig näher und stelle interessiert eine medizinische Frage. Der Arzt erklärt mir, während er die einzelnen Teilstücke des auffallend weißen Zahnes sondert und mit einem Instrument zermalmt (pulverisiert), daß das mit der Pubertät zusammenhängt und daß die Zähne nur vor der Pubertät so leicht herausgehen; bei Frauen sei das hiefür entscheidende Moment die Geburt eines Kindes. – Ich merke dann (wie ich glaube im Halbschlaf), daß dieser Traum von einer Pollution begleitet war, die ich aber nicht mit Sicherheit an eine bestimmte Stelle des Traumes einzureihen weiß; am ehesten scheint sie mir noch beim Herausziehen des Zahnes eingetreten zu sein.Ich träume dann weiter einen mir nicht mehr erinnerlichen Vorgang, der damit abschloß, daß ich Hut und Rock in der Hoffnung, man werde mir die Kleidungsstücke nachbringen, irgendwo (möglicherweise in der Garderobe des Zahnarztes) zurücklassend und bloß mit dem Überrock bekleidet mich beeilte, einen abgehenden Zug noch zu erreichen. Es gelang mir auch im letzten Moment, auf den rückwärtigen Waggon aufzuspringen, wo bereits jemand stand. Ich konnte jedoch nicht mehr in das Innere des Wagens gelangen, sondern mußte in einer unbequemen Stellung, aus der ich mich mit schließlichem Erfolg zu befreien versuchte, die Reise mitmachen. Wir fahren durch ein großes Tunnel, wobei in der Gegenrichtung zwei Züge wie durch unseren Zug hindurchfahren, als ob dieser das Tunnel wäre. Ich schaue wie von außen durch ein Waggonfenster hinein.Als Material zu einer Deutung dieses Traumes ergeben sich folgende Erlebnisse und Gedanken desVortages:I. Ich stehe tatsächlich seit kurzem in zahnärztlicher Behandlung und habe zur Zeit des Traumes kontinuierlich Schmerzen in dem Zahn des Unterkiefers, der im Traume ausgebohrt wird und an dem der Arzt auch in Wirklichkeit schon länger herumarbeitet, als mir lieb ist. Am Vormittag des Traumtages war ich neuerlich wegen der Schmerzen beim Arzt gewesen, der mir nahegelegt hatte, einen anderen als den behandelten Zahn im selben Kiefer ziehen zu lassen, von dem wahrscheinlich der Schmerz herrühren dürfte. Es handelte sich um einen eben durchbrechenden ›Weisheitszahn‹. Ich hatte bei der Gelegenheit auch eine darauf bezügliche Frage an sein ärztliches Gewissen gestellt.II. Am Nachmittag desselben Tages war ich genötigt, einer Dame gegenüber meine üble Laune mit den Zahnschmerzen entschuldigen zu müssen, worauf sie mir erzählte, sie habe Furcht, sich eine Wurzel ziehen zu lassen, deren Krone fast gänzlich abgebröckelt sei. Sie meinte, das Ziehen wäre bei den Augenzähnen besonders schmerzhaft und gefährlich, obwohl ihr anderseits eine Bekannte gesagt habe, daß es bei den Zähnen des Oberkiefers (um einen solchen handelte es sich bei ihr) leichter gehe. Diese Bekannte habe ihr auch erzählt, ihr sei einmal in der Narkose ein falscher Zahn gezogen worden, eine Mitteilung, welche ihre Scheu vor der notwendigen Operation nur vermehrt habe. Sie fragte mich dann, ob unter Augenzähnen Backen- oder Eckzähne zu verstehen seien und was über diese bekannt sei. Ich machte sie einerseits auf den abergläubischen Einschlag in all diesen Meinungen aufmerksam, ohne jedoch die Betonung des richtigen Kernes mancher volkstümlicher Anschauungen zu versäumen. Sie weiß darauf von einem