Chapter 14

Eilftes Capitel.

Wir kamen an, der Jammedaar saß vor der Thüre der Chauderie. Mein Plan wargemacht; nichts konnte mich retten, als die kühnste Entschlossenheit. Stolz und ruhig gieng ich auf ihn zu, grüßte ihn, und sezte mich ohne weiteres neben ihn. Er griff nach seinem Dolche, allein ich kam ihm mit meiner Anrede zuvor. — »Jammedaar!« — sagte ich — »Du kennst mich und meinen wichtigen Auftrag nicht; das entschuldigt dich! Aber ich wünsche um deinetwillen, daß der Nabob nichts davon erfährt. Bei dem allmächtigen Gott! Er würde dich für diese schnöde Behandlung zu bestrafen wissen, ich stehe dir dafür!« —

Was ich voraus gesehen hatte, geschah. Der Jammedaar war überrascht, und sah schweigend und unentschlossen vor sich hin. — »Ich bin ein Holländer!« — fuhr ich im vorigen Tone fort — »Und muß nach Pondichery, — der französische Admiral.« —

»Jammedaar!« — rief hier plözlich ein Srapoy, und trat aus dem uns umgebenden Haufen hervor. — »Jammedaar! Laß dich nicht von diesem Prahler hintergehen! Ichhabe seine Leute befragt. Sie kommen von Madras und gehen nach Tranquebar. Es ist gewiß ein englischer Hund, der nach dem Lager von Cudelore will!« — Bei diesem Worten gerieth der ganze Haufen in Wuth — »Ja! Ja! Es ist ein englischer Hund!« wurde von allen Seiten wiederholt.

»Nein!« — rief ich entrüstet — »Kein Engländer! — Ein Holländer von Sadringapatnam bin ich. — Warum die giftigen Worte? — Ihr sagt, daß ich von Madras komme? Wer läugnet es? — Aber warum verschweigt ihr, daß wir bei Nacht von dort geflüchtet sind?« —

»Jammedaar!« — fuhr ich ungeduldig fort, indem ich mich wieder zu ihm wandte — »Halt mich nicht länger auf! Ich muß durchaus noch heute in Pondichery seyn. Die Nachrichten, die ich dem französischen Admiral zu überbringen habe, sind von der äußersten Wichtigkeit. Jede Stunde, die du mich aufhältst, kann dem Nabob gefährlicher werden, als eine verlorne Schlacht!« —

Er schien verlegen, stand auf und sprach mit einem seiner Offiziere einige Minuten zur Seite. Endlich kam er zurück. — »Du sollst und kannst abreisen, so bald du bewiesen hast, daß du ein Holländer, und kein Engländer bist.«

»Wie, Jammedaar! spottest du meiner? Wie soll ich das beweisen? Sind wir nicht von einer Farbe? Ist in unsern Zügen, unserer Kleidung, unseren Manieren irgend ein Unterschied? Ja, wenn du die Sprachen verständest, aber so? — Weißt du was, Jammedaar! Laß mich nach Pondichery bringen, wenn du mir nicht glauben willst! Hörst du, nach Pondichery!« —

Er konnte nichts darauf erwidern, aber mich reisen zu lassen, dazu hatte er eben so wenig Lust. — »Es ist am besten« — sagte er endlich — »ich lasse dich zu Nabob bringen, der bei Arcot steht. So bin ich von aller Verantwortung frei!« —

»Ei nicht doch!« — erwiederte ich, denn diese Reise war ganz und gar nicht in meinemSinne. — »Ich sage dir ja, daß ich noch heute in Pondichery seyn muß!« — Allein vergebens. Nur mit der äußersten Mühe brachte ich ihn am Ende noch auf eine andere Idee.

»Azoaf!« — rief er einem seiner Srapoys zu — »Schwing dich auf dein Roß, flieg nach Marampette, und sage Rosan Alichan, daß ein Weißer in meine Hände gefallen ist, der sich für einen Holländer aus Sadringapatnam ausgiebt.« —

»Und sag ihm zu gleicher Zeit« — fiel ich ein — »daß es derselbe Holländer ist, der ihn einmal aus den Händen der Engländer gerettet hat.« —

Bei diesen Worten schrie der Jammedaar auf, während mir der Srapoy zu Füßen fiel. — »Maharadja« (Herr) — rief er — »Verzeih! Ich erkannte dich nicht. Ja! ich war damals bei Rosan Alichan, als du unser aller Retter warst. Jezt flieg ich zu ihm, um ihm zu melden, daß du hier bist!« —So sprach er, schwang sich auf sein Pferd, und eilte im Galopp davon.

Jezt wendete sich auch der Jammedaar zu mir — »Freund!« — sagte er mit Innigkeit, und legte die linke Hand aufs Herz — »Freund! Mache mich zu deinem Sclaven für diese Beleidigung. Ich weiß, welchen Dienst du Rosan Alichan erzeigt hast; er hat mir oft davon erzählt!« — Zu gleicher Zeit bot er mir seine Huka (Pfeife) an, und befahl, meine Leute augenblicklich frei zu lassen, auch sie reichlich mit Lebensmitteln zu versehen.

Nach ungefähr einer Stunde traf Rosan Alichan ein, und begrüßte mich mit vieler Herzlichkeit. — »Warlich!« — rufte er voll Freude aus — »Der Fang ist mir lieber als die halbe englische Armee!«— Hierauf sezten wir uns zum Pillau (Reis mit Fleisch u. s. w.) hin, wobei es nicht an Arrac gebrach. Endlich um vier Uhr ward ich in stattlicher Begleitung ans Ufer getragen, und eine halbeStunde später befanden wir uns wieder in See.


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