Es waren etwa zwei Wochen vergangen. Da ließ sich Heinrich von Withold beim alten Scholta Hanzo anmelden. Er wartete im Kretscham auf Antwort. Es dauerte zwei Stunden ehe die Nachricht eintraf, daß der Scholta Heinrich erwartete. Die beiden Männer begrüßten sich stumm. Der Scholta wies auf einen Stuhl.
»Ich danke,« lehnte Heinrich ab; »ich habe nicht viel zu sagen. Allerdings, was ich zu sagen habe, ist wichtig. Mein Freund und Schwager Juro hat, gehetzt durch die aufgestachelte öffentliche Meinung und in der Überzeugung, daß eine alte Krone der Wenden nicht existiere, nach ihr gegraben und zu seiner schweren Überraschung eine Krone gefunden. Da ist er dem Schreck, einem plötzlichen Nervenanfall, erlegen – er ist ohnmächtig geworden.«
»Gott hat ihn geschlagen!« sagte Hanzo ernst.
Heinrich beachtete den Zwischenruf nicht, sondern fuhr fort:
»Als ich Juro auf Ihrem Düngerwagen liegend fand, hatte ich zuerst vor, die ganze Sache der Behörde anzuzeigen.«
»Das konnten Sie! Von uns aus ist nichts Unrechtes geschehen.«
»Ich weiß nicht,« entgegnete Heinrich kalt, »wieweit sich die beiden Würden eines preußischen Schulzen und heimlichen Wendenkönigs miteinander vertragen, jedenfalls habe ich die Anzeige unterlassen, weil ich mich zu solchen Dingen nicht eigne. Aber ich habe etwas anderes getan: ich habe mir die Krone auch einmal angesehen! Hier ist sie!«
Er zog unter dem weiten Kragen seines Mantels ein Paket hervor und legte es auf den Tisch.
»Was – was – was sagen Sie? – Was ist das?«
Heinrich löste die Umhüllung, eine alte Krone, ein schmaler silberner Stirnreif wurde sichtbar.
»Da! – Das hat Juro gefunden!«
Der alte Hanzo streckte entsetzt die Hände aus gegen den Tisch.
»Das – das – die Krone! – Sie haben es gewagt – Sie …«
»Regen Sie sich nicht auf,« sagte Heinrich ruhig; »die Krone ist gefälscht!«
Der alte Wende sank auf einen Stuhl; die Zähne schlugen ihm aufeinander.
»Ist das – ist das – die Krone aus dem Hügel?«
»Ja, und sie ist nicht die alte Kralskrone, sie ist gefälscht!«
»Sie haben sie ausgegraben?«
»Ja – unter der Zeugenschaft von zwei gebildeten Männern.«
Da stürzte der alte Hanzo mit geballten Fäusten auf Heinrich los, schlug auf ihn ein, rang mit ihm und mußte doch von dem Angegriffenen halb gehalten werden, damit er nicht niederfiel. Schließlich sank er völlig gebrochen, kraftlos und erschöpft auf seinen Stuhl.
Da öffnete sich die Tür, und Samo trat ein.
»Was geht hier vor?«
»Ich habe dem Scholta die Krone gebracht, die mein Freund Juro neulich gefunden hat.«
Samo wurde bleich.
»Wie kommen Sie zu der Krone?«
»Ich habe sie ausgegraben mit noch zwei gebildeten Männern; ich habe sofort erkannt, daß es sich um eine wertlose Imitation handelt, und habe mir meine Ansicht durch ein Sachverständigenurteil in Berlin bestätigen lassen. Hier ist eine beglaubigte Abschrift!«
»Sie sind ein Lump!« schrie Samo heiser.
»Es ist mir eine Ehre, von Ihnen beschimpft zu werden,« erwiderte Heinrich mit eisiger Kälte; »denn ich bringe Sie mit dem schmählichen Betrug, der hier vollführt wurde, in Verbindung.«
»Herr! Sie werden mir mit der Waffe Genugtuung geben. Diese Schmach kann nur Ihr Tod sühnen!«
»Ich schlage mich nicht mit Verbrechern!« sagte Heinrich verächtlich.
Da fiel Samo über ihn her, Heinrich aber schleuderte ihn beiseite und verließ rasch das Haus.