ihrer Erfahrung nach sehr alten und allgemein bekannten Volksglauben zu berichten, der behauptet:Wenn eine Schwangere Zahnschmerzen hat, so bekommt sie einen Buben.III. Dieses Sprichwort interessierte mich mit Rücksicht auf die vonFreudin seiner Traumdeutung (2. Aufl., p. 193 f.) mitgeteilte typische Bedeutung der Zahnreizträume als Onanieersatz, da ja auch in dem Volksspruch der Zahn und das männliche Genitale (Bub) in eine gewisse Beziehung gebracht werden. Ich las also am Abend desselben Tages die betreffende Stelle in der Traumdeutung nach und fand dort unter anderem die im folgenden wiedergegebenen Ausführungen, deren Einfluß auf meinen Traum ebenso leicht zu erkennen ist wie die Einwirkung der beiden vorgenannten Erlebnisse.Freudschreibt von den Zahnreizträumen, ›daß bei Männern nichts anderes als das Onaniegelüste derPubertätszeitdie Triebkraft dieser Träume abgebe‹. (p. 193.) Ferner: ›Ich meine, daß auch die häufigen Modifikationen des typischen Zahnreiztraumes, z. B. daß ein anderer dem Träumer den Zahn auszieht und ähnliches, durch die gleiche Aufklärung verständlich werden. Rätselhaft mag es aber scheinen, wieso der Zahnreiz zu dieser Bedeutung gelangen kann. Ich mache hier auf die so häufigeVerlegung von unten nach oben(im vorliegenden Traume auch vom Unterkiefer in den Oberkiefer) aufmerksam, die im Dienste der Sexualverdrängung steht und vermöge welcher in der Hysterie allerlei Sensationen und Intentionen, die sich an den Genitalien abspielen sollten, wenigstens an anderen einwandfreien Körperstellen realisiert werden können‹ (p. 194). ›Aber ich muß auch auf einen anderen im sprachlichen Ausdruck enthaltenen Zusammenhang hinweisen. In unseren Landen existiert eine unfeine Bezeichnung für den masturbatorischen Akt: sich einen ausreißen oder sich einen herunterreißen‹ (p. 195). Dieser Ausdruck war mir schon in früher Jugend als Bezeichnung für die Onanie geläufig und von hier aus wird der geübte Traumdeuter unschwer den Zugang zum Kindheitsmaterial, das diesem Traume zu grunde liegen mag, finden. Ich erwähne nur noch, daß die Leichtigkeit, mit der im Traume der Zahn, der sich nach dem Ziehen in einen oberen Schneidezahn verwandelt, herausgeht, mich an einen Vorfall meiner Kinderzeit erinnert, wo ich mir einen wackligenoberen Vorderzahnleicht und schmerzlosselbst ausriß. Dieses Ereignis, das mir heute noch in allen seinen Einzelheiten deutlich erinnerlich ist, fällt in dieselbe frühe Zeit, in die bei mir die ersten bewußten Onanieversuche zurückgehen (Deckerinnerung).Der HinweisFreudsauf eine Mitteilung von C. G.Jung, wonach die Zahnreizträumebei Frauen die Bedeutung von Geburtsträumenhaben (Traumdeutung S. 194 Anmkg.) sowie der Volksglaube von der Bedeutung des Zahnschmerzes bei Schwangeren haben die Gegenüberstellung der weiblichen Bedeutung gegenüber der männlichen (Pubertät) im Traume veranlaßt. Dazu erinnere ich mich eines früheren Traumes, wo mir bald, nachdem ich aus der Behandlung eines Zahnarztes entlassen worden war, träumte, daß mir die eben eingesetzten Goldkronen herausfielen, worüber ich mich wegen des bedeutenden Kostenaufwandes, den ich damals noch nicht ganz verschmerzt hatte, im Traume sehr ärgerte. Dieser Traum wird mir jetzt im Hinblick auf ein gewisses Erlebnis als Anpreisung der materiellen Vorzüge der Masturbation gegenüber der in jeder Form ökonomisch nachteiligeren Objektliebe verständlich (Goldkronen) und ich glaube, daß die Mitteilung jener Dame über die Bedeutung des Zahnschmerzes beiSchwangerendiese Gedankengänge in mir wiederwachrief.