Chapter 17

Vierzehntes Capitel.

So verließ ich denn die Küste von Coromandel, wo ferner kein Glück für mich zu blühen schien. Mit vermischten Gefühlen blickte ich noch einmal auf das verschwindende Gestade zurück. Die Stadt, das Fort, die Pagoden, die Cocos-Wälder — alles glänzte im Dufte des Abendroths; alles sank allmählich in Dämmerung.

Bald war es Zeit zum Abendessen, und der Graf öffnete seinen Speisekorb. Noch jezt sah ich ihn vor mir, wie er vier kleine gebratene Hühner, zehn Sousbrode, und eine Flasche Madera heraus nahm. Da ich dies natürlich nur für eine Art Voressen hielt, expedirte ich mein Huhn, und meine zwei Brode mit gutem Seemannsappetit.

»Parbleu!« — sagte der Graf — »Hätte ich das gewußt, ich hätte mich mit einem Huhn, und einem Paar Broden mehr versehen!« —

»Wie, Herr Graf?« fiel ich lebhaft ein — »Das ist Alles?« —

»Wie Sie sehen, ja! —Vraiement! J'en suis fâché!— Aber es hat gar nichts zu sagen. Wir frühstücken zu Caix[3], ich stehe Ihnen dafür. Lassen Sie mich nur machen; ich bin ein alter erfahrner Steuermann!«

Ich ließ ihn schwatzen; denn ich merkte wohl, er hatte abermals zu tief ins Glas gesehen. Im Nothfall gab es überdem längs der Küste noch kleine Häfen genug. Völlig unbesorgt streckte ich mich also, wie die ganze Gesellschaft, auf meine Matte hin.

So mochte ich ungefähr bis fünf Uhr Morgens geschlafen haben, als ich von dem Tandel (Steuermann) geweckt ward. — »Steht auf, lieber Herr!« — sagte er sehr betrübt. — »Ich kann keinen Grund mehr finden, und sehe auch kein Land mehr.« —

»Wie?« rief ich erschrocken — »Kein Land? Wie ist das möglich?« — Und miteinem Sprunge war ich auf, und sah leider, daß es gegründet war. — »Aber« — fuhr ich heftig fort — »Warum hast du die Küste verlassen?« — »Um Gotteswillen!« — antwortete er zitternd — »Nicht ich, der Franzose« — »Wie, der Franzose?« — »Ja Herr! Er hat es gethan! — Er zwang mich dazu, er sezte mir die Pistole auf die Brust!« —

Es war in der That ein entsezlicher Streich. Die See gieng hoch; die Strömung lief nach Nordost; das Rudern war äußerst beschwerlich; unsere Richtung gerade entgegengesezt. Hierzu die Hitze, die Windstille, der Mangel an Proviant — Ich gestehe es; ich war außer mir vor Zorn. Ich hätte den gräßlichen Patron über Bord werfen können; so erbittert war ich auf ihn. — »Da!« sagte ich, und weckte ihn ziemlich unsanft auf — »Da! Sehen Sie ihre verdammte Steuermannnskunst! — Wir treiben in offener See.«

»Vous êtes une bête!« — war seine Antwort — »Was verstehen denn Sie davon? Nun ja! Ich habe diese Nacht gesteuert,und danken sollten Sie mir noch dafür. —Parbleu!— So an der Küste hinzuschleichen, wenn man Curs halten kann. In ein Paar Stunden müssen wir zu Caix seyn. Wenn man die Küste nicht sieht, so ist der Nebel daran Schuld.«

Jezt wurde es mir zu arg, und ich bewieß ihm mit der Charte, daß er ein Windbeutel sey. — »Treiben wir die Nordspitze von Ceylon vorbei« — fuhr ich fort — »so ist es um uns geschehen. Also ans Ruder, bis der Wind auffrischt! Geben Sie den Leuten Geld, sonst stehe ich Ihnen für nichts!« —

Er schien mir Recht zu geben, und warf eine Hand voll Rupien hin. Diese theilte ich sofort unter die Ruderer aus, und machte sie wirklich ganz munter dadurch. Zu gleicher Zeit theilte ich Reis und Wasser unter sie aus. Wir andern behalfen uns mit etwas Zwieback und Maderawein.

So kam der Abend heran; der Wind schien aufzufrischen; die armen Ruderer konnten wenigstens etwas ruhen. Ich selbst lösteden Tandel am Steuer ab, und war endlich der einzige, der auf der Chialeng wachend blieb. Zu meiner großen Freude ward der Wind immer stärker, und so steuerte ich muthig nach Südwest fort.


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