‹So weit die ohne weiteres einleuchtende und wie ich glaube auch einwandfreie Deutung des Kollegen, der ich nichts hinzuzufügen habe, als etwa den Hinweis auf den wahrscheinlichen Sinn des zweiten Traumteiles, der über die Wortbrücken: Zahn-(ziehen–Zug; reißen–reisen) den allem Anschein nach unter Schwierigkeiten vollzogenen Übergang des Träumers von der Masturbation zum Geschlechtsverkehr (Tunnel, durch den die Züge in verschiedenen Richtungen hinein- und herausfahren) sowie die Gefahren desselben (Schwangerschaft; Überzieher) darstellt.Dagegen scheint mir der Fall theoretisch nach zwei Richtungen interessant. Erstens ist es beweisend für den vonFreudaufgedeckten Zusammenhang, daß die Ejakulation im Traume beim Akt des Zahnziehens erfolgt. Sind wir doch genötigt, die Pollution, in welcher Form immer sie auftreten mag, als eine masturbatorische Befriedigung anzusehen, welche ohne Zuhilfenahme mechanischer Reizungen zustande kommt. Dazu kommt, daß in diesem Falle die pollutionistische Befriedigung nicht wie sonst an einem, wenn auch nur imaginierten Objekte erfolgt, sondern objektlos, wenn man so sagen darf, rein autoerotisch ist und höchstens einen leisen homosexuellen Einschlag (Zahnarzt) erkennen läßt.Der zweite Punkt, der mir der Hervorhebung wert erscheint, ist folgender: Es liegt der Einwand nahe, daß dieFreudsche Auffassung hier ganz überflüssigerweise geltend gemacht zu werden suche, da doch die Erlebnisse desVortagesallein vollkommen hinreichen, uns den Inhalt des Traumes verständlich zu machen. Der Besuch beim Zahnarzt, das Gespräch mit der Dame und die Lektüre der Traumdeutung erklärten hinreichend, daß der auch nachts durch Zahnschmerzen beunruhigte Schläfer diesen Traum produziere; wenn man durchaus wolle sogar zur Beseitigung des schlafstörenden Schmerzes (mittels der Vorstellung von der Entfernung des schmerzenden Zahnes bei gleichzeitiger Übertönung der gefürchteten Schmerzempfindung durch Libido). Nun wird man aber selbst bei den weitestgehenden Zugeständnissen in dieser Richtung die Behauptung nicht ernsthaft vertreten wollen, daß die Lektüre derFreudschen Aufklärungen den Zusammenhang von Zahnziehen und Masturbationsakt in dem Träumer hergestellt oder auch nur wirksam gemacht haben könnte, wenn er nicht, wie der Träumer selbst eingestanden hat (›sich einen ausreißen‹) längst vorgebildet gewesen wäre. Was vielmehr diesen Zusammenhang neben dem Gespräch mit der Dame belebt haben mag, ergibt die spätere Mitteilung des Träumers, daß er bei der Lektüre der Traumdeutung aus begreiflichen Gründen an diese typische Bedeutung der Zahnreizträume nicht recht glauben mochte und den Wunsch hegte, zu wissen, ob dies für alle derartigen Träume zutreffe. Der Traum bestätigt ihm nun das wenigstens für seine eigene Person und zeigt ihm so, warum er daran zweifeln mußte. Der Traum ist also auch in dieser Hinsicht die Erfüllung eines Wunsches: nämlich sich von der Tragweite und der Haltbarkeit dieserFreudschen Auffassung zu überzeugen.«

(150)Da die Träume vom Zahnziehen oder Zahnausfall im Volksglauben auf den Tod eines Angehörigen gedeutet werden, die Psychoanalyse ihnen aber solche Bedeutung höchstens im oben angedeuteten parodistischen Sinn zugestehen kann, schalte ich hiereinenvonOtto Rankzur Verfügung gestellten »Zahnreiztraum« ein:

»Zum Thema der Zahnreizträume ist mir von einem Kollegen, der sich seit einiger Zeit für die Probleme der Traumdeutung lebhafter zu interessieren beginnt, der folgende Bericht zugekommen:

›Mir träumte kürzlich, ich sei beim Zahnarzt, der mir einen rückwärtigen Zahn des Unterkiefers ausbohrt. Er arbeitet so lange herum, bis der Zahn unbrauchbar geworden ist. Dann faßt er ihn mit der Zange und zieht ihn mit einer spielenden Leichtigkeit heraus, die mich in Verwunderung setzt. Er sagt, ich solle mir nichts daraus machen, denn das sei gar nicht der eigentlich behandelte Zahn und legt ihn auf den Tisch, wo der Zahn (wie mir nun scheint, ein oberer Schneidezahn) in mehrere Schichten zerfällt. Ich erhebe mich vom Operationsstuhl, trete neugierig näher und stelle interessiert eine medizinische Frage. Der Arzt erklärt mir, während er die einzelnen Teilstücke des auffallend weißen Zahnes sondert und mit einem Instrument zermalmt (pulverisiert), daß das mit der Pubertät zusammenhängt und daß die Zähne nur vor der Pubertät so leicht herausgehen; bei Frauen sei das hiefür entscheidende Moment die Geburt eines Kindes. – Ich merke dann (wie ich glaube im Halbschlaf), daß dieser Traum von einer Pollution begleitet war, die ich aber nicht mit Sicherheit an eine bestimmte Stelle des Traumes einzureihen weiß; am ehesten scheint sie mir noch beim Herausziehen des Zahnes eingetreten zu sein.

Ich träume dann weiter einen mir nicht mehr erinnerlichen Vorgang, der damit abschloß, daß ich Hut und Rock in der Hoffnung, man werde mir die Kleidungsstücke nachbringen, irgendwo (möglicherweise in der Garderobe des Zahnarztes) zurücklassend und bloß mit dem Überrock bekleidet mich beeilte, einen abgehenden Zug noch zu erreichen. Es gelang mir auch im letzten Moment, auf den rückwärtigen Waggon aufzuspringen, wo bereits jemand stand. Ich konnte jedoch nicht mehr in das Innere des Wagens gelangen, sondern mußte in einer unbequemen Stellung, aus der ich mich mit schließlichem Erfolg zu befreien versuchte, die Reise mitmachen. Wir fahren durch ein großes Tunnel, wobei in der Gegenrichtung zwei Züge wie durch unseren Zug hindurchfahren, als ob dieser das Tunnel wäre. Ich schaue wie von außen durch ein Waggonfenster hinein.

Als Material zu einer Deutung dieses Traumes ergeben sich folgende Erlebnisse und Gedanken desVortages:

I. Ich stehe tatsächlich seit kurzem in zahnärztlicher Behandlung und habe zur Zeit des Traumes kontinuierlich Schmerzen in dem Zahn des Unterkiefers, der im Traume ausgebohrt wird und an dem der Arzt auch in Wirklichkeit schon länger herumarbeitet, als mir lieb ist. Am Vormittag des Traumtages war ich neuerlich wegen der Schmerzen beim Arzt gewesen, der mir nahegelegt hatte, einen anderen als den behandelten Zahn im selben Kiefer ziehen zu lassen, von dem wahrscheinlich der Schmerz herrühren dürfte. Es handelte sich um einen eben durchbrechenden ›Weisheitszahn‹. Ich hatte bei der Gelegenheit auch eine darauf bezügliche Frage an sein ärztliches Gewissen gestellt.

II. Am Nachmittag desselben Tages war ich genötigt, einer Dame gegenüber meine üble Laune mit den Zahnschmerzen entschuldigen zu müssen, worauf sie mir erzählte, sie habe Furcht, sich eine Wurzel ziehen zu lassen, deren Krone fast gänzlich abgebröckelt sei. Sie meinte, das Ziehen wäre bei den Augenzähnen besonders schmerzhaft und gefährlich, obwohl ihr anderseits eine Bekannte gesagt habe, daß es bei den Zähnen des Oberkiefers (um einen solchen handelte es sich bei ihr) leichter gehe. Diese Bekannte habe ihr auch erzählt, ihr sei einmal in der Narkose ein falscher Zahn gezogen worden, eine Mitteilung, welche ihre Scheu vor der notwendigen Operation nur vermehrt habe. Sie fragte mich dann, ob unter Augenzähnen Backen- oder Eckzähne zu verstehen seien und was über diese bekannt sei. Ich machte sie einerseits auf den abergläubischen Einschlag in all diesen Meinungen aufmerksam, ohne jedoch die Betonung des richtigen Kernes mancher volkstümlicher Anschauungen zu versäumen. Sie weiß darauf von einem ihrer Erfahrung nach sehr alten und allgemein bekannten Volksglauben zu berichten, der behauptet:Wenn eine Schwangere Zahnschmerzen hat, so bekommt sie einen Buben.

III. Dieses Sprichwort interessierte mich mit Rücksicht auf die vonFreudin seiner Traumdeutung (2. Aufl., p. 193 f.) mitgeteilte typische Bedeutung der Zahnreizträume als Onanieersatz, da ja auch in dem Volksspruch der Zahn und das männliche Genitale (Bub) in eine gewisse Beziehung gebracht werden. Ich las also am Abend desselben Tages die betreffende Stelle in der Traumdeutung nach und fand dort unter anderem die im folgenden wiedergegebenen Ausführungen, deren Einfluß auf meinen Traum ebenso leicht zu erkennen ist wie die Einwirkung der beiden vorgenannten Erlebnisse.Freudschreibt von den Zahnreizträumen, ›daß bei Männern nichts anderes als das Onaniegelüste derPubertätszeitdie Triebkraft dieser Träume abgebe‹. (p. 193.) Ferner: ›Ich meine, daß auch die häufigen Modifikationen des typischen Zahnreiztraumes, z. B. daß ein anderer dem Träumer den Zahn auszieht und ähnliches, durch die gleiche Aufklärung verständlich werden. Rätselhaft mag es aber scheinen, wieso der Zahnreiz zu dieser Bedeutung gelangen kann. Ich mache hier auf die so häufigeVerlegung von unten nach oben(im vorliegenden Traume auch vom Unterkiefer in den Oberkiefer) aufmerksam, die im Dienste der Sexualverdrängung steht und vermöge welcher in der Hysterie allerlei Sensationen und Intentionen, die sich an den Genitalien abspielen sollten, wenigstens an anderen einwandfreien Körperstellen realisiert werden können‹ (p. 194). ›Aber ich muß auch auf einen anderen im sprachlichen Ausdruck enthaltenen Zusammenhang hinweisen. In unseren Landen existiert eine unfeine Bezeichnung für den masturbatorischen Akt: sich einen ausreißen oder sich einen herunterreißen‹ (p. 195). Dieser Ausdruck war mir schon in früher Jugend als Bezeichnung für die Onanie geläufig und von hier aus wird der geübte Traumdeuter unschwer den Zugang zum Kindheitsmaterial, das diesem Traume zu grunde liegen mag, finden. Ich erwähne nur noch, daß die Leichtigkeit, mit der im Traume der Zahn, der sich nach dem Ziehen in einen oberen Schneidezahn verwandelt, herausgeht, mich an einen Vorfall meiner Kinderzeit erinnert, wo ich mir einen wackligenoberen Vorderzahnleicht und schmerzlosselbst ausriß. Dieses Ereignis, das mir heute noch in allen seinen Einzelheiten deutlich erinnerlich ist, fällt in dieselbe frühe Zeit, in die bei mir die ersten bewußten Onanieversuche zurückgehen (Deckerinnerung).

Der HinweisFreudsauf eine Mitteilung von C. G.Jung, wonach die Zahnreizträumebei Frauen die Bedeutung von Geburtsträumenhaben (Traumdeutung S. 194 Anmkg.) sowie der Volksglaube von der Bedeutung des Zahnschmerzes bei Schwangeren haben die Gegenüberstellung der weiblichen Bedeutung gegenüber der männlichen (Pubertät) im Traume veranlaßt. Dazu erinnere ich mich eines früheren Traumes, wo mir bald, nachdem ich aus der Behandlung eines Zahnarztes entlassen worden war, träumte, daß mir die eben eingesetzten Goldkronen herausfielen, worüber ich mich wegen des bedeutenden Kostenaufwandes, den ich damals noch nicht ganz verschmerzt hatte, im Traume sehr ärgerte. Dieser Traum wird mir jetzt im Hinblick auf ein gewisses Erlebnis als Anpreisung der materiellen Vorzüge der Masturbation gegenüber der in jeder Form ökonomisch nachteiligeren Objektliebe verständlich (Goldkronen) und ich glaube, daß die Mitteilung jener Dame über die Bedeutung des Zahnschmerzes beiSchwangerendiese Gedankengänge in mir wiederwachrief.‹

So weit die ohne weiteres einleuchtende und wie ich glaube auch einwandfreie Deutung des Kollegen, der ich nichts hinzuzufügen habe, als etwa den Hinweis auf den wahrscheinlichen Sinn des zweiten Traumteiles, der über die Wortbrücken: Zahn-(ziehen–Zug; reißen–reisen) den allem Anschein nach unter Schwierigkeiten vollzogenen Übergang des Träumers von der Masturbation zum Geschlechtsverkehr (Tunnel, durch den die Züge in verschiedenen Richtungen hinein- und herausfahren) sowie die Gefahren desselben (Schwangerschaft; Überzieher) darstellt.

Dagegen scheint mir der Fall theoretisch nach zwei Richtungen interessant. Erstens ist es beweisend für den vonFreudaufgedeckten Zusammenhang, daß die Ejakulation im Traume beim Akt des Zahnziehens erfolgt. Sind wir doch genötigt, die Pollution, in welcher Form immer sie auftreten mag, als eine masturbatorische Befriedigung anzusehen, welche ohne Zuhilfenahme mechanischer Reizungen zustande kommt. Dazu kommt, daß in diesem Falle die pollutionistische Befriedigung nicht wie sonst an einem, wenn auch nur imaginierten Objekte erfolgt, sondern objektlos, wenn man so sagen darf, rein autoerotisch ist und höchstens einen leisen homosexuellen Einschlag (Zahnarzt) erkennen läßt.

Der zweite Punkt, der mir der Hervorhebung wert erscheint, ist folgender: Es liegt der Einwand nahe, daß dieFreudsche Auffassung hier ganz überflüssigerweise geltend gemacht zu werden suche, da doch die Erlebnisse desVortagesallein vollkommen hinreichen, uns den Inhalt des Traumes verständlich zu machen. Der Besuch beim Zahnarzt, das Gespräch mit der Dame und die Lektüre der Traumdeutung erklärten hinreichend, daß der auch nachts durch Zahnschmerzen beunruhigte Schläfer diesen Traum produziere; wenn man durchaus wolle sogar zur Beseitigung des schlafstörenden Schmerzes (mittels der Vorstellung von der Entfernung des schmerzenden Zahnes bei gleichzeitiger Übertönung der gefürchteten Schmerzempfindung durch Libido). Nun wird man aber selbst bei den weitestgehenden Zugeständnissen in dieser Richtung die Behauptung nicht ernsthaft vertreten wollen, daß die Lektüre derFreudschen Aufklärungen den Zusammenhang von Zahnziehen und Masturbationsakt in dem Träumer hergestellt oder auch nur wirksam gemacht haben könnte, wenn er nicht, wie der Träumer selbst eingestanden hat (›sich einen ausreißen‹) längst vorgebildet gewesen wäre. Was vielmehr diesen Zusammenhang neben dem Gespräch mit der Dame belebt haben mag, ergibt die spätere Mitteilung des Träumers, daß er bei der Lektüre der Traumdeutung aus begreiflichen Gründen an diese typische Bedeutung der Zahnreizträume nicht recht glauben mochte und den Wunsch hegte, zu wissen, ob dies für alle derartigen Träume zutreffe. Der Traum bestätigt ihm nun das wenigstens für seine eigene Person und zeigt ihm so, warum er daran zweifeln mußte. Der Traum ist also auch in dieser Hinsicht die Erfüllung eines Wunsches: nämlich sich von der Tragweite und der Haltbarkeit dieserFreudschen Auffassung zu überzeugen.«


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